Marketing Buch: Das Klappentext

Hei, hallo und herzlich willkommen,

immerhin haben 33 Prozent der Teilnehmende gesagt, dass bei einem Buchkauf der Klappentext für sie wichtig ist. Und ich bin da völlig dabei. Jedes Mal, wenn ich mich für ein Buch interessiere, weil mich das Cover gefangen hat, kommt als Nächstes der Klappentext. Und da kann man mich als Leserin gewinnen oder verlieren. Andererseits, mit einem Klappentext kann man auch sehr, sehr vieles falsch machen.

Kurze Vorgedanken

Als Indieautorin oder Indieautor ist das Thema Klappentext spätestens dann ein Thema für Dich, wenn Dein Buch fertig ist und Du bereit bist, diesen zu veröffentlichen. Aber wenn Du noch ganz am Anfang bist, also in der groben Planung oder beim Plotten und planen, dann kannst Du Dich auch schon mit diesem Thema beschäftigen.

Dein fertiges Projekt

Bist Du fertig, willst Du es sicherlich richtig präsentieren. Das Cover ist ein erster und wichtiger Anreiz. Das stimmt. Hast Du Deine potenziellen Leserinnen und Leser dazu gebracht, Dein Baby in die Hand zu nehmen oder online anzuklicken, reicht das bei Weitem nicht aus. Du musst sie nun mit Deinem Klappentext überzeugen und dazu verführen, dass sie die ersten drei Seiten lesen (wenn Du erlaubst, in Dein Buch zu schauen). Oder das Buch sofort in den Warenkorb zu legen, um damit zur Kasse zu gehen.

Und dafür hast Du gerade mal 150 bis 200 Wörter Zeit (mehr dazu unten). Länger sollte ein Klappentext nicht sein. Wobei ich hierbei den Klappentext auf dem Rücken Deines Buches meine. Wenn Du ein Umschlag hast, dann kannst Du Dir mehr Zeit bzw. Zeilen nehmen. Das Problem hierbei ist jedoch, wie bringst Du die potenziellen Leserinnen und Leser überhaupt, so weit zu gehen. Sofern Du überhaupt ein Umschlag hast.

Dein Klappentext solltest Du nicht unterschätzen.

Du stehst noch am Anfang

Dir leuchtet sicherlich ein, warum es wichtig ist, am Ende Deines Projektes Dich mit diesem Thema zu beschäftigen. Auch wenn für viele Autorinnen und Autoren das Thema Klappentext ein rotes Tuch ist. Und ich kann es verstehen. Denn ich habe für meine Novelle auch versucht ein Klappentext zu schreiben, es ist nicht leicht. Um es mal nett auszudrücken.

Warum solltest Du Dich gleich am Anfang Deines Projektes dann bitte schön darum bemühen? Einige könnte es entmutigen.

Erst einmal bitte ich Dich, nimm am Anfang Deines Projektes den Klappentext nicht ZU ernst. Das ist nicht Sinn dieses Beitrages. Sinn ist, dass Du eine Orientierung hast, wohin sich genau Dein Roman hinbewegen soll. Wenn Du jetzt schon den roten Faden hast, dann wird es leichter sein, Deine Geschichte zu planen und zu plotten. Und am Ende kannst Du Deinen Klappentext sogar nutzen, um die finale Version zu schreiben.

Deswegen siehe bitte in diesem Stadion den Klappentext als Mittel für Deinen Plot und nicht als Folterinstrument an. Auch wenn es sich sicherlich so anfühlt. Es ist eine Unterstützung. Und er muss noch nicht einmal perfekt sein. Ganz im Gegenteil. Am Ende wirst Du ihn sicherlich noch einmal überarbeiten oder vielleicht sogar völlig neu schreiben. Das ist in Ordnung. Aber nutz ruhig die Möglichkeiten, welche Dir der Klappentext ermöglicht.

Und damit Du weißt, wie man einen schreiben kann, kommen hier meine Vorschläge dazu.

Wie kann ich einen Klappentext schreiben?

Die fünf Elemente in Deinem Klappentext

Gute Klappentexte haben fünf Elemente, mit denen Du die Leserinnen und Leser anziehen kannst. Wenn Du diese Elemente aufführst, kannst Du zugleich Deinen Plot überprüfen, ob Du diesbezüglich an alles Wichtige gedacht hast. Wenn nicht, dann ist es spätestens jetzt Zeit Dich daran zu machen und Dein Plot und Deine Charakterarbeit zu überprüfen. Ein guter Grund, warum Du Dich also schon am Anfang mit Deinem Klappentext beschäftigen kannst.

Doch welche fünf Elemente sind das nun?

Du hast eine Heldin oder einen Helden. Dieser befindet sich in einer Situation, aus dieser will sie oder er sich befreien, um das eigene Ziel zu erreichen. Der Antagonist oder die Antagonistin will unsere Heldin bzw. unseren Helden natürlich davon abhalten dieses Ziel zu erreichen. Sollte unser Antagonist oder unsere Antagonistin gewinnen, endet die Reise für unseren Helden oder unsere Heldin am Ende in einer Katastrophe.

Wenn man das so liest, dann ist dieses Monstrum Klappentext mit einem Mal nicht mehr so monströs, oder? Aber schauen wir uns jedes Element noch einmal in aller Ruhe an. Dann wird dieses ganze Thema noch einmal kleiner und klarer.

Die Heldin oder der Held

Wer ist nun wirklich Deine Heldin oder Dein Held. Diese Frage ist durchaus ernst gemeint. Gerade bei Liebesromanen kann das schon mal ein wenig verwirrend werden. Muss ich beide in meinen Klappentext nehmen, oder reicht nur die Heldin? Und wenn ich einen ganzen Blumenstrauß an Figuren habe, wen muss ich da nun wirklich nehmen? Da nenne ich als Beispiel einen Fantasyroman.

Finde heraus, wer am wichtigsten ist und lasse dann diese Figur am Ende in Deinem Klappentext auftauchen. Alle anderen Figuren sind natürlich auch wichtig, aber Dein Klappentext soll am Ende nicht von Figuren überquellen und Deine Leserinnen und Leser verwirren. Immerhin willst Du sie ja zum Kauf anregen und nicht dazu, dass sie das Buch wieder weglegen.

Die Situation

Am Anfang der Geschichte befindet sich Deine Heldin oder Dein Held in irgendeiner Situation, aus die sie/er sich befreien möchte. Beschreibe sie an dieser Stelle genau, damit ich als Leserin überhaupt Interesse habe, mich näher mit Deiner Geschichte zu beschäftigen. Schau also genau hin, wo sich gerade Deine Hauptfigur befindet und was es mit ihr/ihm macht.

Das Ziel

Deine Hauptfigur hat ein Ziel. Und dieses Ziel hilft ihr oder ihm, sich aus dieser Situation zu befreien. Welches ist dieses Ziel? Es sollte groß genug sein, damit man es nicht ZU leicht erreichen kann. Aber es sollte auch nicht zu groß sein, sodass man es überhaupt nicht erreichen kann oder nur mit einem Trick, der mich als Leserin dann nicht mehr überzeugt.

Und leider gibt es solche Geschichten wirklich.

Die Antagonistin oder der Antagonist

Es gibt immer etwas oder jemanden, die unserer Hauptfigur im Weg steht. In vielen Geschichten ist diese Figur ein Mensch. Das muss aber nicht sein. Als antagonistische Kraft kommen auch gesellschaftliche Konventionen oder Naturkatastrophen in Betracht, um zwei Beispiele zu nennen. Bestimme, wer oder was Deiner Hauptfigur im Weg ist.

Und definiere auch, warum diese Person oder diese Kraft überhaupt will, dass unsere Heldin oder unser Held nicht ans Ziel kommt.

Die Katastrophe

Deine Heldin oder Dein Held erreicht nicht das angestrebte Ziel, um aus der Situation herauszukommen. Was für uns normale Menschen nicht allzu schlimm ist, ist für eine Romanfigur eben eine Katastrophe und muss irgendwelche Konsequenzen haben. Und jetzt stellt sich natürlich die Frage, was ist die Katastrophe für Deine Figur, wenn sie ihr Ziel nicht erreicht?

Bearbeitungstipp

Schreib alle fünf Elemente erst einmal einzeln auf. Wie viele Wörter Du dafür brauchst, ist egal. Es geht um die Grundlage. Wenn Du bei einem oder anderen Punkt stockst oder stolperst, dann hat das vermutlich einen guten Grund. Denn es könnte sein, dass Du hier noch nicht genug weißt. Daher schau Dir die Punkte an und überlege, warum Du da gestockt hast. Weißt Du schon genug oder fehlt noch etwas? Notfalls arbeite genau da noch einmal ordentlich daran.

Noch ein paar Tipps für Dich und Deinem Klappentext

Mit den oben genannten Punkten kannst Du schon einmal einen Klappentext schreiben. Aber vielleicht sagst Du Dir, dass Du gerne noch ein paar Ratschläge hättest. Einfach, um ganz sicher zu sein, dass Du auch alles richtig machst. Oder auch nur deswegen, weil Du eine Initialzündung brauchst, um überhaupt anfangen zu können.

Gut schauen wir mal, ob ich Dir da weiterhelfen kann.

Bring es auf den Punkt

Wie oben schon geschrieben, mehr als 150 bis 200 Wörter sollte Dein Klappentext nicht sein. Das ist schon heftig. Und das gilt für alle Romanlängen. Also, egal ob Dein Roman 100 Seiten oder 1.000 Seiten hat.

Versuche daher Deinen Roman auf einen einzigen Kernsatz zu bringen. Was macht Deine Geschichte aus, warum hast Du Dich entschieden überhaupt diesen Roman zu schreiben?

Ein Beispiel wäre „Der Herr der Ringe“: Frodo Beutlin, ein Hobbit aus dem Auenland, muss seine Heimat verlassen, um den einen Ring zu vernichten. Dabei trifft er auf viele Verbündete und Feinde.

All die liebenswerten Details, welche aus einer einfachen Geschichte das Buch machen, welches wir kennen, gehören hier nicht rein. Sie sind wichtig für die Geschichte, aber nicht für Deinen Klappentext.

Was ist also die Kernaussage Deiner Geschichte?

Aus der Praxis!

Als ich nach der maximalen Wortanzahl für den Klappentext recherchiert habe, erhielt ich die oben genannte Angabe von 150 bis 200 Wörter. Und erst einmal habe ich es so hingekommen, weil ich mir dachte, das ist ja nicht viel. Das kommt gerade so hin.

Pustekuchen!

Als ich meine ersten Klappentexte schrieb, hatte meine erste Version 52 Wörter und die zweite Version 99 Wörter. Und bei der zweiten Version hatte ich das Gefühl, dass da sehr viel BlaBla herauskommt.

Dann habe ich einige Bücher genommen und die Wortanzahl der Klappentexte gezählt. Zwischen 42 und 172 Wörter war alles dabei. Und ich gestehe, da war ich dann doch ein wenig überrascht.

Mein Vorschlag ist daher, wenn Du den Klappentext als Vorübung schreibst, um damit Deine Geschichte zu plotten, kannst Du mehr als 150 Wörter benutzen. Ist das die finale Version, mit der Du am Ende Deine Geschichte bewerben willst, kannst Du unter 150 Wörter bleiben (mit Ausnahmen natürlich).

Was ist die Hauptgeschichte?

„Der Herr der Ringe“ hat viele Nebengeschichten und noch mehr Nebencharaktere (auch wenn andere Geschichten diesen Roman schon lange in den Schatten stellen). Das ist nicht nur bei diesem Roman so, sondern bei so gut wie allen Geschichten (einige Ausnahmen gibt es immer).

Schaue also genau nach, was die Hauptgeschichte Deines Romans ist. Was ist also der Kern Deiner Geschichte? Geht es um Liebe, geht es um die Geschichte einer Auserwählten oder worum genau? Je genauer Du das Benennen kannst, desto eher wirst Du die richtigen Leute anziehen. Denn Du willst ja keine falschen Hoffnungen wecken.

Wenn sie eine bestimmte Geschichte erwarten, dann wollen sie diese auch lesen, eben aufgrund Deines Klappentextes. Und wenn sie enttäuscht werden, kann sich das gelegentlich auch in einer negativen Rezension niederschlagen. Zumindest kann es bedeuten, dass die Leute bei Deinem nächsten Roman durchaus vorsichtiger sind.

Mir ist das jetzt tatsächlich mehrere Male passiert. Der Klappentext bot mir eine wirklich tolle Geschichte. Da dachte ich mir, wenn Du das Buch nicht kaufst, dann verpasst Du etwas. Also hab ich es gekauft. Und hab es bedauert. Denn der Klappentext hat mir mehr verkauft, als es letztendlich halten konnte. Und dementsprechend werde ich tatsächlich gegenüber den Autor*innen vorsichtiger sein. Also werde ich eher dazu neigen, da nicht unbedingt blind das Buch zu kaufen.

Die Zeitform Deines Textes

Egal, in welcher Zeitform Du Deinen Roman schreibst, es gibt die Regel, dass der Klappentext selbst immer in der dritten Person Präsens verfasst wird. Du kannst Dir also vorstellen, dass der Klappentext mit mir als Leserin sprechen soll. Es erzählt mir grob, was der Inhalt ist und will mich zum Kauf ermutigen. Und diese Erzählung geschieht eben in der Gegenwartsform.

Die Sprache des Klappentextes

Idealerweise passt sich die Sprache des Klappentextes Deiner Geschichte an. Wenn Du also ein Kinderbuch geschrieben hast, sollte es natürlich nicht in hochtrabendes Juristendeutsch geschrieben sein. Und wenn Du einen Historical geschrieben hast, warum nicht ein wenig die Sprache der entsprechenden Zeit anpassen?

Hier kannst Du ein wenig spielen und schauen, was letztendlich gut ankommt.

Marketing! Marketing!

Wenn Du Dich entscheidest, Deine Geschichte in einem Verlag zu veröffentlichen, kümmert sich dieser um Deinen Klappentext. In diesem Zusammenhang wäre das also kein Thema für Dich (außer als Vorübung). Wenn Du zu den Indies gehören möchtest, dann kannst Du von den Verlagen lernen.

Dazu gehört unter anderem auch, dass Du gerne Vorabrezensionen nutzen kannst, um Werbung für Dich zu machen. Vielleicht hast Du ja Dein Buch einem großen Rezensionsblog gegeben, damit dieser es sich schon einmal durchlesen kann, um rechtzeitig einen Beitrag darüber zu verfassen. Vielleicht könntest Du auch eine berühmte Kollegin oder einen berühmten Kollegen bitten, ein Kommentar zu Deinem Buch zu verfassen.

Wenn Du solch ein Zitat hast, warum dann nicht nutzen? Das ist durchaus Gold Wert. Jedoch kommt dann die Frage, wie viele Zitate dürfen es denn sein?

Vielleicht hast Du ja schon einmal ein amerikanisches Buch gelesen. Viele von denen fangen mit vielen, teilweise sehr vielen Zitaten an. Das nennt sich „Praise for the Book“, also „Lob für das Buch“. Die amerikanischen Verlage kleckern nicht, sie klotzen. Da kann es schon sein, dass ein oder zwei Seiten voller Zitate von bekannten oder auch weniger bekannten Autorinnen und Autoren dort stehen, die sich das Buch durchgelesen haben. Ich bin sogar der Meinung ein Buch in den Händen gehabt zu haben, wo es vier Seiten gab.

In Deutschland ist man in dieser Hinsicht zurückhaltender. Wenn geklotzt wird, dann übertreibt man schlichtweg. Zumindest sind viele der Meinung, dass man niemals übertreiben darf. Unter gar keinen Umständen. Ein oder zwei Zitate sind genug, manchen ist das schon zu viel. Wenn Du also ein paar Zitate hast, such Dir die aus, die am stärksten für Dich und Deine Geschichte stehen. Oder entscheide Dich dafür, wie bekannt die Verfasserin oder der Verfasser des Zitats ist.

Oder Du wagst es doch zu klotzen.

Wecke Gefühle

Häufig kaufen wir nicht deshalb ein Buch, weil uns der Klappentext von der logischen Seite her überzeugt hat, sondern weil es unsere Gefühlsebene ansprach. Und das ist durchaus ein gutes Mittel für Dich (siehe das Beispiel oben).

Schau Dir noch einmal Deinen Hauptplot an und überlege Dir, welche Adjektive zu dieser Geschichte passen könnte. Denn nicht alle Adjektive passen logischerweise zu allen Arten der Geschichten. Wenn Du gerade gar keine Idee hast, welche Du verwenden könntest, im Internet gibt es genügend Listen mit Adjektiven, die Du durchsuchen kannst. Du wirst in dieser Hinsicht also nicht allein gelassen.

Bei einem Text von 150 Wörtern kannst Du durchaus acht bis zwölf emotionale Adjektive verwenden. Je kürzer Dein Text am Ende werden sollte, desto mehr musst Du auch bei den Adjektiven streichen.

„Ich brauche Hilfe!“

Bevor Du die Flinte in den Korn wirst, weil Du das Gefühl hast, dass da so viel zu beachten gibt, versuche Dich noch heute an den Klappentext zu Deinem Roman. Denn Übung macht die Meisterin und auch den Meister. Wenn Du aber das Gefühl hast, dass Du absolut nicht weiter kommst, keine Sorge. Für den einen oder anderen Euro bekommst Du professionelle Hilfe.

Häufig sind das Leute, die das schon länger machen und durchaus wissen, was sie tun. Setze Dich mit denen in Verbindung und lasse Dir helfen bzw. Dir von denen Deinen Klappentext schreiben. Das kann aber schon um die 100 Euro oder auch mehr an Geld verschlingen. Aber bevor Du einen halb garen Klappentext in die Welt setzt, eventuell wäre diese Hilfe nicht ganz unnütz.

Ansonsten lerne von den Großen. Also von Büchern, die in Deinem Regal stehen und die Du aufgrund der Klappentexte gekauft hast. Warum waren es gerade diese Texte, die Dich angesprochen haben?

Und im Internet gibt es viele Leute, die bereit sind, Dir zu helfen (also Freundschaften, Laien und so weiter). Du bist also nicht alleine auf diesen Weg. Ich würde Dir aber wirklich empfehlen, es erst einmal zu versuchen. Du musst es ja nicht sofort veröffentlichen.

Abschlussgedanken

Der Klappentext kann ein gutes Instrument für die Arbeit an Deinen Roman sein. Und zugleich ist es eines der wichtigsten Marketingmittel, wenn Du Dich dran machst, Werbung für Deine Geschichte zu machen. Denn je besser es ist, desto eher wird es eine Leserin oder Leser auch kaufen, auch wenn diese Person nur zufällig über Deine Geschichte stolpert.

Daher ist es durchaus in Ordnung, wenn Du für diesen wichtigen Punkt die eine oder andere Stunde investierst. Hauptsache das Endergebnis lässt mir als Leserin das Wasser im Mund zusammenlaufen und den Wunsch entstehen, ich muss das Buch unbedingt haben. Unter allen Umständen.

Wenn dann noch Dein Buch überzeugen kann, geschieht es häufig, dass Du Dir so treue Leserinnen und Leser erarbeitest. Und das ist das wichtigste Marketingmittel, was Du haben kannst.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg und noch mehr Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

 

Marketing Buch: Das Cover

Hei, hallo und herzlich willkommen,

bei meiner Umfrage gaben 56 Prozent der Teilnehmenden an, dass sie als erstes auf das Cover achten. Mit anderen Worten, mehr als die Hälfte orientieren sich visuell beim Kauf eines Buches. Wenn ich bei der Umfrage hätte abstimmen können, mein Klick wäre auch beim Cover gelandet. Daher fangen wir die Buchmarketingreihe auch mit dem Cover an.

Zuerst möchte ich kurz mit einigen Vorgedanken zum Thema Cover anfangen. Danach geht es weiter, welche unterschiedlichen Typen es gibt, samt ihrer Vor- und Nachteile. Dann gibt es ein paar Hinweise, was Du beim Coverkauf beachten und wie Du es am besten gestalten lassen kannst.

Vorgedanken

Irgendwann ist es (hoffentlich) soweit. Du hast Deine Geschichte beendet und möchtest es veröffentlichen. Es gehören durchaus noch einige Punkte vor der Veröffentlichung dazu, die noch zu beachten gilt. Die Wahl, ob Du ein Lektorat oder ein Korrektorat möchtest, bei welchen Distributoren Du veröffentlichen möchtest oder auch zu welchem Preis.

Früher oder später kommt dann das Thema Cover auf Deinen Schirm. Und dann heißt es die Qual der Wahl zu haben, was man letztendlich auf dem Buchdeckel packt, um das eigene Baby zu präsentieren.

Wenn ich aber von einem sehr persönlichen Gefühl sprechen darf, dann ist es der, dass in Deutschland sich die Autorinnen und Autoren eher wenig Gedanken um die Hülle gemacht wird. Also um das Cover. Da wird wochenlang, monatelang, manchmal sogar über Jahre hinweg an einer Geschichte geschrieben. Häufig auch Geld dafür ausgegeben (zum Beispiel für Schreibkurse, Programme und was weiß ich) und vor allem viel Zeit investiert. Und dann wird beim Cover gesparrt.

Einige von diesen Autorinnen und Autoren erstellen ihre eigenen Covers. Und für die lohnt es sich. Denn sie können das sehr gut. Sie brauchen keinen professionellen Coverdesigns, weil sie es selbst schaffen. Andere hingegen nehmen ein Bild, am besten aus einer Datenbank, wo sie sich nicht sicher sein können, ob die Quelle wirklich legal ist, klatschen den Namen rauf und fertig.

Und das sieht man diese Covers durchaus an. Oder man gönnt sich durchaus etwas und bezahlt für das Grundlagenbild (zum Beispiel von einer der verschiedenen Bilddatenbanken) und verschandelt es dann mit der eigenen Überarbeitung. Irgendwann schaut man sich dann die Verkaufszahlen an und wundert sich, warum das Buch ein Ladenhüter ist. Natürlich gibt es auch die Profis unter den Autor*innen, die wissen, was sie tun. Aber das sind eher wenige unter uns, die das wirklich können.

Kleiner Hinweis

Bei diesem Beitrag müssen wir jedoch eine Einschränkung machen. Nicht alle Autor*innen können sich ihr Cover selbst aussuchen. Willst Du bei einem großen Verlag unterkommen, musst Du erst einmal damit leben, was für ein Cover Dir präsentiert wird. Natürlich hast Du gewisse Mitsprachemöglichkeiten. Aber in erster Linie entscheidet der Verlag. Und sie meinen, zumindest zu wissen, was sich gut verkauft. Ob das letztendlich stimmt, ist etwas anderes.

Bei kleinen Verlagen oder auch Indie-Verlagen kann das anders aussehen. Hier kommt es auf die Verlagsleitung an. Hier hab ich häufiger gelesen, dass die Autor*innen sehr viel Mitspracherecht haben. Gegebenenfalls darfst Du Dich auch selbst komplett um das Cover kümmern. Da musst Du natürlich mit Deinem Verlag sprechen.

Wenn Du Dich für den Weg des Selfpublishing entscheidest, darfst Du alles machen, was Du willst. Du kannst das Cover selbst basteln oder auch eines kaufen. Du entscheidest, wie es aussieht und wer es für Dich designen darf. Beim Selfpublishing hast Du die größte Freiheit, was dieses Thema betrifft.

Meine persönliche Ansicht zu diesem Thema

Wenn ich in Onlinebuchladen oder auch in realen Buchläden nach Büchern Ausschau halte, gehe ich dabei unterschiedlich vor. Entweder ich suche gezielt nach einem bestimmten Buch oder ich schaue wahllos herum und entdecke dabei durchaus interessante Bücher und kleine Perlen. Am Ende kann es passieren, dass ich dann wieder neue Bücher auf meiner Wunschliste habe, die ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte (oder in meinem Bücherbeutel).

Dabei ist mir irgendwann Mal aufgefallen, nach welchen Kriterien ich online oder in einem Buchladen nach Büchern direkt schaue. Es geht, ganz simpel geschrieben, nach den Covern.

Dein erster Satz kann noch so spannend oder Dein Klappentext noch so gut geschrieben worden sein, wenn Deine potenziellen Leserinnen und Leser nicht zum Buch greifen, liest das niemand. Das bedeutet für Dich also, dass Du sie irgendwie einladen musst, Dein Buch faszinierend zu finden, es anklicken oder hochheben und dann anfangen zu lesen.

Gerade dann, wenn Du ganze Listen durchsuchst (wie es bei Goodreads möglich ist), kannst Du kein Klappentext durchlesen oder die erste Seite. Da ist es zwangsläufig so, dass das Cover hier ein wichtiges Kaufargument wird.

Bewerte nie ein Buch nach dem Cover

Natürlich sollte man das nicht machen. Wie oft habe ich kleine Perlen entdeckt, obwohl das Cover, gelinde gesagt, Schrott war. Natürlich kann auch ein ganz mieses Cover ein Anreiz sein, um zu einem Buch zu greifen. Aber ich würde nicht damit rechnen. Nicht mehr. Da gehört mehr dazu, damit ein schlechtes Cover überzeugen kann.

Denn wir sind alles nur Menschen. Und dementsprechend hat die visuelle Aufnahme ein ordentliches Wörtchen mitzureden. Damit will ich sagen, wenn uns etwas nicht optisch anspricht, dann dürfte es eher wahrscheinlich sein, dass wir nicht zugreifen. Natürlich kann es sein, dass jemand doch das Buch liest und es empfiehlt. Im Thread meiner Umfrage hatte jemand geschrieben, dass er auf Empfehlung auch miesen Covern eine Chance gibt. Das Problem ist nur, jemand muss sich wirklich hinsetzen und der Geschichte eine Chance geben.

Es ist ganz klar, wir haben allesamt einen anderen Geschmack. Aus diesem Grund gibt es verschiedene Arten von Covern, auch wenn sie im gleichen Genre angesiedelt sind. Aber letztendlich kommt es darauf an, dass die Geschichte ordentlich verpackt wurde. In einem ansehnlichen Kleid (also Cover).

Wenn Du die Leute angelockt hast, werden sie mit vielen anderen Themen weitaus gnädiger umgehen. Negative Rezension, vielleicht eine etwas schwache Geschichte, all das können sie verzeihen. Wenn Du ihnen erst einmal die Möglichkeit gibst, Deine Geschichte näher kennenzulernen. Gerade im Internet ist die Hürde mal ein Buch anzuklicken und in eine Leseprobe zu stöbern, weitaus höher (zumal es die nicht immer gibt). Daher ist es umso wichtiger, dass Deine Leserinnen und Leser irgendwie angesprochen werden.

Verschiedene Arten von Covertypen

Ich habe selbst in den letzten Jahren drei Typen von Coverarbeiten festgestellt, die gerne und viel genutzt werden.

Die selbst erstellten

Bei den selbst erstellten, sollte man, meiner Meinung nach, eher vorsichtig sein. Wenn Du selbst Design studierst oder es Dir selbst beigebracht hast, dann leg los. Solange das Ergebnis gut aussieht, ist alles im grünen Bereich. Und warum sollst Du nicht Deine eigenen Covers erstellen?

Ich kann mir gut vorstellen, dass das eine Menge Spaß macht. Und sicherlich ist man am Ende um einiges stolzer auf das eigene Werk, wenn man wirklich alles allein gemacht hat. Und zudem gibt es keine Diskussionen mit den Designerinnen, was Du wirklich haben willst, was machbar ist oder nicht. Du weißt selbst sehr gut, was Du kannst, was Du haben willst und vor allem, wie Du es umsetzen kannst.

Es gibt einige Autor*innen, welche ihre Covers selbst erstellen. Und ich hab keinen Unterschied zwischen ihren und den Covers aus der Designstube gesehen. Wenn Du also mit dem Bildbearbeitungsprogramm umgehen kannst, hab viel Spaß dabei.

Beherrschst Du jedoch nur die Grundlagen eines Bearbeitungsprogramms, ich würde Dir empfehlen, Dir lieber die Hilfe einer guten Designerin oder eines guten Designers zu holen. Oder zumindest einen Kurs besuchen, damit Du Deine Grundlagen ausbauen kannst.

Leider ist es bei einigen Leserinnen und Lesern zwischenzeitlich so, dass sie Bücher mit schlechten Covern schlichtweg nicht mehr ansehen. Das mag ein Vorurteil sein. Denn trotz schlechten Cover kann sich dahinter eine wundervolle Geschichte verbergen. Aber aufgrund vieler Erfahrungen, wo das Gegenteil bewiesen wurde, haben sich einige zur Regel gemacht, solche Bücher nicht mehr zu kaufen.

Und diese Erfahrungswerte haben sich bei anderen Leserinnen und Leser verbreitet, sodass sie ebenfalls solche Bücher nicht kaufen. Auch wenn sie selbst damit keine schlechten Lesegenüsse hatten.

Daher ist es durchaus empfehlenswert, dass Du nicht am falschen Ende sparst. Gönn Dir lieber ein sogenanntes Premade-Cover (siehe bitte weiter unten), wenn Du schon keine Auftragsarbeit haben willst. Aber wenn Du keine Erfahrung in Coverdesign hast, lass es bitte. Tu Dir selbst den Gefallen.

Auftragsarbeiten

Es könnte aber auch sein, dass Du Dir sagst, gut, ich werde nicht selbst mein Cover gestalten, ich beauftrage jemanden damit. Und zwar mit einem ganz individuellem Cover.

Hier kannst Du Dein*e Wunschdesigner*in gerne in den Wahnsinn treiben, mit Deinen Wünschen. Da Du sie beauftragst, wird sie durchaus versuchen, Deine Wünsche zu realisieren. Aber akzeptiere auch, dass sie Dir sagt, was gut ist und was weniger gut ist. Und meistens wissen sie auch, was wirklich gut ankommt und realisiert werden kann. Verliere nicht Deine Vision aus den Augen, aber höre auch auf die Vorschläge Deiner Wunschdesignerin. Vielleicht bekommst Du am Ende ein Cover, von dem Du noch nicht einmal zu träumen gewagt hast.

Von einer Designerin hab ich mal gelesen, dass sie ein Cover nach den Wünschen einer Autorin angefertigt hat. Dabei hatte sie die Autorin mehrere Male darauf hingewiesen, dass das Cover so nicht gut wird. Aber sie fügte sich am Ende den Wünschen, um unnötige Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Am Ende hat sie sich sogar darauf bestanden, dass ihr Name nicht im Buch als Designerin steht. Zwar hat sie dazu nichts gesagt, aber ich kann selbst nur vermuten, dass eine zukünftige Zusammenarbeit nicht gegeben ist. Und soweit sollte es dann doch nicht kommen.

Mache Dir im Vorfeld Gedanken, wie Dein Cover aussehen könnte. Damit geht es schlichtweg schneller und ihr beide müsst nicht von ganz Anfang an zu arbeiten beginnen. Mach Skizzen, wo ungefähr was sein soll. Dafür brauchst Du noch nicht einmal zeichnerisches Talent.

Du kannst Dir auch Covers aus Deinem Genre anschauen und überlegen, was Dir besonders gut gefällt und was Du auf keinen Fall haben willst. Sammel die Covers und zeige sie notfalls als Referenz vor. Gegebenenfalls kannst Du auch fertige Covers von anderen Designer*innen abspeichern, um zu zeigen, was Du gerne hättest. Das mache ich gerade für meine aktuelle Geschichte. Da hab ich auch ein Bild vor Augen und speichere alles, was ich kriegen kann und in die richtige Richtung geht.

Was am Ende herauskommt, werdet ihr dann sehen. Je nach Arbeitsaufwand kann das Cover zwischen einem günstigen Preis bis hin zur Preisexplosion alle Preisklassen haben. Dabei kommt es darauf an, wie viel Zeit investiert werden muss und welche Materialien eingekauft werden (unter anderem eben auch die Stockfotos, Schriftarten und so weiter). Ja, es gibt durchaus die Möglichkeit um die 1.000 EUR für ein einziges Cover zu bezahlen. Nur ist das eher selten die notwendig. Rechne eher mit 200 bis 300 EUR als Durchschnittspreis.

Der Vorteil ist aber definitiv, dass Du ein sehr individuelles Cover bekommst, welche zu Deiner Geschichte passt. Denn hier haben zwei kreative Menschen (mindestens) zusammengearbeitet, um das Beste herauszuzerren. Die Figuren passen zum Roman, der Hintergrund. Alles fügt sich hier harmonisch zusammen.

Premade Covers

Die letzte Möglichkeit, und durchaus auch eine kostengünstige Variante, ist der Kauf eines sogenannten Premade-Covers. Das sind Covers, welche die Designer*innen ohne einen Auftrag erstellt haben, aber der Meinung sind, dass diese durchaus auf ein Buch passen könnte.

Da gibt es noch einen kleinen Unterschied. Viele der Bilder werden mit Stockfotos gemacht. Das bedeutet, dass Dein Cover nicht ganz so individuell ist, wie Du es vielleicht gerne hättest. Zwischenzeitlich hat sich auch der Trend dahin gewandelt, dass viele Premade-Covers mit eigenen Bildern angeboten werden. Das bedeutet, dass Du auch hier einmalige Covers bekommen kannst. Aber das ist nicht immer die Regel (was bei Auftragsarbeiten aber auch gelten kann).

Wenn also ein Cover weg ist, ist damit auch das Bild weg. Denn die Designerinnen garantieren häufig (nicht immer), dass die dazugehörigen Bilder nur einmal verwendet werden.

Und das ist keine schlechte Idee. Momentan sind die Haremsgeschichten sehr beliebt (eine Frau mit mindestens zwei Männer). Mir wurden dann zwei Geschichten dazu angeboten (da ich diese Art von Romanen gerade sehr gerne lese) mit dem fast gleichen Cover. Eine Frau liegt auf den Boden/Bett und hat ihre Arme nach oben ausgestreckt. Links und rechts von ihr hocken zwei Männer, welche sie anstarren. Es ist klar, was gleich passieren soll. Die jeweiligen Romane stammen von zwei verschiedenen Autorinnen und trotzdem sehen sich die Covers so ähnlich aus, dass es verwirren kann. Wenn ich nicht genau hinsehe, dann sind das für mich zwei gleiche Geschichten. Erst bei genaueren hinsehen, kann man erkennen, dass ein Bild etwas herangezoomt wurde. Aber beim Vorbeiscrollen achtet man nicht unbedingt darauf.

Auf Facebook gibt es zwischenzeitlich einige Gruppen, in denen Du diverse Covers und die dazugehörigen Designer*innen findest. Aber auch mit dem Suchbegriff „Premade-Covers“ bei den bekannten Suchmaschinen wirst Du sicherlich fündig werden (gerne alle möglichen Schreibvarianten dazu verwenden).

Wenn Dir ein Cover zusagt, dann kannst Du es, so wie es ist, kaufen. Angepasst werden Titel, eventuell Untertitel und Autorinnenname. Gelegentlich kannst Du auch Änderungen am Cover direkt vornehmen lassen. Das kommt immer auf die Designer*innen selbst an. Gelegentlich verlangen sie für weitere Änderungen auch einen Aufpreis. Wenn Du Dir dabei nicht sicher bist, frag nach. Die Designer*innen, mit denen ich selbst Kontakt hatte, waren sehr freundlich und entgegenkommend. Also keine Sorge, sie beißen nicht.

Premade-Cover haben ihre Vorteile. Sie sind fertig und Du bekommst genau das, was Du im Bild siehst. Das bedeutet, dass Du Dir keine Gedanken machen musst, wie Dein Cover aussehen könnte, ob Du Dich mit der Designerin verständigen kannst und Deine Wünsche gut rüberbringst. Dass alles ist im Grunde genommen erledigt. Denn das Cover ist ja fertig.

Ein weiteres unschlagbares Argument ist eindeutig der Preis. Während Auftragsarbeiten ihren Preis haben, kosten die meisten Premade-Covers um die 100 Euro. Mal mehr und mal weniger. Es kommt immer darauf an, was die Designer*innen investiert haben. Damit meine ich die sogenannten Stockfotos, die ihren Preis haben, dann möglicherweise gekaufte Schriftarten und die Arbeit natürlich.

Ich habe schon sehr gute Coverarbeiten gesehen, die um die 25 Euro kosten. Zwar verlangen ausgebildete Designer*innen durchaus ihr Geld (was ich auch berechtigt finde). Aber ab und an kommen sie Dir preislich auch entgegen, sodass auch der kleine Geldbeutel ein schönes Cover bekommen kann. Wenn Du also noch einen sehr kleinen Geldbeutel hast, kann das für Dich sicherlich interessant sein.

Natürlich sind Premade-Covers auch Werbung für die*den Designer*in. Damit wollen sie zeigen, hei schaut her, so arbeite ich. Es gefällt dir? Dann melde dich bei mir, wir können auch an einem Wunschcover arbeiten.

Lohnen sich Premade-Covers?

Aus meiner Sicht sage ich, ja. Aber das ist jetzt eine Meinung von einer Person, die noch keine Geschichte veröffentlicht hat, aber diese Sache schon länger beobachtet. So habe schon gesehen, dass jemand ein Buch bereits herausbrachte, aber mit dem Cover (Auftragsarbeit) nicht zufrieden war. Dann lief dieser Person das richtige Premade-Cover über den Weg, verliebte sich in das Bild, kaufte es und der Verkauf läuft seitdem besser.

Auf alle Fälle lohnen sich professionelle Covers immer. Da solltest Du nicht sparen.

Und mit diesen Covers sparst Du nicht an Qualität, sondern erst einmal an Geld (die professionellen Covers, die nach Deinem Wunsch hergestellt werden, kannst Du Dir dann auch gerne später holen).

Ich kann Dir jedoch nur empfehlen, Dir nur dann ein Premade-Cover zu kaufen, wenn Du Dir wirklich sicher bist, dass Du die Geschichte auch veröffentlichen möchtest. Wenn nicht, ist das eher Geldverschwendung. Aber wenn Du DEIN Cover gefunden hast, ich werde mir nicht noch einmal die Frage stellen, ob ich es mir kaufen würde. Ich werde es einfach tun. Dazu werde ich Dir natürlich nicht raten, da es auch eine finanzielle Angelegenheit ist. Und das ist eben eine reine Entscheidung, die Du alleine treffen musst.

E-Book vs. Print-Cover

Wenn Du Dir ein Cover kaufst, dann musst Du zwischenzeitlich darauf achten, was es für eines ist. Denn die Designer*innen zeigen meistens ein Cover für E-Books. Aber damit kannst Du noch lange kein Printbuch bestücken. Daher hier einige kleine Hinweise zu dem Unterschied.

E-Book Cover

Wenn man es grob sagen will (und gedanklich bezeichne ich es auch so), dann ist ein E-Book Cover eine Seite, die man auf die Geschichte packt. Das war es. Bei E-Books muss man sich über die Seitenanzahl keine Gedanken machen, da sie alle auf den Reader passen. Hier spielt die Größe auch nur minimal eine Rolle. Die Größe wird erst dann interessant, wenn Du das Cover als Vorschau hochladen möchtest.

Ansonsten ist es nur eine Seite, welche Du vor die Geschichte packst. Hier ist weniger zu beachten. Vertrau hier aber auf alle Fälle Deinen Designer*innen, wenn sie Dir die Vorlagen geben. Notfalls sag ihnen klar, wo Du das Cover alles hochladen möchtest, sodass sie sich darauf einstellen können.

Printcover

Bei einem Printcover musst Du ein wenig mehr beachten. Denn hier benötigst Du nicht nur das, was vorne ist, sondern auch hinten und eben am Rücken. Das bedeutet, dass Dein*e Designer*in ein paar Daten mehr benötigt. Unter anderem die genaue Seitenzahl. Damit berechnet sich auch die Dicke des Buches. Und dafür muss natürlich die Geschichte fertig sein. Und zusätzlich musst Du noch wissen, welche zusätzliche Seiten dazu kommen.

Dazu zähle ich Werbung für andere Romane, welche Du geschrieben hast. Oder von anderen Autor*innen. Oder eine Leseprobe aus einer anderen Geschichte. Was auch immer. Deine Designer*innen sollten wissen, was sie mit diesen Daten anfangen. Daher sprich Dich mit ihnen ab und gib ihnen alle Daten, die sie benötigen. Damit fährst Du sicherer.

Wie Du mit dem Thema Cover umgehen kannst

Meine klare Empfehlung, auch wenn ich mich damit wiederhole, ist: Spare nicht am falschen Ende. Und damit ist hier natürlich das Cover gemeint. Gönne Dir lieber ein individuelles Cover oder zumindest ein Premade-Cover, anstatt Deine potenziellen Leserinnen zu verschrecken.

Vielleicht sagst Du Dir jetzt, Moment mal, ich kann mir beim besten Willen keine 100 oder gar 500 Euro für ein Cover leisten. Dann muss ich es doch selbst machen. Nein, musst Du natürlich nicht. Zum einen gibt es die Möglichkeit, dass Du jetzt, ab heute und sofort anfängst zu sparen. Wenn Du noch beim Schreiben bist, wirst Du sowieso nicht nächste Woche Deinen Roman veröffentlichen. Also hast Du noch ein bisschen Zeit ab sofort jeden Monat zehn oder auch zwanzig Euro zu sparen. Auch wenn Dein Budget eng ist, spare jeden Euro, den Du erübrigen kannst und investiere es in Deine mögliche Zukunft.

Trink lieber zu Hause Deinen Kaffee, als draußen den überteuerten zu kaufen. Schwenk auf E-Books um, anstatt die Printausgaben zu kaufen (manchmal sparst Du nur einen Euro, aber das ist mehr, als wenn Du die Printausgabe kaufst, und kannst diesen in Deine Spardose stecken – Ausnahme ist, wenn Du keinen Reader hast, dann müsstest Du erst einmal investieren). Oder besuche öfters eine Bibliothek. Dort musst Du meistens eine Semestergebühr bezahlen und kannst ansonsten so viele Bücher wie möglich leihen. Mal so als Beispiel.

Ich bin mir sicher, dass Du selbst so viele Spartipps finden kannst, ohne, das Du gleich Dein Leben einschränken musst. Schau einfach nur genauer hin.

Weiterhin gibt es auch die Möglichkeit mit den Designer*innen zu reden. Nicht nur über das Design, sondern auch über eine Ratenzahlung. Ich habe ein Premade-Cover von einer Designerin gekauft, die eigentlich noch nie Ratenzahlungen abgesprochen hatte. Und was war? Sogar sie ist da mitgegangen. Natürlich, letztendlich wollen sie auch mit Dir Geld verdienen. Daher kommen die meisten Dir gerne entgegen. Hauptsache das Geld stimmt am Ende.

Wie könnte Dein Cover aussehen?

Gegenfrage, was hat Dir bei den anderen Covern gefallen bzw. geärgert? Das könnte durchaus ein Maßstab für Dein eigenes Cover sein.

Mich zum Beispiel ärgert es immer, wenn das Bild auf der Geschichte gar nichts mit dem Inhalt zu tun hat. Denn dadurch werden bei mir durchaus gewisse Erwartungen geweckt, welche die Geschichte nicht halten kann. Da kann sogar eine Enttäuschung vorprogrammiert sein.

Tina Folsom hatte mal auf einer LoveLetter Convention gesagt, dass deutsche Covers viel zu kleine Autorinnennamen haben. Sie empfiehlt, dass viel größer zu machen, damit man auch wirklich sieht, mit wem man es zu tun hat.

Natürlich soll das Cover zur Geschichte passen, aber irgendwie auch zum Genre. So hat es sich bei den Romantasygeschichten eingebürgert, auf den Covern immer einen halb nackten Mann zu sehen. Ob das so eine gute Idee ist, sei dahingestellt. Das wäre aber die Ausgangslage. Jetzt stellt sich die Frage, was Du daraus machst.

Wie oben schon geschrieben, lass Dich gerne von anderen Covern inspirieren und schau, was Dir zusagt und was nicht. Kombiniere es dann mit Deinen eigenen Wünschen und dem, was machbar ist. Letzteres wird Dich Dein*e Designer*in sicherlich gerne informieren. Und am Ende kann nur noch was Gutes herauskommen.

Ein paar Hinweise noch

Hier noch einige Hinweise, was Du bei Deinem Cover beachten solltest. Frage nach, sofern es nicht von vornherein klar ist, ob das Cover so noch einmal verkauft wird oder es einmalig bleibt. Gerade darauf solltest Du achten.

Wie oben schon beschrieben, hab ich schon gesehen, dass ein Bild (Stockfoto) auf zwei verschiedene Bücher als Cover verwendet wurde. Die große Gefahr ist hierbei natürlich, dass beide Bücher miteinander verwechselt werden (was mir dann auch passiert ist). Daher könnte es sein, dass die Leute eines der beiden Bücher ignorieren, weil sie glauben, dass sie es gekauft haben. Es mag einigen seltsam kommen, warum ein Buch zwei Mal aufgeführt wird. Aber ich befürchte, die meisten werden diesen Gedanken beiseiteschieben und nicht genauer hinsehen. Und schlimmstenfalls ignorieren sie gerade Deine Geschichte.

Und zudem könnte es Dich einfach nur ärgern, wenn Du Geld für ein Cover ausgegeben hast und jemand andere das gleiche Bild nutzt. Mir ist das passiert, ich hab vor einiger Zeit gesehen, dass ein Bild, was ich als Cover habe, auf ein anderes verwendet wurde und ehrlich gesagt, mich ärgerte es ein wenig.

Erkundige Dich also, ob Dein*e Designer*in das Bild wirklich nur einmalig verwendet hat. Eventuell wäre es daher besser, wenn das Bild selbst erstellt wurde. Sei es als Fotografie oder am PC mit irgendwelchen Programmen. Da musst Du Dir keine Gedanken machen, ob das Bild noch einmal verwendet wird.

Und ich würde Dir auch empfehlen die Printausgabe gleich mit anfertigen zu lassen. Das bedeutet, dass Dein*e Designer*in Dir das Cover so aufbereitet, dass Du es als Vorlage für eine Printversion nutzen kannst. Da die meisten Designer*innen die ganzen Abmessungen kennen und wissen, wie man die Vorlage erstellt, solltest Du es gleich mitbestellen. Auch wenn Du Dir erst einmal überlegst, nur ein E-Book herauszugeben, könnte es sein, dass Du zum Beispiel für Lesungen oder Conventions die Printausgaben drucken lässt. Dann ist es natürlich gut, wenn Du von vornherein die Druckdatei hast. Und sehr häufig ist der Aufpreis eher geringer Natur.

Wenn Du Dein Klappentext fertig hast (lasse es auf alle Fälle vorher von jemandem überprüfen und gegenlesen), dann kannst Du es auch gleich mitgeben, damit dieser eingefügt werden kann. Dann kannst Du theoretisch mit der Veröffentlichung auch schon beginnen.

Sollte es aber noch eine kleine Ewigkeit hin sein bis zu Deiner Veröffentlichung und Du verliebst Dich trotzdem schon jetzt in einem Cover, kein Problem. Mir ist das auch passiert und ich habe sie gekauft. Damit gehören sie mir und ich kann jederzeit die Anpassungen vornehmen lassen. Aber so kann ich auch sicher sein, dass sie niemand anderes hat. Gerade bei individuell aussehenden Covers kann das wichtig sein.

Sparen mag in manchen Bereichen durchaus Sinn machen, aber es heißt ja auch so schön, spare nicht am falschen Ende. Beim Lektorat, Korrektorat und am Cover zu sparen ist definitiv das falsche Ende. Wenn Du noch in der Schreibphase bist, dann fange ab heute an, Geld wegzulegen. Jeden Monat zehn Euro sind durchaus machbar. Innerhalb eines Jahres sind das 120 € und kann schon für ein Cover reichen. Oder für die Anzahlung eines Lektorats (sicherlich werden auch diese mit sich reden lassen bezüglich einer Ratenzahlung, wenn Du höflich bei Deiner Anfrage bleibst).

Ansonsten schau Dich ruhig um. Wie sehen die Covers anderer Romane in Deinem Genre aus? Was steht im Mittelpunkt, was ist drum herum? Und wie darf am Ende Dein Cover aussehen?

Wenn Du möchtest, kannst Du schon mal anfangen zu basteln (werde ruhig kreativ). Bastele Dir Dein Cover und ändere es mit jeder Phase Deines Schreibens. Am Ende kannst Du Deine Ideen auch Deiner Designerin zeigen. Eventuell kann sie damit was anfangen.

Aber auch sonst kann solch ein gebasteltes Cover Deine Motivation steigern. Du hast etwas, worauf Du hinarbeiten kannst. Eben das dieses Cover am Ende auf Deiner Geschichte prangert und in jedem Onlineshop und vielleicht sogar in dem einen oder anderen Buchladen zu finden ist.

Kurzer Hinweis – So etwas wie rechtliche Sachen

Nein, es ist keine Rechtsberatung, da ich keine Anwältin bin. Wenn Du Zweifel hast, frag Dein*e Designer*in oder Dein*e Anwält*in.

Du erwirbst mit dem Kauf eines Covers niemals die Urheberrechte, sondern nur die Nutzungsrechte. Das bedeutet, dass Du nur das Cover dafür verwenden darfst, wofür die Desinger*innen es freigeben. Erkundige Dich genau, wofür Du das Cover alles verwenden darfst. Damit meine ich, darfst Du es für T-Shirts, Tassen oder derartiges verwenden. Wenn ja, dann mach es. Hast Du nicht diese Erlaubnis, dann solltest Du es auch nicht machen. Schlimmstenfalls kriegst Du eine Klage ins Haus.

Erkundige Dich genau, was Du mit dem Cover machen darfst und was nicht. Und wenn Du das Cover auf andere Merchandisingprodukte packen möchtest, erkundige Dich nach dem Preis. Gegebenenfalls lohnt sich der Preis durchaus, dafür zu bezahlen.

Aber noch wichtiger ist, dass Du herausfindest, für wie viele Buchverkäufe Du das Cover verwenden darfst. So hab ich bei einer Desingerin gelesen, dass man maximal 100.000 Bücher mit dem Cover verkaufen darf. Ist man drüber, muss man eine erweiterte Lizenz erwerben.

Mit anderen Worten erkundige Dich, was Du mit dem Cover machen darfst und was nicht. Auf Dauer ersparst Du Dir damit möglichen Ärger.

Abschlussgedanken

Vor etwa zwei Jahren habe ich beobachtet, wie jemand ein Cover in Auftrag gab. Dabei konnte ich die Entstehung, die letztendlich Auswahl und die erneute Veröffentlichung beobachten. Das Cover kostete so um die 400 Euro.

Auf die Frage, ob sich der Preis gelohnt hat, antwortete der Autor, dass er innerhalb von zwei oder drei Wochen diese Summe wieder eingenommen hatte. Für ihn hatte es sich definitiv gelohnt.

Mit anderen Worten, ein gutes Cover lohnt sich immer. Such Dir Deine Lieblingsbücher raus und überleg Dir, sofern Du sie wegen den Covern gekauft hast, warum. Und was von diesem Cover möchtest Du auf Deinem eigenen haben.

Es kann richtig Spaß machen, darüber zu grübeln. Gerade dann, wenn Dein Roman fertig ist. Das bedeutet, dass Du mit großen Schritten auf die Veröffentlichung hinarbeitest. Und das ist doch toll, oder nicht?

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß und noch mehr Kreativität.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

 

Marketing Buch: Eine Übersicht

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

auf meinem Twitteraccount hatte ich mal gefragt, worauf Leser*innen achten, wenn sie ein neues Buch kaufen. Und dankbarerweise haben 311 tolle Leute an der Umfrage teilgenommen. Zusätzlich gab es noch viele wichtige Hinweise in dem Thread dazu. Denn ganz unter uns, als ich die Umfrage erstellt habe, hab ich an den Titel gar nicht gedacht.

Die Ergebnisse dieser Umfrage, sind die Themen für diesen Monat.

Kurze Vorgedanken

Nehmen wir an, Du bist in einer Buchhandlung, der besonderen Art. Dort findest Du ausnahmslos jedes Buch, das Du kaufen kannst. Es wird kein Unterschied gemacht, ob das Buch von einem Verlag oder Indi-Verlag stammt oder im Selfpublishing veröffentlicht wurde. Nun möchtest Du ein Buch kaufen. Nach welchen Kriterien könntest Du gehen? Die eingefügte Umfrage ist natürlich nicht repräsentativ. Immerhin haben „nur“ 311 Leute mitgemacht. Trotzdem ist das Ergebnis doch sehr eindeutig.

Im heutigen Beitrag möchte ich erst einmal eine kleine Übersicht über die Themen liefern. In den kommenden vier Wochen möchte ich Dir dann Tipps und Vorschläge machen, wie Du genau mit dem Thema umgehen kannst. Was Du dann davon umsetzen möchtest, liegt dann an Dir.

Das Cover

Von den Befragten haben 56 Prozent angegeben, dass ihnen das Cover bei der Auswahl sehr wichtig ist. Und damit hat dieser Punkt auch in der Umfrage gewonnen. Zurecht, wie ich selbst erst vor kurzem wieder feststellen durfte.

In letzter Zeit hab ich Romane zu diversen Themen gesucht. Auf Goodreads kannst Du zu diversen Themen Listen anlegen, die mir bei meiner Suche sehr geholfen haben. Das Problem bei solchen Listen ist natürlich, dass man irgendwann nicht mehr die Titel liest, sondern sich von den Covern leiten lässt. Zumindest ist es bei mir so.

Und da müssen die Covers auch im kleinen überzeugen. Zwar haben in der Umfrage einige gesagt, dass sie auch Geschichten mit einem schlechten Cover kaufen würden. Nur haben sie es schwerer. Warum? Weil diese über Umwege überzeugen müssen. Entweder durch Rezensionen. Oder durch Empfehlungen. Wenn aber nicht die richtigen Personen die Geschichte gelesen haben, weil das Cover abgeschreckt hat, dann wird es immer schwerer mit dem Verkauf eines Buches.

Daher hier einige erste Tipps für die Wahl oder die Erstellung eines Covers:

Natürlich sollte dieser zum Genre und zur Geschichte passen. Wenn Du einen Krimi schreibst, dann könnte ein Liebespaar auf dem Cover irritieren. Selbst wenn es in der Geschichte um ein Liebespaar geht, könnte das eher abschreckend sein. Du errichtest damit eine Hürde beim Kauf, die nicht sein muss.

Ideal ist es, wenn das Cover so aussieht, als hätte es jemand vom Fach gestaltet. Du kannst selbst gerne das Cover gestalten und nicht kaufen. Dagegen spricht nichts. Es sollte halt professionell aussehen. Immer wenn ich ein Cover sehe, dass so aussieht, als hätte jemand ein Bild genommen und den Titel draufgepackt, frage ich mich, warum sollte ich mir das Buch kaufen? Als Autorin sage ich nicht, dass sich die Autor*innen keine Mühe mit ihrer Geschichte geben, wenn sie sich keine Mühe mit dem Cover machen. Da gibt es sicherlich viele Gründe, warum dieser Weg gegangen wird. Das Problem ist nur, dass es viele andere nicht so sehen.

Daher kann ich Dir nur ans Herz legen, dass Dein Cover gut aussieht. Und das in jeglicher Hinsicht. Es darf gerne eine Augenweide sein, wenn man es im groß sieht. Aber auch, wenn man es nur so groß wie ein Daumennagel ist. Damit möchte ich sagen, dass man nicht sofort das große Cover sieht. In der oben erwähnten Liste bei Goodreads sieht man nur die Vorschau. Und auch hier muss das Cover überzeugen. Denn häufig sehen Deine Leser*innen nur dieses kleine Vorschaubild. Und wenn es nicht individuell aussieht, werden sich nicht alle das Buch näher anschauen.

Der Klappentext

33 Prozent der Teilnehmenden haben ausgesagt, dass ihnen ein guter Klappentext wichtig ist. In dem Thread wirst Du aber dann Aussagen lesen, wie, dass zuerst das Cover überzeugen muss und dann schauen sie sich den Klappentext an. Und das kann ich bestätigen. Wobei hier auch sehr viel Gefahrenpotenzial steckt.

In den letzten Tagen habe ich mir ein paar Bücher gegönnt. Und zuerst hab ich mich von interessante Covern leiten lassen. Doch dann wollte ich natürlich etwas über den Inhalt lesen. Worum geht es? Könnte es eine interessante Geschichte sein? Und entsprechen diese Geschichten auch mein Geschmack?

Sehr häufig ist der Klappentext die letzte Hürde vor dem Kauf. Es gibt tatsächlich Menschen (zu denen ich übrigens auch gehöre), die keinen Blick ins Buch riskieren. Entweder das Cover und den Klappentext überzeugen oder eben nicht. Und wenn nicht, dann wird das Buch eben nicht gekauft. Wenn Du als Autor*in hier also nicht überzeugen kannst, dann wird es enger.

Bedauerlicherweise entsprechen einige Klappentexte nicht unbedingt der Geschichte. Denn diese waren um einiges spannender als die Geschichte selbst. Tatsächlich hab ich zwei Geschichten gekauft, in dem mir ein toller Roman versprochen wurde. Das Ende vom Lied war, dass die Idee, die erwähnt wurde, in ein paar Sätze abgehandelt wurde und dann war es das. Das hat dann auch zu einem enttäuschten Gesicht bei mir gesorgt (und kann schlimmstenfalls zu einer schlechten Bewertung führen, mein Hinweis, immer eine gute Geschichte schreiben).

Zudem soll der Klappentext so spannend sein, dass die Leute sich regelrecht die Finger danach lecken, die Geschichte kaufen zu dürfen und dann sofort zu lesen. Dein Roman soll idealerweise sofort geöffnet und gelesen werden und nicht auf irgendwelchen Subs landen. Zwar hast Du ein Buch verkauft. Aber im Idealfall möchtest Du doch bestimmt noch weitere Bücher verkaufen. Und das sicherlich an die Personen, die schon Bücher von Dir haben. Damit sie Dich empfehlen und dann weitere Personen zu Dir kommen.

Daher ist es wichtig, hier ein Auge drauf zu werfen. Der Klappentext ist wie eine Bewerbung. Du bewirbst Dich um Deine Leser*innen. Vielleicht ist das auch eine der Gründe, warum viele es nicht mögen, diesen zu schreiben.

Die Leseprobe

Häufig kommen viele nicht zu einer Leseprobe, weil ihnen ein gutes Cover und ein spannender Klappentext ausreichen. Aber eben nicht alle. Immerhin haben 8 Prozent der Befragten angegeben, dass die Leseprobe kaufentscheidend sei. Aber immerhin sind es noch 8 Prozent.

Leseproben bedeutet, dass Du einen kleinen Auszug frei zur Verfügung stellst. Die Länge der Leseprobe würde ich immer von der Lände der Geschichte abhängig machen. Wenn also Dein Roman 1.000 Seiten hat, kannst Du durchaus ein oder zwei Kapitel mindestens zur Verfügung stellen. Wenn Deine Geschichte jedoch nur fünfzig Seiten hat, dann würde ich vorschlagen, dass Du ein oder zwei Seiten maximal als Leseprobe anbietest.

Wenn Du über die bekannten Onlineshops Deine Geschichte anbietest, kannst Du dort einen Blick ins Buch anbieten. Damit können Deine zukünftigen Leser*innen die ersten Seiten lesen, ohne dass Du Dir Gedanken machen musst, wie Du es ihnen anbieten sollst. Besonders kann ich Dir den Blick ins Buch empfehlen, wenn Du ein Sachbuch geschrieben hast. Hier ist besonders das Inhaltsverzeichnis wichtig.

Bei Sachbüchern suchen Deine Leser*innen eine Lösung für ihr Problem. Und wenn sie sehen, dass ihr Problem in Deinem Sachbuch behandelt wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie Dein Buch kaufen. Häufig möchten die Leute aber auch einfach nur sehen, worum es bei Deinem Sachbuch geht. Gefällt ihnen Dein Schreibstil? Wie sind die Seiten aufgebaut? Spricht es sie an? Bei Sachbüchern werden ganz andere Maßstäbe angesetzt, als an einem Roman.

Hast Du ein Roman geschrieben, kannst Du schon mit dem Klappentext spätestens überzeugen. Trotzdem würde ich nie auf eine Leseprobe verzichten. Eben für die acht Prozent.

Jedoch würde ich nicht nur auf die bekannten Onlinehändler setzen. Tatsächlich kommen auch Leser*innen über Deine Internetseite zu Deinem Buch. Gerade heute hab ich die Internetseite einer Autorin aufgesucht. Und dort entdeckte ich, dass sie ein Buch geschrieben hat, welches in mein Beuteschema sehr gut passt. Nun kann ich mir die Leseprobe durchlesen und entscheiden, ob ich das Buch kaufen möchte. Erst recht, wenn es nicht ganz in mein Beuteschema passt.

Daher kann ich Dir nur ans Herz legen, dass Du eine Leseprobe auf Deiner Internetseite zu jedem Buch veröffentlichst. Die Länge richtet sich, wie oben erwähnt, nach der Länge des Buches.

Der Titel

Den letzten Punkt hatte ich sicherheitshalber aufgeführt, damit die Leute mir noch schreiben können, worauf sie noch achten. Dass dann der Titel kommt, daran hab ich nicht gedacht. Darauf hatten sich dann alle, die mir geschrieben haben, am ehesten konzentriert. Einen weiteren Punkt gibt es an der Verpackung Buch scheinbar nicht, worauf die Leser*innen achten. Auch wenn 3 Prozent hier wenig ist, so finde ich, dass der Titel durchaus wichtig ist.

Titel können viel erreichen und gleichzeitig auch einiges kaputt machen. Wenn Du einen Titel wählst, der austauschbar ist, dann kann es passieren, dass Dein Buch damit untergeht. Im Bereich der historischen Romane gibt es Titel wie „Die Apothekerin“, „Die Wanderhure“, „Die Seherin“ und so weiter. Irgendwann sieht man hier den Wald vor läuter Bäumen nicht mehr. Schlimmstenfalls steht Dein*e Leser*in vor dem Bücherregal und denkt sich, dass sie schon das Buch gelesen hat, weil es einen ähnlichen Titel hat. Zu Hause stellt sie dann fest, dass es nicht so war. Wenn Du Glück hast, wird das Buch noch gekauft. Wenn nicht, dann wird es vergessen und damit hat es sich.

Kannst Du aber mit Deinem Buchtitel überzeugen, dann landet Dein Buch eher im Warenkorb und wird gekauft. Denn gute Titel sollen natürlich Neugier erzeugen und die Leute anlocken. Gerade dann, wenn man nur den Titel liest und keine Möglichkeit hat, sich das Cover anzusehen. Das trifft besonders auf Buchrezensionen im Internet zu. Der Buchtitel wird fast immer als Beitragstitel genommen und dann kannst Du damit überzeugen. Die Leser*in ruft den Beitrag auf und liest dann meistens die Rezension durch. Wenn die dann noch positiv ausfällt, könntest Du ein Buch verkauft haben.

Abschlussgedanken

Zusammengefasst kann man sagen, idealerweise stimmt das Gesamtpaket. Um mit dem Buch zu punkten solltest Du also ein gutes Cover haben mit einem starken Titel. Dann hat es einen interessanten Klappentext und die Leseprobe ist richtig gewählt. Denn auf Deiner Internetseite musst Du nicht die ersten Seiten wählen, sondern kannst auch eine faszinierende Probe aus der Mitte der Geschichte wählen.

Hier noch ein ganz wichtiger Hinweis: Natürlich ist die Verpackung sehr wichtig. Aber wenn der Inhalt nicht stimmt, dann kommen enttäuschte Rezensionen. Daher ist es natürlich wichtig, dass auch die Geschichte stimmt.

In den kommenden Wochen schauen wir uns aber die Verpackung an. Bis dahin wünsche ich Dir alles Liebe.

Deine frau schreibseele

 

Die Arbeit mit den Betas

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

natürlich kannst Du ein Lektorat selbst machen. Besser ist es, wenn Du Dir Unterstützung suchst. Du kannst dafür auf die Alpha-,Beta- und Gammaleser*innen zurückgreifen. Doch vielleicht fragt sich doch die eine oder der andere, was das jetzt genau ist und vor allem, wie man zu guten Testleser*innen wird. Denn das kann durchaus heftig zugehen.

Darüber habe ich einiges recherchiert und mir Gedanken gemacht. Und die möchte ich Dir heute vorstellen.

Kurze Vorgedanken

Gerade Betaleser*innen gehören für viele Autor*innen zum festen Inventar, wenn es um die Überarbeitung ihres Romans geht. Man liest häufig davon, dass Kapitel zu den Betaleser*innen gegangen ist oder man suche welche. Und es gibt Gruppen oder auch Foren für entsprechende Leute.

Diesen Beitrag kannst Du gerne an Deine Betaleser*innen weiterleiten, wenn Du für sie Inspirationen benötigst, wie sie Dir helfen können. Oder für Dich, wenn Du selbst die Möglichkeit hast, andere Werke zu bearbeiten. Und das kann ich Dir nur sehr ans Herz legen. Denn durch die Kritik an anderen Werken lernt man mehr, als beim lesen und bearbeiten von zehn Ratgebern.

Ich selbst unterteile zwischenzeitlich zwischen drei verschiedenen Lesestadien (eben Alpha, Beta und Gamma). Aber hier möchte ich, aus vereinfachenden Gründen, nur die Bezeichnung Betaleser*in verwenden, weil sie schlicht am bekanntesten ist. Trotzdem eignet sich der Beitrag für alle Formen von Lesetypen.

Was genau sind jetzt BetaleserInnen?

Betaleser*innen sind die ersten Kritiker*innen für Deine Geschichte. Sie bekommen von Dir eine Fassung Deines Romans und dürfen sich diesen durchlesen. Jedoch ist das kein reiner Lesespaß für sie. Denn ihre wichtige Aufgabe ist es, kritische Anmerkungen zu Deinem Text zu verfassen.

Das bedeutet, sie sollen Dir nach dem Lesen sagen, was nicht gut war und unbedingt überarbeitet werden muss oder gar, wo die logischen Fehler sind. Aber auch, was Dir wirklich gut gelungen ist. Seien wir ehrlich, nichts ist frustrierender, als wenn man andauernd liest, was schlecht ist. Wohlmöglich über mehrere Seiten hinweig. Daher darf Lob ruhig sein.

Sie sind im Idealfall also die kritischsten Leser*innen, die Du jemals haben wirst. Denn auch wenn Du Leser*innen bekommst, die Dein Werk auseinandernehmen, theoretisch sind Deine Betaleser*innen noch schlimmer. Denn sie suchen wie Adler nach den Fehlern. Und im Idealfall entgeht ihnen nichts.

Brauche ich wirklich Betaleser*innen?

Wie lange, ungefähr, brauchst Du, um Dein Manuskript fertig zu schreiben? Sicherlich schon den einen oder anderen Monat. Und dabei kann es passieren, dass wir einfach betriebsblind werden.

Mit betriebsblind meine ich, dass wir die Dinge nicht mehr so objektiv sehen, wie wir es sehen müssten. Für uns sind die Dinge klar, weil wir ein inneres Bild von den Charakteren oder einer Szene haben. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass dies für die anderen genauso gilt. Zudem sehen wir nicht mehr mögliche Logikfehler, die sich eingeschlichen haben. Es kann sein, dass Du denkst, moment, dass ist gerade unlogisch. Aber diese Momente können schlimmstenfalls immer mehr und mehr abnehmen.

Ein Beispiel: Nehmen wir an, Du hast eine Szene beschrieben, in denen zwei Charaktere miteinander agieren und vor Deinem Auge war das ein leidenschaftlicher Streit, bei dem einer der Charaktere sehr kunstvoll zu Tode gekommen ist. Diese Szene ist vor Deinem inneren Auge so unendlich klar und eindeutig. Das bedeutet aber nicht, dass Du es wirklich so beschrieben hast, dass es auch vor meinem Auge klar wird.

Nein, das hat nicht zu bedeuten, dass Du eine schlechte Schriftstellerin oder ein schlechter Schriftsteller bist. Du hast diese Szene noch nicht DAS Leben eingehaucht, was nötig wäre, um Deine Vision klar zu machen.

Oder Deine Charaktere kommen nicht einheitlich rüber. Wenn sie größtenteils als liebevoll und manierlich daherkommen und einmal sind sie zickig, fällt das auf. Und viele Leser*innen stolpern dort und fragen sich, ob Du als Autor*in Deine Geschichte überhaupt noch unter Kontrolle hattest. Auch da können Deine Betaleser*innen helfen.

Auch bei vielen anderen (logischen) Ungereimtheiten oder gar Fehlern können sie Dir hilfreich zur Seite stehen. Und das gilt nicht nur für Selfpublisher*innen. Auch wenn Du die Arbeit mit einem Verlag anstrebst, solltest Du Dir überlegen, Dein Roman durch den Spießrutenlauf Deiner Betaleser*innen zu jagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass danach Dein Roman besser wird, ist ungemein größer.

Gute Schriftsteller*innen benötigen keine Betaleser*innen

Unglaublich aber wahr, diesen Satz hab ich mal gelesen. Schön wäre es, aber selbst Profis können die Hilfe von Betaleser*innen ruhig annehmen. Und wenn allein ein kruder Satzbau geändert wird, hat sich das Ganze schon gelohnt. Denn auch erfahrene Schrifsteller*innen können sich in einer Vision verlieren und sind dieser nicht so gefolgt, wie sie es gerne hätten.

Das ist alles völlig normal. Und aus diesem Grund ist eine fremde Meinung durchaus gut und sollte willkommen sein. Wenn man sich Hilfe holt, bedeutet das nicht, dass man schlecht ist. Es bedeutet bloß, man hat sich Hilfe geholt. Das ist alles. Man kann einfach nicht in jedem Bereich gut sein. Du bist in einem Bereich gut (hier wohl das Schreiben). Dafür sind andere im korrigieren gut (zum Beispiel der Rechtschreibung).

Im Laufe der Zeit kannst Du Dir einen festen Stamm an Betaleser*innen aufbauen, auf deren Hilfe Du bei jedem Romanprojekt zurückgreifen kannst. Alternativ kannst Du aber auch jedes Mal neue Leser*innen bitten, Dir zu helfen. Beides hat Vor- und Nachteile.

Wenn Du einen festen Stamm hast, brauchst Du nicht jedes Mal aufs Neue nach jemandem zu suchen. Sie kennen Dich und Deine Schwächen nur zu genau. Und da kann auch schon der Nachteil liegen. Wenn sie Dich so gut kennen, dann könnte es sein, dass sie sich auf bestimmte Fehler konzentrieren und alles andere versehentlich übersehen.

Zudem ist es fraglich, ob sie immer Zeit haben, wenn Du deren Hilfe benötigst. Und man kann das auch nicht von ihnen erwarten.

Deine neuen Leser*innen musst Du jedoch immer und immer wieder finden. Da bedeutet, dass Du ein wenig Zeit dafür investieren musst. Jedoch haben sie normalerweise Zeit für Dich, wenn Du deren Hilfe benötigst. Du kannst daraus eine Bewerbung machen und ich behaupte jetzt, dass sich niemand bewirbt, wenn sie oder er für Dich dann keine Zeit hat.

Aber einige müssen sich erst einmal in diese Arbeit hineinversetzen, weil einige noch nie Betaleser*innen waren. Zudem kann es auch Zeit, dass sie die Arbeit unterschätzen und sich nicht an Fristen halten. Doch häufig haben sie einen frischen Blick auf Deine Arbeit und können Dinge mitteilen, an die Du zuvor noch nicht gesehen hast.

Was macht gute Betaleser*innen aus?

Betaleser*innen müssen nicht zwangsläufig Autor*innen sein, auch wenn das durchaus hilfreich ist. Aber nicht jede*r Autor*in ist bereit Deinen Text kritisch auseinanderzunehmen. Denn letztendlich benötigen sie die Zeit auch, um selbst an ihren nächsten Roman zu schreiben. Wenn Du also ein*e Autor*in erwischst, dann Glückwunsch dazu.

Jedoch sollten Deine Betaleser*innen sonst viel lesen. Vor Jahren habe ich mein Buchprojekt an zwei Freunden gegeben, die durchaus gelesen haben, aber nicht so viel, dass man sie als Leseratten bezeichnen kann (auch wenn sich der eine in diese Richtung inzwischen entwickelt hat). Aber von beiden habe ich niemals eine Rückmeldung erhalten. Das spricht für sich. Aber wir sind weiterhin befreundet.

Idealerweise sind Deine Betaleser*nnen auch Deine Zielgruppe. Wenn Du also einen Liebesroman schreibst, der sich an Frauen zwischen 21 bis 49 Jahre richtet, dann wäre es gut, wenn Du aus dieser Gruppe die Betaleserinnen findest. Wenn Dein Roman im Bereich historisch einzuordnen ist, sollten Deine Betaleserinnen auch dort gerne ihre Romane lesen. Und so weiter.

Sie sollten zudem keine Angst haben, Dir Deine Meinung zu sagen. Es gibt Leute, die lieber auf Kuschelkurs gehen, als Dir dann wirklich eine ehrliche Kritik zu liefern. Ganz ehrlich? Verzichte lieber auf solche Leute. Denn sie helfen Dir nicht weiter. Sie sollen Dir wirklich sagen, was Du gut gemacht hast und was nicht.

Aber auf Leute, die Dich regelrecht runterputzen und fertigmachen, würde ich auch ganz klar verzichten. Und ja, es gibt sie wirklich. Von vielen, meist Jungautor*innen, habe ich das schon öfters gelesen. Selbst hatte ich auch schon dieses zweifelhafte Vergnügen. Nicht nur Leser*innen, sondern auch gestandene Autor*innen haben scheinbar eine diabolische Freude daran, andere mit ihrer Kritik zu verunsichern oder gar fertigzumachen. Jeder Fehler wird lang und breit ausgeschlachtet und es gibt nichts, aber auch wirklich rein gar nichts, was ihnen gefällt. Und noch schlimmer, sie attestieren Dir vielleicht sogar noch, dass Du bloß aufhören sollst zu schreiben. Wenige sagen das direkt, andere verhalten sich dabei eher subtil.

Wenn Du das Gefühl hast, dass Du an jemand geraten bist, die oder der auf die oben aufgeführte Beschreibung trifft, trenne Dich von der Person. Notfalls frag bei anderen nach, ob Du zu empfindlich bist, wenn Du das brauchst. Aber lass Dich nicht runterputzen. Dafür ist Deine Geschichte viel zu wichtig. Und vor allem, dafür bist Du zu wichtig.

Wichtig ist auch, dass Deine Betaleser*innen nicht aus Deinem sozialen Umfeld kommen. Meine Mama ist zwar eine sehr kritische Leserin. Und ich traue ihr auch zu, dass sie mir sagt, wenn ihr etwas gefällt und nicht gefällt. Damit mag sie eine Ausnahme sein. Aber viele Eltern, Geschwister oder auch die eigenen Kinder lieben Dich zu sehr, als das sie Dich verletzen wollen. Also heißt es meistens, ja, es war toll, schreib weiter.

Sie dürfen sich gerne am Endergebnis erfreuen, Dich bis dahin unterstützen (und die Wäsche bügeln oder das Essen kochen). Aber bürde ihnen nicht auf, Deine Werke zu kritisieren. Sie werden Dir zuliebe das nicht richtig machen. Daher such Dir Leute aus, die keine Angst haben, ein wenig härter zu sein und Dir ihre ehrliche Meinung sagen.

Wichtig ist jedoch auch, dass Deine Betaleser*innen wissen, was ein gutes Buch wirklich ausmacht. Es kommt nicht immer auf die ganz kleinen Details an, die eventuell wichtig sein könnten. Sondern auf das große Ganze und das alles Hand in Hand greift und funktioniert. Deine Leser*innen haben halt Erfahrungen oder sogar Kenntnisse, was zu einer guten Geschichte gehört. Das ist wichtig, damit sie sich nicht auf jedes noch so kleine Detail stürzen und das kritisieren, aber das große Ganze aus den Augen verlieren.

Weiterhin finde ich es wichtig, dass sie sich nicht sklavisch an den Vorgaben eines guten Textes halten, was wir wohl alle in der Schule gelernt haben. Damit meine ich, dass ein guter Text ja diese oder jene Elemente enthalten muss, damit man eine halbwegs gute Note in Deutsch bekommt. Wichtig ist hier, dass sie einen guten Text erkennen und diesen auch fördern und nicht wollen, dass Du diesen Text genauso schreibst, damit Du eine Eins in der Schule bekommst.

Solltest Du noch ein*e Expert*in unter Deinen Betaleser*innen haben, welche sich auf Deinen Schreibgebiet auskennt, wundervoll. Dann bitte diese Person, sich besonders auf diesem Gebiet umzusehen und Dir Tipps zu geben.

Hier ein kleines Beispiel: Wenn Du über den amerikanischen Bürgerkrieg geschrieben hast, hast Du aller Wahrscheinlichkeit sehr viel recherchiert. Aber es könnte trotzdem sein, dass Du ein Detail nicht richtig dargestellt hast. Da könnte Deine Expertin oder Dein Experte ein Blick darauf werfen und dieses Detail korrigieren. Oder Dir Informationen geben, an die Du nicht gedacht oder die Du einfach nicht gefunden hast.

Solche Betaleser*innen können Deinem Roman noch einmal eine informatorische Tiefe verleihen, an die Du vorher nicht gedacht hast. Wenn Du also Korrekturen oder Vorschläge bekommst, dann überleg Dir, ob Du diese nicht übernehmen möchtest.

Was machen schlechte Betaleser*innen aus?

Schlechte Betaleser*innen gibt es genügend. Und wenn Du viel Glück hast, gerätst Du nicht an diese. Aber es kann immer passieren, dass unter den ganzen Perlen doch jemand dabei ist, bei der oder dem Du Dir denkst, muss das jetzt wirklich sein?

Gerade Leser*innen, welche Dir nicht helfen DEINE Geschichte zu schreiben, sondern Dich überreden oder gar zwingen wollen, dass Du deren Geschichte schreibst, solltest Du meiden. Damit meine ich, dass sie so lange an Deinem Text rummäckeln, bis Du deren Idee umsetzt und Dich dabei mehr und mehr von Deiner Grundidee entfernst.

Das hatte ich vor Jahren mit einer Schreibtrainerin. Wenn ich eine Idee hatte, wurde diese von ihr regelrecht abgeschmettert und sie wollte, dass ich ihre Ideen letztendlich einbaue und umsetze. Es waren halt ihre Ideen und nicht meine. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich bis heute nicht mehr so richtig an meine Geschichte rangekommen bin. Und das ist zwischenzeitlich mehrere Jahre her.

Und natürlich die Runterputzer*innen. Also die Leser*innen, die nichts Besseres zu tun haben, als Dein Werk (und damit letztendlich Dich selbst) fertig und kaputtzumachen. Auch wenn Du um eine ehrliche Meinung bittest, sollten sie so viel Respekt vor Dir und Deiner Arbeit haben, damit sie Dich nicht fertigmachen müssen. Ehrliche Meinung bedeutet eben nicht, dass ein Verriss am Ende steht.

Tipps an die Leser*innen selbst

Nur, weil man selbst viel liest, bedeutet das nicht automatisch, dass man sich automatisch als Betaleser*in eignet. Denn es gibt Bücher und es gibt Bücher. Hier sind ein paar Tipps für Dich, die Dir vielleicht bei der Wahl des Buches helfen, welchen Du gegenlesen sollst.

Lies nur das, was Du auch gerne liest

Wenn Du eine absolute Liebesromanleserin bist, Dir aber Thriller nicht gefallen, lies keine Thriller. So einfach ist das. Was Du nicht magst, brauchst Du auch nicht lesen. Denn Du kennst Dich in diesem Genre nicht aus und weißt daher nicht, was wirklich funktioniert. Zudem wirst Du Dich wahrscheinlich schwertun, überhaupt das Manuskript zu lesen.

Was für eine Kritik sollst Du liefern?

Damit meine ich natürlich nicht, dass Du nur wohlwollende Kritik abzuliefern hast. Sondern frag die Autorin oder den Autor, auf welche Punkte Du genau ein Auge werfen sollst. Ist es eher der Plot, dann konzentriere Dich mehr darauf, als auf die Charakteristik oder den Dialog.

Natürlich darfst Du auch das anmerken, wenn Dir etwas auffällt. Aber wenn der Plot hier wichtiger ist, dann solltest Du hier mehr Energie investieren.

Hier lohnt es sich eventuell einen Feedbackbogen zu erstellen. Schreib auf, worauf Du besonderen Wert legst, worauf sie achten sollen. Das kann ein spezieller Charakter sein oder ob sie herausfinden, wer gemordet hat. Egal was es ist, schreib es auf.

Du schreibst NICHT dieses Buch

Auch wenn es uns manchmal schwerfallen mag, gerade wenn Du selbst eine Geschichte schreibst, so hat die Autorin oder der Autor das Recht, ihre Geschichte nach der eigenen Nase zu schreiben. Denn sie oder er schreibt diesen Roman und nicht Du.

Das bedeutet, dass Du versuchen sollst, den Roman in ihrem/seinen Sinne zu kritisieren. Und nicht so, wie Du es geschrieben hättest.

Dialoge sind besser als Ratschläge

In dem Wort Ratschlag kommt das Wort „Schlag“, also schlagen, vor. Und das kann manchmal sehr unangenehm werden. Aus diesem Grund ist es besser, wenn Du keine Ratschläge erteilst, sondern mit der Autorin / dem Autor in einen Dialog trittst und sagst, was Dir nicht gefällt und was doch.

Sprich mit der Person und warte auf eine Antwort. Reagiere darauf und rede mit ihr oder ihm. Dann habt ihr beide etwas davon.

Sei konstruktiv, nicht befehlend

Das Beste ist immer, wenn Du erklärst, wo man etwas besser machen kann und nicht, wie sie oder er es gefälligst es besser zu schreiben hat. Ihr seit einem Team und wollt zusammenarbeiten. Und das bedeutet auch, dass Du durchaus Vorschläge machen darfst, aber belass es auch dabei.

Nimm Dir Zeit oder sei ehrlich und sag Nein!

Zugegeben, aktuell bin ich eine Betaleserin und eigentlich habe ich keine Zeit dafür. Aber ich werde sie mir jetzt endlich nehmen und dafür Sorgen, dass ich die letzten Kapitel des Romans zu Ende lese.

Es gibt nichts Frustrierenderes, als wenn man auf die Ergebnisse der Kritik wartet. Sei daher zu Dir selbst ehrlich und überprüf Deine Zeiten. Bist Du wirklich in der Lage den Text zu lesen und auch zu kritisieren? Wenn ja, dann mach es. Wenn nein, dann sag es ihr oder ihm ehrlich. Du würdest es gerne machen, aber gerade hast Du keine Zeit dafür. Das ist besser, als etwas halb gares abzugeben.

Gib eine ausführliche Kritik

Am besten in der E-Mail, die Du zurücksendest und im Text selbst. Damit kann man dann am besten etwas anfangen.

15 Fragen für Dich als BetaleserIn

Natürlich gibt es noch viele weitere Fragen, die Du im Hinterkopf behalten kannst und solltest. Aber ich habe irgendwann mal fünfzehn gefunden, mit denen man jeden Text überarbeiten kann.

  1. Hält Dich die Geschichte von Anfang an gefangen? Wenn nein, wo ist das Problem?
  2. Konntest Du Dich von Anfang an leicht orientieren? Dabei geht es um die Fragen des Ortes, der Zeit, wer sind die Held*nnen, was für eine Art Geschichte ist das?
  3. Kannst Du mit den Hauptcharakteren mitfühlen? Fühlst Du ihre Schmerzen, ihr Leid, aber auch ihre Freude und ihr Glück?
  4. Interessiert Dich die Umgebung oder fühlst Du Dich von den Beschreibungen eher gelangweilt?
  5. Welcher Punkt war es, als Du das Gefühl hattest, dass die Geschichte nun wirklich losgeht. Oder wann hattest Du das Interesse an der Geschichte verloren, vor allem daran, was als Nächstes passiert? Was ist da genau passiert?
  6. Gab es irgendwelche Teile, die Dich einfach nur verwirrt haben? Zum Beispiel wegen den Erklärungen, oder haben Dich diese Teile sogar irgendwie frustriert?
  7. Gibt es irgendwelche unlogischen Fehler in der Zeit, am Ort, bei den Charakteren oder irgendwelchen anderen Details?
  8. Sind die Charaktere glaubwürdig? Könnten die Charaktere durchaus weitaus mehr interessanter oder mehr liebevoller sein?
  9. Gab es Momente, wo Dich die Charaktere verwirrt haben? Gab es sogar zu viele Charaktere oder zu wenige? Konntest Du sie alle auseinanderhalten oder waren sie einander zu ähnlich? Könnte eine Namensänderung hier vielleicht helfen? Oder müsste sogar ein Charakter gestrichen werden?
  10. Wie sieht es mit den Dialogen aus? Klingen sie natürlich und interessant? Wenn nicht, was würdest Du daran ändern wollen, damit es so klingt? Mach trotzdem Vorschläge. Und wie sieht es mit Dialekten aus?
  11. Gab es in der Eröffnungsszene zu viele Erklärungen und Ausführungen? Oder vielleicht sogar zu wenig? Wo waren zu viele oder zu wenige Dialoge?
  12. Gab es genügend Konflikte, Spannung und auch Intrigen, um die Spannung zu halten? Wo war es zu wenig?
  13. War das Ende zufriedenstellend und auch glaubwürdig?
  14. Wie sieht es mit der Grammatik aus? (Sofern Du hier helfen kannst, wenn nicht, ist das auch kein Problem.)
  15. Glaubst Du, dass der Schreibstil zum Genre passt? Wenn nicht, warum nicht?

Zu Frage 15 noch ein kleiner Hinweis. Man darf und sollte durchaus neue Wege gehen. Daher sei gerne offen, wenn Du es mit einem Schreibstil zu tun hast, den Du in dem Genre noch nie gelesen hast. Man darf auch gerne abseits der bekannten Wege mal laufen.

Sollte es aber eine sehr zuckersüße mit Blumen verzierte Sprache sein, aber Du hast es mit einem Thriller zu tun, dann denke ich, ist es in Ordnung darauf aufmerksam zu machen.

Abschlussgedanken

Auf beiden Seiten sollte eine Sache immer im Hinterkopf sein, die Person mit gegenüber ist ein Mensch. Und dieser Mensch hat Gefühle und möchte nicht unnötig verletzt werden.

Autor*innen sollten immer wissen, dass sich Betaleser*innen die größte Mühe geben. Aber sie sind nun einmal keine Profilektor*innen, sondern geben ihre persönliche Meinung wieder. Wenn sie mal ein wenig zu streng ausfällt, akzeptiere es, bitte aber gerne das nächste Mal, dass die Kritik durchaus offen und ehrlich sein darf. Aber Du musst Dich nicht runtermachen lassen.

Als Autor*in musst Du früher oder später lernen mit Kritik klarzukommen. Innerhalb der Betalesephase ist der beste Moment um das zu lernen. Daher nutze diese Möglichkeit, um nicht nur Deinen Roman zu verbessern, sondern auch Deine Fähigkeit mit negativen Meinungen umzugehen.

Und denk bitte immer daran, die Betaleser*innen machen diese Arbeit unentgeltlich. Daher ist es immer eine tolle Idee, dass Du Dir was einfallen lässt, um Dich bei ihnen dafür zu bedanken. Ein Freiexemplar ist das Mindeste, was Du ihnen geben solltest. Und natürlich ein Dankeschön im Buch, neben dem persönlichen Dankeschön.

Und ich danke Dir fürs lesen.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Lektorat? Nein danke, das mache ich selbst

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

leider reicht es nicht aus, einfach nur einen Roman zu schreiben, und dann hat sich die Arbeit erledigt. Danach geht diese nämlich erst richtig los. Dabei hat jede Autorin und jeder Autor eine eigene Methode, wie sie oder er mit der Überarbeitung umgeht. Gerade dann, wenn Du für Dich entscheidest, kein Lektorat für Dich in Anspruch zu nehmen. Dann musst Du härter mit Deinem Text ins Gericht gehen, als wenn Du das jemand anderen überlässt.

Daher möchte ich den heutigen Beitrag in zwei Teile aufteilen. Im ersten Beitrag zeige ich Dir, in welchen Phasen Du Dein Romanprojekt einteilen kannst. Und im zweiten gebe ich Dir ein paar Tipps, wie Du den Text überarbeiten kannst.

Kurze Vorgedanken

Über kurz oder lang wirst Du Deine Methode finden, wie Du Deine Geschichten überarbeitest. Das ist ganz normal. Aber es könnte halt sein, dass Du noch gar keine Ideen hast, wie das theoretisch gehen könnte. Wie oft solltest Du Deinen Roman überarbeiten, bevor Du es an eine Lektorin schickst? Oder wann solltest Du fremde LeserInnen bitten, Dir zu helfen? Oder welche Schritte könntest Du vornehmen, bevor Du Deinen Text allein veröffentlichst?

Letztendlich musst Du das für Dich entscheiden. Aber trotzdem kommt hier mein Vorschlag.

Kurze Anmerkung noch, bevor es losgeht: Einige Phasen greifen nahtlos ineinander über. Du wirst sicherlich schon merken, wo Du diese gleichzeitig bearbeiten kannst, auch wenn ich sie hier (zur Übersicht) getrennt aufführe.

Und die Bezeichnungen der Alpha-, Beta- und Omega-Leser*Innen und ihre Erklärungen stammen von mir. Andere werden diese anders bezeichnen (meistens nur Betas) und sie anders definieren. Das ist in Ordnung, für mich werde ich die folgenden Erklärungen verwenden.

Deinen Roman schreiben (Deine erste Fassung)

Dazu muss ich sicherlich nicht viel schreiben. Ohne eine fertige Geschichte kannst Du nichts überarbeiten. Daher meine klare Empfehlung, schreib Deine Geschichte, und das so schnell, wie es Dir nur möglich ist.

Warum?

Eine der Gründe ist einfach, um Dich selbst zu überlisten. Denn je schneller Du die Geschichte geschrieben hast, desto eher bist Du noch geneigt, diese auch zu überarbeiten. Du fühlst Dich nicht von Deinem eigenen Roman gelangweilt, wenn Du über Wochen oder Monate daran arbeitest, einfach weil Du Deine Geschichte so gut kennst.

Angela Knight hatte in ihrem Buch „Passionate Ink“ noch einen sehr guten Hinweis geliefert, wie man garantiert niemals einen Roman veröffentlicht. Und ich muss mir eingestehen, dass ich diesen Fehler auch am Anfang gemacht habe. Der Fehler ist der, dass man einem Kapitel schreibt und diesen dann so lange überarbeitet, bis er scheinbar perfekt ist.

Dabei passiert eben das, was ich oben beschrieben habe. Dadurch wird die eigene Geschichte irgendwann langweilig und man möchte sich nicht mehr damit beschäftigen. Und was passiert? Man fängt einen neuen Roman an und macht dann den gleichen Fehler. Am Ende veröffentlicht man gar nichts.

Wenn Du also Deinen Roman fertig hast, geht es in die Runde der ersten Überarbeitung.

Deine erste Überarbeitung

Wenn Du Deine Geschichte geschrieben hast, geht es an die erste Überarbeitung. Das bedeutet, dass Du hier Deine Geschichte mit Hammer und Säge und Bohrmaschine gerade rückst. Sämtliche Plotlöcher sollen jetzt gestopft werden, unsinnige Sätze gestrichen und Dopplungen gelöscht werden. Es geht hierbei erst einmal darum, dass Du eine Fassung hast, über die Du glücklich bist und zu Dir sagen kannst, ja, das gefällt mir.

Das bedeutet nicht, dass Dein Text perfekt ist. Aber Du kommst diesem durchaus näher. Denn mit dieser Version hast Du dann eine Grundlage, mit der Du arbeiten kannst, um sie auch anderen zu geben.

Meine Empfehlung für die zweite Fassung ist ganz klar, halte Dich an der Geschichte auf, nicht an anderen Dingen wie der Rechtschreibung oder der Recherche. Das alles ist wichtig, keine Frage, aber nicht jetzt. Wenn Du merkst, dass Du noch etwas recherchieren musst, notiere es Dir an der entsprechenden Stelle in einer sehr auffälligen Farbe. Und dann mach weiter.

Es geht hierbei darum, dass Du mit der zweiten Fassung fertig wirst. Hierbei kannst Du Dir auch ein wenig Zeit lassen, sodass Du am Ende wirklich eine Geschichte hast, die nur noch den letzten Feinschliff braucht.

Deine zweite Überarbeitung

Wenn Du dann die erste Überarbeitung fertig hast, geht es darum, dass Du Dich nun um kleinere Details kümmerst. Also, welche Fragen sind noch offen, was musst Du noch recherchieren und was will noch eingefügt werden.

Falls Du Dich um eine schwierige Szene gedrückt hast, ist jetzt die Zeit. Entweder Du schmeißt die Szene komplett raus oder schreibst sie endlich. Jetzt ist keine Zeit mehr, sich davor zu drücken. Deine Geschichte will erzählt werden, also, erzähl sie.

Jetzt ist es auch Zeit, dass Du Dich um Deine Rechtschreibung kümmerst (so gut es Dir persönlich möglich ist) oder auch um Füllwörter. Schau nach, welche Formulierung Dir gefällt und schreib den Text so, dass Du am Ende damit zufrieden bist. Hier geht es als um den Text.

Such auch nach Schwächen im Text. Wo benutzt Du zu viele passive Formulierungen, die nicht passen. Oder wo könntest Du Infodump rausschmeißen. Tu an dieser Stelle so, als würdest Du den Text so überarbeiten wollen, dass Du ihn veröffentlichen könntest. Dass es dem nicht so ist, ist eine andere Sache.

Deine Alpha-Leser*Innen

Jetzt musst Du ganz mutig sein. Und zwar richtig. Denn nun wird es Zeit, dass Du Dir einige Leser*Innen suchst (sofern Du es nicht bereits getan hast), denen Du auch Dein Manuskript zusendest. Wie viele es sind, das ist Dir selbst überlassen. Meine Empfehlung ist, mindestens drei Personen bzw. eine ungerade Zahl.

Der Grund ist einfach. Wenn eine Person sagt, dass ihr eine Szene gefällt und die andere hingegen, dass diese rausgeschmissen werden soll, kann die dritte Person letztendlich die Entscheidung herbeiführen. Ist die Szene gut oder nicht? Wenn Dir die Szene gefällt und zwei Personen sie ebenfalls mögen, hast Du eine entsprechende emotionale Rückendeckung.

Das bedeutet nicht, dass die dritte Person unrecht hat. Ihr gefällt die Szene nicht. Damit musst Du rechnen. Lies Dir ihre Argumente durch, warum sie die Szene nicht mag und überleg, was Du davon übernehmen willst oder nicht.

Eines solltest Du immer bedenken. Es ist Deine Geschichte, also entscheidest auch letztendlich Du, was Du von den Kritiken übernimmst und was nicht.

Deine dritte Überarbeitung

In der dritten Überarbeitung arbeitest Du dann die Punkte, welche Deine Alpha-Leser*Innen Dir mitgeteilt haben (und Du für gut befunden hast) in Dein Manuskript ein. Beide Punkte können durchaus parallel laufen, sodass Du nicht zu viel Zeit verlierst.

Und zudem kannst Du Dich auch jetzt schon auf die Suche nach Deiner Lektorin machen (vorausgesetzt natürlich, dass Du eine haben möchtest). Frag ruhig in den sozialen Medien nach, wer da so infrage kommt. Such dann die Internetseiten heraus und schau sie Dir an. Gefällt Dir deren Auftritt und was sagt Dein Bauchgefühl?

Da Du einer wildfremden Person Deine Geschichte anvertraust, sollte natürlich ein gewisses Vertrauen da sein. Daher entscheide Dich nicht zu schnell für jemanden, mit der oder dem Du am Ende vielleicht noch nicht einmal glücklich wirst.

Gegebenenfalls vertrau der Person einige Seiten für ein Probelektorat an. Wenn Kosten auf Dich zukommen, ich würd Dir empfehlen, diese zu tragen. Lieber vorher ein wenig Geld ausgeben, als am Ende viel zu verlieren und ein halb gares Etwas in den Händen halten, dass man nicht ein lektoriertes Manuskript bezeichnen kann.

Dein Lektorat – Optional
(gilt nur dann, wenn Du eines haben möchtest, ich führe es hier vollständigerweise auf)

Dann ist es so weit. Du hast Dich hoffentlich für eine Lektorin entschieden und die Angelegenheit mit dem Preis und der Zahlung ist auch geklärt. Dann schick ihr nun Dein geliebtes Manuskript zu. Je nachdem, was ihr ausgemacht habt, dauert es nun natürlich seine Zeit, bis Du Dein Manuskript zurückbekommst.

In der Zwischenzeit würde ich Dir nicht empfehlen, an Dein Manuskript weiterzuarbeiten. Akzeptiere, dass Du jetzt keine Kontrolle mehr darüber hast. Jetzt ist jemand anderes dran und wird Dir hoffentlich zeigen, was Du nun besser machen kannst.

Eventuell wäre jetzt der beste Zeitpunkt, um am nächsten Manuskript zu arbeiten. Sei es am Plot oder das Du den Roman schreibst. Oder Du machst ein paar Tage Urlaub. Was auch immer, genieß die Zeit, so gut es Dir eben möglich ist.

Deine vierte Überarbeitung

Wenn Du das Ergebnis Deiner Lektorin zurückbekommst, kann es sein, dass Du sehr viel Buntes siehst. Das habe ich schon öfters von Autor*Innen gelesen, dass sie dann vor lauter Schreck erst einmal die Datei zugemacht haben. Und auch als mein Probelektorat zurückkam, musste ich schlucken. Denn so gut wie überall war irgendetwas markiert und eine Notiz hinterlassen.

Das ist durchaus verständlich. Denn wir sehen Lektor*innen als Profis an, die wissen, was sie tun (oder es zumindest sollten). Und dann kommt genau solch eine Person daher und sagt uns, was an unserem eigentlich doch so genialen Werk nun auf einmal nicht ganz so perfekt ist. Das kann erst einmal wehtun.

Wenn Du den ersten Schrecken überstanden hast, schau Dir die Kommentare in aller Ruhe an. Viele Lektor*innen schreiben nicht nur auf, was sie schlecht fanden, sondern auch, was sie als gut empfunden haben. Daher lies Dir die ersten Kommentare durch und arbeite die ein, welche Dir zusagen. Alle anderen kannst Du dann einfach ignorieren.

Denk daran, es ist Dein Buch. Und Du entscheidest, wie sich Deine Geschichte ändert. Hör ruhig auf Dein*e Lektor*in, aber auch auf Dein Gefühl. Zu dritt werdet ihr aus der Geschichte das Beste herausholen.

Deine Beta-Leser*innen

Wenn Du es geschafft und alle Anmerkungen eingearbeitet hast, dann kannst Du Dich beglückwünschen. Denn der Löwinnenanteil an der Arbeit ist jetzt erledigt. Trotzdem würde ich selbst jetzt noch zu den Betaleser*innen greifen.

Sie machen noch einmal die Arbeit der Alphaleser*innen. Da aber das Buch mindestens zwei Profidurchgänge hinter sich hat (den der Alphaleser*innen und eben den der*s Lektor*in), sollte es hier nun um einiges schneller gehen.

Deine Betaleser*innen sollen im Grunde genommen auf zwei Dinge achten:

  1. Ist nun der Roman sauber überarbeitet, und zwar so, dass sie den auch lesen würden, wenn er nicht von Dir ist (also in einer Buchhandlung stehen würde)?
    Wenn nicht, was soll, derer Meinung nach, noch geändert werden? Oder wo hapert es noch?
  2. Idealerweise ist mindestens eine Person dabei, die absolut sicher in der deutschen Rechtschreibung ist und nun so gut wie alle Fehler auslöscht, die sich noch eingeschlichen haben.
    Zwar korrigiert ein*e Lektor*in durchaus Rechtschreibfehler. Aber häufig ignoriert sie*r diese auch, da es sich hierbei um Extrakosten handelt. Und wenn Du sie nicht bezahlt hast, sollte das jemand anderes übernehmen. Zudem gibt es noch das Problem der Betriebsblindheit. Irgendwann sieht man die Fehler einfach nicht mehr und dann rutschen sie durch.

Deine Betaleser*innen können sehr gerne die Gleichen sein, wie Deine Alphaleser*innen. Die kennst Du letztendlich schon und weißt, wie sie arbeiten. Solltest Du andere wollen, dann kümmere Dich rechtzeitig darum, dass Du da jemanden findest. Vielleicht schon dann, wenn Dein Roman im Lektorat ist.

Deine fünfte Überarbeitung

Immer dann, wenn Du etwas von Deinen Betaleser*innen zurückbekommst, arbeitest Du die Rückmeldungen (gerade die Korrekturen zu Rechtschreibfehlern) in Dein Manuskript ein.

Meine Empfehlung ist, während Du über die Meinung Deiner Betaleser*innen gerne diskutieren kannst, gilt dies nicht für die Korrektur der Rechtschreibfehler. Wenn Du Dir sicher bist, dass Dein*e Leser*innen davon Ahnung haben, vertrau ihnen und korrigiere Deinen Text. Denn Leser*innen können sehr grausam sein, wenn sie auch nur einen Rechtschreibfehler finden. Daher ist es besser, wenn Du Dich darum besonders kümmerst.

Dein Korrektorat

Wenn Du kein Lektorat möchtest, ist das in Ordnung. Meine Empfehlung ist aber, dass Du niemals auf ein Korrektorat verzichten solltest. Das bedeutet, dass Du jemanden dafür bezahlst. Deine Betaleserin kann da eine Expertin drin sein, aber eine Korrektorin kümmert sich nicht nur darum.

Sie schaut sich auch noch einmal den Satzbau an und versucht noch einmal das Beste aus Deinem Text herauszukitzeln, sodass Du den perfekten Text am Ende bekommst. Solltest Du eine*n hervorragende*n Betaleser*in haben, dann kannst Du Dir überlegen diesen Punkt zu überspringen. Aber gerade bei der Erstveröffentlichung würde ich Dir schon empfehlen, zumindest darüber nachzudenken. Denn es heißt nicht umsonst, der erste Eindruck zählt.

Deine sechste Überarbeitung

Hier geht es wieder darum, dass alle Änderungsvorschläge Deines Korrektorats einzuarbeiten. Im Idealfall waren das nicht viele, geh aber hier gerne gewissenhaft vor und schau, was für Änderungen sie*r Dir vorgeschlagen hat. Und dann sieh weiter, was Du davon übernehmen willst.

Wie geschrieben, bei Rechtschreibfehlern würde ich keine Kompromisse machen, bei dem Satzbau können wir gerne darüber diskutieren.

Deine Omega-Leser*innen

Die Bezeichnung Omegaleser*in stammt von mir und ich sehe sie als die letzten Leser*innen, welche mein Werk dann noch einmal in die Hand bekommen. Sie sollen noch einmal drüber schauen, ob wirklich alles in Ordnung ist oder sich der eine letzte Rechtschreibfehler eingeschlichen hat. Oder was auch immer sein könnte, dass am Ende quer im Lesefluss liegt.

Meine Empfehlung ist, dass es Personen sind, die zuvor noch nie Dein Werk in den Händen gehalten haben. Die sind frisch, unvoreingenommen und kennen die vorherigen Fassungen nicht. Sie sollen einfach nur lesen, wie gut das Buch ist und ob Du es danach veröffentlichen kannst.

Deine letzte Fassung

Jetzt lies noch einmal selbst über Deine Geschichte und schau nach, ob sie Dir wirklich gefällt oder Du noch den einen oder anderen Satz ändern möchtest. Setz Dir hier eine Deadline, damit Du es nicht übertreibst. Sorg dafür, dass Du vielleicht maximal eine Woche daran arbeitest und danach wird Deine Geschichte veröffentlicht. Ende der Diskussion 🙂

Tipps für die Überarbeitung

Es gibt einige Tipps, wie Du Dein Text überarbeiten kannst, damit es am Ende so professionell aussieht, dass man zumindest meinen mag, es habe ein Lektorat gesehen. Wichtig ist, sei kritisch gegenüber Dein Text. Du darfst es lieben, aber das bedeutet, dass Du notfalls alles streichen musst, was Deinem Text nicht guttut. Auch wenn es toll klingt.

Legen wir also los.

Dateiformatierung

Ob Du das als Erstes macht oder als Letztes, ist egal. Wichtig ist, dass die Datei Veröffentlichungsreif gemacht wird. Das gilt für den Abstand, Schrifttyp und so weiter. Informier Dich zum Thema Normseite und richte Deine Datei entsprechend ein.

Starker Anfang

Bisher habe ich einige Texte gegenlesen dürfen. Und mir ist aufgefallen, dass einige einen Fehler haben. Und zwar, dass sie mit sehr viel Infodump starten. Das bremst Dein Text völlig aus. Und aus der Sicht einer Leserin kann ich Dir garantieren, dass ich nicht weitergelesen hätte, wenn ich nicht darum gebeten wurde. Bei dem einen oder anderen Text hab ich mich sogar gequält weiterzulesen. Nur, um dann positiv überrascht zu werden.

Natürlich ist es wichtig, dass jede Seite stark ist. Jeder Satz sollte die Geschichte weiterbringen und jeder Dialog gut sein. Aber gerade am Anfang finde ich persönlich wichtig, dass man Spaß hat, weiterzulesen. Wenn aber immer und immer und immer und immer wieder irgendwelche Erklärtexte eingebaut werden, warum sollte ich weiterlesen?

Versuch das zu meiden. Kenne ich die Charaktere, bin ich selbst gegenüber Erklärtexten gnädiger eingestimmt.

Zeigen oder beschreiben (Show vs tell)

Sicherlich kennst Du das Schlagwort Show Don’t Tell. Das bedeutet, dass Du alles zeigen sollst, was Deine Charaktere erleben und nicht erklären. Er fühlte sich schlecht, wäre ein tell. Dass er sich gerade übergeben hat, zeigt, dass es ihm schlecht geht. Um ein Beispiel zu nennen.

Jedoch kann man nicht immer alles zeigen. Wenn Deine Figuren zehn Jahre lang durch das All gereist sind und nichts erlebt haben, ist hier ein Tell durchaus angebracht. Erklär mir in einem Absatz oder, von mir aus, in einem Kapitel, was in den zehn Jahren passierte. Und dann geht es mit der Geschichte weiter. Hier ein Show anzubieten, wäre Wahnsinn.

Überprüf also genau, wo Du mir als Leserin etwas zeigen kannst und wo Du doch nur beschreiben solltest. Und dann ändere diese Textstellen in Deinem Manuskript.

Laut vorlesen

Während ein Text im Kopf logisch klingt, kann es anders sein, wenn Du es laut vorliest. Da kann sich ein vermeintlich toller Satz auf einmal ziemlich schräg anhören. Daher lies Deinen Text ruhig laut vor und überprüf, wie sich dieser anhört.

Kleine Alternative für Technikfreaks: Es gibt dafür auch Programme. Du fügst Deinen Text ein und dann liest eine vorher festgelegte Stimme (meistens bei kostenfreien Programmen) oder eine ausgewählte Stimme (bei kostenpflichtigen Programme) den Text vor. Dann kannst Du Dich auf die Überarbeitung konzentrieren und jemand anderes macht für Dich die Arbeit.

Wenn Du Dich dafür interessierst, dann kann ich Dir nur eine Suche bei diversen Onlinehändlern oder Deiner Lieblingssuchemaschine empfehlen. Es gibt da wirklich sehr viel zur Auswahl.

Sagen oder nicht sagen?

Wie leitet man ein Dialog ein oder beendet diesen? Darüber scheiden sich die Geister. Darf man sagen benutzen? Oder ist das zu viel? Sollte man Abwechslungen einbauen oder soll man das flüstern, das betteln oder was auch immer herauslesen?

Du wirst hier auf verschiedene Meinungen stoßen. Die einen sind der Meinung, dass sagen völlig ausreicht. Die anderen hingegen nicht. Schau genau hin, was Dir zusagt und wozu Du stehst. Und dann ändere das in Deiner Geschichte.

Vorsicht bei den Beschreibungen

Man kann Beschreibungen untertreiben, indem man nichts beschreibt. Das ist definitiv nicht gut. Man kann es auch übertreiben, indem man jedes Staubkorn erwähnt. Besonders dann, wenn dieses Staubkorn keine relevante Bedeutung für die Geschichte hat. Überprüf also genau, welche Beschreibungen Du in Deiner Geschichte hast und überarbeite sie gegebenenfalls noch einmal.

Vorsicht: Adverb!

Adverben ist ein Thema für sich. Die einen verwenden sie zu oft und die anderen wissen noch nicht einmal genau, was das ist. Daher meine Empfehlung, informier Dich, was Adverben sind (und ja, das meine ich ernst), wenn Du nicht weißt, was das ist. Und dann überprüf Deinen Text daraufhin, diese zu löschen und durch stärkere Wörter auszutauschen.

Aktiv vs. passiv

Wenn jemand beißt oder gebissen wird, da ist ein gewaltiger Unterschied. Achte daher darauf, dass Du dann immer aktive Sätze und Beschreibungen einbaust, wo es notwendig ist. Es kann ja auch sein, dass man ein passiver Satzbau wichtig ist, um zu zeigen, dass der Charakter eben nicht aktiv ist. Da ist es in Ordnung. Ansonsten sind aktive Sätze immer ein Gewinn für Deine Geschichte.

Die liebe Rechtschreibung

Natürlich ist es wichtig, sich mit der Rechtschreibung auseinanderzusetzen. Wenn Du nicht zu den Rechtschreibkönig*innen gehörst, dann ist hier Hilfe notwendig. Es gibt Programme, die Du dafür benutzen kannst. Notfalls kauf sie Dir und arbeite mit denen. Hier ist es auch wichtig, dass andere darüber schauen, die sicherer in der Rechtschreibung sind.

Über den Geschmack einer Geschichte kann man streiten und wird auch häufig gestritten. Aber noch nie habe ich von jemanden gelesen, dass sie*r sich über Rechtschreibfehler gefreut hat. Da kommst Du also nicht drum herum, Dich damit zu beschäftigen.

Arbeite mit Menschen zusammen, denen Du vertrauen kannst

Damit meine ich nicht nur, dass sie Dir nicht Deine Geschichte klauen. Sondern, dass sie Dich respektieren und Dein bestes wollen. Von einigen habe ich schon gehört, dass ihre Schreibfreundschaften sie solange manipulieren wollten, bis sie deren Geschichte schreiben sollten. Das ist nie gut. Es ist Deine Geschichte und nicht deren.

Such Dir Autor*innen, mit denen Du darüber reden kannst. Und idealerweise könnte ihr euch auch austauschen.

Wo bleiben die Inhalte?

Wo bleiben die Figuren? Der Plot? Und diese Dinge? Natürlich kannst und sollst Du auch diese Punkte überarbeiten. Schau genau hin, handeln Deine Figuren durchgehend einheitlich? Ist jeder rote Faden abgeschlossen? Das alles gehört ebenfalls zu der Überarbeitung einer Geschichte.

Abschlussgedanken

Niemand hat behauptet, dass die Überarbeitung eines Manuskripts einfach ist. Du musst Dich dahinter setzen und hart daran arbeiten. Aber auf alle Fälle lohnt es sich, weil Du am Ende ein Ergebnis in den Händen hältst. Und hoffentlich auch eines, worauf Du stolz sein kannst.

In dem Sinne, viel Erfolg bei Deiner Überarbeitung und alles Liebe

Deine frau schreibseele

Auf der Suche nach einem Lektorat

Hei, hallo und herzlich willkommen,

gehen wir davon aus, dass Du ein Lektorat für Dich in Anspruch nehmen möchtest. Da stellen sich mir zwei Fragen. Wie finde ich ein*e Lektor*in und wie finanziere ich das überhaupt? Denn ein Lektorat für einen Text um die 250 Seiten kann durchaus um die 1.000 € kosten. Und seien wir mal ehrlich, das ist nicht gerade wenig.

Kurze Vorgedanken

Alle reden darüber und doch stellt sich am Ende die Frage, wie komme ich an mein*e Lektor*in heran? Einige Autor*innen scheinen ihre Lektor*in zu haben und schwören auf diese. Andere hingegen wechseln diese, wie unsereins ihre Unterhose. Und natürlich gibt es noch die Leute, die für sich ein Lektorat ablehnen. Diese bekommen noch einen eigenen Beitrag. Aber heute möchte ich mit Dir darüber reden, wie Du ein*e Lektor*in findest. Und vor allem, wie Du das Ganze theoretisch finanzieren könntest.

Die Suche

Der Verband

Beim Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren findest Du viele Informationen rund um das Lektorat, Kosten und einiges mehr. Und natürlich auch eine Datenbank, bei der Du nach Deiner*m Lektor*in suchen kannst. Im Grunde genommen kann man davon ausgehen, wer dort gelistet ist, sollte eine gewisse Qualität mit sich bringen.

Schau Dich dort um und dann natürlich auf den Seiten der Lektor*innen. Wenn Dich jemand besonders anspricht, könnte das was bedeuten.

Internetrecherche

Du kannst auch Deine Lieblingssuchmaschine auf machen und nach Lektor*innen suchen. Dort wirst Du dann die Internetseiten finden, welche Du Dir anschauen kannst. Meine Empfehlung ist ganz klar, schau Dir die Referenzen an.

Vor einiger Zeit hab ich eine Lektorin gefunden, die zwar hochgelobt wurde, aber scheinbar bisher nur ein einziges Buch lektoriert hatte. Inwiefern dies gute Werbung ist, sei dahingestellt. Mich hat das eher abgeschreckt, wenn ich ehrlich sein darf. Natürlich fängen wir alle mal klein an, das will ich nicht in Abrede stellen. Aber wenn ich mich als Lektorin positionieren möchte, sollte ich idealerweise im Vorfeld schon einige Bücher bearbeitet haben. Und die alle gehören dann auf meine Referenzseite.

Wenn genügend Referenzen vorhanden sind, schau Dir die Bücher bei den Onlinehändlern an. Werden sie gut besprochen oder beschwert man sich über das Lektorat? Hast Du an jemand besonders viel Interesse, lohnt es sich durchaus ein Buch zu kaufen und es zu lesen. Du könntest auch die*en Autor*in anschreiben und fragen, wie die Zusammenarbeit war.

Bleib bei Deinen Anfragen immer höflich, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Du auch eine Antwort bekommst.

Blick ins Buch

Wir haben sie alle, unsere Lieblingsbücher. Und die meisten hatten ein Lektorat. Gerade dann, wenn sie in einem Verlag veröffentlicht wurden. Da hast Du meistens keine Möglichkeit Dich dagegen zu wehren.

Im Impressumsteil findest Du dann die wichtigen Daten. Wer hat das Cover erstellt, wer das Korrektorat und eben, wer das Lektorat. Ein Blick in ein Verlagsbuch lohnt sich übrigens auch. Denn viele Lektor*innen arbeiten freiberuflich, auch für Verlage. Hat Dir ein Buch besonders gut gefallen, schau nach, wer das Lektorat übernommen hat.

Nein, ein gutes Buch ist nicht immer der Verdienst eines Lektorats. Darüber müssen wir nicht diskutieren. Wenn die Vorlage schlecht ist, dann kann auch das beste Lektorat der Welt dieses Werk nicht mehr retten. Aber es ist durchaus wahrscheinlich, dass das Lektorat die Geschichte noch einmal verbessert hat. Und daher lohnt es sich, mit dieser Person dahinter einmal auseinanderzusetzen.

Such nach der Internetseite und ob diese Person auch mit Dir arbeiten möchte. Denn eins sei Dir versichert, nicht alle Lektor*innen werden mit Dir als Selfpublisher*in zusammenarbeiten. Leider finde ich den Beitrag nicht mehr, aber vor einigen Jahren hatte sich eine Lektorin negativ über die SP-Szene geäußert. Ihr Fazit, sie möchte nie wieder mit Autor*innen aus diesem Bereich zusammenarbeiten. Aber dies ist mir nur ein einziges Mal untergekommen.

Eventuell ergibt sich aber auch hier eine tolle Zusammenarbeit.

Empfehlungen

Als ich nach einer*m Lektor*in gesucht habe, hab ich einfach bei Twitter nach Empfehlungen gefragt. Dazu hab ich die Genres erwähnt, über die ich schreibe und dann einfach gewartet. In der Tat kamen einige Empfehlungen, an die ich nicht gedacht habe oder die ich so nicht entdeckt hätte.

Über diese Empfehlungen kannst Du Dir die Internetseiten anschauen und dann sehen, ob ihr theoretisch zusammenarbeiten könntet. Auch hier gilt, schau Dir ruhig die Referenzen an. Es müssen nicht viele sein, aber aussagekräftig schon. Und dann kannst Du die nächste Stufe angehen.

Die Auswahl

Wenn Du eine*n Lektor*in für Dich ausgesucht hast, oder auch mehrere, empfehle ich Dir dringlichst, ein Probelektorat zu machen.

Was ist ein Problektorat?

Meistens schickst Du die ersten drei Normseiten Deines Projektes an die Person oder Personen und bekommst diese lektoriert zurück. Mit dem Problektorat sollst Du sehen, ob ihr Beide zusammenarbeiten könnt. Das bedeutet, Du kannst schauen, ob Dir die Arbeit gefällt. Und Dein*e Lektor*in kann ebenfalls entscheiden, ob sie*er mit Dir zusammenarbeiten möchte.

Denn ja, auch ein*e Lektor*in kann sich gegen eine Zusammenarbeit entscheiden.

(Mögliche) Kosten

Bei einigen Lektor*innen ist das Probelektorat kostenfrei. Andere hingegen verlangen eine kleine Gebühr. Wenn Du eine Gebühr bezahlen sollst, kann ich sie Dir nur empfehlen. Lieber im Vorfeld zehn oder fünfzehn Euro für drei Seiten bezahlen, als dass Du die falsche Wahl triffst. Denn ich hab durchaus einige Horrorgeschichten zum Thema Lektorat gehört und gelesen, da möchte ich lieber im Vorfeld wissen, mit wem ich es zu tun habe.

Natürlich könnte man sich das Geld auch sparen. Aber lieber jetzt bezahlen, als später drauf zahlen.

Die Wahl

Wenn Dir das Problektorat zusagt und Dein*e Lektor*in klar mitteilt, dass sie*er mit Dir zusammenarbeiten möchte, bist Du am Zug. Willst Du oder willst Du nicht? Gerade, wenn Du mehrere Anfragen versendet hast, ist es wichtig, irgendwann eine klare Entscheidung zu treffen. Und es ist auch völlig in Ordnung, wenn Du eine Absage versendest. Immerhin könnte es ja sein, dass Du mit einer anderen Person zukünftig zusammenarbeiten möchtest.

Daher empfehle ich Dir, die Sache nicht im Sand verlaufen zu lassen. Schreib eine kleine Dankesmail und eben die Absage. Und wenn Du möchtest, dass Du gerne eventuell zukünftig mit der Person zusammenarbeiten möchtest.

Absprachen

Du hast Dich für ein Lektorat entschieden? Herzlichen Glückwunsch! Damit hast Du den wichtigsten Schritt schon getan. Jetzt heißt es, sofern Du es noch nicht getan hast, schreib nun Deine Geschichte zu Ende und überarbeite sie selbst. Eventuell mit Deinen Alphaleser*innen.

Wenn das soweit ist, solltet ihr beide im Vorfeld klären, was das Lektorat beinhaltet.

Kosten

Wie viel kostet Dich das komplette Lektorat? Lass Dir eine konkrete Summe für jede Normseite nennen und dann für das komplette Werk. Natürlich könntest Du es Dir ausrechnen. Aber wenn Du nicht weißt, wie halbe Seiten (also die Seiten am Ende eines Kapitels) berechnet werden, kannst Du keine exakte Aussage machen. Notfalls frag nach, wie diese Seiten berechnet werden.

Durchgänge

Normalerweise bekommst Du pro Lektorat zwei Durchgänge. Im ersten Durchgang wird Dir genau aufgezeigt, was Du besser machen kannst und was okay ist. Das Wichtige sollte Dir aber immer bewusst sein, es ist Deine Geschichte. Lass Dir also niemals irgendeine Meinung aufzwingen. Wenn Du etwas übernehmen möchtest, ist das genauso in Ordnung, wie, wenn Du es nicht tun möchtest.

Sollte Dein*e Lektor*in Dich zu einer Übernahme zwingen, überleg Dir genau, ob dann eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gegeben ist. Notfalls frag andere Autor*innen, wie sie einen solchen Fall betrachten.

Im ersten Durchgang werden alle Schnitzer ausgeräumt und beseitigt. Im zweiten Durchgang wird dann noch einmal geschaut, ob da noch irgendwelche logischen Fehler bestehen. Auf die werden dann noch einmal hingewiesen. Wenn das erledigt ist, ist auch die Zusammenarbeit erledigt.

Abweichungen können zwischen euch beiden immer besprochen werden. Aber auf zwei Durchgänge würde ich schon einen gewissen Blick werfen.

Rechtschreibfehler

Wenn sich Dein*e Lektor*in intensiv mit Deinem Text befasst, wird sie*er irgendwann blind. Da können kleine Schnitzer übersehen werden, einfach, weil man sie nicht mehr sieht. Im Idealfall werden diese korrigiert. Aber das ist nicht die Aufgabe des Lektorats. Daher erwarte nicht, dass diese behoben werden.

Zahlweise

Normalerweise wird Summe X innerhalb von Zeitraum Y überwiesen und damit hat es sich. Aber wenn Du offen und ehrlich mit Deiner*m Lektor*in sprichst, dann sind sicherlich auch Abweichungen möglich. Eventuell kannst Du ein Prepaidlektorat in Anspruch nehmen. Du überweist also eine gewisse Summe und Dein*e Lektor*in überarbeitet so lange den Text, bis das Geld aufgebraucht ist. Und dann wartet sie*er so lange, bis dass nächste Geld unterwegs ist.

Oder Du fragst nach einer Ratenzahlung. Wenn Du die Gesamtsumme kennst, kannst Du jeden Monat eine Summe X überweisen. Wie hoch sie ist, das müsst ihr besprechen. Eventuell sollst Du vor dem Beginn des Lektorats zahlen oder kannst es auch danach machen.

Egal wie ihr vorgeht, sprecht offen und ehrlich miteinander, wenn Du Dir die Summe nicht auf einmal leisten kannst. Meine Vermutung ist, dass die meisten mit sich reden lassen. Gerade dann, wenn es Dein Erstlingswerk ist.

Die Finanzierung

Sagen wir, dass Dein Lektorat 1.000 € kostet. Das ist eine beträchtliche Summe. In der Vergangenheit hatte ich Arbeitsverträge mit einem Monatslohn, die deutlich darunter lagen (bei einer Vollzeitstelle wohlgemerkt). Jetzt stellt sich die Frage, wie an so viel Geld kommen?

Sparen

Mit dem Beginn des Schreibens an Deinem Roman kannst Du sofort anfangen zu sparen. Überleg Dir, was Du für Kosten haben könntest. Probier dieses Tool aus und Du wirst eine grobe Summe am Ende haben. Zwar ist das eine sehr grobe Rechnung. Aber rechne noch ein paar Hundert Euro rauf und Du hast eine realistische Summe.

Wenn Du mit dem Bullet Journal arbeitest, wirst Du viele Tracker finden, die sich um das Sparen von Geld drehen. Innerhalb eines Jahres ist es theoretisch möglich, eine vierstellige Summe zu sparen. Und für den Anfang ist das ausreichend.

Ratenzahlung / Prepaidzahlung

Das habe ich schon oben bei Zahlweise erwähnt. Daher gehe ich nicht noch einmal darauf ein.

Crowdfunding

Bei einem Crowdfunding bittest Du fremde Personen, Dir Geld zu leihen, damit Du Deine Projekte umsetzen kannst. Dafür musst Du den Leuten aber etwas geben. Meine Empfehlung ist, dass Du Dich genau darüber informierst. Wer hat das schon gemacht, wie war der Erfolg und was solltest Du dafür als Gegenleistung anbieten.

Häufig musst Du noch nicht einmal das fertige Buch als Gegenleistung anbieten, sondern eine andere kreative Leistung. Aber da ich selbst damit (noch) keine Erfahrungen habe, kann ich Dir dazu nicht viel sagen. Aber es gibt einige Autor*innen, die das schon gemacht haben. Recherchiere danach und frag freundlich bei diesen nach. Die können Dir sicherlich besser weiterhelfen.

Probleme

Ab und an könnte es auch dazu kommen, dass es Probleme gibt. Dein*e Lektor*in hält sich nicht an die Absprachen oder will Dir ihren*seinen Willen aufzwingen. Denk erst einmal daran, dass es auch nur Menschen sind. Mit anderen Worten, sie handeln daher auch menschlich. Das ist nicht immer gut, aber dadurch erst einmal nachvollziehbar.

Wenn es zu Problemen kommt, dann frag ruhig bei anderen Autor*innen nach, wie sie damit umgehen würden. In erster Linie, wenn ihr einen Vertrag habt (dazu reicht auch eine E-Mail, denn in Deutschland herrscht Vertragsfreiheit), hat Dein*e Lektor*in diesen zu erfüllen. Sollte sie*er sich weigern, nicht bezahlen und ein*e neue Lektor*in suchen.

Solltest Du bereits bezahlt haben, ist es manchmal notwendig juristische Hilfe zu holen. Aber erst einmal gilt, redet miteinander. Manchmal liegt es an der (fehlenden) Kommunikation, dass es zu Problemen kommt. Und wenn das nicht hilft, Hilfe suchen.

Abschlussgedanken

Es ist nicht ganz so einfach, sich ein*e Lektor*in zu suchen. Denn es gibt durchaus einiges zu beachten. Und ob es sich für Dich (finanziell) lohnt, musst Du selbst entscheiden. Damit meine ich, ob Du die Kosten für das Lektorat wieder hereinbekommst. Die einen werden sagen, ja, es lohnt sich, egal wie. Die anderen werden argumentieren, dass es dem nicht so ist.

Bedenke dabei bitte immer eines, es ist Deine Entscheidung. Niemand kann sie Dir abnehmen. Aber nach diesem Beitrag hast Du einige Dinge gelesen, auf die Du achten solltest. Den Rest wirst Du dann selbst herausfinden. Learning by doing wie es doch so schön heißt.

Und dabei wünsche ich Dir viele tolle Erfahrungen und Ergebnisse.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Lektorat: Ja oder Nein

Märzbeiträge

Hei, hallo und herzlich willkommen,

jede Geschichte braucht ein Lektorat, bevor man diese veröffentlicht. Gerade dann, wenn man nicht in einem Verlag veröffentlicht und daher das Lektorat quasi gratis dazu bekommt. Zumindest hieß das bisher so. Doch stimmt das? Darüber möchte ich heute mit Dir diskutieren. Wobei ich vorab erwähnen möchte, dass der Beitrag sehr subjektiv ist.

Eine kurze Definition: Was ist ein Lektorat?

Um zu klären, ob man ein Lektorat braucht, möchte ich erst einmal kurz erklären, was das überhaupt ist. Ein Lektorat ist eine Überarbeitung Deiner Geschichte. Dazu gehören zum Beispiel Plotlöcher, Fehler in den Charakteren und weitere Schwächen. Es kann auch sein, dass Dir empfohlen wird etwas früher zu erwähnen oder später. Oder es wird ein ganzer Kapitel umgestellt und so weiter.

Idealerweise ist am Ende Deine Geschichte besser als vorher. Denn irgendwann sehen wir nicht mehr die Schwächen unserer eigenen Geschichte und denken, dass alles, was wir geschrieben haben, sinnig und gut ist (mehr oder weniger). Daher ist es gut, wenn eine neutrale Person drauf schaut und Dir sagt, wo man es doch besser machen kann. Dafür benötigst Du eine Lektorin und durchaus ein wenig mehr Geld. Denn ein Lektorat kann durchaus zwischen fünfhundert und tausend Euro kosten. Rechne mit einem durchschnittlichen Preis von 5 Euro pro Normseite.

Ein Korrektorat wird im Lektorat nicht vorgenommen. Viele sind zwar nett und weisen Dich auf Rechtschreibfehler hin, aber das ist nicht deren Aufgabe.

Ein Korrektorat hat nämlich nichts mit einem Lektorat zu tun. Hier wird noch einmal über Rechtschreibfehler, Satzbau und Ähnliches drüber geschaut. Manchmal wird Dir auch empfohlen, einen Satz anders zu schreiben, um eine bessere Wirkung zu bekommen. Aber auf den Inhalt wird da nicht eingegangen. Außer Du hast jemand ganz liebes und weißt Dich auf Fehler hin. Das liegt aber dann an der Person.

Welche Ausbildung hat eine Lektorin?

Um eine Lektorin zu werden, musst man weder studiert oder eine Ausbildung absolviert haben. Denn Lektorat bzw. Lektorin ist kein geschützter Begriff. Das bedeutet, dass sich jede und jeder sofort Lektorin bzw. Lektor nennen kann, wer dazu Lust hat. Ja, auch Du darfst das, wenn Du willst. Das ist aber auch eine Sache, was bei vielen negativ aufstößt.

Idealerweise weiß aber eine Lektorin, was zu tun ist. Das bedeutet, dass sie etwas Literarisches studiert hat, zum Beispiel Germanistik. Und zudem sollte sie auch eine Menge lesen, und wenn es ganz gut kommt, dann schreibt sie auch selbst Geschichten. Damit kennt sie die Grundlagen eines Romans besser, als wenn sie nur die Angelegenheit aus der Theorie kennt. Aber das ist keine Muss-Bedingung, sondern eine Kann-Bedingung.

Die Grundlage der Diskussion

Doch warum gibt es jetzt eine Diskussion zum Thema Lektorat? Das hat etwas mit dem Beitrag der Autorin Anja Bagus zu tun. Kurz geschrieben, sie erklärte, warum sie kein Lektorat in Anspruch nehmen möchte und nennt dafür auch ihre Gründe.

Als Reaktion darauf erklärte die Autorin Vera Nentwich, warum ein Lektorat doch wichtig ist. Zumindest aus ihrer Sicht. Aber auch andere Lektorinnen haben ihre Meinung dazu kundgetan (dazu gab es vor zwei Jahren eine Seite, die zwischenzeitlich leider verschwunden ist, schade). Und wenige schreiben sogar pro und kontra Beiträge dazu.

Natürlich verteidigen beide Seiten mit guten Argumenten ihre Sicht der Dinge und man kann sie verstehen, wenn man sich mit der Angelegenheit eingehend beschäftigt. Aber darum geht es nicht, denn es geht um Deine ganz persönliche Entscheidung, wie Du an diese Sache herangehst.

Im Folgenden möchte ich Dir mögliche Argumente geben, die für ein Lektorat oder auch dagegen sprechen.

Zum Beitrag selbst

Im Folgenden werde ich die häufigsten Punkte zum Lektorat aufführen und aus der Sicht einer fiktiven Autorin und einer fiktiven Lektorin beantworten. Zumindest so, wie ich es mir denke und wie ich es häufig im Internet gelesen und auch in Gesprächen mit anderen Autor*innen erfahren habe. Dabei ist trotzdem alles fiktional und teilweise sehr überspitzt. Zudem sind die meine beiden Damen auch Fähnchen im Wind. Das bedeutet, dass sie ihre Meinung regelmäßig der Frage anpassen.

Wie geschrieben, die Antworten sind überspitzt, entsprechen nicht alle meiner persönlichen Meinung, auch wenn ich in der Ich-Version schreibe.

Argumentation zum Lektorat

Frage: „Warum sollte ich ein Lektorat in Anspruch nehmen?“

Aus der Sicht der Lektorin …

„Als Lektorin ist es meine Aufgabe, das Beste in dem Text einer Autorin zu suchen, zu finden und zu bergen. Ich will der Autorin helfen, den bestmöglichsten Text, die bestmöglichste Geschichte zu schreiben, die man aus dem Rohmaterial, welches ich bekommen, schaffen kann.

Autor*innen sind durchaus in der Lage gute bis sehr gute Texte zu schreiben. Aber irgendwann werden sie betriebsblind und können nicht mehr sehen, wo man noch den Text verbessern kann. Gerade wenn sie schon einige Male über ihre Geschichte gelesen und diesen schon einige Male überarbeitet haben.

Da kommen wir ins Spiel und helfen den Autor*innen bei ihrer Arbeit. Wir schauen aus einer neutralen Perspektive auf die Geschichte, welche Familie und Freunde niemals einnehmen können. Denn als Lektorin bin ich nicht emotional mit der*m Autor*in verbunden. Sie*Er ist mein*e Auftraggeber*in, und ich versuche diesen Auftrag so gut wie nur möglich abzuschließen. Und daher gebe ich mein Bestes bei meiner Arbeit.“

Aus der Sicht der Autorin …

„Als Autorin gebe ich mir alle Mühe, meine tollste, schönste und beste Geschichte zu schreiben, zu der ich gerade in der Lage bin. Mir ist aber bewusst, dass ich als Erstautorin da sicherlich noch ein wenig Hilfe benötigen kann.

Natürlich hole ich mir vorher durchaus Hilfe von Familie und Freunden, auch wenn ich weiß, dass ich ihre Ratschläge nicht zu sehr vertrauen sollte. Weiterhin suche ich mir auch ein*e Beta-Leser*in, damit sie mir hilft, weitere inhaltliche Fehler zu finden und mitsamt den Rechtschreibfehlern die Geschichte zu verbessern.

Mir ist aber bewusst, dass eine Lektorin, die schon entsprechende Erfahrung in dieser Arbeit hat, hier unverzichtbar ist. Denn sie hat viele Romane nicht nur gelesen, sondern auch lektoriert und damit gesehen, was gut ankommt und wie ich auch auf dem Markt bestehen kann. Das ist mir als angehende Autorin wichtig.“

Welche Leistungen kann ein Lektorat bringen?

Aus der Sicht der Lektorin …

„Als Lektorin versuche ich natürlich, jedes Plotloch zu stopfen und glaubwürdige Charaktere zu erschaffen. Weiter gehört es zu meinen Aufgaben, einen guten Satzbau und die Grammatik zu überprüfen. Wobei ich jedoch immer empfehle, noch ein Korrektorat dazu zu buchen. Denn auch wir werden irgendwann einmal betriebsblind und sehen dann viele Fehler nicht mehr. Denn unser Gehirn sagt, dass der Satz oder das Wort richtig ist, auch wenn es so nicht stimmt.

Mein Ziel ist es am Ende, dass der bestmöglichste Text veröffentlicht werden kann, den es gibt.

Weiterhin kann ich auch auf unlogische Sätze hinweisen, Bandwurmsätze oder auch unglaubwürdige Handlungen, Wendungen oder Situationen. Alles, was man als Autorin irgendwann nicht mehr sieht.“

Aus der Sicht der Autorin …

„Sicherheit. Ich denke, Sicherheit ist hier ein gutes Stichwort. Denn woher soll ich als Autorin, gerade mit einer Erstveröffentlichung wissen, was gut ist, was gut ankommt und wo ich selbst noch Fehler gemacht habe?

Da bietet sich ein Lektorat an, um mir die Sicherheit zu geben, damit ich weiß, was ich tun kann und was nicht. Denn ich will ja nicht, dass mein Erstlingswerk auch mein Letztes ist, weil die Leute mich am Ende meiden.“

Welche Kosten können entstehen?

Aus der Sicht der Lektorin …

„Jedes Lektorat ist absolut individuell. So kann ein Roman auf meinem Tisch landen, der kaum, bis gar keine Arbeit benötigt. Da ist es nur natürlich, dass ich nicht so viel berechne. Doch dann kommt ein Buch auf meinem Tisch, der nur so von Fehlern strotzt. Dafür benötige ich mehr Zeit, mehr Aufmerksamkeit und am Ende kann das natürlich teuer werden.

Daher ist es nicht möglich zu sagen, wie viel letztendlich ein Lektorat kosten kann. Das ist absolut individuell zu sehen.“

Aus der Sicht der Autorin …

„Das ist der ärgerliche Teil an der ganzen Geschichte. Ich kann grob sagen, wie viel mich ein Cover kostet. Oder auch die Zeit, die ich mit dem Schreiben verbringe. Oder auch meine Werbematerialien. Aber ich kann nicht damit rechnen, wie viel mich so ein Lektorat kostet. Da fällt es mir schon schwer, die Kosten zu kalkulieren und zu sparen.

Wenn es wenigstens eine grobe Orientierung haben könnte, wäre das schon einmal. Aber selbst das bieten nur wenige Internetseiten an. Ich soll anfragen. Schön. Da würde ich schon gerne vorher eine grobe Orientierung haben.

Von zehn Lektorinnen bieten vielleicht die Hälfte eine Preisorientierung an, die ich so im Internet gefunden habe. Und bisher habe ich nur einen einzigen Anbieter entdeckt, die klar benennen, was sie kosten.“

Lektorinnen arbeiten nicht gut

Aus der Sicht der Lektorin …

„Natürlich sind nicht alle Lektorinnen gut, leider. Aber wer sich beim „Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren“ umschaut, findet dort Kolleginnen und Kollegen, denen man durchaus vertrauen kann. In dieser Hinsicht wird man nicht allein gelassen.

Und natürlich kann man sich auch mit anderen Autor*innen über Empfehlungen unterhalten. Es gibt also genügend Möglichkeiten herauszufinden, wer gut ist und wer nicht. Man wird da nicht allein gelassen, außer man will sich nicht erkundigen.“

Aus der Sicht der Autorin …

„Klar gibt es durchaus gute Lektorinnen. Darüber muss man wohl nicht diskutieren. Aber gleichzeitig gibt es genügend Lektorinnen, die nicht die Geschichte im Fokus haben, sondern ihr eigenes Ego. Und daraus soll am Ende eine gute Geschichte werden? Ich glaube weniger.

Da ja jede sich Lektorin bezeichnen darf, die darauf Lust hat, kann man da wirklich nicht wissen, ob man jemand wirklich Gutes erwischt. Und dann ist das Geld auch schon futsch und ich sitze da und muss zusehen, wie ich dann zu einem wirklich guten Lektorat komme.“

Natürlich sind das nur exemplarische Punkte. Aber ich denke, Du hast ein Gefühl dafür bekommen, welche Gedanken dazu führen können, sich für oder gegen ein Lektorat zu entscheiden.

Achtung! Horrorgeschichten!

Wenn Du Dich mit anderen Autor*innen unterhältst, dann wirst Du früher oder später auf die eine oder andere Horrorgeschichte aus dem Lektorat stoßen. Die wohl berühmteste Geschichte dürfte von Joanne K. Rowling stammen. Vielleicht kennst Du aus dem ersten Buch die Szene auf der Mädchentoilette. Hermine Granger versteckte sich dort und der Troll, der in das Schloss eingedrungen war, kehrte dort ein und griff Hermine an. Harry Potter und Ron Weasley kamen ihr zur Hilfe. Der Rest ist bekanntlich Geschichte.

Rowling musste um diese Szene kämpfen, da ansonsten das Lektorat diese gerne rausgeschmissen hätte.

Aber auch von anderen habe ich schon gehört, dass sie Probleme mit ihrem Lektorat hatten. So haben sie den Text nicht wirklich überarbeitet oder nur die Hälfte der zugestandenen Leistung erbracht.

Das kann durchaus passieren. Da ich noch zum Thema „Arbeit mit einem Lektorat“ noch einmal drauf näher eingehen werde, möchte ich das Thema erst einmal anschneiden. Lass Dich von solchen Geschichten nicht abschrecken, wenn Du Dich für ein Lektorat entscheidest. Recherchier erst einmal über die Person und ihre Arbeitsweise. Nutze ein Probelektorat. Und vor allem, hör auf Dein Bauchgefühl.

Warum solltest Du ein Lektorat in Anspruch nehmen?

Es sprechen durchaus Punkte für ein Lektorat. Dazu gehören unter anderem, dass Du teilweise nicht in der Lage bist, die ganzen Fehler in Deiner Geschichte zu erkennen. Denn ich kenne mich diesbezüglich. Ich liebe meine Geschichten und natürlich sind sie für mich perfekt. Daher werde ich nicht unbedingt alle Schwächen sehen, die meine Geschichte letztendlich unleserlich machen könnten. Aus diesem Grund ist es schon gut, wenn mir jemand über die Schulter schaut und sagt, was ich besser machen kann, was gut ist und wo ich die Wahl habe, was ich lassen und was ich ändern könnte.

Und die meisten Lektor*innen haben dafür einen Blick. Immerhin haben gute Lektor*innen damit Erfahrungen gesammelt. Idealerweise mit mehr als nur einem Buch. Daher darf man durchaus erwarten, dass sie wissen, was sie tun. Und dieses Wissen kannst Du Dir jederzeit zunutze machen und damit Deinen Roman verbessern, wenn nicht sogar retten. Wer weiß das schon.

Lektor*innen arbeiten idealerweise nicht nur mit der einen oder anderen Person gelegentlich zusammen. Sondern mit verschiedenen Autor*innen, sowohl im Selfpublishing als auch mit Verlagsautor*innen (sofern sie Selfpublishingautor*innen nicht von vornherein ablehnen, was vorkommt). Dadurch haben sie einen Einblick mit einer Vielzahl von Arbeiten. Aber es ist besser, wenn sie in einen oder wenigen Genres arbeiten. Denn dadurch haben sie einen Einblick in das Genre und wissen, worauf es ankommt.

Ich habe mir einige Internetseiten von Lektor*innen angesehen. Und diese haben sich auf wenige Genres konzentriert. Gleichzeitig haben sie auch die Genres aufgelistet, die sie nicht bearbeiten oder lektorieren möchten. Dadurch kannst Du noch am ehesten herausfinden, mit wem Du, zumindest theoretisch arbeiten könntest.

Aber natürlich ist nicht alles gut, was Lektorat heißt. Denn häufig habe ich bei Facebook gelesen, dass manche einfach nur gut in der Rechtschreibung sind und ein wenig Erfahrung in dieser Arbeit haben. Und schon nennen sie sich Lektor*innen. Das ist das Problem, dass die Bezeichnung Lektorat nicht geschützt ist. Wie oben erwähnt, wir alle könnten uns heute noch ein Bild auf unsere Internetseite packen und sofort die Leistung eines Lektorats anbieten.

In wiefern die Qualität hier gegeben ist, kann ich selbst nicht beurteilen. Einige scheinen gut zu sein, da sie sehr viel Lob erhalten. Zugleich sind ihre professionelle Kolleg*innen auch nicht immer besser als sie. Ich lese so oft negative Geschichten mit Lektor*innen, dass man sich schon fragt, was da hinter den Kulissen abgeht.

Gute Lektor*innen geben Dir letztendlich nur Vorschläge, wie Du Deine Geschichte am Ende besser schreiben kannst. Sie schreiben Dir nicht vor, wie Du Deinen Roman zu verändern hast, sondern sagen Dir, wie Du das Beste aus der Geschichte herausholst.

Zu diesem Thema werde ich mich aber noch einmal gesondert äußern.

Abschlussgedanken – Deine Entscheidung

Letztendlich kann Dir niemand die Entscheidung abnehmen, ob Du ein Lektorat in Anspruch nimmst oder nicht. Es kann eine finanzielle Entscheidung sein, eine persönliche, man könnte sogar sagen, im kleinen Rahmen eine politische. Bei Kurzgeschichten entscheiden sich zum Beispiele viele gegen ein Lektorat. Gerade dann, wenn sie die Geschichte kostenfrei abgeben. Da würden die Kosten den Nutzen vermutlich sprengen.

Wenn Du gute Betaleser*innen hast, kann das durchaus ein Lektorat ersetzen. Aber natürlich ist es auch wichtig, die Richtigen zu finden. Und das ist manchmal genauso schwierig, wie ein gutes Lektorat zu finden.

Entscheidest Du Dich gegen ein Lektorat, dann solltest Du auf alle Fälle mit entsprechendem Gegenwind rechnen. Das ist leider ein Fakt. Denn viele halten Dich prinzipiell für ein*e schlechte*n Autor*in, nur weil Du kein Lektorat in Anspruch genommen hast. Dabei ist es denen egal, wie gut oder wie schlecht Dein Buch ist. Haben sie erfahren, dass Du eben kein lektoriertes Buch veröffentlicht hast, bist Du unten. Und zwar aus Prinzip.

Und wenn Du ein Lektorat in Anspruch genommen hast, dann ist das leider nicht immer eine Garantie, dass die Arbeit danach perfekt ist. Denn auch sie können den einen oder anderen Fehler übersehen, weil sie diesen nicht wahrgenommen haben. Oder Du könntest den Vorschlag nicht angenommen haben, den Du bekommen hast. Es gibt so viele Gründe, warum ein Lektorat nie eine Garantie für ein gutes Buch ist.

Zudem, wie oft habe ich Verlagsbücher gelesen, wo ich mich gefragt habe, wie das Buch durch das Lektorat gekommen ist. Denn häufig entdecke ich Schwächen in der Geschichte, die man ohne weiteres hätte ausbessern können. Doch dies wurde nicht getan.

Egal wie Du Dich entscheidest, mach Dir Gedanken darum, wieso Du so entschieden hast, und steh dazu. Das kann ich Dir nur empfehlen. Alles andere liegt an Dir. Und niemand sonst sollte Dir da reinreden.

Bei Deiner Entscheidung wünsche ich Dir viel Glück.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Wenn die Charaktere zu Völkerstereotypen werden

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vor einigen Jahren lief eine Reportage über Filme, welche die Ureinwohner Amerikas zeigten (allgemein auch als Indianer bezeichnet). Dabei blieb mir eine Szene aus einem Film im Kopf hängen, leider nur nicht der Titel des Films.

Es ging dabei um einen Ureinwohner, der ein Soldat war und sich betrank. Dann lief er durch die Straßen, eben betrunken und benahm sich nicht stolz und wild, wie das Klischee eigentlich von ihm erwartet hätte. In dem Interview mit dem Schauspieler meinte er dazu, dass er sogar dankbar war, dass er sich so in dem Film benehmen durften.

Kurze Vorgedanken

Russen trinken. Italiener sind Machos. Amerikaner sind dumm. Engländer sind höflich. Japanerinnen quieken beim Sex.

Jedes Volk wird mit irgendwelchen Klischees und Stereotypen in Verbindung gebracht. Denken wir an ein Volk, an eine Gruppe von Menschen, sei sie religiös oder politisch, fallen uns sofort unendlich viele Stereotypen zu denen ein. Einige von denen mögen wahr sein, andere hingegen nicht.

Manche Stereotypen sind sehr offensichtlich (die des edlen Wilden zum Beispiel), andere hingegen kommen eher unterschwellig. So zum Beispiel, dass alle Asiat*innen in irgendeiner Kampfkunst bewandert sind. Dabei stellt sich schon die Frage, was man eigentlich unter Asien versteht. Immerhin gehört Russland oder auch Indien ebenfalls zu Asien.

Der Inhalt

Wie oben schon angefangen zu schreiben, kann es schnell passieren, dass man in Stereotypen verfällt, beschreibt man irgendein Volk auf der Erde zu dem man selbst nicht gehört. Diese Bilder haben sich in unsere Köpfe regelrecht festgefressen, dass es vielen schwerfällt, aus diesen auszubrechen und etwas anderes zu schreiben.

Glaubst Du nicht?

Dann mach doch mal mit mir folgendes Experiment. Schnapp Dir einen Zettel und schreib die Punkte auf, an die Du denkst, wenn Du das Wort „Indianer“ liest.

Wenn Du jetzt sehr selbstkritisch warst, dann könnten dort Worte stehen, die abseits der Klischees sind. Aber wenn Du das kleine Experiment ohne Selbstkritik durchgeführt hast, könnten auf Deinem Zettel unter anderem folgende Worte stehen:

  • Federschmuck
  • edler Wilde,
  • wilder Barbar (der nur hinter dem Skalp der Weißen her ist)
  • Verträgt kein Feuerwasser
  • ist friedlich
  • kennt kein Besitz
  • lebt im Einklang mit der Natur

Und so weiter. Das bedeutet nicht automatisch, dass Du rassistisch bist. Es bedeutet nur, dass diese Stereotypen immer noch aktuell sind und es uns häufig schwerfällt über diese hinwegzukommen. Denn man gibt uns im Fernsehen oder auch teilweise in Romanen kein anderes Bild von den Ureinwohnern.

Und wenn doch, fällt es uns schwer, mit diesem Bild klarzukommen, weil die Stereotypen so stark sind, dass wir eher neigen, zu diesen zurückzukehren.

Ich erwähne deswegen die Indianer, weil sich hier – meiner Meinung nach – die härtesten Stereotypen halten. Und sie sind häufig auch sehr offensichtlich. Spätestens dann, wenn ein Ureinwohner mit einem Traumfänger arbeitet, können wir schon ahnen, dass hier ein Stereotyp zum Tragen kommt. Denn dieser stammt ursprünglich von Ojibwe-Kultur und wurde erst in den 1960er und 1970er von anderen Stämmen übernommen. Jedoch wird immer gerne getan, als hätten alle Stämme etwas mit diesem Gegenstand zu tun, was nun einmal nicht stimmt.

Aber auch andere Kulturen haben ihre Stereotypen. Und diese sind nicht immer so schön offensichtlich wie die oben Aufgeführten. Wenn wir es mit Asiat*innen zu tun haben, können wir nur darauf warten, dass sie in einer Serie oder in einem Film anfangen ihre asiatischen Kampfkünste zu zeigen. Wie oben schon erwähnt, ist allein die Bezeichnung Asiat*in schon problematisch. Denn immerhin ist Asien ein recht großer Kontinent. Zu diesem gehört eben nun einmal nicht nur China oder Japan. Sondern auch Russland oder Iran. Allein die Bezeichnung Asiat*in impliziert aber bei vielen das Bild von Chines*innen oder Japaner*innen.

Es mag sein und ist wohl auch teilweise so, dass viele Ostasiat*innen wissen, wie man sich verteidigt. Darüber will ich nicht diskutieren. Aber scheinbar beherrschen alle eine geheime Kampfkunst, die sie den Gegner*innen überlegen machen.

Sind sie aber auf der falschen Seite, dann ist der Held oder die Heldin durchaus in der Lage, unsere*n Asiat*in zu besiegen. Besonders dann, wenn sie oder er eine weiße Hautfarbe hat.

Das Problem

Das große Problem dürfte wohl schon klar sein. Wenn wir andauernd die gleichen Stereotypen vorgesetzt bekommen, dann verfestigt sich dieses Bild und wir sind nicht mehr in der Lage darüber hinaus zu denken.

Immer wenn wir jemanden sehen, deren oder dessen kultureller Hintergrund eine wichtige Rolle spielt, rattert unser Gehirn die Stereotypen und Klischees ab. Wenn diese Vorurteile erfüllt werden, dann fühlen wir uns gut. Denn unser System A (Schnelles Denken, Langsames Denken von Daniel Kahnemann) muss nicht überwunden werden, damit System B anfangen muss zu arbeiten.

Das bedeutet also, wenn ein Klischee erfüllt wird, muss unser Gehirn nicht nachdenken. Er sieht sich bestätigt, dass die Vorurteile, die wir gegenüber einer Gruppe von Menschen haben wahr sind. Doch sobald ein Klischee nicht bestätigt wird, will System A (auch das faule Gehirn genannt) unbedingt, dass seine Vorurteile doch bestätigt werden, komme was da wolle. Daher reden wir uns häufig aus, dass es eben mal eine Ausnahme war. System B (das fleißige Gehirn nach Kahnemann also) kommt erst dann zum Einsatz, wenn wir es dazu zwingen. Wir müssen also die Situation hinterfragen und überlegen, warum ein Mitglied einer Gruppe nicht das Klischee erfüllt. Dann müssen wir weitergehen. Handelt es sich bei einer Eigenschaft um ein Klischee und trifft dies auf alle Mitglieder dieser Gruppe zu? Das ist schwer umzusetzen. Aber am Ende lohnt es sich definitiv.

Und dadurch verfestigen sich die Bilder, die von diesen Gruppen von Menschen haben. Danke liebes System A.

Jetzt wirst Du vielleicht sagen, die aufgeführten Beispiele sind ja nicht so schlimm, wo ist das Problem? Das Problem ist ganz klar, dass es auch negative Stereotypen gibt, die sich dadurch verfestigen. Du kannst das oben angeführte Experiment mal mit einer*m Afroamerikaner*in durchführen. Was für Wörter landen auf Deinem Blatt? Ich befürchte, diese sind nicht immer ganz nett, oder?

In einer Musikdoku wurde erklärt, dass die Gangmentalität, die wir von vielen männlichen Afroamerikaner*innen kennen, zuerst aus dem Fernseher stammen. Die Realität sah dagegen zu dieser Zeit eher harmlos aus. In Serien oder Filmen wurde diese sogenannte Realität drastisch dargestellt. Und dann übernahm die tatsächliche Realität der Gegenwart die fiktive Realität aus dem Fernseher. Und wurde schlimmer, als man es damals sich vorstellen konnte.

Diese Bilder bleiben in unserem Kopf, weil wir nicht immer selbstkritisch genug sind, um das alles zu hinterfragen. Ich gestehe, bei mir ist das auch so. Wenn ich mir eine Serie oder einen Film ansehe, dann lasse ich mich berieseln. Und dann hinterfrage ich nicht immer alles, was ich sehe. Daher haben diese Bilder einen ungemein starken Einfluss auf uns. Ein weiteres Problem ist auch, dass wir nicht immer das nötige Hintergrundwissen haben. Wenn ich eine Serie oder ein Film sehe, dann erfahre ich erst im Nachhinein, dass eine Darstellung nicht immer geschickt gewählt wurde. Das muss ich aber erst herausfinden und über weitere Quellen recherchieren. Einige machen es, andere hingegen nicht.

Zudem ist es auch ein Zeichen einer gewissen Faulheit. Denn wir sehen einfach nur Stereotypen und keine richtigen Charaktere. Denn Stereotypen sind nur Ansammlungen von Punkten und zeugen nicht davon, dass sich der Autor oder die Autorin wirklich mit diesem Charakter auseinandergesetzt hat. Wenn wir also mit einem Stereotyp zu tun haben, dann ist es natürlich eine sichere Sache. Wir müssen nicht nachdenken und wissen, wie sie oder er reagieren wird. Aber seien wir mal ehrlich, genau das ist doch auch zugleich langweilig.

Hier wird schlichtweg der einfache Weg gegangen und der heißt, packen wir ein paar Stereotypen zusammen und das war es auch schon. Es mag leichter sein, mit Stereotypen zu arbeiten. Aber es ist nicht befriedigend. Zumindest nicht für Deine Leser*innen.

Warum wird das geschrieben?

Wie schon geschrieben, es handelt sich hierbei um den einfachen Weg, um Charaktere zu erschaffen. Anstatt sich zu überlegen, wie der Charakter sein könnte und wie der kulturelle Hintergrund ihn oder sie noch runder macht, wird hier ein wenig gezimmert und das war es auch schon. Wenn überhaupt.

Damit werden gerade Minderheiten in eine Ecke gestellt, aus der sie nicht herauskommen. Die weißen Charaktere dürfen alles sein, was auch immer sie sein wollen. Dagegen haben die Minderheiten eine bestimmte Rolle zu spielen. Und die ist ihnen gegenüber sowohl als Minderheit als auch als Charakter / Mensch nicht fair.

Denn gerade Minderheiten werden anhand dieser Stereotypen immer gemessen. Wenn sie diese erfüllen, dann heißt es, na typisch, der oder die ist halt so, weil eben der kulturelle Hintergrund so und so ist. Wenn aber mal außerhalb der Box geschrieben wird, dann sind wir erst einmal irritiert. Dann heißt es, dass die Geschichte sogar unrealistisch wäre. Weil eben unser System A nicht befriedigt wurde.

In manchen mag sich auch ein gewisser Widerstand regen, weil wir es nicht gewohnt sind, dass die Charaktere der Minderheiten anders reagieren, als wir es letztendlich wollen. Das ist völlig in Ordnung. Aber dann sollten wir offen sein für die neue Erfahrung, die uns dieses Erlebnis schenkt.

Denn so lernen wir etwas über die Menschen und auch über uns. Denn dort, wo wir irritiert sind, haben wir es aller Wahrscheinlichkeit mit einem Stereotyp zu tun. Und da heißt es, genauer hinsehen. Hier versteckt sich Potenzial.

Wie Du es anders schreiben könntest

Wenn Du über Minderheiten schreiben möchtest und nicht weißt, welche Stereotypen zu dieser Gruppe gehören, bedeutet das eins: Recherche, Recherche und noch mehr Recherche. Es ist völlig in Ordnung, wenn Du nicht weißt, welche Elemente aus Deinem Charakter ein Stereotyp macht. Aber es gibt das Internet und Du kannst es jederzeit benutzen, um das alles herauszufinden. Und natürlich gibt es auch die Möglichkeit, dass Du mit Menschen aus den verschiedenen Ländern und Gruppen sprichst. Dank des Internets ist es möglich. Du kannst Kontakte aufbauen und Fragen, ob eine Idee ein Klischee sein könnte oder nicht. Und solange Du höflich und respektvoll bist, wirst Du sehr wahrscheinlich auch eine entsprechende Antwort bekommen.

Vor einiger Zeit hab ich mal auf einer englischsprachigen Seite gelesen, dass Menschen mit afrikanischen Wurzeln angeblich nicht schwimmen können. Da hatte aber wer eine Geschichte darüber geschrieben, ohne das zu wissen. Dann hatte man ihn darauf aufmerksam gemacht und er war überrascht. Also hatte er recherchiert und überlegt, wie er das besser machen könnte.

Daher recherchiere vorher, was es für Elemente gibt, die Du eventuell umschiffen könntest, und notiere Dir alles. Und rede mit anderen Menschen, die vielleicht mehr Ahnung haben könnten als Du. Das ist nicht peinlich oder zeigt von Schwäche. Es gibt immer jemanden, die oder der von etwas mehr Wissen hat. Dafür könntest Du der Person auf einer anderen Ebene helfen.

Weiter gilt immer und immer wieder, schreib Charaktere, keine Klischees, keine Stereotypen. Schau Dir den Hintergrund Deines Charakters an und frag Dich, was könnte dies für Deine Figur bedeuten? Häufig ist die Geschichte so voller Potenzial, dass man daraus schon fast ein Regenbogen von einem Charakter machen könnte (in Bezug auf die Vielfalt). Doch wenn man sich dann nur auf dem Stereotyp konzentriert, macht man das schlichtweg alles kaputt.

Natürlich haben kulturelle Wurzeln durchaus einen gewissen Einfluss. Aber jeder Mensch kann sich entscheiden, wie sie oder er das eigene Leben führen möchte. Und da kommst Du als Autor*in ins Spiel. Lass Deinem Charakter diese Entscheidung und erschaffe ein Individuum, fernab des Stereotyps.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Du immer schön das Gegenteil von dem schreibst, was das Stereotyp verlangt. Ostasiat*innen sind gut in asiatischen Kampfkünsten (wie Kung-Fu oder Judo oder was auch immer)? Dann streich das und lass sie eine andere Kampfsportart machen. Wie wäre es mit Kickboxen oder ein exzellenter Umgang mit Schusswaffen? Oder noch banaler, lass sie oder ihn doch einfach mal weglaufen, weil sie oder er gar nichts beherrscht. Das wäre definitiv auch mal etwas anderes.

Mit Boxen oder Schusswaffen könnte Dein ostasiatischer Charakter immer noch gefährlich und tödlich sein, aber sie oder er verlässt die Sphären des Stereotyps. Und es wäre definitiv mal was ganz anderes. Und wenn sie*r keine Kampfkunst beherrscht, könnte an der Stelle etwas anderes treten. Wissen oder eine gewisse Hinterhältigkeit. Eben etwas, was Deine Geschichte braucht und Deine Charaktere einmalig werden lässt.

Abschlussgedanken

Wenn man ein wenig aufpasst, ist man leicht in der Lage, Stereotypen, die sich so gut wie immer auf die Minderheiten in einer Geschichte beziehen, zu umgehen. Natürlich, klar, es ist einfacher, wenn man mit Klischees und Stereotypen arbeitet. Sie sind bekannt und auch vertraut. Und unendlich langweilig. Deine Charaktere ähneln den Kleidern oder Anzügen in einem Klamottenladen. Sie sehen alle gleich aus. Der einzige Unterschied ist lediglich die Größe.

Daher versuch einfach mal, dem Stereotyp zu durchbrechen und schau, was es Dir am Ende bringt. Es werden sicherlich einige Leser*innen erst einmal irritiert sein. Aber wenn am Ende ein interessanter Charakter herauskommt, dann werden sie Dir das sicherlich verzeihen. Und ich bin mir sicher, dass sich das auf Dauer lohnt.

Dabei wünsche ich Dir Erfolg und noch mehr Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Drei Gründe, warum ich Agents of S.H.I.E.L.D. gerne schaue

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wer mir schon eine Zeitlang folgt, weiß, dass ich sehr gerne die Serien und Filme aus dem Hause Marvel schaue. Darunter gehört auch die Serie Agents of S.H.I.E.L.D. Und diese zeigt, dass Diversität und eine interessante Handlung sich nicht ausschließen müssen. Daher möchte ich Dir heute drei Gründe zeigen, warum ich die Serie sehr gerne schaue.

Ganz kurz, worum geht es in der Serie?

Bei der Fernsehserie handelt es sich um eine fiktive Geheimorganisation. Ursprünglich hatte sie den gleichen Status wie das FBI oder die CIA. Doch dann kam heraus, dass diese Organisationvon einer Gruppe namens Hydra infiltriert wurde. Und die wollen halt die Welt unter Kontrolle bringen, um ihr Weltbild zu leben.

Nach den Geschehnissen bei Captain America: The Winter Soldier ging die Organisation in den Untergrund und versucht von dort zu arbeiten. Und zwischenzeitlich wächst sie wieder.

Warum ich die Serie mag

Der diverse Cast

Allein wenn Du Dir schon die erste Staffel ansiehst, wirst Du eines entdecken, die Vielfalt der Herkunft ist hier weitaus größer als in manch anderen Serien. Phil Coulson (der Kopf der Gruppe, deren Geschichte wir verfolgen dürfen) ist ein Weißer (kaukasischer Amerikaner). Seine wichtigste Mitarbeiterin ist Agent Melinda May. Man sieht eindeutig, dass sie aus China stammt. Daisy Johnson ist eine asiatische Amerikanerin. Und die beiden Schlauköpfe der Serie Leo Fitz und Jemma Simmons stammen aus Großbritannien. Mackenzie ist ein Afroamerikaner. Und Elena Rodriguez stammt aus Mexiko.

Das sind nur einige der wichtigen Charaktere, welche die Serie tragen. Aber wie Du sehen kannst, sind sie so unterschiedlich, wie eben die Welt. Wir haben Weiße und wir haben PoC. Und selbst unter den Weißen stammen nicht alle zwangsläufig aus Amerika.

Jetzt könnte man sagen, dass die Herkunft irgendwie eine Rolle spielen könnte, weil ja so viele verschiedene Herkünfte in der Serie untergebracht werden müssen. Doch die Herkunft selbst spielte zu keinem Zeitpunkt eine Rolle. Es ging immer um die Geschichte der Figuren. Manchmal ist natürlich auch die Herkunft wichtig. Denn auch sie kann ein Teil der Geschichte der Charaktere sein.

Aber niemand rennt herum und sagt, hei, ich bin von dort und dort, schenkt mir Aufmerksamkeit. Niemand nimmt auf sie Rücksicht, nur weil sie aus einem bestimmten Gebiet kommen. Oder man mutet ihnen mehr zu, weil sie eben von woanders herkommen. Mach deine Arbeit und gut ist, so könnte man das alles beschreiben.

Wenn Leute sagen, dass ein diverser Cast nicht funktionieren kann, dann sollten diese sich die Serie ansehen. Es kann funktionieren und noch besser, es funktioniert.

Das Alter

Wenn Du Dir einige der Charaktere anschaust, dann musst Du nicht wissen, wie alt sie sind. Aber Du wirst sicherlich ahnen, dass sie älter als um die zwanzig sind. Phil Coulson ist in seinen fünfzigern. Genauso wie Melinda May. Daisy Johnson ist tatsächlich in ihren Zwanzigern, was aber auch zu ihrer Geschichte und ihrem idealistischen Typ sehr gut passt. Fitz und Simmons sind um die dreißig Jahre alt. Mckenzie ist in seinen vierzigern und Elena Rodriguez ist um die dreißig Jahre alt. Später kommt noch eine Agentin hinzu (Rosalind Price), die ebenfalls ende vierzig ist.

Wie Du siehst, ist das Alter hier sehr weit gefächert. Es gibt nicht nur den einen alten Mann, der die Gruppe führt und alle anderen sind Kinder, die seiner Führung benötigen. Alle haben ihre Erfahrungen im Leben gemacht. Mal mehr und mal weniger. Und dementsprechend können sie auch zum Gelingen einer Mission beitragen.

Bei einigen Geschichten wäre es auch sehr unrealistisch, wenn diese einer zwanzigjährigen Person geschehen würde. Oder wenn gar Phil Coulson eher ein Brudertyp als eine Vaterfigur wäre. Weiterhin haben wir hier Melinda May, die ebenfalls eine Mutterfigur einnehmen kann. Allein schon wegen dem Alter und ihren Erfahrungen. Aber auch wegen ihren Charaktertyp. Denn häufig steht sie den anderen bei, weil sie einfach älter ist und daher vieles schon selbst durchgemacht hat.

Von diesem Wissen und diesen Erfahrungen profitieren die anderen Mitglieder durchaus. Aber auch sie bringen einiges mit. Entweder, weil sie genügend Forschen konnten (wie bei Fitz und Simmons). Oder, weil sie entsprechende Erfahrungen als Agent mitbringen (Mckenzie). Daisy Johnson hingegen ist jung und sehr idealistisch. Wäre sie jetzt älter, hätte man ihr das nicht mehr geglaubt. Aber da sie noch anfang zwanzig ist, darf sie noch eine sehr stark idealistische Haltung einnehmen.

Starke Frauen

Agent Melinda May ist eine der gefährlichsten Frauen bei S.H.I.E.L.D. Nicht umsonst nennt man sie die Kavallerie. Und das sorgt durchaus für große Augen, wenn man begreift, dass sie damit gemeint ist. Während der Serie zeigt sie auch immer wieder, dass sie den Ruf auch zurecht trägt. Sie ist nicht unverletzlich oder unbesiegbar. Aber sie weiß sich zu wehren und sie kann ordentlich zuschlagen. Jemma Simmons ist ein Genie auf ihrem Gebiet als Wissenschaftlerin. Und Daisy Johnson ist eine Hackerin, die ihres Gleichen sucht.

Angeblich tauchen in der Serie mehr Frauen auf, als in den Serien „Arrow,” “Gotham,” “The Flash,” “Luke Cage,” “Daredevil,” und “Supergirl„. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Aber mich würde es zumindest nicht wundern. Denn gefühlt in jeder Serie tauchen ungefähr genauso viele Frauen wie Männer auf. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, fällt mir das tatsächlich auf. Während ich die Serie sehe, dann ist es eben so.

Und vor allem, die Frauen werden nicht als nettes Beiwerk dargestellt. Sie können Agentinnen sein, Wissenschaftlerinnen, Aktivistinnen oder auch Gegnerinnen unserer Held*innen. Sie sind nicht entweder oder, sondern sowohl als auch. Damit meine ich, dass sie nicht entweder gut oder böse sind. Sie können tatsächlich sowohl gut als auch böse sein. Es kommt auf ihren Charakter an.

Was noch wichtiger ist, sie alle haben eine wichtige Rolle. Sie wurden nicht deswegen aufgenommen, weil sie den Love Interest für einen der Herren spielen sollen. Sie sind da, weil sie wichtig für die Geschichte und wichtig für die Gruppe sind. Natürlich entstehen auch zwischen einigen der Figuren auch romantische Gefühle. Aber diese entwickeln sich nach und nach. Und ich glaube dieser Entwicklung.

Aber es entstehen auch flüchtige Beziehungen, die auf Respekt basieren. Und ja, auch deswegen, weil die Charaktere wissen, dass es dabei nur um Sex geht. Wie es bei erwachsenen Menschen manchmal so ist.

Was kann man aus der Serie lernen?

Natürlich könnten einige Punkte noch besser umgesetzt werden. So fehlt mir noch ein homosexuelles Paar. Wenigstens die Andeutung wäre schön gewesen. Und man hätte sicherlich noch einiges am Alter der Frauen drehen können. Ja, die Serie ist nicht perfekt. Da würde ich Dir sofort zustimmen, wenn Du das sagst.

Aber, sie bewegt sich in die absolut richtige Richtung.

Der diverse Cast unterscheidet sich in der Hautfarbe, im Alter und im Geschlecht. Dort tauchen mehr Frauen auf, als in vielen anderen Serien. Und sie stehen Seite an Seite mit den Männern. Sie müssen nicht beschützt werden oder lassen die Männer als unfähige Trottel dastehen. Alle haben ihre Geschichte und sind wichtig für diese Serie.

Diese Serie zeigt, es ist möglich, einen diversen Cast auftreten zu lassen, ohne das die Geschichte darunter leidet.

Abschlussgedanken

Daher kann ich Dir nur empfehlen, gönn Dir die eine oder andere Folge, wenn Du die Möglichkeit hast. Schau sie Dir nicht nur an, sondern lern auch aus ihr. Wie benehmen sich die Männer und die Frauen. Wie reden sie miteinander und untereinander? Wie wurde alles umgesetzt?

Schau Dir die Serie an, entspann dabei und lern etwas für Deinen eigenen Cast.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Deine frau schreibseele