Drei Gründe, warum ich Agents of S.H.I.E.L.D. gerne schaue

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wer mir schon eine Zeitlang folgt, weiß, dass ich sehr gerne die Serien und Filme aus dem Hause Marvel schaue. Darunter gehört auch die Serie Agents of S.H.I.E.L.D. Und diese zeigt, dass Diversität und eine interessante Handlung sich nicht ausschließen müssen. Daher möchte ich Dir heute drei Gründe zeigen, warum ich die Serie sehr gerne schaue.

Ganz kurz, worum geht es in der Serie?

Bei der Fernsehserie handelt es sich um eine fiktive Geheimorganisation. Ursprünglich hatte sie den gleichen Status wie das FBI oder die CIA. Doch dann kam heraus, dass diese Organisationvon einer Gruppe namens Hydra infiltriert wurde. Und die wollen halt die Welt unter Kontrolle bringen, um ihr Weltbild zu leben.

Nach den Geschehnissen bei Captain America: The Winter Soldier ging die Organisation in den Untergrund und versucht von dort zu arbeiten. Und zwischenzeitlich wächst sie wieder.

Warum ich die Serie mag

Der diverse Cast

Allein wenn Du Dir schon die erste Staffel ansiehst, wirst Du eines entdecken, die Vielfalt der Herkunft ist hier weitaus größer als in manch anderen Serien. Phil Coulson (der Kopf der Gruppe, deren Geschichte wir verfolgen dürfen) ist ein Weißer (kaukasischer Amerikaner). Seine wichtigste Mitarbeiterin ist Agent Melinda May. Man sieht eindeutig, dass sie aus China stammt. Daisy Johnson ist eine asiatische Amerikanerin. Und die beiden Schlauköpfe der Serie Leo Fitz und Jemma Simmons stammen aus Großbritannien. Mackenzie ist ein Afroamerikaner. Und Elena Rodriguez stammt aus Mexiko.

Das sind nur einige der wichtigen Charaktere, welche die Serie tragen. Aber wie Du sehen kannst, sind sie so unterschiedlich, wie eben die Welt. Wir haben Weiße und wir haben PoC. Und selbst unter den Weißen stammen nicht alle zwangsläufig aus Amerika.

Jetzt könnte man sagen, dass die Herkunft irgendwie eine Rolle spielen könnte, weil ja so viele verschiedene Herkünfte in der Serie untergebracht werden müssen. Doch die Herkunft selbst spielte zu keinem Zeitpunkt eine Rolle. Es ging immer um die Geschichte der Figuren. Manchmal ist natürlich auch die Herkunft wichtig. Denn auch sie kann ein Teil der Geschichte der Charaktere sein.

Aber niemand rennt herum und sagt, hei, ich bin von dort und dort, schenkt mir Aufmerksamkeit. Niemand nimmt auf sie Rücksicht, nur weil sie aus einem bestimmten Gebiet kommen. Oder man mutet ihnen mehr zu, weil sie eben von woanders herkommen. Mach deine Arbeit und gut ist, so könnte man das alles beschreiben.

Wenn Leute sagen, dass ein diverser Cast nicht funktionieren kann, dann sollten diese sich die Serie ansehen. Es kann funktionieren und noch besser, es funktioniert.

Das Alter

Wenn Du Dir einige der Charaktere anschaust, dann musst Du nicht wissen, wie alt sie sind. Aber Du wirst sicherlich ahnen, dass sie älter als um die zwanzig sind. Phil Coulson ist in seinen fünfzigern. Genauso wie Melinda May. Daisy Johnson ist tatsächlich in ihren Zwanzigern, was aber auch zu ihrer Geschichte und ihrem idealistischen Typ sehr gut passt. Fitz und Simmons sind um die dreißig Jahre alt. Mckenzie ist in seinen vierzigern und Elena Rodriguez ist um die dreißig Jahre alt. Später kommt noch eine Agentin hinzu (Rosalind Price), die ebenfalls ende vierzig ist.

Wie Du siehst, ist das Alter hier sehr weit gefächert. Es gibt nicht nur den einen alten Mann, der die Gruppe führt und alle anderen sind Kinder, die seiner Führung benötigen. Alle haben ihre Erfahrungen im Leben gemacht. Mal mehr und mal weniger. Und dementsprechend können sie auch zum Gelingen einer Mission beitragen.

Bei einigen Geschichten wäre es auch sehr unrealistisch, wenn diese einer zwanzigjährigen Person geschehen würde. Oder wenn gar Phil Coulson eher ein Brudertyp als eine Vaterfigur wäre. Weiterhin haben wir hier Melinda May, die ebenfalls eine Mutterfigur einnehmen kann. Allein schon wegen dem Alter und ihren Erfahrungen. Aber auch wegen ihren Charaktertyp. Denn häufig steht sie den anderen bei, weil sie einfach älter ist und daher vieles schon selbst durchgemacht hat.

Von diesem Wissen und diesen Erfahrungen profitieren die anderen Mitglieder durchaus. Aber auch sie bringen einiges mit. Entweder, weil sie genügend Forschen konnten (wie bei Fitz und Simmons). Oder, weil sie entsprechende Erfahrungen als Agent mitbringen (Mckenzie). Daisy Johnson hingegen ist jung und sehr idealistisch. Wäre sie jetzt älter, hätte man ihr das nicht mehr geglaubt. Aber da sie noch anfang zwanzig ist, darf sie noch eine sehr stark idealistische Haltung einnehmen.

Starke Frauen

Agent Melinda May ist eine der gefährlichsten Frauen bei S.H.I.E.L.D. Nicht umsonst nennt man sie die Kavallerie. Und das sorgt durchaus für große Augen, wenn man begreift, dass sie damit gemeint ist. Während der Serie zeigt sie auch immer wieder, dass sie den Ruf auch zurecht trägt. Sie ist nicht unverletzlich oder unbesiegbar. Aber sie weiß sich zu wehren und sie kann ordentlich zuschlagen. Jemma Simmons ist ein Genie auf ihrem Gebiet als Wissenschaftlerin. Und Daisy Johnson ist eine Hackerin, die ihres Gleichen sucht.

Angeblich tauchen in der Serie mehr Frauen auf, als in den Serien „Arrow,” “Gotham,” “The Flash,” “Luke Cage,” “Daredevil,” und “Supergirl„. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Aber mich würde es zumindest nicht wundern. Denn gefühlt in jeder Serie tauchen ungefähr genauso viele Frauen wie Männer auf. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, fällt mir das tatsächlich auf. Während ich die Serie sehe, dann ist es eben so.

Und vor allem, die Frauen werden nicht als nettes Beiwerk dargestellt. Sie können Agentinnen sein, Wissenschaftlerinnen, Aktivistinnen oder auch Gegnerinnen unserer Held*innen. Sie sind nicht entweder oder, sondern sowohl als auch. Damit meine ich, dass sie nicht entweder gut oder böse sind. Sie können tatsächlich sowohl gut als auch böse sein. Es kommt auf ihren Charakter an.

Was noch wichtiger ist, sie alle haben eine wichtige Rolle. Sie wurden nicht deswegen aufgenommen, weil sie den Love Interest für einen der Herren spielen sollen. Sie sind da, weil sie wichtig für die Geschichte und wichtig für die Gruppe sind. Natürlich entstehen auch zwischen einigen der Figuren auch romantische Gefühle. Aber diese entwickeln sich nach und nach. Und ich glaube dieser Entwicklung.

Aber es entstehen auch flüchtige Beziehungen, die auf Respekt basieren. Und ja, auch deswegen, weil die Charaktere wissen, dass es dabei nur um Sex geht. Wie es bei erwachsenen Menschen manchmal so ist.

Was kann man aus der Serie lernen?

Natürlich könnten einige Punkte noch besser umgesetzt werden. So fehlt mir noch ein homosexuelles Paar. Wenigstens die Andeutung wäre schön gewesen. Und man hätte sicherlich noch einiges am Alter der Frauen drehen können. Ja, die Serie ist nicht perfekt. Da würde ich Dir sofort zustimmen, wenn Du das sagst.

Aber, sie bewegt sich in die absolut richtige Richtung.

Der diverse Cast unterscheidet sich in der Hautfarbe, im Alter und im Geschlecht. Dort tauchen mehr Frauen auf, als in vielen anderen Serien. Und sie stehen Seite an Seite mit den Männern. Sie müssen nicht beschützt werden oder lassen die Männer als unfähige Trottel dastehen. Alle haben ihre Geschichte und sind wichtig für diese Serie.

Diese Serie zeigt, es ist möglich, einen diversen Cast auftreten zu lassen, ohne das die Geschichte darunter leidet.

Abschlussgedanken

Daher kann ich Dir nur empfehlen, gönn Dir die eine oder andere Folge, wenn Du die Möglichkeit hast. Schau sie Dir nicht nur an, sondern lern auch aus ihr. Wie benehmen sich die Männer und die Frauen. Wie reden sie miteinander und untereinander? Wie wurde alles umgesetzt?

Schau Dir die Serie an, entspann dabei und lern etwas für Deinen eigenen Cast.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Deine frau schreibseele

Dürfen Weiße über PoC schreiben?

Februarbeitragsübersicht

Hei, hallo und herzlich willkommen,

immer wieder stolpere ich, gerade in letzter Zeit, über Diskussionen, über was bestimmte Gruppen schreiben sollen oder was nicht. So gibt es Beiträge, warum Frauen nicht über Schwule schreiben sollen oder warum es albern wird, wenn Männer über Frauen schreiben. Auf der anderen Seite sehen einige Gruppen nicht ein, sich einschränken zu lassen, weil sie Spaß daran haben, bestimmte Geschichten zu schreiben. Oder weil sie etwas zu sagen haben.

Der heutige Beitrag bezieht sich zwar in erster Linie auf die Hautfarbe. Aber theoretisch können viele der Argumente, die ich hier aufführe, auch auf viele andere Genres und Gruppen bezogen werden.

Kurze Vorgedanken

Letztes Jahr habe ich per Zufall erfahren, dass es dir Reihe Liliane Susewind gibt und diese auch verfilmt werden soll. In dieser Reihe geht es um ein rothaariges Mädchen, welche mit Tieren sprechen kann. Ihr bester Freund ist Jesahja, der als hübsch und besonders intelligent beschrieben wird. Das Besondere an ihm ist, dass sein Vater aus Afrika kommt (bei seiner Mutter bin ich mir gerade nicht sicher). Das bedeutet, wir haben es hier mit einem PoC Charakter zu tun. Zwischenzeitlich werden ihr Geschichten auch verfilmt.

Warum ich das erwähne? Weil in der Verfilmung auf die Hautfarbe von Jesahja (der nun Jess genannt wird) keine Rücksicht genommen wurde. Anstelle eines PoC Jungen für die Rolle zu casten, hat man einen weißen Jungen genommen. Und die Ausreden, nun ja, die lass ich einfach mal so stehen. Gerade in Deutschland ist der Umgang mit Diversität in Serien und Filmen noch nicht sonderlich ausgeprägt. In den USA wird zumindest die eine oder andere Quote erfüllt. Gelegentlich dürfen sogar ältere Frauen mitspielen. Doch in Deutschland?

Daher finde ich es wichtig, dass wir uns zumindest theoretisch mit diesem Thema auseinandersetzen sollten. Schreib ich über PoC, schreib ich über einen Charakter im Rollstuhl oder einem transsexuellen Charakter? Schauen wir uns mal einige mögliche Argumente an und dann wird es Zeit eine erste Entscheidung zu treffen.

Was spricht dagegen?

Keine Erfahrung mit Rassismus

Was ist jetzt erst einmal Rassismus? Dazu kann ich Dir den Wikipedia-Beitrag empfehlen. Denn schon die Einleitung ist sehr erhellend. Kurz gesagt bedeutet Rassismus, dass eine Gruppe von Menschen mit bestimmten Eigenschaften aufgrund ihrer Rasse sich als höherwertig ansieht, im Gegensatz zu einer anderen Gruppe von Menschen. Damit meine ich folgendes Beispiel: in den meisten Fällen sehen sich weiße Menschen als höherwertig als zum Beispiel Menschen, mit Wurzeln aus Afrika.

Doch dabei wird nicht nur die eigene Gruppe als höherwertig betrachtet, sondern die andere als minderwertig eingestuft und diese teilweise sogar angegriffen und getötet. So gut wie immer ist die Verteilung so, dass von den Weißen die Aggression ausgeht und die PoC die Opfer sind. Vielleicht gibt es Fälle, dass Weiße aufgrund ihrer Hautfarbe angegriffen werden. Aber ich muss gestehen, dass ich über einen solchen Fall noch nie gelesen habe. Und vermutlich hätten die Medien das definitiv ausgeschlachtet.

Es gibt sogar Menschen, die davon sprechen, dass es keinen Rassismus gegen Weiße geben kann. Denn Rassismus dient zur Erhaltung der aktuellen Machtstruktur und der Definitionsgewalt. Und die geht nun einmal von den Weißen aus. Um genau zu sein, sogar von dem weißen, heterosexuellen, Cis-Mann.

Da der Rassismus von Weißen ausgeht und sich gegen PoC richtet, können sie also nie erfahren, wie es ist vom Rassismus betroffen zu sein. Dies ist nicht dem Gefühl zu vergleichen, wenn man als weiße Person durch eine Gegend läuft, die von PoC bewohnt ist. Das mag unangenehm sein, dies dient aber nicht zum Erhalt der Macht.

Letztes Jahr hab ich einen Beitrag über afrikanische Geschäftsfrauen gesehen. Dabei erzählte eine von ihnen, dass sie erniedrigt wurde, weil sie nicht weiß genug aussah. Weder mit dem Haar, noch mit der Haut. Und dieses Mobbing ging von ihren afrikanischen Lehrer*innen aus, weil dort immer noch der Gedanke herrscht, dass Weiß gut ist. Zwar hat sie sich von diesen Gedanken – glücklicherweise – befreien können. Aber ich find es erschreckend, dass diese Gedanken immer noch vorherrschen.

Da von den Weißen die Definitionsmacht und die Macht ausgehen, sind sie die Verursacher und Nutznießer von Rassismus. So sehen das zumindest die meisten, die sich mit diesem Thema sehr intensiv auseinandersetzen. Alle anderen hingegen sind Opfer von Rassismus. Daher können wir als Weiße niemals nachempfinden, was es bedeutet, Opfer von Rassismus zu sein. Auch wenn es durchaus einige Gruppen gibt, die durchaus der Meinung sind, dass es sehr wohl Rassismus gegenüber Weiße gibt.

Weiße bekommen die Aufmerksamkeit

Wenn Weiße über PoC schreiben, bekommen sie die Preise. So empfinden es sehr viele, sowohl PoC, als auch Weiße selbst. Warum das so ist, darüber könnten wir sicherlich sehr lange diskutieren. Aber ich kann mir vorstellen, dass es auch damit zu tun hat, dass von den Weißen wieder die Definitionsmacht ausgeht, weniger, weil sie allesamt bessere Autor*innen sind.

Weiße schreiben über PoC, da muss man doch aufmerksam sein, weil sie natürlich eine ganz andere Sicht auf die Dinge haben. Und dementsprechend muss man ihnen natürlich auch die Aufmerksamkeit und letztendlich auch die Preise zugestehen (Achtung, das war natürlich Ironie).

Da kann man sicherlich verstehen, dass PoC Autor*innen es nicht gerne sehen, wenn man den Vorteil genießt, über sie zu schreiben, aber nicht die Nachteile erlebt. Also den Vorteil aus der sicheren Entfernung über PoC zu schreiben und die Aufmerksamkeit zu genießen, aber nicht die künstlich erschaffenen Nachteile am eigenen Leib erleben zu müssen (Rassismus).

In einem englischsprachigen Beitrag hab ich mal gelesen, dass PoC es völlig in Ordnung finden, wenn man einen PoC als Nebencharakter einbaut, aber eben nicht als Hauptfigur. Zumindest solange nicht, wenn man selbst Weiß ist.

Reproduktion von Klischees

Wenn wir über andere Volksgruppen denken, denken sehr viele von uns nicht in Menschen, sondern in Klischees. Im Folgenden möchte ich ein paar Klischees auflisten:

  • Alle Russen trinken Wodka,
  • alle Japanerinnen kichern vor sich hin,
  • Indianer sind alle weise,
  • Deutsche essen Eisbein und Sauerkraut.

Leider ist es so, dass diese Klischees von vielen nicht hinterfragt, sondern weitergetragen werden. Es mag sein, dass Klischees mal auf einer Tatsache entstanden ist. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie automatisch für alle Mitglieder dieser Gruppe gilt. Doch häufig ist es so, dass man diese verwendet, wenn man über ein Mitglied der Gruppe schreibt.

Als Außenstehende haben wir aber nicht zwangsläufig den Einblick, was denn nun wahr sein könnte und was billiges Klischee ist. Denn wir werden nicht jeden Tag damit konfrontiert. Und schlimmstenfalls tragen wir zu der Reproduktion der Klischees weiter. Für mich nicht gerade ein erstrebenswertes Ziel.

Was spricht dafür?

Alles andere ist auch möglich

Heutzutage schreiben Frauen über Männer, Männer über Frauen, Erwachsene über Kinder, Menschen über Tiere, Frauen über Schwule und so weiter und so fort. Auch wenn einige sich darüber beschweren, wird dies im Großen und Ganzen doch akzeptiert. Doch spätestens bei der Hautfarbe reißen auf einmal alle die Hände hoch und sagen, bis hierhin und nicht weiter.

Als Begründung werden die beiden Punkte angeführt, dass es eine Anmaßung einer anderen Kultur ist. Und zudem, dass wir nicht wissen, wie es ist, Opfer von Rassismus zu sein. Doch man kann im gleichen Atemzug aufführen, dass ein Mann niemals erfahren wird, wie es ist eine Frau zu sein. Oder eine Frau wird niemals wissen, wie es ist sich als schwul zu outen.

Daher kann man die Argumentation aus dieser Perspektive als eher schwach betrachten. Wir werden niemals in der Haut eines Aliens oder ein Roboter sein. Trotzdem schreiben wir über sie, als wäre das absolut normal. Gehen wir respektvoll sind, können wir auch das Thema Hautfarbe aufnehmen.

Klischees aufbrechen

Wenn ich mich mit einem Thema auseinandersetze, dann recherchiere ich normalerweise dazu. Das bedeutet auch, dass ich herausfinden sollte, mit welchen Klischees ich zu tun haben könnte. Diese können und vor allem sollten sie hinterfragt werden. Warum heißt es denn, dass die indigenen Völker Amerika allesamt weise und edel sein sollen? Woher kommt dieses Klischee? Und trifft dies tatsächlich auf alle zu?

Wenn man über ein Mitglied der indigenen Völker Amerikas schreibt, kann man natürlich die ganzen Klischees aufwärmen und ungefragt verwenden. Oder man hinterfragt sie, bricht mit ihnen, und/oder zeigt einen Charakter, der rein gar nichts mit dem Bild zu tun hat, was die meisten von uns im Kopf haben dürften. Das kann natürlich irritieren. Geh auch davon aus, dass es bei vielen so ist. Aber Du kannst damit die Klischees aufbrechen und zeigen, wie es auch anders geht.

Damit hast Du die Möglichkeit Deiner Geschichte eine neue Dimension hinzuzufügen. Und zudem tust Du noch was Gutes, wenn Du People of Color von einer völlig neuen Seite zeigst. Ganz nebenbei wirst Du Dir sehr wahrscheinlich auch noch eine gewisse Aufmerksamkeit sichern können, weil Du damit auffällst. Denn mit Klischees brechen kann schon irritierend sein, weil wir nun einmal der festen Überzeugung sind, dass PoC so sind, wie wir es uns vorstellen. Ist es dem nicht so, dann stutzen wir uns schauen genauer hin.

Es ist Zeit dafür

Vor einiger Zeit hab ich mal ein Zitat gelesen, der sehr bezeichnend für das ist, was gerade stattfindet. Leider hab ich mir den nicht abgespeichert, daher werde ich den hier sinngemäß wiedergeben.

Diversität in Geschichten bedeutet nicht, dass eine begünstigte Gruppe sich erbarmt über eine nicht begünstigte Gruppe zu schreiben. Es bedeutet nur, dass Richtige zu tun.

Diese Zusammenfassung sagt schon alles aus. Nur weil ich zufällig in eine Gruppe hineingeboren wurde, die sehr viele Vorteile genießen kann (bis auf einige viele Ausnahmen), bedeutet das nicht, dass ich gnädigerweise über andere Gruppen schreibe. Es ist einfach etwas, was man macht, weil es richtig und auch wichtig ist.

Eine Entscheidung

Die wirst Du von mir nicht bekommen. Dafür entschuldige ich mich. Es ist nur so, dass Du das mit Dir selbst ausmachen musst, ob Du über PoC (oder anderen Gruppen) in Deinen Geschichten schreiben willst oder nicht. Zumal ich Dir jetzt schon garantieren kann, dass Du es sowieso falsch machen wirst.

Wenn Du über diese Gruppen schreibst, dann wirst Du von denen und anderen schräg angesehen. Tust Du es nicht, ist es genauso. Egal was Du machst, Du machst es falsch. Daher kann ich Dir nur raten, mach es so, wie es sich für Dich richtig anfühlt.

Hier möchte ich Dir noch ein oder zwei Tipps mitgeben, wenn Du über sie schreiben möchtest.

Zeig Respekt

Damit ist schon alles gesagt. Du willst über jemand anderen schreiben? Dann zeig einfach Respekt. Ein Charakter ist keine Anwandlung von Klischees, sondern die Grundlage für einen Menschen (auch wenn das einige Autor*innen anders sehen mögen). Denn dieser Charakter wird sich idealerweise in die Herzen Deiner Leser*innen einschleichen und dort ein gewisses Eigenleben entwickeln. Daher kann ich Dir nur empfehlen, da so viel Mühe und Respekt zu zeigen, wie es nur möglich ist.

Recherche, Recherche, Recherche

Wenn Du etwas über eine bestimmte Gruppe wissen möchtest, gibt es zwei Wege. Die theoretische Recherche als Vorarbeit. Und dann das direkte Gespräch. Letzteres ist zwar nicht immer möglich, aber sollte trotzdem auf Deiner Liste stehen. Aber vermute hier nichts, sondern arbeite Dich ruhig ein wenig durch das Internet und find heraus, was auch immer Du wissen möchtest und musst.

Abschlussgedanken

Egal wie Du Dich in dieser Hinsicht entscheidest, wichtig ist nur, dass Du für Dich selbst klar machst, warum Du diese getroffen hast. Und dann auch zu ihr stehen kannst. Dann hast Du eine ganz andere Haltung zu diesem Thema und kannst auch ganz anders argumentieren.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Warum ich für Diversität in Geschichten bin

Februarbeitragsübersicht

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

in Kanada und Amerika wird im Februar der Black History Month zelebriert. In diesem Monat lernen die Kinder und Jugendlichen, welchen Einfluss Afroamerikaner*innen auf die Geschichte hatten, welche zuvor eher ignoriert wurde. Auch in Deutschland findet der Gedanke immer mehr Anhänger*innen. Es werden Bücher von PoC Autor*innen gelesen und man macht sich mehr Gedanken zum Thema Diversität. Daher läute ich diesen Monat mit einem entsprechenden Beitrag ein.

Ursprünglich wollte ich mich nur auf die Hautfarbe konzentrieren. Doch letztendlich steht Diversität für das Leben selbst. Daher führe ich einen kleinen Rundumschlag durch. Sollte ich mich aber auf die Hautfarbe beziehen, werde ich die Kurzbezeichnung PoC verwenden. Diese steht für Person of Color bei einer Einzelperson oder für People of Color, wenn zwei oder mehr Personen gemeint sind.

Kurze Vorgedanken

Ursprünglich entstand der Beitrag aufgrund eines Threads bei Twitter. Eine Userin erläuterte, warum es einfach unrealistisch ist, queere Charaktere einzuführen. Daraufhin erwiderten viele andere User*innen, dass ihr Thread schlichtweg an der Realität vorbeiläuft. Daraufhin verfasste ich die erste Version meines Beitrages, wobei ich gestehen musste, dass ich nicht wusste, dass ich über Diversität und Inklusion schrieb. Für mich war und ist es selbstverständlich Charaktere mit den unterschiedlichsten Hintergründen in meinen Geschichten auftauchen zu lassen. Vermutlich so selbstverständlich, dass es mich immer wieder irritiert, wenn andere darüber Diskussionen führen.

Daher schauen wir doch einmal genauer hin.

Ein Blick in die Realität

Aktuell lebe ich in einer Großstadt und da kommen mir Menschen aus unglaublich vielen Ländern entgegen, Homosexuelle, Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, mit seelischen Beeinträchtigungen und keine Ahnung wer noch.

Zugegeben, wie es in kleineren Städten oder Dörfern vor sich geht, darüber kann ich keine Aussagen machen. Dafür war ich zu wenig an solchen Orten. Aber häufig lese ich von anderen Menschen, dass es dort nicht so gemischt vor sich gehen soll, wie in Berlin. Und doch behaupte ich aus meinem naiven Elfenbeinturm, dass es auch dort sicherlich einige Menschen aus der Liste von oben gibt.

Mit anderen Worten, wenn wir vor die Tür treten, treffen wir zwangsläufig auf Menschen, die sich klar von uns unterscheiden. Das mag an der Hautfarbe liegen, an dem Kleidungsstil, an der Religion bzw. an der Weltanschauung oder an so vielen großen und kleinen Details.

Damit können wir klar sagen, wir leben in keiner homogenen Gesellschaft. Wir sind nicht einmal annähernd gleich und diese kleinen bis großen Unterschiede machen uns allesamt aus. Würden wir einen DNS-Test machen, kämen vermutlich bei sehr vielen von uns heraus, dass wir Gene aus ganz Europa und sogar Afrika haben dürften. Noch nicht einmal wir selbst sind homogen.

Ein Blick in die fiktionale Welt

Ganz ehrlich? In meiner ganzen Lesezeit kann ich mir nur an einziges Buch erinnern, in der eine „Be_hinderung“ eine Rolle spielte. Und zwar handelte es sich dabei um das Buch „The Curious Incident of the Dog in the Night-Time“ von Mark Haddon. Ansonsten gibt es natürlich noch Dr. Charles Xavier und Barbara Gordon. Wobei man die beiden schon fast gar nicht mehr zählen kann, da die Zeichner*innen sie genesen lassen.

Homosexuelle Charaktere kommen da häufiger vor. Aber dann mit dem entsprechenden Label, dass es sich um eine Geschichte mit speziell solchen Charakteren handelt. Wenn in „normalen“ Büchern homosexuelle Charaktere auftreten, ist das eher selten und kann durchaus zu erstaunten Blicken oder gar zur Ablehnung führen. Letztens hab ich auf Twitter herausgefunden, dass in den Blockbustern gerade mal 1 Prozent der Charaktere homosexuell sind. Transsexuelle oder Intersexuelle und so weiter tauchen bisher immer noch nicht auf.

Als man erklärte, dass der Star Trek Charakter Sulu schwul ist, ging ein Aufschrei durch die Reihen der Fans. Selbst George Takei war nicht wirklich glücklich darüber. Letztendlich wurde nie über die Sexualität von Sulu gesprochen und zudem spielt diese keine große Rolle in der Geschichte (zumindest laut den Macher*innen). Jetzt könnte man sich beschweren, dass hier wieder mit aller Gewalt ein schwuler Charakter eingeführt werden muss (warum kein neuer lesbischer?). Andererseits, er ist schwul und es spielt keine Rolle (wie im Bechdel-Test durchaus gefordert, dass der Charakter die Rolle spielt und nicht die sexuelle Orientierung).

Das gilt auch für die Hautfarbe, also die Herkunft der Charaktere. Zumeist haben wir es mit weißen Figuren zu tun. Gelegentlich gibt es einen Quoten-PoC, zumeist afrikanischer Herkunft. Und tatsächlich hab ich Serien gesehen, da wird noch nicht einmal die Quote erfüllt (wie How I met your mother). Oder sie spielen lediglich die Außerirdischen oder Charaktere ohne Namen (zum Beispiel Stargate: Atlantis). Ansonsten kann man sagen, dass so gut wie alle Charaktere weiß sind und gelegentlich taucht mal ein PoC auf.

Aber ansonsten haben wir es eher in den Geschichten mit durchschnittlich schönen und vor allem gesunden Charakteren zu tun, die durch die Bank weg eher heterosexuell sind und Cis-Gender, zumeist männlich natürlich. Und bei aller Liebe hat das noch was mit der Realität zu tun?

Kurze Exkursion:

Eine Cis-Frau oder ein Cis-Mann sind Menschen, die ihr ganzes Leben mit dem Geschlecht identifizieren, welches auch in ihrer Geburtsurkunde steht. Zum Beispiel steht in meiner Urkunde, dass ich eine Frau bin. Und da ich mich nicht männlich fühle (meistens zumindest), bin ich eine Cis-Frau.

Wie ich oben schon geschrieben habe, müssen wir nur vor die Tür gehen und sehen unterschiedlichste Charaktere von realen Menschen. Von kleinen Kindern bis hin zu alten Menschen, die kaum noch laufen können. Alle sind dabei und alle gehören zu unserem Leben.

Können wir also sagen, dass die meisten Romane ein Abbild des realen Lebens sind? Ich würde ganz glatt sagen, eher nicht.

Kein richtiges Abbild der Realität in der Fiktion

Vor Jahren habe ich einen Kurs besucht, indem erklärt wurde, wie man einen Liebesroman schreibt. Dort hieß es, dass die Charaktere in diesen Liebesromane durchschnittlich zwischen zwanzig und dreißig Jahren sind. Als Erklärung führte die Leiterin an, dass sich die Leserinnen in der Heldin wiederfinden sollen. Und man hat die „heißeste“ Zeit der Liebe eben in diesem Alter erlebt bzw. wird es voraussichtlich erleben (also der Durchschnitt).

Daher wäre es natürlich fatal, will man einen breiten Markt bedienen, wenn man dicke Heldinnen einführt, oder ältere oder Heldinnen, die in einem Rollstuhl sitzen (um einige Beispiele anzuführen). Es gibt sicherlich solche Romane, aber ich könnte jetzt keine benennen. Sie sind zu wenige und sollen eher ein kleines Publikum ansprechen. Aktuell sind es Nischengeschichten.

Aber auch in Krimis oder anderen Romanen aus unserer Welt könnte ich keine Beispiele nennen, in denen Charaktere vom abweichenden Typ auftauchen. Und wenn, dann kann ich sie Dir an einer Hand abzählen, da bin ich mir sicher.

In Fantasyromanen ist das teilweise noch schlimmer. Dort sind alle gesund, stark und teilweise sogar in einem entsprechenden Alter zu finden. Und wenn sie älter sind, dann hat das nicht unbedingt große Auswirkungen auf das, was sie zu tun haben. Selbst wenn wir es mit dem weisen Mentor zu tun haben, der über einhundert Jahre ist. Er wird vielleicht nicht ganz so schnell sein, wie seine jüngeren Begleiter. Aber er ist in der Lage noch Berge zu besteigen, durch Flüsse zu laufen und einen Kampf zu führen. Alte Frauen tauchen selten bis gar nicht auf.

Was sagt das über uns Autor*innen aus?

Natürlich bedienen wir Autor*innen einen Markt. Darüber müssen wir uns im Klaren sein. Viele von uns schreiben das, was letztendlich gelesen wird. Und das ist häufig der gesunde, heterosexuelle, weiße Charakter. Sie oder zumeist er sieht zudem hübsch aus und im Oberstübchen sind noch alle Tassen zu finden.

Vermutlich kommt es vielen noch nicht einmal in den Sinn über einen Charakter zu schreiben, die oder der in einem Rollstuhl sitzt. Da fällt mir gerade Clara Sesemann ein (aus dem Roman „Heidi„). Sie darf in einem Rollstuhl sitzen, für eine gewisse Zeit. Und doch kommt sie aus dem Rollstuhl heraus. Oder auch Barbara Gordon (alias Batgirl), die in einem Rollstuhl sitzt. Zwischenzeitlich hat sich DC das jedoch anders überlegt und entlässt sie wieder aus diesem. Und eben Professor Charles Xavier, der ebenfalls geheilt wird.

Wenn also entsprechende Charaktere auftauchen, dann bleiben sie nicht lange in dem Zustand des Dickseins, der Krankheit oder Derartiges. Sie nehmen in Rekordzeit ab oder können bald wieder laufen.

Man könnte meinen, dass einige Autor*innen mutig sein wollen, aber nicht zu mutig. Sie wollen die reale Welt zeigen, aber sie darf nicht zu real sein. Immerhin möchte man die geneigte Leserin oder den geneigten Leser nicht vergraulen. Denn, wenn das reale Leben schon hart ist, möchte man dann das alles in einem Roman überhaupt lesen?

Andererseits kann man nicht auch sagen, dass nur ein kleiner Teil der Menschen repräsentiert wird, während alle anderen einfach nur ignoriert werden? Säße ich in einem Rollstuhl, ich würde mich in keinen der Romane wiederfinden. Und vielleicht möchte ich aber ein positives Vorbild haben?

Gerade junge Menschen benötigen dies, meiner Meinung nach, dringendst. Denn viele von ihnen hadern durchaus mit ihrem Schicksal (welche Jugendlichen hadern schon nicht mit ihrem eigenen Leben, obwohl bei ihnen alles perfekt ist?). Und dann haben sie noch nicht einmal positive Vorbilder. Zumindest hätte ich sie gerne als junges Mädchen gehabt. Heldinnen, die wenigstens ein wenig wie ich sind. Einfach um zu sagen, ich bin nicht allein.

Was wäre wenn …?

Was wäre also, wenn wir mehr Realität in die Geschichten holen würden? Wenn wir also mit Menschen in Rollstühlen zu tun hätten? Oder mit Menschen anderer Religionen und Hautfarben? Oder was auch immer?

Vermutlich könnte das geschehen, was Nike Leonhard schreibt. Es könnte die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Thema ablenken. Aber ich behaupte, dass es nicht daran liegt, dass diese Personen zu viel Aufmerksamkeit bekommen, sondern, weil es zu ungewöhnlich ist.

Triffst Du im realen Leben auf Menschen, die nicht dem allgemeinen Standard entspricht, ich bin mir sicher, Du schaust erst einmal genauer hin. Das ist völlig normal. Wir sind solche Bilder nicht gewohnt und es zieht erst einmal unsere Aufmerksamkeit auf solche Personen. Als ich einmal ein Mangamädchen in der U-Bahn getroffen habe, schaute ich auch erst einmal genauer hin. Denn das ist nun wirklich ein Anblick, den man nicht alle Tage erlebt. Doch dann akzeptierte ich es und konzentrierte mich wieder auf meine allgemeine Umgebung (ich wollte ja in die U-Bahn hinein).

Das dürfte vielleicht auch in den Romanen, Filmen und Serien eine Rolle spielen. Wenn wir dort mehr „normale“ Menschen sehen, dann könnte es auch Auswirkungen auf unser empfinden haben. Sehen wir sie regelmäßig, ist es schlichtweg normal. Warum sollte man sich dann noch Gedanken darüber machen?

Daher könnte es sich durchaus empfehlen, mehr Menschen in Deinen Geschichten unterzubringen, die sich von dem weißen, gesunden, heterosexuellen Menschen unterscheiden. Das ist durchaus eine Herausforderung. Aber seien wir doch ehrlich, ist das Leben nicht selbst eine Herausforderung? Und warum sollte ich mich als Autorin davor drücken?

Immerhin spielt die Herausforderung nur auf dem Papier. Mir als Person geschieht dabei nichts. Ich bleibe gesund, weiblich oder männlich und kann trotzdem meinen persönlichen Überzeugungen nachkommen. Aber auf dem Papier, da wage ich es eben, über andere Charaktere zu schreiben. Und ehrlich gesagt wäre das nicht ein wenig interessanter?

Meine Sicht der Dinge

In meinem aktuellen Roman kommen sehr viele PoC vor und eine Frau in einem Rollstuhl. Und es sei angemerkt, sie bleibt auch dort. Warum? Weil es mich durchaus ärgert, wenn in Geschichten immer eine heile Welt nachgestellt wird, die es so eigentlich gar nicht gibt. Es gibt natürlich Geschichten, in denen die Menschen einen eisernen Willen zeigen und tatsächlich den Rollstuhl verlassen können. Darüber will und werde ich nicht urteilen, denn das ist ein Fakt. Aber auf der anderen Seite gibt es Menschen, die das eben nicht können. Auch das ist ein Fakt.

Vor einiger Zeit hab ich eine Reportage über die Gangs in Amerika gesehen. Sie entstanden ganz von selbst ohne den Einfluss von außen. Irgendwann griff die Filmindustrie diese auf und zeigten ihr wahres Gesicht. Dadurch veränderte sich die Wahrnehmung der Menschen auf diese Gangs und auch diese veränderten sich. Und dann zeigten sie letztendlich das Gesicht, was man von ihnen hatte.

Meine Hoffnung ist, wenn wir die Welt zeigen, wie sie sein könnte, dass diese sich auch nach und nach dorthin verändert. Ob das klappt oder nicht, kann ich natürlich nicht sagen. Aber ich finde, wir sollten es einfach ausprobieren. Und zudem, wie ich schon öfters erwähnte, die Welt ist einfach bunt. Warum, bitte schön, sollten wir das nicht einfach mal zeigen?

Abschlussgedanken

Es mag sein, dass jetzt die Argumentation kommt, aber in meiner Geschichte passt kein Charakter von Typ XYZ. Darauf möchte ich entgegnen, dass das reale Leben sich dafür auch nicht interessiert. Dort kann es jederzeit passieren, dass man einen Unfall hat und im Rollstuhl landet. Man kann auch taub, stumm oder blind geboren werden. Weiter kann es passieren, dass man in einem Land geboren wurde, deren Bevölkerung größtenteils eine andere Hautfarbe oder Religion hat, als man selbst.

Das alles gehört zum Leben. Und vielleicht, aber auch nur vielleicht, könnte sich davon auch ein wenig in den zukünftigen Geschichten wiederfinden?

Zumindest würde ich mich sehr darüber freuen.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Schlüsselelemente, damit Deine Kurzgeschichte erfolgreich schreiben kannst

Januarbeiträge:

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wir wollen ja nicht nur eine Kurzgeschichte schreiben. Sondern wir wollen sicherlich auch gute Geschichten schreiben, zumindest wäre das mein persönlicher Ansporn. Daher habe ich einige Elemente für Dich aufgelistet, womit wir dieses Ziel erreichen können, eine erfolgreiche Kurzgeschichte schreiben.

1. Tauche gleich in den Konflikt ein

Bei Romanen hast Du Zeit den Konflikt ein wenig vorzubereiten. Je nach Länge der Geschichte kann die Vorbereitung durchaus auch mehrere Kapitel oder mehrere Hundert Seiten umfassen. Bei Kurzgeschichten hast Du weder die Zeit noch den Platz dafür. Denn in kürzester Zeit muss der Konflikt aufgezeigt werden und vor allem, muss er auch gelöst werden. Manchmal hast Du für eine Kurzgeschichte gerade mal 10.000 Zeichen (nicht Wörter) Zeit, um die Geschichte erzählen.

Je kürzer die Geschichte wird, desto schneller musst Du in den Konflikt eintauchen. Also fang am besten gleich von Anfang an damit an.

2. Erzähle, was wirklich wichtig ist – alles andere bleibt bitte weg

Deine Hauptfigur ist mit sieben Jahren in sieben verschiedenen Brunnen gefallen und hat sich dabei sieben verschiedene Knochen gebrochen? Und das ist überhaupt nicht wichtig für die Geschichte? Mag sein, dass es witzig ist, aber solange es nicht wichtig ist, brauchst Du es nicht zu erwähnen.

Führ nur Dinge in Deiner Kurzgeschichte auf, die wirklich wichtig sind. Das gilt sowohl für Verhaltensweisen als auch für die Hintergrundgeschichte. Ist etwas wichtig, führe es ein, und zwar so, dass man damit arbeiten kann. Ist es nicht wichtig, kannst Du es lediglich für Dich notieren. Aber belaste die Geschichte nicht damit. Du hast sowieso nicht viel Platz. Dann lass alles Unwichtige draußen. Das erleichtert das Schreiben und vor allem das Lesen.

Das Notieren kannst Du deswegen vornehmen, weil Du das vielleicht für eine spätere Geschichte gebrauchen könntest. Vergessen würde ich es also nicht.

3. Übertreibe es nicht mit Deiner künstlerischen Ader

Natürlich möchten wir unseren Leserinnen und Lesern zeigen, dass wir wundervoll mit den Worten umgehen können. Ihnen zeigen, dass eine Beschreibung mehr ist, als nur aneinandergereihte Wörter. Wir wollen ihnen zeigen, wozu wir wirklich in der Lage sind.

Bedauerlicherweise geht bei dieser künstlerischen Ader die Geschichte häufig verloren. Denn es wird häufig zu sehr auf die Wortwahl als auf die Geschichte geachtet. Und letztendlich wollen die meisten Leserinnen und Leser nicht die Evolution eines Schmetterlings in den buntesten Wörtern lesen, sie wollen eine gute Kurzgeschichte lesen.

Konzentriere Dich erst einmal auf die Geschichte. Sie ist wichtig. Was willst Du mit ihr sagen? Wen willst Du erreichen? Natürlich kannst Du Dich auch sprachlich austoben. In der Überarbeitung kannst Du diese ganzen Sachen dann ausbügeln und dann die Geschichte schreiben. Sie steht im Fokus Deiner Arbeit.

4. Arbeite effizient – besonders am Höhepunkt

Wie die Bezeichnung schon sagt, sind Kurzgeschichten eben kurz. Das bedeutet, dass Du keine Zeit für ewig lange Ausführungen der Einleitung hast, ewig lange Szenen schreiben kannst oder unnötige Bandwurmsätze. Und wenn, dann sollte alles einen gewissen Sinn haben (Bandwurmsätze können theoretisch durchaus in Ordnung gehen).

Jeder Absatz, jede Szene, jeder einzelne Satz sollte Deine Geschichte zum Höhepunkt transportieren. Wenn das nicht passiert, ist es Zeit, dass Du diese Elemente entweder überarbeitest oder schlichtweg löscht. Was nicht der Geschichte dient (das gilt sowohl für Romane, als auch eben für Kurzgeschichten), fliegt konsequent raus.

Es gibt den Spruch Kill Your Darlings. Auch wenn Dir ein Satz oder eine Idee gut gefällt, trägt diese nicht dazu bei, dass Deine Geschichte effizient zum Höhepunkt gebracht wird, ist sie nicht tragbar. Schneide sie aus und speichere Dir diese Sachen ab. Vielleicht kannst Du sie in einer anderen Geschichte gebrauchen. In dieser Kurzgeschichte haben diese Elemente jedoch nichts zu tun.

5. Sorge für ein sauberes Ende

Sorge für ein gutes Ende, das zu der Geschichte passt. Sei ruhig kreativ, vertraue aber Deiner Geschichte und dem dazugehörigen Ende. Das bedeutet also auch, dass Du nicht zu überambitioniert sein solltest. Wenn Deine Geschichte ein leises Ende braucht, Du aber ein regelrechtes Feuerwerk loslassen möchtest, lass es. Deine Geschichte weiß schon, warum es ein leises Ende haben möchte.

Genauso wie ein extrem kreatives Ende, welches nur zeigen soll, wie gut Du als Autorin oder als Autor bist. Wenn es nicht passt, dann schreibe es nicht. Manchmal ist ein solides Ende einer Geschichte das Beste. Denn sie wirken nicht gekünstelt und reißen somit mich als Leserin nicht aus dem Lesefluss heraus. Wenn ich am Ende dasitze und mich frage, was die Autorin oder der Autor mir mit dem Ende sagen will, haben sie mich verloren. Und das ist keine gute Idee.

Abschlussworte

Es sind eigentlich keine großen Punkte, die Dir helfen, dass eine Kurzgeschichte wirklich gut wird. Denn letztendlich sind sie allesamt in sich logisch. Doch kann es durchaus schnell passieren, dass man diese im Eifer des Gefechtes diese schlichtweg vergisst. Man möchte zeigen, was man kann, man möchte unbedingt eine wichtige Hintergrundinformation einbauen, auch wenn sie nicht wichtig ist und diese Punkte.

Du kannst natürlich erst einmal Deine Kurzgeschichte so schreiben, wie Du es gerne möchtest. Leg los und hab Spaß dabei. In der Überarbeitung solltest Du Dich dann darauf konzentrieren, dass die Geschichte gut und vor allem lesbar wird.

Und dabei wünsche ich Dir viel Spaß und viel Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

7 Stufen zu einer Kurzgeschichte

Januarbeiträge:

Hei, hallo und herzlich willkommen,

bisher haben wir uns eher darüber unterhalten, wieso Du eine Kurzgeschichte schreiben solltest und wie viele Szenen sie enthalten sollte. Nun werden wir endlich aktiv, spitzen die Stifte und lernen eine mögliche Grundlage, wie man eine Kurzgeschichte schreiben kann. Dabei gehe ich erst einmal auf die theoretischen Grundlagen ein (einmal sieben Schritte) und dann, wie Du tatsächlich eine Kurzgeschichte schreiben kannst (noch einmal sieben Schritte).

Kurze Vorgedanken zu den ersten sieben Schritten

Wer einen Roman schreibt, braucht eine Menge Talent. Wer eine Kurzgeschichte schreiben will, noch um einiges mehr. Denn hier muss nicht nur jeder Satz sitzen, sondern wirklich jedes Wort. Darüber hatte ich schon öfters geschrieben.

Ich kenne viele Leute, die immer wieder berichten, dass der Roman „Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien teilweise unnötige Längen hat. Der Autor beschrieb (um es ein wenig zu übertreiben), wie das Gras einmal nach rechts wedelte, dann nach links, um dann wieder nach rechts zu wedeln. Heutzutage ist das in Romanen schon nicht mehr möglich, weil die Leute keine Zeit mehr haben (oder der Meinung sind, nicht mehr die Zeit dafür zu haben), solche Längen zu lesen. In Kurzgeschichten hattest Du nie die Zeit, solche Szenen einzubauen. Außer sie haben für die Geschichte einen Nutzen.

Vorbereitung fürs Schreiben

Egal ob Du Deine Kurzgeschichte an einem Tag oder in einer Woche schreibst, ein wenig Vorbereitung wird ihr sicherlich von nutzen sein. Daher überlegen wir uns, was Du brauchst.

  • Zeit
    Durchschnittlich ist eine Kurzgeschichte um die 10.000 Zeichen lang (jeder Buchstabe, jedes Satzzeichen und jede Leerstelle ist ein Zeichen). Man kann grob sagen, dass es um die 5.000 bis 6.000 Wörter ist, die Du dafür also verwenden kannst.
    Je nachdem wie schnell Du schreibst, kann das Schreiben allein um die drei Stunden dauern (allein das Schreiben). Mit der Überarbeitung, der Recherche und vielem mehr, steigt natürlich die Zeit.
  • Idee
    Wenn Du Dich an einen der vielen Ausschreibungen orientierst, die es im Internet gibt, musst Du gar nicht selbst eine Idee für Deine Geschichte ausdenken. Ansonsten kannst Du entweder die Geschichten aus Deinem Fundus nehmen oder jetzt Deiner Kreativität freiem Lauf lassen.
    Kleiner Hinweis: Du kannst die Ausschreibung als Inspirationsquelle benutzen und mit deren Hilfe Deine Kurzgeschichte schreiben. Ändere nur ein paar Punkte (zumindest würde ich es empfehlen), damit am Ende etwas Eigenständiges herauskommt.
  • Utensilien
    Egal ob Du mit Laptop, am Computer oder mit der Hand schreiben willst. Hier geht es um die entsprechende Entscheidung dafür. Genauso wie die Entscheidung für Dein Programm. Entweder ein Schreibprogramm wie Scrivener oder einfach Word.

1. Stufe: Schreibe die Geschichte in einem Zug

Jetzt wirst Du Dich fragen, was das bitte schön soll. Im Grunde genommen hast Du noch nichts in der Hand, sollst aber jetzt schon die komplette Geschichte schreiben.

Es ist halt so, dass es hierbei darum geht, eine Geschichte so zu erzählen, wie Du sie einer Freundin oder einem Freund erzählen würdest. Du sitzt also mit dieser Person in einem Café oder in einer Bar und erzählst, was Dir letztens Kurioses passiert ist. Gut, in dieser Geschichte könnten dann Drachen oder Weltraumschlachten vorgehen, aber das ist nebensächlich.

Und sicherlich würdest Du die Geschichte nicht mittendrin beim Schreiben abbrechen und dann erst am nächsten Tag weitererzählen, oder? Also schreibe die Geschichte auf, und zwar in einem Zug durch. Und zwar so, wie Du sie erzählen würdest. Es kann also auch gerne passieren, dass Du zwischen den Szenen hin- und herspringst.

Mach Dir bitte keine Gedanken, dass sie vielleicht krumm und schief am Ende ist. Das ist egal. Immerhin sind wir gerade mal bei der ersten Stufe.

2. Stufe: Finde Deine Heldin / Deinen Helden

Jetzt hast Du die erste Fassung Deiner Geschichte geschrieben. Atme einmal tief durch und schau Dir an, was Du geschaffen hast. Am besten Du trittst emotional einen Schritt zurück und versucht so neutral wie nur möglich die Figuren und den Handlungsverlauf zu betrachten.

Nun überprüf alle Figuren darauf, ob sie sich als Heldin bzw. als Held für Deine Geschichte eignen (mit Heldin / Held meine ich nicht unbedingt die strahlende Figur, die man sich unter dieser Bezeichnung vorstellen mag, es geht also hierbei um die Figur, welche die Geschichte erzählt).

Vielleicht springt Dir eine Figur regelrecht ins Auge und Du sagst Dir, das kann nur die Heldin oder der Held sein. Sei aber trotzdem kritisch und betrachte alle anderen Figuren auf ihr Potenzial. Zwar kann es sein, dass Du eine bestimmte Figur im Kopf hattest, als Du die Geschichte aufgeschrieben hast. Aber manchmal passiert es, dass sich beim Schreiben ein ganz anderer Charakter in den Mittelpunkt drängelt, den Du bisher nicht beachtest hattest.

Hast Du jemanden ausgemacht, merke Dir die Figur. Denn um sie herum wird dann die Geschichte geschrieben und findet auch die Überarbeitung statt.

3. Stufe: Schreibe die perfekte erste Zeile

Der erste Satz hat nicht nur die Aufgabe, Deine Leserinnen und Leser in die Geschichte hineinzuziehen. Er soll auch Dich selbst in die Geschichte hineinziehen und Dir Lust machen, weiter daran zu arbeiten und Dir Spaß bereiten, da überhaupt weiter zu machen.

Daher versuche jetzt, die erste perfekte Zeile zu schreiben. Hier ein paar Vorschläge als Inspiration:

  • Lade mich als Leserin in die Szene ein.
  • Überrasche mich.
  • Führe die Stimme dieser Kurzgeschichte ein.
  • Sei klar dabei.
  • Versuche, ob Du die komplette Geschichte in diesem einem Satz erzählen kannst.

Falls Du jetzt noch nicht schaffst, die wirklich perfekte erste Zeile zu schreiben, das ist in Ordnung. Aber versuche dem ruhig nahezukommen. Auch diesen Satz kannst Du natürlich jederzeit überarbeiten.

4. Stufe: Teile Deine Geschichte in einer Szenenliste auf

Jede noch so kurze Geschichte hat mindestens eine Handvoll Szenen. Diese finden zu einer bestimmten Zeit statt, mit einer bestimmten Anzahl von Figuren an einem bestimmten Ort. Wenn eines dieser Elemente geändert wird, haben wir normalerweise eine neue Szene.

Kurz gesagt: Wenn eine neue Figur auftritt oder eine Figur weggeht, haben wir schon eine neue Szene.

Mithilfe einer Szenenliste kannst Du Deine Geschichte strukturieren und sehen, welcher Teil Deiner Geschichte noch ein wenig Arbeit benötigt, damit sie stärker wird. Wenn Du sie erstellt hast, kannst Du ihr folgen, das ist aber kein Muss. Doch mit ihrer Hilfe hast Du zumindest einen Pfad, dem Du folgen kannst. Und das kann durchaus schon mal ein Gefühl der Sicherheit geben.

5. Stufe: Recherchiere für Deine Geschichte

Meine Empfehlung ist, man sollte nie zu früh anfangen, die Recherche zu betreiben. Denn je eher Du anfängst, desto mehr könnte die Gefahr bestehen, dass Du Deine Geschichte und vor allem Deine Leidenschaft für diese Geschichte tötest. Und das meine ich durchaus wortwörtlich. Damit meine ich, dass Du anfängst, zu recherchieren und eigentlich nur ein paar Informationen suchst. Am Ende könntest Du über dieses Thema eine Sachbuchreihe schreiben und hast eigentlich keine Lust mehr, die Kurzgeschichte zu verfassen.

Aber irgendwann wird es Zeit, dass Du Dich auch mit diesem Thema auseinandersetzt. Wenn Du auf einem guten Weg bist, sieht die Sache dann schon anders aus und Du kannst loslegen.

Wer ist also Deine Hauptfigur, worum dreht es sich in Deiner Geschichte und welche offenen Fragen wollen noch von Dir beantwortet und in der Geschichte verwendet werden. Diese und weitere Fragen können jetzt gestellt und beantwortet werden.

Fülle Deine Szenen mit harten Fakten. Und bei Bedarf kannst Du auch Deine Szenenliste damit füllen. Je nachdem, wie Du arbeitest.

6. Stufe: Schreibe / Überarbeite / Schreibe noch einmal / Überarbeite … bis Du zufrieden bist

Wenn Du an dieser Stelle angekommen bist, ist sicherlich Deine Geschichte in Deinem Kopf ordentlich gereift. Allein durch die Arbeiten, die Du getan und natürlich auch dadurch, dass Du Dich mit ihr intensiv beschäftigt hast. Nun wird es Zeit, dass wir die Geschichte der ersten Stufe in eine schöne Form gießen.

Daher überarbeite erst einmal die Geschichte nach Deiner eigenen Szenenliste und schau nach, was Du da verbessern kannst. Wie sieht es mit den Informationen rund um Deine Heldin oder Deinem Helden aus? Und wie kannst Du die recherchierten Informationen einfügen?

Mach Dir in dieser Phase noch keine Gedanken über Füllwörter oder die Rechtschreibung. Das kannst Du korrigieren, wenn Du mit der Geschichte zufrieden bist. Und wenn Du dann so weit bist, kannst Du natürlich auch gerne Freundschaften oder sogar ein professionelles Lektorat über die Geschichte lesen lassen.

7. Stufe: Veröffentliche Deine Geschichte

Das ist natürlich kein Muss. Aber Du machst Dir nun wirklich viel Mühe um eine Kurzgeschichte zu schreiben. Warum sollte sie dann am Ende in Deiner Schublade landen? Also schicke sie zu einer passenden Ausschreibung ein, veröffentliche sie auf Deinem Blog oder Deiner Internetseite. Oder Du arbeitest an einer eigenen Anthologie, wo sie ihren Platz findet. Alternativ kannst Du sie als kleines Geschenk für Deinen Newsletter beigeben. Und natürlich, Du kannst sie auch gegen einen kleinen Obolus verkaufen.

Egal wie, ich empfehle Dir, Dich in die Welt hinauszuwagen. Es ist besser, wenn Du lernst, mit Kritik umzugehen, indem Deine Leserinnen und Leser eine Kurzgeschichte bewerten, anstatt Deinen kompletten Roman. Denn an einer Kurzgeschichte arbeitest Du nicht ganz so intensiv wie an einem Roman. Und Du lernst eine Menge dabei. Wie man Geschichten schreibt und wie man mit der Kritik anderer Menschen am eigenen Werk umgeht.

Einleitung zu den zweiten sieben Schritten

Du hast unzählige Ideen, die sich nicht für einen Roman eigenen (vermutlich). Also legen wir los und schreiben endlich eine Kurzgeschichte. Mit ein bisschen Arbeit wird das was werden. Hier sind sieben mögliche Schritte, wie aus einer groben Idee eine Geschichte werden kann.

1. Schritt: Benenne das Problem

Hierbei geht es wirklich nur um die Benennung des Problems. Das kann von banal und trivial bis hin zu einer komplexen Idee sein, welche sich tief in Deiner Seele versteckt hat und nun darauf wartet, an die Oberfläche zu kommen.

Schreib einfach das Problem auf, egal wie banal es auf dem ersten Blick klingen mag. Am Ende bekommt Deine Notizen niemand zu sehen. Also musst Du Dir darüber keine Gedanken machen.

  • Ein Drache schläft im Vogelhaus, in der Winterzeit.
  • Ein USB-Stick mit wichtigen Daten, welche seiner Schwester das Leben zerstören könnte.
  • Wolle für ein Häkelprojekt finden.

Du siehst, es kann alles dabei sein.

2. Schritt: Kreiere einen Charakter, der dieses Problem hat

Du musst dabei nicht extrem kreativ sein und alle Details zu dem Charakter erfinden, der in Deiner Kurzgeschichte auftaucht. Denn es ist immer noch eine Kurzgeschichte. Find die Eckdaten heraus und lege dann los. Die große Arbeit kannst Du Dir für Deine Romane aufheben.

  • Eine junge Frau.
  • Ein Mann, mittleren Alters, Geschäftsmann.
  • Ein Junge im Teenageralter.

3. Schritt: Beschreibe nun, warum das Problem Deine Charaktere beschäftigt

Es geht hierbei darum, dass das Problem und der Charakter zueinanderfinden. Wenn sie nichts miteinander zu tun haben, hast Du keine Geschichte. Und wenn Du keine Geschichte hast, lohnt sich nicht die Mühe sich hinzusetzen und etwas zu schreiben.

Doch je wichtiger das Problem Deinen Figuren ist, desto intensiver wird die Geschichte und desto mehr werden wir Leserinnen und Leser Deinen Worten folgen. Mache Dir also Gedanken darum, was die Verbindung ist.

  • Die junge Frau hatte als Kind ein Erlebnis der besonderen Art. Sie wurde in eine andere Welt hineingerissen und erlebte dort Abenteuer, mit denen sie noch heute seelisch zu kämpfen hat. Denn sie wurde danach in eine Nervenheilanstalt gesteckt, weil ihr niemand glauben wollte. Und jetzt will sie nie wieder mit diesen Wesen etwas zu tun haben.
  • Der Geschäftsmann hat wichtige Daten bekommen, damit er einem korrupten Politiker stürzen kann. Denn dieser hat das Leben seiner Frau und seines Kindes auf dem Gewissen und nun will er sich an ihm damit rächen.
  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Wenn Du fertig bist, dann schau Dir noch einmal die Verbindung zwischen dem Problem und den Charakteren an. Steckt da wirklich ein guter Grund dahinter?

Kleines Beispiel:

  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Das ist das Endergebnis. Als ich den Text doch zuerst schrieb, sah er so aus.

  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Der durchgestrichene Teil hatte ich vergessen. Wie liest sich der Text für Dich, wenn der eine Teil nicht wäre?

4. Schritt: Zeige das Hindernis, was sie zurückhält

Eine gute Geschichte baut immer mehrere Hindernisse auf, damit die Heldin oder der Held nicht ans Ziel kommt. Auf keinen Fall dürfen sie kurz vor Schluss den Drachen töten, den Mafiaboss zur Strecke bringen oder den Mörder entdecken. In einer Kurzgeschichte reicht ein Hindernis aus. Aber der muss da sein und zu den vorherigen Punkten passen.

  • Sie hat Angst, dass die Erlebnisse, die sie ganz hinten ihrem Unterbewusstsein eingesperrt hat, wieder hervorkommen und noch schrecklichere Dinge passieren, als beim letzten Mal. Und das sie dieses Mal für den Rest ihres Lebens in eine Nervenheilanstalt kommt. Denn dorthin will sie niemals wieder zurück.
  • Seine Schwester ist die Ehefrau des korrupten Politikers und er weiß nicht, ob sie etwas mit der Sache zu tun hat. Er ist der festen Überzeugung, dass sie unschuldig ist. Dann würde er sie mit stürzen. Denn sie ist ebenfalls aktiv an der Arbeit des Politikers beteiligt. Und nach ihren Depressionen tut ihr das Ganze wirklich gut.
  • Er hat seine Schwester geliebt, weil sie ihm nicht nur seine sensible Seite unterstützt hat (durch die Handarbeiten), sondern ihn auch noch vor dem gewalttätigen Vater beschützte. Nun ist sie tot und niemand stellt sich zwischen den beiden. Zudem hat er kein Geld, um die Wolle für einen Gedenkschal zu kaufen, weil er kaum Taschengeld zur Verfügung hat. Und seine Eltern würden sich über ihn lustig machen, wenn er sie um etwas Geld bitten würde.

5. Schritt: Finde einen bis drei Versuche, für eine Lösung

In der Überschrift steht Versuch, weil Deine Heldin oder Dein Held nicht beim ersten Mal die Lösung finden soll. Dann wäre die Geschichte schlichtweg langweilig. Der Held oder die Heldin muss scheitern und am Ende dieses Scheiterns immer schlechter dastehen, als hätte sie oder er nicht gewagt aufzustehen und etwas zu unternehmen. Erst am Ende dürfen sie gewinnen. Aber soweit sind wir noch nicht.

  • Sie ignoriert zuerst den Drachen, weil sie hofft, dass dieser frieren wird und dann verschwindet. Doch gleichzeitig hat sie Angst, dass die Nachbarn mitbekommen, dass ein Drache in ihrem Garten schläft und vor allem, dass sie realisieren, dass es Drachen gibt.
    Also holt sie ihn ins Haus und dieser erschreckt so dermaßen, dass er immer wieder Feuer spuckt und kleine Brandherde verursacht. Diese kann sie löschen. Doch dann kündigt sich Besuch an. Ihre Eltern wollen spontan vorbeikommen.
  • Zuerst versucht er mit seiner Schwester zu reden, um herauszufinden, ob sie etwas von der Sache weiß. Doch er bekommt nichts heraus. Zudem erzählt sie ihm, wie gut es ihr geht, seit sie in der Politik aktiv ist. Sie muss kaum noch Medikamente gegen ihre Depressionen nehmen und Selbstmordgedanken habe sie auch nicht mehr. Während des Essens trinkt sie kein Alkohol, weil sie ihrem Bruder eröffnet, dass er demnächst Onkel wird.
  • Zuerst sucht er alle Wollreste aus den Sachen seiner Schwester zusammen. Doch seine Mutter bekommt dies mit und verbietet ihm, das Zimmer seiner toten Schwester noch einmal zu betreten und erst recht zu plündern. Daher schaut er in dem Wollladen der Stadt vorbei, um dort welche zu stehlen. Doch er wird erwischt und die Polizei bringt ihn nach Hause. Nachdem sein älterer Bruder ihm verrät, dass es auf dem Dachboden Wolle gibt, bricht er dort ein. Denn eigentlich dürfen sie nicht auf den Dachboden gehen.

In der Katastrophe muss es auch immer Hoffnung geben. Das bedeutet, dass jeder Fehlschlag die Charaktere dorthin bringen soll, die Lösung zu finden, damit die Geschichte einen guten Ausgang hat.

6. Schritt: Schaffe den kritischen Wendepunkt

Jetzt ist Deine Heldin oder Dein Held so weit, den Wendepunkt zu beschreiten. Denn sie haben alles, was sie brauchen, um die Lösung umzusetzen. Sowohl die Erfahrung als auch die Weisheit wurde ihn mitgegeben, damit sie die letzten Schritte gehen können.

  • Sie begreift, dass sie sich ihren inneren Dämonen stellen muss. Das bedeutet für sie, dass sie ihre Eltern hereinlassen muss, wenn sie da sind, um ihnen den Drachen zu zeigen. Auch wenn er eventuell nur in ihrem Kopf existiert und zudem stehen, was sie einst war und nun immer noch ist.
  • Wenn er seine Familie rächen und zugleich beschützen will, muss er die Daten einsetzen. Denn er will nicht, dass seine Nichte oder sein Neffe in dieser Umgebung aufwächst, die Gift für ihn sein könnte.
  • Obwohl er Angst vor seinem Vater hat, wagt er doch den Aufstieg auf den Dachboden. Denn der Wunsch, den Gedenkschal für seine Schwester zu häkeln ist stärker als die Angst vor seinem Vater.

Es muss natürlich kein glückliches Ende sein, das am Ende herauskommt. Es liegt an Dir, wohin die Reise geht. Wenn Du das unglückliche Ende planst, dann sollte Deine Heldin oder Dein Held spätestens jetzt realisieren, dass die Gedankengänge und die Handlungen falsch waren und alles in eine komplett andere Richtung hätte gehen sollen. Deine Leserinnen und Leser sollten an dieser Stelle spüren, Erfolg wäre durchaus möglich.

7. Schritt: Zeig, was als nächstes passiert

Du hast nun Deine Charaktere an diesen kritischen Punkt gebracht. Nun ist es Zeit, dass Deine Heldin oder Dein Held ihre Wahl treffen. Und es ist an der Zeit, dass Du zeigst, was diese Wahl ist und wie sie ausgeht.

  • Sie entschließt sich, ihren Eltern alles zu sagen. Und als sie durch die Tür treten, sehen sie den Drachen und realisieren, dass ihre Tochter ihnen all die Jahre die Wahrheit gesagt hat.
  • Er geht am nächsten Tag zu der Presse und zeigt ihnen den USB-Stick mit den ganzen Daten. Damit hat er den Stein ins Rollen gebracht, sodass sein Schwager definitiv für seine Verbrechen bezahlen muss. An seine Schwester hat er dabei nicht gedacht.
  • Auf dem Dachboden findet er die gewünschte Wolle und fängt dort sogar sofort an zu häkeln. Doch dann kommt sein Vater hoch und entdeckt seinen Sohn dort.

Du musst nicht unbedingt die Geschichte komplett bis zum Ende schreiben. Denn oft wird erklärt, eine Kurzgeschichte hat ein offenes Ende. Gerne kannst Du alles weitere der Fantasie Deiner Leserinnen und Leser überlassen. Immerhin hast Du sie bis an diese Stelle geführt. Nun kannst Du sie auch gerne alleine weiterreisen lassen. Aber bis hierhin solltest Du kommen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, damit sie weitergehen können.

Schlussworte

Die Vorarbeit mag noch einfach sein. Aber wenn es wirklich an Deine Idee geht, kann es sein, dass Du vor dem weißen Blatt Papier sitzt und Dir überlegst, was Du nun tun sollst. Auf dem ersten Blick sehen die Schritte schon einfach aus, aber sie haben auch ihren Schwierigkeitsgrad.

Aber wenn Du Dich nicht hinsetzt und anfängst, wirst Du niemals zu einem Ende kommen.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß und noch mehr Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Wie viele Szenen hat so eine Kurzgeschichte, eine Novelle, ein Roman?

Januarbeiträge:

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

nun haben wir uns in den letzten beiden Wochen angesehen, warum Du eine Kurzgeschichte schreiben solltest und darüber diskutiert, warum es auch Gründe geben kann, eben keine zu schreiben. Jetzt könnte es ja sein, dass Du Dir sagst, gut, ich schreiben jetzt doch eine Kurzgeschichte. Doch wie kurz oder wie lang könnte denn eine solche Kurzgeschichte sein?

Einige messen dies anhand der Wörter oder Zeichen, die sie schreiben. Das ist dann besonders wichtig, wenn die Geschichte zu den Vorgaben für eine Anthologie passen soll. Andere hingegen messen dies anhand von Szenen, die in einer Geschichte auftauchen soll. Und tatsächlich gibt es Richtlinien, an die man sich gerne orientieren kann.

Eine kurze Definition zum Thema „Szene“

Bevor wir definieren, wie viele Szenen eine Geschichte beinhalten könnte, sollten wir eine einheitliche Sprache sprechen und definieren, was das eigentlich genau ist. Eine Szene ist ein zusammenhängender Text, indem die Figuren, der Ort und die Zeit konstant bleiben. Man kann also sagen, wenn sich eines dieser Elemente ändert (eine Figur kommt hinzu oder geht weg), haben wir eine neue Szene. In Romanen erlebe ich selbst aber meistens, dass Ort und Zeit konstant sind, Figuren hingegen sind eher variabel.

Es gibt dabei Szenen, in denen so gut wie nichts passiert. Die Charaktere sind in ihren eigenen Gedanken gefangen und rotieren dabei sogar noch. Oder es passiert etwas, aber davon bekommt man nichts mit. In einem meiner Kapitel ist mir genau das passiert. Der Held soll etwas suchen, aber eigentlich denkt er die ganze Zeit nur vor sich hin.

Natürlich können auch Gedankengänge die Geschichte weiterbringen. Nicht, dass wir uns missverstehen. Wenn Du Sherlock Holmes – Spiel im Schatten gesehen hast, dann siehst Du, wie die Gedankengänge von Sherlock Holmes die Geschichte durchaus voranbringen. Daher ist es wichtig, zwischen dem unnötigen Gedankengang und dem voranbringenden zu unterscheiden.

Ansonsten ist es im Idealfall so, dass jede Szene dazu führt, dass die Geschichte vorankommt. Jeder Dialog, jeder Gedanke und jede Handlung. Dabei ist es auch völlig egal, in welchem Medium wir uns befinden.

Die Länge ist Deine Entscheidung

Natürlich kann es sein, dass Du bestimmte Vorgaben zu erfüllen hast. Diese sind entweder in der Ausschreibung oder in Deinem Vertrag zu finden. Solltest Du welche haben, musst Du Dich natürlich an diese halten. Ansonsten liegt es an Dir, wie lang die Geschichte werden soll und natürlich dadurch auch, wie viele Szenen Du schreibst.

Natürlich benötigt eine Kurzgeschichte weniger Szenen, als ein Roman von über 1.000 Seiten. Du kannst Dich an die folgende Faustregel orientieren:

Gehen wir davon aus, dass eine Szene durchschnittlich 1.500 Wörter hat. Natürlich können Szenen auch ein paar weniger oder ein paar Hundert Wörter mehr oder weniger haben. Aber darüber möchte ich jetzt nicht diskutieren.

Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass eine Kurzgeschichte etwa sieben Szenen hat, dann weißt Du, dass Du ca. 10.000 Wörter für eine Kurzgeschichte verwenden kannst. Diese Rechnung gilt natürlich auch für die anderen Medien. Wenn man es so will, ist das durchaus eine übersichtliche Angelegenheit. Du kannst jeder Szene der Kurzgeschichte (ich bleibe als Beispiel dort), eine bestimmte Handlung zuweisen. Und dann schreibst Du diese Szene.

Beispiel für ein einen Whodunit

Nehmen wir mal an, Du schreibst einen Krimi, eben den erwähnten whodunit. Es gibt eine Szene, wo der Leichnam gefunden wird. Oder man von einem Mord erfährt (nicht immer wird mit der Hilfe einer Leiche ermittelt). Dann gibt es einige Szenen, wo unsere Ermittlerin oder unser Ermittler arbeitet. Es gibt Fäden, denen gefolgt werden kann und irgendwann kommt es Richtung Lösung. Und die große Szene, die Auflösung, kann für die letzte Szene vorbehalten sein.

In einem Roman darf es auch noch eine oder mehrere Szenen nach der Auflösung geben, in der Kurzgeschichte ist es durchaus eine gute Sache, wenn Du mit der Auflösung auch die Geschichte beendest. Aber das ist eine Entscheidung, die Du treffen darfst, ob Du es so willst oder nicht. Denn theoretisch könntest Du auch kurz vor der Auflösung die Geschichte beenden. Das ist eben das Tolle an Kurzgeschichten. Hier kannst Du sehr viel experimentieren.

Übung macht die Meisterin und den Meister

Egal wie wie viele Zeichen oder Wörter Du letztendlich Deine Kurzgeschichte verwendest, es wird am Anfang immer zu wenig sein. Oder auch zu viel. Aber häufig ist es so, dass Du nie die richtige Wortzahl triffst. Gerade dann, wenn Du Erfahrung mit längeren Novellen oder Romanen hast. Das ist ein gefühlter Fakt. Und Deine ersten Kurzgeschichten werden, um es mal nett auszudrücken, nicht die Besten sein. Auch das ist ein Fakt. Sie werden zu lang sein, zu linkisch und einiges mehr.

Doch je mehr Du übst, desto besser wirst Du. Das gilt für Deinen Roman genauso, wie für Deine Kurzgeschichte. Am Anfang mag die vorgegebene Zeichenanzahl nicht ausreichen. Am Ende wirst Du Dich fragen, warum Du jemals Probleme mit der Zeichen- bzw. Wortbegrenzung hattest. Vor allem weißt Du nun auch, dass es nicht nur auf die Wortzahl ankommt, sondern Du kannst Dich auch an den Szenen orientieren.

Aus diesem Grund schreib einfach und sieh, was am Ende dabei herauskommt. Dabei wünsche ich Dir eine Menge Spaß und Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Oder solltest Du gar keine Kurzgeschichten schreiben?

Januarbeiträge:

Hei, hallo und herzlich willkommen,

es gibt Blogbeiträge von Kolleginnen oder Kollegen, die sind so gut, dass man sich dazu äußern möchte, ja schon fast äußern muss. Dazu könnte man natürlich einen Kommentar unter dem Text schreiben. Aber manchmal wäre dieser so umfangreich, dass es besser ist, wenn man sich dazu entschließt, lieber einen eigenen Blogbeitrag dazu zu verfassen. Und so entstand dieser Beitrag.

Kurze Vorgedanken

Marcus Johanus hat einen Beitrag geschrieben, in dem er auffordert, keine Kurzgeschichten mehr zu schreiben. Und wie zu erwarten stößt er mit diesem Gedankengang nicht nur auf Gegenliebe.

Die einen unterstützen seine Idee, die anderen nur zum Teil und die Dritten stehen da und denken sich nur, nein danke schön. Und das macht, in meinen Augen sogar einen sehr guten Beitrag aus. Denn er regt zur Diskussion an und zwingt die Menschen dazu, sich mit einem Thema mal auseinanderzusetzen. Ich respektiere seine Meinung, möchte trotzdem im Rahmen eines Beitrages meinen eigenen Senf dazugeben.

Dabei gehe ich erst auf seine Argumentation kurz ein und möchte dann noch erklären, warum sich vielleicht, aber auch wirklich nur vielleicht, Kurzgeschichten doch lohnen könnten.

Die Argumentation von Marcus Johanus

1. Kurzgeschichten sind eine Form der Prokrastination

Bei diesem Argument gehe ich noch mit. Denn in der Tat können Kurzgeschichten Dich abhalten Deinen Roman zu schreiben. Wenn Du Dich ein oder zwei Wochen darauf konzentrierst eine gute Kurzgeschichte zu schreiben, könntest Du in der Zeit schon einen halben Kurzroman verfasst haben.

Viele sagen sich, ich will ja nur üben, um einen besseren Roman zu schreiben. Dabei meinen sie häufig tatsächlich, ich hab Angst davor den Roman zu schreiben, also tue ich alles, damit ich eben diesen nicht anfangen muss. Und sobald das passiert, solltest Du Dir verbieten auch nur daran zu denken eine Kurzgeschichte zu schreiben.

Schreib Deinen Roman!

2. Kurzgeschichten haben mit Romanen wenig zu tun

Es stimmt, eine Kurzgeschichte ist sehr dicht geschrieben und eben, das sagt auch der Name, kurz. In einem Roman hast Du gut und gerne mal hundert Seiten Zeit, damit überhaupt etwas passiert. Und ich habe einige Romane gelesen, in denen genau das geschehen ist. Einhundert Seiten ist nichts passiert. Bei einer Kurzgeschichte hast Du manchmal nicht einmal hundert Wörter dafür Zeit.

Daher kann ich dem durchaus zustimmen, Kurzgeschichten und Romane haben genauso viel gemeinsam, wie Birnen und Äpfel.

Andererseits ist es manchmal so, dass ich mir wünsche, dass, so manch eine Autorin oder Autor sich ein paar Tricks von der Kurzgeschichte abgucken würden. Da wird die Geschichte so dermaßen in die Länge gezogen, dass es schon unnötig ist. Daher sehe ich nicht zwangsläufig, dass das Schreiben von Kurzgeschichten wirklich schaden muss. Aber ja, sie kann schädlich sein. Denn man kann auf Dauer zu viel zu kurz schreiben, wo es doch ein paar Worte mehr getan hätten.

Hier kommt es eindeutig auf die Mischung an. So kurz wie möglich, so lang wie nötig.

3. Kurzgeschichten haben eine stark eingeschränkte Zielgruppe

Um es kurz zu machen, es stimmt. In Deutschland werden zwar ungemein viele Anthologien veröffentlicht, aber gelesen werden sie eher wenig. In Amerika hat die Kurzgeschichte einen völlig anderen Stand und damit auch einen anderen Wert. Das ist nicht schön, aber ein Fakt.

Wenn Du Dich also hauptsächlich auf Kurzgeschichten konzentrierst, wirst Du voraussichtlich erst einmal und vielleicht sogar auf Dauer auf ein kleines Publikum konzentrieren müssen. Du kannst damit auch Erfolge haben. Siehe Alice Munroe. Aber bis dahin ist es ein längerer Weg. Das bedeutet für Dich einen langen Atem haben und auch viel Werbung für Dich und Deine Arbeit machen.

4. Mit Kurzgeschichten verbrennst du deinen Namen

Zugegeben, über diese Argumentation stolpere ich ein wenig. Ich kann sie verstehen und trotzdem stolper ich darüber.

Auf der einen Seite erinnern sich die Leute nicht mehr an meinen Namen und zugleich könnte ich meinen Namen verbrennen? Nun gut kann möglich sein. Aber ich behaupte, dass es einen kleinen Ausweg dabei gibt, dem Pseudonym.

Du kannst Deine Kurzgeschichten durchaus mit einem Pseudonym veröffentlichen und es bei einer Bewerbung bei einem Verlag verheimlichen, dass Du sie jemals geschrieben hast. Vor Jahren erwähnte Mal eine Autorin, dass sie eine Kurzgeschichte bei einem erotischen Verlag veröffentlicht hat. Sie brauchte halt das Geld. Und sie würde einen Teufel tun, damit es niemals in ihrer Vita auftaucht. Kann ich verstehen.

Auf der anderen Seite hatte ich in einem Schreibforum gelesen, dass eine Autorin sich bei einem Verlag bewarb und artig alle ihre Anthologieveröffentlichungen notierte. Da kam die Antwort, dass sie nicht dauerhaft mit einem Verlag zusammenarbeiten könne und daher abgelehnt wurde. In diesem Fall scheint der Verlag nicht verstanden zu haben, was es bedeutet, Kurzgeschichten in Anthologien zu veröffentlichen.

Aber das war auch das einzige Mal, dass ich das mitbekommen habe. Inwiefern das die Regel ist, ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Es kann natürlich ein sehr dünnes Schwert sein, auf dem Du Dich bewegst, aber es kann sich auch positiv für Dich auswirken.

Meine Ergänzungen

Wie in den einzelnen Kommentaren erwähnt, kann ich zum Teil die Argumentation nachvollziehen. Aber gibt es denn nicht doch noch positive Teile, warum man eine Kurzgeschichte schreiben kann? Dazu hatte ich letzte Woche schon einige Ideen geschrieben, warum man Kurzgeschichten als Übung benutzen kann. Doch es gibt auch andere Gründe, warum Du Dir vielleicht doch überlegen kannst, Deine Zeit in die eine oder andere Kurzgeschichte zu investieren.

Kleine Erfolgserlebnisse

Ein Roman kann schlimmstenfalls bis zu einem Jahr oder gar noch länger dauern, bis er fertig geschrieben ist. Das kann frustrierend sein und manchmal sogar demotivierend. Wenn man sich dann die eine oder andere Woche Zeit nimmt, um eine Kurzgeschichte zu schreiben, tut das der Seele durchaus gut. Denn man kann sie durchaus in der Zeit schreiben und überarbeiten.

Natürlich darf und soll man die Kurzgeschichte nicht unterschätzen. Sie hat eigene Regeln und Gesetze, die man befolgen darf und auch durchaus sollte. Aber die Kurzgeschichte ist halt kurz. Und man kann da doch zumindest emotionale Erfolgserlebnisse feiern. Wenn sie dann noch in einer Anthologie erscheint, sich wohlmöglich gegen Hunderte Mitbewerberinnen und Mitbewerber durchgesetzt hat, dann tut das sicherlich der Seele sehr gut.

Das war bei mir auf alle Fälle so, als ich meine erste Kurzgeschichte veröffentlicht habe. Es war ein tolles Gefühl und sorgte dafür, dass ich einige Tage auf Wolken gelaufen bin. Noch heute hat diese Anthologie einen Ehrenplatz bei mir. Und tatsächlich ist es auch so, dass man dadurch bei einigen als Autor*in anerkannt wird. Vielleicht nützlich, wenn Du mal auf irgendwelche Linklisten landen möchtest.

Ablenkung

Wenn man sich im Roman verrannt hat, dann kann es manchmal befreiend sein, sich auf etwas ganz anderes zu konzentrieren. Man bekommt den Blick frei und vielleicht sogar noch die eine oder andere Idee für den Roman, auf die man sonst gar nicht gekommen wäre. Wenn man sich die ganze Zeit mit einer einzigen Geschichte beschäftigt, wird man irgendwann richtig blind für die Möglichkeiten, Ideen und Wendungen, die zur Lösung führen.

Und diese Situation kann durchaus sehr frustrierend sein. Daher kann es zu neuen Wegen führen, wenn man sich mit etwas anderem beschäftigt. Auf alle Fälle gewinnt man Abstand und kann sich vom riesigen Projekt ein wenig erholen.

Von der Kurzgeschichte zum Roman

Als Reaktion auf den Beitrag von Marcus haben einige erwähnt, ohne eine Kurzgeschichte gäbe es nicht ihren Roman. Da wollten einige Autor*innen einfach nur eine kurze Geschichte schreiben und sahen das Potenzial dahinter. Und am Ende haben sie sich hingesetzt und daraus eben einen Roman geschrieben.

Hätten sie sich also nicht hingesetzt und es versucht, hätten sie gar nicht die Möglichkeiten gesehen, was sich hinter der Idee verbarg. Denn es wäre sehr wahrscheinlich gewesen, dass sie von vornherein gesagt hätten, das eignet sich nicht für einen Roman, daher lasse ich es ganz sein.

Andere Genres ausprobieren

Wenn Du schon einige Romane in einem Genre ausprobiert hast, dann könnte es sein, dass es Dir schwerfällt, dieses zu wechseln. Denn man weiß ja nie, ist es wirklich was für mich? Kann ich mit den Regeln und Gesetzen umgehen? Will ich das überhaupt? Und wie fühlt es sich an, in dem entsprechenden Genre zu schreiben?

In einer Kurzgeschichte kannst Du Dich ein wenig ausprobieren und sehen, was Dir zusagt und was nicht. Und wenn nicht, dann hast Du nicht so viel Zeit investiert. Das bedeutet, dass Du entweder ein komplett anderes Genre ausprobieren oder zu Deinem bewährten Zurückkehren kannst. Du probierst Dich also im kleinen Rahmen aus.

Es tut nicht weg

Und wenn Dir die Geschichte nicht gefällt oder das Genre oder was auch immer, mir persönlich tut es nicht weh, die Geschichte zu löschen. Denn ich hab nicht so viel Energie und Zeit und auch Liebe in diese Geschichte gesteckt, wie bei einem Roman, der mich seit einigen Monaten oder länger begleitet hat. Und da spreche ich aus Erfahrung. Denn einige Kurzgeschichten habe ich in der Tat eingemottet und es tat nicht so weh, wie der Roman, den ich mal geschrieben habe (und einfach nur schlecht war).

Die Hemmschwellen sind da ganz anders.

Abschlussgedanken

Natürlich musst Du selbst entscheiden, ob Du Kurzgeschichten schreiben willst oder nicht. Es gibt gute Argumente dafür und auch dagegen. Wobei das beste Argument gegen Kurzgeschichten der ist, dass es Dich abhält, Deinen Roman zu schreiben. Lass also bitte nicht zu, dass eine Kurzgeschichte Dich davon abhält, Deinen Roman zu schreiben. Wenn es Dich unterstützt, dann hält es Dich nicht ab zuschreiben. Aber vor lauter Angst solltest Du Dich nicht hinter den kurzen Geschichten verstecken. Bitte.

Daher ist es immer gut zu wissen, warum Du gerade jetzt eine Kurzgeschichte schreiben willst und nicht Deinen Roman. Wenn Du das weißt, ist alles in Ordnung. Ansonsten schau genau hin, willst Du wirklich gerade jetzt diese Kurzgeschichte schreiben? Oder willst Du Dich vor Deinem Roman nur drücken?

Auf alle Fälle wünsche ich Dir viel Spaß dabei.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Da wären wir

Hei, hallo und herzlich willkommen,

da wären wir also, der neue Blog. Der Blog also, von dem ich schon länger geschrieben habe. Endlich ist er da.

Letztes Jahr habe ich eine Umfrage gemacht, wie meine Seite zukünftig heißen soll. Wie Du siehst, war das Ergebnis eindeutig. Daher findest Du die Hauptseite nun unter http://frau-schreibseele.de/.

Der zweite Blog dreht sich um Journale und den findest Du hier.

Zukünftig werde ich auf diesem Blog monatlich mich zu einem Thema äußern. Im Januar zum Beispiel nur zu Kurzgeschichten. Und das probiere ich mal für 2018 aus. Mal sehen, was sich daraus entwickelt. Sollte es nicht passen, dann werde ich es nächstes Jahr entsprechend ändern. Warum nicht einfach auch mal experimentieren.

Daher freue ich mich, wenn wir uns nun hier öfters lesen.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

12 Gründe, warum Du Kurzgeschichten schreiben solltest

Januarbeiträge:

Hei, hallo und herzlich willkommen,

für viele Autor*innen gehören Kurzgeschichten zum Schreiben einfach dazu. Andere hingegen haben regelrechte Angst davor, während Dritte sich dafür gar nicht interessieren. Wenn Du zu denen gehörst, die sich nicht für Kurzgeschichten interessieren, dann ist das natürlich in Ordnung. Aber vielleicht magst Du es trotzdem einfach mal probieren und eine schreiben. Einfach aufgrund der Freude am Experimentieren und am Schreiben.

Hast Du für Dich nach einem Versuch festgestellt, dass es nicht zu Dir passt, dann kannst Du für Dich argumentieren, warum es so ist. Aber auf einen Versuch würde ich es ruhig ankommen lassen. Und die Gründe findest Du in dem folgenden Beitrag.

Kurze Vorgedanken

Eine Kurzgeschichte hat unterschiedliche Längen. Das können 5.000 Wörter sein oder auch 10.000 Zeichen mit Leerzeichen. Wenn Du an einer Ausschreibung teilnimmst, entscheidet der Verlag über die Länge. Ansonsten kannst Du Dich an diese orientieren oder an die Länge Deiner Lieblingskurzgeschichte in einer Anthologie. Oder eben, was Du aktuell brauchst, um die bestmögliche Kurzgeschichte für Dich zu schreiben.

Aufgrund dieser Kürze bist Du gezwungen, ökonomisch zu arbeiten. Und ja, ich gebe es gerne zu, mir fällt es nicht immer leicht, mich daran zu halten. Manchmal habe ich durchaus das Bedürfnis lange und epische Texte zu schreiben. Nicht nur, weil die Geschichte es braucht, sondern einfach aus Prinzip. Mein Traum ist es immer noch, einen Roman von 1.000 Seiten zu schreiben. Jedoch ist es nicht der Sinn einer Kurzgeschichte. Doch warum sollte ich oder Du Dir den Stress antun und überhaupt eine zu schreiben?

1. Du kannst im Kleinen Form und Struktur erlernen

Eine Kurzgeschichte ist nicht mit einer Novelle oder gar mit einem Roman zu vergleichen. Das ist klar. Aber trotzdem enthält eine Kurzgeschichte wichtige Elemente, die man auch bei den anderen Geschichtsformen findet. Dazu zähl ich den Anfang, Mittelteil und Schluss. Aber auch gute Charakterarbeit, Beschreibungen oder auch Dialoge. Wobei es natürlich immer darauf ankommt, was für eine Art Kurzgeschichte Du schreibst. Denn nicht alle Elemente sind zwangsläufig ein Teil einer guten Kurzgeschichte.

Du kannst lernen, wie man am besten in eine Geschichte einsteigt, wie man zum Höhepunkt kommt und auch, wie man eine Geschichte abschließt. Weiterhin auch, wie Du Informationen mitteilst, ohne Deine Leserinnen und Leser zu überladen. Dazu gehören Informationen zu den einzelnen Charakteren, Hintergrundinformationen oder auch Informationen über die komplette Welt.

Mit der Kurzgeschichte kannst Du lernen, wie Du mit den Charakteren umgehst, wie Du eine Geschichte aufbaust und Dich auf das Wesentliche konzentrierst und wie Du auf wenigen Seiten Spannung aufbaust, sodass Deine Leserinnen und Leser mehr wollen.

Denn häufig neigen Autor*innen dazu, ihren Roman regelrecht mit Informationen und Beschreibungen zu überladen. Und zwar so sehr, dass manche gar keine Lust mehr haben, der Geschichte weiter zu verfolgen. Mit der Kurzgeschichte kannst Du lernen, Dich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und ganz unter uns, ich habe schon einige Kurzgeschichten gelesen, die weitaus besser waren, als so manche Romane.

2. Du kannst mit Plotbesonderheiten experimentieren

Es gibt verschiedene Plotmethoden, wie Du eine Geschichte aufbauen kannst. Zum Beispiel die Held*innenreise, die verschiedenen Aktmethoden, die Schneeflockenmethode und so weiter.  Oder auch, wie man Geschichten einleitet oder beendet. Wenn Du alle Formen anhand eines einzigen Romans ausprobieren wolltest, würdest Du sehr lange an dieser Geschichte arbeiten, ohne tatsächlich auf einen Nenner zu kommen. Daher lohnen sich Kurzgeschichten, damit Du dort üben kannst.

Im Laufe der Geschichte gab es verschiedene Möglichkeiten, um eine Kurzgeschichte einzuleiten und diese zu beenden. Mal wurde am Ende wichtige Informationen gegeben, um das Verständnis für die Geschichte auf eine andere Ebene zu bringen. Und dann wurde auch mal eine Kurzgeschichte quasi mittendrin beendet und wir Leser*innen werden in der Luft gelassen, wie es nun weitergeht. Eine Antwort bleibt man uns aber in solchen Geschichten schuldig.

Bei einer reinen Übung kannst Du hingegen das alles ignorieren und Dich den verschiedenen Methoden widmen, die es so gibt. Solltest Du mal eine interessante Methode entdecken, sei es in einem Schreibratgeber oder in einer Geschichte, wie man eine Szene schreiben kann, musst Du nicht warten, bis Du in Deinem aktuellen Roman diese Methode verwenden kannst. Schreib einfach eine Kurzgeschichte und übe damit.

3. Du kannst leichter Deine Lieblinge töten

Sicherlich hast Du schon mal den Spruch „kill your darlings“ gelesen oder gehört. Dieser Spruch stammt von den beiden Autoren Arthur Quiller-Crouch und William Faulkner. Damit ist nicht zwangsläufig gemeint, dass Du Deine Figuren töten sollst. Sondern Du sollst Deine Geschichte überarbeiten und auch Sätze, Absätze und ganze Szenen löschen. Das kann aber auch für Charaktere und Szenen gelten, wenn sie der Geschichte nicht dienen.

In Romanen verzeiht man eher unnötige Längen, solange es nicht übertrieben wird. Denn man mag schon mal gerne einige Absätze über die Umgebung lesen oder über die Charaktere. Gerne kann auch mal ein wenig mehr Wissen vermittelt werden. Das alles ist in Romanen möglich, weil man irgendwie ja vierhundert oder mehr Seiten füllen soll.

Kurzgeschichten hingegen sollen auf den Punkt gebracht werden. Das bedeutet also, keine unnötigen Längen, kein blabla. Komm zum Punkt und erzähle mir dann Hintergrundinformationen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Ansonsten trägt die Geschichte sich selbst, indem Du in der Kürze alles sagst, was gesagt werden muss.

Du kannst also lernen, dass man auf den Punkt kommt. Und vor allem auch, wie man auf den Punkt kommt. Denn das ist durchaus eine Kunst für sich. Beherrschst Du dies dann in Deinen Kurzgeschichten, kannst Du diese Technik auch auf Deine Romane übertragen. Und wenn Du möchtest, kannst Du dann im Roman auch Längen einbauen. Aber diese sind dann bewusst gewählt.

4. Du kannst Deinen Charakter klar und bündig darstellen

Sehr häufig findest Du in Romanen Charakterbeschreibungen, die einfach nur elendiglich lang sind, nichtssagend, aus Rückblenden bestehen oder wo man das Gefühl hat, die/der Autor*in setzt sich hin und liest Dir aus den Unterlagen vor, mit denen sie arbeiten. So bekommt man kein Gefühl für die Charaktere. Und vor allem gelingt es dann nicht, mit ihnen zu leben und zu leiden. Immerhin sollen wir ja gute dreihundert und mehr Seiten an ihrer Seite ihre Abenteuer erleben. Da muss also eine gute Charakterarbeit her.

In dem einen oder anderen Roman mag man das verzeihen. Da drücken sogar einige beide Augen zu, wenn es sich dabei um eine Mary Sue oder Gary Stu handelt. Aber für viele kann das auch ein Grund sein, die Geschichte abzubrechen. In einer Kurzgeschichte aber erst recht. Das bedeutet also, Du musst Dir eine andere Methode überlegen, wie Du das hinbekommst, die Charaktere kurz und bündig vorzustellen, sodass ich als Leserin ein Bild von denen bekomme und zugleich keine unnötigen Beschreibungen folgen.

Ein Beispiel? Vor einigen Tagen habe ich einen Film gesehen (leider weiß ich nicht mehr den Titel, zumal ich auch nur die eine Szene wirklich geguckt habe, da auf einem anderen Sender etwas Spannenderes lief), in dem es um das Thema Liebe und Derartiges ging. In der besagten Szene ärgerte sich eine Frau scheinbar sehr über ihren Lover/ex-Lover (wie gesagt, ich hab den Film nicht wirklich gesehen). Sie fand eine Packung Zigaretten und warf dann alles durch die Gegend, vornehmlich seine Garderobe.

Dann sah sie einen Spiegel an der Wand, schnappte sich diesen und warf ihn zu Boden. Dieser zerbrach in tausend kleine Teile. Und das, was danach kam, sagt sehr viel über den Charakter aus, ohne das man auch nur ein einziges Wort benutzen musste. Sie sah sich die Scherben an, ging um die Ecke, holte sich was zum Auffegen und räumte auf.

In einer Geschichte könnte man das genauso beschreiben, ohne das man Worte dafür finden müsste, warum sie das tut. Man kann sich denken, was im Kopf dieses Charakters vor sich geht. Vor allem, wenn man vorher schon gezeigt hat, dass sie scheinbar sehr ordentlich ist. Mit solchen Szenen kannst Du aber sehr genau einen Charakter zeigen, ohne Dich in unnötigen Beschreibungen zu verlieren.

Daher kannst Du lernen, wie man einen Charakter bündig vorstellt und das mit wenigen Worten. Am Ende entsteht dann ein komplexes Bild von Deiner Figur, mit denen wir dann, im Idealfall die nächsten Seiten folgen und wir mit der Figur leben und leiden.

5. Du kannst lernen, wie man eine gute Stimme verwendet

Im Idealfall hat jeder Charakter eine eigene Stimme. Sowohl, wenn sie spricht, als auch, wenn sie handelt und agiert. Wenn ein Charakter auftritt, dann ist es gut, dass man sie anhand der ersten Sätze erkennt, ohne das der Name genannt werden muss. Denn jede Figur hat eine eigene Stimme. Doch das muss man üben, üben und nochmals üben.

Daher kannst Du jeder Deiner Figuren eine eigene Stimme geben, damit man erkennt, mit wem man es zu tun hat. Denn jede Figur denkt auf ihre eigene Art und Weise. Und zwei Figuren würden niemals die exakt gleichen Gedanken zu einer Situation oder Person haben. Noch nicht einmal Zwillinge. Aus diesem Grund kannst Du mit den Kurzgeschichten üben, wie man das am besten darstellt.

Natürlich kannst Du das auch anhand von Szenen üben. Aber innerhalb einer Kurzgeschichte kannst Du die Figuren auch agieren lassen, wie sie in einer entsprechenden Situation reagieren würden. Das trainiert Deinen Schreibmuskel.

6. Du kannst Grundlagenarbeit für Deine Romane leisten

Auf meinem alten Blog erwähnte ich öfters die Idee, dass man mithilfe einer Kurzgeschichte auch einen Roman plotten kann. Dabei ist aber in erster Linie der Hauptstrang gemeint. Wie kommt also Dein Charakter in die Geschichte hinein und wieder heraus. Nebenstränge sind hierbei erst einmal völlig uninteressant. Die kannst Du dann in Deinem Roman einbauen.

Wenn Du also möchtest, kann jedes große Thema in Deinem Roman erst einmal in einer Kurzgeschichte aufgearbeitet werden. Und wenn Du Dir sicher bist, dass die Idee gut ist, kannst Du sie danach in Deiner Plotarbeit einfließen lassen. Wenn nicht, verschwendest Du nicht so viel Zeit mit der Plotarbeit, sondern kannst dann überlegen, was Du da besser machen kannst. Denn Du hast einen literarischen Text in der Hand, der mehr aussagt, als die Idee, die dahinter steckt.

Gegebenenfalls kannst Du auch schon hier sehen, ob die Idee überhaupt etwas taugt. Und sollte es nicht sein, kannst Du die Geschichte in die Schublade stecken. Das tut nicht so weh, als würdest Du einen kompletten Roman auf diese Weise verschwinden lassen. Da schreibe ich aus bitterer Erfahrung.

Von einigen Autorinnen habe ich auch gehört, dass sie mithilfe der Kurzgeschichte überprüft haben, ob ihre Romanidee überhaupt tragfähig ist. Andere hingegen haben über die Kurzgeschichte erst entdeckt, dass die Idee eventuell für einen Roman etwas taugen könnte. Das ist ebenso möglich.

7. Du kannst Dein Schreibstil verbessern

Jeder Text, jede Szene, jede Kurzgeschichte, die Du schreibst, verbessert Dein Schreibstil. Denn jede Geschichte kannst Du als Schreibübung sehen. Nur im Gegensatz zu einer Schreibübung, die eventuell etwas abstrakt ist, hast Du hier am Ende auch noch etwas Konkretes in der Hand. Eine kleine Geschichte, mit der Du eventuell später eventuell etwas anfangen kannst.

Du wirst also immer besser und immer geschickter darin, Szenen, Orte oder Landschaften zu beschreiben. Zielsicherer und gekonnter, als noch am Anfang. Du musst nur beharrlich an der Sache dran bleiben.

8. Du kannst die Veränderungen in Deinem Schreibstil verfolgen

Theoretisch kannst Du innerhalb eines Jahres 52 Kurzgeschichten schreiben. Also jede Woche eine Kurzgeschichte. Wenn Du dann die Geschichten miteinander vergleichst, also eine Geschichte vom Anfang des Jahres und dann vom Ende des Jahres, wirst Du aller Wahrscheinlichkeit eine Steigerung Deines Schreibstils entdecken. Wenn Du fleißig dabei bist, kann es eigentlich nicht anders sein, als dass Du Dich immer weiter verbesserst.

Es ist wie beim Sport. Am Anfang bist Du froh, wenn Du die Treppen in die erste Etage hochsteigen kannst und dies überlebst. Wenn Du regelmäßig Sport machst, wirst Du am Ende einen Marathon laufen können.

Write a short story every week. It’s not possible to write 52 bad short stories in a row.”―
Ray Bradbury

9. Du kannst verschiedene Erzähltechniken verwenden

Sicherlich hast Du schon mal von der Du-Erzählperspektive gehört. Oder das eine Geschichte niemals dort anfangen soll, wo eine Figur aus einem Traum erwacht. Am besten noch ein Albtraum. Doch seien wir mal ganz ehrlich, gerne würden wir mal diese ganzen Techniken oder auch Fehler einmal anwenden. Auf alle Fälle gehöre ich dazu. Einfach mal, um zu sehen, wie es ist, wenn unsere Hauptfigur aus einem Traum erwacht. Was soll schon daran so schwierig sein?

Du kommst mit der Kurzgeschichte schneller zur Lösung, ob sich die von Dir gewählte Technik überhaupt lohnt oder Du damit klarkommst. Oder einfach nur, um den kleinen Dickkopf zu sagen, hier hast Du es. Bist Du nun zufrieden? Das hört sich wirklich doof an. Alternativ könntest Du entdecken, dass es doch funktionieren kann. Wenn man es für sich richtig anwendet.

10. Du kannst verschiedene Erzählperspektiven einnehmen

Wenn Du mindestens zwei Figuren hast, die in Deiner Geschichte auftauchen sollen, kannst Du üben, wie man am besten zwischen den beiden Perspektiven hin- und herwechselt. Es gibt zum Beispiel die eiserne Regel, dass man innerhalb einer Szene nicht die Perspektive wechseln soll. Wobei es durchaus sehr gute Beispiele gibt, welche diese Regel aufheben. Probiere es einfach aus und sieh, wie es Dir gelingt und gefällt.

Es gibt aber auch die Möglichkeit zwischen dem Ich und der Sie- bzw. Er-Perspektive zu wechseln. Auch das kannst Du testen, ohne danach einen ganzen Roman umzuschreiben, weil Dir diese Perspektive am Ende doch nicht so gut gefällt.

11. Du kannst lernen, wie man Spannung aufbaut

Egal was für eine Geschichte Du schreibst, ohne Spannung wirst Du kaum Leserinnen und Leser finden. Doch da hapert es bei vielen, weil sie nicht wissen, wie sie an diese Spannung herankommen können. In der Kurzgeschichte kannst Du sehen, welche Elemente sich lohnen, um die Spannung aufzubauen und welche hingegen nicht. Und, wie oben schon beschrieben, kannst Du sehen, welcher Spannungsbogen sich für Deinen Roman eignet.

Auf diese Weise kannst Du die verschiedenen Methoden, welche die ganzen Schreibratgeber empfehlen, einfach mal ausprobieren. Auf diese Weise kannst Du üben, die Spannung in Deinem Roman zu holen. Gerade dann, wenn Du das Gefühl hast, damit Probleme zu haben.

12. Du hast was zum verschenken

Wenn Du Marketing für Dich und Deine Arbeit betreibst, gibt es dafür viele Möglichkeiten. Du könntest Gewinnspiele ausschreiben oder Deinen Roman verschenken. Letzteres ist zwischenzeitlich jedoch in die Kritik geraten. Was also tun? Gerade, wenn Du möchtest, dass Deine zukünftigen Leser*innen Deinen Schreibstil kennenlernen sollen. Oder Du für Deinen Newsletter etwas anbieten möchtest (das sogenannte Freebie).

Nach einem Jahr Kurzgeschichten schreiben hast Du mehr als genügend Material, was Du verschenken kannst. Denn die wenigsten würden für eine Kurzgeschichte Geld ausgeben. Außer natürlich, Du bist zwischenzeitlich sehr bekannt und Deine Leser*innen wollen tatsächlich alles von Dir lesen. Dann wäre das noch eine Option diese zu verkaufen.

Aber ansonsten kannst Du Deine Geschichten entweder kostenfrei auf den verschiedenen Portalen hochladen und dort verschenken. Oder als kleines Dankeschön, wenn sich jemand für Deinen Newsletter einträgt. Du kannst also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Du übst die verschiedenen Techniken zum Schreiben. Und gleichzeitig produzierst Du etwas, was Du dann weitergeben kannst. Quasi im Vorbeigehen.

Abschlussworte

Du siehst, es gibt sehr gute Gründe, warum Du Dich durchaus mit dem Thema Kurzgeschichte beschäftigen solltest. Natürlich frisst auch eine Kurzgeschichte Deine Schreibzeit. Das will ich auf keinen Fall kleinreden. Aber es ist nun einmal halt so, dass Du eine Menge gewinnst. Deine Schreibfertigkeiten werden dadurch wachsen, Du wirst lernen, worauf es in Deinem Roman ankommt und zudem, kannst Du auch eine Menge Zeit beim Plotten Deines aktuellen Projektes sparen. Und Du hast auch etwas zum Verschenken.

Daher empfehle ich Dir ganz klar, setz Dich hin, überlege Dir eine maximale Zeichenanzahl für Dein Projekt (am Anfang kann dies ein wenig großzügiger ausfallen, doch nach und nach kannst Du die Zeichenanzahl auch reduzieren) und leg los.

Dabei wünsche ich Dir viel Energie und Erfolg.

Du bist dran!

  1. Überlege Dir, ob meine Punkte für Dich gute Gründe sind, die eine oder andere Kurzgeschichte zu schreiben. Wenn ja, warum. Und wenn nicht, warum nicht?
  2. Was sind für Dich gute Gründe, um eine Kurzgeschichte zu schreiben?
  3. Fang heute an, plotte und plane eine Kurzgeschichte.
  4. Schreibe eine Kurzgeschichte.
  5. Schreibe noch eine Kurzgeschichte.
  6. Schreib.