Wie viele Szenen hat so eine Kurzgeschichte, eine Novelle, ein Roman?

Januarbeiträge:

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

nun haben wir uns in den letzten beiden Wochen angesehen, warum Du eine Kurzgeschichte schreiben solltest und darüber diskutiert, warum es auch Gründe geben kann, eben keine zu schreiben. Jetzt könnte es ja sein, dass Du Dir sagst, gut, ich schreiben jetzt doch eine Kurzgeschichte. Doch wie kurz oder wie lang könnte denn eine solche Kurzgeschichte sein?

Einige messen dies anhand der Wörter oder Zeichen, die sie schreiben. Das ist dann besonders wichtig, wenn die Geschichte zu den Vorgaben für eine Anthologie passen soll. Andere hingegen messen dies anhand von Szenen, die in einer Geschichte auftauchen soll. Und tatsächlich gibt es Richtlinien, an die man sich gerne orientieren kann.

Eine kurze Definition zum Thema „Szene“

Bevor wir definieren, wie viele Szenen eine Geschichte beinhalten könnte, sollten wir eine einheitliche Sprache sprechen und definieren, was das eigentlich genau ist. Eine Szene ist ein zusammenhängender Text, indem die Figuren, der Ort und die Zeit konstant bleiben. Man kann also sagen, wenn sich eines dieser Elemente ändert (eine Figur kommt hinzu oder geht weg), haben wir eine neue Szene. In Romanen erlebe ich selbst aber meistens, dass Ort und Zeit konstant sind, Figuren hingegen sind eher variabel.

Es gibt dabei Szenen, in denen so gut wie nichts passiert. Die Charaktere sind in ihren eigenen Gedanken gefangen und rotieren dabei sogar noch. Oder es passiert etwas, aber davon bekommt man nichts mit. In einem meiner Kapitel ist mir genau das passiert. Der Held soll etwas suchen, aber eigentlich denkt er die ganze Zeit nur vor sich hin.

Natürlich können auch Gedankengänge die Geschichte weiterbringen. Nicht, dass wir uns missverstehen. Wenn Du Sherlock Holmes – Spiel im Schatten gesehen hast, dann siehst Du, wie die Gedankengänge von Sherlock Holmes die Geschichte durchaus voranbringen. Daher ist es wichtig, zwischen dem unnötigen Gedankengang und dem voranbringenden zu unterscheiden.

Ansonsten ist es im Idealfall so, dass jede Szene dazu führt, dass die Geschichte vorankommt. Jeder Dialog, jeder Gedanke und jede Handlung. Dabei ist es auch völlig egal, in welchem Medium wir uns befinden.

Die Länge ist Deine Entscheidung

Natürlich kann es sein, dass Du bestimmte Vorgaben zu erfüllen hast. Diese sind entweder in der Ausschreibung oder in Deinem Vertrag zu finden. Solltest Du welche haben, musst Du Dich natürlich an diese halten. Ansonsten liegt es an Dir, wie lang die Geschichte werden soll und natürlich dadurch auch, wie viele Szenen Du schreibst.

Natürlich benötigt eine Kurzgeschichte weniger Szenen, als ein Roman von über 1.000 Seiten. Du kannst Dich an die folgende Faustregel orientieren:

Gehen wir davon aus, dass eine Szene durchschnittlich 1.500 Wörter hat. Natürlich können Szenen auch ein paar weniger oder ein paar Hundert Wörter mehr oder weniger haben. Aber darüber möchte ich jetzt nicht diskutieren.

Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass eine Kurzgeschichte etwa sieben Szenen hat, dann weißt Du, dass Du ca. 10.000 Wörter für eine Kurzgeschichte verwenden kannst. Diese Rechnung gilt natürlich auch für die anderen Medien. Wenn man es so will, ist das durchaus eine übersichtliche Angelegenheit. Du kannst jeder Szene der Kurzgeschichte (ich bleibe als Beispiel dort), eine bestimmte Handlung zuweisen. Und dann schreibst Du diese Szene.

Beispiel für ein einen Whodunit

Nehmen wir mal an, Du schreibst einen Krimi, eben den erwähnten whodunit. Es gibt eine Szene, wo der Leichnam gefunden wird. Oder man von einem Mord erfährt (nicht immer wird mit der Hilfe einer Leiche ermittelt). Dann gibt es einige Szenen, wo unsere Ermittlerin oder unser Ermittler arbeitet. Es gibt Fäden, denen gefolgt werden kann und irgendwann kommt es Richtung Lösung. Und die große Szene, die Auflösung, kann für die letzte Szene vorbehalten sein.

In einem Roman darf es auch noch eine oder mehrere Szenen nach der Auflösung geben, in der Kurzgeschichte ist es durchaus eine gute Sache, wenn Du mit der Auflösung auch die Geschichte beendest. Aber das ist eine Entscheidung, die Du treffen darfst, ob Du es so willst oder nicht. Denn theoretisch könntest Du auch kurz vor der Auflösung die Geschichte beenden. Das ist eben das Tolle an Kurzgeschichten. Hier kannst Du sehr viel experimentieren.

Übung macht die Meisterin und den Meister

Egal wie wie viele Zeichen oder Wörter Du letztendlich Deine Kurzgeschichte verwendest, es wird am Anfang immer zu wenig sein. Oder auch zu viel. Aber häufig ist es so, dass Du nie die richtige Wortzahl triffst. Gerade dann, wenn Du Erfahrung mit längeren Novellen oder Romanen hast. Das ist ein gefühlter Fakt. Und Deine ersten Kurzgeschichten werden, um es mal nett auszudrücken, nicht die Besten sein. Auch das ist ein Fakt. Sie werden zu lang sein, zu linkisch und einiges mehr.

Doch je mehr Du übst, desto besser wirst Du. Das gilt für Deinen Roman genauso, wie für Deine Kurzgeschichte. Am Anfang mag die vorgegebene Zeichenanzahl nicht ausreichen. Am Ende wirst Du Dich fragen, warum Du jemals Probleme mit der Zeichen- bzw. Wortbegrenzung hattest. Vor allem weißt Du nun auch, dass es nicht nur auf die Wortzahl ankommt, sondern Du kannst Dich auch an den Szenen orientieren.

Aus diesem Grund schreib einfach und sieh, was am Ende dabei herauskommt. Dabei wünsche ich Dir eine Menge Spaß und Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

frau-schreibseele

Mein Thema ist das geschriebene Wort. Das gilt sowohl für Romantexte als auch fürs Lettering, Sketchnote, Bullet Journals und was man noch schreiben kann. Aktuell arbeite ich an meinem ersten Roman, der 2018 veröffentlicht werden soll.

2 Gedanken zu „Wie viele Szenen hat so eine Kurzgeschichte, eine Novelle, ein Roman?

  • 15. Januar 2018 um 20:59
    Permalink

    Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Artikel! Das bringt mich in der Planung von Kurzgeschichte und Roman ein gutes Stück voran!
    Liebe Grüße
    Anja

    Antwort
    • 22. Januar 2018 um 19:30
      Permalink

      Sehr gerne liebe Anja.
      Natürlich musst Du Dich nicht sklavisch daran halten, aber als Orientierung finde ich persönlich das durchaus gut.
      Viel Erfolg wünsche ich Dir auf alle Fälle.
      Liebe Grüße
      frau schreibseele.

      Antwort

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