7 Stufen zu einer Kurzgeschichte

Januarbeiträge:

Hei, hallo und herzlich willkommen,

bisher haben wir uns eher darüber unterhalten, wieso Du eine Kurzgeschichte schreiben solltest und wie viele Szenen sie enthalten sollte. Nun werden wir endlich aktiv, spitzen die Stifte und lernen eine mögliche Grundlage, wie man eine Kurzgeschichte schreiben kann. Dabei gehe ich erst einmal auf die theoretischen Grundlagen ein (einmal sieben Schritte) und dann, wie Du tatsächlich eine Kurzgeschichte schreiben kannst (noch einmal sieben Schritte).

Kurze Vorgedanken zu den ersten sieben Schritten

Wer einen Roman schreibt, braucht eine Menge Talent. Wer eine Kurzgeschichte schreiben will, noch um einiges mehr. Denn hier muss nicht nur jeder Satz sitzen, sondern wirklich jedes Wort. Darüber hatte ich schon öfters geschrieben.

Ich kenne viele Leute, die immer wieder berichten, dass der Roman „Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien teilweise unnötige Längen hat. Der Autor beschrieb (um es ein wenig zu übertreiben), wie das Gras einmal nach rechts wedelte, dann nach links, um dann wieder nach rechts zu wedeln. Heutzutage ist das in Romanen schon nicht mehr möglich, weil die Leute keine Zeit mehr haben (oder der Meinung sind, nicht mehr die Zeit dafür zu haben), solche Längen zu lesen. In Kurzgeschichten hattest Du nie die Zeit, solche Szenen einzubauen. Außer sie haben für die Geschichte einen Nutzen.

Vorbereitung fürs Schreiben

Egal ob Du Deine Kurzgeschichte an einem Tag oder in einer Woche schreibst, ein wenig Vorbereitung wird ihr sicherlich von nutzen sein. Daher überlegen wir uns, was Du brauchst.

  • Zeit
    Durchschnittlich ist eine Kurzgeschichte um die 10.000 Zeichen lang (jeder Buchstabe, jedes Satzzeichen und jede Leerstelle ist ein Zeichen). Man kann grob sagen, dass es um die 5.000 bis 6.000 Wörter ist, die Du dafür also verwenden kannst.
    Je nachdem wie schnell Du schreibst, kann das Schreiben allein um die drei Stunden dauern (allein das Schreiben). Mit der Überarbeitung, der Recherche und vielem mehr, steigt natürlich die Zeit.
  • Idee
    Wenn Du Dich an einen der vielen Ausschreibungen orientierst, die es im Internet gibt, musst Du gar nicht selbst eine Idee für Deine Geschichte ausdenken. Ansonsten kannst Du entweder die Geschichten aus Deinem Fundus nehmen oder jetzt Deiner Kreativität freiem Lauf lassen.
    Kleiner Hinweis: Du kannst die Ausschreibung als Inspirationsquelle benutzen und mit deren Hilfe Deine Kurzgeschichte schreiben. Ändere nur ein paar Punkte (zumindest würde ich es empfehlen), damit am Ende etwas Eigenständiges herauskommt.
  • Utensilien
    Egal ob Du mit Laptop, am Computer oder mit der Hand schreiben willst. Hier geht es um die entsprechende Entscheidung dafür. Genauso wie die Entscheidung für Dein Programm. Entweder ein Schreibprogramm wie Scrivener oder einfach Word.

1. Stufe: Schreibe die Geschichte in einem Zug

Jetzt wirst Du Dich fragen, was das bitte schön soll. Im Grunde genommen hast Du noch nichts in der Hand, sollst aber jetzt schon die komplette Geschichte schreiben.

Es ist halt so, dass es hierbei darum geht, eine Geschichte so zu erzählen, wie Du sie einer Freundin oder einem Freund erzählen würdest. Du sitzt also mit dieser Person in einem Café oder in einer Bar und erzählst, was Dir letztens Kurioses passiert ist. Gut, in dieser Geschichte könnten dann Drachen oder Weltraumschlachten vorgehen, aber das ist nebensächlich.

Und sicherlich würdest Du die Geschichte nicht mittendrin beim Schreiben abbrechen und dann erst am nächsten Tag weitererzählen, oder? Also schreibe die Geschichte auf, und zwar in einem Zug durch. Und zwar so, wie Du sie erzählen würdest. Es kann also auch gerne passieren, dass Du zwischen den Szenen hin- und herspringst.

Mach Dir bitte keine Gedanken, dass sie vielleicht krumm und schief am Ende ist. Das ist egal. Immerhin sind wir gerade mal bei der ersten Stufe.

2. Stufe: Finde Deine Heldin / Deinen Helden

Jetzt hast Du die erste Fassung Deiner Geschichte geschrieben. Atme einmal tief durch und schau Dir an, was Du geschaffen hast. Am besten Du trittst emotional einen Schritt zurück und versucht so neutral wie nur möglich die Figuren und den Handlungsverlauf zu betrachten.

Nun überprüf alle Figuren darauf, ob sie sich als Heldin bzw. als Held für Deine Geschichte eignen (mit Heldin / Held meine ich nicht unbedingt die strahlende Figur, die man sich unter dieser Bezeichnung vorstellen mag, es geht also hierbei um die Figur, welche die Geschichte erzählt).

Vielleicht springt Dir eine Figur regelrecht ins Auge und Du sagst Dir, das kann nur die Heldin oder der Held sein. Sei aber trotzdem kritisch und betrachte alle anderen Figuren auf ihr Potenzial. Zwar kann es sein, dass Du eine bestimmte Figur im Kopf hattest, als Du die Geschichte aufgeschrieben hast. Aber manchmal passiert es, dass sich beim Schreiben ein ganz anderer Charakter in den Mittelpunkt drängelt, den Du bisher nicht beachtest hattest.

Hast Du jemanden ausgemacht, merke Dir die Figur. Denn um sie herum wird dann die Geschichte geschrieben und findet auch die Überarbeitung statt.

3. Stufe: Schreibe die perfekte erste Zeile

Der erste Satz hat nicht nur die Aufgabe, Deine Leserinnen und Leser in die Geschichte hineinzuziehen. Er soll auch Dich selbst in die Geschichte hineinziehen und Dir Lust machen, weiter daran zu arbeiten und Dir Spaß bereiten, da überhaupt weiter zu machen.

Daher versuche jetzt, die erste perfekte Zeile zu schreiben. Hier ein paar Vorschläge als Inspiration:

  • Lade mich als Leserin in die Szene ein.
  • Überrasche mich.
  • Führe die Stimme dieser Kurzgeschichte ein.
  • Sei klar dabei.
  • Versuche, ob Du die komplette Geschichte in diesem einem Satz erzählen kannst.

Falls Du jetzt noch nicht schaffst, die wirklich perfekte erste Zeile zu schreiben, das ist in Ordnung. Aber versuche dem ruhig nahezukommen. Auch diesen Satz kannst Du natürlich jederzeit überarbeiten.

4. Stufe: Teile Deine Geschichte in einer Szenenliste auf

Jede noch so kurze Geschichte hat mindestens eine Handvoll Szenen. Diese finden zu einer bestimmten Zeit statt, mit einer bestimmten Anzahl von Figuren an einem bestimmten Ort. Wenn eines dieser Elemente geändert wird, haben wir normalerweise eine neue Szene.

Kurz gesagt: Wenn eine neue Figur auftritt oder eine Figur weggeht, haben wir schon eine neue Szene.

Mithilfe einer Szenenliste kannst Du Deine Geschichte strukturieren und sehen, welcher Teil Deiner Geschichte noch ein wenig Arbeit benötigt, damit sie stärker wird. Wenn Du sie erstellt hast, kannst Du ihr folgen, das ist aber kein Muss. Doch mit ihrer Hilfe hast Du zumindest einen Pfad, dem Du folgen kannst. Und das kann durchaus schon mal ein Gefühl der Sicherheit geben.

5. Stufe: Recherchiere für Deine Geschichte

Meine Empfehlung ist, man sollte nie zu früh anfangen, die Recherche zu betreiben. Denn je eher Du anfängst, desto mehr könnte die Gefahr bestehen, dass Du Deine Geschichte und vor allem Deine Leidenschaft für diese Geschichte tötest. Und das meine ich durchaus wortwörtlich. Damit meine ich, dass Du anfängst, zu recherchieren und eigentlich nur ein paar Informationen suchst. Am Ende könntest Du über dieses Thema eine Sachbuchreihe schreiben und hast eigentlich keine Lust mehr, die Kurzgeschichte zu verfassen.

Aber irgendwann wird es Zeit, dass Du Dich auch mit diesem Thema auseinandersetzt. Wenn Du auf einem guten Weg bist, sieht die Sache dann schon anders aus und Du kannst loslegen.

Wer ist also Deine Hauptfigur, worum dreht es sich in Deiner Geschichte und welche offenen Fragen wollen noch von Dir beantwortet und in der Geschichte verwendet werden. Diese und weitere Fragen können jetzt gestellt und beantwortet werden.

Fülle Deine Szenen mit harten Fakten. Und bei Bedarf kannst Du auch Deine Szenenliste damit füllen. Je nachdem, wie Du arbeitest.

6. Stufe: Schreibe / Überarbeite / Schreibe noch einmal / Überarbeite … bis Du zufrieden bist

Wenn Du an dieser Stelle angekommen bist, ist sicherlich Deine Geschichte in Deinem Kopf ordentlich gereift. Allein durch die Arbeiten, die Du getan und natürlich auch dadurch, dass Du Dich mit ihr intensiv beschäftigt hast. Nun wird es Zeit, dass wir die Geschichte der ersten Stufe in eine schöne Form gießen.

Daher überarbeite erst einmal die Geschichte nach Deiner eigenen Szenenliste und schau nach, was Du da verbessern kannst. Wie sieht es mit den Informationen rund um Deine Heldin oder Deinem Helden aus? Und wie kannst Du die recherchierten Informationen einfügen?

Mach Dir in dieser Phase noch keine Gedanken über Füllwörter oder die Rechtschreibung. Das kannst Du korrigieren, wenn Du mit der Geschichte zufrieden bist. Und wenn Du dann so weit bist, kannst Du natürlich auch gerne Freundschaften oder sogar ein professionelles Lektorat über die Geschichte lesen lassen.

7. Stufe: Veröffentliche Deine Geschichte

Das ist natürlich kein Muss. Aber Du machst Dir nun wirklich viel Mühe um eine Kurzgeschichte zu schreiben. Warum sollte sie dann am Ende in Deiner Schublade landen? Also schicke sie zu einer passenden Ausschreibung ein, veröffentliche sie auf Deinem Blog oder Deiner Internetseite. Oder Du arbeitest an einer eigenen Anthologie, wo sie ihren Platz findet. Alternativ kannst Du sie als kleines Geschenk für Deinen Newsletter beigeben. Und natürlich, Du kannst sie auch gegen einen kleinen Obolus verkaufen.

Egal wie, ich empfehle Dir, Dich in die Welt hinauszuwagen. Es ist besser, wenn Du lernst, mit Kritik umzugehen, indem Deine Leserinnen und Leser eine Kurzgeschichte bewerten, anstatt Deinen kompletten Roman. Denn an einer Kurzgeschichte arbeitest Du nicht ganz so intensiv wie an einem Roman. Und Du lernst eine Menge dabei. Wie man Geschichten schreibt und wie man mit der Kritik anderer Menschen am eigenen Werk umgeht.

Einleitung zu den zweiten sieben Schritten

Du hast unzählige Ideen, die sich nicht für einen Roman eigenen (vermutlich). Also legen wir los und schreiben endlich eine Kurzgeschichte. Mit ein bisschen Arbeit wird das was werden. Hier sind sieben mögliche Schritte, wie aus einer groben Idee eine Geschichte werden kann.

1. Schritt: Benenne das Problem

Hierbei geht es wirklich nur um die Benennung des Problems. Das kann von banal und trivial bis hin zu einer komplexen Idee sein, welche sich tief in Deiner Seele versteckt hat und nun darauf wartet, an die Oberfläche zu kommen.

Schreib einfach das Problem auf, egal wie banal es auf dem ersten Blick klingen mag. Am Ende bekommt Deine Notizen niemand zu sehen. Also musst Du Dir darüber keine Gedanken machen.

  • Ein Drache schläft im Vogelhaus, in der Winterzeit.
  • Ein USB-Stick mit wichtigen Daten, welche seiner Schwester das Leben zerstören könnte.
  • Wolle für ein Häkelprojekt finden.

Du siehst, es kann alles dabei sein.

2. Schritt: Kreiere einen Charakter, der dieses Problem hat

Du musst dabei nicht extrem kreativ sein und alle Details zu dem Charakter erfinden, der in Deiner Kurzgeschichte auftaucht. Denn es ist immer noch eine Kurzgeschichte. Find die Eckdaten heraus und lege dann los. Die große Arbeit kannst Du Dir für Deine Romane aufheben.

  • Eine junge Frau.
  • Ein Mann, mittleren Alters, Geschäftsmann.
  • Ein Junge im Teenageralter.

3. Schritt: Beschreibe nun, warum das Problem Deine Charaktere beschäftigt

Es geht hierbei darum, dass das Problem und der Charakter zueinanderfinden. Wenn sie nichts miteinander zu tun haben, hast Du keine Geschichte. Und wenn Du keine Geschichte hast, lohnt sich nicht die Mühe sich hinzusetzen und etwas zu schreiben.

Doch je wichtiger das Problem Deinen Figuren ist, desto intensiver wird die Geschichte und desto mehr werden wir Leserinnen und Leser Deinen Worten folgen. Mache Dir also Gedanken darum, was die Verbindung ist.

  • Die junge Frau hatte als Kind ein Erlebnis der besonderen Art. Sie wurde in eine andere Welt hineingerissen und erlebte dort Abenteuer, mit denen sie noch heute seelisch zu kämpfen hat. Denn sie wurde danach in eine Nervenheilanstalt gesteckt, weil ihr niemand glauben wollte. Und jetzt will sie nie wieder mit diesen Wesen etwas zu tun haben.
  • Der Geschäftsmann hat wichtige Daten bekommen, damit er einem korrupten Politiker stürzen kann. Denn dieser hat das Leben seiner Frau und seines Kindes auf dem Gewissen und nun will er sich an ihm damit rächen.
  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Wenn Du fertig bist, dann schau Dir noch einmal die Verbindung zwischen dem Problem und den Charakteren an. Steckt da wirklich ein guter Grund dahinter?

Kleines Beispiel:

  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Das ist das Endergebnis. Als ich den Text doch zuerst schrieb, sah er so aus.

  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Der durchgestrichene Teil hatte ich vergessen. Wie liest sich der Text für Dich, wenn der eine Teil nicht wäre?

4. Schritt: Zeige das Hindernis, was sie zurückhält

Eine gute Geschichte baut immer mehrere Hindernisse auf, damit die Heldin oder der Held nicht ans Ziel kommt. Auf keinen Fall dürfen sie kurz vor Schluss den Drachen töten, den Mafiaboss zur Strecke bringen oder den Mörder entdecken. In einer Kurzgeschichte reicht ein Hindernis aus. Aber der muss da sein und zu den vorherigen Punkten passen.

  • Sie hat Angst, dass die Erlebnisse, die sie ganz hinten ihrem Unterbewusstsein eingesperrt hat, wieder hervorkommen und noch schrecklichere Dinge passieren, als beim letzten Mal. Und das sie dieses Mal für den Rest ihres Lebens in eine Nervenheilanstalt kommt. Denn dorthin will sie niemals wieder zurück.
  • Seine Schwester ist die Ehefrau des korrupten Politikers und er weiß nicht, ob sie etwas mit der Sache zu tun hat. Er ist der festen Überzeugung, dass sie unschuldig ist. Dann würde er sie mit stürzen. Denn sie ist ebenfalls aktiv an der Arbeit des Politikers beteiligt. Und nach ihren Depressionen tut ihr das Ganze wirklich gut.
  • Er hat seine Schwester geliebt, weil sie ihm nicht nur seine sensible Seite unterstützt hat (durch die Handarbeiten), sondern ihn auch noch vor dem gewalttätigen Vater beschützte. Nun ist sie tot und niemand stellt sich zwischen den beiden. Zudem hat er kein Geld, um die Wolle für einen Gedenkschal zu kaufen, weil er kaum Taschengeld zur Verfügung hat. Und seine Eltern würden sich über ihn lustig machen, wenn er sie um etwas Geld bitten würde.

5. Schritt: Finde einen bis drei Versuche, für eine Lösung

In der Überschrift steht Versuch, weil Deine Heldin oder Dein Held nicht beim ersten Mal die Lösung finden soll. Dann wäre die Geschichte schlichtweg langweilig. Der Held oder die Heldin muss scheitern und am Ende dieses Scheiterns immer schlechter dastehen, als hätte sie oder er nicht gewagt aufzustehen und etwas zu unternehmen. Erst am Ende dürfen sie gewinnen. Aber soweit sind wir noch nicht.

  • Sie ignoriert zuerst den Drachen, weil sie hofft, dass dieser frieren wird und dann verschwindet. Doch gleichzeitig hat sie Angst, dass die Nachbarn mitbekommen, dass ein Drache in ihrem Garten schläft und vor allem, dass sie realisieren, dass es Drachen gibt.
    Also holt sie ihn ins Haus und dieser erschreckt so dermaßen, dass er immer wieder Feuer spuckt und kleine Brandherde verursacht. Diese kann sie löschen. Doch dann kündigt sich Besuch an. Ihre Eltern wollen spontan vorbeikommen.
  • Zuerst versucht er mit seiner Schwester zu reden, um herauszufinden, ob sie etwas von der Sache weiß. Doch er bekommt nichts heraus. Zudem erzählt sie ihm, wie gut es ihr geht, seit sie in der Politik aktiv ist. Sie muss kaum noch Medikamente gegen ihre Depressionen nehmen und Selbstmordgedanken habe sie auch nicht mehr. Während des Essens trinkt sie kein Alkohol, weil sie ihrem Bruder eröffnet, dass er demnächst Onkel wird.
  • Zuerst sucht er alle Wollreste aus den Sachen seiner Schwester zusammen. Doch seine Mutter bekommt dies mit und verbietet ihm, das Zimmer seiner toten Schwester noch einmal zu betreten und erst recht zu plündern. Daher schaut er in dem Wollladen der Stadt vorbei, um dort welche zu stehlen. Doch er wird erwischt und die Polizei bringt ihn nach Hause. Nachdem sein älterer Bruder ihm verrät, dass es auf dem Dachboden Wolle gibt, bricht er dort ein. Denn eigentlich dürfen sie nicht auf den Dachboden gehen.

In der Katastrophe muss es auch immer Hoffnung geben. Das bedeutet, dass jeder Fehlschlag die Charaktere dorthin bringen soll, die Lösung zu finden, damit die Geschichte einen guten Ausgang hat.

6. Schritt: Schaffe den kritischen Wendepunkt

Jetzt ist Deine Heldin oder Dein Held so weit, den Wendepunkt zu beschreiten. Denn sie haben alles, was sie brauchen, um die Lösung umzusetzen. Sowohl die Erfahrung als auch die Weisheit wurde ihn mitgegeben, damit sie die letzten Schritte gehen können.

  • Sie begreift, dass sie sich ihren inneren Dämonen stellen muss. Das bedeutet für sie, dass sie ihre Eltern hereinlassen muss, wenn sie da sind, um ihnen den Drachen zu zeigen. Auch wenn er eventuell nur in ihrem Kopf existiert und zudem stehen, was sie einst war und nun immer noch ist.
  • Wenn er seine Familie rächen und zugleich beschützen will, muss er die Daten einsetzen. Denn er will nicht, dass seine Nichte oder sein Neffe in dieser Umgebung aufwächst, die Gift für ihn sein könnte.
  • Obwohl er Angst vor seinem Vater hat, wagt er doch den Aufstieg auf den Dachboden. Denn der Wunsch, den Gedenkschal für seine Schwester zu häkeln ist stärker als die Angst vor seinem Vater.

Es muss natürlich kein glückliches Ende sein, das am Ende herauskommt. Es liegt an Dir, wohin die Reise geht. Wenn Du das unglückliche Ende planst, dann sollte Deine Heldin oder Dein Held spätestens jetzt realisieren, dass die Gedankengänge und die Handlungen falsch waren und alles in eine komplett andere Richtung hätte gehen sollen. Deine Leserinnen und Leser sollten an dieser Stelle spüren, Erfolg wäre durchaus möglich.

7. Schritt: Zeig, was als nächstes passiert

Du hast nun Deine Charaktere an diesen kritischen Punkt gebracht. Nun ist es Zeit, dass Deine Heldin oder Dein Held ihre Wahl treffen. Und es ist an der Zeit, dass Du zeigst, was diese Wahl ist und wie sie ausgeht.

  • Sie entschließt sich, ihren Eltern alles zu sagen. Und als sie durch die Tür treten, sehen sie den Drachen und realisieren, dass ihre Tochter ihnen all die Jahre die Wahrheit gesagt hat.
  • Er geht am nächsten Tag zu der Presse und zeigt ihnen den USB-Stick mit den ganzen Daten. Damit hat er den Stein ins Rollen gebracht, sodass sein Schwager definitiv für seine Verbrechen bezahlen muss. An seine Schwester hat er dabei nicht gedacht.
  • Auf dem Dachboden findet er die gewünschte Wolle und fängt dort sogar sofort an zu häkeln. Doch dann kommt sein Vater hoch und entdeckt seinen Sohn dort.

Du musst nicht unbedingt die Geschichte komplett bis zum Ende schreiben. Denn oft wird erklärt, eine Kurzgeschichte hat ein offenes Ende. Gerne kannst Du alles weitere der Fantasie Deiner Leserinnen und Leser überlassen. Immerhin hast Du sie bis an diese Stelle geführt. Nun kannst Du sie auch gerne alleine weiterreisen lassen. Aber bis hierhin solltest Du kommen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, damit sie weitergehen können.

Schlussworte

Die Vorarbeit mag noch einfach sein. Aber wenn es wirklich an Deine Idee geht, kann es sein, dass Du vor dem weißen Blatt Papier sitzt und Dir überlegst, was Du nun tun sollst. Auf dem ersten Blick sehen die Schritte schon einfach aus, aber sie haben auch ihren Schwierigkeitsgrad.

Aber wenn Du Dich nicht hinsetzt und anfängst, wirst Du niemals zu einem Ende kommen.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß und noch mehr Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

frau-schreibseele

Mein Thema ist das geschriebene Wort. Das gilt sowohl für Romantexte als auch fürs Lettering, Sketchnote, Bullet Journals und was man noch schreiben kann. Aktuell arbeite ich an meinem ersten Roman, der 2018 veröffentlicht werden soll.

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