Wenn die Charaktere zu Völkerstereotypen werden

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vor einigen Jahren lief eine Reportage über Filme, welche die Ureinwohner Amerikas zeigten (allgemein auch als Indianer bezeichnet). Dabei blieb mir eine Szene aus einem Film im Kopf hängen, leider nur nicht der Titel des Films.

Es ging dabei um einen Ureinwohner, der ein Soldat war und sich betrank. Dann lief er durch die Straßen, eben betrunken und benahm sich nicht stolz und wild, wie das Klischee eigentlich von ihm erwartet hätte. In dem Interview mit dem Schauspieler meinte er dazu, dass er sogar dankbar war, dass er sich so in dem Film benehmen durften.

Kurze Vorgedanken

Russen trinken. Italiener sind Machos. Amerikaner sind dumm. Engländer sind höflich. Japanerinnen quieken beim Sex.

Jedes Volk wird mit irgendwelchen Klischees und Stereotypen in Verbindung gebracht. Denken wir an ein Volk, an eine Gruppe von Menschen, sei sie religiös oder politisch, fallen uns sofort unendlich viele Stereotypen zu denen ein. Einige von denen mögen wahr sein, andere hingegen nicht.

Manche Stereotypen sind sehr offensichtlich (die des edlen Wilden zum Beispiel), andere hingegen kommen eher unterschwellig. So zum Beispiel, dass alle Asiat*innen in irgendeiner Kampfkunst bewandert sind. Dabei stellt sich schon die Frage, was man eigentlich unter Asien versteht. Immerhin gehört Russland oder auch Indien ebenfalls zu Asien.

Der Inhalt

Wie oben schon angefangen zu schreiben, kann es schnell passieren, dass man in Stereotypen verfällt, beschreibt man irgendein Volk auf der Erde zu dem man selbst nicht gehört. Diese Bilder haben sich in unsere Köpfe regelrecht festgefressen, dass es vielen schwerfällt, aus diesen auszubrechen und etwas anderes zu schreiben.

Glaubst Du nicht?

Dann mach doch mal mit mir folgendes Experiment. Schnapp Dir einen Zettel und schreib die Punkte auf, an die Du denkst, wenn Du das Wort „Indianer“ liest.

Wenn Du jetzt sehr selbstkritisch warst, dann könnten dort Worte stehen, die abseits der Klischees sind. Aber wenn Du das kleine Experiment ohne Selbstkritik durchgeführt hast, könnten auf Deinem Zettel unter anderem folgende Worte stehen:

  • Federschmuck
  • edler Wilde,
  • wilder Barbar (der nur hinter dem Skalp der Weißen her ist)
  • Verträgt kein Feuerwasser
  • ist friedlich
  • kennt kein Besitz
  • lebt im Einklang mit der Natur

Und so weiter. Das bedeutet nicht automatisch, dass Du rassistisch bist. Es bedeutet nur, dass diese Stereotypen immer noch aktuell sind und es uns häufig schwerfällt über diese hinwegzukommen. Denn man gibt uns im Fernsehen oder auch teilweise in Romanen kein anderes Bild von den Ureinwohnern.

Und wenn doch, fällt es uns schwer, mit diesem Bild klarzukommen, weil die Stereotypen so stark sind, dass wir eher neigen, zu diesen zurückzukehren.

Ich erwähne deswegen die Indianer, weil sich hier – meiner Meinung nach – die härtesten Stereotypen halten. Und sie sind häufig auch sehr offensichtlich. Spätestens dann, wenn ein Ureinwohner mit einem Traumfänger arbeitet, können wir schon ahnen, dass hier ein Stereotyp zum Tragen kommt. Denn dieser stammt ursprünglich von Ojibwe-Kultur und wurde erst in den 1960er und 1970er von anderen Stämmen übernommen. Jedoch wird immer gerne getan, als hätten alle Stämme etwas mit diesem Gegenstand zu tun, was nun einmal nicht stimmt.

Aber auch andere Kulturen haben ihre Stereotypen. Und diese sind nicht immer so schön offensichtlich wie die oben Aufgeführten. Wenn wir es mit Asiat*innen zu tun haben, können wir nur darauf warten, dass sie in einer Serie oder in einem Film anfangen ihre asiatischen Kampfkünste zu zeigen. Wie oben schon erwähnt, ist allein die Bezeichnung Asiat*in schon problematisch. Denn immerhin ist Asien ein recht großer Kontinent. Zu diesem gehört eben nun einmal nicht nur China oder Japan. Sondern auch Russland oder Iran. Allein die Bezeichnung Asiat*in impliziert aber bei vielen das Bild von Chines*innen oder Japaner*innen.

Es mag sein und ist wohl auch teilweise so, dass viele Ostasiat*innen wissen, wie man sich verteidigt. Darüber will ich nicht diskutieren. Aber scheinbar beherrschen alle eine geheime Kampfkunst, die sie den Gegner*innen überlegen machen.

Sind sie aber auf der falschen Seite, dann ist der Held oder die Heldin durchaus in der Lage, unsere*n Asiat*in zu besiegen. Besonders dann, wenn sie oder er eine weiße Hautfarbe hat.

Das Problem

Das große Problem dürfte wohl schon klar sein. Wenn wir andauernd die gleichen Stereotypen vorgesetzt bekommen, dann verfestigt sich dieses Bild und wir sind nicht mehr in der Lage darüber hinaus zu denken.

Immer wenn wir jemanden sehen, deren oder dessen kultureller Hintergrund eine wichtige Rolle spielt, rattert unser Gehirn die Stereotypen und Klischees ab. Wenn diese Vorurteile erfüllt werden, dann fühlen wir uns gut. Denn unser System A (Schnelles Denken, Langsames Denken von Daniel Kahnemann) muss nicht überwunden werden, damit System B anfangen muss zu arbeiten.

Das bedeutet also, wenn ein Klischee erfüllt wird, muss unser Gehirn nicht nachdenken. Er sieht sich bestätigt, dass die Vorurteile, die wir gegenüber einer Gruppe von Menschen haben wahr sind. Doch sobald ein Klischee nicht bestätigt wird, will System A (auch das faule Gehirn genannt) unbedingt, dass seine Vorurteile doch bestätigt werden, komme was da wolle. Daher reden wir uns häufig aus, dass es eben mal eine Ausnahme war. System B (das fleißige Gehirn nach Kahnemann also) kommt erst dann zum Einsatz, wenn wir es dazu zwingen. Wir müssen also die Situation hinterfragen und überlegen, warum ein Mitglied einer Gruppe nicht das Klischee erfüllt. Dann müssen wir weitergehen. Handelt es sich bei einer Eigenschaft um ein Klischee und trifft dies auf alle Mitglieder dieser Gruppe zu? Das ist schwer umzusetzen. Aber am Ende lohnt es sich definitiv.

Und dadurch verfestigen sich die Bilder, die von diesen Gruppen von Menschen haben. Danke liebes System A.

Jetzt wirst Du vielleicht sagen, die aufgeführten Beispiele sind ja nicht so schlimm, wo ist das Problem? Das Problem ist ganz klar, dass es auch negative Stereotypen gibt, die sich dadurch verfestigen. Du kannst das oben angeführte Experiment mal mit einer*m Afroamerikaner*in durchführen. Was für Wörter landen auf Deinem Blatt? Ich befürchte, diese sind nicht immer ganz nett, oder?

In einer Musikdoku wurde erklärt, dass die Gangmentalität, die wir von vielen männlichen Afroamerikaner*innen kennen, zuerst aus dem Fernseher stammen. Die Realität sah dagegen zu dieser Zeit eher harmlos aus. In Serien oder Filmen wurde diese sogenannte Realität drastisch dargestellt. Und dann übernahm die tatsächliche Realität der Gegenwart die fiktive Realität aus dem Fernseher. Und wurde schlimmer, als man es damals sich vorstellen konnte.

Diese Bilder bleiben in unserem Kopf, weil wir nicht immer selbstkritisch genug sind, um das alles zu hinterfragen. Ich gestehe, bei mir ist das auch so. Wenn ich mir eine Serie oder einen Film ansehe, dann lasse ich mich berieseln. Und dann hinterfrage ich nicht immer alles, was ich sehe. Daher haben diese Bilder einen ungemein starken Einfluss auf uns. Ein weiteres Problem ist auch, dass wir nicht immer das nötige Hintergrundwissen haben. Wenn ich eine Serie oder ein Film sehe, dann erfahre ich erst im Nachhinein, dass eine Darstellung nicht immer geschickt gewählt wurde. Das muss ich aber erst herausfinden und über weitere Quellen recherchieren. Einige machen es, andere hingegen nicht.

Zudem ist es auch ein Zeichen einer gewissen Faulheit. Denn wir sehen einfach nur Stereotypen und keine richtigen Charaktere. Denn Stereotypen sind nur Ansammlungen von Punkten und zeugen nicht davon, dass sich der Autor oder die Autorin wirklich mit diesem Charakter auseinandergesetzt hat. Wenn wir also mit einem Stereotyp zu tun haben, dann ist es natürlich eine sichere Sache. Wir müssen nicht nachdenken und wissen, wie sie oder er reagieren wird. Aber seien wir mal ehrlich, genau das ist doch auch zugleich langweilig.

Hier wird schlichtweg der einfache Weg gegangen und der heißt, packen wir ein paar Stereotypen zusammen und das war es auch schon. Es mag leichter sein, mit Stereotypen zu arbeiten. Aber es ist nicht befriedigend. Zumindest nicht für Deine Leser*innen.

Warum wird das geschrieben?

Wie schon geschrieben, es handelt sich hierbei um den einfachen Weg, um Charaktere zu erschaffen. Anstatt sich zu überlegen, wie der Charakter sein könnte und wie der kulturelle Hintergrund ihn oder sie noch runder macht, wird hier ein wenig gezimmert und das war es auch schon. Wenn überhaupt.

Damit werden gerade Minderheiten in eine Ecke gestellt, aus der sie nicht herauskommen. Die weißen Charaktere dürfen alles sein, was auch immer sie sein wollen. Dagegen haben die Minderheiten eine bestimmte Rolle zu spielen. Und die ist ihnen gegenüber sowohl als Minderheit als auch als Charakter / Mensch nicht fair.

Denn gerade Minderheiten werden anhand dieser Stereotypen immer gemessen. Wenn sie diese erfüllen, dann heißt es, na typisch, der oder die ist halt so, weil eben der kulturelle Hintergrund so und so ist. Wenn aber mal außerhalb der Box geschrieben wird, dann sind wir erst einmal irritiert. Dann heißt es, dass die Geschichte sogar unrealistisch wäre. Weil eben unser System A nicht befriedigt wurde.

In manchen mag sich auch ein gewisser Widerstand regen, weil wir es nicht gewohnt sind, dass die Charaktere der Minderheiten anders reagieren, als wir es letztendlich wollen. Das ist völlig in Ordnung. Aber dann sollten wir offen sein für die neue Erfahrung, die uns dieses Erlebnis schenkt.

Denn so lernen wir etwas über die Menschen und auch über uns. Denn dort, wo wir irritiert sind, haben wir es aller Wahrscheinlichkeit mit einem Stereotyp zu tun. Und da heißt es, genauer hinsehen. Hier versteckt sich Potenzial.

Wie Du es anders schreiben könntest

Wenn Du über Minderheiten schreiben möchtest und nicht weißt, welche Stereotypen zu dieser Gruppe gehören, bedeutet das eins: Recherche, Recherche und noch mehr Recherche. Es ist völlig in Ordnung, wenn Du nicht weißt, welche Elemente aus Deinem Charakter ein Stereotyp macht. Aber es gibt das Internet und Du kannst es jederzeit benutzen, um das alles herauszufinden. Und natürlich gibt es auch die Möglichkeit, dass Du mit Menschen aus den verschiedenen Ländern und Gruppen sprichst. Dank des Internets ist es möglich. Du kannst Kontakte aufbauen und Fragen, ob eine Idee ein Klischee sein könnte oder nicht. Und solange Du höflich und respektvoll bist, wirst Du sehr wahrscheinlich auch eine entsprechende Antwort bekommen.

Vor einiger Zeit hab ich mal auf einer englischsprachigen Seite gelesen, dass Menschen mit afrikanischen Wurzeln angeblich nicht schwimmen können. Da hatte aber wer eine Geschichte darüber geschrieben, ohne das zu wissen. Dann hatte man ihn darauf aufmerksam gemacht und er war überrascht. Also hatte er recherchiert und überlegt, wie er das besser machen könnte.

Daher recherchiere vorher, was es für Elemente gibt, die Du eventuell umschiffen könntest, und notiere Dir alles. Und rede mit anderen Menschen, die vielleicht mehr Ahnung haben könnten als Du. Das ist nicht peinlich oder zeigt von Schwäche. Es gibt immer jemanden, die oder der von etwas mehr Wissen hat. Dafür könntest Du der Person auf einer anderen Ebene helfen.

Weiter gilt immer und immer wieder, schreib Charaktere, keine Klischees, keine Stereotypen. Schau Dir den Hintergrund Deines Charakters an und frag Dich, was könnte dies für Deine Figur bedeuten? Häufig ist die Geschichte so voller Potenzial, dass man daraus schon fast ein Regenbogen von einem Charakter machen könnte (in Bezug auf die Vielfalt). Doch wenn man sich dann nur auf dem Stereotyp konzentriert, macht man das schlichtweg alles kaputt.

Natürlich haben kulturelle Wurzeln durchaus einen gewissen Einfluss. Aber jeder Mensch kann sich entscheiden, wie sie oder er das eigene Leben führen möchte. Und da kommst Du als Autor*in ins Spiel. Lass Deinem Charakter diese Entscheidung und erschaffe ein Individuum, fernab des Stereotyps.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Du immer schön das Gegenteil von dem schreibst, was das Stereotyp verlangt. Ostasiat*innen sind gut in asiatischen Kampfkünsten (wie Kung-Fu oder Judo oder was auch immer)? Dann streich das und lass sie eine andere Kampfsportart machen. Wie wäre es mit Kickboxen oder ein exzellenter Umgang mit Schusswaffen? Oder noch banaler, lass sie oder ihn doch einfach mal weglaufen, weil sie oder er gar nichts beherrscht. Das wäre definitiv auch mal etwas anderes.

Mit Boxen oder Schusswaffen könnte Dein ostasiatischer Charakter immer noch gefährlich und tödlich sein, aber sie oder er verlässt die Sphären des Stereotyps. Und es wäre definitiv mal was ganz anderes. Und wenn sie*r keine Kampfkunst beherrscht, könnte an der Stelle etwas anderes treten. Wissen oder eine gewisse Hinterhältigkeit. Eben etwas, was Deine Geschichte braucht und Deine Charaktere einmalig werden lässt.

Abschlussgedanken

Wenn man ein wenig aufpasst, ist man leicht in der Lage, Stereotypen, die sich so gut wie immer auf die Minderheiten in einer Geschichte beziehen, zu umgehen. Natürlich, klar, es ist einfacher, wenn man mit Klischees und Stereotypen arbeitet. Sie sind bekannt und auch vertraut. Und unendlich langweilig. Deine Charaktere ähneln den Kleidern oder Anzügen in einem Klamottenladen. Sie sehen alle gleich aus. Der einzige Unterschied ist lediglich die Größe.

Daher versuch einfach mal, dem Stereotyp zu durchbrechen und schau, was es Dir am Ende bringt. Es werden sicherlich einige Leser*innen erst einmal irritiert sein. Aber wenn am Ende ein interessanter Charakter herauskommt, dann werden sie Dir das sicherlich verzeihen. Und ich bin mir sicher, dass sich das auf Dauer lohnt.

Dabei wünsche ich Dir Erfolg und noch mehr Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Drei Gründe, warum ich Agents of S.H.I.E.L.D. gerne schaue

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wer mir schon eine Zeitlang folgt, weiß, dass ich sehr gerne die Serien und Filme aus dem Hause Marvel schaue. Darunter gehört auch die Serie Agents of S.H.I.E.L.D. Und diese zeigt, dass Diversität und eine interessante Handlung sich nicht ausschließen müssen. Daher möchte ich Dir heute drei Gründe zeigen, warum ich die Serie sehr gerne schaue.

Ganz kurz, worum geht es in der Serie?

Bei der Fernsehserie handelt es sich um eine fiktive Geheimorganisation. Ursprünglich hatte sie den gleichen Status wie das FBI oder die CIA. Doch dann kam heraus, dass diese Organisationvon einer Gruppe namens Hydra infiltriert wurde. Und die wollen halt die Welt unter Kontrolle bringen, um ihr Weltbild zu leben.

Nach den Geschehnissen bei Captain America: The Winter Soldier ging die Organisation in den Untergrund und versucht von dort zu arbeiten. Und zwischenzeitlich wächst sie wieder.

Warum ich die Serie mag

Der diverse Cast

Allein wenn Du Dir schon die erste Staffel ansiehst, wirst Du eines entdecken, die Vielfalt der Herkunft ist hier weitaus größer als in manch anderen Serien. Phil Coulson (der Kopf der Gruppe, deren Geschichte wir verfolgen dürfen) ist ein Weißer (kaukasischer Amerikaner). Seine wichtigste Mitarbeiterin ist Agent Melinda May. Man sieht eindeutig, dass sie aus China stammt. Daisy Johnson ist eine asiatische Amerikanerin. Und die beiden Schlauköpfe der Serie Leo Fitz und Jemma Simmons stammen aus Großbritannien. Mackenzie ist ein Afroamerikaner. Und Elena Rodriguez stammt aus Mexiko.

Das sind nur einige der wichtigen Charaktere, welche die Serie tragen. Aber wie Du sehen kannst, sind sie so unterschiedlich, wie eben die Welt. Wir haben Weiße und wir haben PoC. Und selbst unter den Weißen stammen nicht alle zwangsläufig aus Amerika.

Jetzt könnte man sagen, dass die Herkunft irgendwie eine Rolle spielen könnte, weil ja so viele verschiedene Herkünfte in der Serie untergebracht werden müssen. Doch die Herkunft selbst spielte zu keinem Zeitpunkt eine Rolle. Es ging immer um die Geschichte der Figuren. Manchmal ist natürlich auch die Herkunft wichtig. Denn auch sie kann ein Teil der Geschichte der Charaktere sein.

Aber niemand rennt herum und sagt, hei, ich bin von dort und dort, schenkt mir Aufmerksamkeit. Niemand nimmt auf sie Rücksicht, nur weil sie aus einem bestimmten Gebiet kommen. Oder man mutet ihnen mehr zu, weil sie eben von woanders herkommen. Mach deine Arbeit und gut ist, so könnte man das alles beschreiben.

Wenn Leute sagen, dass ein diverser Cast nicht funktionieren kann, dann sollten diese sich die Serie ansehen. Es kann funktionieren und noch besser, es funktioniert.

Das Alter

Wenn Du Dir einige der Charaktere anschaust, dann musst Du nicht wissen, wie alt sie sind. Aber Du wirst sicherlich ahnen, dass sie älter als um die zwanzig sind. Phil Coulson ist in seinen fünfzigern. Genauso wie Melinda May. Daisy Johnson ist tatsächlich in ihren Zwanzigern, was aber auch zu ihrer Geschichte und ihrem idealistischen Typ sehr gut passt. Fitz und Simmons sind um die dreißig Jahre alt. Mckenzie ist in seinen vierzigern und Elena Rodriguez ist um die dreißig Jahre alt. Später kommt noch eine Agentin hinzu (Rosalind Price), die ebenfalls ende vierzig ist.

Wie Du siehst, ist das Alter hier sehr weit gefächert. Es gibt nicht nur den einen alten Mann, der die Gruppe führt und alle anderen sind Kinder, die seiner Führung benötigen. Alle haben ihre Erfahrungen im Leben gemacht. Mal mehr und mal weniger. Und dementsprechend können sie auch zum Gelingen einer Mission beitragen.

Bei einigen Geschichten wäre es auch sehr unrealistisch, wenn diese einer zwanzigjährigen Person geschehen würde. Oder wenn gar Phil Coulson eher ein Brudertyp als eine Vaterfigur wäre. Weiterhin haben wir hier Melinda May, die ebenfalls eine Mutterfigur einnehmen kann. Allein schon wegen dem Alter und ihren Erfahrungen. Aber auch wegen ihren Charaktertyp. Denn häufig steht sie den anderen bei, weil sie einfach älter ist und daher vieles schon selbst durchgemacht hat.

Von diesem Wissen und diesen Erfahrungen profitieren die anderen Mitglieder durchaus. Aber auch sie bringen einiges mit. Entweder, weil sie genügend Forschen konnten (wie bei Fitz und Simmons). Oder, weil sie entsprechende Erfahrungen als Agent mitbringen (Mckenzie). Daisy Johnson hingegen ist jung und sehr idealistisch. Wäre sie jetzt älter, hätte man ihr das nicht mehr geglaubt. Aber da sie noch anfang zwanzig ist, darf sie noch eine sehr stark idealistische Haltung einnehmen.

Starke Frauen

Agent Melinda May ist eine der gefährlichsten Frauen bei S.H.I.E.L.D. Nicht umsonst nennt man sie die Kavallerie. Und das sorgt durchaus für große Augen, wenn man begreift, dass sie damit gemeint ist. Während der Serie zeigt sie auch immer wieder, dass sie den Ruf auch zurecht trägt. Sie ist nicht unverletzlich oder unbesiegbar. Aber sie weiß sich zu wehren und sie kann ordentlich zuschlagen. Jemma Simmons ist ein Genie auf ihrem Gebiet als Wissenschaftlerin. Und Daisy Johnson ist eine Hackerin, die ihres Gleichen sucht.

Angeblich tauchen in der Serie mehr Frauen auf, als in den Serien „Arrow,” “Gotham,” “The Flash,” “Luke Cage,” “Daredevil,” und “Supergirl„. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Aber mich würde es zumindest nicht wundern. Denn gefühlt in jeder Serie tauchen ungefähr genauso viele Frauen wie Männer auf. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, fällt mir das tatsächlich auf. Während ich die Serie sehe, dann ist es eben so.

Und vor allem, die Frauen werden nicht als nettes Beiwerk dargestellt. Sie können Agentinnen sein, Wissenschaftlerinnen, Aktivistinnen oder auch Gegnerinnen unserer Held*innen. Sie sind nicht entweder oder, sondern sowohl als auch. Damit meine ich, dass sie nicht entweder gut oder böse sind. Sie können tatsächlich sowohl gut als auch böse sein. Es kommt auf ihren Charakter an.

Was noch wichtiger ist, sie alle haben eine wichtige Rolle. Sie wurden nicht deswegen aufgenommen, weil sie den Love Interest für einen der Herren spielen sollen. Sie sind da, weil sie wichtig für die Geschichte und wichtig für die Gruppe sind. Natürlich entstehen auch zwischen einigen der Figuren auch romantische Gefühle. Aber diese entwickeln sich nach und nach. Und ich glaube dieser Entwicklung.

Aber es entstehen auch flüchtige Beziehungen, die auf Respekt basieren. Und ja, auch deswegen, weil die Charaktere wissen, dass es dabei nur um Sex geht. Wie es bei erwachsenen Menschen manchmal so ist.

Was kann man aus der Serie lernen?

Natürlich könnten einige Punkte noch besser umgesetzt werden. So fehlt mir noch ein homosexuelles Paar. Wenigstens die Andeutung wäre schön gewesen. Und man hätte sicherlich noch einiges am Alter der Frauen drehen können. Ja, die Serie ist nicht perfekt. Da würde ich Dir sofort zustimmen, wenn Du das sagst.

Aber, sie bewegt sich in die absolut richtige Richtung.

Der diverse Cast unterscheidet sich in der Hautfarbe, im Alter und im Geschlecht. Dort tauchen mehr Frauen auf, als in vielen anderen Serien. Und sie stehen Seite an Seite mit den Männern. Sie müssen nicht beschützt werden oder lassen die Männer als unfähige Trottel dastehen. Alle haben ihre Geschichte und sind wichtig für diese Serie.

Diese Serie zeigt, es ist möglich, einen diversen Cast auftreten zu lassen, ohne das die Geschichte darunter leidet.

Abschlussgedanken

Daher kann ich Dir nur empfehlen, gönn Dir die eine oder andere Folge, wenn Du die Möglichkeit hast. Schau sie Dir nicht nur an, sondern lern auch aus ihr. Wie benehmen sich die Männer und die Frauen. Wie reden sie miteinander und untereinander? Wie wurde alles umgesetzt?

Schau Dir die Serie an, entspann dabei und lern etwas für Deinen eigenen Cast.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Deine frau schreibseele

Dürfen Weiße über PoC schreiben?

Februarbeitragsübersicht

Hei, hallo und herzlich willkommen,

immer wieder stolpere ich, gerade in letzter Zeit, über Diskussionen, über was bestimmte Gruppen schreiben sollen oder was nicht. So gibt es Beiträge, warum Frauen nicht über Schwule schreiben sollen oder warum es albern wird, wenn Männer über Frauen schreiben. Auf der anderen Seite sehen einige Gruppen nicht ein, sich einschränken zu lassen, weil sie Spaß daran haben, bestimmte Geschichten zu schreiben. Oder weil sie etwas zu sagen haben.

Der heutige Beitrag bezieht sich zwar in erster Linie auf die Hautfarbe. Aber theoretisch können viele der Argumente, die ich hier aufführe, auch auf viele andere Genres und Gruppen bezogen werden.

Kurze Vorgedanken

Letztes Jahr habe ich per Zufall erfahren, dass es dir Reihe Liliane Susewind gibt und diese auch verfilmt werden soll. In dieser Reihe geht es um ein rothaariges Mädchen, welche mit Tieren sprechen kann. Ihr bester Freund ist Jesahja, der als hübsch und besonders intelligent beschrieben wird. Das Besondere an ihm ist, dass sein Vater aus Afrika kommt (bei seiner Mutter bin ich mir gerade nicht sicher). Das bedeutet, wir haben es hier mit einem PoC Charakter zu tun. Zwischenzeitlich werden ihr Geschichten auch verfilmt.

Warum ich das erwähne? Weil in der Verfilmung auf die Hautfarbe von Jesahja (der nun Jess genannt wird) keine Rücksicht genommen wurde. Anstelle eines PoC Jungen für die Rolle zu casten, hat man einen weißen Jungen genommen. Und die Ausreden, nun ja, die lass ich einfach mal so stehen. Gerade in Deutschland ist der Umgang mit Diversität in Serien und Filmen noch nicht sonderlich ausgeprägt. In den USA wird zumindest die eine oder andere Quote erfüllt. Gelegentlich dürfen sogar ältere Frauen mitspielen. Doch in Deutschland?

Daher finde ich es wichtig, dass wir uns zumindest theoretisch mit diesem Thema auseinandersetzen sollten. Schreib ich über PoC, schreib ich über einen Charakter im Rollstuhl oder einem transsexuellen Charakter? Schauen wir uns mal einige mögliche Argumente an und dann wird es Zeit eine erste Entscheidung zu treffen.

Was spricht dagegen?

Keine Erfahrung mit Rassismus

Was ist jetzt erst einmal Rassismus? Dazu kann ich Dir den Wikipedia-Beitrag empfehlen. Denn schon die Einleitung ist sehr erhellend. Kurz gesagt bedeutet Rassismus, dass eine Gruppe von Menschen mit bestimmten Eigenschaften aufgrund ihrer Rasse sich als höherwertig ansieht, im Gegensatz zu einer anderen Gruppe von Menschen. Damit meine ich folgendes Beispiel: in den meisten Fällen sehen sich weiße Menschen als höherwertig als zum Beispiel Menschen, mit Wurzeln aus Afrika.

Doch dabei wird nicht nur die eigene Gruppe als höherwertig betrachtet, sondern die andere als minderwertig eingestuft und diese teilweise sogar angegriffen und getötet. So gut wie immer ist die Verteilung so, dass von den Weißen die Aggression ausgeht und die PoC die Opfer sind. Vielleicht gibt es Fälle, dass Weiße aufgrund ihrer Hautfarbe angegriffen werden. Aber ich muss gestehen, dass ich über einen solchen Fall noch nie gelesen habe. Und vermutlich hätten die Medien das definitiv ausgeschlachtet.

Es gibt sogar Menschen, die davon sprechen, dass es keinen Rassismus gegen Weiße geben kann. Denn Rassismus dient zur Erhaltung der aktuellen Machtstruktur und der Definitionsgewalt. Und die geht nun einmal von den Weißen aus. Um genau zu sein, sogar von dem weißen, heterosexuellen, Cis-Mann.

Da der Rassismus von Weißen ausgeht und sich gegen PoC richtet, können sie also nie erfahren, wie es ist vom Rassismus betroffen zu sein. Dies ist nicht dem Gefühl zu vergleichen, wenn man als weiße Person durch eine Gegend läuft, die von PoC bewohnt ist. Das mag unangenehm sein, dies dient aber nicht zum Erhalt der Macht.

Letztes Jahr hab ich einen Beitrag über afrikanische Geschäftsfrauen gesehen. Dabei erzählte eine von ihnen, dass sie erniedrigt wurde, weil sie nicht weiß genug aussah. Weder mit dem Haar, noch mit der Haut. Und dieses Mobbing ging von ihren afrikanischen Lehrer*innen aus, weil dort immer noch der Gedanke herrscht, dass Weiß gut ist. Zwar hat sie sich von diesen Gedanken – glücklicherweise – befreien können. Aber ich find es erschreckend, dass diese Gedanken immer noch vorherrschen.

Da von den Weißen die Definitionsmacht und die Macht ausgehen, sind sie die Verursacher und Nutznießer von Rassismus. So sehen das zumindest die meisten, die sich mit diesem Thema sehr intensiv auseinandersetzen. Alle anderen hingegen sind Opfer von Rassismus. Daher können wir als Weiße niemals nachempfinden, was es bedeutet, Opfer von Rassismus zu sein. Auch wenn es durchaus einige Gruppen gibt, die durchaus der Meinung sind, dass es sehr wohl Rassismus gegenüber Weiße gibt.

Weiße bekommen die Aufmerksamkeit

Wenn Weiße über PoC schreiben, bekommen sie die Preise. So empfinden es sehr viele, sowohl PoC, als auch Weiße selbst. Warum das so ist, darüber könnten wir sicherlich sehr lange diskutieren. Aber ich kann mir vorstellen, dass es auch damit zu tun hat, dass von den Weißen wieder die Definitionsmacht ausgeht, weniger, weil sie allesamt bessere Autor*innen sind.

Weiße schreiben über PoC, da muss man doch aufmerksam sein, weil sie natürlich eine ganz andere Sicht auf die Dinge haben. Und dementsprechend muss man ihnen natürlich auch die Aufmerksamkeit und letztendlich auch die Preise zugestehen (Achtung, das war natürlich Ironie).

Da kann man sicherlich verstehen, dass PoC Autor*innen es nicht gerne sehen, wenn man den Vorteil genießt, über sie zu schreiben, aber nicht die Nachteile erlebt. Also den Vorteil aus der sicheren Entfernung über PoC zu schreiben und die Aufmerksamkeit zu genießen, aber nicht die künstlich erschaffenen Nachteile am eigenen Leib erleben zu müssen (Rassismus).

In einem englischsprachigen Beitrag hab ich mal gelesen, dass PoC es völlig in Ordnung finden, wenn man einen PoC als Nebencharakter einbaut, aber eben nicht als Hauptfigur. Zumindest solange nicht, wenn man selbst Weiß ist.

Reproduktion von Klischees

Wenn wir über andere Volksgruppen denken, denken sehr viele von uns nicht in Menschen, sondern in Klischees. Im Folgenden möchte ich ein paar Klischees auflisten:

  • Alle Russen trinken Wodka,
  • alle Japanerinnen kichern vor sich hin,
  • Indianer sind alle weise,
  • Deutsche essen Eisbein und Sauerkraut.

Leider ist es so, dass diese Klischees von vielen nicht hinterfragt, sondern weitergetragen werden. Es mag sein, dass Klischees mal auf einer Tatsache entstanden ist. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie automatisch für alle Mitglieder dieser Gruppe gilt. Doch häufig ist es so, dass man diese verwendet, wenn man über ein Mitglied der Gruppe schreibt.

Als Außenstehende haben wir aber nicht zwangsläufig den Einblick, was denn nun wahr sein könnte und was billiges Klischee ist. Denn wir werden nicht jeden Tag damit konfrontiert. Und schlimmstenfalls tragen wir zu der Reproduktion der Klischees weiter. Für mich nicht gerade ein erstrebenswertes Ziel.

Was spricht dafür?

Alles andere ist auch möglich

Heutzutage schreiben Frauen über Männer, Männer über Frauen, Erwachsene über Kinder, Menschen über Tiere, Frauen über Schwule und so weiter und so fort. Auch wenn einige sich darüber beschweren, wird dies im Großen und Ganzen doch akzeptiert. Doch spätestens bei der Hautfarbe reißen auf einmal alle die Hände hoch und sagen, bis hierhin und nicht weiter.

Als Begründung werden die beiden Punkte angeführt, dass es eine Anmaßung einer anderen Kultur ist. Und zudem, dass wir nicht wissen, wie es ist, Opfer von Rassismus zu sein. Doch man kann im gleichen Atemzug aufführen, dass ein Mann niemals erfahren wird, wie es ist eine Frau zu sein. Oder eine Frau wird niemals wissen, wie es ist sich als schwul zu outen.

Daher kann man die Argumentation aus dieser Perspektive als eher schwach betrachten. Wir werden niemals in der Haut eines Aliens oder ein Roboter sein. Trotzdem schreiben wir über sie, als wäre das absolut normal. Gehen wir respektvoll sind, können wir auch das Thema Hautfarbe aufnehmen.

Klischees aufbrechen

Wenn ich mich mit einem Thema auseinandersetze, dann recherchiere ich normalerweise dazu. Das bedeutet auch, dass ich herausfinden sollte, mit welchen Klischees ich zu tun haben könnte. Diese können und vor allem sollten sie hinterfragt werden. Warum heißt es denn, dass die indigenen Völker Amerika allesamt weise und edel sein sollen? Woher kommt dieses Klischee? Und trifft dies tatsächlich auf alle zu?

Wenn man über ein Mitglied der indigenen Völker Amerikas schreibt, kann man natürlich die ganzen Klischees aufwärmen und ungefragt verwenden. Oder man hinterfragt sie, bricht mit ihnen, und/oder zeigt einen Charakter, der rein gar nichts mit dem Bild zu tun hat, was die meisten von uns im Kopf haben dürften. Das kann natürlich irritieren. Geh auch davon aus, dass es bei vielen so ist. Aber Du kannst damit die Klischees aufbrechen und zeigen, wie es auch anders geht.

Damit hast Du die Möglichkeit Deiner Geschichte eine neue Dimension hinzuzufügen. Und zudem tust Du noch was Gutes, wenn Du People of Color von einer völlig neuen Seite zeigst. Ganz nebenbei wirst Du Dir sehr wahrscheinlich auch noch eine gewisse Aufmerksamkeit sichern können, weil Du damit auffällst. Denn mit Klischees brechen kann schon irritierend sein, weil wir nun einmal der festen Überzeugung sind, dass PoC so sind, wie wir es uns vorstellen. Ist es dem nicht so, dann stutzen wir uns schauen genauer hin.

Es ist Zeit dafür

Vor einiger Zeit hab ich mal ein Zitat gelesen, der sehr bezeichnend für das ist, was gerade stattfindet. Leider hab ich mir den nicht abgespeichert, daher werde ich den hier sinngemäß wiedergeben.

Diversität in Geschichten bedeutet nicht, dass eine begünstigte Gruppe sich erbarmt über eine nicht begünstigte Gruppe zu schreiben. Es bedeutet nur, dass Richtige zu tun.

Diese Zusammenfassung sagt schon alles aus. Nur weil ich zufällig in eine Gruppe hineingeboren wurde, die sehr viele Vorteile genießen kann (bis auf einige viele Ausnahmen), bedeutet das nicht, dass ich gnädigerweise über andere Gruppen schreibe. Es ist einfach etwas, was man macht, weil es richtig und auch wichtig ist.

Eine Entscheidung

Die wirst Du von mir nicht bekommen. Dafür entschuldige ich mich. Es ist nur so, dass Du das mit Dir selbst ausmachen musst, ob Du über PoC (oder anderen Gruppen) in Deinen Geschichten schreiben willst oder nicht. Zumal ich Dir jetzt schon garantieren kann, dass Du es sowieso falsch machen wirst.

Wenn Du über diese Gruppen schreibst, dann wirst Du von denen und anderen schräg angesehen. Tust Du es nicht, ist es genauso. Egal was Du machst, Du machst es falsch. Daher kann ich Dir nur raten, mach es so, wie es sich für Dich richtig anfühlt.

Hier möchte ich Dir noch ein oder zwei Tipps mitgeben, wenn Du über sie schreiben möchtest.

Zeig Respekt

Damit ist schon alles gesagt. Du willst über jemand anderen schreiben? Dann zeig einfach Respekt. Ein Charakter ist keine Anwandlung von Klischees, sondern die Grundlage für einen Menschen (auch wenn das einige Autor*innen anders sehen mögen). Denn dieser Charakter wird sich idealerweise in die Herzen Deiner Leser*innen einschleichen und dort ein gewisses Eigenleben entwickeln. Daher kann ich Dir nur empfehlen, da so viel Mühe und Respekt zu zeigen, wie es nur möglich ist.

Recherche, Recherche, Recherche

Wenn Du etwas über eine bestimmte Gruppe wissen möchtest, gibt es zwei Wege. Die theoretische Recherche als Vorarbeit. Und dann das direkte Gespräch. Letzteres ist zwar nicht immer möglich, aber sollte trotzdem auf Deiner Liste stehen. Aber vermute hier nichts, sondern arbeite Dich ruhig ein wenig durch das Internet und find heraus, was auch immer Du wissen möchtest und musst.

Abschlussgedanken

Egal wie Du Dich in dieser Hinsicht entscheidest, wichtig ist nur, dass Du für Dich selbst klar machst, warum Du diese getroffen hast. Und dann auch zu ihr stehen kannst. Dann hast Du eine ganz andere Haltung zu diesem Thema und kannst auch ganz anders argumentieren.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Warum ich für Diversität in Geschichten bin

Februarbeitragsübersicht

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

in Kanada und Amerika wird im Februar der Black History Month zelebriert. In diesem Monat lernen die Kinder und Jugendlichen, welchen Einfluss Afroamerikaner*innen auf die Geschichte hatten, welche zuvor eher ignoriert wurde. Auch in Deutschland findet der Gedanke immer mehr Anhänger*innen. Es werden Bücher von PoC Autor*innen gelesen und man macht sich mehr Gedanken zum Thema Diversität. Daher läute ich diesen Monat mit einem entsprechenden Beitrag ein.

Ursprünglich wollte ich mich nur auf die Hautfarbe konzentrieren. Doch letztendlich steht Diversität für das Leben selbst. Daher führe ich einen kleinen Rundumschlag durch. Sollte ich mich aber auf die Hautfarbe beziehen, werde ich die Kurzbezeichnung PoC verwenden. Diese steht für Person of Color bei einer Einzelperson oder für People of Color, wenn zwei oder mehr Personen gemeint sind.

Kurze Vorgedanken

Ursprünglich entstand der Beitrag aufgrund eines Threads bei Twitter. Eine Userin erläuterte, warum es einfach unrealistisch ist, queere Charaktere einzuführen. Daraufhin erwiderten viele andere User*innen, dass ihr Thread schlichtweg an der Realität vorbeiläuft. Daraufhin verfasste ich die erste Version meines Beitrages, wobei ich gestehen musste, dass ich nicht wusste, dass ich über Diversität und Inklusion schrieb. Für mich war und ist es selbstverständlich Charaktere mit den unterschiedlichsten Hintergründen in meinen Geschichten auftauchen zu lassen. Vermutlich so selbstverständlich, dass es mich immer wieder irritiert, wenn andere darüber Diskussionen führen.

Daher schauen wir doch einmal genauer hin.

Ein Blick in die Realität

Aktuell lebe ich in einer Großstadt und da kommen mir Menschen aus unglaublich vielen Ländern entgegen, Homosexuelle, Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, mit seelischen Beeinträchtigungen und keine Ahnung wer noch.

Zugegeben, wie es in kleineren Städten oder Dörfern vor sich geht, darüber kann ich keine Aussagen machen. Dafür war ich zu wenig an solchen Orten. Aber häufig lese ich von anderen Menschen, dass es dort nicht so gemischt vor sich gehen soll, wie in Berlin. Und doch behaupte ich aus meinem naiven Elfenbeinturm, dass es auch dort sicherlich einige Menschen aus der Liste von oben gibt.

Mit anderen Worten, wenn wir vor die Tür treten, treffen wir zwangsläufig auf Menschen, die sich klar von uns unterscheiden. Das mag an der Hautfarbe liegen, an dem Kleidungsstil, an der Religion bzw. an der Weltanschauung oder an so vielen großen und kleinen Details.

Damit können wir klar sagen, wir leben in keiner homogenen Gesellschaft. Wir sind nicht einmal annähernd gleich und diese kleinen bis großen Unterschiede machen uns allesamt aus. Würden wir einen DNS-Test machen, kämen vermutlich bei sehr vielen von uns heraus, dass wir Gene aus ganz Europa und sogar Afrika haben dürften. Noch nicht einmal wir selbst sind homogen.

Ein Blick in die fiktionale Welt

Ganz ehrlich? In meiner ganzen Lesezeit kann ich mir nur an einziges Buch erinnern, in der eine „Be_hinderung“ eine Rolle spielte. Und zwar handelte es sich dabei um das Buch „The Curious Incident of the Dog in the Night-Time“ von Mark Haddon. Ansonsten gibt es natürlich noch Dr. Charles Xavier und Barbara Gordon. Wobei man die beiden schon fast gar nicht mehr zählen kann, da die Zeichner*innen sie genesen lassen.

Homosexuelle Charaktere kommen da häufiger vor. Aber dann mit dem entsprechenden Label, dass es sich um eine Geschichte mit speziell solchen Charakteren handelt. Wenn in „normalen“ Büchern homosexuelle Charaktere auftreten, ist das eher selten und kann durchaus zu erstaunten Blicken oder gar zur Ablehnung führen. Letztens hab ich auf Twitter herausgefunden, dass in den Blockbustern gerade mal 1 Prozent der Charaktere homosexuell sind. Transsexuelle oder Intersexuelle und so weiter tauchen bisher immer noch nicht auf.

Als man erklärte, dass der Star Trek Charakter Sulu schwul ist, ging ein Aufschrei durch die Reihen der Fans. Selbst George Takei war nicht wirklich glücklich darüber. Letztendlich wurde nie über die Sexualität von Sulu gesprochen und zudem spielt diese keine große Rolle in der Geschichte (zumindest laut den Macher*innen). Jetzt könnte man sich beschweren, dass hier wieder mit aller Gewalt ein schwuler Charakter eingeführt werden muss (warum kein neuer lesbischer?). Andererseits, er ist schwul und es spielt keine Rolle (wie im Bechdel-Test durchaus gefordert, dass der Charakter die Rolle spielt und nicht die sexuelle Orientierung).

Das gilt auch für die Hautfarbe, also die Herkunft der Charaktere. Zumeist haben wir es mit weißen Figuren zu tun. Gelegentlich gibt es einen Quoten-PoC, zumeist afrikanischer Herkunft. Und tatsächlich hab ich Serien gesehen, da wird noch nicht einmal die Quote erfüllt (wie How I met your mother). Oder sie spielen lediglich die Außerirdischen oder Charaktere ohne Namen (zum Beispiel Stargate: Atlantis). Ansonsten kann man sagen, dass so gut wie alle Charaktere weiß sind und gelegentlich taucht mal ein PoC auf.

Aber ansonsten haben wir es eher in den Geschichten mit durchschnittlich schönen und vor allem gesunden Charakteren zu tun, die durch die Bank weg eher heterosexuell sind und Cis-Gender, zumeist männlich natürlich. Und bei aller Liebe hat das noch was mit der Realität zu tun?

Kurze Exkursion:

Eine Cis-Frau oder ein Cis-Mann sind Menschen, die ihr ganzes Leben mit dem Geschlecht identifizieren, welches auch in ihrer Geburtsurkunde steht. Zum Beispiel steht in meiner Urkunde, dass ich eine Frau bin. Und da ich mich nicht männlich fühle (meistens zumindest), bin ich eine Cis-Frau.

Wie ich oben schon geschrieben habe, müssen wir nur vor die Tür gehen und sehen unterschiedlichste Charaktere von realen Menschen. Von kleinen Kindern bis hin zu alten Menschen, die kaum noch laufen können. Alle sind dabei und alle gehören zu unserem Leben.

Können wir also sagen, dass die meisten Romane ein Abbild des realen Lebens sind? Ich würde ganz glatt sagen, eher nicht.

Kein richtiges Abbild der Realität in der Fiktion

Vor Jahren habe ich einen Kurs besucht, indem erklärt wurde, wie man einen Liebesroman schreibt. Dort hieß es, dass die Charaktere in diesen Liebesromane durchschnittlich zwischen zwanzig und dreißig Jahren sind. Als Erklärung führte die Leiterin an, dass sich die Leserinnen in der Heldin wiederfinden sollen. Und man hat die „heißeste“ Zeit der Liebe eben in diesem Alter erlebt bzw. wird es voraussichtlich erleben (also der Durchschnitt).

Daher wäre es natürlich fatal, will man einen breiten Markt bedienen, wenn man dicke Heldinnen einführt, oder ältere oder Heldinnen, die in einem Rollstuhl sitzen (um einige Beispiele anzuführen). Es gibt sicherlich solche Romane, aber ich könnte jetzt keine benennen. Sie sind zu wenige und sollen eher ein kleines Publikum ansprechen. Aktuell sind es Nischengeschichten.

Aber auch in Krimis oder anderen Romanen aus unserer Welt könnte ich keine Beispiele nennen, in denen Charaktere vom abweichenden Typ auftauchen. Und wenn, dann kann ich sie Dir an einer Hand abzählen, da bin ich mir sicher.

In Fantasyromanen ist das teilweise noch schlimmer. Dort sind alle gesund, stark und teilweise sogar in einem entsprechenden Alter zu finden. Und wenn sie älter sind, dann hat das nicht unbedingt große Auswirkungen auf das, was sie zu tun haben. Selbst wenn wir es mit dem weisen Mentor zu tun haben, der über einhundert Jahre ist. Er wird vielleicht nicht ganz so schnell sein, wie seine jüngeren Begleiter. Aber er ist in der Lage noch Berge zu besteigen, durch Flüsse zu laufen und einen Kampf zu führen. Alte Frauen tauchen selten bis gar nicht auf.

Was sagt das über uns Autor*innen aus?

Natürlich bedienen wir Autor*innen einen Markt. Darüber müssen wir uns im Klaren sein. Viele von uns schreiben das, was letztendlich gelesen wird. Und das ist häufig der gesunde, heterosexuelle, weiße Charakter. Sie oder zumeist er sieht zudem hübsch aus und im Oberstübchen sind noch alle Tassen zu finden.

Vermutlich kommt es vielen noch nicht einmal in den Sinn über einen Charakter zu schreiben, die oder der in einem Rollstuhl sitzt. Da fällt mir gerade Clara Sesemann ein (aus dem Roman „Heidi„). Sie darf in einem Rollstuhl sitzen, für eine gewisse Zeit. Und doch kommt sie aus dem Rollstuhl heraus. Oder auch Barbara Gordon (alias Batgirl), die in einem Rollstuhl sitzt. Zwischenzeitlich hat sich DC das jedoch anders überlegt und entlässt sie wieder aus diesem. Und eben Professor Charles Xavier, der ebenfalls geheilt wird.

Wenn also entsprechende Charaktere auftauchen, dann bleiben sie nicht lange in dem Zustand des Dickseins, der Krankheit oder Derartiges. Sie nehmen in Rekordzeit ab oder können bald wieder laufen.

Man könnte meinen, dass einige Autor*innen mutig sein wollen, aber nicht zu mutig. Sie wollen die reale Welt zeigen, aber sie darf nicht zu real sein. Immerhin möchte man die geneigte Leserin oder den geneigten Leser nicht vergraulen. Denn, wenn das reale Leben schon hart ist, möchte man dann das alles in einem Roman überhaupt lesen?

Andererseits kann man nicht auch sagen, dass nur ein kleiner Teil der Menschen repräsentiert wird, während alle anderen einfach nur ignoriert werden? Säße ich in einem Rollstuhl, ich würde mich in keinen der Romane wiederfinden. Und vielleicht möchte ich aber ein positives Vorbild haben?

Gerade junge Menschen benötigen dies, meiner Meinung nach, dringendst. Denn viele von ihnen hadern durchaus mit ihrem Schicksal (welche Jugendlichen hadern schon nicht mit ihrem eigenen Leben, obwohl bei ihnen alles perfekt ist?). Und dann haben sie noch nicht einmal positive Vorbilder. Zumindest hätte ich sie gerne als junges Mädchen gehabt. Heldinnen, die wenigstens ein wenig wie ich sind. Einfach um zu sagen, ich bin nicht allein.

Was wäre wenn …?

Was wäre also, wenn wir mehr Realität in die Geschichten holen würden? Wenn wir also mit Menschen in Rollstühlen zu tun hätten? Oder mit Menschen anderer Religionen und Hautfarben? Oder was auch immer?

Vermutlich könnte das geschehen, was Nike Leonhard schreibt. Es könnte die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Thema ablenken. Aber ich behaupte, dass es nicht daran liegt, dass diese Personen zu viel Aufmerksamkeit bekommen, sondern, weil es zu ungewöhnlich ist.

Triffst Du im realen Leben auf Menschen, die nicht dem allgemeinen Standard entspricht, ich bin mir sicher, Du schaust erst einmal genauer hin. Das ist völlig normal. Wir sind solche Bilder nicht gewohnt und es zieht erst einmal unsere Aufmerksamkeit auf solche Personen. Als ich einmal ein Mangamädchen in der U-Bahn getroffen habe, schaute ich auch erst einmal genauer hin. Denn das ist nun wirklich ein Anblick, den man nicht alle Tage erlebt. Doch dann akzeptierte ich es und konzentrierte mich wieder auf meine allgemeine Umgebung (ich wollte ja in die U-Bahn hinein).

Das dürfte vielleicht auch in den Romanen, Filmen und Serien eine Rolle spielen. Wenn wir dort mehr „normale“ Menschen sehen, dann könnte es auch Auswirkungen auf unser empfinden haben. Sehen wir sie regelmäßig, ist es schlichtweg normal. Warum sollte man sich dann noch Gedanken darüber machen?

Daher könnte es sich durchaus empfehlen, mehr Menschen in Deinen Geschichten unterzubringen, die sich von dem weißen, gesunden, heterosexuellen Menschen unterscheiden. Das ist durchaus eine Herausforderung. Aber seien wir doch ehrlich, ist das Leben nicht selbst eine Herausforderung? Und warum sollte ich mich als Autorin davor drücken?

Immerhin spielt die Herausforderung nur auf dem Papier. Mir als Person geschieht dabei nichts. Ich bleibe gesund, weiblich oder männlich und kann trotzdem meinen persönlichen Überzeugungen nachkommen. Aber auf dem Papier, da wage ich es eben, über andere Charaktere zu schreiben. Und ehrlich gesagt wäre das nicht ein wenig interessanter?

Meine Sicht der Dinge

In meinem aktuellen Roman kommen sehr viele PoC vor und eine Frau in einem Rollstuhl. Und es sei angemerkt, sie bleibt auch dort. Warum? Weil es mich durchaus ärgert, wenn in Geschichten immer eine heile Welt nachgestellt wird, die es so eigentlich gar nicht gibt. Es gibt natürlich Geschichten, in denen die Menschen einen eisernen Willen zeigen und tatsächlich den Rollstuhl verlassen können. Darüber will und werde ich nicht urteilen, denn das ist ein Fakt. Aber auf der anderen Seite gibt es Menschen, die das eben nicht können. Auch das ist ein Fakt.

Vor einiger Zeit hab ich eine Reportage über die Gangs in Amerika gesehen. Sie entstanden ganz von selbst ohne den Einfluss von außen. Irgendwann griff die Filmindustrie diese auf und zeigten ihr wahres Gesicht. Dadurch veränderte sich die Wahrnehmung der Menschen auf diese Gangs und auch diese veränderten sich. Und dann zeigten sie letztendlich das Gesicht, was man von ihnen hatte.

Meine Hoffnung ist, wenn wir die Welt zeigen, wie sie sein könnte, dass diese sich auch nach und nach dorthin verändert. Ob das klappt oder nicht, kann ich natürlich nicht sagen. Aber ich finde, wir sollten es einfach ausprobieren. Und zudem, wie ich schon öfters erwähnte, die Welt ist einfach bunt. Warum, bitte schön, sollten wir das nicht einfach mal zeigen?

Abschlussgedanken

Es mag sein, dass jetzt die Argumentation kommt, aber in meiner Geschichte passt kein Charakter von Typ XYZ. Darauf möchte ich entgegnen, dass das reale Leben sich dafür auch nicht interessiert. Dort kann es jederzeit passieren, dass man einen Unfall hat und im Rollstuhl landet. Man kann auch taub, stumm oder blind geboren werden. Weiter kann es passieren, dass man in einem Land geboren wurde, deren Bevölkerung größtenteils eine andere Hautfarbe oder Religion hat, als man selbst.

Das alles gehört zum Leben. Und vielleicht, aber auch nur vielleicht, könnte sich davon auch ein wenig in den zukünftigen Geschichten wiederfinden?

Zumindest würde ich mich sehr darüber freuen.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele