Marketing Buch: Das Klappentext

Hei, hallo und herzlich willkommen,

immerhin haben 33 Prozent der Teilnehmende gesagt, dass bei einem Buchkauf der Klappentext für sie wichtig ist. Und ich bin da völlig dabei. Jedes Mal, wenn ich mich für ein Buch interessiere, weil mich das Cover gefangen hat, kommt als Nächstes der Klappentext. Und da kann man mich als Leserin gewinnen oder verlieren. Andererseits, mit einem Klappentext kann man auch sehr, sehr vieles falsch machen.

Kurze Vorgedanken

Als Indieautorin oder Indieautor ist das Thema Klappentext spätestens dann ein Thema für Dich, wenn Dein Buch fertig ist und Du bereit bist, diesen zu veröffentlichen. Aber wenn Du noch ganz am Anfang bist, also in der groben Planung oder beim Plotten und planen, dann kannst Du Dich auch schon mit diesem Thema beschäftigen.

Dein fertiges Projekt

Bist Du fertig, willst Du es sicherlich richtig präsentieren. Das Cover ist ein erster und wichtiger Anreiz. Das stimmt. Hast Du Deine potenziellen Leserinnen und Leser dazu gebracht, Dein Baby in die Hand zu nehmen oder online anzuklicken, reicht das bei Weitem nicht aus. Du musst sie nun mit Deinem Klappentext überzeugen und dazu verführen, dass sie die ersten drei Seiten lesen (wenn Du erlaubst, in Dein Buch zu schauen). Oder das Buch sofort in den Warenkorb zu legen, um damit zur Kasse zu gehen.

Und dafür hast Du gerade mal 150 bis 200 Wörter Zeit (mehr dazu unten). Länger sollte ein Klappentext nicht sein. Wobei ich hierbei den Klappentext auf dem Rücken Deines Buches meine. Wenn Du ein Umschlag hast, dann kannst Du Dir mehr Zeit bzw. Zeilen nehmen. Das Problem hierbei ist jedoch, wie bringst Du die potenziellen Leserinnen und Leser überhaupt, so weit zu gehen. Sofern Du überhaupt ein Umschlag hast.

Dein Klappentext solltest Du nicht unterschätzen.

Du stehst noch am Anfang

Dir leuchtet sicherlich ein, warum es wichtig ist, am Ende Deines Projektes Dich mit diesem Thema zu beschäftigen. Auch wenn für viele Autorinnen und Autoren das Thema Klappentext ein rotes Tuch ist. Und ich kann es verstehen. Denn ich habe für meine Novelle auch versucht ein Klappentext zu schreiben, es ist nicht leicht. Um es mal nett auszudrücken.

Warum solltest Du Dich gleich am Anfang Deines Projektes dann bitte schön darum bemühen? Einige könnte es entmutigen.

Erst einmal bitte ich Dich, nimm am Anfang Deines Projektes den Klappentext nicht ZU ernst. Das ist nicht Sinn dieses Beitrages. Sinn ist, dass Du eine Orientierung hast, wohin sich genau Dein Roman hinbewegen soll. Wenn Du jetzt schon den roten Faden hast, dann wird es leichter sein, Deine Geschichte zu planen und zu plotten. Und am Ende kannst Du Deinen Klappentext sogar nutzen, um die finale Version zu schreiben.

Deswegen siehe bitte in diesem Stadion den Klappentext als Mittel für Deinen Plot und nicht als Folterinstrument an. Auch wenn es sich sicherlich so anfühlt. Es ist eine Unterstützung. Und er muss noch nicht einmal perfekt sein. Ganz im Gegenteil. Am Ende wirst Du ihn sicherlich noch einmal überarbeiten oder vielleicht sogar völlig neu schreiben. Das ist in Ordnung. Aber nutz ruhig die Möglichkeiten, welche Dir der Klappentext ermöglicht.

Und damit Du weißt, wie man einen schreiben kann, kommen hier meine Vorschläge dazu.

Wie kann ich einen Klappentext schreiben?

Die fünf Elemente in Deinem Klappentext

Gute Klappentexte haben fünf Elemente, mit denen Du die Leserinnen und Leser anziehen kannst. Wenn Du diese Elemente aufführst, kannst Du zugleich Deinen Plot überprüfen, ob Du diesbezüglich an alles Wichtige gedacht hast. Wenn nicht, dann ist es spätestens jetzt Zeit Dich daran zu machen und Dein Plot und Deine Charakterarbeit zu überprüfen. Ein guter Grund, warum Du Dich also schon am Anfang mit Deinem Klappentext beschäftigen kannst.

Doch welche fünf Elemente sind das nun?

Du hast eine Heldin oder einen Helden. Dieser befindet sich in einer Situation, aus dieser will sie oder er sich befreien, um das eigene Ziel zu erreichen. Der Antagonist oder die Antagonistin will unsere Heldin bzw. unseren Helden natürlich davon abhalten dieses Ziel zu erreichen. Sollte unser Antagonist oder unsere Antagonistin gewinnen, endet die Reise für unseren Helden oder unsere Heldin am Ende in einer Katastrophe.

Wenn man das so liest, dann ist dieses Monstrum Klappentext mit einem Mal nicht mehr so monströs, oder? Aber schauen wir uns jedes Element noch einmal in aller Ruhe an. Dann wird dieses ganze Thema noch einmal kleiner und klarer.

Die Heldin oder der Held

Wer ist nun wirklich Deine Heldin oder Dein Held. Diese Frage ist durchaus ernst gemeint. Gerade bei Liebesromanen kann das schon mal ein wenig verwirrend werden. Muss ich beide in meinen Klappentext nehmen, oder reicht nur die Heldin? Und wenn ich einen ganzen Blumenstrauß an Figuren habe, wen muss ich da nun wirklich nehmen? Da nenne ich als Beispiel einen Fantasyroman.

Finde heraus, wer am wichtigsten ist und lasse dann diese Figur am Ende in Deinem Klappentext auftauchen. Alle anderen Figuren sind natürlich auch wichtig, aber Dein Klappentext soll am Ende nicht von Figuren überquellen und Deine Leserinnen und Leser verwirren. Immerhin willst Du sie ja zum Kauf anregen und nicht dazu, dass sie das Buch wieder weglegen.

Die Situation

Am Anfang der Geschichte befindet sich Deine Heldin oder Dein Held in irgendeiner Situation, aus die sie/er sich befreien möchte. Beschreibe sie an dieser Stelle genau, damit ich als Leserin überhaupt Interesse habe, mich näher mit Deiner Geschichte zu beschäftigen. Schau also genau hin, wo sich gerade Deine Hauptfigur befindet und was es mit ihr/ihm macht.

Das Ziel

Deine Hauptfigur hat ein Ziel. Und dieses Ziel hilft ihr oder ihm, sich aus dieser Situation zu befreien. Welches ist dieses Ziel? Es sollte groß genug sein, damit man es nicht ZU leicht erreichen kann. Aber es sollte auch nicht zu groß sein, sodass man es überhaupt nicht erreichen kann oder nur mit einem Trick, der mich als Leserin dann nicht mehr überzeugt.

Und leider gibt es solche Geschichten wirklich.

Die Antagonistin oder der Antagonist

Es gibt immer etwas oder jemanden, die unserer Hauptfigur im Weg steht. In vielen Geschichten ist diese Figur ein Mensch. Das muss aber nicht sein. Als antagonistische Kraft kommen auch gesellschaftliche Konventionen oder Naturkatastrophen in Betracht, um zwei Beispiele zu nennen. Bestimme, wer oder was Deiner Hauptfigur im Weg ist.

Und definiere auch, warum diese Person oder diese Kraft überhaupt will, dass unsere Heldin oder unser Held nicht ans Ziel kommt.

Die Katastrophe

Deine Heldin oder Dein Held erreicht nicht das angestrebte Ziel, um aus der Situation herauszukommen. Was für uns normale Menschen nicht allzu schlimm ist, ist für eine Romanfigur eben eine Katastrophe und muss irgendwelche Konsequenzen haben. Und jetzt stellt sich natürlich die Frage, was ist die Katastrophe für Deine Figur, wenn sie ihr Ziel nicht erreicht?

Bearbeitungstipp

Schreib alle fünf Elemente erst einmal einzeln auf. Wie viele Wörter Du dafür brauchst, ist egal. Es geht um die Grundlage. Wenn Du bei einem oder anderen Punkt stockst oder stolperst, dann hat das vermutlich einen guten Grund. Denn es könnte sein, dass Du hier noch nicht genug weißt. Daher schau Dir die Punkte an und überlege, warum Du da gestockt hast. Weißt Du schon genug oder fehlt noch etwas? Notfalls arbeite genau da noch einmal ordentlich daran.

Noch ein paar Tipps für Dich und Deinem Klappentext

Mit den oben genannten Punkten kannst Du schon einmal einen Klappentext schreiben. Aber vielleicht sagst Du Dir, dass Du gerne noch ein paar Ratschläge hättest. Einfach, um ganz sicher zu sein, dass Du auch alles richtig machst. Oder auch nur deswegen, weil Du eine Initialzündung brauchst, um überhaupt anfangen zu können.

Gut schauen wir mal, ob ich Dir da weiterhelfen kann.

Bring es auf den Punkt

Wie oben schon geschrieben, mehr als 150 bis 200 Wörter sollte Dein Klappentext nicht sein. Das ist schon heftig. Und das gilt für alle Romanlängen. Also, egal ob Dein Roman 100 Seiten oder 1.000 Seiten hat.

Versuche daher Deinen Roman auf einen einzigen Kernsatz zu bringen. Was macht Deine Geschichte aus, warum hast Du Dich entschieden überhaupt diesen Roman zu schreiben?

Ein Beispiel wäre „Der Herr der Ringe“: Frodo Beutlin, ein Hobbit aus dem Auenland, muss seine Heimat verlassen, um den einen Ring zu vernichten. Dabei trifft er auf viele Verbündete und Feinde.

All die liebenswerten Details, welche aus einer einfachen Geschichte das Buch machen, welches wir kennen, gehören hier nicht rein. Sie sind wichtig für die Geschichte, aber nicht für Deinen Klappentext.

Was ist also die Kernaussage Deiner Geschichte?

Aus der Praxis!

Als ich nach der maximalen Wortanzahl für den Klappentext recherchiert habe, erhielt ich die oben genannte Angabe von 150 bis 200 Wörter. Und erst einmal habe ich es so hingekommen, weil ich mir dachte, das ist ja nicht viel. Das kommt gerade so hin.

Pustekuchen!

Als ich meine ersten Klappentexte schrieb, hatte meine erste Version 52 Wörter und die zweite Version 99 Wörter. Und bei der zweiten Version hatte ich das Gefühl, dass da sehr viel BlaBla herauskommt.

Dann habe ich einige Bücher genommen und die Wortanzahl der Klappentexte gezählt. Zwischen 42 und 172 Wörter war alles dabei. Und ich gestehe, da war ich dann doch ein wenig überrascht.

Mein Vorschlag ist daher, wenn Du den Klappentext als Vorübung schreibst, um damit Deine Geschichte zu plotten, kannst Du mehr als 150 Wörter benutzen. Ist das die finale Version, mit der Du am Ende Deine Geschichte bewerben willst, kannst Du unter 150 Wörter bleiben (mit Ausnahmen natürlich).

Was ist die Hauptgeschichte?

„Der Herr der Ringe“ hat viele Nebengeschichten und noch mehr Nebencharaktere (auch wenn andere Geschichten diesen Roman schon lange in den Schatten stellen). Das ist nicht nur bei diesem Roman so, sondern bei so gut wie allen Geschichten (einige Ausnahmen gibt es immer).

Schaue also genau nach, was die Hauptgeschichte Deines Romans ist. Was ist also der Kern Deiner Geschichte? Geht es um Liebe, geht es um die Geschichte einer Auserwählten oder worum genau? Je genauer Du das Benennen kannst, desto eher wirst Du die richtigen Leute anziehen. Denn Du willst ja keine falschen Hoffnungen wecken.

Wenn sie eine bestimmte Geschichte erwarten, dann wollen sie diese auch lesen, eben aufgrund Deines Klappentextes. Und wenn sie enttäuscht werden, kann sich das gelegentlich auch in einer negativen Rezension niederschlagen. Zumindest kann es bedeuten, dass die Leute bei Deinem nächsten Roman durchaus vorsichtiger sind.

Mir ist das jetzt tatsächlich mehrere Male passiert. Der Klappentext bot mir eine wirklich tolle Geschichte. Da dachte ich mir, wenn Du das Buch nicht kaufst, dann verpasst Du etwas. Also hab ich es gekauft. Und hab es bedauert. Denn der Klappentext hat mir mehr verkauft, als es letztendlich halten konnte. Und dementsprechend werde ich tatsächlich gegenüber den Autor*innen vorsichtiger sein. Also werde ich eher dazu neigen, da nicht unbedingt blind das Buch zu kaufen.

Die Zeitform Deines Textes

Egal, in welcher Zeitform Du Deinen Roman schreibst, es gibt die Regel, dass der Klappentext selbst immer in der dritten Person Präsens verfasst wird. Du kannst Dir also vorstellen, dass der Klappentext mit mir als Leserin sprechen soll. Es erzählt mir grob, was der Inhalt ist und will mich zum Kauf ermutigen. Und diese Erzählung geschieht eben in der Gegenwartsform.

Die Sprache des Klappentextes

Idealerweise passt sich die Sprache des Klappentextes Deiner Geschichte an. Wenn Du also ein Kinderbuch geschrieben hast, sollte es natürlich nicht in hochtrabendes Juristendeutsch geschrieben sein. Und wenn Du einen Historical geschrieben hast, warum nicht ein wenig die Sprache der entsprechenden Zeit anpassen?

Hier kannst Du ein wenig spielen und schauen, was letztendlich gut ankommt.

Marketing! Marketing!

Wenn Du Dich entscheidest, Deine Geschichte in einem Verlag zu veröffentlichen, kümmert sich dieser um Deinen Klappentext. In diesem Zusammenhang wäre das also kein Thema für Dich (außer als Vorübung). Wenn Du zu den Indies gehören möchtest, dann kannst Du von den Verlagen lernen.

Dazu gehört unter anderem auch, dass Du gerne Vorabrezensionen nutzen kannst, um Werbung für Dich zu machen. Vielleicht hast Du ja Dein Buch einem großen Rezensionsblog gegeben, damit dieser es sich schon einmal durchlesen kann, um rechtzeitig einen Beitrag darüber zu verfassen. Vielleicht könntest Du auch eine berühmte Kollegin oder einen berühmten Kollegen bitten, ein Kommentar zu Deinem Buch zu verfassen.

Wenn Du solch ein Zitat hast, warum dann nicht nutzen? Das ist durchaus Gold Wert. Jedoch kommt dann die Frage, wie viele Zitate dürfen es denn sein?

Vielleicht hast Du ja schon einmal ein amerikanisches Buch gelesen. Viele von denen fangen mit vielen, teilweise sehr vielen Zitaten an. Das nennt sich „Praise for the Book“, also „Lob für das Buch“. Die amerikanischen Verlage kleckern nicht, sie klotzen. Da kann es schon sein, dass ein oder zwei Seiten voller Zitate von bekannten oder auch weniger bekannten Autorinnen und Autoren dort stehen, die sich das Buch durchgelesen haben. Ich bin sogar der Meinung ein Buch in den Händen gehabt zu haben, wo es vier Seiten gab.

In Deutschland ist man in dieser Hinsicht zurückhaltender. Wenn geklotzt wird, dann übertreibt man schlichtweg. Zumindest sind viele der Meinung, dass man niemals übertreiben darf. Unter gar keinen Umständen. Ein oder zwei Zitate sind genug, manchen ist das schon zu viel. Wenn Du also ein paar Zitate hast, such Dir die aus, die am stärksten für Dich und Deine Geschichte stehen. Oder entscheide Dich dafür, wie bekannt die Verfasserin oder der Verfasser des Zitats ist.

Oder Du wagst es doch zu klotzen.

Wecke Gefühle

Häufig kaufen wir nicht deshalb ein Buch, weil uns der Klappentext von der logischen Seite her überzeugt hat, sondern weil es unsere Gefühlsebene ansprach. Und das ist durchaus ein gutes Mittel für Dich (siehe das Beispiel oben).

Schau Dir noch einmal Deinen Hauptplot an und überlege Dir, welche Adjektive zu dieser Geschichte passen könnte. Denn nicht alle Adjektive passen logischerweise zu allen Arten der Geschichten. Wenn Du gerade gar keine Idee hast, welche Du verwenden könntest, im Internet gibt es genügend Listen mit Adjektiven, die Du durchsuchen kannst. Du wirst in dieser Hinsicht also nicht allein gelassen.

Bei einem Text von 150 Wörtern kannst Du durchaus acht bis zwölf emotionale Adjektive verwenden. Je kürzer Dein Text am Ende werden sollte, desto mehr musst Du auch bei den Adjektiven streichen.

„Ich brauche Hilfe!“

Bevor Du die Flinte in den Korn wirst, weil Du das Gefühl hast, dass da so viel zu beachten gibt, versuche Dich noch heute an den Klappentext zu Deinem Roman. Denn Übung macht die Meisterin und auch den Meister. Wenn Du aber das Gefühl hast, dass Du absolut nicht weiter kommst, keine Sorge. Für den einen oder anderen Euro bekommst Du professionelle Hilfe.

Häufig sind das Leute, die das schon länger machen und durchaus wissen, was sie tun. Setze Dich mit denen in Verbindung und lasse Dir helfen bzw. Dir von denen Deinen Klappentext schreiben. Das kann aber schon um die 100 Euro oder auch mehr an Geld verschlingen. Aber bevor Du einen halb garen Klappentext in die Welt setzt, eventuell wäre diese Hilfe nicht ganz unnütz.

Ansonsten lerne von den Großen. Also von Büchern, die in Deinem Regal stehen und die Du aufgrund der Klappentexte gekauft hast. Warum waren es gerade diese Texte, die Dich angesprochen haben?

Und im Internet gibt es viele Leute, die bereit sind, Dir zu helfen (also Freundschaften, Laien und so weiter). Du bist also nicht alleine auf diesen Weg. Ich würde Dir aber wirklich empfehlen, es erst einmal zu versuchen. Du musst es ja nicht sofort veröffentlichen.

Abschlussgedanken

Der Klappentext kann ein gutes Instrument für die Arbeit an Deinen Roman sein. Und zugleich ist es eines der wichtigsten Marketingmittel, wenn Du Dich dran machst, Werbung für Deine Geschichte zu machen. Denn je besser es ist, desto eher wird es eine Leserin oder Leser auch kaufen, auch wenn diese Person nur zufällig über Deine Geschichte stolpert.

Daher ist es durchaus in Ordnung, wenn Du für diesen wichtigen Punkt die eine oder andere Stunde investierst. Hauptsache das Endergebnis lässt mir als Leserin das Wasser im Mund zusammenlaufen und den Wunsch entstehen, ich muss das Buch unbedingt haben. Unter allen Umständen.

Wenn dann noch Dein Buch überzeugen kann, geschieht es häufig, dass Du Dir so treue Leserinnen und Leser erarbeitest. Und das ist das wichtigste Marketingmittel, was Du haben kannst.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg und noch mehr Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

 

Marketing Buch: Das Cover

Hei, hallo und herzlich willkommen,

bei meiner Umfrage gaben 56 Prozent der Teilnehmenden an, dass sie als erstes auf das Cover achten. Mit anderen Worten, mehr als die Hälfte orientieren sich visuell beim Kauf eines Buches. Wenn ich bei der Umfrage hätte abstimmen können, mein Klick wäre auch beim Cover gelandet. Daher fangen wir die Buchmarketingreihe auch mit dem Cover an.

Zuerst möchte ich kurz mit einigen Vorgedanken zum Thema Cover anfangen. Danach geht es weiter, welche unterschiedlichen Typen es gibt, samt ihrer Vor- und Nachteile. Dann gibt es ein paar Hinweise, was Du beim Coverkauf beachten und wie Du es am besten gestalten lassen kannst.

Vorgedanken

Irgendwann ist es (hoffentlich) soweit. Du hast Deine Geschichte beendet und möchtest es veröffentlichen. Es gehören durchaus noch einige Punkte vor der Veröffentlichung dazu, die noch zu beachten gilt. Die Wahl, ob Du ein Lektorat oder ein Korrektorat möchtest, bei welchen Distributoren Du veröffentlichen möchtest oder auch zu welchem Preis.

Früher oder später kommt dann das Thema Cover auf Deinen Schirm. Und dann heißt es die Qual der Wahl zu haben, was man letztendlich auf dem Buchdeckel packt, um das eigene Baby zu präsentieren.

Wenn ich aber von einem sehr persönlichen Gefühl sprechen darf, dann ist es der, dass in Deutschland sich die Autorinnen und Autoren eher wenig Gedanken um die Hülle gemacht wird. Also um das Cover. Da wird wochenlang, monatelang, manchmal sogar über Jahre hinweg an einer Geschichte geschrieben. Häufig auch Geld dafür ausgegeben (zum Beispiel für Schreibkurse, Programme und was weiß ich) und vor allem viel Zeit investiert. Und dann wird beim Cover gesparrt.

Einige von diesen Autorinnen und Autoren erstellen ihre eigenen Covers. Und für die lohnt es sich. Denn sie können das sehr gut. Sie brauchen keinen professionellen Coverdesigns, weil sie es selbst schaffen. Andere hingegen nehmen ein Bild, am besten aus einer Datenbank, wo sie sich nicht sicher sein können, ob die Quelle wirklich legal ist, klatschen den Namen rauf und fertig.

Und das sieht man diese Covers durchaus an. Oder man gönnt sich durchaus etwas und bezahlt für das Grundlagenbild (zum Beispiel von einer der verschiedenen Bilddatenbanken) und verschandelt es dann mit der eigenen Überarbeitung. Irgendwann schaut man sich dann die Verkaufszahlen an und wundert sich, warum das Buch ein Ladenhüter ist. Natürlich gibt es auch die Profis unter den Autor*innen, die wissen, was sie tun. Aber das sind eher wenige unter uns, die das wirklich können.

Kleiner Hinweis

Bei diesem Beitrag müssen wir jedoch eine Einschränkung machen. Nicht alle Autor*innen können sich ihr Cover selbst aussuchen. Willst Du bei einem großen Verlag unterkommen, musst Du erst einmal damit leben, was für ein Cover Dir präsentiert wird. Natürlich hast Du gewisse Mitsprachemöglichkeiten. Aber in erster Linie entscheidet der Verlag. Und sie meinen, zumindest zu wissen, was sich gut verkauft. Ob das letztendlich stimmt, ist etwas anderes.

Bei kleinen Verlagen oder auch Indie-Verlagen kann das anders aussehen. Hier kommt es auf die Verlagsleitung an. Hier hab ich häufiger gelesen, dass die Autor*innen sehr viel Mitspracherecht haben. Gegebenenfalls darfst Du Dich auch selbst komplett um das Cover kümmern. Da musst Du natürlich mit Deinem Verlag sprechen.

Wenn Du Dich für den Weg des Selfpublishing entscheidest, darfst Du alles machen, was Du willst. Du kannst das Cover selbst basteln oder auch eines kaufen. Du entscheidest, wie es aussieht und wer es für Dich designen darf. Beim Selfpublishing hast Du die größte Freiheit, was dieses Thema betrifft.

Meine persönliche Ansicht zu diesem Thema

Wenn ich in Onlinebuchladen oder auch in realen Buchläden nach Büchern Ausschau halte, gehe ich dabei unterschiedlich vor. Entweder ich suche gezielt nach einem bestimmten Buch oder ich schaue wahllos herum und entdecke dabei durchaus interessante Bücher und kleine Perlen. Am Ende kann es passieren, dass ich dann wieder neue Bücher auf meiner Wunschliste habe, die ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte (oder in meinem Bücherbeutel).

Dabei ist mir irgendwann Mal aufgefallen, nach welchen Kriterien ich online oder in einem Buchladen nach Büchern direkt schaue. Es geht, ganz simpel geschrieben, nach den Covern.

Dein erster Satz kann noch so spannend oder Dein Klappentext noch so gut geschrieben worden sein, wenn Deine potenziellen Leserinnen und Leser nicht zum Buch greifen, liest das niemand. Das bedeutet für Dich also, dass Du sie irgendwie einladen musst, Dein Buch faszinierend zu finden, es anklicken oder hochheben und dann anfangen zu lesen.

Gerade dann, wenn Du ganze Listen durchsuchst (wie es bei Goodreads möglich ist), kannst Du kein Klappentext durchlesen oder die erste Seite. Da ist es zwangsläufig so, dass das Cover hier ein wichtiges Kaufargument wird.

Bewerte nie ein Buch nach dem Cover

Natürlich sollte man das nicht machen. Wie oft habe ich kleine Perlen entdeckt, obwohl das Cover, gelinde gesagt, Schrott war. Natürlich kann auch ein ganz mieses Cover ein Anreiz sein, um zu einem Buch zu greifen. Aber ich würde nicht damit rechnen. Nicht mehr. Da gehört mehr dazu, damit ein schlechtes Cover überzeugen kann.

Denn wir sind alles nur Menschen. Und dementsprechend hat die visuelle Aufnahme ein ordentliches Wörtchen mitzureden. Damit will ich sagen, wenn uns etwas nicht optisch anspricht, dann dürfte es eher wahrscheinlich sein, dass wir nicht zugreifen. Natürlich kann es sein, dass jemand doch das Buch liest und es empfiehlt. Im Thread meiner Umfrage hatte jemand geschrieben, dass er auf Empfehlung auch miesen Covern eine Chance gibt. Das Problem ist nur, jemand muss sich wirklich hinsetzen und der Geschichte eine Chance geben.

Es ist ganz klar, wir haben allesamt einen anderen Geschmack. Aus diesem Grund gibt es verschiedene Arten von Covern, auch wenn sie im gleichen Genre angesiedelt sind. Aber letztendlich kommt es darauf an, dass die Geschichte ordentlich verpackt wurde. In einem ansehnlichen Kleid (also Cover).

Wenn Du die Leute angelockt hast, werden sie mit vielen anderen Themen weitaus gnädiger umgehen. Negative Rezension, vielleicht eine etwas schwache Geschichte, all das können sie verzeihen. Wenn Du ihnen erst einmal die Möglichkeit gibst, Deine Geschichte näher kennenzulernen. Gerade im Internet ist die Hürde mal ein Buch anzuklicken und in eine Leseprobe zu stöbern, weitaus höher (zumal es die nicht immer gibt). Daher ist es umso wichtiger, dass Deine Leserinnen und Leser irgendwie angesprochen werden.

Verschiedene Arten von Covertypen

Ich habe selbst in den letzten Jahren drei Typen von Coverarbeiten festgestellt, die gerne und viel genutzt werden.

Die selbst erstellten

Bei den selbst erstellten, sollte man, meiner Meinung nach, eher vorsichtig sein. Wenn Du selbst Design studierst oder es Dir selbst beigebracht hast, dann leg los. Solange das Ergebnis gut aussieht, ist alles im grünen Bereich. Und warum sollst Du nicht Deine eigenen Covers erstellen?

Ich kann mir gut vorstellen, dass das eine Menge Spaß macht. Und sicherlich ist man am Ende um einiges stolzer auf das eigene Werk, wenn man wirklich alles allein gemacht hat. Und zudem gibt es keine Diskussionen mit den Designerinnen, was Du wirklich haben willst, was machbar ist oder nicht. Du weißt selbst sehr gut, was Du kannst, was Du haben willst und vor allem, wie Du es umsetzen kannst.

Es gibt einige Autor*innen, welche ihre Covers selbst erstellen. Und ich hab keinen Unterschied zwischen ihren und den Covers aus der Designstube gesehen. Wenn Du also mit dem Bildbearbeitungsprogramm umgehen kannst, hab viel Spaß dabei.

Beherrschst Du jedoch nur die Grundlagen eines Bearbeitungsprogramms, ich würde Dir empfehlen, Dir lieber die Hilfe einer guten Designerin oder eines guten Designers zu holen. Oder zumindest einen Kurs besuchen, damit Du Deine Grundlagen ausbauen kannst.

Leider ist es bei einigen Leserinnen und Lesern zwischenzeitlich so, dass sie Bücher mit schlechten Covern schlichtweg nicht mehr ansehen. Das mag ein Vorurteil sein. Denn trotz schlechten Cover kann sich dahinter eine wundervolle Geschichte verbergen. Aber aufgrund vieler Erfahrungen, wo das Gegenteil bewiesen wurde, haben sich einige zur Regel gemacht, solche Bücher nicht mehr zu kaufen.

Und diese Erfahrungswerte haben sich bei anderen Leserinnen und Leser verbreitet, sodass sie ebenfalls solche Bücher nicht kaufen. Auch wenn sie selbst damit keine schlechten Lesegenüsse hatten.

Daher ist es durchaus empfehlenswert, dass Du nicht am falschen Ende sparst. Gönn Dir lieber ein sogenanntes Premade-Cover (siehe bitte weiter unten), wenn Du schon keine Auftragsarbeit haben willst. Aber wenn Du keine Erfahrung in Coverdesign hast, lass es bitte. Tu Dir selbst den Gefallen.

Auftragsarbeiten

Es könnte aber auch sein, dass Du Dir sagst, gut, ich werde nicht selbst mein Cover gestalten, ich beauftrage jemanden damit. Und zwar mit einem ganz individuellem Cover.

Hier kannst Du Dein*e Wunschdesigner*in gerne in den Wahnsinn treiben, mit Deinen Wünschen. Da Du sie beauftragst, wird sie durchaus versuchen, Deine Wünsche zu realisieren. Aber akzeptiere auch, dass sie Dir sagt, was gut ist und was weniger gut ist. Und meistens wissen sie auch, was wirklich gut ankommt und realisiert werden kann. Verliere nicht Deine Vision aus den Augen, aber höre auch auf die Vorschläge Deiner Wunschdesignerin. Vielleicht bekommst Du am Ende ein Cover, von dem Du noch nicht einmal zu träumen gewagt hast.

Von einer Designerin hab ich mal gelesen, dass sie ein Cover nach den Wünschen einer Autorin angefertigt hat. Dabei hatte sie die Autorin mehrere Male darauf hingewiesen, dass das Cover so nicht gut wird. Aber sie fügte sich am Ende den Wünschen, um unnötige Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Am Ende hat sie sich sogar darauf bestanden, dass ihr Name nicht im Buch als Designerin steht. Zwar hat sie dazu nichts gesagt, aber ich kann selbst nur vermuten, dass eine zukünftige Zusammenarbeit nicht gegeben ist. Und soweit sollte es dann doch nicht kommen.

Mache Dir im Vorfeld Gedanken, wie Dein Cover aussehen könnte. Damit geht es schlichtweg schneller und ihr beide müsst nicht von ganz Anfang an zu arbeiten beginnen. Mach Skizzen, wo ungefähr was sein soll. Dafür brauchst Du noch nicht einmal zeichnerisches Talent.

Du kannst Dir auch Covers aus Deinem Genre anschauen und überlegen, was Dir besonders gut gefällt und was Du auf keinen Fall haben willst. Sammel die Covers und zeige sie notfalls als Referenz vor. Gegebenenfalls kannst Du auch fertige Covers von anderen Designer*innen abspeichern, um zu zeigen, was Du gerne hättest. Das mache ich gerade für meine aktuelle Geschichte. Da hab ich auch ein Bild vor Augen und speichere alles, was ich kriegen kann und in die richtige Richtung geht.

Was am Ende herauskommt, werdet ihr dann sehen. Je nach Arbeitsaufwand kann das Cover zwischen einem günstigen Preis bis hin zur Preisexplosion alle Preisklassen haben. Dabei kommt es darauf an, wie viel Zeit investiert werden muss und welche Materialien eingekauft werden (unter anderem eben auch die Stockfotos, Schriftarten und so weiter). Ja, es gibt durchaus die Möglichkeit um die 1.000 EUR für ein einziges Cover zu bezahlen. Nur ist das eher selten die notwendig. Rechne eher mit 200 bis 300 EUR als Durchschnittspreis.

Der Vorteil ist aber definitiv, dass Du ein sehr individuelles Cover bekommst, welche zu Deiner Geschichte passt. Denn hier haben zwei kreative Menschen (mindestens) zusammengearbeitet, um das Beste herauszuzerren. Die Figuren passen zum Roman, der Hintergrund. Alles fügt sich hier harmonisch zusammen.

Premade Covers

Die letzte Möglichkeit, und durchaus auch eine kostengünstige Variante, ist der Kauf eines sogenannten Premade-Covers. Das sind Covers, welche die Designer*innen ohne einen Auftrag erstellt haben, aber der Meinung sind, dass diese durchaus auf ein Buch passen könnte.

Da gibt es noch einen kleinen Unterschied. Viele der Bilder werden mit Stockfotos gemacht. Das bedeutet, dass Dein Cover nicht ganz so individuell ist, wie Du es vielleicht gerne hättest. Zwischenzeitlich hat sich auch der Trend dahin gewandelt, dass viele Premade-Covers mit eigenen Bildern angeboten werden. Das bedeutet, dass Du auch hier einmalige Covers bekommen kannst. Aber das ist nicht immer die Regel (was bei Auftragsarbeiten aber auch gelten kann).

Wenn also ein Cover weg ist, ist damit auch das Bild weg. Denn die Designerinnen garantieren häufig (nicht immer), dass die dazugehörigen Bilder nur einmal verwendet werden.

Und das ist keine schlechte Idee. Momentan sind die Haremsgeschichten sehr beliebt (eine Frau mit mindestens zwei Männer). Mir wurden dann zwei Geschichten dazu angeboten (da ich diese Art von Romanen gerade sehr gerne lese) mit dem fast gleichen Cover. Eine Frau liegt auf den Boden/Bett und hat ihre Arme nach oben ausgestreckt. Links und rechts von ihr hocken zwei Männer, welche sie anstarren. Es ist klar, was gleich passieren soll. Die jeweiligen Romane stammen von zwei verschiedenen Autorinnen und trotzdem sehen sich die Covers so ähnlich aus, dass es verwirren kann. Wenn ich nicht genau hinsehe, dann sind das für mich zwei gleiche Geschichten. Erst bei genaueren hinsehen, kann man erkennen, dass ein Bild etwas herangezoomt wurde. Aber beim Vorbeiscrollen achtet man nicht unbedingt darauf.

Auf Facebook gibt es zwischenzeitlich einige Gruppen, in denen Du diverse Covers und die dazugehörigen Designer*innen findest. Aber auch mit dem Suchbegriff „Premade-Covers“ bei den bekannten Suchmaschinen wirst Du sicherlich fündig werden (gerne alle möglichen Schreibvarianten dazu verwenden).

Wenn Dir ein Cover zusagt, dann kannst Du es, so wie es ist, kaufen. Angepasst werden Titel, eventuell Untertitel und Autorinnenname. Gelegentlich kannst Du auch Änderungen am Cover direkt vornehmen lassen. Das kommt immer auf die Designer*innen selbst an. Gelegentlich verlangen sie für weitere Änderungen auch einen Aufpreis. Wenn Du Dir dabei nicht sicher bist, frag nach. Die Designer*innen, mit denen ich selbst Kontakt hatte, waren sehr freundlich und entgegenkommend. Also keine Sorge, sie beißen nicht.

Premade-Cover haben ihre Vorteile. Sie sind fertig und Du bekommst genau das, was Du im Bild siehst. Das bedeutet, dass Du Dir keine Gedanken machen musst, wie Dein Cover aussehen könnte, ob Du Dich mit der Designerin verständigen kannst und Deine Wünsche gut rüberbringst. Dass alles ist im Grunde genommen erledigt. Denn das Cover ist ja fertig.

Ein weiteres unschlagbares Argument ist eindeutig der Preis. Während Auftragsarbeiten ihren Preis haben, kosten die meisten Premade-Covers um die 100 Euro. Mal mehr und mal weniger. Es kommt immer darauf an, was die Designer*innen investiert haben. Damit meine ich die sogenannten Stockfotos, die ihren Preis haben, dann möglicherweise gekaufte Schriftarten und die Arbeit natürlich.

Ich habe schon sehr gute Coverarbeiten gesehen, die um die 25 Euro kosten. Zwar verlangen ausgebildete Designer*innen durchaus ihr Geld (was ich auch berechtigt finde). Aber ab und an kommen sie Dir preislich auch entgegen, sodass auch der kleine Geldbeutel ein schönes Cover bekommen kann. Wenn Du also noch einen sehr kleinen Geldbeutel hast, kann das für Dich sicherlich interessant sein.

Natürlich sind Premade-Covers auch Werbung für die*den Designer*in. Damit wollen sie zeigen, hei schaut her, so arbeite ich. Es gefällt dir? Dann melde dich bei mir, wir können auch an einem Wunschcover arbeiten.

Lohnen sich Premade-Covers?

Aus meiner Sicht sage ich, ja. Aber das ist jetzt eine Meinung von einer Person, die noch keine Geschichte veröffentlicht hat, aber diese Sache schon länger beobachtet. So habe schon gesehen, dass jemand ein Buch bereits herausbrachte, aber mit dem Cover (Auftragsarbeit) nicht zufrieden war. Dann lief dieser Person das richtige Premade-Cover über den Weg, verliebte sich in das Bild, kaufte es und der Verkauf läuft seitdem besser.

Auf alle Fälle lohnen sich professionelle Covers immer. Da solltest Du nicht sparen.

Und mit diesen Covers sparst Du nicht an Qualität, sondern erst einmal an Geld (die professionellen Covers, die nach Deinem Wunsch hergestellt werden, kannst Du Dir dann auch gerne später holen).

Ich kann Dir jedoch nur empfehlen, Dir nur dann ein Premade-Cover zu kaufen, wenn Du Dir wirklich sicher bist, dass Du die Geschichte auch veröffentlichen möchtest. Wenn nicht, ist das eher Geldverschwendung. Aber wenn Du DEIN Cover gefunden hast, ich werde mir nicht noch einmal die Frage stellen, ob ich es mir kaufen würde. Ich werde es einfach tun. Dazu werde ich Dir natürlich nicht raten, da es auch eine finanzielle Angelegenheit ist. Und das ist eben eine reine Entscheidung, die Du alleine treffen musst.

E-Book vs. Print-Cover

Wenn Du Dir ein Cover kaufst, dann musst Du zwischenzeitlich darauf achten, was es für eines ist. Denn die Designer*innen zeigen meistens ein Cover für E-Books. Aber damit kannst Du noch lange kein Printbuch bestücken. Daher hier einige kleine Hinweise zu dem Unterschied.

E-Book Cover

Wenn man es grob sagen will (und gedanklich bezeichne ich es auch so), dann ist ein E-Book Cover eine Seite, die man auf die Geschichte packt. Das war es. Bei E-Books muss man sich über die Seitenanzahl keine Gedanken machen, da sie alle auf den Reader passen. Hier spielt die Größe auch nur minimal eine Rolle. Die Größe wird erst dann interessant, wenn Du das Cover als Vorschau hochladen möchtest.

Ansonsten ist es nur eine Seite, welche Du vor die Geschichte packst. Hier ist weniger zu beachten. Vertrau hier aber auf alle Fälle Deinen Designer*innen, wenn sie Dir die Vorlagen geben. Notfalls sag ihnen klar, wo Du das Cover alles hochladen möchtest, sodass sie sich darauf einstellen können.

Printcover

Bei einem Printcover musst Du ein wenig mehr beachten. Denn hier benötigst Du nicht nur das, was vorne ist, sondern auch hinten und eben am Rücken. Das bedeutet, dass Dein*e Designer*in ein paar Daten mehr benötigt. Unter anderem die genaue Seitenzahl. Damit berechnet sich auch die Dicke des Buches. Und dafür muss natürlich die Geschichte fertig sein. Und zusätzlich musst Du noch wissen, welche zusätzliche Seiten dazu kommen.

Dazu zähle ich Werbung für andere Romane, welche Du geschrieben hast. Oder von anderen Autor*innen. Oder eine Leseprobe aus einer anderen Geschichte. Was auch immer. Deine Designer*innen sollten wissen, was sie mit diesen Daten anfangen. Daher sprich Dich mit ihnen ab und gib ihnen alle Daten, die sie benötigen. Damit fährst Du sicherer.

Wie Du mit dem Thema Cover umgehen kannst

Meine klare Empfehlung, auch wenn ich mich damit wiederhole, ist: Spare nicht am falschen Ende. Und damit ist hier natürlich das Cover gemeint. Gönne Dir lieber ein individuelles Cover oder zumindest ein Premade-Cover, anstatt Deine potenziellen Leserinnen zu verschrecken.

Vielleicht sagst Du Dir jetzt, Moment mal, ich kann mir beim besten Willen keine 100 oder gar 500 Euro für ein Cover leisten. Dann muss ich es doch selbst machen. Nein, musst Du natürlich nicht. Zum einen gibt es die Möglichkeit, dass Du jetzt, ab heute und sofort anfängst zu sparen. Wenn Du noch beim Schreiben bist, wirst Du sowieso nicht nächste Woche Deinen Roman veröffentlichen. Also hast Du noch ein bisschen Zeit ab sofort jeden Monat zehn oder auch zwanzig Euro zu sparen. Auch wenn Dein Budget eng ist, spare jeden Euro, den Du erübrigen kannst und investiere es in Deine mögliche Zukunft.

Trink lieber zu Hause Deinen Kaffee, als draußen den überteuerten zu kaufen. Schwenk auf E-Books um, anstatt die Printausgaben zu kaufen (manchmal sparst Du nur einen Euro, aber das ist mehr, als wenn Du die Printausgabe kaufst, und kannst diesen in Deine Spardose stecken – Ausnahme ist, wenn Du keinen Reader hast, dann müsstest Du erst einmal investieren). Oder besuche öfters eine Bibliothek. Dort musst Du meistens eine Semestergebühr bezahlen und kannst ansonsten so viele Bücher wie möglich leihen. Mal so als Beispiel.

Ich bin mir sicher, dass Du selbst so viele Spartipps finden kannst, ohne, das Du gleich Dein Leben einschränken musst. Schau einfach nur genauer hin.

Weiterhin gibt es auch die Möglichkeit mit den Designer*innen zu reden. Nicht nur über das Design, sondern auch über eine Ratenzahlung. Ich habe ein Premade-Cover von einer Designerin gekauft, die eigentlich noch nie Ratenzahlungen abgesprochen hatte. Und was war? Sogar sie ist da mitgegangen. Natürlich, letztendlich wollen sie auch mit Dir Geld verdienen. Daher kommen die meisten Dir gerne entgegen. Hauptsache das Geld stimmt am Ende.

Wie könnte Dein Cover aussehen?

Gegenfrage, was hat Dir bei den anderen Covern gefallen bzw. geärgert? Das könnte durchaus ein Maßstab für Dein eigenes Cover sein.

Mich zum Beispiel ärgert es immer, wenn das Bild auf der Geschichte gar nichts mit dem Inhalt zu tun hat. Denn dadurch werden bei mir durchaus gewisse Erwartungen geweckt, welche die Geschichte nicht halten kann. Da kann sogar eine Enttäuschung vorprogrammiert sein.

Tina Folsom hatte mal auf einer LoveLetter Convention gesagt, dass deutsche Covers viel zu kleine Autorinnennamen haben. Sie empfiehlt, dass viel größer zu machen, damit man auch wirklich sieht, mit wem man es zu tun hat.

Natürlich soll das Cover zur Geschichte passen, aber irgendwie auch zum Genre. So hat es sich bei den Romantasygeschichten eingebürgert, auf den Covern immer einen halb nackten Mann zu sehen. Ob das so eine gute Idee ist, sei dahingestellt. Das wäre aber die Ausgangslage. Jetzt stellt sich die Frage, was Du daraus machst.

Wie oben schon geschrieben, lass Dich gerne von anderen Covern inspirieren und schau, was Dir zusagt und was nicht. Kombiniere es dann mit Deinen eigenen Wünschen und dem, was machbar ist. Letzteres wird Dich Dein*e Designer*in sicherlich gerne informieren. Und am Ende kann nur noch was Gutes herauskommen.

Ein paar Hinweise noch

Hier noch einige Hinweise, was Du bei Deinem Cover beachten solltest. Frage nach, sofern es nicht von vornherein klar ist, ob das Cover so noch einmal verkauft wird oder es einmalig bleibt. Gerade darauf solltest Du achten.

Wie oben schon beschrieben, hab ich schon gesehen, dass ein Bild (Stockfoto) auf zwei verschiedene Bücher als Cover verwendet wurde. Die große Gefahr ist hierbei natürlich, dass beide Bücher miteinander verwechselt werden (was mir dann auch passiert ist). Daher könnte es sein, dass die Leute eines der beiden Bücher ignorieren, weil sie glauben, dass sie es gekauft haben. Es mag einigen seltsam kommen, warum ein Buch zwei Mal aufgeführt wird. Aber ich befürchte, die meisten werden diesen Gedanken beiseiteschieben und nicht genauer hinsehen. Und schlimmstenfalls ignorieren sie gerade Deine Geschichte.

Und zudem könnte es Dich einfach nur ärgern, wenn Du Geld für ein Cover ausgegeben hast und jemand andere das gleiche Bild nutzt. Mir ist das passiert, ich hab vor einiger Zeit gesehen, dass ein Bild, was ich als Cover habe, auf ein anderes verwendet wurde und ehrlich gesagt, mich ärgerte es ein wenig.

Erkundige Dich also, ob Dein*e Designer*in das Bild wirklich nur einmalig verwendet hat. Eventuell wäre es daher besser, wenn das Bild selbst erstellt wurde. Sei es als Fotografie oder am PC mit irgendwelchen Programmen. Da musst Du Dir keine Gedanken machen, ob das Bild noch einmal verwendet wird.

Und ich würde Dir auch empfehlen die Printausgabe gleich mit anfertigen zu lassen. Das bedeutet, dass Dein*e Designer*in Dir das Cover so aufbereitet, dass Du es als Vorlage für eine Printversion nutzen kannst. Da die meisten Designer*innen die ganzen Abmessungen kennen und wissen, wie man die Vorlage erstellt, solltest Du es gleich mitbestellen. Auch wenn Du Dir erst einmal überlegst, nur ein E-Book herauszugeben, könnte es sein, dass Du zum Beispiel für Lesungen oder Conventions die Printausgaben drucken lässt. Dann ist es natürlich gut, wenn Du von vornherein die Druckdatei hast. Und sehr häufig ist der Aufpreis eher geringer Natur.

Wenn Du Dein Klappentext fertig hast (lasse es auf alle Fälle vorher von jemandem überprüfen und gegenlesen), dann kannst Du es auch gleich mitgeben, damit dieser eingefügt werden kann. Dann kannst Du theoretisch mit der Veröffentlichung auch schon beginnen.

Sollte es aber noch eine kleine Ewigkeit hin sein bis zu Deiner Veröffentlichung und Du verliebst Dich trotzdem schon jetzt in einem Cover, kein Problem. Mir ist das auch passiert und ich habe sie gekauft. Damit gehören sie mir und ich kann jederzeit die Anpassungen vornehmen lassen. Aber so kann ich auch sicher sein, dass sie niemand anderes hat. Gerade bei individuell aussehenden Covers kann das wichtig sein.

Sparen mag in manchen Bereichen durchaus Sinn machen, aber es heißt ja auch so schön, spare nicht am falschen Ende. Beim Lektorat, Korrektorat und am Cover zu sparen ist definitiv das falsche Ende. Wenn Du noch in der Schreibphase bist, dann fange ab heute an, Geld wegzulegen. Jeden Monat zehn Euro sind durchaus machbar. Innerhalb eines Jahres sind das 120 € und kann schon für ein Cover reichen. Oder für die Anzahlung eines Lektorats (sicherlich werden auch diese mit sich reden lassen bezüglich einer Ratenzahlung, wenn Du höflich bei Deiner Anfrage bleibst).

Ansonsten schau Dich ruhig um. Wie sehen die Covers anderer Romane in Deinem Genre aus? Was steht im Mittelpunkt, was ist drum herum? Und wie darf am Ende Dein Cover aussehen?

Wenn Du möchtest, kannst Du schon mal anfangen zu basteln (werde ruhig kreativ). Bastele Dir Dein Cover und ändere es mit jeder Phase Deines Schreibens. Am Ende kannst Du Deine Ideen auch Deiner Designerin zeigen. Eventuell kann sie damit was anfangen.

Aber auch sonst kann solch ein gebasteltes Cover Deine Motivation steigern. Du hast etwas, worauf Du hinarbeiten kannst. Eben das dieses Cover am Ende auf Deiner Geschichte prangert und in jedem Onlineshop und vielleicht sogar in dem einen oder anderen Buchladen zu finden ist.

Kurzer Hinweis – So etwas wie rechtliche Sachen

Nein, es ist keine Rechtsberatung, da ich keine Anwältin bin. Wenn Du Zweifel hast, frag Dein*e Designer*in oder Dein*e Anwält*in.

Du erwirbst mit dem Kauf eines Covers niemals die Urheberrechte, sondern nur die Nutzungsrechte. Das bedeutet, dass Du nur das Cover dafür verwenden darfst, wofür die Desinger*innen es freigeben. Erkundige Dich genau, wofür Du das Cover alles verwenden darfst. Damit meine ich, darfst Du es für T-Shirts, Tassen oder derartiges verwenden. Wenn ja, dann mach es. Hast Du nicht diese Erlaubnis, dann solltest Du es auch nicht machen. Schlimmstenfalls kriegst Du eine Klage ins Haus.

Erkundige Dich genau, was Du mit dem Cover machen darfst und was nicht. Und wenn Du das Cover auf andere Merchandisingprodukte packen möchtest, erkundige Dich nach dem Preis. Gegebenenfalls lohnt sich der Preis durchaus, dafür zu bezahlen.

Aber noch wichtiger ist, dass Du herausfindest, für wie viele Buchverkäufe Du das Cover verwenden darfst. So hab ich bei einer Desingerin gelesen, dass man maximal 100.000 Bücher mit dem Cover verkaufen darf. Ist man drüber, muss man eine erweiterte Lizenz erwerben.

Mit anderen Worten erkundige Dich, was Du mit dem Cover machen darfst und was nicht. Auf Dauer ersparst Du Dir damit möglichen Ärger.

Abschlussgedanken

Vor etwa zwei Jahren habe ich beobachtet, wie jemand ein Cover in Auftrag gab. Dabei konnte ich die Entstehung, die letztendlich Auswahl und die erneute Veröffentlichung beobachten. Das Cover kostete so um die 400 Euro.

Auf die Frage, ob sich der Preis gelohnt hat, antwortete der Autor, dass er innerhalb von zwei oder drei Wochen diese Summe wieder eingenommen hatte. Für ihn hatte es sich definitiv gelohnt.

Mit anderen Worten, ein gutes Cover lohnt sich immer. Such Dir Deine Lieblingsbücher raus und überleg Dir, sofern Du sie wegen den Covern gekauft hast, warum. Und was von diesem Cover möchtest Du auf Deinem eigenen haben.

Es kann richtig Spaß machen, darüber zu grübeln. Gerade dann, wenn Dein Roman fertig ist. Das bedeutet, dass Du mit großen Schritten auf die Veröffentlichung hinarbeitest. Und das ist doch toll, oder nicht?

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß und noch mehr Kreativität.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

 

Die Arbeit mit den Betas

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

natürlich kannst Du ein Lektorat selbst machen. Besser ist es, wenn Du Dir Unterstützung suchst. Du kannst dafür auf die Alpha-,Beta- und Gammaleser*innen zurückgreifen. Doch vielleicht fragt sich doch die eine oder der andere, was das jetzt genau ist und vor allem, wie man zu guten Testleser*innen wird. Denn das kann durchaus heftig zugehen.

Darüber habe ich einiges recherchiert und mir Gedanken gemacht. Und die möchte ich Dir heute vorstellen.

Kurze Vorgedanken

Gerade Betaleser*innen gehören für viele Autor*innen zum festen Inventar, wenn es um die Überarbeitung ihres Romans geht. Man liest häufig davon, dass Kapitel zu den Betaleser*innen gegangen ist oder man suche welche. Und es gibt Gruppen oder auch Foren für entsprechende Leute.

Diesen Beitrag kannst Du gerne an Deine Betaleser*innen weiterleiten, wenn Du für sie Inspirationen benötigst, wie sie Dir helfen können. Oder für Dich, wenn Du selbst die Möglichkeit hast, andere Werke zu bearbeiten. Und das kann ich Dir nur sehr ans Herz legen. Denn durch die Kritik an anderen Werken lernt man mehr, als beim lesen und bearbeiten von zehn Ratgebern.

Ich selbst unterteile zwischenzeitlich zwischen drei verschiedenen Lesestadien (eben Alpha, Beta und Gamma). Aber hier möchte ich, aus vereinfachenden Gründen, nur die Bezeichnung Betaleser*in verwenden, weil sie schlicht am bekanntesten ist. Trotzdem eignet sich der Beitrag für alle Formen von Lesetypen.

Was genau sind jetzt BetaleserInnen?

Betaleser*innen sind die ersten Kritiker*innen für Deine Geschichte. Sie bekommen von Dir eine Fassung Deines Romans und dürfen sich diesen durchlesen. Jedoch ist das kein reiner Lesespaß für sie. Denn ihre wichtige Aufgabe ist es, kritische Anmerkungen zu Deinem Text zu verfassen.

Das bedeutet, sie sollen Dir nach dem Lesen sagen, was nicht gut war und unbedingt überarbeitet werden muss oder gar, wo die logischen Fehler sind. Aber auch, was Dir wirklich gut gelungen ist. Seien wir ehrlich, nichts ist frustrierender, als wenn man andauernd liest, was schlecht ist. Wohlmöglich über mehrere Seiten hinweig. Daher darf Lob ruhig sein.

Sie sind im Idealfall also die kritischsten Leser*innen, die Du jemals haben wirst. Denn auch wenn Du Leser*innen bekommst, die Dein Werk auseinandernehmen, theoretisch sind Deine Betaleser*innen noch schlimmer. Denn sie suchen wie Adler nach den Fehlern. Und im Idealfall entgeht ihnen nichts.

Brauche ich wirklich Betaleser*innen?

Wie lange, ungefähr, brauchst Du, um Dein Manuskript fertig zu schreiben? Sicherlich schon den einen oder anderen Monat. Und dabei kann es passieren, dass wir einfach betriebsblind werden.

Mit betriebsblind meine ich, dass wir die Dinge nicht mehr so objektiv sehen, wie wir es sehen müssten. Für uns sind die Dinge klar, weil wir ein inneres Bild von den Charakteren oder einer Szene haben. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass dies für die anderen genauso gilt. Zudem sehen wir nicht mehr mögliche Logikfehler, die sich eingeschlichen haben. Es kann sein, dass Du denkst, moment, dass ist gerade unlogisch. Aber diese Momente können schlimmstenfalls immer mehr und mehr abnehmen.

Ein Beispiel: Nehmen wir an, Du hast eine Szene beschrieben, in denen zwei Charaktere miteinander agieren und vor Deinem Auge war das ein leidenschaftlicher Streit, bei dem einer der Charaktere sehr kunstvoll zu Tode gekommen ist. Diese Szene ist vor Deinem inneren Auge so unendlich klar und eindeutig. Das bedeutet aber nicht, dass Du es wirklich so beschrieben hast, dass es auch vor meinem Auge klar wird.

Nein, das hat nicht zu bedeuten, dass Du eine schlechte Schriftstellerin oder ein schlechter Schriftsteller bist. Du hast diese Szene noch nicht DAS Leben eingehaucht, was nötig wäre, um Deine Vision klar zu machen.

Oder Deine Charaktere kommen nicht einheitlich rüber. Wenn sie größtenteils als liebevoll und manierlich daherkommen und einmal sind sie zickig, fällt das auf. Und viele Leser*innen stolpern dort und fragen sich, ob Du als Autor*in Deine Geschichte überhaupt noch unter Kontrolle hattest. Auch da können Deine Betaleser*innen helfen.

Auch bei vielen anderen (logischen) Ungereimtheiten oder gar Fehlern können sie Dir hilfreich zur Seite stehen. Und das gilt nicht nur für Selfpublisher*innen. Auch wenn Du die Arbeit mit einem Verlag anstrebst, solltest Du Dir überlegen, Dein Roman durch den Spießrutenlauf Deiner Betaleser*innen zu jagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass danach Dein Roman besser wird, ist ungemein größer.

Gute Schriftsteller*innen benötigen keine Betaleser*innen

Unglaublich aber wahr, diesen Satz hab ich mal gelesen. Schön wäre es, aber selbst Profis können die Hilfe von Betaleser*innen ruhig annehmen. Und wenn allein ein kruder Satzbau geändert wird, hat sich das Ganze schon gelohnt. Denn auch erfahrene Schrifsteller*innen können sich in einer Vision verlieren und sind dieser nicht so gefolgt, wie sie es gerne hätten.

Das ist alles völlig normal. Und aus diesem Grund ist eine fremde Meinung durchaus gut und sollte willkommen sein. Wenn man sich Hilfe holt, bedeutet das nicht, dass man schlecht ist. Es bedeutet bloß, man hat sich Hilfe geholt. Das ist alles. Man kann einfach nicht in jedem Bereich gut sein. Du bist in einem Bereich gut (hier wohl das Schreiben). Dafür sind andere im korrigieren gut (zum Beispiel der Rechtschreibung).

Im Laufe der Zeit kannst Du Dir einen festen Stamm an Betaleser*innen aufbauen, auf deren Hilfe Du bei jedem Romanprojekt zurückgreifen kannst. Alternativ kannst Du aber auch jedes Mal neue Leser*innen bitten, Dir zu helfen. Beides hat Vor- und Nachteile.

Wenn Du einen festen Stamm hast, brauchst Du nicht jedes Mal aufs Neue nach jemandem zu suchen. Sie kennen Dich und Deine Schwächen nur zu genau. Und da kann auch schon der Nachteil liegen. Wenn sie Dich so gut kennen, dann könnte es sein, dass sie sich auf bestimmte Fehler konzentrieren und alles andere versehentlich übersehen.

Zudem ist es fraglich, ob sie immer Zeit haben, wenn Du deren Hilfe benötigst. Und man kann das auch nicht von ihnen erwarten.

Deine neuen Leser*innen musst Du jedoch immer und immer wieder finden. Da bedeutet, dass Du ein wenig Zeit dafür investieren musst. Jedoch haben sie normalerweise Zeit für Dich, wenn Du deren Hilfe benötigst. Du kannst daraus eine Bewerbung machen und ich behaupte jetzt, dass sich niemand bewirbt, wenn sie oder er für Dich dann keine Zeit hat.

Aber einige müssen sich erst einmal in diese Arbeit hineinversetzen, weil einige noch nie Betaleser*innen waren. Zudem kann es auch Zeit, dass sie die Arbeit unterschätzen und sich nicht an Fristen halten. Doch häufig haben sie einen frischen Blick auf Deine Arbeit und können Dinge mitteilen, an die Du zuvor noch nicht gesehen hast.

Was macht gute Betaleser*innen aus?

Betaleser*innen müssen nicht zwangsläufig Autor*innen sein, auch wenn das durchaus hilfreich ist. Aber nicht jede*r Autor*in ist bereit Deinen Text kritisch auseinanderzunehmen. Denn letztendlich benötigen sie die Zeit auch, um selbst an ihren nächsten Roman zu schreiben. Wenn Du also ein*e Autor*in erwischst, dann Glückwunsch dazu.

Jedoch sollten Deine Betaleser*innen sonst viel lesen. Vor Jahren habe ich mein Buchprojekt an zwei Freunden gegeben, die durchaus gelesen haben, aber nicht so viel, dass man sie als Leseratten bezeichnen kann (auch wenn sich der eine in diese Richtung inzwischen entwickelt hat). Aber von beiden habe ich niemals eine Rückmeldung erhalten. Das spricht für sich. Aber wir sind weiterhin befreundet.

Idealerweise sind Deine Betaleser*nnen auch Deine Zielgruppe. Wenn Du also einen Liebesroman schreibst, der sich an Frauen zwischen 21 bis 49 Jahre richtet, dann wäre es gut, wenn Du aus dieser Gruppe die Betaleserinnen findest. Wenn Dein Roman im Bereich historisch einzuordnen ist, sollten Deine Betaleserinnen auch dort gerne ihre Romane lesen. Und so weiter.

Sie sollten zudem keine Angst haben, Dir Deine Meinung zu sagen. Es gibt Leute, die lieber auf Kuschelkurs gehen, als Dir dann wirklich eine ehrliche Kritik zu liefern. Ganz ehrlich? Verzichte lieber auf solche Leute. Denn sie helfen Dir nicht weiter. Sie sollen Dir wirklich sagen, was Du gut gemacht hast und was nicht.

Aber auf Leute, die Dich regelrecht runterputzen und fertigmachen, würde ich auch ganz klar verzichten. Und ja, es gibt sie wirklich. Von vielen, meist Jungautor*innen, habe ich das schon öfters gelesen. Selbst hatte ich auch schon dieses zweifelhafte Vergnügen. Nicht nur Leser*innen, sondern auch gestandene Autor*innen haben scheinbar eine diabolische Freude daran, andere mit ihrer Kritik zu verunsichern oder gar fertigzumachen. Jeder Fehler wird lang und breit ausgeschlachtet und es gibt nichts, aber auch wirklich rein gar nichts, was ihnen gefällt. Und noch schlimmer, sie attestieren Dir vielleicht sogar noch, dass Du bloß aufhören sollst zu schreiben. Wenige sagen das direkt, andere verhalten sich dabei eher subtil.

Wenn Du das Gefühl hast, dass Du an jemand geraten bist, die oder der auf die oben aufgeführte Beschreibung trifft, trenne Dich von der Person. Notfalls frag bei anderen nach, ob Du zu empfindlich bist, wenn Du das brauchst. Aber lass Dich nicht runterputzen. Dafür ist Deine Geschichte viel zu wichtig. Und vor allem, dafür bist Du zu wichtig.

Wichtig ist auch, dass Deine Betaleser*innen nicht aus Deinem sozialen Umfeld kommen. Meine Mama ist zwar eine sehr kritische Leserin. Und ich traue ihr auch zu, dass sie mir sagt, wenn ihr etwas gefällt und nicht gefällt. Damit mag sie eine Ausnahme sein. Aber viele Eltern, Geschwister oder auch die eigenen Kinder lieben Dich zu sehr, als das sie Dich verletzen wollen. Also heißt es meistens, ja, es war toll, schreib weiter.

Sie dürfen sich gerne am Endergebnis erfreuen, Dich bis dahin unterstützen (und die Wäsche bügeln oder das Essen kochen). Aber bürde ihnen nicht auf, Deine Werke zu kritisieren. Sie werden Dir zuliebe das nicht richtig machen. Daher such Dir Leute aus, die keine Angst haben, ein wenig härter zu sein und Dir ihre ehrliche Meinung sagen.

Wichtig ist jedoch auch, dass Deine Betaleser*innen wissen, was ein gutes Buch wirklich ausmacht. Es kommt nicht immer auf die ganz kleinen Details an, die eventuell wichtig sein könnten. Sondern auf das große Ganze und das alles Hand in Hand greift und funktioniert. Deine Leser*innen haben halt Erfahrungen oder sogar Kenntnisse, was zu einer guten Geschichte gehört. Das ist wichtig, damit sie sich nicht auf jedes noch so kleine Detail stürzen und das kritisieren, aber das große Ganze aus den Augen verlieren.

Weiterhin finde ich es wichtig, dass sie sich nicht sklavisch an den Vorgaben eines guten Textes halten, was wir wohl alle in der Schule gelernt haben. Damit meine ich, dass ein guter Text ja diese oder jene Elemente enthalten muss, damit man eine halbwegs gute Note in Deutsch bekommt. Wichtig ist hier, dass sie einen guten Text erkennen und diesen auch fördern und nicht wollen, dass Du diesen Text genauso schreibst, damit Du eine Eins in der Schule bekommst.

Solltest Du noch ein*e Expert*in unter Deinen Betaleser*innen haben, welche sich auf Deinen Schreibgebiet auskennt, wundervoll. Dann bitte diese Person, sich besonders auf diesem Gebiet umzusehen und Dir Tipps zu geben.

Hier ein kleines Beispiel: Wenn Du über den amerikanischen Bürgerkrieg geschrieben hast, hast Du aller Wahrscheinlichkeit sehr viel recherchiert. Aber es könnte trotzdem sein, dass Du ein Detail nicht richtig dargestellt hast. Da könnte Deine Expertin oder Dein Experte ein Blick darauf werfen und dieses Detail korrigieren. Oder Dir Informationen geben, an die Du nicht gedacht oder die Du einfach nicht gefunden hast.

Solche Betaleser*innen können Deinem Roman noch einmal eine informatorische Tiefe verleihen, an die Du vorher nicht gedacht hast. Wenn Du also Korrekturen oder Vorschläge bekommst, dann überleg Dir, ob Du diese nicht übernehmen möchtest.

Was machen schlechte Betaleser*innen aus?

Schlechte Betaleser*innen gibt es genügend. Und wenn Du viel Glück hast, gerätst Du nicht an diese. Aber es kann immer passieren, dass unter den ganzen Perlen doch jemand dabei ist, bei der oder dem Du Dir denkst, muss das jetzt wirklich sein?

Gerade Leser*innen, welche Dir nicht helfen DEINE Geschichte zu schreiben, sondern Dich überreden oder gar zwingen wollen, dass Du deren Geschichte schreibst, solltest Du meiden. Damit meine ich, dass sie so lange an Deinem Text rummäckeln, bis Du deren Idee umsetzt und Dich dabei mehr und mehr von Deiner Grundidee entfernst.

Das hatte ich vor Jahren mit einer Schreibtrainerin. Wenn ich eine Idee hatte, wurde diese von ihr regelrecht abgeschmettert und sie wollte, dass ich ihre Ideen letztendlich einbaue und umsetze. Es waren halt ihre Ideen und nicht meine. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich bis heute nicht mehr so richtig an meine Geschichte rangekommen bin. Und das ist zwischenzeitlich mehrere Jahre her.

Und natürlich die Runterputzer*innen. Also die Leser*innen, die nichts Besseres zu tun haben, als Dein Werk (und damit letztendlich Dich selbst) fertig und kaputtzumachen. Auch wenn Du um eine ehrliche Meinung bittest, sollten sie so viel Respekt vor Dir und Deiner Arbeit haben, damit sie Dich nicht fertigmachen müssen. Ehrliche Meinung bedeutet eben nicht, dass ein Verriss am Ende steht.

Tipps an die Leser*innen selbst

Nur, weil man selbst viel liest, bedeutet das nicht automatisch, dass man sich automatisch als Betaleser*in eignet. Denn es gibt Bücher und es gibt Bücher. Hier sind ein paar Tipps für Dich, die Dir vielleicht bei der Wahl des Buches helfen, welchen Du gegenlesen sollst.

Lies nur das, was Du auch gerne liest

Wenn Du eine absolute Liebesromanleserin bist, Dir aber Thriller nicht gefallen, lies keine Thriller. So einfach ist das. Was Du nicht magst, brauchst Du auch nicht lesen. Denn Du kennst Dich in diesem Genre nicht aus und weißt daher nicht, was wirklich funktioniert. Zudem wirst Du Dich wahrscheinlich schwertun, überhaupt das Manuskript zu lesen.

Was für eine Kritik sollst Du liefern?

Damit meine ich natürlich nicht, dass Du nur wohlwollende Kritik abzuliefern hast. Sondern frag die Autorin oder den Autor, auf welche Punkte Du genau ein Auge werfen sollst. Ist es eher der Plot, dann konzentriere Dich mehr darauf, als auf die Charakteristik oder den Dialog.

Natürlich darfst Du auch das anmerken, wenn Dir etwas auffällt. Aber wenn der Plot hier wichtiger ist, dann solltest Du hier mehr Energie investieren.

Hier lohnt es sich eventuell einen Feedbackbogen zu erstellen. Schreib auf, worauf Du besonderen Wert legst, worauf sie achten sollen. Das kann ein spezieller Charakter sein oder ob sie herausfinden, wer gemordet hat. Egal was es ist, schreib es auf.

Du schreibst NICHT dieses Buch

Auch wenn es uns manchmal schwerfallen mag, gerade wenn Du selbst eine Geschichte schreibst, so hat die Autorin oder der Autor das Recht, ihre Geschichte nach der eigenen Nase zu schreiben. Denn sie oder er schreibt diesen Roman und nicht Du.

Das bedeutet, dass Du versuchen sollst, den Roman in ihrem/seinen Sinne zu kritisieren. Und nicht so, wie Du es geschrieben hättest.

Dialoge sind besser als Ratschläge

In dem Wort Ratschlag kommt das Wort „Schlag“, also schlagen, vor. Und das kann manchmal sehr unangenehm werden. Aus diesem Grund ist es besser, wenn Du keine Ratschläge erteilst, sondern mit der Autorin / dem Autor in einen Dialog trittst und sagst, was Dir nicht gefällt und was doch.

Sprich mit der Person und warte auf eine Antwort. Reagiere darauf und rede mit ihr oder ihm. Dann habt ihr beide etwas davon.

Sei konstruktiv, nicht befehlend

Das Beste ist immer, wenn Du erklärst, wo man etwas besser machen kann und nicht, wie sie oder er es gefälligst es besser zu schreiben hat. Ihr seit einem Team und wollt zusammenarbeiten. Und das bedeutet auch, dass Du durchaus Vorschläge machen darfst, aber belass es auch dabei.

Nimm Dir Zeit oder sei ehrlich und sag Nein!

Zugegeben, aktuell bin ich eine Betaleserin und eigentlich habe ich keine Zeit dafür. Aber ich werde sie mir jetzt endlich nehmen und dafür Sorgen, dass ich die letzten Kapitel des Romans zu Ende lese.

Es gibt nichts Frustrierenderes, als wenn man auf die Ergebnisse der Kritik wartet. Sei daher zu Dir selbst ehrlich und überprüf Deine Zeiten. Bist Du wirklich in der Lage den Text zu lesen und auch zu kritisieren? Wenn ja, dann mach es. Wenn nein, dann sag es ihr oder ihm ehrlich. Du würdest es gerne machen, aber gerade hast Du keine Zeit dafür. Das ist besser, als etwas halb gares abzugeben.

Gib eine ausführliche Kritik

Am besten in der E-Mail, die Du zurücksendest und im Text selbst. Damit kann man dann am besten etwas anfangen.

15 Fragen für Dich als BetaleserIn

Natürlich gibt es noch viele weitere Fragen, die Du im Hinterkopf behalten kannst und solltest. Aber ich habe irgendwann mal fünfzehn gefunden, mit denen man jeden Text überarbeiten kann.

  1. Hält Dich die Geschichte von Anfang an gefangen? Wenn nein, wo ist das Problem?
  2. Konntest Du Dich von Anfang an leicht orientieren? Dabei geht es um die Fragen des Ortes, der Zeit, wer sind die Held*nnen, was für eine Art Geschichte ist das?
  3. Kannst Du mit den Hauptcharakteren mitfühlen? Fühlst Du ihre Schmerzen, ihr Leid, aber auch ihre Freude und ihr Glück?
  4. Interessiert Dich die Umgebung oder fühlst Du Dich von den Beschreibungen eher gelangweilt?
  5. Welcher Punkt war es, als Du das Gefühl hattest, dass die Geschichte nun wirklich losgeht. Oder wann hattest Du das Interesse an der Geschichte verloren, vor allem daran, was als Nächstes passiert? Was ist da genau passiert?
  6. Gab es irgendwelche Teile, die Dich einfach nur verwirrt haben? Zum Beispiel wegen den Erklärungen, oder haben Dich diese Teile sogar irgendwie frustriert?
  7. Gibt es irgendwelche unlogischen Fehler in der Zeit, am Ort, bei den Charakteren oder irgendwelchen anderen Details?
  8. Sind die Charaktere glaubwürdig? Könnten die Charaktere durchaus weitaus mehr interessanter oder mehr liebevoller sein?
  9. Gab es Momente, wo Dich die Charaktere verwirrt haben? Gab es sogar zu viele Charaktere oder zu wenige? Konntest Du sie alle auseinanderhalten oder waren sie einander zu ähnlich? Könnte eine Namensänderung hier vielleicht helfen? Oder müsste sogar ein Charakter gestrichen werden?
  10. Wie sieht es mit den Dialogen aus? Klingen sie natürlich und interessant? Wenn nicht, was würdest Du daran ändern wollen, damit es so klingt? Mach trotzdem Vorschläge. Und wie sieht es mit Dialekten aus?
  11. Gab es in der Eröffnungsszene zu viele Erklärungen und Ausführungen? Oder vielleicht sogar zu wenig? Wo waren zu viele oder zu wenige Dialoge?
  12. Gab es genügend Konflikte, Spannung und auch Intrigen, um die Spannung zu halten? Wo war es zu wenig?
  13. War das Ende zufriedenstellend und auch glaubwürdig?
  14. Wie sieht es mit der Grammatik aus? (Sofern Du hier helfen kannst, wenn nicht, ist das auch kein Problem.)
  15. Glaubst Du, dass der Schreibstil zum Genre passt? Wenn nicht, warum nicht?

Zu Frage 15 noch ein kleiner Hinweis. Man darf und sollte durchaus neue Wege gehen. Daher sei gerne offen, wenn Du es mit einem Schreibstil zu tun hast, den Du in dem Genre noch nie gelesen hast. Man darf auch gerne abseits der bekannten Wege mal laufen.

Sollte es aber eine sehr zuckersüße mit Blumen verzierte Sprache sein, aber Du hast es mit einem Thriller zu tun, dann denke ich, ist es in Ordnung darauf aufmerksam zu machen.

Abschlussgedanken

Auf beiden Seiten sollte eine Sache immer im Hinterkopf sein, die Person mit gegenüber ist ein Mensch. Und dieser Mensch hat Gefühle und möchte nicht unnötig verletzt werden.

Autor*innen sollten immer wissen, dass sich Betaleser*innen die größte Mühe geben. Aber sie sind nun einmal keine Profilektor*innen, sondern geben ihre persönliche Meinung wieder. Wenn sie mal ein wenig zu streng ausfällt, akzeptiere es, bitte aber gerne das nächste Mal, dass die Kritik durchaus offen und ehrlich sein darf. Aber Du musst Dich nicht runtermachen lassen.

Als Autor*in musst Du früher oder später lernen mit Kritik klarzukommen. Innerhalb der Betalesephase ist der beste Moment um das zu lernen. Daher nutze diese Möglichkeit, um nicht nur Deinen Roman zu verbessern, sondern auch Deine Fähigkeit mit negativen Meinungen umzugehen.

Und denk bitte immer daran, die Betaleser*innen machen diese Arbeit unentgeltlich. Daher ist es immer eine tolle Idee, dass Du Dir was einfallen lässt, um Dich bei ihnen dafür zu bedanken. Ein Freiexemplar ist das Mindeste, was Du ihnen geben solltest. Und natürlich ein Dankeschön im Buch, neben dem persönlichen Dankeschön.

Und ich danke Dir fürs lesen.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Lektorat? Nein danke, das mache ich selbst

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

leider reicht es nicht aus, einfach nur einen Roman zu schreiben, und dann hat sich die Arbeit erledigt. Danach geht diese nämlich erst richtig los. Dabei hat jede Autorin und jeder Autor eine eigene Methode, wie sie oder er mit der Überarbeitung umgeht. Gerade dann, wenn Du für Dich entscheidest, kein Lektorat für Dich in Anspruch zu nehmen. Dann musst Du härter mit Deinem Text ins Gericht gehen, als wenn Du das jemand anderen überlässt.

Daher möchte ich den heutigen Beitrag in zwei Teile aufteilen. Im ersten Beitrag zeige ich Dir, in welchen Phasen Du Dein Romanprojekt einteilen kannst. Und im zweiten gebe ich Dir ein paar Tipps, wie Du den Text überarbeiten kannst.

Kurze Vorgedanken

Über kurz oder lang wirst Du Deine Methode finden, wie Du Deine Geschichten überarbeitest. Das ist ganz normal. Aber es könnte halt sein, dass Du noch gar keine Ideen hast, wie das theoretisch gehen könnte. Wie oft solltest Du Deinen Roman überarbeiten, bevor Du es an eine Lektorin schickst? Oder wann solltest Du fremde LeserInnen bitten, Dir zu helfen? Oder welche Schritte könntest Du vornehmen, bevor Du Deinen Text allein veröffentlichst?

Letztendlich musst Du das für Dich entscheiden. Aber trotzdem kommt hier mein Vorschlag.

Kurze Anmerkung noch, bevor es losgeht: Einige Phasen greifen nahtlos ineinander über. Du wirst sicherlich schon merken, wo Du diese gleichzeitig bearbeiten kannst, auch wenn ich sie hier (zur Übersicht) getrennt aufführe.

Und die Bezeichnungen der Alpha-, Beta- und Omega-Leser*Innen und ihre Erklärungen stammen von mir. Andere werden diese anders bezeichnen (meistens nur Betas) und sie anders definieren. Das ist in Ordnung, für mich werde ich die folgenden Erklärungen verwenden.

Deinen Roman schreiben (Deine erste Fassung)

Dazu muss ich sicherlich nicht viel schreiben. Ohne eine fertige Geschichte kannst Du nichts überarbeiten. Daher meine klare Empfehlung, schreib Deine Geschichte, und das so schnell, wie es Dir nur möglich ist.

Warum?

Eine der Gründe ist einfach, um Dich selbst zu überlisten. Denn je schneller Du die Geschichte geschrieben hast, desto eher bist Du noch geneigt, diese auch zu überarbeiten. Du fühlst Dich nicht von Deinem eigenen Roman gelangweilt, wenn Du über Wochen oder Monate daran arbeitest, einfach weil Du Deine Geschichte so gut kennst.

Angela Knight hatte in ihrem Buch „Passionate Ink“ noch einen sehr guten Hinweis geliefert, wie man garantiert niemals einen Roman veröffentlicht. Und ich muss mir eingestehen, dass ich diesen Fehler auch am Anfang gemacht habe. Der Fehler ist der, dass man einem Kapitel schreibt und diesen dann so lange überarbeitet, bis er scheinbar perfekt ist.

Dabei passiert eben das, was ich oben beschrieben habe. Dadurch wird die eigene Geschichte irgendwann langweilig und man möchte sich nicht mehr damit beschäftigen. Und was passiert? Man fängt einen neuen Roman an und macht dann den gleichen Fehler. Am Ende veröffentlicht man gar nichts.

Wenn Du also Deinen Roman fertig hast, geht es in die Runde der ersten Überarbeitung.

Deine erste Überarbeitung

Wenn Du Deine Geschichte geschrieben hast, geht es an die erste Überarbeitung. Das bedeutet, dass Du hier Deine Geschichte mit Hammer und Säge und Bohrmaschine gerade rückst. Sämtliche Plotlöcher sollen jetzt gestopft werden, unsinnige Sätze gestrichen und Dopplungen gelöscht werden. Es geht hierbei erst einmal darum, dass Du eine Fassung hast, über die Du glücklich bist und zu Dir sagen kannst, ja, das gefällt mir.

Das bedeutet nicht, dass Dein Text perfekt ist. Aber Du kommst diesem durchaus näher. Denn mit dieser Version hast Du dann eine Grundlage, mit der Du arbeiten kannst, um sie auch anderen zu geben.

Meine Empfehlung für die zweite Fassung ist ganz klar, halte Dich an der Geschichte auf, nicht an anderen Dingen wie der Rechtschreibung oder der Recherche. Das alles ist wichtig, keine Frage, aber nicht jetzt. Wenn Du merkst, dass Du noch etwas recherchieren musst, notiere es Dir an der entsprechenden Stelle in einer sehr auffälligen Farbe. Und dann mach weiter.

Es geht hierbei darum, dass Du mit der zweiten Fassung fertig wirst. Hierbei kannst Du Dir auch ein wenig Zeit lassen, sodass Du am Ende wirklich eine Geschichte hast, die nur noch den letzten Feinschliff braucht.

Deine zweite Überarbeitung

Wenn Du dann die erste Überarbeitung fertig hast, geht es darum, dass Du Dich nun um kleinere Details kümmerst. Also, welche Fragen sind noch offen, was musst Du noch recherchieren und was will noch eingefügt werden.

Falls Du Dich um eine schwierige Szene gedrückt hast, ist jetzt die Zeit. Entweder Du schmeißt die Szene komplett raus oder schreibst sie endlich. Jetzt ist keine Zeit mehr, sich davor zu drücken. Deine Geschichte will erzählt werden, also, erzähl sie.

Jetzt ist es auch Zeit, dass Du Dich um Deine Rechtschreibung kümmerst (so gut es Dir persönlich möglich ist) oder auch um Füllwörter. Schau nach, welche Formulierung Dir gefällt und schreib den Text so, dass Du am Ende damit zufrieden bist. Hier geht es als um den Text.

Such auch nach Schwächen im Text. Wo benutzt Du zu viele passive Formulierungen, die nicht passen. Oder wo könntest Du Infodump rausschmeißen. Tu an dieser Stelle so, als würdest Du den Text so überarbeiten wollen, dass Du ihn veröffentlichen könntest. Dass es dem nicht so ist, ist eine andere Sache.

Deine Alpha-Leser*Innen

Jetzt musst Du ganz mutig sein. Und zwar richtig. Denn nun wird es Zeit, dass Du Dir einige Leser*Innen suchst (sofern Du es nicht bereits getan hast), denen Du auch Dein Manuskript zusendest. Wie viele es sind, das ist Dir selbst überlassen. Meine Empfehlung ist, mindestens drei Personen bzw. eine ungerade Zahl.

Der Grund ist einfach. Wenn eine Person sagt, dass ihr eine Szene gefällt und die andere hingegen, dass diese rausgeschmissen werden soll, kann die dritte Person letztendlich die Entscheidung herbeiführen. Ist die Szene gut oder nicht? Wenn Dir die Szene gefällt und zwei Personen sie ebenfalls mögen, hast Du eine entsprechende emotionale Rückendeckung.

Das bedeutet nicht, dass die dritte Person unrecht hat. Ihr gefällt die Szene nicht. Damit musst Du rechnen. Lies Dir ihre Argumente durch, warum sie die Szene nicht mag und überleg, was Du davon übernehmen willst oder nicht.

Eines solltest Du immer bedenken. Es ist Deine Geschichte, also entscheidest auch letztendlich Du, was Du von den Kritiken übernimmst und was nicht.

Deine dritte Überarbeitung

In der dritten Überarbeitung arbeitest Du dann die Punkte, welche Deine Alpha-Leser*Innen Dir mitgeteilt haben (und Du für gut befunden hast) in Dein Manuskript ein. Beide Punkte können durchaus parallel laufen, sodass Du nicht zu viel Zeit verlierst.

Und zudem kannst Du Dich auch jetzt schon auf die Suche nach Deiner Lektorin machen (vorausgesetzt natürlich, dass Du eine haben möchtest). Frag ruhig in den sozialen Medien nach, wer da so infrage kommt. Such dann die Internetseiten heraus und schau sie Dir an. Gefällt Dir deren Auftritt und was sagt Dein Bauchgefühl?

Da Du einer wildfremden Person Deine Geschichte anvertraust, sollte natürlich ein gewisses Vertrauen da sein. Daher entscheide Dich nicht zu schnell für jemanden, mit der oder dem Du am Ende vielleicht noch nicht einmal glücklich wirst.

Gegebenenfalls vertrau der Person einige Seiten für ein Probelektorat an. Wenn Kosten auf Dich zukommen, ich würd Dir empfehlen, diese zu tragen. Lieber vorher ein wenig Geld ausgeben, als am Ende viel zu verlieren und ein halb gares Etwas in den Händen halten, dass man nicht ein lektoriertes Manuskript bezeichnen kann.

Dein Lektorat – Optional
(gilt nur dann, wenn Du eines haben möchtest, ich führe es hier vollständigerweise auf)

Dann ist es so weit. Du hast Dich hoffentlich für eine Lektorin entschieden und die Angelegenheit mit dem Preis und der Zahlung ist auch geklärt. Dann schick ihr nun Dein geliebtes Manuskript zu. Je nachdem, was ihr ausgemacht habt, dauert es nun natürlich seine Zeit, bis Du Dein Manuskript zurückbekommst.

In der Zwischenzeit würde ich Dir nicht empfehlen, an Dein Manuskript weiterzuarbeiten. Akzeptiere, dass Du jetzt keine Kontrolle mehr darüber hast. Jetzt ist jemand anderes dran und wird Dir hoffentlich zeigen, was Du nun besser machen kannst.

Eventuell wäre jetzt der beste Zeitpunkt, um am nächsten Manuskript zu arbeiten. Sei es am Plot oder das Du den Roman schreibst. Oder Du machst ein paar Tage Urlaub. Was auch immer, genieß die Zeit, so gut es Dir eben möglich ist.

Deine vierte Überarbeitung

Wenn Du das Ergebnis Deiner Lektorin zurückbekommst, kann es sein, dass Du sehr viel Buntes siehst. Das habe ich schon öfters von Autor*Innen gelesen, dass sie dann vor lauter Schreck erst einmal die Datei zugemacht haben. Und auch als mein Probelektorat zurückkam, musste ich schlucken. Denn so gut wie überall war irgendetwas markiert und eine Notiz hinterlassen.

Das ist durchaus verständlich. Denn wir sehen Lektor*innen als Profis an, die wissen, was sie tun (oder es zumindest sollten). Und dann kommt genau solch eine Person daher und sagt uns, was an unserem eigentlich doch so genialen Werk nun auf einmal nicht ganz so perfekt ist. Das kann erst einmal wehtun.

Wenn Du den ersten Schrecken überstanden hast, schau Dir die Kommentare in aller Ruhe an. Viele Lektor*innen schreiben nicht nur auf, was sie schlecht fanden, sondern auch, was sie als gut empfunden haben. Daher lies Dir die ersten Kommentare durch und arbeite die ein, welche Dir zusagen. Alle anderen kannst Du dann einfach ignorieren.

Denk daran, es ist Dein Buch. Und Du entscheidest, wie sich Deine Geschichte ändert. Hör ruhig auf Dein*e Lektor*in, aber auch auf Dein Gefühl. Zu dritt werdet ihr aus der Geschichte das Beste herausholen.

Deine Beta-Leser*innen

Wenn Du es geschafft und alle Anmerkungen eingearbeitet hast, dann kannst Du Dich beglückwünschen. Denn der Löwinnenanteil an der Arbeit ist jetzt erledigt. Trotzdem würde ich selbst jetzt noch zu den Betaleser*innen greifen.

Sie machen noch einmal die Arbeit der Alphaleser*innen. Da aber das Buch mindestens zwei Profidurchgänge hinter sich hat (den der Alphaleser*innen und eben den der*s Lektor*in), sollte es hier nun um einiges schneller gehen.

Deine Betaleser*innen sollen im Grunde genommen auf zwei Dinge achten:

  1. Ist nun der Roman sauber überarbeitet, und zwar so, dass sie den auch lesen würden, wenn er nicht von Dir ist (also in einer Buchhandlung stehen würde)?
    Wenn nicht, was soll, derer Meinung nach, noch geändert werden? Oder wo hapert es noch?
  2. Idealerweise ist mindestens eine Person dabei, die absolut sicher in der deutschen Rechtschreibung ist und nun so gut wie alle Fehler auslöscht, die sich noch eingeschlichen haben.
    Zwar korrigiert ein*e Lektor*in durchaus Rechtschreibfehler. Aber häufig ignoriert sie*r diese auch, da es sich hierbei um Extrakosten handelt. Und wenn Du sie nicht bezahlt hast, sollte das jemand anderes übernehmen. Zudem gibt es noch das Problem der Betriebsblindheit. Irgendwann sieht man die Fehler einfach nicht mehr und dann rutschen sie durch.

Deine Betaleser*innen können sehr gerne die Gleichen sein, wie Deine Alphaleser*innen. Die kennst Du letztendlich schon und weißt, wie sie arbeiten. Solltest Du andere wollen, dann kümmere Dich rechtzeitig darum, dass Du da jemanden findest. Vielleicht schon dann, wenn Dein Roman im Lektorat ist.

Deine fünfte Überarbeitung

Immer dann, wenn Du etwas von Deinen Betaleser*innen zurückbekommst, arbeitest Du die Rückmeldungen (gerade die Korrekturen zu Rechtschreibfehlern) in Dein Manuskript ein.

Meine Empfehlung ist, während Du über die Meinung Deiner Betaleser*innen gerne diskutieren kannst, gilt dies nicht für die Korrektur der Rechtschreibfehler. Wenn Du Dir sicher bist, dass Dein*e Leser*innen davon Ahnung haben, vertrau ihnen und korrigiere Deinen Text. Denn Leser*innen können sehr grausam sein, wenn sie auch nur einen Rechtschreibfehler finden. Daher ist es besser, wenn Du Dich darum besonders kümmerst.

Dein Korrektorat

Wenn Du kein Lektorat möchtest, ist das in Ordnung. Meine Empfehlung ist aber, dass Du niemals auf ein Korrektorat verzichten solltest. Das bedeutet, dass Du jemanden dafür bezahlst. Deine Betaleserin kann da eine Expertin drin sein, aber eine Korrektorin kümmert sich nicht nur darum.

Sie schaut sich auch noch einmal den Satzbau an und versucht noch einmal das Beste aus Deinem Text herauszukitzeln, sodass Du den perfekten Text am Ende bekommst. Solltest Du eine*n hervorragende*n Betaleser*in haben, dann kannst Du Dir überlegen diesen Punkt zu überspringen. Aber gerade bei der Erstveröffentlichung würde ich Dir schon empfehlen, zumindest darüber nachzudenken. Denn es heißt nicht umsonst, der erste Eindruck zählt.

Deine sechste Überarbeitung

Hier geht es wieder darum, dass alle Änderungsvorschläge Deines Korrektorats einzuarbeiten. Im Idealfall waren das nicht viele, geh aber hier gerne gewissenhaft vor und schau, was für Änderungen sie*r Dir vorgeschlagen hat. Und dann sieh weiter, was Du davon übernehmen willst.

Wie geschrieben, bei Rechtschreibfehlern würde ich keine Kompromisse machen, bei dem Satzbau können wir gerne darüber diskutieren.

Deine Omega-Leser*innen

Die Bezeichnung Omegaleser*in stammt von mir und ich sehe sie als die letzten Leser*innen, welche mein Werk dann noch einmal in die Hand bekommen. Sie sollen noch einmal drüber schauen, ob wirklich alles in Ordnung ist oder sich der eine letzte Rechtschreibfehler eingeschlichen hat. Oder was auch immer sein könnte, dass am Ende quer im Lesefluss liegt.

Meine Empfehlung ist, dass es Personen sind, die zuvor noch nie Dein Werk in den Händen gehalten haben. Die sind frisch, unvoreingenommen und kennen die vorherigen Fassungen nicht. Sie sollen einfach nur lesen, wie gut das Buch ist und ob Du es danach veröffentlichen kannst.

Deine letzte Fassung

Jetzt lies noch einmal selbst über Deine Geschichte und schau nach, ob sie Dir wirklich gefällt oder Du noch den einen oder anderen Satz ändern möchtest. Setz Dir hier eine Deadline, damit Du es nicht übertreibst. Sorg dafür, dass Du vielleicht maximal eine Woche daran arbeitest und danach wird Deine Geschichte veröffentlicht. Ende der Diskussion 🙂

Tipps für die Überarbeitung

Es gibt einige Tipps, wie Du Dein Text überarbeiten kannst, damit es am Ende so professionell aussieht, dass man zumindest meinen mag, es habe ein Lektorat gesehen. Wichtig ist, sei kritisch gegenüber Dein Text. Du darfst es lieben, aber das bedeutet, dass Du notfalls alles streichen musst, was Deinem Text nicht guttut. Auch wenn es toll klingt.

Legen wir also los.

Dateiformatierung

Ob Du das als Erstes macht oder als Letztes, ist egal. Wichtig ist, dass die Datei Veröffentlichungsreif gemacht wird. Das gilt für den Abstand, Schrifttyp und so weiter. Informier Dich zum Thema Normseite und richte Deine Datei entsprechend ein.

Starker Anfang

Bisher habe ich einige Texte gegenlesen dürfen. Und mir ist aufgefallen, dass einige einen Fehler haben. Und zwar, dass sie mit sehr viel Infodump starten. Das bremst Dein Text völlig aus. Und aus der Sicht einer Leserin kann ich Dir garantieren, dass ich nicht weitergelesen hätte, wenn ich nicht darum gebeten wurde. Bei dem einen oder anderen Text hab ich mich sogar gequält weiterzulesen. Nur, um dann positiv überrascht zu werden.

Natürlich ist es wichtig, dass jede Seite stark ist. Jeder Satz sollte die Geschichte weiterbringen und jeder Dialog gut sein. Aber gerade am Anfang finde ich persönlich wichtig, dass man Spaß hat, weiterzulesen. Wenn aber immer und immer und immer und immer wieder irgendwelche Erklärtexte eingebaut werden, warum sollte ich weiterlesen?

Versuch das zu meiden. Kenne ich die Charaktere, bin ich selbst gegenüber Erklärtexten gnädiger eingestimmt.

Zeigen oder beschreiben (Show vs tell)

Sicherlich kennst Du das Schlagwort Show Don’t Tell. Das bedeutet, dass Du alles zeigen sollst, was Deine Charaktere erleben und nicht erklären. Er fühlte sich schlecht, wäre ein tell. Dass er sich gerade übergeben hat, zeigt, dass es ihm schlecht geht. Um ein Beispiel zu nennen.

Jedoch kann man nicht immer alles zeigen. Wenn Deine Figuren zehn Jahre lang durch das All gereist sind und nichts erlebt haben, ist hier ein Tell durchaus angebracht. Erklär mir in einem Absatz oder, von mir aus, in einem Kapitel, was in den zehn Jahren passierte. Und dann geht es mit der Geschichte weiter. Hier ein Show anzubieten, wäre Wahnsinn.

Überprüf also genau, wo Du mir als Leserin etwas zeigen kannst und wo Du doch nur beschreiben solltest. Und dann ändere diese Textstellen in Deinem Manuskript.

Laut vorlesen

Während ein Text im Kopf logisch klingt, kann es anders sein, wenn Du es laut vorliest. Da kann sich ein vermeintlich toller Satz auf einmal ziemlich schräg anhören. Daher lies Deinen Text ruhig laut vor und überprüf, wie sich dieser anhört.

Kleine Alternative für Technikfreaks: Es gibt dafür auch Programme. Du fügst Deinen Text ein und dann liest eine vorher festgelegte Stimme (meistens bei kostenfreien Programmen) oder eine ausgewählte Stimme (bei kostenpflichtigen Programme) den Text vor. Dann kannst Du Dich auf die Überarbeitung konzentrieren und jemand anderes macht für Dich die Arbeit.

Wenn Du Dich dafür interessierst, dann kann ich Dir nur eine Suche bei diversen Onlinehändlern oder Deiner Lieblingssuchemaschine empfehlen. Es gibt da wirklich sehr viel zur Auswahl.

Sagen oder nicht sagen?

Wie leitet man ein Dialog ein oder beendet diesen? Darüber scheiden sich die Geister. Darf man sagen benutzen? Oder ist das zu viel? Sollte man Abwechslungen einbauen oder soll man das flüstern, das betteln oder was auch immer herauslesen?

Du wirst hier auf verschiedene Meinungen stoßen. Die einen sind der Meinung, dass sagen völlig ausreicht. Die anderen hingegen nicht. Schau genau hin, was Dir zusagt und wozu Du stehst. Und dann ändere das in Deiner Geschichte.

Vorsicht bei den Beschreibungen

Man kann Beschreibungen untertreiben, indem man nichts beschreibt. Das ist definitiv nicht gut. Man kann es auch übertreiben, indem man jedes Staubkorn erwähnt. Besonders dann, wenn dieses Staubkorn keine relevante Bedeutung für die Geschichte hat. Überprüf also genau, welche Beschreibungen Du in Deiner Geschichte hast und überarbeite sie gegebenenfalls noch einmal.

Vorsicht: Adverb!

Adverben ist ein Thema für sich. Die einen verwenden sie zu oft und die anderen wissen noch nicht einmal genau, was das ist. Daher meine Empfehlung, informier Dich, was Adverben sind (und ja, das meine ich ernst), wenn Du nicht weißt, was das ist. Und dann überprüf Deinen Text daraufhin, diese zu löschen und durch stärkere Wörter auszutauschen.

Aktiv vs. passiv

Wenn jemand beißt oder gebissen wird, da ist ein gewaltiger Unterschied. Achte daher darauf, dass Du dann immer aktive Sätze und Beschreibungen einbaust, wo es notwendig ist. Es kann ja auch sein, dass man ein passiver Satzbau wichtig ist, um zu zeigen, dass der Charakter eben nicht aktiv ist. Da ist es in Ordnung. Ansonsten sind aktive Sätze immer ein Gewinn für Deine Geschichte.

Die liebe Rechtschreibung

Natürlich ist es wichtig, sich mit der Rechtschreibung auseinanderzusetzen. Wenn Du nicht zu den Rechtschreibkönig*innen gehörst, dann ist hier Hilfe notwendig. Es gibt Programme, die Du dafür benutzen kannst. Notfalls kauf sie Dir und arbeite mit denen. Hier ist es auch wichtig, dass andere darüber schauen, die sicherer in der Rechtschreibung sind.

Über den Geschmack einer Geschichte kann man streiten und wird auch häufig gestritten. Aber noch nie habe ich von jemanden gelesen, dass sie*r sich über Rechtschreibfehler gefreut hat. Da kommst Du also nicht drum herum, Dich damit zu beschäftigen.

Arbeite mit Menschen zusammen, denen Du vertrauen kannst

Damit meine ich nicht nur, dass sie Dir nicht Deine Geschichte klauen. Sondern, dass sie Dich respektieren und Dein bestes wollen. Von einigen habe ich schon gehört, dass ihre Schreibfreundschaften sie solange manipulieren wollten, bis sie deren Geschichte schreiben sollten. Das ist nie gut. Es ist Deine Geschichte und nicht deren.

Such Dir Autor*innen, mit denen Du darüber reden kannst. Und idealerweise könnte ihr euch auch austauschen.

Wo bleiben die Inhalte?

Wo bleiben die Figuren? Der Plot? Und diese Dinge? Natürlich kannst und sollst Du auch diese Punkte überarbeiten. Schau genau hin, handeln Deine Figuren durchgehend einheitlich? Ist jeder rote Faden abgeschlossen? Das alles gehört ebenfalls zu der Überarbeitung einer Geschichte.

Abschlussgedanken

Niemand hat behauptet, dass die Überarbeitung eines Manuskripts einfach ist. Du musst Dich dahinter setzen und hart daran arbeiten. Aber auf alle Fälle lohnt es sich, weil Du am Ende ein Ergebnis in den Händen hältst. Und hoffentlich auch eines, worauf Du stolz sein kannst.

In dem Sinne, viel Erfolg bei Deiner Überarbeitung und alles Liebe

Deine frau schreibseele

Lektorat: Ja oder Nein

Märzbeiträge

Hei, hallo und herzlich willkommen,

jede Geschichte braucht ein Lektorat, bevor man diese veröffentlicht. Gerade dann, wenn man nicht in einem Verlag veröffentlicht und daher das Lektorat quasi gratis dazu bekommt. Zumindest hieß das bisher so. Doch stimmt das? Darüber möchte ich heute mit Dir diskutieren. Wobei ich vorab erwähnen möchte, dass der Beitrag sehr subjektiv ist.

Eine kurze Definition: Was ist ein Lektorat?

Um zu klären, ob man ein Lektorat braucht, möchte ich erst einmal kurz erklären, was das überhaupt ist. Ein Lektorat ist eine Überarbeitung Deiner Geschichte. Dazu gehören zum Beispiel Plotlöcher, Fehler in den Charakteren und weitere Schwächen. Es kann auch sein, dass Dir empfohlen wird etwas früher zu erwähnen oder später. Oder es wird ein ganzer Kapitel umgestellt und so weiter.

Idealerweise ist am Ende Deine Geschichte besser als vorher. Denn irgendwann sehen wir nicht mehr die Schwächen unserer eigenen Geschichte und denken, dass alles, was wir geschrieben haben, sinnig und gut ist (mehr oder weniger). Daher ist es gut, wenn eine neutrale Person drauf schaut und Dir sagt, wo man es doch besser machen kann. Dafür benötigst Du eine Lektorin und durchaus ein wenig mehr Geld. Denn ein Lektorat kann durchaus zwischen fünfhundert und tausend Euro kosten. Rechne mit einem durchschnittlichen Preis von 5 Euro pro Normseite.

Ein Korrektorat wird im Lektorat nicht vorgenommen. Viele sind zwar nett und weisen Dich auf Rechtschreibfehler hin, aber das ist nicht deren Aufgabe.

Ein Korrektorat hat nämlich nichts mit einem Lektorat zu tun. Hier wird noch einmal über Rechtschreibfehler, Satzbau und Ähnliches drüber geschaut. Manchmal wird Dir auch empfohlen, einen Satz anders zu schreiben, um eine bessere Wirkung zu bekommen. Aber auf den Inhalt wird da nicht eingegangen. Außer Du hast jemand ganz liebes und weißt Dich auf Fehler hin. Das liegt aber dann an der Person.

Welche Ausbildung hat eine Lektorin?

Um eine Lektorin zu werden, musst man weder studiert oder eine Ausbildung absolviert haben. Denn Lektorat bzw. Lektorin ist kein geschützter Begriff. Das bedeutet, dass sich jede und jeder sofort Lektorin bzw. Lektor nennen kann, wer dazu Lust hat. Ja, auch Du darfst das, wenn Du willst. Das ist aber auch eine Sache, was bei vielen negativ aufstößt.

Idealerweise weiß aber eine Lektorin, was zu tun ist. Das bedeutet, dass sie etwas Literarisches studiert hat, zum Beispiel Germanistik. Und zudem sollte sie auch eine Menge lesen, und wenn es ganz gut kommt, dann schreibt sie auch selbst Geschichten. Damit kennt sie die Grundlagen eines Romans besser, als wenn sie nur die Angelegenheit aus der Theorie kennt. Aber das ist keine Muss-Bedingung, sondern eine Kann-Bedingung.

Die Grundlage der Diskussion

Doch warum gibt es jetzt eine Diskussion zum Thema Lektorat? Das hat etwas mit dem Beitrag der Autorin Anja Bagus zu tun. Kurz geschrieben, sie erklärte, warum sie kein Lektorat in Anspruch nehmen möchte und nennt dafür auch ihre Gründe.

Als Reaktion darauf erklärte die Autorin Vera Nentwich, warum ein Lektorat doch wichtig ist. Zumindest aus ihrer Sicht. Aber auch andere Lektorinnen haben ihre Meinung dazu kundgetan (dazu gab es vor zwei Jahren eine Seite, die zwischenzeitlich leider verschwunden ist, schade). Und wenige schreiben sogar pro und kontra Beiträge dazu.

Natürlich verteidigen beide Seiten mit guten Argumenten ihre Sicht der Dinge und man kann sie verstehen, wenn man sich mit der Angelegenheit eingehend beschäftigt. Aber darum geht es nicht, denn es geht um Deine ganz persönliche Entscheidung, wie Du an diese Sache herangehst.

Im Folgenden möchte ich Dir mögliche Argumente geben, die für ein Lektorat oder auch dagegen sprechen.

Zum Beitrag selbst

Im Folgenden werde ich die häufigsten Punkte zum Lektorat aufführen und aus der Sicht einer fiktiven Autorin und einer fiktiven Lektorin beantworten. Zumindest so, wie ich es mir denke und wie ich es häufig im Internet gelesen und auch in Gesprächen mit anderen Autor*innen erfahren habe. Dabei ist trotzdem alles fiktional und teilweise sehr überspitzt. Zudem sind die meine beiden Damen auch Fähnchen im Wind. Das bedeutet, dass sie ihre Meinung regelmäßig der Frage anpassen.

Wie geschrieben, die Antworten sind überspitzt, entsprechen nicht alle meiner persönlichen Meinung, auch wenn ich in der Ich-Version schreibe.

Argumentation zum Lektorat

Frage: „Warum sollte ich ein Lektorat in Anspruch nehmen?“

Aus der Sicht der Lektorin …

„Als Lektorin ist es meine Aufgabe, das Beste in dem Text einer Autorin zu suchen, zu finden und zu bergen. Ich will der Autorin helfen, den bestmöglichsten Text, die bestmöglichste Geschichte zu schreiben, die man aus dem Rohmaterial, welches ich bekommen, schaffen kann.

Autor*innen sind durchaus in der Lage gute bis sehr gute Texte zu schreiben. Aber irgendwann werden sie betriebsblind und können nicht mehr sehen, wo man noch den Text verbessern kann. Gerade wenn sie schon einige Male über ihre Geschichte gelesen und diesen schon einige Male überarbeitet haben.

Da kommen wir ins Spiel und helfen den Autor*innen bei ihrer Arbeit. Wir schauen aus einer neutralen Perspektive auf die Geschichte, welche Familie und Freunde niemals einnehmen können. Denn als Lektorin bin ich nicht emotional mit der*m Autor*in verbunden. Sie*Er ist mein*e Auftraggeber*in, und ich versuche diesen Auftrag so gut wie nur möglich abzuschließen. Und daher gebe ich mein Bestes bei meiner Arbeit.“

Aus der Sicht der Autorin …

„Als Autorin gebe ich mir alle Mühe, meine tollste, schönste und beste Geschichte zu schreiben, zu der ich gerade in der Lage bin. Mir ist aber bewusst, dass ich als Erstautorin da sicherlich noch ein wenig Hilfe benötigen kann.

Natürlich hole ich mir vorher durchaus Hilfe von Familie und Freunden, auch wenn ich weiß, dass ich ihre Ratschläge nicht zu sehr vertrauen sollte. Weiterhin suche ich mir auch ein*e Beta-Leser*in, damit sie mir hilft, weitere inhaltliche Fehler zu finden und mitsamt den Rechtschreibfehlern die Geschichte zu verbessern.

Mir ist aber bewusst, dass eine Lektorin, die schon entsprechende Erfahrung in dieser Arbeit hat, hier unverzichtbar ist. Denn sie hat viele Romane nicht nur gelesen, sondern auch lektoriert und damit gesehen, was gut ankommt und wie ich auch auf dem Markt bestehen kann. Das ist mir als angehende Autorin wichtig.“

Welche Leistungen kann ein Lektorat bringen?

Aus der Sicht der Lektorin …

„Als Lektorin versuche ich natürlich, jedes Plotloch zu stopfen und glaubwürdige Charaktere zu erschaffen. Weiter gehört es zu meinen Aufgaben, einen guten Satzbau und die Grammatik zu überprüfen. Wobei ich jedoch immer empfehle, noch ein Korrektorat dazu zu buchen. Denn auch wir werden irgendwann einmal betriebsblind und sehen dann viele Fehler nicht mehr. Denn unser Gehirn sagt, dass der Satz oder das Wort richtig ist, auch wenn es so nicht stimmt.

Mein Ziel ist es am Ende, dass der bestmöglichste Text veröffentlicht werden kann, den es gibt.

Weiterhin kann ich auch auf unlogische Sätze hinweisen, Bandwurmsätze oder auch unglaubwürdige Handlungen, Wendungen oder Situationen. Alles, was man als Autorin irgendwann nicht mehr sieht.“

Aus der Sicht der Autorin …

„Sicherheit. Ich denke, Sicherheit ist hier ein gutes Stichwort. Denn woher soll ich als Autorin, gerade mit einer Erstveröffentlichung wissen, was gut ist, was gut ankommt und wo ich selbst noch Fehler gemacht habe?

Da bietet sich ein Lektorat an, um mir die Sicherheit zu geben, damit ich weiß, was ich tun kann und was nicht. Denn ich will ja nicht, dass mein Erstlingswerk auch mein Letztes ist, weil die Leute mich am Ende meiden.“

Welche Kosten können entstehen?

Aus der Sicht der Lektorin …

„Jedes Lektorat ist absolut individuell. So kann ein Roman auf meinem Tisch landen, der kaum, bis gar keine Arbeit benötigt. Da ist es nur natürlich, dass ich nicht so viel berechne. Doch dann kommt ein Buch auf meinem Tisch, der nur so von Fehlern strotzt. Dafür benötige ich mehr Zeit, mehr Aufmerksamkeit und am Ende kann das natürlich teuer werden.

Daher ist es nicht möglich zu sagen, wie viel letztendlich ein Lektorat kosten kann. Das ist absolut individuell zu sehen.“

Aus der Sicht der Autorin …

„Das ist der ärgerliche Teil an der ganzen Geschichte. Ich kann grob sagen, wie viel mich ein Cover kostet. Oder auch die Zeit, die ich mit dem Schreiben verbringe. Oder auch meine Werbematerialien. Aber ich kann nicht damit rechnen, wie viel mich so ein Lektorat kostet. Da fällt es mir schon schwer, die Kosten zu kalkulieren und zu sparen.

Wenn es wenigstens eine grobe Orientierung haben könnte, wäre das schon einmal. Aber selbst das bieten nur wenige Internetseiten an. Ich soll anfragen. Schön. Da würde ich schon gerne vorher eine grobe Orientierung haben.

Von zehn Lektorinnen bieten vielleicht die Hälfte eine Preisorientierung an, die ich so im Internet gefunden habe. Und bisher habe ich nur einen einzigen Anbieter entdeckt, die klar benennen, was sie kosten.“

Lektorinnen arbeiten nicht gut

Aus der Sicht der Lektorin …

„Natürlich sind nicht alle Lektorinnen gut, leider. Aber wer sich beim „Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren“ umschaut, findet dort Kolleginnen und Kollegen, denen man durchaus vertrauen kann. In dieser Hinsicht wird man nicht allein gelassen.

Und natürlich kann man sich auch mit anderen Autor*innen über Empfehlungen unterhalten. Es gibt also genügend Möglichkeiten herauszufinden, wer gut ist und wer nicht. Man wird da nicht allein gelassen, außer man will sich nicht erkundigen.“

Aus der Sicht der Autorin …

„Klar gibt es durchaus gute Lektorinnen. Darüber muss man wohl nicht diskutieren. Aber gleichzeitig gibt es genügend Lektorinnen, die nicht die Geschichte im Fokus haben, sondern ihr eigenes Ego. Und daraus soll am Ende eine gute Geschichte werden? Ich glaube weniger.

Da ja jede sich Lektorin bezeichnen darf, die darauf Lust hat, kann man da wirklich nicht wissen, ob man jemand wirklich Gutes erwischt. Und dann ist das Geld auch schon futsch und ich sitze da und muss zusehen, wie ich dann zu einem wirklich guten Lektorat komme.“

Natürlich sind das nur exemplarische Punkte. Aber ich denke, Du hast ein Gefühl dafür bekommen, welche Gedanken dazu führen können, sich für oder gegen ein Lektorat zu entscheiden.

Achtung! Horrorgeschichten!

Wenn Du Dich mit anderen Autor*innen unterhältst, dann wirst Du früher oder später auf die eine oder andere Horrorgeschichte aus dem Lektorat stoßen. Die wohl berühmteste Geschichte dürfte von Joanne K. Rowling stammen. Vielleicht kennst Du aus dem ersten Buch die Szene auf der Mädchentoilette. Hermine Granger versteckte sich dort und der Troll, der in das Schloss eingedrungen war, kehrte dort ein und griff Hermine an. Harry Potter und Ron Weasley kamen ihr zur Hilfe. Der Rest ist bekanntlich Geschichte.

Rowling musste um diese Szene kämpfen, da ansonsten das Lektorat diese gerne rausgeschmissen hätte.

Aber auch von anderen habe ich schon gehört, dass sie Probleme mit ihrem Lektorat hatten. So haben sie den Text nicht wirklich überarbeitet oder nur die Hälfte der zugestandenen Leistung erbracht.

Das kann durchaus passieren. Da ich noch zum Thema „Arbeit mit einem Lektorat“ noch einmal drauf näher eingehen werde, möchte ich das Thema erst einmal anschneiden. Lass Dich von solchen Geschichten nicht abschrecken, wenn Du Dich für ein Lektorat entscheidest. Recherchier erst einmal über die Person und ihre Arbeitsweise. Nutze ein Probelektorat. Und vor allem, hör auf Dein Bauchgefühl.

Warum solltest Du ein Lektorat in Anspruch nehmen?

Es sprechen durchaus Punkte für ein Lektorat. Dazu gehören unter anderem, dass Du teilweise nicht in der Lage bist, die ganzen Fehler in Deiner Geschichte zu erkennen. Denn ich kenne mich diesbezüglich. Ich liebe meine Geschichten und natürlich sind sie für mich perfekt. Daher werde ich nicht unbedingt alle Schwächen sehen, die meine Geschichte letztendlich unleserlich machen könnten. Aus diesem Grund ist es schon gut, wenn mir jemand über die Schulter schaut und sagt, was ich besser machen kann, was gut ist und wo ich die Wahl habe, was ich lassen und was ich ändern könnte.

Und die meisten Lektor*innen haben dafür einen Blick. Immerhin haben gute Lektor*innen damit Erfahrungen gesammelt. Idealerweise mit mehr als nur einem Buch. Daher darf man durchaus erwarten, dass sie wissen, was sie tun. Und dieses Wissen kannst Du Dir jederzeit zunutze machen und damit Deinen Roman verbessern, wenn nicht sogar retten. Wer weiß das schon.

Lektor*innen arbeiten idealerweise nicht nur mit der einen oder anderen Person gelegentlich zusammen. Sondern mit verschiedenen Autor*innen, sowohl im Selfpublishing als auch mit Verlagsautor*innen (sofern sie Selfpublishingautor*innen nicht von vornherein ablehnen, was vorkommt). Dadurch haben sie einen Einblick mit einer Vielzahl von Arbeiten. Aber es ist besser, wenn sie in einen oder wenigen Genres arbeiten. Denn dadurch haben sie einen Einblick in das Genre und wissen, worauf es ankommt.

Ich habe mir einige Internetseiten von Lektor*innen angesehen. Und diese haben sich auf wenige Genres konzentriert. Gleichzeitig haben sie auch die Genres aufgelistet, die sie nicht bearbeiten oder lektorieren möchten. Dadurch kannst Du noch am ehesten herausfinden, mit wem Du, zumindest theoretisch arbeiten könntest.

Aber natürlich ist nicht alles gut, was Lektorat heißt. Denn häufig habe ich bei Facebook gelesen, dass manche einfach nur gut in der Rechtschreibung sind und ein wenig Erfahrung in dieser Arbeit haben. Und schon nennen sie sich Lektor*innen. Das ist das Problem, dass die Bezeichnung Lektorat nicht geschützt ist. Wie oben erwähnt, wir alle könnten uns heute noch ein Bild auf unsere Internetseite packen und sofort die Leistung eines Lektorats anbieten.

In wiefern die Qualität hier gegeben ist, kann ich selbst nicht beurteilen. Einige scheinen gut zu sein, da sie sehr viel Lob erhalten. Zugleich sind ihre professionelle Kolleg*innen auch nicht immer besser als sie. Ich lese so oft negative Geschichten mit Lektor*innen, dass man sich schon fragt, was da hinter den Kulissen abgeht.

Gute Lektor*innen geben Dir letztendlich nur Vorschläge, wie Du Deine Geschichte am Ende besser schreiben kannst. Sie schreiben Dir nicht vor, wie Du Deinen Roman zu verändern hast, sondern sagen Dir, wie Du das Beste aus der Geschichte herausholst.

Zu diesem Thema werde ich mich aber noch einmal gesondert äußern.

Abschlussgedanken – Deine Entscheidung

Letztendlich kann Dir niemand die Entscheidung abnehmen, ob Du ein Lektorat in Anspruch nimmst oder nicht. Es kann eine finanzielle Entscheidung sein, eine persönliche, man könnte sogar sagen, im kleinen Rahmen eine politische. Bei Kurzgeschichten entscheiden sich zum Beispiele viele gegen ein Lektorat. Gerade dann, wenn sie die Geschichte kostenfrei abgeben. Da würden die Kosten den Nutzen vermutlich sprengen.

Wenn Du gute Betaleser*innen hast, kann das durchaus ein Lektorat ersetzen. Aber natürlich ist es auch wichtig, die Richtigen zu finden. Und das ist manchmal genauso schwierig, wie ein gutes Lektorat zu finden.

Entscheidest Du Dich gegen ein Lektorat, dann solltest Du auf alle Fälle mit entsprechendem Gegenwind rechnen. Das ist leider ein Fakt. Denn viele halten Dich prinzipiell für ein*e schlechte*n Autor*in, nur weil Du kein Lektorat in Anspruch genommen hast. Dabei ist es denen egal, wie gut oder wie schlecht Dein Buch ist. Haben sie erfahren, dass Du eben kein lektoriertes Buch veröffentlicht hast, bist Du unten. Und zwar aus Prinzip.

Und wenn Du ein Lektorat in Anspruch genommen hast, dann ist das leider nicht immer eine Garantie, dass die Arbeit danach perfekt ist. Denn auch sie können den einen oder anderen Fehler übersehen, weil sie diesen nicht wahrgenommen haben. Oder Du könntest den Vorschlag nicht angenommen haben, den Du bekommen hast. Es gibt so viele Gründe, warum ein Lektorat nie eine Garantie für ein gutes Buch ist.

Zudem, wie oft habe ich Verlagsbücher gelesen, wo ich mich gefragt habe, wie das Buch durch das Lektorat gekommen ist. Denn häufig entdecke ich Schwächen in der Geschichte, die man ohne weiteres hätte ausbessern können. Doch dies wurde nicht getan.

Egal wie Du Dich entscheidest, mach Dir Gedanken darum, wieso Du so entschieden hast, und steh dazu. Das kann ich Dir nur empfehlen. Alles andere liegt an Dir. Und niemand sonst sollte Dir da reinreden.

Bei Deiner Entscheidung wünsche ich Dir viel Glück.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Schlüsselelemente, damit Deine Kurzgeschichte erfolgreich schreiben kannst

Januarbeiträge:

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wir wollen ja nicht nur eine Kurzgeschichte schreiben. Sondern wir wollen sicherlich auch gute Geschichten schreiben, zumindest wäre das mein persönlicher Ansporn. Daher habe ich einige Elemente für Dich aufgelistet, womit wir dieses Ziel erreichen können, eine erfolgreiche Kurzgeschichte schreiben.

1. Tauche gleich in den Konflikt ein

Bei Romanen hast Du Zeit den Konflikt ein wenig vorzubereiten. Je nach Länge der Geschichte kann die Vorbereitung durchaus auch mehrere Kapitel oder mehrere Hundert Seiten umfassen. Bei Kurzgeschichten hast Du weder die Zeit noch den Platz dafür. Denn in kürzester Zeit muss der Konflikt aufgezeigt werden und vor allem, muss er auch gelöst werden. Manchmal hast Du für eine Kurzgeschichte gerade mal 10.000 Zeichen (nicht Wörter) Zeit, um die Geschichte erzählen.

Je kürzer die Geschichte wird, desto schneller musst Du in den Konflikt eintauchen. Also fang am besten gleich von Anfang an damit an.

2. Erzähle, was wirklich wichtig ist – alles andere bleibt bitte weg

Deine Hauptfigur ist mit sieben Jahren in sieben verschiedenen Brunnen gefallen und hat sich dabei sieben verschiedene Knochen gebrochen? Und das ist überhaupt nicht wichtig für die Geschichte? Mag sein, dass es witzig ist, aber solange es nicht wichtig ist, brauchst Du es nicht zu erwähnen.

Führ nur Dinge in Deiner Kurzgeschichte auf, die wirklich wichtig sind. Das gilt sowohl für Verhaltensweisen als auch für die Hintergrundgeschichte. Ist etwas wichtig, führe es ein, und zwar so, dass man damit arbeiten kann. Ist es nicht wichtig, kannst Du es lediglich für Dich notieren. Aber belaste die Geschichte nicht damit. Du hast sowieso nicht viel Platz. Dann lass alles Unwichtige draußen. Das erleichtert das Schreiben und vor allem das Lesen.

Das Notieren kannst Du deswegen vornehmen, weil Du das vielleicht für eine spätere Geschichte gebrauchen könntest. Vergessen würde ich es also nicht.

3. Übertreibe es nicht mit Deiner künstlerischen Ader

Natürlich möchten wir unseren Leserinnen und Lesern zeigen, dass wir wundervoll mit den Worten umgehen können. Ihnen zeigen, dass eine Beschreibung mehr ist, als nur aneinandergereihte Wörter. Wir wollen ihnen zeigen, wozu wir wirklich in der Lage sind.

Bedauerlicherweise geht bei dieser künstlerischen Ader die Geschichte häufig verloren. Denn es wird häufig zu sehr auf die Wortwahl als auf die Geschichte geachtet. Und letztendlich wollen die meisten Leserinnen und Leser nicht die Evolution eines Schmetterlings in den buntesten Wörtern lesen, sie wollen eine gute Kurzgeschichte lesen.

Konzentriere Dich erst einmal auf die Geschichte. Sie ist wichtig. Was willst Du mit ihr sagen? Wen willst Du erreichen? Natürlich kannst Du Dich auch sprachlich austoben. In der Überarbeitung kannst Du diese ganzen Sachen dann ausbügeln und dann die Geschichte schreiben. Sie steht im Fokus Deiner Arbeit.

4. Arbeite effizient – besonders am Höhepunkt

Wie die Bezeichnung schon sagt, sind Kurzgeschichten eben kurz. Das bedeutet, dass Du keine Zeit für ewig lange Ausführungen der Einleitung hast, ewig lange Szenen schreiben kannst oder unnötige Bandwurmsätze. Und wenn, dann sollte alles einen gewissen Sinn haben (Bandwurmsätze können theoretisch durchaus in Ordnung gehen).

Jeder Absatz, jede Szene, jeder einzelne Satz sollte Deine Geschichte zum Höhepunkt transportieren. Wenn das nicht passiert, ist es Zeit, dass Du diese Elemente entweder überarbeitest oder schlichtweg löscht. Was nicht der Geschichte dient (das gilt sowohl für Romane, als auch eben für Kurzgeschichten), fliegt konsequent raus.

Es gibt den Spruch Kill Your Darlings. Auch wenn Dir ein Satz oder eine Idee gut gefällt, trägt diese nicht dazu bei, dass Deine Geschichte effizient zum Höhepunkt gebracht wird, ist sie nicht tragbar. Schneide sie aus und speichere Dir diese Sachen ab. Vielleicht kannst Du sie in einer anderen Geschichte gebrauchen. In dieser Kurzgeschichte haben diese Elemente jedoch nichts zu tun.

5. Sorge für ein sauberes Ende

Sorge für ein gutes Ende, das zu der Geschichte passt. Sei ruhig kreativ, vertraue aber Deiner Geschichte und dem dazugehörigen Ende. Das bedeutet also auch, dass Du nicht zu überambitioniert sein solltest. Wenn Deine Geschichte ein leises Ende braucht, Du aber ein regelrechtes Feuerwerk loslassen möchtest, lass es. Deine Geschichte weiß schon, warum es ein leises Ende haben möchte.

Genauso wie ein extrem kreatives Ende, welches nur zeigen soll, wie gut Du als Autorin oder als Autor bist. Wenn es nicht passt, dann schreibe es nicht. Manchmal ist ein solides Ende einer Geschichte das Beste. Denn sie wirken nicht gekünstelt und reißen somit mich als Leserin nicht aus dem Lesefluss heraus. Wenn ich am Ende dasitze und mich frage, was die Autorin oder der Autor mir mit dem Ende sagen will, haben sie mich verloren. Und das ist keine gute Idee.

Abschlussworte

Es sind eigentlich keine großen Punkte, die Dir helfen, dass eine Kurzgeschichte wirklich gut wird. Denn letztendlich sind sie allesamt in sich logisch. Doch kann es durchaus schnell passieren, dass man diese im Eifer des Gefechtes diese schlichtweg vergisst. Man möchte zeigen, was man kann, man möchte unbedingt eine wichtige Hintergrundinformation einbauen, auch wenn sie nicht wichtig ist und diese Punkte.

Du kannst natürlich erst einmal Deine Kurzgeschichte so schreiben, wie Du es gerne möchtest. Leg los und hab Spaß dabei. In der Überarbeitung solltest Du Dich dann darauf konzentrieren, dass die Geschichte gut und vor allem lesbar wird.

Und dabei wünsche ich Dir viel Spaß und viel Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

7 Stufen zu einer Kurzgeschichte

Januarbeiträge:

Hei, hallo und herzlich willkommen,

bisher haben wir uns eher darüber unterhalten, wieso Du eine Kurzgeschichte schreiben solltest und wie viele Szenen sie enthalten sollte. Nun werden wir endlich aktiv, spitzen die Stifte und lernen eine mögliche Grundlage, wie man eine Kurzgeschichte schreiben kann. Dabei gehe ich erst einmal auf die theoretischen Grundlagen ein (einmal sieben Schritte) und dann, wie Du tatsächlich eine Kurzgeschichte schreiben kannst (noch einmal sieben Schritte).

Kurze Vorgedanken zu den ersten sieben Schritten

Wer einen Roman schreibt, braucht eine Menge Talent. Wer eine Kurzgeschichte schreiben will, noch um einiges mehr. Denn hier muss nicht nur jeder Satz sitzen, sondern wirklich jedes Wort. Darüber hatte ich schon öfters geschrieben.

Ich kenne viele Leute, die immer wieder berichten, dass der Roman „Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien teilweise unnötige Längen hat. Der Autor beschrieb (um es ein wenig zu übertreiben), wie das Gras einmal nach rechts wedelte, dann nach links, um dann wieder nach rechts zu wedeln. Heutzutage ist das in Romanen schon nicht mehr möglich, weil die Leute keine Zeit mehr haben (oder der Meinung sind, nicht mehr die Zeit dafür zu haben), solche Längen zu lesen. In Kurzgeschichten hattest Du nie die Zeit, solche Szenen einzubauen. Außer sie haben für die Geschichte einen Nutzen.

Vorbereitung fürs Schreiben

Egal ob Du Deine Kurzgeschichte an einem Tag oder in einer Woche schreibst, ein wenig Vorbereitung wird ihr sicherlich von nutzen sein. Daher überlegen wir uns, was Du brauchst.

  • Zeit
    Durchschnittlich ist eine Kurzgeschichte um die 10.000 Zeichen lang (jeder Buchstabe, jedes Satzzeichen und jede Leerstelle ist ein Zeichen). Man kann grob sagen, dass es um die 5.000 bis 6.000 Wörter ist, die Du dafür also verwenden kannst.
    Je nachdem wie schnell Du schreibst, kann das Schreiben allein um die drei Stunden dauern (allein das Schreiben). Mit der Überarbeitung, der Recherche und vielem mehr, steigt natürlich die Zeit.
  • Idee
    Wenn Du Dich an einen der vielen Ausschreibungen orientierst, die es im Internet gibt, musst Du gar nicht selbst eine Idee für Deine Geschichte ausdenken. Ansonsten kannst Du entweder die Geschichten aus Deinem Fundus nehmen oder jetzt Deiner Kreativität freiem Lauf lassen.
    Kleiner Hinweis: Du kannst die Ausschreibung als Inspirationsquelle benutzen und mit deren Hilfe Deine Kurzgeschichte schreiben. Ändere nur ein paar Punkte (zumindest würde ich es empfehlen), damit am Ende etwas Eigenständiges herauskommt.
  • Utensilien
    Egal ob Du mit Laptop, am Computer oder mit der Hand schreiben willst. Hier geht es um die entsprechende Entscheidung dafür. Genauso wie die Entscheidung für Dein Programm. Entweder ein Schreibprogramm wie Scrivener oder einfach Word.

1. Stufe: Schreibe die Geschichte in einem Zug

Jetzt wirst Du Dich fragen, was das bitte schön soll. Im Grunde genommen hast Du noch nichts in der Hand, sollst aber jetzt schon die komplette Geschichte schreiben.

Es ist halt so, dass es hierbei darum geht, eine Geschichte so zu erzählen, wie Du sie einer Freundin oder einem Freund erzählen würdest. Du sitzt also mit dieser Person in einem Café oder in einer Bar und erzählst, was Dir letztens Kurioses passiert ist. Gut, in dieser Geschichte könnten dann Drachen oder Weltraumschlachten vorgehen, aber das ist nebensächlich.

Und sicherlich würdest Du die Geschichte nicht mittendrin beim Schreiben abbrechen und dann erst am nächsten Tag weitererzählen, oder? Also schreibe die Geschichte auf, und zwar in einem Zug durch. Und zwar so, wie Du sie erzählen würdest. Es kann also auch gerne passieren, dass Du zwischen den Szenen hin- und herspringst.

Mach Dir bitte keine Gedanken, dass sie vielleicht krumm und schief am Ende ist. Das ist egal. Immerhin sind wir gerade mal bei der ersten Stufe.

2. Stufe: Finde Deine Heldin / Deinen Helden

Jetzt hast Du die erste Fassung Deiner Geschichte geschrieben. Atme einmal tief durch und schau Dir an, was Du geschaffen hast. Am besten Du trittst emotional einen Schritt zurück und versucht so neutral wie nur möglich die Figuren und den Handlungsverlauf zu betrachten.

Nun überprüf alle Figuren darauf, ob sie sich als Heldin bzw. als Held für Deine Geschichte eignen (mit Heldin / Held meine ich nicht unbedingt die strahlende Figur, die man sich unter dieser Bezeichnung vorstellen mag, es geht also hierbei um die Figur, welche die Geschichte erzählt).

Vielleicht springt Dir eine Figur regelrecht ins Auge und Du sagst Dir, das kann nur die Heldin oder der Held sein. Sei aber trotzdem kritisch und betrachte alle anderen Figuren auf ihr Potenzial. Zwar kann es sein, dass Du eine bestimmte Figur im Kopf hattest, als Du die Geschichte aufgeschrieben hast. Aber manchmal passiert es, dass sich beim Schreiben ein ganz anderer Charakter in den Mittelpunkt drängelt, den Du bisher nicht beachtest hattest.

Hast Du jemanden ausgemacht, merke Dir die Figur. Denn um sie herum wird dann die Geschichte geschrieben und findet auch die Überarbeitung statt.

3. Stufe: Schreibe die perfekte erste Zeile

Der erste Satz hat nicht nur die Aufgabe, Deine Leserinnen und Leser in die Geschichte hineinzuziehen. Er soll auch Dich selbst in die Geschichte hineinziehen und Dir Lust machen, weiter daran zu arbeiten und Dir Spaß bereiten, da überhaupt weiter zu machen.

Daher versuche jetzt, die erste perfekte Zeile zu schreiben. Hier ein paar Vorschläge als Inspiration:

  • Lade mich als Leserin in die Szene ein.
  • Überrasche mich.
  • Führe die Stimme dieser Kurzgeschichte ein.
  • Sei klar dabei.
  • Versuche, ob Du die komplette Geschichte in diesem einem Satz erzählen kannst.

Falls Du jetzt noch nicht schaffst, die wirklich perfekte erste Zeile zu schreiben, das ist in Ordnung. Aber versuche dem ruhig nahezukommen. Auch diesen Satz kannst Du natürlich jederzeit überarbeiten.

4. Stufe: Teile Deine Geschichte in einer Szenenliste auf

Jede noch so kurze Geschichte hat mindestens eine Handvoll Szenen. Diese finden zu einer bestimmten Zeit statt, mit einer bestimmten Anzahl von Figuren an einem bestimmten Ort. Wenn eines dieser Elemente geändert wird, haben wir normalerweise eine neue Szene.

Kurz gesagt: Wenn eine neue Figur auftritt oder eine Figur weggeht, haben wir schon eine neue Szene.

Mithilfe einer Szenenliste kannst Du Deine Geschichte strukturieren und sehen, welcher Teil Deiner Geschichte noch ein wenig Arbeit benötigt, damit sie stärker wird. Wenn Du sie erstellt hast, kannst Du ihr folgen, das ist aber kein Muss. Doch mit ihrer Hilfe hast Du zumindest einen Pfad, dem Du folgen kannst. Und das kann durchaus schon mal ein Gefühl der Sicherheit geben.

5. Stufe: Recherchiere für Deine Geschichte

Meine Empfehlung ist, man sollte nie zu früh anfangen, die Recherche zu betreiben. Denn je eher Du anfängst, desto mehr könnte die Gefahr bestehen, dass Du Deine Geschichte und vor allem Deine Leidenschaft für diese Geschichte tötest. Und das meine ich durchaus wortwörtlich. Damit meine ich, dass Du anfängst, zu recherchieren und eigentlich nur ein paar Informationen suchst. Am Ende könntest Du über dieses Thema eine Sachbuchreihe schreiben und hast eigentlich keine Lust mehr, die Kurzgeschichte zu verfassen.

Aber irgendwann wird es Zeit, dass Du Dich auch mit diesem Thema auseinandersetzt. Wenn Du auf einem guten Weg bist, sieht die Sache dann schon anders aus und Du kannst loslegen.

Wer ist also Deine Hauptfigur, worum dreht es sich in Deiner Geschichte und welche offenen Fragen wollen noch von Dir beantwortet und in der Geschichte verwendet werden. Diese und weitere Fragen können jetzt gestellt und beantwortet werden.

Fülle Deine Szenen mit harten Fakten. Und bei Bedarf kannst Du auch Deine Szenenliste damit füllen. Je nachdem, wie Du arbeitest.

6. Stufe: Schreibe / Überarbeite / Schreibe noch einmal / Überarbeite … bis Du zufrieden bist

Wenn Du an dieser Stelle angekommen bist, ist sicherlich Deine Geschichte in Deinem Kopf ordentlich gereift. Allein durch die Arbeiten, die Du getan und natürlich auch dadurch, dass Du Dich mit ihr intensiv beschäftigt hast. Nun wird es Zeit, dass wir die Geschichte der ersten Stufe in eine schöne Form gießen.

Daher überarbeite erst einmal die Geschichte nach Deiner eigenen Szenenliste und schau nach, was Du da verbessern kannst. Wie sieht es mit den Informationen rund um Deine Heldin oder Deinem Helden aus? Und wie kannst Du die recherchierten Informationen einfügen?

Mach Dir in dieser Phase noch keine Gedanken über Füllwörter oder die Rechtschreibung. Das kannst Du korrigieren, wenn Du mit der Geschichte zufrieden bist. Und wenn Du dann so weit bist, kannst Du natürlich auch gerne Freundschaften oder sogar ein professionelles Lektorat über die Geschichte lesen lassen.

7. Stufe: Veröffentliche Deine Geschichte

Das ist natürlich kein Muss. Aber Du machst Dir nun wirklich viel Mühe um eine Kurzgeschichte zu schreiben. Warum sollte sie dann am Ende in Deiner Schublade landen? Also schicke sie zu einer passenden Ausschreibung ein, veröffentliche sie auf Deinem Blog oder Deiner Internetseite. Oder Du arbeitest an einer eigenen Anthologie, wo sie ihren Platz findet. Alternativ kannst Du sie als kleines Geschenk für Deinen Newsletter beigeben. Und natürlich, Du kannst sie auch gegen einen kleinen Obolus verkaufen.

Egal wie, ich empfehle Dir, Dich in die Welt hinauszuwagen. Es ist besser, wenn Du lernst, mit Kritik umzugehen, indem Deine Leserinnen und Leser eine Kurzgeschichte bewerten, anstatt Deinen kompletten Roman. Denn an einer Kurzgeschichte arbeitest Du nicht ganz so intensiv wie an einem Roman. Und Du lernst eine Menge dabei. Wie man Geschichten schreibt und wie man mit der Kritik anderer Menschen am eigenen Werk umgeht.

Einleitung zu den zweiten sieben Schritten

Du hast unzählige Ideen, die sich nicht für einen Roman eigenen (vermutlich). Also legen wir los und schreiben endlich eine Kurzgeschichte. Mit ein bisschen Arbeit wird das was werden. Hier sind sieben mögliche Schritte, wie aus einer groben Idee eine Geschichte werden kann.

1. Schritt: Benenne das Problem

Hierbei geht es wirklich nur um die Benennung des Problems. Das kann von banal und trivial bis hin zu einer komplexen Idee sein, welche sich tief in Deiner Seele versteckt hat und nun darauf wartet, an die Oberfläche zu kommen.

Schreib einfach das Problem auf, egal wie banal es auf dem ersten Blick klingen mag. Am Ende bekommt Deine Notizen niemand zu sehen. Also musst Du Dir darüber keine Gedanken machen.

  • Ein Drache schläft im Vogelhaus, in der Winterzeit.
  • Ein USB-Stick mit wichtigen Daten, welche seiner Schwester das Leben zerstören könnte.
  • Wolle für ein Häkelprojekt finden.

Du siehst, es kann alles dabei sein.

2. Schritt: Kreiere einen Charakter, der dieses Problem hat

Du musst dabei nicht extrem kreativ sein und alle Details zu dem Charakter erfinden, der in Deiner Kurzgeschichte auftaucht. Denn es ist immer noch eine Kurzgeschichte. Find die Eckdaten heraus und lege dann los. Die große Arbeit kannst Du Dir für Deine Romane aufheben.

  • Eine junge Frau.
  • Ein Mann, mittleren Alters, Geschäftsmann.
  • Ein Junge im Teenageralter.

3. Schritt: Beschreibe nun, warum das Problem Deine Charaktere beschäftigt

Es geht hierbei darum, dass das Problem und der Charakter zueinanderfinden. Wenn sie nichts miteinander zu tun haben, hast Du keine Geschichte. Und wenn Du keine Geschichte hast, lohnt sich nicht die Mühe sich hinzusetzen und etwas zu schreiben.

Doch je wichtiger das Problem Deinen Figuren ist, desto intensiver wird die Geschichte und desto mehr werden wir Leserinnen und Leser Deinen Worten folgen. Mache Dir also Gedanken darum, was die Verbindung ist.

  • Die junge Frau hatte als Kind ein Erlebnis der besonderen Art. Sie wurde in eine andere Welt hineingerissen und erlebte dort Abenteuer, mit denen sie noch heute seelisch zu kämpfen hat. Denn sie wurde danach in eine Nervenheilanstalt gesteckt, weil ihr niemand glauben wollte. Und jetzt will sie nie wieder mit diesen Wesen etwas zu tun haben.
  • Der Geschäftsmann hat wichtige Daten bekommen, damit er einem korrupten Politiker stürzen kann. Denn dieser hat das Leben seiner Frau und seines Kindes auf dem Gewissen und nun will er sich an ihm damit rächen.
  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Wenn Du fertig bist, dann schau Dir noch einmal die Verbindung zwischen dem Problem und den Charakteren an. Steckt da wirklich ein guter Grund dahinter?

Kleines Beispiel:

  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Das ist das Endergebnis. Als ich den Text doch zuerst schrieb, sah er so aus.

  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Der durchgestrichene Teil hatte ich vergessen. Wie liest sich der Text für Dich, wenn der eine Teil nicht wäre?

4. Schritt: Zeige das Hindernis, was sie zurückhält

Eine gute Geschichte baut immer mehrere Hindernisse auf, damit die Heldin oder der Held nicht ans Ziel kommt. Auf keinen Fall dürfen sie kurz vor Schluss den Drachen töten, den Mafiaboss zur Strecke bringen oder den Mörder entdecken. In einer Kurzgeschichte reicht ein Hindernis aus. Aber der muss da sein und zu den vorherigen Punkten passen.

  • Sie hat Angst, dass die Erlebnisse, die sie ganz hinten ihrem Unterbewusstsein eingesperrt hat, wieder hervorkommen und noch schrecklichere Dinge passieren, als beim letzten Mal. Und das sie dieses Mal für den Rest ihres Lebens in eine Nervenheilanstalt kommt. Denn dorthin will sie niemals wieder zurück.
  • Seine Schwester ist die Ehefrau des korrupten Politikers und er weiß nicht, ob sie etwas mit der Sache zu tun hat. Er ist der festen Überzeugung, dass sie unschuldig ist. Dann würde er sie mit stürzen. Denn sie ist ebenfalls aktiv an der Arbeit des Politikers beteiligt. Und nach ihren Depressionen tut ihr das Ganze wirklich gut.
  • Er hat seine Schwester geliebt, weil sie ihm nicht nur seine sensible Seite unterstützt hat (durch die Handarbeiten), sondern ihn auch noch vor dem gewalttätigen Vater beschützte. Nun ist sie tot und niemand stellt sich zwischen den beiden. Zudem hat er kein Geld, um die Wolle für einen Gedenkschal zu kaufen, weil er kaum Taschengeld zur Verfügung hat. Und seine Eltern würden sich über ihn lustig machen, wenn er sie um etwas Geld bitten würde.

5. Schritt: Finde einen bis drei Versuche, für eine Lösung

In der Überschrift steht Versuch, weil Deine Heldin oder Dein Held nicht beim ersten Mal die Lösung finden soll. Dann wäre die Geschichte schlichtweg langweilig. Der Held oder die Heldin muss scheitern und am Ende dieses Scheiterns immer schlechter dastehen, als hätte sie oder er nicht gewagt aufzustehen und etwas zu unternehmen. Erst am Ende dürfen sie gewinnen. Aber soweit sind wir noch nicht.

  • Sie ignoriert zuerst den Drachen, weil sie hofft, dass dieser frieren wird und dann verschwindet. Doch gleichzeitig hat sie Angst, dass die Nachbarn mitbekommen, dass ein Drache in ihrem Garten schläft und vor allem, dass sie realisieren, dass es Drachen gibt.
    Also holt sie ihn ins Haus und dieser erschreckt so dermaßen, dass er immer wieder Feuer spuckt und kleine Brandherde verursacht. Diese kann sie löschen. Doch dann kündigt sich Besuch an. Ihre Eltern wollen spontan vorbeikommen.
  • Zuerst versucht er mit seiner Schwester zu reden, um herauszufinden, ob sie etwas von der Sache weiß. Doch er bekommt nichts heraus. Zudem erzählt sie ihm, wie gut es ihr geht, seit sie in der Politik aktiv ist. Sie muss kaum noch Medikamente gegen ihre Depressionen nehmen und Selbstmordgedanken habe sie auch nicht mehr. Während des Essens trinkt sie kein Alkohol, weil sie ihrem Bruder eröffnet, dass er demnächst Onkel wird.
  • Zuerst sucht er alle Wollreste aus den Sachen seiner Schwester zusammen. Doch seine Mutter bekommt dies mit und verbietet ihm, das Zimmer seiner toten Schwester noch einmal zu betreten und erst recht zu plündern. Daher schaut er in dem Wollladen der Stadt vorbei, um dort welche zu stehlen. Doch er wird erwischt und die Polizei bringt ihn nach Hause. Nachdem sein älterer Bruder ihm verrät, dass es auf dem Dachboden Wolle gibt, bricht er dort ein. Denn eigentlich dürfen sie nicht auf den Dachboden gehen.

In der Katastrophe muss es auch immer Hoffnung geben. Das bedeutet, dass jeder Fehlschlag die Charaktere dorthin bringen soll, die Lösung zu finden, damit die Geschichte einen guten Ausgang hat.

6. Schritt: Schaffe den kritischen Wendepunkt

Jetzt ist Deine Heldin oder Dein Held so weit, den Wendepunkt zu beschreiten. Denn sie haben alles, was sie brauchen, um die Lösung umzusetzen. Sowohl die Erfahrung als auch die Weisheit wurde ihn mitgegeben, damit sie die letzten Schritte gehen können.

  • Sie begreift, dass sie sich ihren inneren Dämonen stellen muss. Das bedeutet für sie, dass sie ihre Eltern hereinlassen muss, wenn sie da sind, um ihnen den Drachen zu zeigen. Auch wenn er eventuell nur in ihrem Kopf existiert und zudem stehen, was sie einst war und nun immer noch ist.
  • Wenn er seine Familie rächen und zugleich beschützen will, muss er die Daten einsetzen. Denn er will nicht, dass seine Nichte oder sein Neffe in dieser Umgebung aufwächst, die Gift für ihn sein könnte.
  • Obwohl er Angst vor seinem Vater hat, wagt er doch den Aufstieg auf den Dachboden. Denn der Wunsch, den Gedenkschal für seine Schwester zu häkeln ist stärker als die Angst vor seinem Vater.

Es muss natürlich kein glückliches Ende sein, das am Ende herauskommt. Es liegt an Dir, wohin die Reise geht. Wenn Du das unglückliche Ende planst, dann sollte Deine Heldin oder Dein Held spätestens jetzt realisieren, dass die Gedankengänge und die Handlungen falsch waren und alles in eine komplett andere Richtung hätte gehen sollen. Deine Leserinnen und Leser sollten an dieser Stelle spüren, Erfolg wäre durchaus möglich.

7. Schritt: Zeig, was als nächstes passiert

Du hast nun Deine Charaktere an diesen kritischen Punkt gebracht. Nun ist es Zeit, dass Deine Heldin oder Dein Held ihre Wahl treffen. Und es ist an der Zeit, dass Du zeigst, was diese Wahl ist und wie sie ausgeht.

  • Sie entschließt sich, ihren Eltern alles zu sagen. Und als sie durch die Tür treten, sehen sie den Drachen und realisieren, dass ihre Tochter ihnen all die Jahre die Wahrheit gesagt hat.
  • Er geht am nächsten Tag zu der Presse und zeigt ihnen den USB-Stick mit den ganzen Daten. Damit hat er den Stein ins Rollen gebracht, sodass sein Schwager definitiv für seine Verbrechen bezahlen muss. An seine Schwester hat er dabei nicht gedacht.
  • Auf dem Dachboden findet er die gewünschte Wolle und fängt dort sogar sofort an zu häkeln. Doch dann kommt sein Vater hoch und entdeckt seinen Sohn dort.

Du musst nicht unbedingt die Geschichte komplett bis zum Ende schreiben. Denn oft wird erklärt, eine Kurzgeschichte hat ein offenes Ende. Gerne kannst Du alles weitere der Fantasie Deiner Leserinnen und Leser überlassen. Immerhin hast Du sie bis an diese Stelle geführt. Nun kannst Du sie auch gerne alleine weiterreisen lassen. Aber bis hierhin solltest Du kommen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, damit sie weitergehen können.

Schlussworte

Die Vorarbeit mag noch einfach sein. Aber wenn es wirklich an Deine Idee geht, kann es sein, dass Du vor dem weißen Blatt Papier sitzt und Dir überlegst, was Du nun tun sollst. Auf dem ersten Blick sehen die Schritte schon einfach aus, aber sie haben auch ihren Schwierigkeitsgrad.

Aber wenn Du Dich nicht hinsetzt und anfängst, wirst Du niemals zu einem Ende kommen.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß und noch mehr Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Wie viele Szenen hat so eine Kurzgeschichte, eine Novelle, ein Roman?

Januarbeiträge:

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

nun haben wir uns in den letzten beiden Wochen angesehen, warum Du eine Kurzgeschichte schreiben solltest und darüber diskutiert, warum es auch Gründe geben kann, eben keine zu schreiben. Jetzt könnte es ja sein, dass Du Dir sagst, gut, ich schreiben jetzt doch eine Kurzgeschichte. Doch wie kurz oder wie lang könnte denn eine solche Kurzgeschichte sein?

Einige messen dies anhand der Wörter oder Zeichen, die sie schreiben. Das ist dann besonders wichtig, wenn die Geschichte zu den Vorgaben für eine Anthologie passen soll. Andere hingegen messen dies anhand von Szenen, die in einer Geschichte auftauchen soll. Und tatsächlich gibt es Richtlinien, an die man sich gerne orientieren kann.

Eine kurze Definition zum Thema „Szene“

Bevor wir definieren, wie viele Szenen eine Geschichte beinhalten könnte, sollten wir eine einheitliche Sprache sprechen und definieren, was das eigentlich genau ist. Eine Szene ist ein zusammenhängender Text, indem die Figuren, der Ort und die Zeit konstant bleiben. Man kann also sagen, wenn sich eines dieser Elemente ändert (eine Figur kommt hinzu oder geht weg), haben wir eine neue Szene. In Romanen erlebe ich selbst aber meistens, dass Ort und Zeit konstant sind, Figuren hingegen sind eher variabel.

Es gibt dabei Szenen, in denen so gut wie nichts passiert. Die Charaktere sind in ihren eigenen Gedanken gefangen und rotieren dabei sogar noch. Oder es passiert etwas, aber davon bekommt man nichts mit. In einem meiner Kapitel ist mir genau das passiert. Der Held soll etwas suchen, aber eigentlich denkt er die ganze Zeit nur vor sich hin.

Natürlich können auch Gedankengänge die Geschichte weiterbringen. Nicht, dass wir uns missverstehen. Wenn Du Sherlock Holmes – Spiel im Schatten gesehen hast, dann siehst Du, wie die Gedankengänge von Sherlock Holmes die Geschichte durchaus voranbringen. Daher ist es wichtig, zwischen dem unnötigen Gedankengang und dem voranbringenden zu unterscheiden.

Ansonsten ist es im Idealfall so, dass jede Szene dazu führt, dass die Geschichte vorankommt. Jeder Dialog, jeder Gedanke und jede Handlung. Dabei ist es auch völlig egal, in welchem Medium wir uns befinden.

Die Länge ist Deine Entscheidung

Natürlich kann es sein, dass Du bestimmte Vorgaben zu erfüllen hast. Diese sind entweder in der Ausschreibung oder in Deinem Vertrag zu finden. Solltest Du welche haben, musst Du Dich natürlich an diese halten. Ansonsten liegt es an Dir, wie lang die Geschichte werden soll und natürlich dadurch auch, wie viele Szenen Du schreibst.

Natürlich benötigt eine Kurzgeschichte weniger Szenen, als ein Roman von über 1.000 Seiten. Du kannst Dich an die folgende Faustregel orientieren:

Gehen wir davon aus, dass eine Szene durchschnittlich 1.500 Wörter hat. Natürlich können Szenen auch ein paar weniger oder ein paar Hundert Wörter mehr oder weniger haben. Aber darüber möchte ich jetzt nicht diskutieren.

Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass eine Kurzgeschichte etwa sieben Szenen hat, dann weißt Du, dass Du ca. 10.000 Wörter für eine Kurzgeschichte verwenden kannst. Diese Rechnung gilt natürlich auch für die anderen Medien. Wenn man es so will, ist das durchaus eine übersichtliche Angelegenheit. Du kannst jeder Szene der Kurzgeschichte (ich bleibe als Beispiel dort), eine bestimmte Handlung zuweisen. Und dann schreibst Du diese Szene.

Beispiel für ein einen Whodunit

Nehmen wir mal an, Du schreibst einen Krimi, eben den erwähnten whodunit. Es gibt eine Szene, wo der Leichnam gefunden wird. Oder man von einem Mord erfährt (nicht immer wird mit der Hilfe einer Leiche ermittelt). Dann gibt es einige Szenen, wo unsere Ermittlerin oder unser Ermittler arbeitet. Es gibt Fäden, denen gefolgt werden kann und irgendwann kommt es Richtung Lösung. Und die große Szene, die Auflösung, kann für die letzte Szene vorbehalten sein.

In einem Roman darf es auch noch eine oder mehrere Szenen nach der Auflösung geben, in der Kurzgeschichte ist es durchaus eine gute Sache, wenn Du mit der Auflösung auch die Geschichte beendest. Aber das ist eine Entscheidung, die Du treffen darfst, ob Du es so willst oder nicht. Denn theoretisch könntest Du auch kurz vor der Auflösung die Geschichte beenden. Das ist eben das Tolle an Kurzgeschichten. Hier kannst Du sehr viel experimentieren.

Übung macht die Meisterin und den Meister

Egal wie wie viele Zeichen oder Wörter Du letztendlich Deine Kurzgeschichte verwendest, es wird am Anfang immer zu wenig sein. Oder auch zu viel. Aber häufig ist es so, dass Du nie die richtige Wortzahl triffst. Gerade dann, wenn Du Erfahrung mit längeren Novellen oder Romanen hast. Das ist ein gefühlter Fakt. Und Deine ersten Kurzgeschichten werden, um es mal nett auszudrücken, nicht die Besten sein. Auch das ist ein Fakt. Sie werden zu lang sein, zu linkisch und einiges mehr.

Doch je mehr Du übst, desto besser wirst Du. Das gilt für Deinen Roman genauso, wie für Deine Kurzgeschichte. Am Anfang mag die vorgegebene Zeichenanzahl nicht ausreichen. Am Ende wirst Du Dich fragen, warum Du jemals Probleme mit der Zeichen- bzw. Wortbegrenzung hattest. Vor allem weißt Du nun auch, dass es nicht nur auf die Wortzahl ankommt, sondern Du kannst Dich auch an den Szenen orientieren.

Aus diesem Grund schreib einfach und sieh, was am Ende dabei herauskommt. Dabei wünsche ich Dir eine Menge Spaß und Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Oder solltest Du gar keine Kurzgeschichten schreiben?

Januarbeiträge:

Hei, hallo und herzlich willkommen,

es gibt Blogbeiträge von Kolleginnen oder Kollegen, die sind so gut, dass man sich dazu äußern möchte, ja schon fast äußern muss. Dazu könnte man natürlich einen Kommentar unter dem Text schreiben. Aber manchmal wäre dieser so umfangreich, dass es besser ist, wenn man sich dazu entschließt, lieber einen eigenen Blogbeitrag dazu zu verfassen. Und so entstand dieser Beitrag.

Kurze Vorgedanken

Marcus Johanus hat einen Beitrag geschrieben, in dem er auffordert, keine Kurzgeschichten mehr zu schreiben. Und wie zu erwarten stößt er mit diesem Gedankengang nicht nur auf Gegenliebe.

Die einen unterstützen seine Idee, die anderen nur zum Teil und die Dritten stehen da und denken sich nur, nein danke schön. Und das macht, in meinen Augen sogar einen sehr guten Beitrag aus. Denn er regt zur Diskussion an und zwingt die Menschen dazu, sich mit einem Thema mal auseinanderzusetzen. Ich respektiere seine Meinung, möchte trotzdem im Rahmen eines Beitrages meinen eigenen Senf dazugeben.

Dabei gehe ich erst auf seine Argumentation kurz ein und möchte dann noch erklären, warum sich vielleicht, aber auch wirklich nur vielleicht, Kurzgeschichten doch lohnen könnten.

Die Argumentation von Marcus Johanus

1. Kurzgeschichten sind eine Form der Prokrastination

Bei diesem Argument gehe ich noch mit. Denn in der Tat können Kurzgeschichten Dich abhalten Deinen Roman zu schreiben. Wenn Du Dich ein oder zwei Wochen darauf konzentrierst eine gute Kurzgeschichte zu schreiben, könntest Du in der Zeit schon einen halben Kurzroman verfasst haben.

Viele sagen sich, ich will ja nur üben, um einen besseren Roman zu schreiben. Dabei meinen sie häufig tatsächlich, ich hab Angst davor den Roman zu schreiben, also tue ich alles, damit ich eben diesen nicht anfangen muss. Und sobald das passiert, solltest Du Dir verbieten auch nur daran zu denken eine Kurzgeschichte zu schreiben.

Schreib Deinen Roman!

2. Kurzgeschichten haben mit Romanen wenig zu tun

Es stimmt, eine Kurzgeschichte ist sehr dicht geschrieben und eben, das sagt auch der Name, kurz. In einem Roman hast Du gut und gerne mal hundert Seiten Zeit, damit überhaupt etwas passiert. Und ich habe einige Romane gelesen, in denen genau das geschehen ist. Einhundert Seiten ist nichts passiert. Bei einer Kurzgeschichte hast Du manchmal nicht einmal hundert Wörter dafür Zeit.

Daher kann ich dem durchaus zustimmen, Kurzgeschichten und Romane haben genauso viel gemeinsam, wie Birnen und Äpfel.

Andererseits ist es manchmal so, dass ich mir wünsche, dass, so manch eine Autorin oder Autor sich ein paar Tricks von der Kurzgeschichte abgucken würden. Da wird die Geschichte so dermaßen in die Länge gezogen, dass es schon unnötig ist. Daher sehe ich nicht zwangsläufig, dass das Schreiben von Kurzgeschichten wirklich schaden muss. Aber ja, sie kann schädlich sein. Denn man kann auf Dauer zu viel zu kurz schreiben, wo es doch ein paar Worte mehr getan hätten.

Hier kommt es eindeutig auf die Mischung an. So kurz wie möglich, so lang wie nötig.

3. Kurzgeschichten haben eine stark eingeschränkte Zielgruppe

Um es kurz zu machen, es stimmt. In Deutschland werden zwar ungemein viele Anthologien veröffentlicht, aber gelesen werden sie eher wenig. In Amerika hat die Kurzgeschichte einen völlig anderen Stand und damit auch einen anderen Wert. Das ist nicht schön, aber ein Fakt.

Wenn Du Dich also hauptsächlich auf Kurzgeschichten konzentrierst, wirst Du voraussichtlich erst einmal und vielleicht sogar auf Dauer auf ein kleines Publikum konzentrieren müssen. Du kannst damit auch Erfolge haben. Siehe Alice Munroe. Aber bis dahin ist es ein längerer Weg. Das bedeutet für Dich einen langen Atem haben und auch viel Werbung für Dich und Deine Arbeit machen.

4. Mit Kurzgeschichten verbrennst du deinen Namen

Zugegeben, über diese Argumentation stolpere ich ein wenig. Ich kann sie verstehen und trotzdem stolper ich darüber.

Auf der einen Seite erinnern sich die Leute nicht mehr an meinen Namen und zugleich könnte ich meinen Namen verbrennen? Nun gut kann möglich sein. Aber ich behaupte, dass es einen kleinen Ausweg dabei gibt, dem Pseudonym.

Du kannst Deine Kurzgeschichten durchaus mit einem Pseudonym veröffentlichen und es bei einer Bewerbung bei einem Verlag verheimlichen, dass Du sie jemals geschrieben hast. Vor Jahren erwähnte Mal eine Autorin, dass sie eine Kurzgeschichte bei einem erotischen Verlag veröffentlicht hat. Sie brauchte halt das Geld. Und sie würde einen Teufel tun, damit es niemals in ihrer Vita auftaucht. Kann ich verstehen.

Auf der anderen Seite hatte ich in einem Schreibforum gelesen, dass eine Autorin sich bei einem Verlag bewarb und artig alle ihre Anthologieveröffentlichungen notierte. Da kam die Antwort, dass sie nicht dauerhaft mit einem Verlag zusammenarbeiten könne und daher abgelehnt wurde. In diesem Fall scheint der Verlag nicht verstanden zu haben, was es bedeutet, Kurzgeschichten in Anthologien zu veröffentlichen.

Aber das war auch das einzige Mal, dass ich das mitbekommen habe. Inwiefern das die Regel ist, ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Es kann natürlich ein sehr dünnes Schwert sein, auf dem Du Dich bewegst, aber es kann sich auch positiv für Dich auswirken.

Meine Ergänzungen

Wie in den einzelnen Kommentaren erwähnt, kann ich zum Teil die Argumentation nachvollziehen. Aber gibt es denn nicht doch noch positive Teile, warum man eine Kurzgeschichte schreiben kann? Dazu hatte ich letzte Woche schon einige Ideen geschrieben, warum man Kurzgeschichten als Übung benutzen kann. Doch es gibt auch andere Gründe, warum Du Dir vielleicht doch überlegen kannst, Deine Zeit in die eine oder andere Kurzgeschichte zu investieren.

Kleine Erfolgserlebnisse

Ein Roman kann schlimmstenfalls bis zu einem Jahr oder gar noch länger dauern, bis er fertig geschrieben ist. Das kann frustrierend sein und manchmal sogar demotivierend. Wenn man sich dann die eine oder andere Woche Zeit nimmt, um eine Kurzgeschichte zu schreiben, tut das der Seele durchaus gut. Denn man kann sie durchaus in der Zeit schreiben und überarbeiten.

Natürlich darf und soll man die Kurzgeschichte nicht unterschätzen. Sie hat eigene Regeln und Gesetze, die man befolgen darf und auch durchaus sollte. Aber die Kurzgeschichte ist halt kurz. Und man kann da doch zumindest emotionale Erfolgserlebnisse feiern. Wenn sie dann noch in einer Anthologie erscheint, sich wohlmöglich gegen Hunderte Mitbewerberinnen und Mitbewerber durchgesetzt hat, dann tut das sicherlich der Seele sehr gut.

Das war bei mir auf alle Fälle so, als ich meine erste Kurzgeschichte veröffentlicht habe. Es war ein tolles Gefühl und sorgte dafür, dass ich einige Tage auf Wolken gelaufen bin. Noch heute hat diese Anthologie einen Ehrenplatz bei mir. Und tatsächlich ist es auch so, dass man dadurch bei einigen als Autor*in anerkannt wird. Vielleicht nützlich, wenn Du mal auf irgendwelche Linklisten landen möchtest.

Ablenkung

Wenn man sich im Roman verrannt hat, dann kann es manchmal befreiend sein, sich auf etwas ganz anderes zu konzentrieren. Man bekommt den Blick frei und vielleicht sogar noch die eine oder andere Idee für den Roman, auf die man sonst gar nicht gekommen wäre. Wenn man sich die ganze Zeit mit einer einzigen Geschichte beschäftigt, wird man irgendwann richtig blind für die Möglichkeiten, Ideen und Wendungen, die zur Lösung führen.

Und diese Situation kann durchaus sehr frustrierend sein. Daher kann es zu neuen Wegen führen, wenn man sich mit etwas anderem beschäftigt. Auf alle Fälle gewinnt man Abstand und kann sich vom riesigen Projekt ein wenig erholen.

Von der Kurzgeschichte zum Roman

Als Reaktion auf den Beitrag von Marcus haben einige erwähnt, ohne eine Kurzgeschichte gäbe es nicht ihren Roman. Da wollten einige Autor*innen einfach nur eine kurze Geschichte schreiben und sahen das Potenzial dahinter. Und am Ende haben sie sich hingesetzt und daraus eben einen Roman geschrieben.

Hätten sie sich also nicht hingesetzt und es versucht, hätten sie gar nicht die Möglichkeiten gesehen, was sich hinter der Idee verbarg. Denn es wäre sehr wahrscheinlich gewesen, dass sie von vornherein gesagt hätten, das eignet sich nicht für einen Roman, daher lasse ich es ganz sein.

Andere Genres ausprobieren

Wenn Du schon einige Romane in einem Genre ausprobiert hast, dann könnte es sein, dass es Dir schwerfällt, dieses zu wechseln. Denn man weiß ja nie, ist es wirklich was für mich? Kann ich mit den Regeln und Gesetzen umgehen? Will ich das überhaupt? Und wie fühlt es sich an, in dem entsprechenden Genre zu schreiben?

In einer Kurzgeschichte kannst Du Dich ein wenig ausprobieren und sehen, was Dir zusagt und was nicht. Und wenn nicht, dann hast Du nicht so viel Zeit investiert. Das bedeutet, dass Du entweder ein komplett anderes Genre ausprobieren oder zu Deinem bewährten Zurückkehren kannst. Du probierst Dich also im kleinen Rahmen aus.

Es tut nicht weg

Und wenn Dir die Geschichte nicht gefällt oder das Genre oder was auch immer, mir persönlich tut es nicht weh, die Geschichte zu löschen. Denn ich hab nicht so viel Energie und Zeit und auch Liebe in diese Geschichte gesteckt, wie bei einem Roman, der mich seit einigen Monaten oder länger begleitet hat. Und da spreche ich aus Erfahrung. Denn einige Kurzgeschichten habe ich in der Tat eingemottet und es tat nicht so weh, wie der Roman, den ich mal geschrieben habe (und einfach nur schlecht war).

Die Hemmschwellen sind da ganz anders.

Abschlussgedanken

Natürlich musst Du selbst entscheiden, ob Du Kurzgeschichten schreiben willst oder nicht. Es gibt gute Argumente dafür und auch dagegen. Wobei das beste Argument gegen Kurzgeschichten der ist, dass es Dich abhält, Deinen Roman zu schreiben. Lass also bitte nicht zu, dass eine Kurzgeschichte Dich davon abhält, Deinen Roman zu schreiben. Wenn es Dich unterstützt, dann hält es Dich nicht ab zuschreiben. Aber vor lauter Angst solltest Du Dich nicht hinter den kurzen Geschichten verstecken. Bitte.

Daher ist es immer gut zu wissen, warum Du gerade jetzt eine Kurzgeschichte schreiben willst und nicht Deinen Roman. Wenn Du das weißt, ist alles in Ordnung. Ansonsten schau genau hin, willst Du wirklich gerade jetzt diese Kurzgeschichte schreiben? Oder willst Du Dich vor Deinem Roman nur drücken?

Auf alle Fälle wünsche ich Dir viel Spaß dabei.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele