Schlüsselelemente, damit Deine Kurzgeschichte erfolgreich schreiben kannst

Januarbeiträge:

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wir wollen ja nicht nur eine Kurzgeschichte schreiben. Sondern wir wollen sicherlich auch gute Geschichten schreiben, zumindest wäre das mein persönlicher Ansporn. Daher habe ich einige Elemente für Dich aufgelistet, womit wir dieses Ziel erreichen können, eine erfolgreiche Kurzgeschichte schreiben.

1. Tauche gleich in den Konflikt ein

Bei Romanen hast Du Zeit den Konflikt ein wenig vorzubereiten. Je nach Länge der Geschichte kann die Vorbereitung durchaus auch mehrere Kapitel oder mehrere Hundert Seiten umfassen. Bei Kurzgeschichten hast Du weder die Zeit noch den Platz dafür. Denn in kürzester Zeit muss der Konflikt aufgezeigt werden und vor allem, muss er auch gelöst werden. Manchmal hast Du für eine Kurzgeschichte gerade mal 10.000 Zeichen (nicht Wörter) Zeit, um die Geschichte erzählen.

Je kürzer die Geschichte wird, desto schneller musst Du in den Konflikt eintauchen. Also fang am besten gleich von Anfang an damit an.

2. Erzähle, was wirklich wichtig ist – alles andere bleibt bitte weg

Deine Hauptfigur ist mit sieben Jahren in sieben verschiedenen Brunnen gefallen und hat sich dabei sieben verschiedene Knochen gebrochen? Und das ist überhaupt nicht wichtig für die Geschichte? Mag sein, dass es witzig ist, aber solange es nicht wichtig ist, brauchst Du es nicht zu erwähnen.

Führ nur Dinge in Deiner Kurzgeschichte auf, die wirklich wichtig sind. Das gilt sowohl für Verhaltensweisen als auch für die Hintergrundgeschichte. Ist etwas wichtig, führe es ein, und zwar so, dass man damit arbeiten kann. Ist es nicht wichtig, kannst Du es lediglich für Dich notieren. Aber belaste die Geschichte nicht damit. Du hast sowieso nicht viel Platz. Dann lass alles Unwichtige draußen. Das erleichtert das Schreiben und vor allem das Lesen.

Das Notieren kannst Du deswegen vornehmen, weil Du das vielleicht für eine spätere Geschichte gebrauchen könntest. Vergessen würde ich es also nicht.

3. Übertreibe es nicht mit Deiner künstlerischen Ader

Natürlich möchten wir unseren Leserinnen und Lesern zeigen, dass wir wundervoll mit den Worten umgehen können. Ihnen zeigen, dass eine Beschreibung mehr ist, als nur aneinandergereihte Wörter. Wir wollen ihnen zeigen, wozu wir wirklich in der Lage sind.

Bedauerlicherweise geht bei dieser künstlerischen Ader die Geschichte häufig verloren. Denn es wird häufig zu sehr auf die Wortwahl als auf die Geschichte geachtet. Und letztendlich wollen die meisten Leserinnen und Leser nicht die Evolution eines Schmetterlings in den buntesten Wörtern lesen, sie wollen eine gute Kurzgeschichte lesen.

Konzentriere Dich erst einmal auf die Geschichte. Sie ist wichtig. Was willst Du mit ihr sagen? Wen willst Du erreichen? Natürlich kannst Du Dich auch sprachlich austoben. In der Überarbeitung kannst Du diese ganzen Sachen dann ausbügeln und dann die Geschichte schreiben. Sie steht im Fokus Deiner Arbeit.

4. Arbeite effizient – besonders am Höhepunkt

Wie die Bezeichnung schon sagt, sind Kurzgeschichten eben kurz. Das bedeutet, dass Du keine Zeit für ewig lange Ausführungen der Einleitung hast, ewig lange Szenen schreiben kannst oder unnötige Bandwurmsätze. Und wenn, dann sollte alles einen gewissen Sinn haben (Bandwurmsätze können theoretisch durchaus in Ordnung gehen).

Jeder Absatz, jede Szene, jeder einzelne Satz sollte Deine Geschichte zum Höhepunkt transportieren. Wenn das nicht passiert, ist es Zeit, dass Du diese Elemente entweder überarbeitest oder schlichtweg löscht. Was nicht der Geschichte dient (das gilt sowohl für Romane, als auch eben für Kurzgeschichten), fliegt konsequent raus.

Es gibt den Spruch Kill Your Darlings. Auch wenn Dir ein Satz oder eine Idee gut gefällt, trägt diese nicht dazu bei, dass Deine Geschichte effizient zum Höhepunkt gebracht wird, ist sie nicht tragbar. Schneide sie aus und speichere Dir diese Sachen ab. Vielleicht kannst Du sie in einer anderen Geschichte gebrauchen. In dieser Kurzgeschichte haben diese Elemente jedoch nichts zu tun.

5. Sorge für ein sauberes Ende

Sorge für ein gutes Ende, das zu der Geschichte passt. Sei ruhig kreativ, vertraue aber Deiner Geschichte und dem dazugehörigen Ende. Das bedeutet also auch, dass Du nicht zu überambitioniert sein solltest. Wenn Deine Geschichte ein leises Ende braucht, Du aber ein regelrechtes Feuerwerk loslassen möchtest, lass es. Deine Geschichte weiß schon, warum es ein leises Ende haben möchte.

Genauso wie ein extrem kreatives Ende, welches nur zeigen soll, wie gut Du als Autorin oder als Autor bist. Wenn es nicht passt, dann schreibe es nicht. Manchmal ist ein solides Ende einer Geschichte das Beste. Denn sie wirken nicht gekünstelt und reißen somit mich als Leserin nicht aus dem Lesefluss heraus. Wenn ich am Ende dasitze und mich frage, was die Autorin oder der Autor mir mit dem Ende sagen will, haben sie mich verloren. Und das ist keine gute Idee.

Abschlussworte

Es sind eigentlich keine großen Punkte, die Dir helfen, dass eine Kurzgeschichte wirklich gut wird. Denn letztendlich sind sie allesamt in sich logisch. Doch kann es durchaus schnell passieren, dass man diese im Eifer des Gefechtes diese schlichtweg vergisst. Man möchte zeigen, was man kann, man möchte unbedingt eine wichtige Hintergrundinformation einbauen, auch wenn sie nicht wichtig ist und diese Punkte.

Du kannst natürlich erst einmal Deine Kurzgeschichte so schreiben, wie Du es gerne möchtest. Leg los und hab Spaß dabei. In der Überarbeitung solltest Du Dich dann darauf konzentrieren, dass die Geschichte gut und vor allem lesbar wird.

Und dabei wünsche ich Dir viel Spaß und viel Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

7 Stufen zu einer Kurzgeschichte

Januarbeiträge:

Hei, hallo und herzlich willkommen,

bisher haben wir uns eher darüber unterhalten, wieso Du eine Kurzgeschichte schreiben solltest und wie viele Szenen sie enthalten sollte. Nun werden wir endlich aktiv, spitzen die Stifte und lernen eine mögliche Grundlage, wie man eine Kurzgeschichte schreiben kann. Dabei gehe ich erst einmal auf die theoretischen Grundlagen ein (einmal sieben Schritte) und dann, wie Du tatsächlich eine Kurzgeschichte schreiben kannst (noch einmal sieben Schritte).

Kurze Vorgedanken zu den ersten sieben Schritten

Wer einen Roman schreibt, braucht eine Menge Talent. Wer eine Kurzgeschichte schreiben will, noch um einiges mehr. Denn hier muss nicht nur jeder Satz sitzen, sondern wirklich jedes Wort. Darüber hatte ich schon öfters geschrieben.

Ich kenne viele Leute, die immer wieder berichten, dass der Roman „Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien teilweise unnötige Längen hat. Der Autor beschrieb (um es ein wenig zu übertreiben), wie das Gras einmal nach rechts wedelte, dann nach links, um dann wieder nach rechts zu wedeln. Heutzutage ist das in Romanen schon nicht mehr möglich, weil die Leute keine Zeit mehr haben (oder der Meinung sind, nicht mehr die Zeit dafür zu haben), solche Längen zu lesen. In Kurzgeschichten hattest Du nie die Zeit, solche Szenen einzubauen. Außer sie haben für die Geschichte einen Nutzen.

Vorbereitung fürs Schreiben

Egal ob Du Deine Kurzgeschichte an einem Tag oder in einer Woche schreibst, ein wenig Vorbereitung wird ihr sicherlich von nutzen sein. Daher überlegen wir uns, was Du brauchst.

  • Zeit
    Durchschnittlich ist eine Kurzgeschichte um die 10.000 Zeichen lang (jeder Buchstabe, jedes Satzzeichen und jede Leerstelle ist ein Zeichen). Man kann grob sagen, dass es um die 5.000 bis 6.000 Wörter ist, die Du dafür also verwenden kannst.
    Je nachdem wie schnell Du schreibst, kann das Schreiben allein um die drei Stunden dauern (allein das Schreiben). Mit der Überarbeitung, der Recherche und vielem mehr, steigt natürlich die Zeit.
  • Idee
    Wenn Du Dich an einen der vielen Ausschreibungen orientierst, die es im Internet gibt, musst Du gar nicht selbst eine Idee für Deine Geschichte ausdenken. Ansonsten kannst Du entweder die Geschichten aus Deinem Fundus nehmen oder jetzt Deiner Kreativität freiem Lauf lassen.
    Kleiner Hinweis: Du kannst die Ausschreibung als Inspirationsquelle benutzen und mit deren Hilfe Deine Kurzgeschichte schreiben. Ändere nur ein paar Punkte (zumindest würde ich es empfehlen), damit am Ende etwas Eigenständiges herauskommt.
  • Utensilien
    Egal ob Du mit Laptop, am Computer oder mit der Hand schreiben willst. Hier geht es um die entsprechende Entscheidung dafür. Genauso wie die Entscheidung für Dein Programm. Entweder ein Schreibprogramm wie Scrivener oder einfach Word.

1. Stufe: Schreibe die Geschichte in einem Zug

Jetzt wirst Du Dich fragen, was das bitte schön soll. Im Grunde genommen hast Du noch nichts in der Hand, sollst aber jetzt schon die komplette Geschichte schreiben.

Es ist halt so, dass es hierbei darum geht, eine Geschichte so zu erzählen, wie Du sie einer Freundin oder einem Freund erzählen würdest. Du sitzt also mit dieser Person in einem Café oder in einer Bar und erzählst, was Dir letztens Kurioses passiert ist. Gut, in dieser Geschichte könnten dann Drachen oder Weltraumschlachten vorgehen, aber das ist nebensächlich.

Und sicherlich würdest Du die Geschichte nicht mittendrin beim Schreiben abbrechen und dann erst am nächsten Tag weitererzählen, oder? Also schreibe die Geschichte auf, und zwar in einem Zug durch. Und zwar so, wie Du sie erzählen würdest. Es kann also auch gerne passieren, dass Du zwischen den Szenen hin- und herspringst.

Mach Dir bitte keine Gedanken, dass sie vielleicht krumm und schief am Ende ist. Das ist egal. Immerhin sind wir gerade mal bei der ersten Stufe.

2. Stufe: Finde Deine Heldin / Deinen Helden

Jetzt hast Du die erste Fassung Deiner Geschichte geschrieben. Atme einmal tief durch und schau Dir an, was Du geschaffen hast. Am besten Du trittst emotional einen Schritt zurück und versucht so neutral wie nur möglich die Figuren und den Handlungsverlauf zu betrachten.

Nun überprüf alle Figuren darauf, ob sie sich als Heldin bzw. als Held für Deine Geschichte eignen (mit Heldin / Held meine ich nicht unbedingt die strahlende Figur, die man sich unter dieser Bezeichnung vorstellen mag, es geht also hierbei um die Figur, welche die Geschichte erzählt).

Vielleicht springt Dir eine Figur regelrecht ins Auge und Du sagst Dir, das kann nur die Heldin oder der Held sein. Sei aber trotzdem kritisch und betrachte alle anderen Figuren auf ihr Potenzial. Zwar kann es sein, dass Du eine bestimmte Figur im Kopf hattest, als Du die Geschichte aufgeschrieben hast. Aber manchmal passiert es, dass sich beim Schreiben ein ganz anderer Charakter in den Mittelpunkt drängelt, den Du bisher nicht beachtest hattest.

Hast Du jemanden ausgemacht, merke Dir die Figur. Denn um sie herum wird dann die Geschichte geschrieben und findet auch die Überarbeitung statt.

3. Stufe: Schreibe die perfekte erste Zeile

Der erste Satz hat nicht nur die Aufgabe, Deine Leserinnen und Leser in die Geschichte hineinzuziehen. Er soll auch Dich selbst in die Geschichte hineinziehen und Dir Lust machen, weiter daran zu arbeiten und Dir Spaß bereiten, da überhaupt weiter zu machen.

Daher versuche jetzt, die erste perfekte Zeile zu schreiben. Hier ein paar Vorschläge als Inspiration:

  • Lade mich als Leserin in die Szene ein.
  • Überrasche mich.
  • Führe die Stimme dieser Kurzgeschichte ein.
  • Sei klar dabei.
  • Versuche, ob Du die komplette Geschichte in diesem einem Satz erzählen kannst.

Falls Du jetzt noch nicht schaffst, die wirklich perfekte erste Zeile zu schreiben, das ist in Ordnung. Aber versuche dem ruhig nahezukommen. Auch diesen Satz kannst Du natürlich jederzeit überarbeiten.

4. Stufe: Teile Deine Geschichte in einer Szenenliste auf

Jede noch so kurze Geschichte hat mindestens eine Handvoll Szenen. Diese finden zu einer bestimmten Zeit statt, mit einer bestimmten Anzahl von Figuren an einem bestimmten Ort. Wenn eines dieser Elemente geändert wird, haben wir normalerweise eine neue Szene.

Kurz gesagt: Wenn eine neue Figur auftritt oder eine Figur weggeht, haben wir schon eine neue Szene.

Mithilfe einer Szenenliste kannst Du Deine Geschichte strukturieren und sehen, welcher Teil Deiner Geschichte noch ein wenig Arbeit benötigt, damit sie stärker wird. Wenn Du sie erstellt hast, kannst Du ihr folgen, das ist aber kein Muss. Doch mit ihrer Hilfe hast Du zumindest einen Pfad, dem Du folgen kannst. Und das kann durchaus schon mal ein Gefühl der Sicherheit geben.

5. Stufe: Recherchiere für Deine Geschichte

Meine Empfehlung ist, man sollte nie zu früh anfangen, die Recherche zu betreiben. Denn je eher Du anfängst, desto mehr könnte die Gefahr bestehen, dass Du Deine Geschichte und vor allem Deine Leidenschaft für diese Geschichte tötest. Und das meine ich durchaus wortwörtlich. Damit meine ich, dass Du anfängst, zu recherchieren und eigentlich nur ein paar Informationen suchst. Am Ende könntest Du über dieses Thema eine Sachbuchreihe schreiben und hast eigentlich keine Lust mehr, die Kurzgeschichte zu verfassen.

Aber irgendwann wird es Zeit, dass Du Dich auch mit diesem Thema auseinandersetzt. Wenn Du auf einem guten Weg bist, sieht die Sache dann schon anders aus und Du kannst loslegen.

Wer ist also Deine Hauptfigur, worum dreht es sich in Deiner Geschichte und welche offenen Fragen wollen noch von Dir beantwortet und in der Geschichte verwendet werden. Diese und weitere Fragen können jetzt gestellt und beantwortet werden.

Fülle Deine Szenen mit harten Fakten. Und bei Bedarf kannst Du auch Deine Szenenliste damit füllen. Je nachdem, wie Du arbeitest.

6. Stufe: Schreibe / Überarbeite / Schreibe noch einmal / Überarbeite … bis Du zufrieden bist

Wenn Du an dieser Stelle angekommen bist, ist sicherlich Deine Geschichte in Deinem Kopf ordentlich gereift. Allein durch die Arbeiten, die Du getan und natürlich auch dadurch, dass Du Dich mit ihr intensiv beschäftigt hast. Nun wird es Zeit, dass wir die Geschichte der ersten Stufe in eine schöne Form gießen.

Daher überarbeite erst einmal die Geschichte nach Deiner eigenen Szenenliste und schau nach, was Du da verbessern kannst. Wie sieht es mit den Informationen rund um Deine Heldin oder Deinem Helden aus? Und wie kannst Du die recherchierten Informationen einfügen?

Mach Dir in dieser Phase noch keine Gedanken über Füllwörter oder die Rechtschreibung. Das kannst Du korrigieren, wenn Du mit der Geschichte zufrieden bist. Und wenn Du dann so weit bist, kannst Du natürlich auch gerne Freundschaften oder sogar ein professionelles Lektorat über die Geschichte lesen lassen.

7. Stufe: Veröffentliche Deine Geschichte

Das ist natürlich kein Muss. Aber Du machst Dir nun wirklich viel Mühe um eine Kurzgeschichte zu schreiben. Warum sollte sie dann am Ende in Deiner Schublade landen? Also schicke sie zu einer passenden Ausschreibung ein, veröffentliche sie auf Deinem Blog oder Deiner Internetseite. Oder Du arbeitest an einer eigenen Anthologie, wo sie ihren Platz findet. Alternativ kannst Du sie als kleines Geschenk für Deinen Newsletter beigeben. Und natürlich, Du kannst sie auch gegen einen kleinen Obolus verkaufen.

Egal wie, ich empfehle Dir, Dich in die Welt hinauszuwagen. Es ist besser, wenn Du lernst, mit Kritik umzugehen, indem Deine Leserinnen und Leser eine Kurzgeschichte bewerten, anstatt Deinen kompletten Roman. Denn an einer Kurzgeschichte arbeitest Du nicht ganz so intensiv wie an einem Roman. Und Du lernst eine Menge dabei. Wie man Geschichten schreibt und wie man mit der Kritik anderer Menschen am eigenen Werk umgeht.

Einleitung zu den zweiten sieben Schritten

Du hast unzählige Ideen, die sich nicht für einen Roman eigenen (vermutlich). Also legen wir los und schreiben endlich eine Kurzgeschichte. Mit ein bisschen Arbeit wird das was werden. Hier sind sieben mögliche Schritte, wie aus einer groben Idee eine Geschichte werden kann.

1. Schritt: Benenne das Problem

Hierbei geht es wirklich nur um die Benennung des Problems. Das kann von banal und trivial bis hin zu einer komplexen Idee sein, welche sich tief in Deiner Seele versteckt hat und nun darauf wartet, an die Oberfläche zu kommen.

Schreib einfach das Problem auf, egal wie banal es auf dem ersten Blick klingen mag. Am Ende bekommt Deine Notizen niemand zu sehen. Also musst Du Dir darüber keine Gedanken machen.

  • Ein Drache schläft im Vogelhaus, in der Winterzeit.
  • Ein USB-Stick mit wichtigen Daten, welche seiner Schwester das Leben zerstören könnte.
  • Wolle für ein Häkelprojekt finden.

Du siehst, es kann alles dabei sein.

2. Schritt: Kreiere einen Charakter, der dieses Problem hat

Du musst dabei nicht extrem kreativ sein und alle Details zu dem Charakter erfinden, der in Deiner Kurzgeschichte auftaucht. Denn es ist immer noch eine Kurzgeschichte. Find die Eckdaten heraus und lege dann los. Die große Arbeit kannst Du Dir für Deine Romane aufheben.

  • Eine junge Frau.
  • Ein Mann, mittleren Alters, Geschäftsmann.
  • Ein Junge im Teenageralter.

3. Schritt: Beschreibe nun, warum das Problem Deine Charaktere beschäftigt

Es geht hierbei darum, dass das Problem und der Charakter zueinanderfinden. Wenn sie nichts miteinander zu tun haben, hast Du keine Geschichte. Und wenn Du keine Geschichte hast, lohnt sich nicht die Mühe sich hinzusetzen und etwas zu schreiben.

Doch je wichtiger das Problem Deinen Figuren ist, desto intensiver wird die Geschichte und desto mehr werden wir Leserinnen und Leser Deinen Worten folgen. Mache Dir also Gedanken darum, was die Verbindung ist.

  • Die junge Frau hatte als Kind ein Erlebnis der besonderen Art. Sie wurde in eine andere Welt hineingerissen und erlebte dort Abenteuer, mit denen sie noch heute seelisch zu kämpfen hat. Denn sie wurde danach in eine Nervenheilanstalt gesteckt, weil ihr niemand glauben wollte. Und jetzt will sie nie wieder mit diesen Wesen etwas zu tun haben.
  • Der Geschäftsmann hat wichtige Daten bekommen, damit er einem korrupten Politiker stürzen kann. Denn dieser hat das Leben seiner Frau und seines Kindes auf dem Gewissen und nun will er sich an ihm damit rächen.
  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Wenn Du fertig bist, dann schau Dir noch einmal die Verbindung zwischen dem Problem und den Charakteren an. Steckt da wirklich ein guter Grund dahinter?

Kleines Beispiel:

  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Das ist das Endergebnis. Als ich den Text doch zuerst schrieb, sah er so aus.

  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Der durchgestrichene Teil hatte ich vergessen. Wie liest sich der Text für Dich, wenn der eine Teil nicht wäre?

4. Schritt: Zeige das Hindernis, was sie zurückhält

Eine gute Geschichte baut immer mehrere Hindernisse auf, damit die Heldin oder der Held nicht ans Ziel kommt. Auf keinen Fall dürfen sie kurz vor Schluss den Drachen töten, den Mafiaboss zur Strecke bringen oder den Mörder entdecken. In einer Kurzgeschichte reicht ein Hindernis aus. Aber der muss da sein und zu den vorherigen Punkten passen.

  • Sie hat Angst, dass die Erlebnisse, die sie ganz hinten ihrem Unterbewusstsein eingesperrt hat, wieder hervorkommen und noch schrecklichere Dinge passieren, als beim letzten Mal. Und das sie dieses Mal für den Rest ihres Lebens in eine Nervenheilanstalt kommt. Denn dorthin will sie niemals wieder zurück.
  • Seine Schwester ist die Ehefrau des korrupten Politikers und er weiß nicht, ob sie etwas mit der Sache zu tun hat. Er ist der festen Überzeugung, dass sie unschuldig ist. Dann würde er sie mit stürzen. Denn sie ist ebenfalls aktiv an der Arbeit des Politikers beteiligt. Und nach ihren Depressionen tut ihr das Ganze wirklich gut.
  • Er hat seine Schwester geliebt, weil sie ihm nicht nur seine sensible Seite unterstützt hat (durch die Handarbeiten), sondern ihn auch noch vor dem gewalttätigen Vater beschützte. Nun ist sie tot und niemand stellt sich zwischen den beiden. Zudem hat er kein Geld, um die Wolle für einen Gedenkschal zu kaufen, weil er kaum Taschengeld zur Verfügung hat. Und seine Eltern würden sich über ihn lustig machen, wenn er sie um etwas Geld bitten würde.

5. Schritt: Finde einen bis drei Versuche, für eine Lösung

In der Überschrift steht Versuch, weil Deine Heldin oder Dein Held nicht beim ersten Mal die Lösung finden soll. Dann wäre die Geschichte schlichtweg langweilig. Der Held oder die Heldin muss scheitern und am Ende dieses Scheiterns immer schlechter dastehen, als hätte sie oder er nicht gewagt aufzustehen und etwas zu unternehmen. Erst am Ende dürfen sie gewinnen. Aber soweit sind wir noch nicht.

  • Sie ignoriert zuerst den Drachen, weil sie hofft, dass dieser frieren wird und dann verschwindet. Doch gleichzeitig hat sie Angst, dass die Nachbarn mitbekommen, dass ein Drache in ihrem Garten schläft und vor allem, dass sie realisieren, dass es Drachen gibt.
    Also holt sie ihn ins Haus und dieser erschreckt so dermaßen, dass er immer wieder Feuer spuckt und kleine Brandherde verursacht. Diese kann sie löschen. Doch dann kündigt sich Besuch an. Ihre Eltern wollen spontan vorbeikommen.
  • Zuerst versucht er mit seiner Schwester zu reden, um herauszufinden, ob sie etwas von der Sache weiß. Doch er bekommt nichts heraus. Zudem erzählt sie ihm, wie gut es ihr geht, seit sie in der Politik aktiv ist. Sie muss kaum noch Medikamente gegen ihre Depressionen nehmen und Selbstmordgedanken habe sie auch nicht mehr. Während des Essens trinkt sie kein Alkohol, weil sie ihrem Bruder eröffnet, dass er demnächst Onkel wird.
  • Zuerst sucht er alle Wollreste aus den Sachen seiner Schwester zusammen. Doch seine Mutter bekommt dies mit und verbietet ihm, das Zimmer seiner toten Schwester noch einmal zu betreten und erst recht zu plündern. Daher schaut er in dem Wollladen der Stadt vorbei, um dort welche zu stehlen. Doch er wird erwischt und die Polizei bringt ihn nach Hause. Nachdem sein älterer Bruder ihm verrät, dass es auf dem Dachboden Wolle gibt, bricht er dort ein. Denn eigentlich dürfen sie nicht auf den Dachboden gehen.

In der Katastrophe muss es auch immer Hoffnung geben. Das bedeutet, dass jeder Fehlschlag die Charaktere dorthin bringen soll, die Lösung zu finden, damit die Geschichte einen guten Ausgang hat.

6. Schritt: Schaffe den kritischen Wendepunkt

Jetzt ist Deine Heldin oder Dein Held so weit, den Wendepunkt zu beschreiten. Denn sie haben alles, was sie brauchen, um die Lösung umzusetzen. Sowohl die Erfahrung als auch die Weisheit wurde ihn mitgegeben, damit sie die letzten Schritte gehen können.

  • Sie begreift, dass sie sich ihren inneren Dämonen stellen muss. Das bedeutet für sie, dass sie ihre Eltern hereinlassen muss, wenn sie da sind, um ihnen den Drachen zu zeigen. Auch wenn er eventuell nur in ihrem Kopf existiert und zudem stehen, was sie einst war und nun immer noch ist.
  • Wenn er seine Familie rächen und zugleich beschützen will, muss er die Daten einsetzen. Denn er will nicht, dass seine Nichte oder sein Neffe in dieser Umgebung aufwächst, die Gift für ihn sein könnte.
  • Obwohl er Angst vor seinem Vater hat, wagt er doch den Aufstieg auf den Dachboden. Denn der Wunsch, den Gedenkschal für seine Schwester zu häkeln ist stärker als die Angst vor seinem Vater.

Es muss natürlich kein glückliches Ende sein, das am Ende herauskommt. Es liegt an Dir, wohin die Reise geht. Wenn Du das unglückliche Ende planst, dann sollte Deine Heldin oder Dein Held spätestens jetzt realisieren, dass die Gedankengänge und die Handlungen falsch waren und alles in eine komplett andere Richtung hätte gehen sollen. Deine Leserinnen und Leser sollten an dieser Stelle spüren, Erfolg wäre durchaus möglich.

7. Schritt: Zeig, was als nächstes passiert

Du hast nun Deine Charaktere an diesen kritischen Punkt gebracht. Nun ist es Zeit, dass Deine Heldin oder Dein Held ihre Wahl treffen. Und es ist an der Zeit, dass Du zeigst, was diese Wahl ist und wie sie ausgeht.

  • Sie entschließt sich, ihren Eltern alles zu sagen. Und als sie durch die Tür treten, sehen sie den Drachen und realisieren, dass ihre Tochter ihnen all die Jahre die Wahrheit gesagt hat.
  • Er geht am nächsten Tag zu der Presse und zeigt ihnen den USB-Stick mit den ganzen Daten. Damit hat er den Stein ins Rollen gebracht, sodass sein Schwager definitiv für seine Verbrechen bezahlen muss. An seine Schwester hat er dabei nicht gedacht.
  • Auf dem Dachboden findet er die gewünschte Wolle und fängt dort sogar sofort an zu häkeln. Doch dann kommt sein Vater hoch und entdeckt seinen Sohn dort.

Du musst nicht unbedingt die Geschichte komplett bis zum Ende schreiben. Denn oft wird erklärt, eine Kurzgeschichte hat ein offenes Ende. Gerne kannst Du alles weitere der Fantasie Deiner Leserinnen und Leser überlassen. Immerhin hast Du sie bis an diese Stelle geführt. Nun kannst Du sie auch gerne alleine weiterreisen lassen. Aber bis hierhin solltest Du kommen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, damit sie weitergehen können.

Schlussworte

Die Vorarbeit mag noch einfach sein. Aber wenn es wirklich an Deine Idee geht, kann es sein, dass Du vor dem weißen Blatt Papier sitzt und Dir überlegst, was Du nun tun sollst. Auf dem ersten Blick sehen die Schritte schon einfach aus, aber sie haben auch ihren Schwierigkeitsgrad.

Aber wenn Du Dich nicht hinsetzt und anfängst, wirst Du niemals zu einem Ende kommen.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß und noch mehr Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Wie viele Szenen hat so eine Kurzgeschichte, eine Novelle, ein Roman?

Januarbeiträge:

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

nun haben wir uns in den letzten beiden Wochen angesehen, warum Du eine Kurzgeschichte schreiben solltest und darüber diskutiert, warum es auch Gründe geben kann, eben keine zu schreiben. Jetzt könnte es ja sein, dass Du Dir sagst, gut, ich schreiben jetzt doch eine Kurzgeschichte. Doch wie kurz oder wie lang könnte denn eine solche Kurzgeschichte sein?

Einige messen dies anhand der Wörter oder Zeichen, die sie schreiben. Das ist dann besonders wichtig, wenn die Geschichte zu den Vorgaben für eine Anthologie passen soll. Andere hingegen messen dies anhand von Szenen, die in einer Geschichte auftauchen soll. Und tatsächlich gibt es Richtlinien, an die man sich gerne orientieren kann.

Eine kurze Definition zum Thema „Szene“

Bevor wir definieren, wie viele Szenen eine Geschichte beinhalten könnte, sollten wir eine einheitliche Sprache sprechen und definieren, was das eigentlich genau ist. Eine Szene ist ein zusammenhängender Text, indem die Figuren, der Ort und die Zeit konstant bleiben. Man kann also sagen, wenn sich eines dieser Elemente ändert (eine Figur kommt hinzu oder geht weg), haben wir eine neue Szene. In Romanen erlebe ich selbst aber meistens, dass Ort und Zeit konstant sind, Figuren hingegen sind eher variabel.

Es gibt dabei Szenen, in denen so gut wie nichts passiert. Die Charaktere sind in ihren eigenen Gedanken gefangen und rotieren dabei sogar noch. Oder es passiert etwas, aber davon bekommt man nichts mit. In einem meiner Kapitel ist mir genau das passiert. Der Held soll etwas suchen, aber eigentlich denkt er die ganze Zeit nur vor sich hin.

Natürlich können auch Gedankengänge die Geschichte weiterbringen. Nicht, dass wir uns missverstehen. Wenn Du Sherlock Holmes – Spiel im Schatten gesehen hast, dann siehst Du, wie die Gedankengänge von Sherlock Holmes die Geschichte durchaus voranbringen. Daher ist es wichtig, zwischen dem unnötigen Gedankengang und dem voranbringenden zu unterscheiden.

Ansonsten ist es im Idealfall so, dass jede Szene dazu führt, dass die Geschichte vorankommt. Jeder Dialog, jeder Gedanke und jede Handlung. Dabei ist es auch völlig egal, in welchem Medium wir uns befinden.

Die Länge ist Deine Entscheidung

Natürlich kann es sein, dass Du bestimmte Vorgaben zu erfüllen hast. Diese sind entweder in der Ausschreibung oder in Deinem Vertrag zu finden. Solltest Du welche haben, musst Du Dich natürlich an diese halten. Ansonsten liegt es an Dir, wie lang die Geschichte werden soll und natürlich dadurch auch, wie viele Szenen Du schreibst.

Natürlich benötigt eine Kurzgeschichte weniger Szenen, als ein Roman von über 1.000 Seiten. Du kannst Dich an die folgende Faustregel orientieren:

Gehen wir davon aus, dass eine Szene durchschnittlich 1.500 Wörter hat. Natürlich können Szenen auch ein paar weniger oder ein paar Hundert Wörter mehr oder weniger haben. Aber darüber möchte ich jetzt nicht diskutieren.

Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass eine Kurzgeschichte etwa sieben Szenen hat, dann weißt Du, dass Du ca. 10.000 Wörter für eine Kurzgeschichte verwenden kannst. Diese Rechnung gilt natürlich auch für die anderen Medien. Wenn man es so will, ist das durchaus eine übersichtliche Angelegenheit. Du kannst jeder Szene der Kurzgeschichte (ich bleibe als Beispiel dort), eine bestimmte Handlung zuweisen. Und dann schreibst Du diese Szene.

Beispiel für ein einen Whodunit

Nehmen wir mal an, Du schreibst einen Krimi, eben den erwähnten whodunit. Es gibt eine Szene, wo der Leichnam gefunden wird. Oder man von einem Mord erfährt (nicht immer wird mit der Hilfe einer Leiche ermittelt). Dann gibt es einige Szenen, wo unsere Ermittlerin oder unser Ermittler arbeitet. Es gibt Fäden, denen gefolgt werden kann und irgendwann kommt es Richtung Lösung. Und die große Szene, die Auflösung, kann für die letzte Szene vorbehalten sein.

In einem Roman darf es auch noch eine oder mehrere Szenen nach der Auflösung geben, in der Kurzgeschichte ist es durchaus eine gute Sache, wenn Du mit der Auflösung auch die Geschichte beendest. Aber das ist eine Entscheidung, die Du treffen darfst, ob Du es so willst oder nicht. Denn theoretisch könntest Du auch kurz vor der Auflösung die Geschichte beenden. Das ist eben das Tolle an Kurzgeschichten. Hier kannst Du sehr viel experimentieren.

Übung macht die Meisterin und den Meister

Egal wie wie viele Zeichen oder Wörter Du letztendlich Deine Kurzgeschichte verwendest, es wird am Anfang immer zu wenig sein. Oder auch zu viel. Aber häufig ist es so, dass Du nie die richtige Wortzahl triffst. Gerade dann, wenn Du Erfahrung mit längeren Novellen oder Romanen hast. Das ist ein gefühlter Fakt. Und Deine ersten Kurzgeschichten werden, um es mal nett auszudrücken, nicht die Besten sein. Auch das ist ein Fakt. Sie werden zu lang sein, zu linkisch und einiges mehr.

Doch je mehr Du übst, desto besser wirst Du. Das gilt für Deinen Roman genauso, wie für Deine Kurzgeschichte. Am Anfang mag die vorgegebene Zeichenanzahl nicht ausreichen. Am Ende wirst Du Dich fragen, warum Du jemals Probleme mit der Zeichen- bzw. Wortbegrenzung hattest. Vor allem weißt Du nun auch, dass es nicht nur auf die Wortzahl ankommt, sondern Du kannst Dich auch an den Szenen orientieren.

Aus diesem Grund schreib einfach und sieh, was am Ende dabei herauskommt. Dabei wünsche ich Dir eine Menge Spaß und Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Oder solltest Du gar keine Kurzgeschichten schreiben?

Januarbeiträge:

Hei, hallo und herzlich willkommen,

es gibt Blogbeiträge von Kolleginnen oder Kollegen, die sind so gut, dass man sich dazu äußern möchte, ja schon fast äußern muss. Dazu könnte man natürlich einen Kommentar unter dem Text schreiben. Aber manchmal wäre dieser so umfangreich, dass es besser ist, wenn man sich dazu entschließt, lieber einen eigenen Blogbeitrag dazu zu verfassen. Und so entstand dieser Beitrag.

Kurze Vorgedanken

Marcus Johanus hat einen Beitrag geschrieben, in dem er auffordert, keine Kurzgeschichten mehr zu schreiben. Und wie zu erwarten stößt er mit diesem Gedankengang nicht nur auf Gegenliebe.

Die einen unterstützen seine Idee, die anderen nur zum Teil und die Dritten stehen da und denken sich nur, nein danke schön. Und das macht, in meinen Augen sogar einen sehr guten Beitrag aus. Denn er regt zur Diskussion an und zwingt die Menschen dazu, sich mit einem Thema mal auseinanderzusetzen. Ich respektiere seine Meinung, möchte trotzdem im Rahmen eines Beitrages meinen eigenen Senf dazugeben.

Dabei gehe ich erst auf seine Argumentation kurz ein und möchte dann noch erklären, warum sich vielleicht, aber auch wirklich nur vielleicht, Kurzgeschichten doch lohnen könnten.

Die Argumentation von Marcus Johanus

1. Kurzgeschichten sind eine Form der Prokrastination

Bei diesem Argument gehe ich noch mit. Denn in der Tat können Kurzgeschichten Dich abhalten Deinen Roman zu schreiben. Wenn Du Dich ein oder zwei Wochen darauf konzentrierst eine gute Kurzgeschichte zu schreiben, könntest Du in der Zeit schon einen halben Kurzroman verfasst haben.

Viele sagen sich, ich will ja nur üben, um einen besseren Roman zu schreiben. Dabei meinen sie häufig tatsächlich, ich hab Angst davor den Roman zu schreiben, also tue ich alles, damit ich eben diesen nicht anfangen muss. Und sobald das passiert, solltest Du Dir verbieten auch nur daran zu denken eine Kurzgeschichte zu schreiben.

Schreib Deinen Roman!

2. Kurzgeschichten haben mit Romanen wenig zu tun

Es stimmt, eine Kurzgeschichte ist sehr dicht geschrieben und eben, das sagt auch der Name, kurz. In einem Roman hast Du gut und gerne mal hundert Seiten Zeit, damit überhaupt etwas passiert. Und ich habe einige Romane gelesen, in denen genau das geschehen ist. Einhundert Seiten ist nichts passiert. Bei einer Kurzgeschichte hast Du manchmal nicht einmal hundert Wörter dafür Zeit.

Daher kann ich dem durchaus zustimmen, Kurzgeschichten und Romane haben genauso viel gemeinsam, wie Birnen und Äpfel.

Andererseits ist es manchmal so, dass ich mir wünsche, dass, so manch eine Autorin oder Autor sich ein paar Tricks von der Kurzgeschichte abgucken würden. Da wird die Geschichte so dermaßen in die Länge gezogen, dass es schon unnötig ist. Daher sehe ich nicht zwangsläufig, dass das Schreiben von Kurzgeschichten wirklich schaden muss. Aber ja, sie kann schädlich sein. Denn man kann auf Dauer zu viel zu kurz schreiben, wo es doch ein paar Worte mehr getan hätten.

Hier kommt es eindeutig auf die Mischung an. So kurz wie möglich, so lang wie nötig.

3. Kurzgeschichten haben eine stark eingeschränkte Zielgruppe

Um es kurz zu machen, es stimmt. In Deutschland werden zwar ungemein viele Anthologien veröffentlicht, aber gelesen werden sie eher wenig. In Amerika hat die Kurzgeschichte einen völlig anderen Stand und damit auch einen anderen Wert. Das ist nicht schön, aber ein Fakt.

Wenn Du Dich also hauptsächlich auf Kurzgeschichten konzentrierst, wirst Du voraussichtlich erst einmal und vielleicht sogar auf Dauer auf ein kleines Publikum konzentrieren müssen. Du kannst damit auch Erfolge haben. Siehe Alice Munroe. Aber bis dahin ist es ein längerer Weg. Das bedeutet für Dich einen langen Atem haben und auch viel Werbung für Dich und Deine Arbeit machen.

4. Mit Kurzgeschichten verbrennst du deinen Namen

Zugegeben, über diese Argumentation stolpere ich ein wenig. Ich kann sie verstehen und trotzdem stolper ich darüber.

Auf der einen Seite erinnern sich die Leute nicht mehr an meinen Namen und zugleich könnte ich meinen Namen verbrennen? Nun gut kann möglich sein. Aber ich behaupte, dass es einen kleinen Ausweg dabei gibt, dem Pseudonym.

Du kannst Deine Kurzgeschichten durchaus mit einem Pseudonym veröffentlichen und es bei einer Bewerbung bei einem Verlag verheimlichen, dass Du sie jemals geschrieben hast. Vor Jahren erwähnte Mal eine Autorin, dass sie eine Kurzgeschichte bei einem erotischen Verlag veröffentlicht hat. Sie brauchte halt das Geld. Und sie würde einen Teufel tun, damit es niemals in ihrer Vita auftaucht. Kann ich verstehen.

Auf der anderen Seite hatte ich in einem Schreibforum gelesen, dass eine Autorin sich bei einem Verlag bewarb und artig alle ihre Anthologieveröffentlichungen notierte. Da kam die Antwort, dass sie nicht dauerhaft mit einem Verlag zusammenarbeiten könne und daher abgelehnt wurde. In diesem Fall scheint der Verlag nicht verstanden zu haben, was es bedeutet, Kurzgeschichten in Anthologien zu veröffentlichen.

Aber das war auch das einzige Mal, dass ich das mitbekommen habe. Inwiefern das die Regel ist, ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Es kann natürlich ein sehr dünnes Schwert sein, auf dem Du Dich bewegst, aber es kann sich auch positiv für Dich auswirken.

Meine Ergänzungen

Wie in den einzelnen Kommentaren erwähnt, kann ich zum Teil die Argumentation nachvollziehen. Aber gibt es denn nicht doch noch positive Teile, warum man eine Kurzgeschichte schreiben kann? Dazu hatte ich letzte Woche schon einige Ideen geschrieben, warum man Kurzgeschichten als Übung benutzen kann. Doch es gibt auch andere Gründe, warum Du Dir vielleicht doch überlegen kannst, Deine Zeit in die eine oder andere Kurzgeschichte zu investieren.

Kleine Erfolgserlebnisse

Ein Roman kann schlimmstenfalls bis zu einem Jahr oder gar noch länger dauern, bis er fertig geschrieben ist. Das kann frustrierend sein und manchmal sogar demotivierend. Wenn man sich dann die eine oder andere Woche Zeit nimmt, um eine Kurzgeschichte zu schreiben, tut das der Seele durchaus gut. Denn man kann sie durchaus in der Zeit schreiben und überarbeiten.

Natürlich darf und soll man die Kurzgeschichte nicht unterschätzen. Sie hat eigene Regeln und Gesetze, die man befolgen darf und auch durchaus sollte. Aber die Kurzgeschichte ist halt kurz. Und man kann da doch zumindest emotionale Erfolgserlebnisse feiern. Wenn sie dann noch in einer Anthologie erscheint, sich wohlmöglich gegen Hunderte Mitbewerberinnen und Mitbewerber durchgesetzt hat, dann tut das sicherlich der Seele sehr gut.

Das war bei mir auf alle Fälle so, als ich meine erste Kurzgeschichte veröffentlicht habe. Es war ein tolles Gefühl und sorgte dafür, dass ich einige Tage auf Wolken gelaufen bin. Noch heute hat diese Anthologie einen Ehrenplatz bei mir. Und tatsächlich ist es auch so, dass man dadurch bei einigen als Autor*in anerkannt wird. Vielleicht nützlich, wenn Du mal auf irgendwelche Linklisten landen möchtest.

Ablenkung

Wenn man sich im Roman verrannt hat, dann kann es manchmal befreiend sein, sich auf etwas ganz anderes zu konzentrieren. Man bekommt den Blick frei und vielleicht sogar noch die eine oder andere Idee für den Roman, auf die man sonst gar nicht gekommen wäre. Wenn man sich die ganze Zeit mit einer einzigen Geschichte beschäftigt, wird man irgendwann richtig blind für die Möglichkeiten, Ideen und Wendungen, die zur Lösung führen.

Und diese Situation kann durchaus sehr frustrierend sein. Daher kann es zu neuen Wegen führen, wenn man sich mit etwas anderem beschäftigt. Auf alle Fälle gewinnt man Abstand und kann sich vom riesigen Projekt ein wenig erholen.

Von der Kurzgeschichte zum Roman

Als Reaktion auf den Beitrag von Marcus haben einige erwähnt, ohne eine Kurzgeschichte gäbe es nicht ihren Roman. Da wollten einige Autor*innen einfach nur eine kurze Geschichte schreiben und sahen das Potenzial dahinter. Und am Ende haben sie sich hingesetzt und daraus eben einen Roman geschrieben.

Hätten sie sich also nicht hingesetzt und es versucht, hätten sie gar nicht die Möglichkeiten gesehen, was sich hinter der Idee verbarg. Denn es wäre sehr wahrscheinlich gewesen, dass sie von vornherein gesagt hätten, das eignet sich nicht für einen Roman, daher lasse ich es ganz sein.

Andere Genres ausprobieren

Wenn Du schon einige Romane in einem Genre ausprobiert hast, dann könnte es sein, dass es Dir schwerfällt, dieses zu wechseln. Denn man weiß ja nie, ist es wirklich was für mich? Kann ich mit den Regeln und Gesetzen umgehen? Will ich das überhaupt? Und wie fühlt es sich an, in dem entsprechenden Genre zu schreiben?

In einer Kurzgeschichte kannst Du Dich ein wenig ausprobieren und sehen, was Dir zusagt und was nicht. Und wenn nicht, dann hast Du nicht so viel Zeit investiert. Das bedeutet, dass Du entweder ein komplett anderes Genre ausprobieren oder zu Deinem bewährten Zurückkehren kannst. Du probierst Dich also im kleinen Rahmen aus.

Es tut nicht weg

Und wenn Dir die Geschichte nicht gefällt oder das Genre oder was auch immer, mir persönlich tut es nicht weh, die Geschichte zu löschen. Denn ich hab nicht so viel Energie und Zeit und auch Liebe in diese Geschichte gesteckt, wie bei einem Roman, der mich seit einigen Monaten oder länger begleitet hat. Und da spreche ich aus Erfahrung. Denn einige Kurzgeschichten habe ich in der Tat eingemottet und es tat nicht so weh, wie der Roman, den ich mal geschrieben habe (und einfach nur schlecht war).

Die Hemmschwellen sind da ganz anders.

Abschlussgedanken

Natürlich musst Du selbst entscheiden, ob Du Kurzgeschichten schreiben willst oder nicht. Es gibt gute Argumente dafür und auch dagegen. Wobei das beste Argument gegen Kurzgeschichten der ist, dass es Dich abhält, Deinen Roman zu schreiben. Lass also bitte nicht zu, dass eine Kurzgeschichte Dich davon abhält, Deinen Roman zu schreiben. Wenn es Dich unterstützt, dann hält es Dich nicht ab zuschreiben. Aber vor lauter Angst solltest Du Dich nicht hinter den kurzen Geschichten verstecken. Bitte.

Daher ist es immer gut zu wissen, warum Du gerade jetzt eine Kurzgeschichte schreiben willst und nicht Deinen Roman. Wenn Du das weißt, ist alles in Ordnung. Ansonsten schau genau hin, willst Du wirklich gerade jetzt diese Kurzgeschichte schreiben? Oder willst Du Dich vor Deinem Roman nur drücken?

Auf alle Fälle wünsche ich Dir viel Spaß dabei.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

12 Gründe, warum Du Kurzgeschichten schreiben solltest

Januarbeiträge:

Hei, hallo und herzlich willkommen,

für viele Autor*innen gehören Kurzgeschichten zum Schreiben einfach dazu. Andere hingegen haben regelrechte Angst davor, während Dritte sich dafür gar nicht interessieren. Wenn Du zu denen gehörst, die sich nicht für Kurzgeschichten interessieren, dann ist das natürlich in Ordnung. Aber vielleicht magst Du es trotzdem einfach mal probieren und eine schreiben. Einfach aufgrund der Freude am Experimentieren und am Schreiben.

Hast Du für Dich nach einem Versuch festgestellt, dass es nicht zu Dir passt, dann kannst Du für Dich argumentieren, warum es so ist. Aber auf einen Versuch würde ich es ruhig ankommen lassen. Und die Gründe findest Du in dem folgenden Beitrag.

Kurze Vorgedanken

Eine Kurzgeschichte hat unterschiedliche Längen. Das können 5.000 Wörter sein oder auch 10.000 Zeichen mit Leerzeichen. Wenn Du an einer Ausschreibung teilnimmst, entscheidet der Verlag über die Länge. Ansonsten kannst Du Dich an diese orientieren oder an die Länge Deiner Lieblingskurzgeschichte in einer Anthologie. Oder eben, was Du aktuell brauchst, um die bestmögliche Kurzgeschichte für Dich zu schreiben.

Aufgrund dieser Kürze bist Du gezwungen, ökonomisch zu arbeiten. Und ja, ich gebe es gerne zu, mir fällt es nicht immer leicht, mich daran zu halten. Manchmal habe ich durchaus das Bedürfnis lange und epische Texte zu schreiben. Nicht nur, weil die Geschichte es braucht, sondern einfach aus Prinzip. Mein Traum ist es immer noch, einen Roman von 1.000 Seiten zu schreiben. Jedoch ist es nicht der Sinn einer Kurzgeschichte. Doch warum sollte ich oder Du Dir den Stress antun und überhaupt eine zu schreiben?

1. Du kannst im Kleinen Form und Struktur erlernen

Eine Kurzgeschichte ist nicht mit einer Novelle oder gar mit einem Roman zu vergleichen. Das ist klar. Aber trotzdem enthält eine Kurzgeschichte wichtige Elemente, die man auch bei den anderen Geschichtsformen findet. Dazu zähl ich den Anfang, Mittelteil und Schluss. Aber auch gute Charakterarbeit, Beschreibungen oder auch Dialoge. Wobei es natürlich immer darauf ankommt, was für eine Art Kurzgeschichte Du schreibst. Denn nicht alle Elemente sind zwangsläufig ein Teil einer guten Kurzgeschichte.

Du kannst lernen, wie man am besten in eine Geschichte einsteigt, wie man zum Höhepunkt kommt und auch, wie man eine Geschichte abschließt. Weiterhin auch, wie Du Informationen mitteilst, ohne Deine Leserinnen und Leser zu überladen. Dazu gehören Informationen zu den einzelnen Charakteren, Hintergrundinformationen oder auch Informationen über die komplette Welt.

Mit der Kurzgeschichte kannst Du lernen, wie Du mit den Charakteren umgehst, wie Du eine Geschichte aufbaust und Dich auf das Wesentliche konzentrierst und wie Du auf wenigen Seiten Spannung aufbaust, sodass Deine Leserinnen und Leser mehr wollen.

Denn häufig neigen Autor*innen dazu, ihren Roman regelrecht mit Informationen und Beschreibungen zu überladen. Und zwar so sehr, dass manche gar keine Lust mehr haben, der Geschichte weiter zu verfolgen. Mit der Kurzgeschichte kannst Du lernen, Dich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und ganz unter uns, ich habe schon einige Kurzgeschichten gelesen, die weitaus besser waren, als so manche Romane.

2. Du kannst mit Plotbesonderheiten experimentieren

Es gibt verschiedene Plotmethoden, wie Du eine Geschichte aufbauen kannst. Zum Beispiel die Held*innenreise, die verschiedenen Aktmethoden, die Schneeflockenmethode und so weiter.  Oder auch, wie man Geschichten einleitet oder beendet. Wenn Du alle Formen anhand eines einzigen Romans ausprobieren wolltest, würdest Du sehr lange an dieser Geschichte arbeiten, ohne tatsächlich auf einen Nenner zu kommen. Daher lohnen sich Kurzgeschichten, damit Du dort üben kannst.

Im Laufe der Geschichte gab es verschiedene Möglichkeiten, um eine Kurzgeschichte einzuleiten und diese zu beenden. Mal wurde am Ende wichtige Informationen gegeben, um das Verständnis für die Geschichte auf eine andere Ebene zu bringen. Und dann wurde auch mal eine Kurzgeschichte quasi mittendrin beendet und wir Leser*innen werden in der Luft gelassen, wie es nun weitergeht. Eine Antwort bleibt man uns aber in solchen Geschichten schuldig.

Bei einer reinen Übung kannst Du hingegen das alles ignorieren und Dich den verschiedenen Methoden widmen, die es so gibt. Solltest Du mal eine interessante Methode entdecken, sei es in einem Schreibratgeber oder in einer Geschichte, wie man eine Szene schreiben kann, musst Du nicht warten, bis Du in Deinem aktuellen Roman diese Methode verwenden kannst. Schreib einfach eine Kurzgeschichte und übe damit.

3. Du kannst leichter Deine Lieblinge töten

Sicherlich hast Du schon mal den Spruch „kill your darlings“ gelesen oder gehört. Dieser Spruch stammt von den beiden Autoren Arthur Quiller-Crouch und William Faulkner. Damit ist nicht zwangsläufig gemeint, dass Du Deine Figuren töten sollst. Sondern Du sollst Deine Geschichte überarbeiten und auch Sätze, Absätze und ganze Szenen löschen. Das kann aber auch für Charaktere und Szenen gelten, wenn sie der Geschichte nicht dienen.

In Romanen verzeiht man eher unnötige Längen, solange es nicht übertrieben wird. Denn man mag schon mal gerne einige Absätze über die Umgebung lesen oder über die Charaktere. Gerne kann auch mal ein wenig mehr Wissen vermittelt werden. Das alles ist in Romanen möglich, weil man irgendwie ja vierhundert oder mehr Seiten füllen soll.

Kurzgeschichten hingegen sollen auf den Punkt gebracht werden. Das bedeutet also, keine unnötigen Längen, kein blabla. Komm zum Punkt und erzähle mir dann Hintergrundinformationen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Ansonsten trägt die Geschichte sich selbst, indem Du in der Kürze alles sagst, was gesagt werden muss.

Du kannst also lernen, dass man auf den Punkt kommt. Und vor allem auch, wie man auf den Punkt kommt. Denn das ist durchaus eine Kunst für sich. Beherrschst Du dies dann in Deinen Kurzgeschichten, kannst Du diese Technik auch auf Deine Romane übertragen. Und wenn Du möchtest, kannst Du dann im Roman auch Längen einbauen. Aber diese sind dann bewusst gewählt.

4. Du kannst Deinen Charakter klar und bündig darstellen

Sehr häufig findest Du in Romanen Charakterbeschreibungen, die einfach nur elendiglich lang sind, nichtssagend, aus Rückblenden bestehen oder wo man das Gefühl hat, die/der Autor*in setzt sich hin und liest Dir aus den Unterlagen vor, mit denen sie arbeiten. So bekommt man kein Gefühl für die Charaktere. Und vor allem gelingt es dann nicht, mit ihnen zu leben und zu leiden. Immerhin sollen wir ja gute dreihundert und mehr Seiten an ihrer Seite ihre Abenteuer erleben. Da muss also eine gute Charakterarbeit her.

In dem einen oder anderen Roman mag man das verzeihen. Da drücken sogar einige beide Augen zu, wenn es sich dabei um eine Mary Sue oder Gary Stu handelt. Aber für viele kann das auch ein Grund sein, die Geschichte abzubrechen. In einer Kurzgeschichte aber erst recht. Das bedeutet also, Du musst Dir eine andere Methode überlegen, wie Du das hinbekommst, die Charaktere kurz und bündig vorzustellen, sodass ich als Leserin ein Bild von denen bekomme und zugleich keine unnötigen Beschreibungen folgen.

Ein Beispiel? Vor einigen Tagen habe ich einen Film gesehen (leider weiß ich nicht mehr den Titel, zumal ich auch nur die eine Szene wirklich geguckt habe, da auf einem anderen Sender etwas Spannenderes lief), in dem es um das Thema Liebe und Derartiges ging. In der besagten Szene ärgerte sich eine Frau scheinbar sehr über ihren Lover/ex-Lover (wie gesagt, ich hab den Film nicht wirklich gesehen). Sie fand eine Packung Zigaretten und warf dann alles durch die Gegend, vornehmlich seine Garderobe.

Dann sah sie einen Spiegel an der Wand, schnappte sich diesen und warf ihn zu Boden. Dieser zerbrach in tausend kleine Teile. Und das, was danach kam, sagt sehr viel über den Charakter aus, ohne das man auch nur ein einziges Wort benutzen musste. Sie sah sich die Scherben an, ging um die Ecke, holte sich was zum Auffegen und räumte auf.

In einer Geschichte könnte man das genauso beschreiben, ohne das man Worte dafür finden müsste, warum sie das tut. Man kann sich denken, was im Kopf dieses Charakters vor sich geht. Vor allem, wenn man vorher schon gezeigt hat, dass sie scheinbar sehr ordentlich ist. Mit solchen Szenen kannst Du aber sehr genau einen Charakter zeigen, ohne Dich in unnötigen Beschreibungen zu verlieren.

Daher kannst Du lernen, wie man einen Charakter bündig vorstellt und das mit wenigen Worten. Am Ende entsteht dann ein komplexes Bild von Deiner Figur, mit denen wir dann, im Idealfall die nächsten Seiten folgen und wir mit der Figur leben und leiden.

5. Du kannst lernen, wie man eine gute Stimme verwendet

Im Idealfall hat jeder Charakter eine eigene Stimme. Sowohl, wenn sie spricht, als auch, wenn sie handelt und agiert. Wenn ein Charakter auftritt, dann ist es gut, dass man sie anhand der ersten Sätze erkennt, ohne das der Name genannt werden muss. Denn jede Figur hat eine eigene Stimme. Doch das muss man üben, üben und nochmals üben.

Daher kannst Du jeder Deiner Figuren eine eigene Stimme geben, damit man erkennt, mit wem man es zu tun hat. Denn jede Figur denkt auf ihre eigene Art und Weise. Und zwei Figuren würden niemals die exakt gleichen Gedanken zu einer Situation oder Person haben. Noch nicht einmal Zwillinge. Aus diesem Grund kannst Du mit den Kurzgeschichten üben, wie man das am besten darstellt.

Natürlich kannst Du das auch anhand von Szenen üben. Aber innerhalb einer Kurzgeschichte kannst Du die Figuren auch agieren lassen, wie sie in einer entsprechenden Situation reagieren würden. Das trainiert Deinen Schreibmuskel.

6. Du kannst Grundlagenarbeit für Deine Romane leisten

Auf meinem alten Blog erwähnte ich öfters die Idee, dass man mithilfe einer Kurzgeschichte auch einen Roman plotten kann. Dabei ist aber in erster Linie der Hauptstrang gemeint. Wie kommt also Dein Charakter in die Geschichte hinein und wieder heraus. Nebenstränge sind hierbei erst einmal völlig uninteressant. Die kannst Du dann in Deinem Roman einbauen.

Wenn Du also möchtest, kann jedes große Thema in Deinem Roman erst einmal in einer Kurzgeschichte aufgearbeitet werden. Und wenn Du Dir sicher bist, dass die Idee gut ist, kannst Du sie danach in Deiner Plotarbeit einfließen lassen. Wenn nicht, verschwendest Du nicht so viel Zeit mit der Plotarbeit, sondern kannst dann überlegen, was Du da besser machen kannst. Denn Du hast einen literarischen Text in der Hand, der mehr aussagt, als die Idee, die dahinter steckt.

Gegebenenfalls kannst Du auch schon hier sehen, ob die Idee überhaupt etwas taugt. Und sollte es nicht sein, kannst Du die Geschichte in die Schublade stecken. Das tut nicht so weh, als würdest Du einen kompletten Roman auf diese Weise verschwinden lassen. Da schreibe ich aus bitterer Erfahrung.

Von einigen Autorinnen habe ich auch gehört, dass sie mithilfe der Kurzgeschichte überprüft haben, ob ihre Romanidee überhaupt tragfähig ist. Andere hingegen haben über die Kurzgeschichte erst entdeckt, dass die Idee eventuell für einen Roman etwas taugen könnte. Das ist ebenso möglich.

7. Du kannst Dein Schreibstil verbessern

Jeder Text, jede Szene, jede Kurzgeschichte, die Du schreibst, verbessert Dein Schreibstil. Denn jede Geschichte kannst Du als Schreibübung sehen. Nur im Gegensatz zu einer Schreibübung, die eventuell etwas abstrakt ist, hast Du hier am Ende auch noch etwas Konkretes in der Hand. Eine kleine Geschichte, mit der Du eventuell später eventuell etwas anfangen kannst.

Du wirst also immer besser und immer geschickter darin, Szenen, Orte oder Landschaften zu beschreiben. Zielsicherer und gekonnter, als noch am Anfang. Du musst nur beharrlich an der Sache dran bleiben.

8. Du kannst die Veränderungen in Deinem Schreibstil verfolgen

Theoretisch kannst Du innerhalb eines Jahres 52 Kurzgeschichten schreiben. Also jede Woche eine Kurzgeschichte. Wenn Du dann die Geschichten miteinander vergleichst, also eine Geschichte vom Anfang des Jahres und dann vom Ende des Jahres, wirst Du aller Wahrscheinlichkeit eine Steigerung Deines Schreibstils entdecken. Wenn Du fleißig dabei bist, kann es eigentlich nicht anders sein, als dass Du Dich immer weiter verbesserst.

Es ist wie beim Sport. Am Anfang bist Du froh, wenn Du die Treppen in die erste Etage hochsteigen kannst und dies überlebst. Wenn Du regelmäßig Sport machst, wirst Du am Ende einen Marathon laufen können.

Write a short story every week. It’s not possible to write 52 bad short stories in a row.”―
Ray Bradbury

9. Du kannst verschiedene Erzähltechniken verwenden

Sicherlich hast Du schon mal von der Du-Erzählperspektive gehört. Oder das eine Geschichte niemals dort anfangen soll, wo eine Figur aus einem Traum erwacht. Am besten noch ein Albtraum. Doch seien wir mal ganz ehrlich, gerne würden wir mal diese ganzen Techniken oder auch Fehler einmal anwenden. Auf alle Fälle gehöre ich dazu. Einfach mal, um zu sehen, wie es ist, wenn unsere Hauptfigur aus einem Traum erwacht. Was soll schon daran so schwierig sein?

Du kommst mit der Kurzgeschichte schneller zur Lösung, ob sich die von Dir gewählte Technik überhaupt lohnt oder Du damit klarkommst. Oder einfach nur, um den kleinen Dickkopf zu sagen, hier hast Du es. Bist Du nun zufrieden? Das hört sich wirklich doof an. Alternativ könntest Du entdecken, dass es doch funktionieren kann. Wenn man es für sich richtig anwendet.

10. Du kannst verschiedene Erzählperspektiven einnehmen

Wenn Du mindestens zwei Figuren hast, die in Deiner Geschichte auftauchen sollen, kannst Du üben, wie man am besten zwischen den beiden Perspektiven hin- und herwechselt. Es gibt zum Beispiel die eiserne Regel, dass man innerhalb einer Szene nicht die Perspektive wechseln soll. Wobei es durchaus sehr gute Beispiele gibt, welche diese Regel aufheben. Probiere es einfach aus und sieh, wie es Dir gelingt und gefällt.

Es gibt aber auch die Möglichkeit zwischen dem Ich und der Sie- bzw. Er-Perspektive zu wechseln. Auch das kannst Du testen, ohne danach einen ganzen Roman umzuschreiben, weil Dir diese Perspektive am Ende doch nicht so gut gefällt.

11. Du kannst lernen, wie man Spannung aufbaut

Egal was für eine Geschichte Du schreibst, ohne Spannung wirst Du kaum Leserinnen und Leser finden. Doch da hapert es bei vielen, weil sie nicht wissen, wie sie an diese Spannung herankommen können. In der Kurzgeschichte kannst Du sehen, welche Elemente sich lohnen, um die Spannung aufzubauen und welche hingegen nicht. Und, wie oben schon beschrieben, kannst Du sehen, welcher Spannungsbogen sich für Deinen Roman eignet.

Auf diese Weise kannst Du die verschiedenen Methoden, welche die ganzen Schreibratgeber empfehlen, einfach mal ausprobieren. Auf diese Weise kannst Du üben, die Spannung in Deinem Roman zu holen. Gerade dann, wenn Du das Gefühl hast, damit Probleme zu haben.

12. Du hast was zum verschenken

Wenn Du Marketing für Dich und Deine Arbeit betreibst, gibt es dafür viele Möglichkeiten. Du könntest Gewinnspiele ausschreiben oder Deinen Roman verschenken. Letzteres ist zwischenzeitlich jedoch in die Kritik geraten. Was also tun? Gerade, wenn Du möchtest, dass Deine zukünftigen Leser*innen Deinen Schreibstil kennenlernen sollen. Oder Du für Deinen Newsletter etwas anbieten möchtest (das sogenannte Freebie).

Nach einem Jahr Kurzgeschichten schreiben hast Du mehr als genügend Material, was Du verschenken kannst. Denn die wenigsten würden für eine Kurzgeschichte Geld ausgeben. Außer natürlich, Du bist zwischenzeitlich sehr bekannt und Deine Leser*innen wollen tatsächlich alles von Dir lesen. Dann wäre das noch eine Option diese zu verkaufen.

Aber ansonsten kannst Du Deine Geschichten entweder kostenfrei auf den verschiedenen Portalen hochladen und dort verschenken. Oder als kleines Dankeschön, wenn sich jemand für Deinen Newsletter einträgt. Du kannst also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Du übst die verschiedenen Techniken zum Schreiben. Und gleichzeitig produzierst Du etwas, was Du dann weitergeben kannst. Quasi im Vorbeigehen.

Abschlussworte

Du siehst, es gibt sehr gute Gründe, warum Du Dich durchaus mit dem Thema Kurzgeschichte beschäftigen solltest. Natürlich frisst auch eine Kurzgeschichte Deine Schreibzeit. Das will ich auf keinen Fall kleinreden. Aber es ist nun einmal halt so, dass Du eine Menge gewinnst. Deine Schreibfertigkeiten werden dadurch wachsen, Du wirst lernen, worauf es in Deinem Roman ankommt und zudem, kannst Du auch eine Menge Zeit beim Plotten Deines aktuellen Projektes sparen. Und Du hast auch etwas zum Verschenken.

Daher empfehle ich Dir ganz klar, setz Dich hin, überlege Dir eine maximale Zeichenanzahl für Dein Projekt (am Anfang kann dies ein wenig großzügiger ausfallen, doch nach und nach kannst Du die Zeichenanzahl auch reduzieren) und leg los.

Dabei wünsche ich Dir viel Energie und Erfolg.

Du bist dran!

  1. Überlege Dir, ob meine Punkte für Dich gute Gründe sind, die eine oder andere Kurzgeschichte zu schreiben. Wenn ja, warum. Und wenn nicht, warum nicht?
  2. Was sind für Dich gute Gründe, um eine Kurzgeschichte zu schreiben?
  3. Fang heute an, plotte und plane eine Kurzgeschichte.
  4. Schreibe eine Kurzgeschichte.
  5. Schreibe noch eine Kurzgeschichte.
  6. Schreib.