Auf der Suche nach einem Lektorat

Hei, hallo und herzlich willkommen,

gehen wir davon aus, dass Du ein Lektorat für Dich in Anspruch nehmen möchtest. Da stellen sich mir zwei Fragen. Wie finde ich ein*e Lektor*in und wie finanziere ich das überhaupt? Denn ein Lektorat für einen Text um die 250 Seiten kann durchaus um die 1.000 € kosten. Und seien wir mal ehrlich, das ist nicht gerade wenig.

Kurze Vorgedanken

Alle reden darüber und doch stellt sich am Ende die Frage, wie komme ich an mein*e Lektor*in heran? Einige Autor*innen scheinen ihre Lektor*in zu haben und schwören auf diese. Andere hingegen wechseln diese, wie unsereins ihre Unterhose. Und natürlich gibt es noch die Leute, die für sich ein Lektorat ablehnen. Diese bekommen noch einen eigenen Beitrag. Aber heute möchte ich mit Dir darüber reden, wie Du ein*e Lektor*in findest. Und vor allem, wie Du das Ganze theoretisch finanzieren könntest.

Die Suche

Der Verband

Beim Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren findest Du viele Informationen rund um das Lektorat, Kosten und einiges mehr. Und natürlich auch eine Datenbank, bei der Du nach Deiner*m Lektor*in suchen kannst. Im Grunde genommen kann man davon ausgehen, wer dort gelistet ist, sollte eine gewisse Qualität mit sich bringen.

Schau Dich dort um und dann natürlich auf den Seiten der Lektor*innen. Wenn Dich jemand besonders anspricht, könnte das was bedeuten.

Internetrecherche

Du kannst auch Deine Lieblingssuchmaschine auf machen und nach Lektor*innen suchen. Dort wirst Du dann die Internetseiten finden, welche Du Dir anschauen kannst. Meine Empfehlung ist ganz klar, schau Dir die Referenzen an.

Vor einiger Zeit hab ich eine Lektorin gefunden, die zwar hochgelobt wurde, aber scheinbar bisher nur ein einziges Buch lektoriert hatte. Inwiefern dies gute Werbung ist, sei dahingestellt. Mich hat das eher abgeschreckt, wenn ich ehrlich sein darf. Natürlich fängen wir alle mal klein an, das will ich nicht in Abrede stellen. Aber wenn ich mich als Lektorin positionieren möchte, sollte ich idealerweise im Vorfeld schon einige Bücher bearbeitet haben. Und die alle gehören dann auf meine Referenzseite.

Wenn genügend Referenzen vorhanden sind, schau Dir die Bücher bei den Onlinehändlern an. Werden sie gut besprochen oder beschwert man sich über das Lektorat? Hast Du an jemand besonders viel Interesse, lohnt es sich durchaus ein Buch zu kaufen und es zu lesen. Du könntest auch die*en Autor*in anschreiben und fragen, wie die Zusammenarbeit war.

Bleib bei Deinen Anfragen immer höflich, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Du auch eine Antwort bekommst.

Blick ins Buch

Wir haben sie alle, unsere Lieblingsbücher. Und die meisten hatten ein Lektorat. Gerade dann, wenn sie in einem Verlag veröffentlicht wurden. Da hast Du meistens keine Möglichkeit Dich dagegen zu wehren.

Im Impressumsteil findest Du dann die wichtigen Daten. Wer hat das Cover erstellt, wer das Korrektorat und eben, wer das Lektorat. Ein Blick in ein Verlagsbuch lohnt sich übrigens auch. Denn viele Lektor*innen arbeiten freiberuflich, auch für Verlage. Hat Dir ein Buch besonders gut gefallen, schau nach, wer das Lektorat übernommen hat.

Nein, ein gutes Buch ist nicht immer der Verdienst eines Lektorats. Darüber müssen wir nicht diskutieren. Wenn die Vorlage schlecht ist, dann kann auch das beste Lektorat der Welt dieses Werk nicht mehr retten. Aber es ist durchaus wahrscheinlich, dass das Lektorat die Geschichte noch einmal verbessert hat. Und daher lohnt es sich, mit dieser Person dahinter einmal auseinanderzusetzen.

Such nach der Internetseite und ob diese Person auch mit Dir arbeiten möchte. Denn eins sei Dir versichert, nicht alle Lektor*innen werden mit Dir als Selfpublisher*in zusammenarbeiten. Leider finde ich den Beitrag nicht mehr, aber vor einigen Jahren hatte sich eine Lektorin negativ über die SP-Szene geäußert. Ihr Fazit, sie möchte nie wieder mit Autor*innen aus diesem Bereich zusammenarbeiten. Aber dies ist mir nur ein einziges Mal untergekommen.

Eventuell ergibt sich aber auch hier eine tolle Zusammenarbeit.

Empfehlungen

Als ich nach einer*m Lektor*in gesucht habe, hab ich einfach bei Twitter nach Empfehlungen gefragt. Dazu hab ich die Genres erwähnt, über die ich schreibe und dann einfach gewartet. In der Tat kamen einige Empfehlungen, an die ich nicht gedacht habe oder die ich so nicht entdeckt hätte.

Über diese Empfehlungen kannst Du Dir die Internetseiten anschauen und dann sehen, ob ihr theoretisch zusammenarbeiten könntet. Auch hier gilt, schau Dir ruhig die Referenzen an. Es müssen nicht viele sein, aber aussagekräftig schon. Und dann kannst Du die nächste Stufe angehen.

Die Auswahl

Wenn Du eine*n Lektor*in für Dich ausgesucht hast, oder auch mehrere, empfehle ich Dir dringlichst, ein Probelektorat zu machen.

Was ist ein Problektorat?

Meistens schickst Du die ersten drei Normseiten Deines Projektes an die Person oder Personen und bekommst diese lektoriert zurück. Mit dem Problektorat sollst Du sehen, ob ihr Beide zusammenarbeiten könnt. Das bedeutet, Du kannst schauen, ob Dir die Arbeit gefällt. Und Dein*e Lektor*in kann ebenfalls entscheiden, ob sie*er mit Dir zusammenarbeiten möchte.

Denn ja, auch ein*e Lektor*in kann sich gegen eine Zusammenarbeit entscheiden.

(Mögliche) Kosten

Bei einigen Lektor*innen ist das Probelektorat kostenfrei. Andere hingegen verlangen eine kleine Gebühr. Wenn Du eine Gebühr bezahlen sollst, kann ich sie Dir nur empfehlen. Lieber im Vorfeld zehn oder fünfzehn Euro für drei Seiten bezahlen, als dass Du die falsche Wahl triffst. Denn ich hab durchaus einige Horrorgeschichten zum Thema Lektorat gehört und gelesen, da möchte ich lieber im Vorfeld wissen, mit wem ich es zu tun habe.

Natürlich könnte man sich das Geld auch sparen. Aber lieber jetzt bezahlen, als später drauf zahlen.

Die Wahl

Wenn Dir das Problektorat zusagt und Dein*e Lektor*in klar mitteilt, dass sie*er mit Dir zusammenarbeiten möchte, bist Du am Zug. Willst Du oder willst Du nicht? Gerade, wenn Du mehrere Anfragen versendet hast, ist es wichtig, irgendwann eine klare Entscheidung zu treffen. Und es ist auch völlig in Ordnung, wenn Du eine Absage versendest. Immerhin könnte es ja sein, dass Du mit einer anderen Person zukünftig zusammenarbeiten möchtest.

Daher empfehle ich Dir, die Sache nicht im Sand verlaufen zu lassen. Schreib eine kleine Dankesmail und eben die Absage. Und wenn Du möchtest, dass Du gerne eventuell zukünftig mit der Person zusammenarbeiten möchtest.

Absprachen

Du hast Dich für ein Lektorat entschieden? Herzlichen Glückwunsch! Damit hast Du den wichtigsten Schritt schon getan. Jetzt heißt es, sofern Du es noch nicht getan hast, schreib nun Deine Geschichte zu Ende und überarbeite sie selbst. Eventuell mit Deinen Alphaleser*innen.

Wenn das soweit ist, solltet ihr beide im Vorfeld klären, was das Lektorat beinhaltet.

Kosten

Wie viel kostet Dich das komplette Lektorat? Lass Dir eine konkrete Summe für jede Normseite nennen und dann für das komplette Werk. Natürlich könntest Du es Dir ausrechnen. Aber wenn Du nicht weißt, wie halbe Seiten (also die Seiten am Ende eines Kapitels) berechnet werden, kannst Du keine exakte Aussage machen. Notfalls frag nach, wie diese Seiten berechnet werden.

Durchgänge

Normalerweise bekommst Du pro Lektorat zwei Durchgänge. Im ersten Durchgang wird Dir genau aufgezeigt, was Du besser machen kannst und was okay ist. Das Wichtige sollte Dir aber immer bewusst sein, es ist Deine Geschichte. Lass Dir also niemals irgendeine Meinung aufzwingen. Wenn Du etwas übernehmen möchtest, ist das genauso in Ordnung, wie, wenn Du es nicht tun möchtest.

Sollte Dein*e Lektor*in Dich zu einer Übernahme zwingen, überleg Dir genau, ob dann eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gegeben ist. Notfalls frag andere Autor*innen, wie sie einen solchen Fall betrachten.

Im ersten Durchgang werden alle Schnitzer ausgeräumt und beseitigt. Im zweiten Durchgang wird dann noch einmal geschaut, ob da noch irgendwelche logischen Fehler bestehen. Auf die werden dann noch einmal hingewiesen. Wenn das erledigt ist, ist auch die Zusammenarbeit erledigt.

Abweichungen können zwischen euch beiden immer besprochen werden. Aber auf zwei Durchgänge würde ich schon einen gewissen Blick werfen.

Rechtschreibfehler

Wenn sich Dein*e Lektor*in intensiv mit Deinem Text befasst, wird sie*er irgendwann blind. Da können kleine Schnitzer übersehen werden, einfach, weil man sie nicht mehr sieht. Im Idealfall werden diese korrigiert. Aber das ist nicht die Aufgabe des Lektorats. Daher erwarte nicht, dass diese behoben werden.

Zahlweise

Normalerweise wird Summe X innerhalb von Zeitraum Y überwiesen und damit hat es sich. Aber wenn Du offen und ehrlich mit Deiner*m Lektor*in sprichst, dann sind sicherlich auch Abweichungen möglich. Eventuell kannst Du ein Prepaidlektorat in Anspruch nehmen. Du überweist also eine gewisse Summe und Dein*e Lektor*in überarbeitet so lange den Text, bis das Geld aufgebraucht ist. Und dann wartet sie*er so lange, bis dass nächste Geld unterwegs ist.

Oder Du fragst nach einer Ratenzahlung. Wenn Du die Gesamtsumme kennst, kannst Du jeden Monat eine Summe X überweisen. Wie hoch sie ist, das müsst ihr besprechen. Eventuell sollst Du vor dem Beginn des Lektorats zahlen oder kannst es auch danach machen.

Egal wie ihr vorgeht, sprecht offen und ehrlich miteinander, wenn Du Dir die Summe nicht auf einmal leisten kannst. Meine Vermutung ist, dass die meisten mit sich reden lassen. Gerade dann, wenn es Dein Erstlingswerk ist.

Die Finanzierung

Sagen wir, dass Dein Lektorat 1.000 € kostet. Das ist eine beträchtliche Summe. In der Vergangenheit hatte ich Arbeitsverträge mit einem Monatslohn, die deutlich darunter lagen (bei einer Vollzeitstelle wohlgemerkt). Jetzt stellt sich die Frage, wie an so viel Geld kommen?

Sparen

Mit dem Beginn des Schreibens an Deinem Roman kannst Du sofort anfangen zu sparen. Überleg Dir, was Du für Kosten haben könntest. Probier dieses Tool aus und Du wirst eine grobe Summe am Ende haben. Zwar ist das eine sehr grobe Rechnung. Aber rechne noch ein paar Hundert Euro rauf und Du hast eine realistische Summe.

Wenn Du mit dem Bullet Journal arbeitest, wirst Du viele Tracker finden, die sich um das Sparen von Geld drehen. Innerhalb eines Jahres ist es theoretisch möglich, eine vierstellige Summe zu sparen. Und für den Anfang ist das ausreichend.

Ratenzahlung / Prepaidzahlung

Das habe ich schon oben bei Zahlweise erwähnt. Daher gehe ich nicht noch einmal darauf ein.

Crowdfunding

Bei einem Crowdfunding bittest Du fremde Personen, Dir Geld zu leihen, damit Du Deine Projekte umsetzen kannst. Dafür musst Du den Leuten aber etwas geben. Meine Empfehlung ist, dass Du Dich genau darüber informierst. Wer hat das schon gemacht, wie war der Erfolg und was solltest Du dafür als Gegenleistung anbieten.

Häufig musst Du noch nicht einmal das fertige Buch als Gegenleistung anbieten, sondern eine andere kreative Leistung. Aber da ich selbst damit (noch) keine Erfahrungen habe, kann ich Dir dazu nicht viel sagen. Aber es gibt einige Autor*innen, die das schon gemacht haben. Recherchiere danach und frag freundlich bei diesen nach. Die können Dir sicherlich besser weiterhelfen.

Probleme

Ab und an könnte es auch dazu kommen, dass es Probleme gibt. Dein*e Lektor*in hält sich nicht an die Absprachen oder will Dir ihren*seinen Willen aufzwingen. Denk erst einmal daran, dass es auch nur Menschen sind. Mit anderen Worten, sie handeln daher auch menschlich. Das ist nicht immer gut, aber dadurch erst einmal nachvollziehbar.

Wenn es zu Problemen kommt, dann frag ruhig bei anderen Autor*innen nach, wie sie damit umgehen würden. In erster Linie, wenn ihr einen Vertrag habt (dazu reicht auch eine E-Mail, denn in Deutschland herrscht Vertragsfreiheit), hat Dein*e Lektor*in diesen zu erfüllen. Sollte sie*er sich weigern, nicht bezahlen und ein*e neue Lektor*in suchen.

Solltest Du bereits bezahlt haben, ist es manchmal notwendig juristische Hilfe zu holen. Aber erst einmal gilt, redet miteinander. Manchmal liegt es an der (fehlenden) Kommunikation, dass es zu Problemen kommt. Und wenn das nicht hilft, Hilfe suchen.

Abschlussgedanken

Es ist nicht ganz so einfach, sich ein*e Lektor*in zu suchen. Denn es gibt durchaus einiges zu beachten. Und ob es sich für Dich (finanziell) lohnt, musst Du selbst entscheiden. Damit meine ich, ob Du die Kosten für das Lektorat wieder hereinbekommst. Die einen werden sagen, ja, es lohnt sich, egal wie. Die anderen werden argumentieren, dass es dem nicht so ist.

Bedenke dabei bitte immer eines, es ist Deine Entscheidung. Niemand kann sie Dir abnehmen. Aber nach diesem Beitrag hast Du einige Dinge gelesen, auf die Du achten solltest. Den Rest wirst Du dann selbst herausfinden. Learning by doing wie es doch so schön heißt.

Und dabei wünsche ich Dir viele tolle Erfahrungen und Ergebnisse.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

frau-schreibseele

Mein Thema ist das geschriebene Wort. Das gilt sowohl für Romantexte als auch fürs Lettering, Sketchnote, Bullet Journals und was man noch schreiben kann. Aktuell arbeite ich an meinem ersten Roman, der 2018 veröffentlicht werden soll.

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