Marketing Buch: Die Leseprobe

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

noch 8 Prozent der Teilnehmenden an meiner Umfrage sagten, dass eine Leseprobe ihnen beim Kaufentscheid hilft. Das mag auf dem ersten Blick nicht viel sein. Aber wenn Du Dir den Twitterthread durchliest (das kannst Du machen, auch wenn Du nicht bei Twitter angemeldet bist), dann siehst Du, dass viele eine Reihenfolge haben. Erst lassen sie sich vom Cover ködern, dann vom Titel, dann den Klappentext und dann die Leseprobe. Oder sie haben eine andere Reihenfolge.

Aber man kann sagen, eine Leseprobe sollte, trotz allem, nicht unterschätzt werden.

Kurze Vorgedanken

Es gibt genügend Leute, die Du mit Deinem Cover und Klappentext überzeugen kannst. Die öffnen häufig gar nicht das Buch und machen sich mit dem Schreibstil vertraut. Zu diesen Kamikazeleserinnen gehöre ich übrigens auch. Man hofft irgendwie, dass es schon gut ausgehen wird, und kauft sich das Buch. Zumal sich der Horror eines Buches auch eher hinten befindet.

In letzter Zeit habe ich zwei Bücher abgebrochen, die sich anfänglich gut gelesen haben. Doch dann gab es Elemente, bei denen ich mir dachte, ehrlich jetzt? Das war dann der Grund, die Bücher nicht mehr weiterzulesen. Mit einer Leseprobe hätte ich das wohl nicht herausgefunden. Es bleibt also immer ein gewisses Restrisiko. Zumal es durchaus passieren kann, dass Kapitel 1 hervorragend ist und dann brach die Qualität fast in sich zusammen.

Im folgenden möchte ich daher erklären, wo und wie Du eine Leseprobe veröffentlichen könntest. Und vor allem, was Du bei einem Non-Fiction Buch veröffentlichen solltest. Da gibt es für mich einen gewissen Unterschied.

Kurzdefinition: Leseprobe

Eine Leseprobe ist, ganz klar, ein Ausschnitt aus Deinem Buch, den Du öffentlich machst und kostenfrei zum Lesen anbietest. In einem Buchladen haben die Leser*innen die Möglichkeit das Buch aufzumachen und zu lesen. Im Internet ist dies nicht möglich. Daher sind die Lesenden darauf angewiesen, dass ihnen zumindest ein Ausschnitt angeboten wird.

Die meisten Onlineshops bieten eine Möglichkeit an, damit man die ersten Seiten lesen kann. Zudem kann man auf der eigenen Internetseite eine Leseprobe veröffentlichen.

Die Länge

Wie lang eine Leseprobe sein soll, darüber kann man keine eindeutige Aussage machen. Nehmen wir an, Du würdest zehn Prozent veröffentlichen wollen. Das wäre bei einhundert Seiten zehn Seiten. Bei 400 schon vierzig und bei 1.000 Seiten dann satte 100 Seiten. Das sind schon nicht wenige Seiten. Diese Anzahl könnte man schon fast als XXL-Leseprobe bezeichnen.

In erster Linie empfehle ich Dir, vertrau Deinem Bauchgefühl. Gerade dann, wenn Deine Geschichte eher kurz ist. Bei langen Geschichten kann es sich schon lohnen, wenn Du Kapitel 1 bzw. Dein Prolog veröffentlichst. Aber an pauschalen Vorgaben würde ich mich nicht halten. Auf Dauer bringen die nichts.

Wenn Du auf einem anderen Marktplatz die Leseprobe veröffentlichst, musst Du Dich an deren Regeln halten. Überprüf genau, wie viel von Deiner Geschichte veröffentlicht werden soll. Wenn es noch im humanen Bereich ist, dann solltest Du diese Möglichkeit nutzen. Ansonsten gibt es andere Wege, eine Leseprobe zur Verfügung zu stellen.

Aber gehen wir die einzelnen Möglichkeiten kurz durch.

Onlineshops

Zumindest beim größten Onlinebuchhändler gibt es meistens die Möglichkeit, einen Blick ins Buch zu werfen. Dort werden automatisch eine gewisse Prozentanzahl des anfänglichen Buches veröffentlicht, wenn man es einrichtet. Und dann können die Leser*innen sich einen Eindruck vom Buch machen.

Diese Funktion muss ausgewählt werden, da ich häufig Bücher finde, in die man nicht schauen kann. Auch wenn vielleicht nicht viele diese Möglichkeit nutzen, solltest Du diese trotzdem zur Verfügung stellen. Einfach aus dem Grund, dass auch die Kamikazeleser*innen ab und an einen Blick in Deine Geschichte werfen wollen. Und dann kannst Du sie damit überzeugen.

Daher würde ich auf dieses Marketingmittel nicht verzichten.

Die Beschreibung

Erst vor kurzem hab ich entdeckt, dass jemand einen Blick ins Buch gewährt und trotzdem eine Leseprobe in der Beschreibung zur Verfügung gestellt hat. Das kann tatsächlich nützlich sein, wie ich finde.

Denn einige dürften durchaus den Blick ins Buch meiden. Aber wenn Du eine Leseprobe auf Augenhöhe zum Klappentext anbietest, könnten einige eher neigen, sich diese durchzulesen. Und damit könntest Du tatsächlich die Leute entsprechend noch ködern. Wenn ich aber ehrlich bin, ich würde diese Leseprobe eher kürzer halten. Denn ich kenne mich. Sehr lange möchte ich nicht auf dem Monitor lesen. Und entweder mich fesselt die Leseprobe (wenn ich sie schon mal lese) oder das Buch wird nicht gekauft.

Deine Internetseite

Deine Internetseite bietet sich für eine vernünftige Leseprobe geradezu an. Dort kannst und solltest Du Deine Bücher bewerben. Und neben den Fakten (wie Klappentext oder ISBN-Nummer) kannst Du dort eben einen Textauszug präsentieren. Das Besondere hier ist, dass Du nicht zwangsläufig den Anfang Deiner Geschichte posten musst. Du könntest eine besonders tolle Szene aus Deinem Buch nehmen und kurz vor dem Höhepunkt abbrechen. Also einen bösen Cliffhanger posten.

Wie Du Deine Leseprobe auf der Internetseite präsentierst, ist Dir überlassen. Entweder Du kopierst diesen einfach auf die Seite oder bindest es mit irgendwelchen Spielereien ein. Aber Achtung: Bei den Spielereien könnte es schlimmstenfalls passieren, dass Deine Leser*innen diese gar nicht aufrufen könnten. PDF mag weit verbreitet sein. Aber ich kenne tatsächlich einige Leute, welche den Reader gar nicht auf ihrem PC haben und somit solch eine Datei nicht öffnen können. Nur, um mal ein Beispiel zu nennen.

Andere Portale

Es gibt unzählige andere Portale, bei denen Du eine Leseprobe hochladen kannst. Während Du auf Deiner Internetseite noch eine alternative Szene posten kannst, würde ich nicht zu viele verschiedene Szenen überall posten. Nicht, dass am Ende Deine Leser*innen sich dadurch das Buch zusammenreimen können. Dann müssen sie es nicht mehr kaufen. Und das wäre doch schade.

Daher entscheide Dich für eine einheitliche Leseprobe und veröffentliche diese. Sofern nicht eine besondere Seite aus Deinem Buch verlangt wird. Seite 99 zum Beispiel möchte Deine, wie der Name schon verrät, 99 Seite haben. Das wäre dann eine Ausnahme. Oder Du arbeitest eben mit dieser Seite auf den anderen Portalen.

Hier schau Dir genau an, was die Portale verlangen und entscheide dann. Notfalls kannst Du Dich auch mit anderen Autor*innen beratschlagen, wie sie es handhaben bzw. handhaben würden. Über solche Kontakte kannst Du mehr erfahren, als über jede FAQ-Seite.

Dein Buch

Wenn Du Deinen ersten Roman veröffentlichst, dann hat sich dieses Thema erst einmal für Dich erledigt. Aber spätestens beim zweiten Roman solltest Du diese Möglichkeit in Betracht ziehen. Oder auch bei Reihen.

Am Ende Deines Romans kannst Du gerne ein Nachwort schreiben. Und dann das erste Kapitel eines anderen Romans veröffentlichen. Manche machen es sogar so, dass sie aus mehreren Romanen Kapitel 1 dazu packen. Kann man machen, man sollte es nur nicht übertreiben.

Auf alle Fälle solltest Du Dich entscheiden, ob Du genreähnliche Kapitel veröffentlichst. Oder sogar genrefremde Kapitel. Also, wenn Du eine Fantasiegeschichte geschrieben hast, könntest Du natürlich die ersten Kapitel aus anderen Fantasiegeschichten reinpacken. Alternativ wäre es auch möglich, aus Deinem Krimi was zu nehmen. Damit könntest Du Deine Leser*innen darauf aufmerksam machen, dass Du mehr schreibst, als eben nur Fantasie. Vorausgesetzt natürlich, Du veröffentlichst in verschiedenen Genres.

Bei einer Reihe kann es sich durchaus lohnen, Kapitel 1 des Nachfolgebandes mit zu veröffentlichen. Damit sorgst Du dafür, dass Deine Leser*innen weiterhin in der Welt gefangen bleiben und bekommen Lust auf mehr. Und das bietest Du ihnen. Damit besteht die Möglichkeit, dass sie unbedingt das nächste Band wollen und es kaufen wollen.

Solltest Du bei der Veröffentlichung des aktuellen Bandes die Nachfolgegeschichte noch nicht fertig haben, ist das kein Problem. Zum einen kannst Du es auch auf Deiner Internetseite bewerben. Und beim Selfpublishing kannst Du die Datei entsprechend anpassen. Oder Du veröffentlichst erst die Geschichte, wenn Du den Anfang des Nachfolgebandes sicher fertig hast. Das kann natürlich ein Risiko sein, wenn Du es doch veränderst, aber so kannst Du Lust auf mehr machen. Oder Du schreibst die Geschichte komplett und veröffentlichst dann die Vorgeschichte.

Achtung: Non-Fiction

Zu den Non-Fiction Büchern zähle ich Ratgeber, Sachbücher un Fachbücher. Hier herrscht ein anderes Gesetz, als bei den Romanen. Diese kannst Du verkaufen, auch ohne eine Leseprobe, aber mit einem sehr guten Klappentext. Bei Non-Fiction Büchern sieht das ein wenig anders aus.

Denn diese sollen ein Problem lösen. Entweder, indem sie Dir Wissen anbieten oder auf eine Lebensfrage einen konkreten Rat anbieten. Daher kaufen die meisten Lesenden ein Buch, um dieses Problem zu lösen. Und schlimmstenfalls nur eines, damit sie das Problem gelöst bekommen.

Daher finde ich es hier sehr wichtig, dass Du das Inhaltsverzeichnis veröffentlichst. Und zwar das komplette Inhaltsverzeichnis wohlgemerkt. Dort kann ich als Leserin dann sehen, worum es sich bei Deinem Non-Fiction Buch handelt und entscheiden, ob mich diese Themen ansprechen. Finde ich nicht im Inhaltsverzeichnis das, was mein Problem löst, könnte es sein, dass ich das Buch nicht kaufe. Wenn doch, kann allein das schon ein Kaufargument sein. Ohne das Buch weiter zu lesen.

So hab ich auch schon Non-Fiction Bücher nicht gekauft, weil ich nicht nachvollziehen konnte, um was es sich dabei handelte. Also, ich konnte nicht ins Inhaltsverzeichnis schauen. Man sollte sich dabei immer bewusst sein, jemand anderes wird dieses Thema auch aufgreifen. Vielleicht Schlechter. Aber diese Person wird vielleicht das Inhaltsverzeichnis zur Verfügung stellen und damit das Buch verkaufen.

Abschlussgedanken

Bei Leseproben kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Außer vielleicht, gar keine anzubieten. Daher kann ich Dir empfehlen, Dir Gedanken zu machen, wo, wie und welchen Teil Deiner Geschichte Du als Leseprobe anbietest. Und dann kann es schon losgehen.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß und Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

 

 

 

 

frau-schreibseele

Mein Thema ist das geschriebene Wort. Das gilt sowohl für Romantexte als auch fürs Lettering, Sketchnote, Bullet Journals und was man noch schreiben kann. Aktuell arbeite ich an meinem ersten Roman, der 2018 veröffentlicht werden soll.

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