Polyamore Fiction

Polyamore Fiction

Hei, hallo und herzlich willkommen,

der letzte Beitrag in dieser Reihe dreht sich um einen Beziehungstyp, der nicht nur in Fiction vorkommt, sondern auch in der realen Welt. So hat sich ein australisches schwules Paar tatsächlich scheiden lassen, um eine polyamore Beziehung zu beginnen. Warum auch nicht?

Kurze Vorgedanken

PolyamorieGeschichten zu diesem Thema habe ich zuerst in amerikanischen Büchern gefunden. Und das dann auch aus dem Gay-Bereich. Bisher habe ich noch keine polyamore Geschichten mit anderen Konstellationen gesehen. Das bedeutet aber nicht, dass es sie nicht gibt. Und vor allem bedeutet es nicht, dass Du das nicht schreiben kannst.

Daher schauen wir uns heute diesen möglichen Beziehungstyp etwas genauer an.

Was ist eine polyamore Beziehung?

Polyamorie ist eine Beziehungsform, in der eine Person mehr als eine weitere Person lieben kann. Und das wird nicht über eine Affäre gelebt, sondern in einer festen und stabilen Beziehung. Hier sind alle beteiligten Personen eingeweiht und stimmen dieser Konstellation zu.

Meine Empfehlung ist, ließ Dir den oben verlinkten Beitrag durch, der sehr aufschlussreich ist. Daher werde ich mich im weiteren Verlauf auf die Bedeutung im fiktionalen Bereich konzentrieren.

Denn hier wird die polyamore Beziehung als eine Dreibeziehung beschrieben. Das bedeutet, dass mindestens drei Menschen (theoretisch können es auch mehr sein) sich finden und gemeinsam eine Beziehung eingehen. Und zwar alle mit allen. Also, Figur A liebt Figur B und C. Figur B liebt A und C. Und Figur C liebt A und B.

Damit wird die Idee, dass ein Mensch mehr als einen anderen Menschen liebt weiter auf die Spitze getrieben. Denn die Personen müssen akzeptieren, dass die beiden Menschen die sie*er liebt, ebenfalls jemand anderen liebt. Zwar führen sie eine gemeinsame Beziehung, aber man steht, im Gegensatz zu einer monogamen oder polyandren bzw. polygamen Beziehung, nicht im Mittelpunkt der anderen Person.

Per se ist das nicht schlimm. Da wir aber mit dem Bild einer monogamen Beziehung aufgewachsen sind, erfordert das durchaus ein individuelles Wachsen und Reifen. Immerhin könnte dabei auch Eifersucht entstehen. Und die muss akzeptiert und überwunden werden.

Diese Beziehung in Deinem Roman

PolyamorieWenn Du es jetzt faszinierend findest, darüber tatsächlich zu schreiben, dann gilt auch hier, dass Du Dir ein paar Fragen stellen solltest. Denn hier hast Du nicht nur das Konzept, dass ein Mensch zwei andere Menschen liebt. Sondern alle drei Menschen (oder wie viele Du auch immer in die Beziehung stecken möchtest) haben miteinander eine Beziehung. Und im Idealfall sollten sie auch nicht eifersüchtig aufeinandersein, sodass die Beziehung auf Dauer hält.

Wie sehen sich die Personen in der Beziehung selbst?

Jeder Mensch hat ja ein bestimmtes Bild von sich selbst. Wie sieht es mit Deinen Charakteren aus? Wie sehen sie sich selbst überhaupt als Mensch. Und dann, wie in diese Beziehung. Fühlen sie sich wohl, zurückgesetzt oder möchten sie dominieren? In Deiner Geschichte kannst Du einige negative Gefühle durchaus in diese Konstellation holen. Immerhin wollen wir ja, dass es erst einmal spannend wird. Erst am Ende kann das alles überwunden werden und für sie ein Happy End geben – sofern Du das möchtest.

Definiere also das Selbstbild und das Beziehungsbild. Vermutlich lassen sich hier schon die ersten Konflikte für eine spannende Geschichte finden.

Wie kommen sie zusammen?

PolyamorieAuch hier gilt es, wie kommt Dein Trio zusammen? Waren sie zuerst zu zweit und dann kam eine dritte Person hinzu? Ist das dynamisch gewachsen? Oder war es erst eine polyandre/polygame Beziehung, die sich zu einer polyamoren entwickelt hat? Es gibt hier viele Möglichkeiten, die Du wählen kannst. Wichtig ist, dass zumindest Du weißt, wie sie zusammengekommen sind.

Natürlich kannst Du die Informationen auch in Deinem Roman einbauen oder die Geschichte erzählen. Hauptsache, sie passt dazu.

Wie reagiert die Umwelt darauf?

Wenn Dein Trio zu den Schwiegereltern gehen und sagt, dass sie nun zu dritt vögeln, wie werden sie darauf reagieren? Manche sind dafür offen, andere hingegen dürften zumindest vom Stuhl fallen.

Je nachdem, in was für eine Welt Du Deine Geschichte ansiedelst, kann eine solche Beziehung normal sein oder so unnormal, dass Deine Liebende sogar um ihr Leben fürchten müssen. Das entscheidest letztendlich Du selbst. Wenn Du entscheidest, dass die Beziehung in der Welt normal ist, musst Du darauf nicht so viel Energie aufwenden, als wenn es nicht so wäre. Dann könnte es spannend werden, wenn Du darstellst, wie sie unter der Ausgrenzung durch die anderen Leiden.

Daher finde ich es hier wichtig, dass Du zeigst, in was für einer Gesellschaft wir uns in Deiner Geschichte befinden. Und auch, wie sie auf eine solche Beziehung reagieren.

Die sexuelle Komponente

Am Ende läuft es sehr wahrscheinlich darauf hinaus, dass viele Autor*innen ihre drei oder auch mehr Charaktere gemeinsam ins Bett schicken. Das kannst Du natürlich machen. Es ist aber auch möglich, dass sie ab und an zumindest, monogamen Sex genießen. Wie Du es am Ende hältst, muss die Geschichte entscheiden. Wichtig finde ich nur, dass man weiß, wer was macht.

Häufig lese ich Szenen mit monogamen Sex (also mit nur zwei Personen). Und da habe ich manchmal schon Probleme zu wissen, wo die zwei sich befinden. Daher könnte es zumindest theoretisch mit einer Dreierkonstellation noch etwas komplexer werden. Meine Empfehlung ist ganz klar, beschreib genau und lass jemanden darüber lesen die*der da sehr kritisch ist. Wenn sie*er es nicht versteht, solltest Du Dir zumindest überlegen, da noch einmal nachzubessern.

Alle Konstellationen sind möglich

PolyamorieZwar sind schwule polyamore Geschichten momentan am bekanntesten, genauso wie die F/MM Geschichten. Das bedeutet aber nicht, dass es hier enden muss. Du kannst auch ein Mann und zwei Frauen in eine Beziehung nehmen. Drei Frauen. Oder was für Geschlechtertypen Du auch immer gerne zeigen möchtest. Nichts ist unmöglich.

Sei daher durchaus mutig und zeig, was möglich ist.

Abschlussgedanken

Sicherlich gibt es noch weitere Möglichkeiten, wie Du Deine Charaktere in eine Beziehung stecken kannst. Die hier Vorgestellten dürften sicherlich die bekanntesten sein. Daher, tob Dich aus und gib Deiner Geschichte noch einen gewissen Schuss an Besonderheit. Solange die Geschichte gut ist, darfst Du Dich diesbezüglich austoben.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

 

Polygame und polyandre Fiction

Polygame und polyandre Fiction

Hei, hallo und herzlich willkommen,

im Leben selbst sind diese Beziehungstypen in der Vergangenheit in einigen Gesellschaften schon vorgekommen. Zwischenzeitlich kommen sie aber auch wieder in der Gegenwart an und bieten für das Leben aber auch für eine Geschichte durchaus interessante Ideen.

Kurze Vorgedanken

Heute geht es in den ganzen Beziehungsgeschichten darum, wenn sich ein Mensch in mehr als zwei Menschen verliebt. Viele behaupten, dass das nicht gehen würde. Darauf gab es mal eine gute Erwiderung. Und zwar, wenn Du verheiratet bist und ein Kind hast, wen von beiden liebst Du? Jetzt könnte man lang und breit diskutieren, dass man ein Kind anders liebt, als eine erwachsene Person. Aber wenn Du zwei Kinder hast, dann könntest Du ja von denen nur eines lieben, wenn man nur eine einzige Person lieben könnte.

Zudem gibt es Menschen, die ihre Ehepartner*innen lieben und zugleich eine Affäre beginnen. Wie geht das, wenn man sich in nur eine Person verlieben könnte? Gehen wir für diesen Beitrag davon aus, dass es möglich ist, mehr als nur einen Menschen zu lieben. Und dann für Deine Geschichte. Daraus könnte durchaus etwas Interessantes entstehen.

Was ist eine polygame Beziehung eigentlich?

Unter einer polygamen Beziehung versteht man, wenn ein Mann sich in zwei oder mehr Cis-Frauen verliebt. Jedoch geht es hier auch noch weiter. Der Mann geht mit beiden Frauen eine Beziehung ein und die Frauen stimmen dem zu. Man kann auch von einem Harem sprechen. Nur, dass die Frauen nicht in einem abgesperrten Bereich einer Wohnung oder derartiges Leben, sondern selbstbestimmt (hoffentlich zumindest) neben dem Mann auch außerhalb des Wohnbereiches agieren.

Eine religiöse Gruppe, die früher, und zum Teil noch heute polygam lebt, sind die Mormonen.

Dein Held verliebt sich also in mindestens zwei Frauen und geht mit beiden eine Beziehung ein. Und die Frauen billigen dies zumindest, wenn sie das nicht sogar aktiv gestalten. Damit meine ich, dass sie sich untereinander anfreunden und dadurch die Beziehung Stablisieren. Es wäre nichts anstrengeder, als wenn man mit zwei Frauen verheiratet wäre und die sich nicht ausstehen könnten.

Wichtiger Hinweis: Zwar können natürlich alle sich zu einem hübschen Dreier zusammenfinden. Aber die Frauen gehen ansonsten keine sexuelle Beziehung miteinander ein. Dazu kommen wir nächste Woche.

Was ist eine polyandre Beziehung?

Bei einer polyandre Beziehung steht die Frau im Mittelpunkt. Sie hat mit mindestens zwei Männern eine Beziehung und beide wissen und akzeptieren es. In der modernen Literatur wird das auch als Reversed Harem Story bezeichnet. Du kannst gerne mal in den bekannten Onlineshops danach suchen und findest zwischenzeitlich einiges an Literatur.

In matriarchalischen Gesellschaften soll diese Beziehungsform nicht ganz unüblich gewesen sein. Denn dort war die Rolle des Mannes eine völlig andere (der Bruder war wichtiger als der Ehemann). Und zudem war es für das Kind auch um einiges besser, wenn sich zwei oder auch mehr Männer, um das leibliche Wohl des Kindes kümmerten. Zudem war es auch noch eine Möglichkeit, um die Überbevölkerung zu verhindern.

Was ich damit meine?

Wie oft kann ein Mann zwei Frauen schwängern? Und wie oft können zwei Männer eine Frau schwängern? Es soll Orte gegeben haben, bei denen die polyandre Beziehung gelebt wurde und die Bevölkerungszahl blieb über Jahrhunderte konstant.

Diese Beziehungsformen für Deine Geschichte

Wenn Du Lust hast, diese Beziehungsformen für Deine Geschichte zu verwenden, dann bist Du aktuell in sehr guter Gesellschaft. Zur Zeit entstehen sehr viele Geschichte darum, dass eine Person eine Beziehung mit mindestens zwei anderen Personen eingeht. Dabei dominieren die polyandre Beziehungen jedoch stärker. Du wirst also mehr F/MM Geschichten finden.

Es gibt aber auch M/FF Geschichten. Leider eignen die sich aktuell eher dafür, selbst Hand anzulegen (wenn wir uns jetzt verstehen). Da besteht durchaus noch sehr viel Nachholbedarf.

Aber welche Fragen solltest Du Dir stellen, wenn Du solch eine Beziehungsform in Deine Geschichte verwenden möchtest?

Wie kommen die Personen zusammen?

Auch wenn Du das nicht in Deiner Geschichte erwähnst, ist es sicherlich interessant zu wissen, wie Deine drei Personen zusammenkommen? Immerhin wollen oder führen sie eine Dreierbeziehung. Wie kommt also der Mann oder die Frau dazu, sich mit mehr als einer Person einzulassen? Und dann geht es ja weiter. Wie sind sie zusammengekommen, um die Beziehung zu führen?

Überleg Dir daher, zumindest als Hintergrundgeschichte, was da passiert ist.

Wie sehen die Personen sich in der Beziehung?

Jeder Mensch hat ja ein Bild von sich. Und in einer Beziehung ist das nicht anders. Wie sehen sich die Drei also innerhalb dieser Beziehung? Sind sie glücklich? Oder muss da noch was passieren, damit alles rund läuft? Fühlt sich jemand als das dritte Rad am Wagen? Und so weiter.

Hier geht es mir darum, dass Du definierst, wie sich die Charaktere selbst sehen und dann auch in der Beziehung. Eventuell findest Du hier auch gute Anhaltspunkte für ein paar Konflikte.

In was für einer Gesellschaft leben Deine Charaktere?

Damit meine ich, befinden wir uns in einer Science-Fiction Welt oder spielt die Geschichte in einer Fantasyumgebung? Es könnte ja auch unsere Realität sein. Hier ist es durchaus wichtig, dass Du erst einmal definierst, wie die Gesellschaft normalerweise aufgebaut ist. Denn dadurch ergibt sich auch, wie sie die Beziehung Deiner Charaktere betrachten.

Wie reagiert die Umwelt auf diese Beziehungsform?

Wenn diese Beziehungsform in Deiner Gesellschaft normal ist, dann fallen sie nicht auf. Das wäre schlichtweg eine Beziehung von vielen, so wie es heute die monogame Beziehung ist. Sollte dies aber eher selten sein, weil sie nicht offen vorkommt, kommt es nun auf Dich an uns zu zeigen, wie die Umwelt darauf reagiert. Akzeptiert sie es sofort? Wenn ja, warum? Und wenn nicht, was ist hier der Grund?

Je nach Gesellschaft wird diese Beziehung irgendeine Reaktion hervorrufen. Diese muss dann halt auch realistisch sein. Vor einiger Zeit habe ich eine polyandren / Reversed Harem Geschichte gelesen, die im 19ten Jahrhundert spielte. Es gab zwar einige wenige, die etwas seltsam dreingeschaut hatte. Aber natürlich war es für alle in der Umgebung absolut normal, dass eine Frau mit zwei Männern ins Bett geht. Erst recht hat die konservative Mutter dies akzeptiert.

Leider kam das für mich nicht glaubwürdig herüber. Es blieb dieses Gefühl, ich muss ein Happy End durchprügeln. Egal wie Deine Charaktere darauf reagieren, zeig mir ein realistisches Bild. Dann gehe ich mit Dir mit.

Die sexuelle Komponente

Gerade wenn Du einen (erotischen) Liebesroman schreibst, empfehle ich Dir, dazu Gedanken zu machen. Gehen sie alle drei miteinander ins Bett oder immer nur zu zweit? Und wenn sie zu dritt intim werden, wie sieht das aus? Und wenn nicht, wie regeln sie das?

Abschlussgedanken

Wenn Du eine Dreiergeschichte schreiben möchtest, dann hast Du natürlich auch eine romantische Komponente dabei. Das bedeutet, dass Du Dir die Fragen stellen kannst, die Du zu einer monogamen Liebesbeziehung stellen würdest. Nur musst Du mit drei Charakteren arbeiten und die Dynamik zwischen den drei Menschen dabei berücksichtigen.

Ansonsten hast Du die Möglichkeit aus bisherigen Plots, mit denen viele arbeiten, mit einer Dreierbeziehung zu garnieren und etwas anderes daraus zu machen. Dazu gehört natürlich auch ein wenig Mut. Denn viele sind dafür noch nicht ganz so offen. Und auch wenn ich es in dem Hauptteil des Beitrages nicht geschrieben habe und es wohl eher rüberkam, dass nur Cis-Menschen diese Beziehung führen können, so stimmt das nicht. Natürlich kannst Du alle Geschlechtertypen nehmen, welche Dir zusagen und über die Du schreiben möchtest.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Deine frau schreibseele

 

Bisexuelle, polysexuelle und pansexuelle Fiction

 

Bisexualität, Polysexualität und Pansexualität

Hei, hallo und herzlich willkommen,

Bisexualität und Pansexualität geht in eine sehr ähnliche Richtung. Daher bespreche ich beide sexuelle Ausrichtungen in einem Beitrag, auch wenn sie grob gesehen, nicht das gleiche sind.

Kurze Vorgedanken

Ursprünglich wollte ich in diesem Beitrag nur über die bisexuellen Charaktere schreiben. Doch dann viel mir ein, dass es, unter anderem, auch noch die Pansexualität gibt. Nein, natürlich gibt es noch viel mehr Ausrichtungen. Aber mit diesen beiden Begriffen dürften die meisten von uns sicherlich etwas anzufangen wissen. Daher schreibe ich in erster Linie darüber.

Du kannst die Informationen als Grundlage für weitere Recherchen verwenden und dann sehen, was Du daraus machst.

Bisexualität

Was bedeutet eigentlich Bisexualität?

Bisexuelle Menschen haben sexuelles Interesse nicht nur in ein Geschlecht, sondern in zwei. Und zwar in Cis-Frauen und Cis-Männer.

Kurze Erklärung: Cis-Menschen sind Menschen deren gefühltes Geschlecht mit dem übereinstimmen, was in der Geburtsurkunde steht.
Das bedeutet, wenn eine Frau oder ein Mann sich auch als solche empfinden und dieses Geschlecht auch in der Geburtsurkunde steht, dann handelt es sich dabei um Cis-Menschen.

Das bedeutet also, dass eine bisexuelle Frau sich sowohl in Frauen als auch in Männern verliebt. Bei Männern ist es auch so, also er verliebt sich in Frauen und Männern. Jedoch nicht in weiteren Geschlechtern. Das bedeutet, sollten bisexuelle Menschen auf einen Mensch treffen, die*der Genderfluid ist, dann würde sie*er sich nicht in diese Person verlieben.

“Bisexuelle lieben nicht das Geschlecht, sondern den Menschen”

Vielleicht kennst Du diesen Spruch, dass bisexuelle nicht das Geschlecht liebt, sondern den Menschen. Dass das Lesben und Schwule sicherlich nicht gerne lesen oder hören, kann ich verstehen. Letztens meinte eine Dame, dass sie sich bestimmt nicht in die Brüste oder in die Vagina ihrer Liebsten verliebt hätte, sondern in den Menschen.

Das stimmt natürlich.

Andererseits kann man auch sagen, würde man das Geschlecht der Person ändern, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Lesbe oder ein Schwuler dann in sie*ihn verliebt? Der Spruch mag nicht fair sein, aber bis zu einem kleinen Grad hat er durchaus seine Daseinsberechtigung. Es wäre aber interessant diesen Spruch in einem Roman zu verwenden und dann die Charaktere darüber diskutieren zu lassen.

Bisexuelle haben mit dem eigenen Geschlecht Spaß und heiraten das andere Geschlecht

Das ist ein Problem, warum bisexuelle Menschen so einen schweren Stand haben. Denn vielen wirft man vor, dass sie mit dem eigenen Geschlecht eben sexuellen Spaß haben. Aber wenn es dann darum geht sich zu binden, entscheiden sie sich für das andere Geschlecht. So wie es die Gesellschaft letztendlich auch erwartet.

Man kann sagen, man weiß nicht, woran man bei ihnen ist. Während Lesben und Schwule sich eindeutig einem Geschlecht sexuell hingezogen fühlen, kann man das bei bisexuellen Menschen nicht sagen. Theoretisch können sie jederzeit sich in das andere Geschlecht verlieben und sind dann womöglich auf und davon und lassen den Schatz sitzen.

Nur sind bisexuelle Menschen genauso treu oder untreu wie alle anderen auch. Die sexuelle Ausrichtung selbst hat nichts damit zu tun.

Wie kann man über bisexuelle Charaktere schreiben?

Tatsächlich habe ich selbst bisher noch kein Buch über einen bisexuellen Charakter gelesen. Dabei gibt es durchaus welche. Dabei werden gerade Frauen zu bisexuellen Charaktere erklärt, damit sie auch wirklich Sex haben können (Stichwort zum Thema Klischee, dass Lesben keinen Sex haben).

Um einen bisexuellen Charakter darzustellen, würde ich selbst darauf zugreifen, dass ich sie*ihn für beide Geschlechter schwärmen lassen. Man muss sie*ihn nicht in eine Beziehung packen. Aber wenn der Charakter auf eine gutaussehende Figur trifft, würde ich meinen Charakter schwärmen lassen. Wie gut die Figur aussieht, was für einen Knackarsch sie hat und so weiter. Und in einem Gespräch oder in einer weiteren Schwärmerei würde ich das für das andere Geschlecht dann klären.

Es reicht häufig aus klar zu machen, dass Dein Charakter mehr als nur ein Geschlecht sexuell attraktiv und anziehend findet. Dann muss sie*er noch nicht einmal mit beiden Geschlechtern am Ende ins Bett gehen. Das ist eben kein muss.

Was kann man über sie schreiben?

Eigentlich stellt sich diese Frage schon gar nicht. Bisexuelle Charaktere entsprechen natürlich einem Menschen. Mit anderen Worten, Du kannst über alles Schreiben, über was Du auch immer möchtest. Es gibt keine Grenzen. Erst recht, da es kaum Bücher mit sehr aktiven bisexuellen Charakteren geben. Zwar werden häufig Frauen als bisexuelle Charaktere eingeführt, damit sie keine Lesben sein müssen. Aber selbst das ist eher mager.

Das bedeutet also, dass Du noch sehr viele Möglichkeiten hast, um tolle Geschichten mit bisexuellen Charakteren zu schreiben. Hier steht Dir also eine Menge Potenzial offen.

Polysexualität

Was ist die Polysexualität?

Das bedeutet, dass sich ein Mensch zu mehr als nur zwei Geschlechtern hingezogen fühlen. Also mindestens drei müssen es sein. Jedoch betrifft das nicht alle Geschlechter, die es gibt (Facebook stellt zum Beispiel 60 Möglichkeiten zur Verfügung, aus denen man das eigene Geschlecht wählen kann).

Die literarische Bearbeitung

Um Polysexualität darzustellen, müsste man mehr als nur die Cis-Frau und den Cis-Mann in Geschichten vorstellen. Gelegentlich gibt es noch transsexuelle Charaktere. Aber da wird es schon selten. Bei meiner kleinen Spontanrecherche nach entsprechenden Büchern bin ich auf einige Sachbücher gestoßen, die aber auch schon etwas älter sind.

Um eine Geschichte mit einem polysexuellen aktiven Charakter zu schreiben, benötigt man tatsächlich ein wenig mehr. Selbst dann, wenn Du die Sexualität nur im Kopf Deines Charakters abspielen lassen möchtest. Und zwar die Akzeptanz in der Geschichte, dass es eben mehr als nur das Cis-Geschlecht gibt. Wenn das fehlt, wird es schwierig sein, diesen Charakter überzeugend umzusetzen.

Meine Empfehlung ist daher, recherchiere nach den verschiedenen Geschlechtern und baue sie zumindest in der Theorie ein. Dann kannst Du über einen solchen Charakter schreiben. Und vielleicht bist Du auch so mutig und schreibst über diese verschiedenen Geschlechter. Und ja, heutzutage muss man tatsächlich schreiben, dass dazu viel Mut gehört.

Pansexualität

Was bedeutet nun Pansexualität?

Man könnte fast, aber auch nur fast, sagen, dass pansexuelle Menschen es auf die Spitze treiben. Denn sie machen gar keinen Unterschied bezüglich des Geschlechtes ihrer romantischen oder auch sexuellen Partner*innen. Sie können also theoretisch mit allen der oben erwähnten sechzig Geschlechtern eine Beziehung eingehen.

Pansexuelle Charaktere sind mir persönlich noch nicht untergekommen. Aber auch hier gilt, wenn Du über sie schreiben möchtest, ist über kurz oder lang die Akzeptanz anderer biologischer Geschlechter notwendig. Bleibst Du bei zwei Geschlechtern, bringt es nicht viel, den Charakter pansexuell zu nennen. Diese*r wäre schlichtweg bisexuell. Und schlimmstenfalls würden Leute, welche die Unterschiede kennen, das auch entsprechend anprangern.

Eine Geschichte schreiben

Wie schon öfters erwähnt (daher halte ich mich hier tatsächlich etwas kürzer), Du kannst über diese Charaktertypen genauso schreiben, wie über alle anderen. Nur wäre es schön, wenn Du uns zeigst, dass sie eben eine andere sexuelle Orientierung haben. Damit hat es sich auch schon. Und natürlich ist es überlegenswert, mehr als nur die Cis-Geschlechter darzustellen.

Abschlussgedanken

Es gibt sehr viele Möglichkeiten, wenn Du über Charaktere schreibst, die zumindest bisexuell sind. Zwar kann Dein Charakter monogam leben. Aber das ist nicht zwangsläufig notwendig. Was ich damit genau meine, das wirst Du in den nächsten beiden Wochen noch genau lesen. Du hast aber hier durchaus Möglichkeiten interessante Geschichten zu schreiben.

Bei der Planung Deiner Geschichte und vor allem Deiner Charaktere viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Lesbian Fiction

 

Lesbian Fiction

nachdem wir uns das Thema Gay Fiction angesehen haben, geht es nun zu den Lesben. Leider gibt es hier sehr viele Vorurteile und wenig Geschichten, mit denen man arbeiten könnte.

Kurze Vorgedanken

Vor einigen Jahren hatte ich mal für einen Beitrag für meinen letzten Blog recherchiert, wie viele Verlage Bücher mit schwulen Charakteren veröffentlichen und wie viele mit lesbischen Charakteren. Es war sehr ernüchternd. Während es Verlage gibt, die teilweise ausschließlich Gay Fiction publizieren, kann man die Verlage für Lesbian Fiction immer noch an einer Hand abzählen. Mischverlage, die sich also für beide sexuelle Richtungen engagieren, findet man dagegen noch eher.

Zudem gab es einen Tweet eines Verlages (den habe ich mir leider nicht gespeichert), dass es scheinbar keinen einzigen lesbischen YoungAdult Roman geben soll. Schwule hingegen schon. Das ist eine der Gründe, warum ich gerade an einem arbeite.

Da sich viele Punkte mit dem Gay Fiction Beitrag überschneidet, werde ich hier auf einige eher kurz eingehen. Der Rest unterscheidet sich nicht von den Gay Romanen.

“Lesben gibt es nicht!”

Vielleicht wirst Du es nicht glauben, aber diesen Satz durfte ich tatsächlich vor über zehn Jahren in einem Chat lesen. An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, der damalige Chatter ist/war schwul. Ob das ein Zusammenhang ist, ich weiß es nicht. Doch von einer Frau habe ich solch einen Satz nie gehört.

Bis vor einiger Zeit habe ich mich immer noch über diesen Satz geärgert, obwohl ich mit diesem Chatter schon seit vielen Jahren kein Kontakt mehr habe. Und vermutlich erinnert er sich noch nicht einmal mehr daran, dass er das geschrieben hatte. Wenn ich das jetzt kritisch betrachte, dann hat er nicht ganz unrecht.

Nein, natürlich meine ich nicht, dass es Lesben nicht gibt. Und zugleich gibt es sie nicht, in der öffentlichen Wahrnehmung. Ein kleines Beispiel? Normalerweise sind Übersichten mit lesbisch/schwulen Charakteren aus Comicheften sehr männerlastig. Diese Liste ist mal eine wohltuende Abwechslung. Ansonsten findet man in Listen mit zehn Charakteren (um ein Wert zu nennen) acht Männer und dementsprechend zwei Frauen, wenn überhaupt.

Ansonsten tauchen Lesben eher selten auf.

Wenn sie denn mal auftauchen, dann als bisexuelle Frau. Hier kann ich wieder von einer persönlichen Erfahrung schreiben. Es wieder einige Jahre her, da stellte eine Autorin ihre Charaktere vor. Der Held durfte natürlich schwul sein, keine Frage. Sie hingegen war bisexuell. Einen rein lesbischen Charakter fand man in dieser Geschichte leider vergebens. Mir schien es auch so zu sein, das ist aber eine rein persönliche Ansicht, dass ein lesbischer Charakter nicht erwünscht war, da sie ansonsten kein Sex haben könnte (dazu gleich mehr).

Auch sonst ist es eher wahrscheinlich, dass man auf einen schwulen Charakter trifft, als auf einen lesbischen. So kommt es wohl auch, dass es eben noch keine lesbischen YoungAdults Romane gibt.

Lesben haben keinen Sex

Sicherlich sind wir uns einig, dass Cis-Frauen keinen Penis haben. Wie sollen sie also Sex haben? Zumindest ist es für viele unverständlich, dass sie auch ohne einen Penis einen Orgasmus haben können. Dazu gehört jedoch Fantasie und etwas Recherche. Dann klappt das auch im Bett.

Da den Cis-Lesben nun einmal ein Penis fehlt, können sich viele einfach nicht vorstellen, dass sie tatsächlich Sex haben. Daher gibt es ja Vibratoren, Dildos und Futas (um einige Möglichkeiten aufzuführen). Doch für einen Quickie auf der Toilette oder an der Raststätte sind die nicht wirklich bequem. Aber anstatt sich etwas anderes einfallen zu lassen, wird ihre sexuelle Erfahrung schlichtweg negiert, leider.

Erst einmal, es ist natürlich nicht zwangsläufig notwendig, dass Lesben Sex haben müssen. Zugleich fände ich es persönlich schön, einfach aufgrund der Tatsache, dass das bisher eher negiert wird. Denn Lesben haben Sex und der kann toll sein. Lasst uns darüber gerne schreiben.

Wenn Du Dich also entscheidest, über Lesben und über lesbische Erotik zu schreiben, es gibt tolle Bücher dazu, welche Dir dabei helfen. Und ein Gespräch mit einer Lesbe kann Dir sicherlich auch dabei helfen.

Einmal drüber und gut – Sex mit Männern

Meistens kommt der Spruch von Männern, dass eine Lesbe nur mal ordentlich rangenommen werden muss, dann ist sie geheilt. Um es kurz zu machen, das ist natürlich kompletter Blödsinn. Wenn eine Frau lesbisch ist, ist sie lesbisch. Das trifft auf einen schwulen Mann genauso zu. Frauen fühlen sich eben zu Frauen hingezogen und damit hat es sich. Sie müssen nicht erst einmal testen, ob sie denn nicht vielleicht doch auf Männer stehen.

Die Heterosexualität ist die gesellschaftliche Norm. Das bedeutet, dass jede Abweichung sich outen und erklären muss. Und zwar bis ins letzte Detail. Heterosexuelle müssen sich hingegen nicht erklären, warum sie auf das andere Geschlecht stehen. Dabei könnte man sie fragen, ob sie denn sicher sind, heterosexuell zu sein. Immerhin waren sie nicht mit jemanden des eigenen Geschlechts im Bett. Woher wollen sie also wissen, ob sie tatsächlich Heteros sind?

Lesben müssen also nicht mit Männern schlafen, um zu beweisen, dass sie tatsächlich lesbisch sind. Und auch wenn sie es tun, dann sind sie danach nicht geheilt, also Heten.

Vor allem, sie müssen überhaupt nicht mit Männern schlafen. Es gibt durchaus den einen oder anderen Film, da hat der lesbische Charakter Sex mit einem Mann. Und das teilweise aus nicht nachvollziehbaren Gründen. Natürlich dürfen Lesben mit Männern Sex haben. Da spricht nichts dagegen. Und sie müssen deswegen noch nicht einmal bisexuell sein. Aber wenn Du sie mit einem Mann ins Bett schickst, lass es wenigstens einen guten Grund haben. Bitte!

Und wenn der Grund einfach nur der ist, dass sie gerade mal Sex braucht, ist das völlig in Ordnung. Das ist ein guter Grund. Aber einfach nur so die Lesbe mit einem Mann ins Bett schicken, damit die Geschichte noch einmal Hetensex hat, das finde ich nicht überzeugend. Daher noch einmal meine Bitte, schreib das nicht. Sehr wahrscheinlich ist es, dass Du damit Deine Leser*innen vergraulst. Danke schon einmal dafür.

Worüber könnte man schreiben?

Zum Thema Charakter und Geschichte und diese Dinge, werde ich mich an dieser Stelle nicht äußern. Dazu habe ich im letzten Beitrag schon was geschrieben. Und vor allem, auch wenn wir über lesbische Charaktere reden, unterscheiden sie sich nicht von anderen Figuren. Nur ihre Sexualität. Sie können trotzdem wild, stolz, frei, nervig, ängstlich, nervös und alles dazwischen sein, wie die anderen Figuren. Also menschlich.

Ein Erfahrungsbericht

Immer wieder hört oder liest man, dass es zu bestimmten Geschichtstypen noch gar keine Lesbian Fiction gibt. Als ich begann mich für das Thema BDSM zu interessieren, wollte ich einen lesbischen Roman lesen. Damals hieß es, dass es nur einen Roman gäbe. Es handelte sich damals um “Sarahs Lust” von Regina Hoffmann. Zwischenzeitlich sieht es anders aus.

Aber es gab Zeiten, da sah es auf dem deutschen Markt zumindest eher mau aus. Und wenn man genauer hinsieht, dann hat es sich eher unwesentlich verbessert. Daher dürfest Du in unzähligen Bereichen auf kaum bis gar keine Konkurrenz stoßen. Zumindest, wenn Du auf deutsch schreibst. Der englischsprachige Markt ist da ein wenig besser aufgestellt. Aber selbst da kannst Du Dich immer noch in Deinem Wunschbereich niederlassen, ohne auf wirklich viel Konkurrenz zu treffen.

Die Gründe für diese riesigen Lücken

Vor einigen Jahren war ich auf der LoveLetter Convention bei einem Panel zum Thema Gay Fiction. Da kam heraus, dass sogar lesbische Autorinnen eher Gay Fiction schreiben. Eine der möglichen Gründe dürfte in dem Vorurteil sein, dass es schwer sei über Frauen zu schreiben. Und dann gleich noch zwei, geht ja gar nicht. Tatsächlich hatte eine Autorin gesagt, dass es für sie leichter sei über Männer zu schreiben.

Zudem sehen immer noch sehr viele lesbische Erotik als Antörner für Männerfantasien, weniger als eine selbstbestimmte Sexualität. Wenn Du mit einer Suchmaschine nach “lesbischer Erotik” oder “lesbian erotic” suchst (was ich Dir NICHT empfehlen kann), bekommst Du auch entsprechende Angebote geliefert. Bei Gay Erotic sieht das anders aus (gerade ausprobiert).

Es ist also aktuell noch gut, dass Du noch nicht viel Konkurrenz hast, da Du Dich dann komplett neu positionieren kannst. Der Nachteil ist aber, dass Du schlimmstenfalls gegen gewisse Vorurteile angehen musst. Aber viele Leser*innen wünschen sich lesbische Charaktere in den Geschichten.

Mögliche Themen

Eben über alles, was Dich interessiert. Es geht auch hier in erster Linie um die Geschichte. Wenn Du also Fantasy schreiben möchtest, dann schreibe Fantasy. Das gilt auch für Science-Fiction, Krimi oder Horror. Es geht um den Charakter, nicht um die Geschichte. Lesbian Fiction ist selbst kein eigenes Genre. Es handelt sich hierbei um eine Zugabe für eine mehr diverse Geschichte.

Du kannst auch gerne recherchieren, wo es noch wenige oder gar keine lesbischen Charaktere gibt und genau dafür einen Roman schreiben. Oder Du vertraust auf Deine Geschichte und machst aus Deiner Heldin eine Lesbe. Sie muss in Deinem Roman keine sexuellen Kontakte haben. Es reicht schon aus, wenn sie für eine andere Frau schwärmt oder eine Beziehung mit einer Frau in der Vergangenheit hatte.

Abschlussgedanken

Eigentlich ist es nicht schwer, einen Roman mit lesbischen Charakteren zu schreiben. Man tut es einfach und lässt ein paar unnötige Klischees weg, die ich oben beschrieben habe. Sicherlich gibt es noch andere Klischees. Aber noch ist die Literatur in Deutschland sehr übersichtlich. Daher kannst Du Dich hier gerne austoben.

Und auch wenn viele nicht gerne über lesbische Charaktere schreiben wollen, viele Menschen wollen aber darüber lesen. Vielleicht motiviert Dich das doch, zumindest darüber nachzudenken, ob Du nicht eine Geschichte mit Lesben schreiben möchtest.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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Gay Fiction

Gay Fiction

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn die meisten von uns an homosexuelle Charaktere in Geschichten denken, dürfte es sehr wahrscheinlich sein, dass man sich darunter einen schwulen Mann vorstellt. Das dürfte unter anderem wohl daran liegen, dass Gay Fiction am weitesten verbreitet ist. Das ist auch der Grund, warum ich die Reihe mit ihnen beginne.

In dem heutigen Beitrag möchte ich darauf eingehen, was ich unter Gay Fiction verstehe, wie man das schreiben kann und vor allem, was man beachten sollte, um keine Klischees zu schreiben.

Kurze Vorgedanken

Gay Fiction oder auch Yaoi Geschichten waren lange Zeit in Japan durchaus sehr populär, bis diese dann nach Amerika (insbesondere die U.S.A.) rüberschwappten und nun auch in Deutschland angekommen sind. Wenn man von Gay Fiction schreibt, meinen viele häufig Gay Romance, also eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern.

Dabei ist das tatsächlich noch nicht einmal notwendig. Denn nicht jede Geschichte mit einem schwulen Charakter, muss automatisch ein Liebesroman sein. Aber das schauen wir uns nun etwas genauer an.

Kurze Vorbemerkung: Es mag sein, dass viele, gerade im englischsprachigen Raum, unter der Bezeichnung auch Lesben verstanden werden. Aber ich mache hier ganz klar eine Trennung. Einerseits, um sowohl den Männern, als auch den Frauen den ihnen gebührenden Platz zu widmen. Andererseits, weil ich häufig mitbekomme, dass viele unter Gay abwechselnd was anderes verstehen. Die einen meinen damit tatsächlich nur die Männer und nach belieben meinen sie auch mal Männer und Frauen. Bei mir werden Lesben eben nicht mitgemeint, sie werden direkt angesprochen.

Aus diesem Grund trenne ich beides voneinander. Und da ich mich hier nur auf die Männer beziehe, verwende ich, sicherlich nachvollziehbar, auch nur männliche Pronomen. Außer ich meine ganz klar Frauen.

Was verstehe ich unter Gay?

Unter der Bezeichnung Gay verstehe ich selbst, dass mindestens ein Charakter in der Geschichte, und zwar der Held persönlich oder ein anderer sehr wichtiger Charakter, sich als schwul definiert. Dabei reicht es tatsächlich für mich aus, dass der Held bzw. der Charakter für sich definiert, dass er eben schwul ist. Dies muss er nicht öffentlich machen (das berühmte Coming-out) oder andauernd mit anderen Männern schlafen. Seine Gedanken in entsprechender Richtung reicht aus.

Vor Jahren habe ich einen Ratgeber gelesen (es ging um die lesbische Sexualität), dass die persönliche Definition wichtiger ist, als die gesellschaftliche. Das bedeutet, dass Dein Charakter durchaus auch mit Frauen (oder mit wem auch immer) ins Bett gehen kann. Wie er sich definiert ist das Wichtigste dabei.

Und was unter Gay Fiction?

Jede Geschichte mit einem schwulen Charakter. Damit hat es sich für mich erst einmal erledigt.

Natürlich gibt es gewisse Unterscheidungen. In einigen Geschichten dreht es sich eben nur um den schwulen Charakter. In anderen Geschichten spielt seine Sexualität überhaupt keine Rolle. Aber jede Geschichte mit einem wichtigen schwulen Charakter, gehört in meinen Augen zu diesem Bereich. Gerne als Untergenre. Aber es gehört für mich dazu.

Für einige mag es vielleicht keinen Sinn machen, über einen schwulen Charakter zu schreiben, wenn dieser keine Beziehung eingeht. Aber seien wir mal ganz ehrlich. Nur weil jemand schwul ist (oder lesbisch oder bisexuell), bedeutet das noch lange nicht, dass er automatisch eine Beziehung eingehen muss. Oder am laufenden Band Sex haben.

Wenn Du über einen schwulen Charakter schreiben möchtest, ist er genau das, schwul. Das war es schon. Er kann Single sein, One-Night-Stands haben (mal mehr oder mal weniger), in einer Beziehung sein oder diese ist gerade in die Brüche gegangen. Daher ist die Frage, ob er eine Beziehung hat, erst einmal nicht wichtig.

Natürlich kannst Du schreiben, dass er in einer Beziehung steckt oder zumindest auf der Suche ist. Aber das ist nicht unbedingt notwendig.

Wie schreibe ich Gay Fiction?

Es geht im Folgenden nicht darum, wie Du eine Geschichte schreibst. Mir ist es wichtig darauf hinzuweisen, was eine Geschichte mit heterosexuellen Charakteren von einer Geschichte mit schwulen Charakteren unterscheidet. Ansonsten herrschen hier die gleichen Regeln, die Du bei einem Roman anwenden würdest. Also Aufbau, Spannung, Dialog und diese Dinge.

Der Charakter

Wenn Du eine Geschichte mit einem schwulen Charakter schreiben möchtest, brauchst Du natürlich auch diesen. Mindestens ein männlicher Charakter muss auf andere Männer stehen. Ansonsten können wir die Geschichte in einem anderen Genre einordnen.

Egal wie Du anfängst (also erst mit dem Plot oder mit den Charakteren), hier ist es tatsächlich wichtig, dass er schwul ist und sich als solcher irgendwie definiert. Dabei ist es egal, ob er sich seiner eigenen Homosexualität tatsächlich bewusst ist. Aber er sollte zumindest auf Männer stehen und sie sexuell attraktiv finden. Natürlich wäre noch ein zweiter schwuler Charakter wichtig, wenn Du über eine Beziehung schreiben möchtest. Doch Vorsicht, hier können einige Klischees warten.

Tatsächlich scheinen einige Autor*innen die Paare so anzulegen, als wäre einer der Mann und der andere die Frau in der Beziehung. Mit anderen Worten, bei manchen Geschichten hat man das Gefühl, dass ein heterosexuelles Paar beschrieben wird, bei dem beide zufällig schwul sind. Das Problem hierbei ist, dass selbst bei heterosexuelle Paare die Rollen nicht immer klar definiert sind.

Traditionell ist es ja so, dass der Mann das Geld verdient und die Frau zu Hause bei den Kindern bleibt. Das ist aber schon lange nicht mehr so. Frauen arbeiten außerhalb des Hauses und gelegentlich verdienen sie sogar mehr als die Männer. Kann man da noch von traditioneller Rollenverteilung sprechen? Bei einigen Beziehungen sicherlich. Aber schon lange nicht mehr alle sind so aufgebaut.

Daher wäre es schön, wenn Du kein Klischeepaar schreibst. Denn jeder Mensch ist anders. Warum sollte es bei schwulen Menschen auf einmal anders sein?

Wenn Du Dir nicht sicher bist, frag mal in den sozialen Medien, ob sich jemand Deine Charakterisierung anschauen möchte. Sicherlich kann Dir wer helfen, ob Du realistische Charaktere geschaffen hast oder Klischees bedienst. Oder noch besser, trau Dich und frag direkt nach, ob sich Schwule Deine Geschichte anschauen mögen. Klar, das kostet eine Menge Überwindung. Aber sie können Dir genau sagen, was ihnen gefällt und wie sie dargestellt werden möchte.

Das ist besonders dann wichtig, wenn Du auf Realismus setzen möchtest.

Die Geschichte

Theoretisch unterscheidet sich eine Geschichte mit schwulen Charakteren nicht von der, mit heterosexuellen Charakteren. Die einzige Ausnahme dürfte sicherlich die Coming-out Geschichten sein. Heterosexuelle müssen sich in unserer Gesellschaft nicht outen, weil man von den Menschen erwartet, dass sie erst einmal auf das andere Geschlecht stehen.

Sobald man von dieser Norm abweicht, verlangen viele irgendwo eine Klarstellung. Bist Du nun schwul oder nicht? Und wenn ja, dann bricht meistens die Hölle aus (warum auch immer).

Und theoretisch müssen sich Schwule immer wieder outen. Zuerst gegenüber den Eltern und der Familie. Dann gegenüber allen Freund*innen. Und immer und immer wieder gegenüber Menschen, die sie neu kennenlernen.

Die Umwelt

Wie reagieren die anderen Menschen (oder über welche Wesen Du auch immer schreiben möchtest), auf die Homosexualität Deines Charakters? Das kann auch noch ein sehr wichtiger Punkt bei Deiner Geschichte sein.

Vielen könnte es sehr wahrscheinlich egal sein, ob Dein Held schwul ist oder nicht. Andere hingegen könnten zumindest neugierig sein. Woher weiß er, dass er schwul ist, wann hat er es für sich herausgefunden? Und so weiter. Theoretisch könnte die Umwelt daraufhin sehr viele Fragen stellen. Ob das höflich ist oder nicht, dass hingegen ist eine andere Sache.

Natürlich gibt es auch, welche Deinem Charakter dann das Leben zur Hölle machen. Warum? Das ist Dein Job dies für Deine Charaktere herauszufinden. Warum das in der Realität so ist? Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht, ob ich das wirklich wissen will. In Deiner Geschichte kannst Du solche Typen gerne verwenden. Sie dürften sehr wahrscheinlich in der Lage sein, Deinem Helden das Leben sehr schwer zu machen. Und eventuell könnte das auch Plottwists bedeuten, damit die Geschichte die eine oder andere Wendung bekommt.

Genres

Theoretisch kannst Du Deinen schwulen Charakter in jedem Genre unterbringen. Es mag sein, dass der Liebesroman aktuell sehr beliebt ist. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass es hier enden muss. Natürlich kannst Du Deinen Charakter in fantastische Welten schicken, zu den Sternen oder einen sehr blutigen Mord aufklären lassen. Es gibt nichts, was Dein Charakter nicht kann oder darf.

Du allein entscheidest die Grenzen für Deinem Charakter. Mein Tipp ist, lass Deine Fantasie ruhig freien Lauf. Dann wirst Du schon sehen, zu was er alles in der Lage ist. Daher möchte ich schon gar nicht weiter darauf eingehen. Denn jedes Genre, dass Du gerne liest oder in dem Du gerne schreibst, darf gerne auch ein schwuler Charakter rein. Warum auch nicht?

Erotik und Sex

Erotik und Sex machen Spaß. Wenn Dein Charakter nicht asexuell ist, dürfte das auch für ihn gelten. Aber bei Schwule scheint es prinzipiell zu sein, dass sie kein Problem mit Analsex haben oder mit Oralsex. Dabei sieht die Realität durchaus anders aus.

Vor Jahren bin ich über einen Ratgeber gestolpert, der erklärte, wie man den schwulen Partner dazu bringt, Analsex zu mögen. Mit anderen Worten, nicht alle mögen es. Das kann auch für Deinen Charakter gelten. Wenn Du eine Frau bist und eine Beziehung zu einem Mann hast, frag ihn doch mal, ob er auf Analsex stehen würde. Ihr müsst das ja nicht in der Praxis ausüben, aber wahrscheinlich würde ihm das nicht unbedingt gefallen.

Und nur, weil Dein Charakter schwul ist, heißt das noch lange nicht, dass er wirklich alles mitmacht, nur weil es irgendwelche Konventionen das verlangen. Er ist ein Charakter mit individuellen Eigenschaften. Das kannst Du dann gerne berücksichtigen.

Sollten Frauen über Schwule schreiben?

Das ist die ewige Frage, die man wohl nicht völlig beantworten kann. Dürfen Männer über Frauen schreiben, Frauen über Männer oder eben Frauen über schwule Männer. Es gab letztes Jahr eine große Diskussion zu diesem Thema. Eben, ob Frauen über schwule Männer schreiben dürfen oder diese als Sexobjekte degradieren.

In meinen Augen ist es durchaus legitim, dass Frauen über Schwule schreiben, solange dies mit Respekt geschieht. Versuche Klischees zu vermeiden wie, alle Schwule stehen andauernd auf Sex, alle wollen gleich Analsex, ein Mann ist die Frau und der andere der Mann und so weiter. Dann kannst Du tatsächlich etwas komplett Neues erschaffen.

Wenn ich etwas aus meinem eigenen Schreiben gelernt habe, ist, sei kritisch. Sei einfach gegenüber allem, was bisher geschrieben wurde kritisch. Und auch gegenüber dem, was Du selbst geschrieben hast. Dann wirst Du auch etwas besonderes schaffen. Da bin ich mir sicher.

Abschlussgedanken

Vermutlich kanntest Du einige dieser Informationen bereits. Vielleicht haben Dich einige andere hingegen zum Nachdenken gebracht. Wichtig ist, dass Du jedes Thema, das nicht Dich selbst repräsentiert, mit einer gehörigen Portion Respekt angehst. Dann kannst Du diese Sache komplett anders angehen. Und damit auch etwas besonderes schaffen. Halt die Augen offen und schau genau hin. Du wirst es nicht bereuen.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele