Über marginalisierte Gruppen schreiben: “Ich traue mich nicht.”

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wer über marginalisierte Gruppen schreiben möchte, benötigt nicht nur Wissen, sondern tatsächlich auch eine Portion Mut.

Kurze Vorgedanken

Es gibt Menschen, die stürzen sich in ein neues Projekt und machen keine Gefangene. Dann wird über alles und jede*n geschrieben, wer ihnen unter die Feder kommt.

Andere hingegen sind da etwas vorsichtiger. Ist ihr Plot in Ordnung? Sind die Charaktere lebendig? Und vor allem, darf ich das überhaupt schreiben?

Über die Einstellung zur letzten Frage dreht sich der heutige Beitrag.

Keine Erfahrungen

Auf dem #litcampHH 2018 hatte eine Teilnehmerin ganz klar gesagt, dass sie einfach keine Erfahrungen mit marginalisierte Gruppen hat. Sie kommt von einem Dorf, wo über 90 Prozent der Menschen dort eben weiße Cis-Het Dudes sind. Wie könne sie dann wagen, über jemand anderen zu schreiben, als eben über weiße Cis-Het Dudes?

Ganz ehrlich? Mir ist eine solche Meinung lieber, als wenn man mit dem Kopf durch die Wand rennt und über alles schreibt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. In einem solchen Fall kann man durchaus damit rechnen, sollte sich die Teilnehmerin entscheiden, doch über marginalisierte Gruppen zu schreiben, sie mit mehr Respekt rangeht.

Schätze ich mich selbst als eine Person ein, die einfach zu wenig Kontakte mit marginalisierte Gruppen habe, sehe ich das als eine realistische Größe an. Mit anderen Worten, in einem solchen Fall kenne ich meine Grenzen. Und von daher bin ich vorsichtiger, wenn ich versuche diese zu übertreten.

Aber selbst wenn Du keine Menschen marginalisierter Gruppen kennst, bedeutet das noch lange nicht, dass Du nicht loslegen darfst. Es gibt immer Möglichkeiten.

Angst, etwas falsch zu machen

Wenn man über jemanden oder etwas schreibt, die oder das man nicht kennt, haben viele Angst, es falsch zu machen. Sie wollen sich nicht im Ton vergreifen und etwas schreiben, was andere verletzt.

In meinen Augen ist auch das erst einmal sehr löblich. Immerhin zeigt auch das, dass man sich Gedanken macht. Die Menschen möchten nicht durch die Wand preschen und auf Teufel komm raus, etwas schreiben. Sie machen sich Gedanken zu diesem Thema.

Jedoch finde ich, dass man keine Angst haben sollte. Angst lähmt und sorgt nur dafür, dass Du am Ende gar nichts mehr schreibst. Respekt sollte hier die richtige Antwort sein. Hab Respekt vor den Menschen, den Tieren, dem Leben selbst.

Natürlich kann es immer noch passieren, dass Du Dich in die Nesseln setzt. Vielleicht sogar ordentlich. Aber die Wahrscheinlichkeit dürfte geringer sein. Viel geringer, als wenn Du Dir gar keine Gedanken darum machst.

Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob der Text, den Du geschrieben hast, respektvoll ist, dann bitte sogenannte Sensitve Readers darum, diesen zu lesen. Sie kennen sich mit der Thematik bestens aus, weil sie häufig das leben, worüber Du schreiben möchtest.

Rede mit ihnen und Du wirst sehr viel erfahren, was Du vorher nicht wusstest. Zum Beispiel möchte ich eine Geschichte rund um eine Band schreiben (das ist jetzt nur ein Beispiel). Glücklicherweise hab ich in meiner Sphäre eine tolle Musikerin. Diese hab ich angefragt, ob sie für mich Zeit hat, um mir ein paar Fragen zu beantworten. Und glücklicherweise hat sie ja gesagt.

Bleib immer nett und höflich und sag offen, was Du möchtest und warum Du die Hilfe brauchst. Und wenn Du nicht weißt, wie Du die Menschen anschreiben sollst, dann schreib genau das. Entschuldige Dich in diesem Fall im Vorfeld, wenn Du selbst das Gefühl hast, dass Du die falschen Worte wählen könntest. Das ist besser, als wenn Du das tatsächlich tust und damit andere verletzt.

Ich will gar nicht über sie schreiben!

Tatsächlich hab ich einen Beitrag gelesen, in der die Verfasserin oder der Verfasser (daran kann ich mich leider nicht mehr genau erinnern) erklärte, warum die Person niemals über marginalisierte Gruppen schreiben würde.

Es ging bei der Argumentation nicht darum, dass die Person Angst hatte oder nicht wusste, wie sie*er das Thema angehen sollte. Schön wäre es. In dem Beitrag stand, dass die Person es nervig fand, dass scheinbar überall Diverse Romane aus dem Boden schossen.

Ganz ehrlich, in solchem Fall kann man nichts machen. Wenn Menschen sich weigern über den Tellerrand zu schauen, dann ist es halt so. Man kann ihnen nur anbieten, ihnen zu helfen. Büchertipps geben, ist auch noch möglich. Oder erklären, warum es wichtig sein kann. Aber ich würde nicht zu viel Energie in diese Diskussionen stecken.

In diesem Fall würde ich lieber meine Energie Personen schenken, die offen für dieses Thema ist. Und wo ich genau weiß, dass ich da etwas bewirken kann.

Abschlussgedanken

Eine kleine Portion Mut, ein Haufen Respekt und Kontakt mit Sensitive Readers und die Wahrscheinlichkeit ist gut, dass Du eine bessere Geschichte schreiben kannst. Natürlich neben Plot und Charakterarbeit und so weiter.

Daher, hab keine Angst vor dem, was Du gerne schreiben möchtest. Leg los und schau dann, dass ihr gemeinsam eine tolle Geschichte daraus macht.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Wie über sie schreiben? – Marginalisierte Gruppen

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn man über marginalisierte Gruppen schreiben möchte, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Die Erste ist, dass man einfach schreibt und auf das Beste hofft. Und die Zweite ist, sehr viel Arbeit.

Kurze Vorgedanken

Du willst also über marginalisierte Gruppen schreiben? Und im Idealfall sie auch richtig darstellen. Keine Klischees benutzen, die zu häufig und immer wieder wiederholt werden. Das ist schön. Und kann zugleich auch sehr, sehr harte Arbeit sein.

Erwarte also nicht, dass Du zwangsläufig damit innerhalb weniger Tage fertig bist. Die Arbeit kann durchaus seine Zeit dauern.

Wie man es nicht machen sollte

Sich hinsetzen, einfach über marginalisierte Gruppen schreiben und auf das Beste hoffen, ist vermutlich der schlechteste Weg. Damit riskierst Du, dass Du Klischees und Vorurteile wiederholst, auch wenn Du das vielleicht gar nicht wolltest.

Dank der Medien haben sich bei bestimmten Gruppen Bilder in unseren Köpfen festgesetzt. Da wir nicht wissen können, ob es sich bei diesen “Fakten” um Wahrheiten handelt oder um Lügen, würden wir diese erst einmal ungefiltert weitergeben. Und schon sitzen wir in der Falle.

Wir wiederholen also Lügen und erreichen eigentlich das Gegenteil, was wir ursprünglich wollten. Ich behaupte mal dreist, wenn Du über marginalisierte Gruppen schreiben möchtest, dann, um sie so zu zeigen, wie sie sind. Und nicht irgendwelche kruden Fakten wiederholen, die sowieso nicht stimmen.

Es kann natürlich sein, dass Du richtige Fakten im Kopf hast. Dann kann das natürlich auch gut gehen. Aber ich befürchte, dass wir allesamt erst einmal davon ausgehen können, dass vieles, was in den Massenmedien verbreitet wird (egal über welche Gruppe, solange sie nicht weiß und herrschend ist), nicht unbedingt korrekt ist.

Daher gebe ich Dir hier ein paar Tipps, wie Du es besser machen kannst.

Recherche, Recherche und noch mehr Recherche

Bevor Du den ersten Satz schreibst, solltest Du einiges recherchieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass über bestimmte Gruppen gute Fachliteratur gibt, ist durchaus gegeben. Und viele von den Büchern kannst Du auch in Bibliotheken ausleihen (wenn es darum geht, dass Du kein Geld hast).

Bücher

Wie schon geschrieben, Bücher können eine sehr gute Quelle für Deine Recherche sein. Natürlich kommt es darauf an, wer das Buch geschrieben hat. Daher fängt hier tatsächlich die Recherche an. Doch zumeist dürfte das kein Problem sein. Denn tatsächlich geben sich viele Leute Mühe und erklären, warum ein Fachbuch gut oder nicht so gut ist. Darauf kannst Du dann bauen.

Mit anderen Worten, besorg Dir das eine oder andere gute Buch und arbeite es durch. Damit hast Du schon einmal einen ersten wichtigen Schritt getan.

Dokumentationen

Es gibt Dokumentationen, welche diese Bezeichnung nicht verdient haben, aber so tun, als wären sie eine. Besonders gefährlich ist es, wenn Du Dir die privaten Sender zu Gemüte führst.

Erst letztens habe ich eine sogenannte Dokumentation gesehen, in der eine Person im Rollstuhl wieder das Gehen erlernen möchte (nach einem Unfall). Du kennst sicherlich die Einblenden, wenn der Name genannt wird und darunter ein mehr oder minder intelligenter Satz steht.

In dem Fall war es, dass die Person sich wieder ins Leben zurückkämpft. Bei mir kam es dann so an, als hätte die Person (und irgendwo alle, die in einem Rolli sitzen) kein Leben. Ähm ja, natürlich. Hätten die geschrieben, die Person kämpft sich ins alte Leben zurück, darüber hätte ich mich nicht aufgeregt. Aber so.

Daher meine Empfehlung, verzichte auf solche Dokumentationen. Die sollen nur für Einschaltquoten sorgen, mehr nicht. Achte lieber darauf, dass die Dokumentation wirklich auf den Hintergrund eingehen, kritisch sind, mit den Leuten auf Augenhöhe sprechen. Zumeist erfüllen die öffentlich-rechtlichen Sender durchaus diese Funktion. Nicht immer meisterhaft, aber um einiges besser.

Damit hast Du einen weiteren Baustein für Deine Geschichte.

Echten Menschen folgen

Eine gute und dezente Möglichkeit ist, dass Du echten Menschen in den sozialen Medien folgst. Dort schreiben viele offen und ehrlich über sich, über ihr Leben und was sie ausmacht. Vor allem aber auch, was sie von anderen unterscheidet und sie doch so menschlich macht.

Das ist die kleine Möglichkeit, um sich mit den Menschen in Verbindung zu setzen. Gerade dann, wenn man sich noch nicht traut, sie direkt anzuschreiben oder gar anzusprechen. Gerade dann, wenn Du zu der schüchternen Sorte Mensch gehörst. Da ist es völlig in Ordnung. Für das Erste.

Auf Dauer empfiehlt es sich dann doch, mit ihnen zu reden. Erklär ihnen, was Du vorhast und ob Du diesen Menschen ein paar Fragen stellen darfst. Nach einer guten Vorbereitung solltest Du natürlich einiges Wissen. Daher entfallen unnötige Fragen, die niemanden weiterbringen (oder am Ende gar peinlich sein könnten).

Wenn sie garstig antworten, dann überprüf erst einmal, wie Du die Person angesprochen hast. Manchmal vergreift man sich versehentlich im Ton. Und im Internet ist es unmöglich, auf die Stimme der anderen Person zu achten (außer Du schickst ein Podcast). Wenn Du aber höflich warst, dann lass es gut sein und bitte eine andere Person um Hilfe.

Aber das Gespräch mit Mitgliedern marginalisierter Gruppen ist immer die beste Entscheidung.

Sensitive Readers

Wenn Du Dein Manuskript fertig hast, wird es Zeit, dass Menschen gegenlesen. Zum Thema Lektorat (mit allen Lesestufen) solltest Du hier noch auf die Fähigkeiten von Sensitive Readers zurückgreifen.

Das sind Leser*innen, die selbst zu marginalisierten Gruppen gehören. Daher können sie Deinen Text auf Herz und Niere prüfen, ob Du sie richtig dargestellt hast. Wenn Du also über eine Person in einem Rollstuhl schreiben möchtest, kannst Du eine reale Person im Rolli fragen, ob Du diesen Job gut gemacht hast.

Und wenn nicht, dann nimm Dir die ganzen Anmerkungen zu Herzen und ändere Deine Geschichte.

Wichtiger Hinweis

Selbst wenn Du ein Dutzend Leute fragst, ob sie Deinen Text durchlesen können und alle dem zustimmen, was Du geschrieben hast, es wird jemanden geben, die oder der sich nicht richtig repräsentiert fühlt. Und das ist richtig so. Natürlich wirst Du niemals alle Geschichten und Lebensentwürfe in Deinem Roman abbilden können. Respektiere das und respektiere die Meinung der Person, die sich nicht richtig dargestellt fühlt. Deine dutzend Leser*innen haben genauso recht, wie die Person, die sich darüber beschwert.

Meine Empfehlung ist daher, dass Du in einem Nachwort schreibst, dass Du nur eine mögliche Darstellung geschrieben hast und jede Geschichte anders ist. Und ich würde auch erwähnen, dass Du mit Sensitive Readers zusammengearbeitet hast (frag ruhig nach, ob Du deren Namen erwähnen darfst, wenn nicht, lass es sein 🙂 ).

Bezahlung

Sensitive Readers lesen Deine Texte in ihrer Freizeit. Und letztendlich soll am Ende ein toller Roman dabei herauskommen. Daher kann es durchaus sein, dass die eine oder der andere dafür eine Gebühr verlangt. Ja, ich meine hartes Geld, Euro und so weiter.

Auch wenn das Veröffentlichen eines Buches schon teuer genug ist, ich kann Dir nur empfehlen, diese Investition auch zu tragen. Damit garantierst Du, dass Deine Geschichte um einiges authentischer wird, als wenn Du auf gut Glück und auf Deine Recherche vertraust. Immerhin lesen hier Menschen Deine Geschichte, über die Du schreibst.

Rede mit ihnen. Ihr werdet sicherlich zueinanderfinden.

Abschlussgedanken

Das sind die ersten Schritte, um eine gute Geschichte zu schreiben. Sobald Du anfängst, werden Dir sicherlich noch weitere Möglichkeiten einfallen, wie Du eine authentischere Geschichte verfassen kannst.

Doch je mehr Du Dich in das Thema reinhängst, desto besser kann sie werden. Dabei wünsche ich Dir viel Energie und noch mehr Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Welche Gruppen gibt es? – Eine kleine Übersicht

Hei, hallo und herzlich willkommen,

die Überschrift sagt es aus. Mit diesem Beitrag möchte ich eine kleine Übersicht über marginalisierte Gruppen geben. Da ich auch nur ein Mensch bin und daher auch etwas übersehen kann, erhebe ich hiermit keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zumal es sicherlich viele Gruppen gibt, die nicht so an die Öffentlichkeit gedrungen sind, weil sie sich vielleicht noch gar nicht trauen.

Aber ich denke, dass die folgende Liste Dir schon einmal für Deine Recherche durchaus helfen kann.

Einige Vorgedanken

Wenn einige an marginalisierte Gruppen denken, fallen ihnen aller Wahrscheinlichkeit an eine andere Hautfarbe. Eventuell noch an eine andere Sexualität. Und da könnte man schon sagen, dass das viel ist. Immerhin ist das mehr, als wenn wir über den weißen Cis-Het-Dude schreiben.

Lass Dich daher von dieser Liste inspirieren und sprich mit Menschen, um herauszufinden, wie sie noch gerne dargestellt werden möchten. Aus eigener Erfahrung kann ich Dir garantieren, es lohnt sich.

Die Hautfarben

Sehr wahrscheinlich dürfte eine andere Hautfarbe ganz oben auf der Liste stehen, wie man marginalisierte Gruppen darstellen könnte. Denn häufig ist es gerade in Filmen oder Serien noch so, dass meistens eine Quote erfüllt wird. Und die besteht daraus, dass aller höchstens ein PoC im Team zu finden ist.

Finden wir zwei, bezeichne ich das sogar schon als revolutionär. Ein Freund von mir hat mir von einer relativ aktuellen Serie berichtet, in der ein einziger Afroamerikaner aufgetaucht ist. Und diese Serie spielt in New York. Wie groß ist also die Wahrscheinlichkeit, dass dort NUR Weiße auftauchen. In dieser Serie tatsächlich zu fast 100 Prozent.

In einer anderen Serie taucht ein BPoC auf. Ist aber unser Alien der Geschichte. Alle Menschen hingegen sind weiß oder zumindest sehr hellhäutig.

Daher ist es in meinen Augen durchaus wichtig, dass in den Romanen Menschen mit einer anderen Hautfarbe auftauchen. Dabei gibt es nicht nur die afrikanischstämmigen Menschen, sondern auch asiatische oder auch ozeanische Menschen, mit komplett anderen Hautfarben.

Das sind nur Beispiele. Schau Dir einfach mal Reportagen an, die von den verschiedenen Kulturen der Erde gemacht werden. Dort findest Du sehr viele Möglichkeiten und Vorbilder.

Jetzt hatte ich aber vor kurzem eine interessante Diskussion. Und den Tenor möchte ich Dir nicht vorenthalten. Dabei ging es auch um marginalisierte Gruppen. Eine Diskussionsteilnehmerin findet es nervig und anstrengend, wenn man ihr die Figuren bis ins letzte Detail beschreibt. Dazu gehört für sie auch, wenn man ihr sagt, welche Hautfarbe die Charaktere haben.

Aus diesem Grund soll man die Charaktere gar nicht beschreiben und dann den Lesenden die Möglichkeit überlassen, sich die Figuren so vorzustellen, wie sie diese gerne hätte. Wenn man das durchziehen würde, wäre es möglich, dass man sich Harry Potter als einen Afrikaner oder Legolas als einen Asiaten vorzustellen.

Das Problem hierbei ist, dass dies nicht mehr möglich ist. Alle, sowohl Weiße als auch PoC sind es gewohnt, dass so gut wie alle Charaktere als Weiße dargestellt werden. Es kostet sie alle daher einiges an Energie und Fantasie, um sich tatsächlich vorzustellen, dass ein Charakter eben nicht weiß ist.

Ganz unter uns, ich find das traurig.

Daher finde ich es selbst durchaus wichtig, zu schreiben, wie man sich die Charaktere vorstellen kann, wenn sie nicht weiß sind.

Kulturen

Unser faules Gehirn ist durchaus ein Phänomen. Denn es kann verdammt faul sein. Wenn wir an die ostasiatische Bevölkerung denken, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass wir an die Chines*innen denken. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, sind die Japaner*innen auch noch dabei.

Dabei gibt es noch einige Völker, die dazu gehören. Dazu müssen wir aber aus unserer Denkfalle ausbrechen und akzeptieren, dass nicht alles immer so ist, wie wir es gerne hätten. Oder es auf dem ersten Blick erscheint.

Wenn wir also über jemanden von der Erde schreiben, die oder der aus Ostasien stammt, dann müssen wir durchaus spezifischer werden. Denn eine Chinesin sieht durchaus anders aus, als eine Vietnamesin. Obwohl sie unter der Oberbezeichnung Ostasien fallen.

Schau Dir daher die Menschen genau an und betrachte die Gemeinsamkeiten und auch die Unterschiede. Und dann beschreibe sie in Deiner Geschichte. Diese kleinen Details werden Deine Geschichte unvergesslich machen.

Die sexuelle Orientierung

Schwule Romane sind immer noch Nischengeschichten. Zumeist dreht es sich hierbei um Romantik und natürlich um Sex. Lesbische Geschichten hingegen dienen eher der Fantasie der männlichen Leser und ihrer Hand (Pornos also). Bisexuelle Charaktere finden selten Einzug in Geschichten. Und wenn, dann sind es letztendlich verkappte Heten, weil sich viele Autor*innen nicht trauen, es wirklich durchzuziehen und die Figuren als Bisexuelle darzustellen.

Gibt es noch weitere sexuelle Orietierungen? Klar, aber die werden so gut wie gar nicht dargestellt. Versuch mal, eine Geschichte über einen asexuellen Charakter zu finden. Das ist die Suche nach der Nadel im einem sehr, sehr fetten Heuhaufen.

Wenn schon mal eine andere sexuelle Orientierung in einem anderen Medium außer dem Liebesroman dargestellt wird, ist das schon eine Sensation. In einem Beitrag hab ich mal gelesen, dass in Blockbusterfilmen gerade mal 1 Prozent der Darstellenden homosexuell sein sollen.

Wie das nun in der Literatur aussieht, die nicht explizit Liebesromane sind, kann ich leider nicht sagen. Aber die Bücher, die ich gelesen habe, haben nicht einmal den Hauch einer homoerotischen Beziehung auch nur angedeutet.

Daher empfehle ich Dir, dass Du Dich über sämtliche mögliche sexuellen Orientierungen informierst. Welche gibt es und wie könntest Du sie sogar in Deine Geschichte einarbeiten. Natürlich müssen Deine Charaktere nicht die ganze Zeit mit einem symbolischen Schild herumlaufen, in der sie ihre sexuelle Orientierung anpreisen.

Häufig reicht es auch aus, wenn Du es subtil machst. Schau Dir dazu den Film “Sherlock Holmes” mit Jude Law und Robert Downey Junior an. Um genau zu sein, ich meine die Gefängnisszene. Für mich eine der homoerotischsten Szenen in den ganzen Blockbusterfilmen. Sie sagt zwar nichts aus, aber lässt so unendlich viel Platz für Interpretationen.

Mit anderen Worten, es ist beides möglich. Offen sagen, was Deine Charaktere sind oder es so diskret darstellen.

Die nichtbinäre Identität

Es gibt immer noch Menschen, die der festen Überzeugung sind, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Also männlich und weiblich. Dabei kannten schon die indigenen Völker Amerikas mehr als zwei Geschlechter. Doch dank der weißen Erober*innen ist dieses Wissen zumindest verschüttet.

Zwischenzeitlich erkennen immer mehr Menschen, dass es doch mehr gibt. Damit können die Menschen, die nicht in das Konzept schwarz/weiß (also weiblich/männlich) reinpassen, herausfinden, was sie wirklich sind. So wie bei mir.

Bisher dachte ich auch immer, ich wäre eine Cis-Frau. Doch ich hab mich mit dieser Bezeichnung nie richtig identifizieren können. Daher hab ich recherchiert und herausgefunden, dass ich genderfluid bin. Und das passt zu mir, wie die Faust aufs Auge.

Jedoch werden nichtbinäre Identitäten noch gar nicht wirklich in der Literatur dargestellt. Gerade in der deutschsprachigen Literatur. Letztens wurden einige Bücher auf Twitter vorgestellt, die aus dem amerikanischen Raum stammen und tatsächlich nichtbinäre Identitäten für ihre Charaktere haben.

Hier gibt es also noch viele Möglichkeiten.

Transgender

Angeblich machen Transgendercharaktere stolze 0,1 Prozent aller Charaktere in Blockbusterfilmen aus. Mit anderen Worten Transgender wird so gut wie gar nicht dargestellt.

Zudem gibt es auch noch viele Missverständnisse und Vorurteile gegenüber Transgendermenschen. So hab ich selbst schon öfters gelesen, dass ihnen die Bezeichnung, sie ändern das Geschlecht, gar nicht so zusagt. Als ich das zum ersten Mal gelesen habe, hab ich dann darauf geachtet, wie es in den Medien kommuniziert wird. Und dieser Satz ist dabei öfters gefallen.

Und wenn Transgender Charaktere dargestellt werden, dann gleichen sie, meiner Meinung nach, einem wandelnden Witz. Die Drehbuchautor*innen machen sich eher witzig über sie, anstatt sie als Menschen zu sehen.

Daher kann ich Dir hier nur empfehlen, recherchier ruhig mal darüber, wie allein der Weg zur medizinischen Operation aussieht. Mir reichen schon so manche Tweets dazu, um mir die Haare zu Berge stehen zu lassen.

Be*hinderung

Menschen die nicht der Norm entsprechend, gelten zumeist als behindert. Das kann sein, dass sie nicht richtig laufen können, schlecht sprechen oder einen Meter messen.

Alles was von der Norm abweicht, gilt für viele als behindert. Und das ist leider für manche gleichbedeutend mit blöd. Menschen, die nicht hören können, können sich natürlich überhaupt nicht verständigen (Achtung Ironie). Wer seltsam spricht, kann doch nur einen geringeren IQ haben (wieder Ironie). Und wer im Rollstuhl sitzt, ist überhaupt zu nichts in der Lage (Ironie, Ironie, Ironie).

Zwischenzeitlich haben Menschen mit körperlichen Einschränkungen sich durchaus emanzipiert und zeigen es den ach so normalen Menschen, dass sie durchaus zu einiges in der Lage sind. So gab es vor einiger Zeit die Möglichkeit, dass blinde Menschen Auto fahren können. Zwar nur für einen Tag und auf einem gesperrten Gelände (niemand von ihnen hatte einen Führerschein). Und was war? Sie konnten relativ gut fahren. Und das teilweise ohne das panische Eingreifen ihrer Fahrlehrer*innen.

Daher bezeichnen sich viele nicht mehr als behindert. Sondern mit dem Sternchen, also be*hindert. Denn sie sind nicht selbst behindert, sondern die Gesellschaft macht das aus ihnen.

Meistens werden Menschen in Geschichten mit, ich bezeichne das jetzt mal so, versöhnlichen Be*hinderungen dargestellt. Zum Beispiel sitzt der Charakter im Rollstuhl. Oder sie*er ist blind. Gelegentlich darf die Figur auch Kleinwüchsig sein. Aber das ist dann schon das höchste der Gefühle.

Aber selbst diese sind eher Mangelware. Daher finde ich es, dass es durchaus Zeit ist, auch sie mehr in den Fokus der Geschichte zu rücken.

Abschlussgedanken

Immer wieder wird gesagt, dass jede Rolle, die vom weißen Cis-Het-Dude abweicht (also auch schon die Frau) eine bestimmte Rolle spielen soll. Letztendlich bin ich der Meinung, wenn diese Frage nicht für unseren weißen Cis-Het-Dude gestellt wird, dann für niemanden sonst.

Natürlich ändert sich die Geschichte, wenn sie aus einer anderen Perspektive erzählt wird (also von jemanden mit einer anderen sexuellen Identität oder kulturellen Hintergrund). Aber ich verrate Dir etwas. Das trifft auch auf unseren weißen Cis-Het-Dude zu. Wenn er aus einer steinreichen Familie stammt, erzählt er die Geschichte ebenso anders, als wenn er aus der Gosse stammt.

In dem Sinne, welche Gruppen kennst Du noch?

Bis dahin, alles Liebe

Deine frau schreibseele

Marginalisierte Gruppen: Warum überhaupt über sie schreiben?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn Du ein wenig auf Twitter aktiv bist, wirst Du vielleicht mitbekommen haben, dass in letzter Zeit viele über Diversität und Inklusion schreiben. Man könnte meinen, dass dieses Thema von allen Seiten auftaucht, regelrecht auf die Autor*innen einprügelt und einige stehen da und fühlen sich regelrecht bedroht.

Tatsächlich meinte eine Autorin zu mir, wenn man nicht über marginalisierte Gruppen schreibt, dann würde man von einigen Seiten schon angegriffen werden.

Daher dreht sich dieser Monat um das Thema, wie und warum man über sie schreiben kann und vielleicht auch sollte.

Kurz erklärt: Was sind marginalisierte Gruppen?

Bei bei marginalisierte Gruppen handelt es sich um Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. Sie können weder am politischen, sozialen oder kulturellen Leben teilnehmen.

In dem oben verlinkten Wiki-Beitrag wurde ein Bild eines Obdachlosen in Paris gezeigt. Auch sie gehören zu den marginalisierten Gruppen. Aktuell wird aber auf Twitter und auf vielen Blogs (wie diesen hier) jedoch über andere Menschengruppen geschrieben.

Auf eine Liste gehe ich nächste Woche ein. Daher hier die kurze Version. Marginalisierte Gruppen werden hier als Gruppen von Menschen bezeichnet, die nicht weiß, nicht Cis, nicht Heterosexuell und nicht männlich sind.

Also alles, was Hollywood und die anderen Massenmedien uns gerne als Helden und als Vorbild vorsetzen.

Warum über sie schreiben?

Auf dem #litcampHH 2018 gab es zwei Runden, zum Thema “Marginalisierte Gruppen und warum man über sie schreiben” sollte (wenn auch mit anderen Überschriften).

Jetzt weiß ich nicht mehr die Namen, aber bei einem Vortrag erzählte eine Dame eine Anekdote aus ihrem Leben:

Sie war in der Schule eine typische Streberin. Man hatte sich über sie lustig gemacht, weil sie eben gerne gelernt hatte und gute Noten nach Hause brachte. Jedoch machte sie das nicht so fertig, wie man es hätte meinen können. Denn sie hatte ein starkes Vorbild: Hermine Granger.

Zumindest in den Filmen und in den Köpfen der meisten Leser*innen war (und ist) Hermine ein weißes Mädchen. Das bedeutet, dass für weiße Streberinnen sie ein perfektes Vorbild ist. Aber was ist mit WoC? Also Woman bzw. Women of Color?

Jetzt könnte man sagen (und vermutlich reden sich damit auch einige raus), dass auch WoC bzw. PoC sich mit Hermine identifizieren können. Denn es käme wohl nicht auf die Hautfarbe, sondern auf die Person an.

Doch warum sollten sie? Warum sollten sich PoC sich damit begnügen, Vorbilder zu haben, die sie gar nicht repräsentieren? Da sehe ich selbst keinen einzigen Grund.

Wäre es nämlich anders herum, also wenn es nur PoC als Vorbilder gäbe, würden wir Weiße uns sicherlich wünschen, dass es auch weiße Vorbilder gäbe.

Eine BWoC als Nerdin: Prinzessin Shuri

Als ich am Anfang des Jahres “Black Panther” gesehen habe, war ich sehr beeindruckt. Endlich hatten afrikanischstämmige Menschen Vorbilder, die selbstbewusst, stark und schön waren (äußerlich, wie innerlich). Sie hatten Stärken und auch ihre Schwächen.

Und seien wir mal ganz ehrlich, Prinzessin Shuri ist mehr als nur eine Konkurrentin für Hermine Granger. Durch ihre freche Art, finde ich sie um einiges cooler. Oder würdest Du Hermine als jemand sehen, die den Mittelfinger zeigt?

Der Film inspirierte zu einer Bilderreihe, in denen Kinder die Heldinnen und Helden des Films (einschließlich des Antagonisten) nachbilden durften. Das ist einer der Gründe, warum man alle Gruppen repräsentieren sollte. Nicht nur weiße Kinder brauchen Vorbilder. Alle Menschen (egal ob groß oder klein) brauchen sie. 

Darstellung ist wichtig – und dankbar

Auf dem #litcampHH wurde erwähnt, dass viele Ostasiat*innen dankbar waren, dass es Cho Chang gab. Und das, obwohl sie ein wandelndes Klischee war.

Das fand ich persönlich sehr traurig. Da ist sie schon keine gute Darstellung und trotzdem sind Menschen dankbar dafür, dass es sie überhaupt gab.

Aus diesem Grund finde ich es wichtig, dass mehr diverse Gruppen dargestellt werden. Idealerweise auch noch vernünftig. Keine Klischees, keine Stereotypen. Warum auch? Die haben in einer Geschichte sowieso nichts zu suchen. Dazu gehören auch die marginalisierten Gruppen.

Abschlussgedanken

Eigentlich ist es einfach, so wie man selbst als Weißer, Cis-Het-Dude dargestellt werden möchte, möchten auch alle anderen Gruppen dargestellt werden – vernünftig. Mehr ist das nicht.

Alle Gruppen möchten dargestellt werden und sie möchten so dargestellt werden, wie sie sich selbst sehen. Und wie sie eben sind.

Legen wir also los. Dafür wünsche ich uns allen viel Spaß und noch mehr Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele