Hei, hallo und herzlich willkommen,

am 08. April 2016 habe ich auf meinem alten Blog einen ersten Beitrag zum Thema “Sexistische Elemente für Deine Geschichte – Teil 1” veröffentlicht. Damals fing ich an, mehrere Themen in einem Beitrag zu sammeln.

Wie die Überschrift schon ahnen lässt, ging es mir damals, diverse sexistische Themen aufzugreifen und darüber zu schreiben. Und vor allem zu zeigen, wie man sie eben nicht verwendet bzw. mit Alternativen.

Da ich die Beiträge weiterhin für wichtig halte, hole ich diese nach und nach heraus und überarbeite sie. Das bedeutet, dass die nächsten Wochen am Sonntag alle meine alten Beiträge zu dieser Thematik kommen.

Wenn Du noch weitere sexistische Themen kennst, freue ich mich über Deinen Kommentar. Darüber werde ich dann recherchieren und gerne einen Beitrag dazu verfassen.

Vielen Dank schon einmal.

Kurze Vorgedanken

In diesem Beitrag möchte ich über etwas schreiben, was ich selbst “Die Komaohrfeige” nenne. Ob es dafür eine bessere*offiziellere Bezeichnung gibt, bisher konnte ich es nicht in Erfahrung bringen. Daher bleibe ich weiterhin bei dieser Bezeichnung.

Das erste Mal wurde ich mir bewusst, dass da etwas nicht stimmte, als ich einen Film aus China sah. Ihn verprügelte man mit dem halben Mobiliar und er konnte immer noch stehen. Ihr gab man eine Ohrfeige und sie war sofort außer Gefecht.

Daher schauen wir uns diese Komaohrfeige doch etwas genauer an.

Die Komaohrfeige

Der Inhalt

Sicherlich hast Du dieses Klischee schon das eine oder andere Mal im Fernsehen gesehen. Dieses Klischee richtet sich eindeutig gegen alle Geschlechter.

Meistens kommt die Komaohrfeige in einem Kampf zu tragen. Ein Gegner oder eine Gruppe von Gegnern trifft auf eine Frau und einen Mann (wobei es durchaus auch andere Paarungen geben kann, aber aus Einfachheit bleibe ich mal dabei). Der Bösewicht muss bei dem Mann alle Register ziehen, zu denen er in der Lage ist. Dazu zählen unter anderem durch Wände schleudern, ihm einen Toaster auf dem Kopf zerschlagen, ein Stuhl zur Hilfe nehmen und aus dem Fenster werfen. Doch dieser kann immer noch aufstehen und dem Gegner einem ordentlichen Kinnhaken geben, um diesen auszuschalten.

Trifft der Gegner auf die Frau, dann reicht häufig eine ordentliche Ohrfeige und sie ist mindestens für drei Wochen im Koma. Nun gut, zwischenzeitlich darf es auch ein Kinnhaken sein. Vielleicht auch zwei.

Auf alle Fälle ist zwischen den Aktivitäten bei beiden Personen ein enormer Unterschied zu sehen. Alles, was als feminin oder weiblich eingestuft wird, kann man sehr schnell überwinden. Hingegen sind die Personen, die als männlich betrachtet werden, schwerer zu überwinden (das gilt dann auch für die sogenannten Mannsweiber).

Das Problem

Das Problem an der Komaohrfeige ist, dass es gegenüber beiden Geschlechtern unfair ist. Auch wenn die obige Beschreibung natürlich übertrieben ist, so habe ich eine abgeschwächte Version davon bei „Spectre“ (James Bond) gesehen. Nur das es hier die Holzwände eines Zuges als Mittel der Überwältigung benutzt wurde.

Wenn wir dieses Bild immer und immer wieder aufwärmen, da kann man doch nur ein falsches Bild von dem starken Mann zeigen. Egal wie der Gegner mit ihm umspringt, er hat aufzustehen und ihn doch noch in den Hintern zu treten, weil es die Filmhelden ja auch schaffen. Nur das die realen Männer eben keine Filmhelden sind. Sie sind Menschen. Und auch denen kann eine Ohrfeige ordentlich wehtun.

Und zugleich sind nicht alle Frauen schwache, hilflose Wesen, die man nur schräg angucken muss und sie fallen ins Koma. Wenn das so wäre, dann sähe die Gegenwart definitiv anders aus. Und die Weltgeschichte ebenfalls. Frauen sind physisch nicht genauso stark wie ein Mann. Das ist ein biologischer Fakt (zumindest für unsere Welt, in einer Fantasywelt könnte das natürlich völlig anders aussehen). Darüber diskutiere ich nicht. Aber das bedeutet nicht, dass sie deswegen schwach sind.

Anders sieht es aber dann aus, wenn die Frau maskuliner auftritt. Als Beispiel nehme ich mal den Charakter Lara Croft. Wenn sie auf die Antagonist*innen trifft, dann reicht es nicht aus, ihr eine Ohrfeige zu geben, um sie auszuschalten. Denn sie tritt als starker, wie ich finde, maskuliner Charakter auf. Und als solche muss sie natürlich mehr wegstecken können. Immerhin spielt sie in der Liga der Männer mit.

Warum wird das geschrieben?

Ich glaube, dass es aus den Zeiten stammt, wo Frauen wirklich noch als das schwache Geschlecht galten. Also in den Anfängen der Filmindustrie. Da galt ein Mann noch was und musste natürlich seine zukünftige Ehefrau und die Mutter seiner Kinder beschützen. Das stilisierte den Mann als Helden des Alltages und die Frau als schützenswertes Daueropfer.

Zwischenzeitlich hat sich die Sicht auf die Geschlechter doch ein wenig geändert. Der Mann kann gerne eine Frau beschützen. Dagegen sagt niemand etwas. Aber eine Frau kann auch gerne einen Mann beschützen (und sämtliche Mischungen, die es noch so geben kann). Warum letztendlich nicht?

Interessanterweise ist es aber so, dass Frauen durchaus auch Männer ohrfeigen dürfen und sie darunter leiden – in Komödien. Manchmal geht es sogar so weit, dass Männer schon fast gefoltert werden, nur damit es angeblich witzig wird. Hier zeigt sich dann häufig wieder dieses gewisse feminine Verhalten. Er ist kein richtiger Mann (was auch immer das wirklich ist), also kann er aus Spaß misshandelt werden (Achtung, das ist NICHT meine Meinung, sondern solche Filme suggerieren diese Meinung).

Wie Du es anders schreiben könntest

Jetzt würde ich lügen, wenn ich Dir jetzt versuchen würde zu erklären, wie das Ganze medizinisch korrekt abläuft. Also, wie stark ein Schlag sein müsste, damit ein Mensch (egal welches Geschlecht sie haben) ohnmächtig wird.

Natürlich dürfen Deine Figuren auch den einen oder anderen Schlag abbekommen. Aber versuche es durchaus realistisch zu gestalten. Notfalls erkundige Dich im Internet oder bei richtigen Ärztinnen oder Ärzten, wie stark man eben zuschlagen müsste, um jemanden k.o. zu schlagen.

Kleiner Tipp an dieser Stelle, sag am besten vorher, dass es für Deine Romanrecherche ist und Du nicht vorhast, wirklich jemanden zu verprügeln. Sicher ist sicher.

In der Serie „Agents of S.H.I.E.L.D“ ist die Agentin Melinda May eine durchaus geübte Kämpferin. In der folgenden Szene siehst Du, wie sie gegen Giyera kämpft. Es geht für beide ziemlich hart zur Sache und trotzdem fällt sie nach einem wirklich ordentlichen Tritt nicht gleich ins Koma. Ja, sie trägt Verletzungen davon. Aber sie steht auf und kann weitermachen.

Natürlich zeigt es hier, dass May durchaus maskulin auftritt. Mein Vorschlag für Deine Charaktere ist, zeig sie menschlich. Dann spielt das Geschlecht keine Rolle.

Alternativ könntest Du, sofern Dein Plot es hergibt, die Ohrfeige komplett auslassen. Wie könnte sich dann Deine Geschichte entwickeln?

Abschlussgedanken

Es mag einigen vielleicht übertrieben vorkommen, dass so viel Wind um eine kleine Ohrfeige gemacht wird. Aber schau Dir mal ältere Filme an. Also mindestens aus den achtzigern oder noch früher. Du wirst sehen, dass sie dort immer noch eine entscheidende Rolle spielt.

Oder schau Dir die Rolle der Männer in diversen Komödien an (Du kannst die entsprechenden Filme an den Plakaten erkennen, mit denen Werbung gemacht wurde). Auch da hat die Ohrfeige (bzw. die Gewalt überhaupt) eine Rolle, derer man sich meiner Meinung nach nicht bedienen sollte.

Auf alle Fälle wünsche ich Dir einen tollen Plot ohne dieses Klischee.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Aufrufe: 773

Sexismus: Die Komaohrfeige
Markiert in:                         

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um unsere Webseite für Dich optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwende ich Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmst Du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung

Informiere Dich weiter.