Hei, hallo und herzlich willkommen,

bei Romanen und besonders in Filmen ist dieses Bild zu oft zu sehen. Frauen sind in irgendeiner Art und Weise hübsch. Und selbst wenn sie nicht hübsch sind, sind sie hübsch.

Und Männer bringen die Muskeln mit. Alternativ beherrschen sie irgendwelche Kampftechniken oder was auch immer gerade gefordert wird.

Kurze Vorgedanken

Sagt Dir der Film “Mortal Engines – Krieg der Städte” (Roman von Philip Reeve) etwas? Die Geschichte werde ich nicht Spoilern, sondern nur die Heldin erwähnen.

Und zwar hat sie ein sehr vernarbtes Gesicht. So schlimm, dass sie ein Tuch übers Gesicht trägt. In diesem englischsprachigen Beitrag hat man ihr “wahres” Gesicht abgebildet, wie er im Roman vorkommt.

ACHTUNG: Der Link ist nichts für sensible Personen – Link zum Beitrag.

Das zeigt, dass selbst eine Frau mit einem entstellten Gesicht immer noch hübsch sein muss. Oder Wonder Woman (ich rede nicht vom Film selbst, sondern nur vom Körper der Schauspielerin). Man sollte meinen, dass eine Kriegerin, die etliche Jahre des Trainings hinter sich hat, doch ein paar Muskeln mehr hat. Hier leider eine Fehlanzeige.

Dann schauen wir uns das doch mal ein wenig genauer an.

Der Inhalt

Ursprünglich fiel mir dieses Klischee oft bei Robert Jordans „Das Rad der Zeit“ auf. Aber auch bei anderen Romanen oder eben Filmen und Serien. Und sehr häufig läuft es gleich ab.

Häufig werden die Figuren mit einfachsten Mitteln beschrieben. Die Frau ist atemberaubend schön und häufig zugleich dumm. Und der Mann hat so viele Muskeln, dass er schon fast gar nicht mehr laufen kann. Mit der Intelligenz sieht es bei ihm häufig besser aus, aber es kommt darauf an.

Aber überhaupt werden hübsche Menschen als hohl bzw. als dumm dargestellt. Als würde es sich automatisch ausschließen, dass schöne Menschen auch einen normalen IQ haben könnten. Gerade dann, wenn sie noch blond sind. Dabei gibt es eine Studie, die erklärt, dass Blondinen nicht dümmer sind, als Frauen mit anderen Haarfarben (auch wenn man diese Studie durchaus mit Vorsicht genießen sollte).

Aber überhaupt müssen Frauen hübsch sein. Dabei schweben den meisten Autor*innen immer noch die berühmten Maße 90*60*90 vor. Sogenannte Plus Size Models tauchen erst in den letzten Jahren auf. Wobei ich gestehen muss, dass einige dieser Plus Size Models nicht einmal annähernd diese Bezeichnung verdienen. Und in Filmen oder Bücher dürfen sie eher selten dick sein. Falls doch, dann versuchen sie verzweifelt abzunehmen.

Selbst wenn sie dick ist, ist sie immer noch hübsch (was auch immer am Ende unter dieser Definition fällt). Normal aussehende Menschen (also Menschen, die man nicht mit Models verwechseln könnte) findet man selten in Roman und noch weniger in Filmen.

Bei Männern hingegen sieht das ein wenig anders aus. Selbst wenn sie einen Waschbärbauch haben, sind sie immer noch süß. Zudem dürfen sie häufig nicht den gesellschaftlichen Normen entsprechen.

Jedoch dürfen sie einiges auch nicht sein. Zu dick dürfen sie nicht sein, keine Halbglatze (eine ganze ist wieder herum in Ordnung) oder auch zu klein. In Komödien geht das noch durch. Dort kriegen sie sogar die superscharfe Braut. Aber in anderen Genres ist das ein No-Go.

Was mir beim schauen von Musikvideos mit Ausschnitten aus Computerspielen aufgefallen ist, ist der – sagen wir mal – ungewöhnliche Kleidungsstil. Frauen haben prinzipiell kaum etwas an. Aber ihre Schuhe bzw. Stiefel haben sehr hohe Absätze. Selbst im tiefsten Winter darf frau sehr, sehr wenig Kleidung anhaben (Achtung: Ironie).

Das Problem

Als ich mal vor Jahren ein Jugendbuch schreiben wollte, durfte meine Heldin auf keinen Fall hübsch sein. Intelligent ja, aber aufs Verrecken durfte sie nicht schön sein. Warum eigentlich nicht? Weil Schönheit und Intelligenz sich zwischenzeitlich in unserer Gesellschaft ausschließen.

Oder zumindest in den meisten Büchern.

Es kann nicht sein, dass jemand schön ist und dann auch noch was im Kopf hat. Damit wären diese Leute ja doppelt belohnt. Natürlich, ja, es gibt auch Leute, die wirklich schön sind und selbst eine Stulle mehr Intelligenz hat als sie. Das will ich nicht unter dem Tisch fallen lassen. Aber es gibt auch schöne Menschen, die eben auch was im Kopf haben.

Menschen werden hier in Rollen gedrängt, die viele nicht erfüllen können oder wollen. Sicherlich kennst Du die Bezeichnung Mannsweib. Das sind Frauen, die nicht dem weiblichen Schönheitsideal entsprechen. Sie irritieren, verstören einige sogar, wenn sie anders aussehen, als man es selbst gewohnt ist. Und leider ist es tatsächlich so, dass einige Menschen dann aggressiv werden. Entweder verbal, seltener auch körperlich.

Anstatt das Individuum zu feiern, werden diese ausgeschlossen, weil sie in keine Schablone passen. Und selbst wenn man sich immer und immer wieder sagt, dass jeder Mensch anders aussehen darf, fällt es genauso oft schwer, dass zu verinnerlichen. Gerade dann, wenn man selbst nicht der aktuell anerkannten Schablone entspricht.

Warum wird das geschrieben?

Vermutlich, weil es zwischenzeitlich einfach ein gängiges Klischee ist. Wir haben uns so dermaßen gewöhnt, dass die unscheinbare Maus eine Intelligenzbestie ist und nur darauf wartet, ihr Talent zu zeigen. Und die Schönheitskönigin oder der Frauenschwarm siegen vielleicht in der Schlacht, aber den Krieg verlieren sie. Eben, weil ihre Intelligenz zu wünschen übrig lässt. Aber nur so kann man sich ja ihrer Gemeinheit erwehren, weil sie die Schablone repräsentieren.

Ich könnte mir auch denken, dass viele gar nicht mehr darüber nachdenken. Wir schalten den Fernseher ein und sehen, wie schöne Menschen dumme Dinge tun, und sehen uns einfach in unseren Vorurteilen bestätigt. Und wenn sie mal was Intelligentes tun, nun, dann hatten sie mal Glück gehabt. Aber sobald sie wieder was Dummes tun, ist die vorherige Tat wieder vergessen.

Bei den meisten dürfte es wohl aber auch sein, dass es einfacher ist. Zwischenzeitlich entspricht es dem Klischee, wie die Menschen auszusehen zu haben. Wenn nicht, dann irritiert es uns. Einfach nur deswegen, weil wir es nicht gewohnt sind.

Das zeigt die Diskussion um “Mortal Engine” (siehe den Anfang). Selbst wenn es eine gute Vorlage gibt, wird diese abgewandelt, damit wir nicht geschockt sind.

Und da wir es nicht gewohnt sind, mit anderen Menschen zu arbeiten bzw. sie zu sehen, wollen wir sie nicht sehen. Zumindest viele von uns. Daraus entwickelt sich dann die Überzeugung, dass wir als Publikum solche Menschen nicht sehen wollen. Daher wird weiter der Druck erhöht und so weiter.

Wie Du es anders schreiben könntest

Du könntest Dir überlegen, keinen Wert auf das Äußere zu legen, sondern die Figuren einfach so beschreiben, wie sie sind. Hier ist natürlich Charakterarbeit notwendig. Es wäre durchaus eine Überlegung wert, dass Du die erste Fassung schreibst, ohne dabei die Figuren zu beschreiben. Und erst in der zweiten Fassung dies hinzufügst. Sofern Du es möchtest. Denn es gibt auch Romane, wo dieser Teil schlichtweg weggelassen wird.

Im ersten Schritt kümmerst Du Dich nur um den Charakter. Und erst im zweiten Schritt um das Optische. Im Internet kannst Du Dich dann inspirieren lassen, wie unterschiedlich die Menschen aussehen können. Oder auch bei historischen Personen. Schau Dir die Bilder an und dann erschaffe Deine eigenen Charaktere.

Abschlussgedanken

Es ist bei den meisten so, dass wir sehr visuelle Menschen sind. Das bedeutet, dass wir ziemlich viel mit den Augen aufnehmen und dann das verarbeiten. Und wenn wir immer ein paar Typen von Menschen sehen, empfinden wir sie als schön. Dagegen andere Menschen als hässlich.

Mir ist bewusst, dass die Änderung des Bildes dauern wird. Aber wenn wir nicht damit anfangen, kommen wir am Ende nie an.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Aufrufe: 56

Sexismus: Schöne Frauen – Starke Männer
Markiert in:                             

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um unsere Webseite für Dich optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwende ich Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmst Du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung

Informiere Dich weiter.