Die männerhassende Lesbengruppe

Hei, hallo und herzlich willkommen,

es gibt Ideen, die vielleicht noch keine Klischees sind, aber mich persönlich trotzdem sehr nerven. Und genau über solch eine Idee möchte ich heute schreiben.

Kurze Vorgedanken

Zum ersten Mal ist mir diese Gruppierung in einen meiner liebsten Fantasyreihen aufgefallen (“Das Rad der Zeit” von Robert Jordan). Als ich es damals gelesen habe (das war noch zu meiner Zeit in der Mittelstufe) hab ich das nicht wirklich reflektiert.

Aber irgendwann sehe auch ich hinter den Kulissen und es viel mir auf, dass da etwas nicht stimmt.

Der Inhalt

Eine kleine oder größere Gruppe von Frauen, und zwar nur von Frauen, jagen einzelne Männer oder eine Gruppe von Männern. Diese wollen sie entweder versklaven, unterjochen oder vernichten (manchmal auch alles zusammen). Nichts soll jemals an sie erinnern, wenn es nach dieser Frauengruppe geht.

Diese Gruppe verweigert beinahe schon hysterisch jegliche Unterstützung von Männern, selbst wenn es bei anderen Gruppen der gleichen Organisation es Tradition ist. Sie hassen Männer und wollen dementsprechend kaum, bis gar nichts mit ihnen zu tun haben.

Und um das Klischee zu bedienen, dann sind alle natürlich auch noch Lesben. Ihr Männerhass soll natürlich auf die höchste Spitze getrieben werden. Denn, wenn man keine Männer liebt, muss man sie hassen (so das Vorurteil).

Die Männer sind häufig reine Opfer, die noch nicht einmal wissen, warum diese Frauengruppe sie überhaupt vernichten wollen. Manche von den Männern sind natürlich schlechte Menschen. Das soll zeigen, dass die Arbeit der Frauen durchaus einen wertvollen Beitrag leistet. Aber die anderen sind reine Opfer, die einfach nur überleben wollen. Und eben diese Frauen wollen das verhindern.

Das erste Mal ist mir dieses Klischee oder diese Idee (je nachdem, wie man es benennen möchte) in der oben erwähnten Romanreihe aufgefallen. Dort werden die Frauen, welche die sogenannte Macht beherrschen, in Ajas aufgeteilt. Und die rote Ajah (ob die Farbwahl auch eine Bedeutung hat?), ist eben die männerhassende Gruppierung in dieser Welt.

Normalerweise haben die Aes Sedai (so heißen die Frauen der Ajah) mindestens einen Behüter an der Seite. Also einen Mann, der sie mit dem Schwert beschützt (Frauen können natürlich nicht mit Schwertern umgehen, das nächste Klischee). Nur eben die rote Ajah nicht. Sie weigern sich vollständig, auch nur annähernd auf Männer irgendwie angewiesen zu sein. Und das nimmt schon eigenartige Züge an.

Das Problem

Wo soll ich anfangen, wo das Problem ist. Wie viele Frauengruppen kennst Du, die hinausziehen, um Männer ohne einen ersichtlichen Grund zu vernichten. Es gibt durchaus Frauengruppen, die sich gegen Männer wehren. In Indien zum Beispiel ist das gerade so.

Aber mir fällt jetzt wirklich partout keine Frauengruppe ein, die aus welchen Gründen auch immer, sich aufmachen, um Männer zu vernichten. Das gilt auch im historischen Kontext. Wenn Du was weißt, ich lerne gerne dazu.

Aber da fängt es schon einmal an. Eine Frauengruppe will die armen, armen Männer oder gar die ganze Männerwelt vernichten. Und das aus einer verqueren Ideologie heraus. Und zumeist wissen die Männer noch nicht einmal, warum sie die Opfer dieser Frauengruppe sind.

Zugleich haben wir auch das nächste Problem. Und zwar die vollständige Ablehnung der Unterstützung durch die Männer. Es ist zwar in Ordnung, wenn Frauen erst einmal selbst versuchen, Lösungen für ihre Probleme zu finden. Aber warum soll man vollständig auf die Unterstützung anderer, egal ob Frau oder Mann verzichtet? Denn die Hilfe von Frauen wird ebenfalls abgelehnt, wenn sie deren Ideologie nicht teilen.

Doch wenn man diesen Klischees glaubt, dann würden die Frauen niemals die Hilfe annehmen, weil das schlichtweg schlecht ist. Die Hilfe der Männer ist schlecht. Und Männer können ihnen sowieso nicht helfen. Also braucht man sie sowieso nicht. Manche würden sogar eher sterben, bevor sie einen Mann um Unterstützung bitten. Und das darfst Du übrigens auch wortwörtlich nehmen.

Die Krönung solcher Gruppen ist eben halt auch, dass sie sich auch sexuell nicht für Männer interessieren. Wenn sie also überhaupt sexuelle Interessen haben, dann eben nur für Frauen. An sich ist das nicht schlimm. In diesem Fall ist es der Hintergrund. Frauen sind nur deswegen als sexuelle Partnerinnen interessant, solange sie sich der eigenen Ideologie unterwerfen und eben, weil sie Frauen sind.

Das sind alles im Grunde genommen nur Aneinanderreihungen von Klischees. Frauen, die Männer hassen. Frauen, die Männer jagen. Frauen, die dann eben Lesben sind. Das ist dann die Krönung der Angelegenheit.

Wobei sich mir persönlich die Frage stellt, ob diese Frauen tatsächlich aus sich heraus Lesben sind. Es könnte durchaus sein, dass sie nur ab und an gerne sexuelle Kontakte haben möchten. Da sie sich aber nun einmal keinen Mann suchen können, muss halt die Dame herhalten.

Warum wird das geschrieben?

Manchmal habe ich das Gefühl, dass einige Männer heftige Vorurteile haben, wenn Frauen sich zu einer Gruppe zusammenschließen. Was könnten Frauen schon machen, wenn sie Männer aussperren, weil sie ein wenig Zeit für sich haben wollen? Natürlich eben die Männer vernichten. So einfach ist das.

Zumindest, wenn man meinem Gefühl folgt.

Eine Gruppe von Frauen, die eben Männer jagen und zugleich auch noch Lesben sind. Das ist irgendwie eine Mischung von allen negativen Vorurteilen, die man in diesem Bereich haben kann.

Denn wenn Frauen sich zusammenschließen und Männer keinen Zugang gewähren, dann planen sie eben deren Vernichtung. Und wenn sie keine Hilfe von Männern wollen und nicht mit ihnen arbeiten und reden oder was auch immer, dann müssen sie zusätzlich Lesben sein.

Irgendwann hat wohl jemand diese Gruppe von Frauen erfunden. Und das hat sich dann über Laufe der Jahre und Romane regelrecht festgefressen und wird bis heute ohne es zu hinterfragen benutzt.

Gerade dann, wenn wir es mit einem männlichen Helden zu tun haben (wie bei „Das Rad der Zeit“ der Fall ist), dann ist es gut, wenn man ihm ine ganze Gruppe entgegensetzen kann, damit er niemals Ruhe findet. Jede Frau, mit dem er sich unterhält, könnte letztendlich einen Strick in ihrer Handtasche haben.

Natürlich kann das schwierig für ihn werden. Gerade dann, wenn er vielleicht noch ein Frauenschwarm ist. Das könnte auch eine interessante Geschichte werden.

Wie Du es anders schreiben kannst

Natürlich könntest Du jetzt eine Männergruppe ins Rennen schicken und diese entweder ebenfalls die Männer jagen oder auch Frauen. Aber das wäre nicht viel besser, als das, was ich oben geschrieben habe. Also lassen wir das.

Nehmen wir mal an, Du willst unbedingt eine Frauengruppe haben, damit sie sich so um die Männer kümmern. Das kann durchaus in Ordnung sein. Aber dazu solltest Du ein paar Punkte ändern. Effektiver können diese Frauen sein, wenn sie eben nicht auf die Unterstützung von Männern verzichten würden. Wie wäre es, wenn sie Männer nutzen, um ihre Ziele erreichen? Aber diese nicht allesamt töten?

Aber wie wäre es, wenn Du aus der reinen Frauengruppe eine Mischgruppe machst, die eben einer Ideologie verfolgen. Warum sollten nur Frauen sich vor einer bestimmten Gruppe fürchten und diese dann zu vernichten versuchen? Das können Männer durchaus auch.

Misch also die Menschengruppen miteinander und lasse sie nicht nur Männer verfolgen, sondern auch Frauen und Kinder. Vielleicht willst Du, dass die Männer besondere Fähigkeiten haben? Dann ist das in Ordnung. Aber sie sind Söhne ihrer Eltern, vielleicht Brüder oder auch Ehemänner und Väter. Warum sollte diese ihren Sohn, Bruder, Vater oder wer auch immer verraten und verlassen?

Daher könnte sich die Familie schuldig machen, weil sie den gesuchten Mann unterstützen. Und aus diesem Grund könnten auch sie verfolgt werden. Es gibt also genügend Gründe, wie Du die Gruppendynamik verändern kannst.

Und denk daran, es gibt noch weitere Geschlechter. Auch diese können in Deiner Geschichte eine wichtige Rolle einnehmen. Es muss nicht immer nur Frau gegen Mann oder Mann gegen Frau sein.

Abschlussgedanken

Der Kampf der binären Geschlechter scheint bei vielen immer noch in den Köpfen festzustecken. Dabei könnte man gerade in fiktionalen Texten darüber hinausgehen.

Natürlich können Gruppen gegeneinander arbeiten. Aber warum muss das immer am Geschlecht festgemacht werden? Gibt es nicht mehr Möglichkeiten? Und ich bin mir sicher, wenn Dich das interessiert und Du darüber schreiben möchtest, findest Du gute Alternativen.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg und noch mehr Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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frau-schreibseele

Mein Thema ist das geschriebene Wort. Das gilt sowohl für Romantexte als auch fürs Lettering, Sketchnote, Bullet Journals und was man noch schreiben kann. Aktuell arbeite ich an meinem ersten Roman, der 2018 veröffentlicht werden soll.

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