Hei, hallo und herzlich willkommen,

einer der Klassiker unter den Schreibtipps sind wohl Charakterbögen oder auch Steckbriefe zu verwenden. Damit ist in der Tat ein Bogen gemeint, wo Du die wichtigen Eckdaten zu Deinen Figuren eintragen kannst. Schauen wir uns dies doch ein wenig genauer an.

Kurze Vorgedanken

Früher hatte ich eine Brieffreundin, die leidenschaftlich Rollenspiele betrieb. Dort gibt es auch Steckbriefe, damit man weiß, mit wem man es zu tun hat, welche Stärken, Schwächen man hat, Eigenschaften, Fähigkeiten und so weiter. Beim Rollenspiel kommen ja noch irgendwelche Angriffs- und Schadenspunkte hinzu. Da ich mich nie damit richtig beschäftigt habe, kann ich darauf nicht tiefer eingehen. Aber bei meinen damaligen Recherchen habe ich immer wieder mal Eingaben gesehen wie +2 oder auch -3 und Ähnliches.

Wer also Rollenspiele betreibt, weiß sicherlich, worauf ich mit diesen Beitrag hinaus möchte.

Alle anderen erkläre ich es hier.

Wofür Steckbriefe und etc.?

Im Grunde genommen geht es hierbei um die Quintessenz der wichtigen Daten. Du sollst jederzeit die Möglichkeit haben, wenn Du etwas suchst, dies im Überblick zu finden, so dass Du jederzeit schnell zu den gewünschten Informationen kommst.

Natürlich ist es möglich ausführliche Texte zu schreiben (also ein Aufsatz eines Steckbriefes). Aber nehmen wir mal an, Du suchst nach einer bestimmten Information. Zum Beispiel den Autotypen, welche Deine Figur fährt. Du hast es Dir vor Wochen überlegt und danach recherchiert. Nun willst Du die Marke, die Farbe, und was weiß ich, erwähnen und es will Dir partout nicht einfallen (und hei, dass ist möglich, mir fallen noch nicht einmal die Namen von wichtigen Nebencharakteren ein).

Du könntest jetzt Deinen Text durchsuchen und schauen, wo Du die Information versteckt hast. Wenn Du wenig geschrieben hast, wird es vielleicht nur ein paar Minuten dauern. Aber wehe Du bist nur halb so schlimm wie ich, dann wirst Du einen Haufen Seiten haben, die Du nun durchforsten darfst. Wenn Du aber unter der Überschrift „Persönlicher Besitz“ (oder wie immer Du das auch sortierst) schaust, dann wirst Du voraussichtlich schneller an die Information kommen.

Natürlich brauchst und eventuell sollst Du nicht auf die ausführlichen Texte verzichten. Im Gegenteil, sie können wichtig sein, wenn Du ein Gefühl für Deine Figuren bekommen möchtest. Die Charakterbögen sind nur die Kurzversion davon, welche die wichtigen Informationen schnell zur Verfügung stellen.

Der Inhalt

Welche Punkte Du für Deinen Charakterbogen benötigst, liegt letztendlich an der Geschichte, die Du schreibst. Wenn Du eine Fantasygeschichte verfasst, wirst Du Dich wohl weniger mit aktuellen Marken jeglicher Art beschäftigen. Das Gleiche gilt für historische Romane.

Aber es gibt gewisse Eckdaten, die Du immer aufführen kannst. Dazu gehört der Name, das Alter, Geburtsdatum und Ort. Natürlich die Daten zum Aussehen: Augenfarbe, Haarfarbe, Hautfarbe, Größe, Statur und so weiter.

Dann gibt es spezielle Daten wie Waffen, Kleider, magische Fähigkeiten, Pferde, Kutschen, Hauspersonal und so weiter. Auch die Adresse kann wichtig sein oder der Besitz.

Für Deinen persönlichen Charakterbogen kannst Du Dir andere anschauen und das übernehmen, was für Dich und Deine Geschichte wichtig ist. Alles andere schmeißt Du schlichtweg raus.

Hier stelle ich Dir mal einen möglichen Charakterbogen vor:

1. Allgemeines:

– Vorname / Nachname / Spitzname(n):
– Geschlecht (denk daran, es gibt nicht nur weiblich / männlich):
– Geburtsdatum / Sternzeichen (sofern Du mit solchen Daten arbeiten möchtest) / Alter / Geburtsort:
– Wohnort (sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart und der Zukunft):
– Nationalität (auch für Sci-Fi und Fantasygeschichten, Achtung bei historischen Romanen, hier haben sich Ländernamen häufig im Laufe der Geschichte geändert):
– Religion (sowohl monotheistisch, polytheistisch oder auch atheistisch) / Weltanschauung (philosophisch gesehen):
– Rang / Adelstitel (natürlich macht es einen Unterschied, wenn Du es mit einer/einem Chef*in eines Unternehmens zu tun hast oder mit einer / einem Angstellte*n, Adelsränge haben noch eine größere Bedeutung im Rahmen der Ansprache (Majestät, Eure Lordschaft, etc.) oder auch welche Rechten und Pflichten die Person hatte):

2. Äußeres:

– Größe – Gewicht / Statur – Körperbau:
– Gesicht (Kinn, Stirn, Nase, Besonderheiten …):
– Haut & Haarfarbe / Augenfarbe:
– Mimik/Gestik:
– Sprache/Stimme (auch: Akzente, Dialekte, auffällige Betonungen, Sprachfehler, Redewedungen …):
– Bewegungen / Körperhaltungen:
– Kleidungsstil (kann natürlich besonders interessant sein, wenn die Geschichte nicht in unserer Gegenwart spielt) / Schmuck / Accesoires:
– Auffälligkeiten (Tattoos, Narben …):
-Gesundheitszustand
– Allergien (sowohl auf Pollen als auch auf Lebensmittel, um mal zwei Beispiele zu nennen):

3. Umfeld:

– Gesellschaftliche Schicht (kann besonders für historische Romane interessant sein):
– Geburtsfamilie (Beziehung zu den Eltern, Geschwistern etc) / Aktuelle Familie (Beziehung/Kinderwunsch etc):
Hinweis: Es gibt einen Unterschied zwischen der Geburtsfamilie und der Familie, für die man sich entscheidet – die Geburtsfamilie prägt die Figur so wie sie ist (daher kann es auch vorkommen, dass man den Kontakt zum Beispiel zu ihr komplett abbricht, wenn das so ist, schreib auch auf wieso, die aktuelle Familie ist die, für die sich Deine Figur letztendlich entscheidet)
– Freunde / Feinde (sofern vorhanden) / Bekannte / Informanten (z. B. bei Krimis) / Leute die man so trifft (die Kaffeeverkäuferin) etc:
– Vereine / Soziales Engagement:
– Wohnung/Haus/Wunschhaus (sagt auch etwas über die Persönlichkeit aus):
– Ansehen/Ruf:
– Beruf (Stellung, Vorgesetzte, Kollegen, Aufgaben, etc.) – bei historischen Romanen oder auch bei Fantasygeschichten könnten hier noch Innungen hinzukommen:

4. Besonderheiten, Gewohnheiten:

– Hervorstechender Charakterzug / zurückhaltender Charakterzug:
– Hobbys / Freizeitgestaltung / Was er/sie tut, wenn er/sie allein ist:
– Angewohnheiten:
– Talente:
– Ticks / Marotten:
– Intelligenz (nicht nur IQ oder EQ, sondern auch alles worüber Deine Figur Bescheid weiß):
– Interessen:
– Einstellungen:
– Geschmack (Bücher, Musik, Filme, Farben, Kleidung, Essen und Trinken, etc.):
– Vorlieben / Abneigungen:
– Moralvorstellungen:
– Phobien:
– Stärken / Schwächen:
– Art des Humors:
– Wie steht sie / er zum putzen – Du kannst weiter solche Fragen stellen um zu sehen, mit was für eine Art Charakter Du es hier zu tun hast.

5. (An-) Triebe:

– Motivation:
– Ziele:
– Wünsche:
– (Tag-, Wunsch-) Träume:
– Emotionen:
– Traumata:
– Schmerzliche Erlebnisse/Rückschläge:
– Erfreuliche Erlebnisse:
– Besonders aufschlussreiche/bedeutungsvolle Erfahrungen:
– Wie steht sie / er zum Leben:
– Wie steht sie / er zum Tod (auch zur Selbsttötung, Tötung auf Verlangen, etc):
– Persönliche Konflikte (wie zum Beispiel zum Beruf, zur Liebe, zur Familie, zu den Ängsten, etc., was hält Deine Figur auf):

6. Vorgeschichte und charakterbetreffende Details:

– Entscheidendes Erlebnis in der Kindheit/Vergangenheit:
– Was ist die erste Erinnerung Deiner Figur:
– Was am meisten bereut wird:
– Worüber freut sich die Figur am meisten im Leben (Heirat, Geburt des Kindes):
– Folgenschwerste Entscheidung (sowohl positiv als auch negativ):
– Das Schlimmste, das je getan wurde:
– Das Beste, das je getan wurde:
– Das peinlichste Erlebnis:
– Das positivste Erlebnis:
– Stärkste Beeinflussung durch (Person / Ereignis / Fähigkeit):
– Wem soll etwas bewiesen werden und warum:
– Was würde er/sie niemals tun und warum:
– Das größte Geheimnis:

7. Stellung in der Geschichte:

– Wichtigkeit, Stellung (Hauptperson, Nebencharakter …):
– Funktion in der Geschichte:
– Erster/letzter Auftritt:
– Entwicklung, Veränderung der Ansichten (Zustand am Anfang / Zustand in der Mitte / Zustand am Ende):
– Gegner*innen und Widersacher*innen:
– Verbindung zur / zum Antagonist*in:
– Helfer*innen und Verbündete:
– Verhältnis zu den anderen Charakteren (hier reichen durchaus einige Worte, zu wichtigen Figuren kannst Du auch ein kleines Exposè schreiben):
– Allgemeiner Eindruck, der erweckt werden soll (also wie soll die Figur auf die Leser_innen wirken, positiv, negativ, neutral und wie willst Du das erreichen?):

Das ist ein möglicher Charakterbogen, mit dem Du arbeiten kannst. Eine Empfehlung wäre noch, dass Du daraus noch einmal die wichtigsten Daten ziehst, mit denen Du permanent arbeitest und auf maximal eine Din-A4 Seite reduzierst. Damit könntest Du (sofern Du es ausdruckst und in einen Ordner packst) am Anfang Deiner Informationen einfügen. Und jedes Mal wenn Du etwas wichtiges suchst, findest Du es am Anfang.

Erstelle bei Bedarf auch Deinen eigenen Charakterbogen, ergänze diesen, kopiere Dir aus mehreren einen zusammen, was auch immer Du tust, es sollte am Ende Dein Charakterbogen werden.

Abschlussgedanken

Charakterbögen sollen Dir die Arbeit erleichtern. Daher empfehle ich immer, dass Du diese auch so spartanisch wie nur möglich erstellst. Was Du brauchst, nutzt Du. Was nicht, fliegt konsequent raus.

Wichtig ist aber auch, diese immer aktuell zu halten. Wenn sich irgendwelche Daten ergeben, weil Du diese im Laufe des Schreibens entdeckt hast, oder ändern, dann füge sie zeitnah in Deinem Charakterbogen ein. Nur so verhinderst Du, dass sich inkonsequente Strukturen in Deine Geschichte festfressen.

Ein banales Beispiel. Wenn Du entschieden hast, dass Dein Charakter grüne Augen hat, dann notierst Du das in Deinem Charakterbogen. Sollten sich diese aber in Blau ändern, natürlich änderst Du das in Deiner Geschichte. Aber auch in Deinem Charakterbogen. Denn, wenn Du einige Zeit später die Datei aufrufst (aus welchen Gründen auch immer Du eine längere Pause benötigt hast), könnte es sein, dass Du die Augenfarbe vergessen hast. Dein Charakterbogen aber nicht.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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Charakterbögen, Steckbriefe … und so weiter

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