Hei, hallo und herzlich willkommen,

zugegeben, einer meiner Lieblingsmethoden, um zu prokrastinieren ist es, die 1-Stern-Rezensionen auf einem gewissen Portal zu lesen. Denn häufig kann ich mich darüber gut amüsieren. Doch dort finden sich auch sehr gut und ausführliche Rezensionen, die viel über ein Buch aussagen können. Und einer dieser Rezensionen hat mich zu diesem Beitrag inspiriert.

Kurze Vorgedanken

In Liebesromanen zwei Menschen zueinander zu führen, damit sie sich verlieben und dann eine spannende Story entsteht, kann durchaus schwierig sein. Immerhin muss man sich ja als Autor*in überlegen, wie das geht und vor allem, dass es nicht sofort klappt. Die Spannung soll ja bis zum Schluss bleiben, kommen sie zusammen oder nicht.

Aber es gibt Wege, wie zwei Menschen zueinanderfinden sollen, bei denen ich, gelinde gesagt, nur den Kopf schütteln kann. Bei einen der Rezensionen, die ich durchgelesen habe, wurde tatsächlich Mobbing als Weg gewählt.

Daher möchte ich heute darüber schreiben, warum ich das, gelinde gesagt, nicht lustig oder gar romantisch finde.

Noch eines vorneweg, bei diesem Beitrag möchte ich nicht gegen die*den Autor*in bashen. Daher werde ich weder den Namen der schreibenden Person noch den Titel des Buches nennen. Es handelt sich hierbei um einen Beitrag, der sich um das Thema dreht, in der Hoffnung, dass sich das nicht verbreitet.

Und es sei noch erwähnt, es handelt sich hierbei nicht um einen psychologischen Beitrag. Solltest Du Hilfe benötigen, dann klicke HIER und HIER (für Österreich) und ruf die entsprechenden Nummern an. Und ja, ich werde in diesem Beitrag auch einige psychologische Themen ansprechen, das als Triggerwarnung.

Allgemeines zum Thema

Bevor wir uns dem Thema für eine Geschichte widmen, möchte ich erst einmal Mobbing kurz betrachten. Also, was ist das, wer mobbt, wer wird gemobbt und welche Konsequenzen kann es am Ende geben.

Was ist jetzt eigentlich Mobbing?

Mobbing bedeutet, grob beschrieben, dass eine Person von einer oder mehreren anderen Personen (also einer Gruppe) zumeist psychisch, aber auch physisch beleidigt, angegangen, verletzt oder gedemütigt wird.

Selten handelt es sich dabei um eine einmalige Aktion. Das kann manchmal über Jahre und noch länger hinweg gehen. Dabei kann es sein, dass die Täter*innen sich regelrecht auf ein Opfer fokussieren und es mobben, bis sich die Wege trennen. Oder sie langweilen sich und suchen sich dann ein neues Opfer.

Die Bandbreite des Mobbings ist extrem weit. Von subtilen Bemerkungen, bis hin zu Lästereien, sogenannten Scherzen (die für das Opfer nie lustig sind) und sogar physische Gewalt. Das Opfer kann tatsächlich verprügelt werden.

In Serien, Filmen und meistens Young Adult Geschichten ist Mobbing als negative Erfahrung durchaus ein Thema. Daher denke ich, dass Du Dir davon durchaus ein Bild machen kannst, wenn Du nicht selbst mal ein Mobbingopfer geworden bist.

Wer mobbt eigentlich?

Es gibt noch nicht ausreichende Studien, die das Thema Mobbing erschöpfend analysiert haben. Daher kann man (und erst recht ich) keine zufriedenstellende Antwort geben.

Die Vermutung geht dahin, dass die mobbenden Personen eher Selbstzweifel an sich und der eigenen Person haben. Im privaten Bereich vielleicht nichts zu sagen haben und sich daher einer Gruppe anschließen. Dort fühlen sie sich stark und sicher. Und dementsprechend kommen sie so zur Macht, die sie sonst vielleicht nicht haben.

Wer wird gemobbt?

In einen dieser Studien wird erklärt, dass Mobbingopfer schüchtern, zurückhaltend und sich eher in die Opferstellung begeben. Kritiker*innen dieser Aussage meinen jedoch, dass das nicht die Auslöser für das Mobbing sind, sondern eher das Ergebnis.

Und aus persönlichen Erfahrungen kann ich den kritischen Stimmen nur zustimmen. Mobbingopfer können die sein, die neu auf eine Schule oder Arbeitstelle kommen. Sie können sich mal gewehrt haben, weil sie unfair behandelt wurden. Oder sie machen ihre Arbeit besser als die anderen. Sie können sportlich oder auch unsportlich sein. Vielleicht sind sie nicht vermögend genug oder haben mehr Geld als die anderen aus der Klasse.

Für die mobbende Person gibt es natürlich irgendeinen Grund, warum sie*er sich genau diese Person ausgesucht hat. Aus der objektiven Sicht würde ich sagen, egal was man macht, in den Augen der mobbenden Personen macht man es sowieso falsch.

Welche Konsequenzen kann Mobbing haben?

Vor einiger Zeit twitterte eine Person, dass sie mit Mitte zwanzig immer noch verunsichert ist, wenn andere hinter ihrem Rücken lachen. Damit wollte sie ausdrücken, dass sie zwar aus der Schule raus ist, aber sie immer noch unter dem Mobbing leidet.

Daraufhin erwiderte ich, dass ich mit Ende dreißig ebenfalls diese Verunsicherung verspüre. Eine andere Person erklärte, dass es ihr*ihm mit sechzig ebenso ergeht.

Kurz geschrieben, Mobbing kann nicht nur den Tag versauen, in einigen Leben sogar das ganze Leben. Die Persönlichkeit kann sich verändern, man wird ängstlicher, traut sich nicht mehr viel zu (wenn überhaupt), hat Versagensängste, verliert die Stelle im Beruf und igelt sich ein. In ganz schlimmen Fällen sehen Mobbingopfer keinen Ausweg und beenden sogar ihr Leben.

Das ist bei Weitem nicht alles, aber ich denke, Du kannst Dir ein Bild machen. Mobbing ist also nicht lustig oder sonstwie.

Mobbing in der Literatur

Da Mobbing durchaus ein Thema für viele junge Menschen ist (aber nicht nur), ist es auch häufig ein wiederkehrendes Thema in den Young Adult Geschichten. Meistens kommt unsere Heldin neu an eine Schule und wird gemobbt.

Bisher wurde das aber eher negativ betrachtet. Also, dass Mobbing schlecht ist (was es ja auch ist). Nun gibt es tatsächlich zumindest einen Roman, der Mobbing romantisiert. Daher möchte ich beide Elemente aufführen und erklären, warum ich das für keine gute Idee halte.

Mobbing als romantische Annäherung

Als Liebesromanautorin ist es wichtig, dass ich mir Gedanken mache, wie mein Paar zusammenfindet. Wie treffen sie sich, wie finden sie zueinander und wo ist der Konflikt, damit das Happy End nicht sofort da ist. Dazu gehört durchaus ein wenig Kreativität.

Wenn Du als Liebesromanautor*in Dich dafür entscheidest, dass eine Gruppe auf den Love Interest verbal oder gar physisch einschlägt, was für eine romantische Basis hat dann die Liebe? Ehrlich gesagt, ich verstehe das nicht.

Auf Twitter fragte mal jemand nach, ob Mobbingopfer sich mit den Täter*innen unterhalten würden, um nach deren Gründen zu fragen. Und auch, ob sie deren Entschuldigung annehmen würden.

Nicht alle, aber sehr viele meinten, dass sie den Täter*innen nicht die Genugtuung einer reinen Seele gewähren möchten. Das bedeutet, dass die Täter*innen nach diesem Gespräch sich besser fühlen würden. Immerhin haben sie ihre Situation erklärt und entschuldigt. Damit ist ja normalerweise für sie die Sache erledigt.

Die Opfer hingegen bleiben mit ihren Erinnerungen, ihren Ängsten und ihrem Leid zurück. Häufig kann solch eine Entschuldigung sogar alte Wunden aufreißen, sodass alles wieder hochkommt. Und dann müssen sie erneut mit sich ins Reine kommen.

Auch ich gehöre dazu, dass ich meine Mobber*innen nie wieder sehen will. Geschweige denn, dass ich mit denen eine Freundschaft oder gar eine Beziehung aufbauen möchte. Da würden mit Sicherheit ebenfalls all die Wunden auftauchen, die ich bisher erfolgreich verdrängen konnte.

Natürlich, es gibt Ausnahmen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die gemobbte Person und die mobbende Gruppe weiterhin etwas miteinander zu tun haben wollen, schätze ich als eher gering ein.

Daher frage ich mich, wie man solch eine Geschichte als romantisch verkaufen kann? In meinen Augen ist es nicht romantisch gemobbt zu werden. Und wenn sich daraus eine Beziehung entwickelt, für mich hat es einen eher negativen Beigeschmack. Und zwar, dass sich die gemobbte Person noch nicht aus ihrer Opferhaltung befreit hat.

Wie kann man es anders schreiben?

In meinen Augen gehört Mobbing dahin, wo es wirklich hingehört: in die Tonne. Und das als romantische Geschichtsunterstützung, als auch in der realen Welt.

Doch noch ist Mobbing ein reales Thema. Und ja, ich finde es durchaus wichtig, es vernünftig zu thematisieren. Sollte also Dein Love Interest ein Mobbingopfer sein, dann ist das per se nicht schlimm. Es kommt dann auf die Umsetzung.

Befindet sich die andere Hälfte des Paares (ich gehe jetzt von einer monogamen Beziehung aus) in der Gruppe der Mobbenden, sehe ich das als schwierig an.

Bevor Du anfängst daran zu schreiben, bitte ich Dich, frag Dich selbst, warum genau das sein muss. Warum muss eine der Charaktere aus der Gruppe der Mobbenden stammen? Gibt es nicht eine andere Möglichkeit?

In der Geschichte “Fessel mich” von der Autorin Norah Wolff geht es auch um Mobbing. Doch die Auflösung für den Love Interest wurde hier um einiges besser gewählt.

An dieser Stelle möchte ich nicht zu sehr Spoilern. Aber ich kann Dir das Buch empfehlen. Gerade, weil es auch die Konsequenzen des Mobbings zeigt, die Jahre später bei einem der Charaktere immer noch aktuell sind.

Natürlich kann einer der beiden Charaktere ein Mobbingopfer sein. Aber der andere Teil könnte eine neutrale Person sein. Vielleicht unterstützt sie*er das Mobbingopfer. Oder weiß selbst nicht, wie sie*er darauf reagieren soll. Alternativ hat sie*er nichts damit zu tun und kommt erst später dazu.

Meine Bitte an dieser Stelle: Wenn Du unbedingt Mobbing als romantischen Aufhänger benutzen möchtest, bitte hinterfrage das. Warum muss das genauso sein? Und kann man es nicht anders schreiben? Danke schon einmal.

Dem Opfer die Schuld geben

Nein!

Nein!

Nein! Nein! Nein!!!

Es gibt Dinge, mit denen ich selbst nicht klar komme. Das sogenannte Victim Blaming gehört eindeutig dazu.

Unter Victim Blaming versteht man, dass man dem Opfer einer Straftat die Schuld daran gibt, eben Opfer dieser Straftat geworden zu sein. Zum Beispiel, warum ist Person X bei so später Stunde noch rausgegangen. Wäre sie oder er zu Hause geblieben, wäre Person X nicht Opfer dieser Tat geworden. Dass der Täter bzw. die Täterin die Tat begangen hat, wird dadurch relativiert und manchmal sogar entschuldigt.

In dem besagten Fall wurde dem Opfer des Mobbings die Schuld zugeschoben. Sprich, die Person sei ja Schuld, dass sie*er gemobbt wurde.

Um es noch einmal ganz deutlich zu schreiben, ein Opfer hat erst einmal keine Schuld. Wenn es der Meinung ist, ohne Fallschirm aus einem Flugzeug in 10 km Höhe zu springen, dann ist das was anderes (um mal eines dieser schlechten Beispiele zu nehmen). Aber ansonsten ist ein Opfer (oder auch Überlebende, je nach persönlicher Präferenz) nie Schuld daran, in eine entsprechende Situation gelandet zu sein. Das gilt eben auch fürs Mobbing.

Warum das so geschrieben wurde oder wird, will sich mir nicht ganz erschließen. Vielleicht eine Art Erpessung, damit sie*er in die Beziehung einwilligt? So im Sinne von, Du hast doch selbst Schuld, dass Du gemobbt wurde, jetzt küsse mich.

Wie kann man es anders schreiben?

Aus diesem Grund, ich würde dieses Thema niemals so aufgreifen. Wenn die besagte Person das über sich selbst sagt, dann kann das leider auf realen Emotionen basieren. Denn Überlebende können das tatsächlich über sich sagen, wenn sie dieses oder jenes (nicht) getan hätten, wären sie nicht in die Situation gelandet. Weiterhin gilt dies auch für die Täter*innen, damit erklären sie ihre Unschuld. Andere sind Schuld, aber nicht sie.

Wenn Du das so beschreibst, dann gehört das zum Charakter. Aber in meinen Augen sollte das niemals die Prämisse einer Geschichte sein: Das (Mobbing-)Opfer hat Schuld.

Daher meine klare Empfehlung: Als Charaktereigenschaft kann das gehen, aber nicht als Geschichtsprämisse. Und wenn ich mir noch was wünschen darf, dann wäre es schön, wenn Dein Charakter erkennt, dass sie*er eben nicht Schuld daran ist.

Abschlussgedanken

Mobbing kann durchaus ein heikles Thema sein. Daher empfehle ich, bevor Du darüber schreibst, erst einmal zu recherchieren. Und gegebenenfalls mit gemobbten Personen als Sensitive Readers zusammen zu arbeiten.

Niemand sagt, dass Du nicht über Mobbing schreiben darfst oder sollst. Mein Wunsch ist es, dass Du damit kritischer umgehst. Denn Mobbing ist keine lustige Angelegenheit. Erst recht nicht für die gemobbte Person. Und für die Meisten ist es zudem ein Schlag ins Gesicht, wenn das noch romantisiert wird.

Daher noch einmal meine Bitte, wenn Du das verwenden möchtest, hinterfrage Deine Motivation. Und dann gehe kritisch an die Sache heran.

Danke dafür.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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[Toxischer Plot] Mobbing als romantischer Aufhänger

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