Hei, hallo und herzlich willkommen,

das Thema Fremdouting bezieht sich nicht nur auf Geschichten. Sondern tatsächlich auch auf reale Menschen, die nicht davor zurückschrecken, eben andere zu outen.

Kurze Vorgedanken

Gerade zu Weihnachten, wenn man mit der ach so lieben Familie zusammensitzt, lese ich auf Twitter teilweise sehr erschreckende Nachrichten. Da wird munter fremdgeoutet und dies auch noch gefeiert.

Und das Fremdouten hat auch in Geschichten Einzug gehalten. Daher schauen wir heute mal auf dieses Thema.

Definition

Unter einem Fremdouting verstehe ich, wenn jemand anderes das Outing für mich übernimmt. Nehmen wir mal ein Beispiel.

Frau X und ich sitzen in einem Büro mit anderen Personen. Frau X hat mir anvertraut, dass sie eventuell lesbisch sein könnte. Ein Fremdouting wäre ganz klar, wenn ich nun lauthals verkünde, hei Leute, Frau X ist lesbisch.

Wichtig zu erwähnen ist, dass Frau X mich nicht gebeten hat, dies zu übernehmen. Alternativ habe ich sie nicht gefragt, ob ich das dürfte. Aus irgendwelchen Gründen war ich der Meinung, dies anderen mitteilen zu müssen. Dabei ist es egal, ob es in ihrer Anwesenheit oder in ihrer Abwesenheit geschehen ist.

Übrigens, dass Thema Homosexualität ist zwar das gängigste, aber nicht das Einzige. Jede Sache, die nicht bekannt ist, fällt bei mir unter diesem Thema. Das kann Transsexualität sein, wenn die Person non-binary ist, eine Person mit einer Behinderung ist oder auch einfach, wenn die Person ein Kind hat.

Das Problem

Jetzt könntest Du fragen, wo denn genau das Problem liegt? Immerhin kann es ja sein, dass Frau X einfach nur schüchtern ist und deswegen es gut wäre, wenn sie jemand dabei unterstützt. Dann wäre das Fremdouting ja sogar etwas positives?

Selbst sehe ich zwei Ebenen für dieses Problem.

Die persönliche Ebene

Egal ob Frau X ein Familienmitglied ist oder eine Kollegin, was weiß ich wirklich über sie? Wenn sie sich nicht selbst outet, hat das vermutlich gute Gründe.

Vielleicht ist sich Frau X noch gar nicht sicher, ob sie wirklich lesbisch ist. Daher könnte ein Fremdouting sie verunsichern. Gerade, wenn man entdeckt, dass man eine andere Sexualität hat, als die allgemein anerkannte, oder man transsexuell ist oderoderoder, kann das erst einmal einschüchtern. Immerhin muss man sich nun neu kennenlernen.

Wir leben in einer Welt, in der das Cis-Geschlecht und Heterosexualität die Norm ist. Alles, was nicht in diesem Bild passt, muss man für sich erst einmal definieren und kennenlernen. Das kann auch manchmal relativ spät geschehen.

Auch wenn ich nur die Vermutung habe, dass Frau X lesbisch sein könnte, dann ist es eben erst einmal nur das, eine Vermutung. Und damit hab ich definitiv nicht das Recht sie zu outen.

Weiterhin kann es sein, dass Frau X schon schlechte Erfahrungen mit dem Outing hat. Häufig liest man, dass Familienmitglieder ihre homosexuellen oder transsexuellen Kinder (als Beispiel) verstoßen. Du bist nicht wie ich? Dann bist Du kein Teil meiner Familie mehr.

Da kann ich mir gut vorstellen, dass Frau X vielleicht Angst hat, dass ihr das in einer freundschaftlichen Umgebung auch passiert. Wenn Dich die Familie schon verstößt, dann kann das natürlich auch mit Freundschaften passieren.

Natürlich kann es noch weitere Gründe geben. Gründe, die bei Frau X liegen. Und die wir nur kennen können, wenn wir Frau X die Möglichkeit geben, dass sie mit uns redet.

Die Umwelt

Kann ich die Umwelt von Frau X wirklich einschätzen? Es gibt häufig Momente, bei denen ich mich regelrecht vor dem Kopf gestoßen fühle. Und zwar, wenn ich von langjährigen Freundschaften mitbekomme, wie sie über ein bestimmtes Thema denken.

Es passiert häufig, dass ich denke, dass sie in bestimmten Themen relativ locker sind. Und dann muss ich durchaus feststellen, dass sie gelegentlich richtig konservative Meinungen haben. Oder einfach Meinungen, die eben anders sind, als ich diese eingeschätzt hätte.

Und das geschieht bei langjährigen Freundschaften. Für Kolleg*innen würde ich niemals meine Hand ins Feuer legen, was ihre Ansichten trifft. Dafür kenne ich sie zu wenig. Bei einigen möchte ich das auch nicht.

Nehmen wir an, Frau X und ich arbeiten für Frau Y, eine sehr konservative Frau. Vielleicht hat sie etwas gegen lesbische Frauen. Und damit hätte sie auch etwas gegen Frau X. Das bedeutet, sollte ich Frau X auch gegen Frau Y fremdouten, könnte diese das als Möglichkeit wahrnehmen, um meine lesbische Kollegin zu mobben und aus der Firma werfen zu lassen.

Aber auch die Kolleg*innen könnten Frau X dann nicht wohlgesonnen sein. Immerhin könnten die Cis-Frauen jetzt denken, Frau X wolle etwas Sexuelles von denen. Leider gibt es ja das Vorurteil, dass homosexuelle Menschen angeblich alles angraben, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist.

Da ich die Umwelt nicht einschätzen kann, könnte ich eventuell Frau X (und alle anderen) sogar einer physischen Gefahr aussetzen. Häufig werden die, die von der gesellschaftlichen Norm abweichen, sogar körperlich angegangen. Kann ich das vorhersehen?

Kurz gesagt …

Wenn ich erfahre, dass Frau X oder Herr Y oder wer auch immer, homosexuell, transsexuell, non-binary, in einem Rollstuhl sitzt, Kinder hat, ADHS ist, was auch immer, dann kann ich mich freuen, dass ich es in Erfahrung gebracht habe. Oder, es mir sogar direkt mitgeteilt wurde.

Und dann halten wir alle schön unsere Fresse (ja, ich habe dieses Wort mit Absicht benutzt).

Es ist nicht meine Aufgabe, andere fremd zu outen. Wenn sie Hilfe brauchen, werden sie sicherlich auf eine Person zukommen. Ansonsten, sie wissen schon, warum sie sich bei wem outen. Und wann sie schweigen.

Im Plot

Wenn Du nun eine Geschichte schreibst, in der ein Fremdouting ein Thema ist, dann ist das erst einmal in Ordnung. Es kommt natürlich auf die Geschichte an.

Leider hab ich von Geschichten gelesen und gehört, in der es aber als etwas Positives dargestellt wurde. Das ist es nicht. In solchen Fällen werden die Charaktere (oder auch die Menschen, wenn es im realen Leben ist) bevormundet. Sie sind nicht in der Lage, für sich selbst zu sprechen oder zu schweigen. Also muss das jemand anders für sie tun. Gegen ihren Willen.

Daher würde ich selbst das Fremdouting als etwas negatives darstellen. Wenn ich jemanden gegen ihren Willen oute, dann bevormunde ich die Person. Und damit entziehe ich ihr die Macht über die eigene Entscheidung, wann und wo und ob überhaupt diese sich outen möchte.

In meinen Augen kann das einfach nicht positiv dargestellt werden. Selbst, wenn es zur Aufklärung einer Situation beitragen soll.

Gelegentlich wird das Fremdouting benutzt, um Situationen zu klären. Zum Beispiel A kann nicht in B verliebt sein, weil A schwul ist. B ist damit erleichtert, weil C es B gesagt hat. Damit hat C A fremd geoutet. Und damit ist die Sache nicht positiv zu sehen (trotz der Sache, dass A und B nun Freunde werden könnten, aber die Situation hätte auch anders geklärt werden können).

Kurz zusammengefasst

Egal wie, entweder würde ich das Fremdouting negativ darstellen. Oder es sogar ganz lassen.

Also, wenn ich ein Fremdouting beschreiben würde, dann würde ich die besagte Person auf alle Fälle dafür kritisieren lassen. Zwar kenne ich als Autorin meine Charaktere. Und damit weiß ich, wie sie auf das Outing reagieren. Aber meine Charaktere können das nicht sagen und wissen.

Und ich würde auch zeigen, wie sehr man die Entscheidungsgewalt über das eigene Schicksal der Person genommen hat.

Oder eben, ich würde das gar nicht schreiben. Weil ich das selbst nicht gut finde.

Abschlussgedanken

Mein Wunsch ist es, dass Du über dieses Thema mal eingehend nachdenkst. Inwiefern hast Du schon mal Leute fremdgeoutet? Oder inwiefern hast Du mal darüber geschrieben? Würdest Du das heute genauso tun?

Das war ein Vorschlagsbeitrag und eine persönliche Ansicht. Vielleicht stimmen wir überein. Und wenn nicht, dann hast Du Dir hoffentlich Gedanken darüber gemacht, warum wir nicht übereinstimmen.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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[Toxischer Plot] Fremdouting
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