Hei, hallo und herzlich willkommen,

mitte Oktober 2019 tauchte (mal wieder) die Diskussion auf, ob Dumbledore in den Harry Potter Romanen als schwuler Mann hätte darstellen sollen. Im Grunde hätte man die Uhr danach stellen können, bis der Kommentar kommt, dass das keine gute Idee ist. Denn in Jugendbücher soll es doch bitte keinen Sex geben.

Kurze Vorgedanken

Scheinbar sind schwule Charaktere für einige Menschen wie ein rotes Tuch. Kaum lesen sie, dass eventuell, möglicherweise, vielleicht ein schwuler Charakter in einer Geschichte auftauchen könnte, reagieren sie. Einige positiv, andere sehr, sehr negativ.

Daher möchte ich heute einen Blick riskieren. Übrigens, ja, ich schreibe tatsächlich hier nur über schwule Charaktere in Geschichten. Das soll nicht bedeuten, dass andere nicht Cis-Het-Dudes nicht auch ihre Probleme in Romanen haben. Aber das ist dann ein eigener Beitrag wert.

Wo ist genau das Problem?

In den oben genannten Beispiel erwähnte jemand, dass viele Fans der Harry Potter Reihe es gerne gesehen hätten, dass Dumbledore im Roman seine Homosexualität gezeigt hätte. Bisher ist das eine Behauptung der Autorin, die sich an keiner Szene wirklich ausmachen lässt. Ja, Dumbledore könnte schwul sein, aber eben auch nicht.

Und wie erwähnt, gab es gleich mehrere Personen, die darauf reagierten. Tatsächlich viele, die dagegen waren. Man könne den Kindern nicht zumuten, dass in einem Jugendbuch die Charaktere Sex hätten.

Reduzierung der Charaktere (und der schwulen Menschen)

Faszinierend ist eigentlich das Bild, dass man von schwulen Charakteren (und letztendlich auch von schwulen Menschen) dabei zeichnet. Wobei ich mich im folgenden ausschließlich auf die schwulen Charaktere konzentrieren werde.

Denn scheinbar können sie nichts anderes, als eben ins Bett zu hüpfen. Wenn sie sich sehen, dann setzen ihre fiktiven Gehirnwindungen aus und es kommt, wie es kommen muss, sie müssen miteinander ins Bett und miteinander dann Sex haben. Dabei scheint es am Ende auch egal zu sein, ob sie zueinander passen oder es die Geschichte voranbringt.

Diese Charaktere werden also auf Sex reduziert. Das sie theoretisch das ganze Universum retten könnten ist geschenkt. Denn sie sind ja unterleibsgesteuert.

Und das ist das Traurige an diese Sache. Die Charaktere können noch so schön gezeichnet sein, sie dürfen bei vielen nicht weiter gehen. Denn sie werden eben auf diese eine Sache reduziert. Somit dürften viele Lesende ihnen gar keine Chance geben. Lesen sie, dass ein Charakter schwul ist, dürfte bei vielen das Interesse abgeebt sein.

Doch woher kommen diese Vorurteile?

Zugegeben, ich habe keine empirischen Daten, welche meine folgenden Behauptungen belegen können. Aber ich kann mir einige Gründe zumindest denken, warum das so ist. Und ich befürchte, dass sie nicht ganz unrealistisch sind.

Gedanken über schwulen Sex

Tatsächlich machen sich sehr viele Menschen darüber Gedanken, wie nicht Hetenpaare Sex miteinander haben. Da hab ich schon sehr viele Diskussionen darüber gelesen. Vermutlich ist dieser Gedanke daher sehr präsent bei vielen, wenn sie an schwule Charaktere denken. Wie haben die Sex?

Tauchen dann schwule Charaktere in Geschichten auf, fragen sich einige nicht, wie die Charakterdarstellung ist, sondern es geht eben um das Thema Sex. Vielleicht bemerken das viele noch nicht einmal, ich kann mir aber gut vorstellen, dass dies im Unterbewusstsein gärt.

Gay Romance

Ein weiteres Puzzlestück zu dieser Frage dürften die Gay-Romance Geschichten sein. Liebesromane leben unter anderen von den erotischen Szenen. Somit auch der Gay-Romance. Wobei ich selbst das Gefühl habe, dass es keinen Gay-Romance gibt, in dem die Charaktere nicht miteinander ins Bett gehen.

Bei dem klassischen Liebesroman kann es durchaus noch vorkommen, dass die Cis-Frau und der Cis-Mann nur Händchen halten (unter anderem bei den christlichen Liebesromanen). Da gibt es Alternativen. Doch ich befürchte, bei den Gay-Romances müsste ich sehr, sehr lange suchen, um einen Roman zu finden, in denen die Helden nur Händchen halten.

Vermutlich ist das auch eines der Gründe, warum es schwule Charaktere schwer haben. Wenn man sie mir Gay-Romance in Verbindung bringt (selbst dann, wenn man sie nicht liest), dann hat man eben dieses Bild im Kopf. Schwule Charaktere haben Sex miteinander. Eine Alternative scheint es ja nicht zu geben.

Andere Darstellung

Unglaublich aber wahr, schwule Charaktere sind mehr, als die Sache, die im Bett abläuft. Sie dürfen Tiefen haben, Probleme, einen schwarzen Sinn für Humor, mal gegen die Wand treten, sich verlieben und eben auch keinen Sex haben.

Egal, was für einen Roman Du schreiben möchtest, erschaffe erst einmal einen Charakter. Dieser darf natürlich schwul sein. Aber das soll nicht seinen Charakter definieren, sondern ein Teil davon sein.

Daher dürfen schwule Charaktere auch gerne in Kinder- und Jugendbücher auftauchen. Wenn sie Händchen halten oder sich küssen, ist das immer noch harmlos. Denn schwule Charaktere machen auch mal nur das.

Übrigens …

… zeigen die meisten ihre Ängste davor, dass schwule Charaktere miteinander Sex haben. Wieso machen sie sich keine Gedanken darüber, dass die heterosexuellen Charaktere nicht übereinander herfallen?

Gerade in einer heterosexistischen Welt ist die Wahrscheinlichkeit, dass alle Charaktere eben heterosexuell sind. Daher sind den Bettgeschichten eigentlich Tor und Tür geöffnet.

Abschlussgedanken

Es ist völlig in Ordnung, auch in Kinder- und Jugendbücher schwule Charaktere, gar schwule Helden auftreten zu lassen. Daran ist nichts Verwerfliches. Und nein, sie müssen noch nicht einmal mit einem anderen schwulen Charakter Händchen halten, gar sich küssen.

Vielleicht magst Du ja als Schreibübung mal eine Kurzgeschichte für Kinder und*oder Jugendliche schreiben. Eben mit einem schwulen Helden. Wenn Du sie veröffentlichst, freue ich mich über eine Rückmeldung. Lesen werde ich sie auf alle Fälle.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg und noch mehr Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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[Toxischer Plot] Schwule und Sex
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