Diversität in der Fantasy

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn wir an das Mittelalter denken und diese auf die Fantasy übertragen, dann sehen viele Menschen eines, weiße Menschen. Weiße Menschen, die zudem allesamt gesund sind und natürlich sich auch alle in das andere Geschlecht verlieben.

Und unabhängig der Tatsache, ob es tatsächlich so gewesen sein mag, muss es sich deswegen auch so in einem Fantasyroman abspielen?

Kurze Vorgedanken

Wie letzte Woche schon besprochen, sehe ich es nicht als eine mögliche Ausrede, dass es halt nun einmal so war. Also, dass es angeblich im Mittelalter (in welcher Phase auch immer), es eben so war. Daher müsse man es korrekt in den Fantasyromanen widerspiegeln.

In meinen Augen bedeutet Fantasy eben, dass man sich etwas ausdenken darf. Man kann so wild und frei denken und planen, wie man es möchte. Warum sollte ich mir dann irgendwelchen Grenzen aussetzen, nur um irgendwelchen vermuteten Tatsachen zu entsprechen?

Warum limitieren wir uns?

Seien wir mal ganz ehrlich, wir leben aktuell in vollkommen spannende Zeiten. Ein Klick und wir befinden uns virtuell auf den Straßen in Tokyo und können dort umher wandern. Oder wir lauschen Musik, die in der Mongolei aufgenommen wurde. Ein Film eines afrikanischen Regisseurs, der auch in Afrika gedreht wurde? Selbst da kann uns das Internet helfen.

Kurz geschrieben: Wir haben die Möglichkeit, die Vielfalt dieser Welt kennenzulernen. Und müssen dabei noch nicht einmal unseren Popo bewegen.

Trotzdem scheint sich nichts davon in den Geschichten wiederzufinden. Wenn man schon auf einen Charakter trifft, der schwul ist, bebt ja schon die Erde, weil das ein Novum ist. Von einem Ace Charakter möchte ich an dieser Stelle schon mal gar nicht sprechen.

Jetzt werden einige sagen, man muss ja schreiben, was der Markt verlangt. Doch seien wir mal ehrlich, an welche Bücher erinnerst Du Dich eher? An die, die sich an den Markt orientiert haben? Also die hundertste Version von Frau liebt Man und so weiter? Oder an Geschichten wie Twilight oder Harry Potter (unabhängig, wie man zu den Büchern selbst stehen mag).

Die eine Seite der Medallie wäre, dass wir mit ein wenig mehr Mut den nächsten Trend auslösen könnten. Die andere, und in meinen Augen wichtigere Seite wäre, dass die Menschen eine Stimme bekommen.

Vor einiger Zeit erzählte mir eine befreundete Autorin, wie sie Tränen in den Augen hatte, als sie eine Geschichte über einen Ace Charakter gelesen hatte. Es war das erste Mal für sie, dass sie als Ace eine Stimme bekam.

Schau mal genau hin – was fehlt?

Wenn Du Fantasy schreibst, gehe ich mal davon aus, dass Du durchaus diverse Fantasyromane gelesen hast. Sei mal ehrlich, wie viele der Charaktere hast Du als Weiße gesehen, obwohl sie es vielleicht nicht waren? Wie viele waren blind oder konnten nicht hören? Wie viele waren mollig oder richtig alt? Wie viele saßen in einem Rollstuhl? Oder hatte wer sogar eine psychische Erkrankung?

Vermutlich dürften so gut wie alle Fragen mit nein beantwortet werden. Denn die wenigsten Fantasybücher im Mainstream vertreten solche Themen. Dabei würden sie so viele Möglichkeiten bieten, Diversität in die Romane zu bringen. Menschen eine Stimme geben. Und ja, bestimmt Dir auch Lesende. Das wäre natürlich ein schöner Beigeschmack.

Wenn es zur Geschichte passt

Bestimmt kennst Du diesen Satz: “Wenn es zur Geschichte passt, kann man es ja benutzen.”

Damit wird gemeint, wenn ein lesbischer Charakter zur Geschichte passt, kann sie ja gnädigerweise lesbisch sein. Oder wenn die Rollifahrerin nicht zu sehr stört, darf sie eben doch auftreten.

Dazu sage ich nur: Nein, Nein, f****ing NEIN!!!

Niemand hat sich bis heute sicherlich gefragt, warum Captain America weiß sein musste. Oder noch besser, warum scheinen alle Kryptonier*innen weiß zu sein? Superman hätte durchaus auch eine dunkle Hautfarbe haben können. Das wird einfach so hingenommen. Doch sobald der Charakter kein weißer Cis-Het-Dude ist, wird die Rolle sofort hinterfragt.

Wenn Du willst, dass Dein Charakter eine afrikanische, lesbische, ace Frau ist, dann ist sie es einfach. Nicht, weil es dem Plot dient, sondern weil es ihr fiktionaler Charakter ist. Genauso wenig, wie der weiße Cis-Het-Dude dem Plot dient, muss unsere afrikanische, lesbische, ace Frau dem Plot dienen. Sie muss sich selbst genügen.

Diversität ist möglich

Mit ein wenig Mühe und ein wenig Anstrengung ist es möglich, in jede Geschichte Diversität hineinzubringen. Und diese endet nicht bei der Sexualität. Also wer kann sich in wen verlieben oder wie viele können miteinander gleichzeitig in die Kiste springen.

Es geht aber auch über die Hautfarbe hinaus. Weiter geht es mit der eigenen Identität, mit der eigenen Weltansicht, wie geht es der Person physisch oder eben auch psychisch. Welche Erfahrungen hat Dein Charakter in der Kindheit gemacht, die sich von allen anderen unterscheiden? Auch hier kannst Du Deinen Lesenden eine Stimme geben. Sei offen dafür.

Aber was werden die Anderen sagen?

Seien wir ehrlich, es wird immer Menschen geben, die der Meinung sind, die einzige glücklichmachende Wahrheit zu kennen. Hier ein kleiner Spoiler: Tun sie nicht. Das tun wir letztendlich auch nicht. Auch wenn wir es vielleicht glauben.

Damit will ich sagen, es wird immer Menschen geben, die Dich dafür kritisieren, was Du geschrieben hast. Oder auch, was Du nicht geschrieben hast. Wichtig ist in erster Linie, dass Du zu dem stehen kannst, was Du am Ende veröffentlichst.

Mein persönlicher Wunsch wäre es, wenn wir die Welt, in der wir gerade leben dürfen, so vielfältig und bunt in den Romanen darstellen können. Mit ihren verschiedenen Ansichten, mit ihren sexuellen Ausrichtungen, mit ihren Geschlechtsidentifikationen und so weiter und alles, was da noch ist.

Das ist mein Wunsch und mein Traum. Und ich wäre dankbar, wenn ich diesen epischen Fantasyroman lesen dürfte.

Abschlussgedanken

Diversität ist möglich. Und das, ohne ein Plot-Device sein zu müssen. Lass die Charaktere einfach aus sich heraus funktionieren. Dann läuft alles andere schon.

Sei mutig und wag Dich an dieses Thema heran. Ich bin mir sicher, am Ende können wir alle gewinnen.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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frau-schreibseele

Mein Thema ist das geschriebene Wort. Das gilt sowohl für Romantexte als auch fürs Lettering, Sketchnote, Bullet Journals und was man noch schreiben kann. Aktuell arbeite ich an meinem ersten Roman, der 2018 veröffentlicht werden soll.

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