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Deine Wahl: Es soll ein Verlag werden

Hei, hallo und herzlich willkommen,

für viele ist die Veröffentlichung in einem Verlag immer noch das Ziel schlechthin. Es handelt sich hierbei um eine bewusste Entscheidung. Daher möchte ich diesen Monat auf das Thema “Du und Dein Verlag” eingehen.

Kurze Vorgedanken

Für viele ist der Verlag immer noch die Instanz, welche ihnen das Gefühl gibt, dass sie echte Autor:innen sind. Nur wer in einem Verlag veröffentlicht, hat es geschafft. Wer es geschafft hat, ist wer. Und mit einer Verlagsveröffentlichung fühlen sich viele als echte Autor:innen.

Und auch wenn ich viel über Selfpublishing schreibe, so finde ich die Entscheidung völlig in Ordnung. Solange Du sie triffst, weil Du davon überzeugt bist.

Allgemeines zum Verlag

Schauen wir uns erst einmal ein paar Eckdaten zum Thema Verlag an und dann kommen wir zu den Vor- und Nachteilen.

Was ist ein Verlag?

Ein Verlag ist ein wirtschaftliches Unternehmen, welches sich auf die Flagge geschrieben hat, unter anderem Bücher zu veröffentlichen. Zwischenzeitlich hat sich meistens ihr Sortiment auf E-Books erweitert. Und einige veröffentlichen auch Hörbücher.

Einige Verlage veröffentlichen auch andere Printprodukte wie Kalender oder Lesezeichen. Doch wir konzentrieren uns hier auf die Verlage, die hauptsächlich Bücher veröffentlichen. Diese sind unsere Zielgruppe.

Häufig haben Verlage ein bestimmtes Sortiment, auf das sie sich am ehesten konzentrieren. So kann es Verlage geben, die nur Krimis veröffentlichen. Oder nur Liebesromane. Andere hingegen haben ein weitaus breiter gefächertes Sortiment. Hier kommt es auf die Größe des Unternehmens an und wie viel Kapazitäten sie frei machen können.

Verlag kommt vom verlegen oder auch vorlegen

Auch wenn ich später im Monat noch zu diesem Thema komme, aber hier schon der erste Hinweis: Sobald ein Verlag Geld von Dir für die Veröffentlichung verlangt, nimm Dein Manuskript und lauf davon.

Ein seriöser Verlag wird niemals Geld von Dir verlangen. Niemals!

Kleine Verlage können sich häufig keinen Vorschuss leisten. Darüber musst Du Dir im Klaren sein. Das ist eher etwas, was Du von den größeren Publikumsverlagen erhoffen kannst (ich würde es nie erwarten, nur hoffen). Aber auch kleine Verlage verlangen kein Geld.

Solltest Du also für Deine Veröffentlichung Geld bezahlen, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass Du es mit einem sogenannten Druckkostenzuschussverlag zu tun hast. Und die sind alles andere als seriös. Mehr aber zu denen in einem gesonderten Beitrag.

Kleine vs. große Verlage

Es gibt kleine Verlage, die von Nischenverlag bis hin zum Indieverlag reichen. Und im Gegenzug dann die großen Publikumsverlage. Du solltest durchaus die Unterschiede kennen, um zu wissen, was Dich erwartet.

Kleine Verlage, Kleinstverlage oder gelegentlich Indieverlage sind das, was Du hinter den Namen vermutest. Zumeist sind sie so klein, dass man ihre Mitarbeiter:innen an einer Hand abzählen kann.

Ein klarer Vorteil ist natürlich, dass Du die Verlagsmenschen persönlich kennenlernen kannst und sogar die Chefin oder den Chef. Dadurch kann eine eher familiäre Beziehung entstehen. Zudem ist es hier auch häufiger der Fall, dass Du in die Produktion miteinbezogen wirst. So kannst Du bei der Covergestaltung oder dem Klappentext mehr Einfluss nehmen, als woanders. Gelegentlich sollst Du den sogar schreiben.

Zudem veröffentlichen die kleineren Verlagen eher experimentelle Romane, als die Großen. Hier könntest Du also mit einer ungewöhnlichen Geschichte eher landen.

Der große Nachteil ist der, dass die Reichweite hier häufig fehlt. Denn seien wir mal ehrlich, wie viele Verlage kannst Du spontan aufzählen, die nicht zu den großen Publikumsverlagen zählen? Wenn Du Dich mit dem Thema beschäftigst, vielleicht mehr. Aber frag mal in Deinem Umkreis, die nicht Schreiben. Vermutlich werden sie nicht einen aufzählen können.

Dementsprechend kann es natürlich auch sein, dass Dein Gewinn ein wenig schmaler aussieht. Und auch die Übersetzung oder der Filmvertrag könnte hier schwieriger werden (okay, Spaß beiseite, den gibt es auch nicht beim zwangsläufig beim Publikumsverlag).

Beim großen Verlag kannst Du eher einen Vorschuss bekommen. Das bedeutet, dass Du diesen nutzen kannst, um davon bis zur Veröffentlichung zu leben. Sofern Du nicht einen Brotjob hast.

Zudem steht häufig ein Team hinter Dir, mit dem Du arbeiten kannst. Da Publikumsverlage aber um einiges größer ist, wirst Du die Chefin oder den Chef zwangsläufig nicht persönlich kennen. Nur Deine Ansprechpartner:innen und das war es.

Aber allein, wenn Du sagst oder schreibst, dass Du bei dem Verlag veröffentlicht hast, den viele kennen, sorgt das für entsprechende Aufmerksamkeit. Und häufig wirst Du deswegen gekauft.

Doch häufig ist es so, dass Du kaum bis gar kein Mitspracherecht mehr hast. Ein Publikumsverlag weiß, oder meint zumindest es zu wissen, was gerade angesagt ist und was sich verkauft. Daher werden sie darauf vertrauen und Dich eher außen vor lassen.

Verlage müssen erwirtschaften

Über eine Sache solltest Du Dir immer im klaren sein. Ein Verlag ist und bleibt ein Wirtschaftsunternehmen und ist kein Wohlfartsverein. Das bedeutet, dass sie natürlich Geld verdienen wollen. Und viele tun das durchaus erfolgreich.

Das bedeutet aber auch, dass häufig die Autor:innen auf der Strecke bleiben könnten. Kein Muss, aber darüber solltest Du Dir im klaren sein. Ein Verlag wird dafür Sorgen, dass dieser die Rechnungen bezahlen kann. Egal wie.

Vorteile einer Verlagsveröffentlichung

Natürlich hat es viele Vorteile, bei einem Verlag zu veröffentlichen. Einige möchte ich hier vorstellen, damit Du Dich für diesen Weg bewusst entscheiden kannst.

Lektorat, Korrektorat und der ganze Rest

Ein Verlag möchte natürlich, dass das bestmöglichste Produkt auf den Markt kommt. Daher wird Dir ein Lektorat, ein Korrektorat und alles, was dazu gehört, gestellt. Natürlich auf dem ersten Blick kostenfrei (mehr dazu bei den Nachteilen).

Du kannst also darauf vertrauen, dass der Verlag alles tut, damit aus Deinem Baby was Tolles wird. Immerhin hat dieser auch ein finanzielles Interesse daran.

Werbemittel

Dir wird zumindest ein Grundpaket an Werbemitteln zur Verfügung gestellt, mit denen Du arbeiten kannst. Häufig erscheint dann Dein Buch auch auf den wichtigen Buchmessen am Stand. Oder in den entsprechenden Katalogen.

Damit musst Du meistens nicht komplett von Null anfangen. Sondern startest mit dem, was der Verlag Dir zur Verfügung stellt. Zumal Du eine Verlagsveröffentlichung vorweisen kannst. Das ist für einige Werbung genug.

Leichter in dem Buchhandel

Seien wir doch mal ganz ehrlich, die meisten Autor:innen träumen davon, in die nächste Buchhandlung zu gehen und dort ihr Buch ausgelegt zu finden. Das dürfte ein unbeschreibliches Gefühl sein.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Dein Verlagsbuch auch in den stationären Buchhandel kommt, ist sehr groß. Allein schon deswegen, weil der Verlag mit Deinem Projekt Geld verdienen möchte. Ausnahme wäre, wenn Du bei einem E-Book-Only Verlag veröffentlich hast. Dann ist das etwas anderes.

Zwischenzeitlich suchen auch kleinere Verlage den Weg in den Buchladen. Das konnte ich bei meinen Streifzügen entdecken.

Der Weg ist frei für Preise oder Organisationen

Fakt ist, für viele Selfpublisher:innen ist der Weg zu diversen Organisationen wie Delia oder entsprechenden Preisen schlichtweg versperrt. Da heißt es explizit, dass Bücher, die im Selbstverlag (also Selfpublishing) nicht aufgenommen oder sonstwie berücksichtigt werden.

Dabei ist es egal, ob das Werk im Selfpublishing häufig besser ist, als viele Verlagsbücher. Hat es keinen Verlag, bist Du als Verlagsautor:in automatisch wertvoller.

Automatische Abrechnungen

Ein seriöser Verlag hat normalerweise den Wunsch, dass Du bezahlt wirst. Daher wird dieser alles dafür tun, dass Du regelmäßig Dein Geld bekommst.

In welchen Abständen dies geschieht, das sollte entweder in Deinem Vertrag stehen. Oder Du erkundigst Dich im Vorfeld. Dann erlebst Du keine spontanen Überraschungen.

Nachteile der Verlagsveröffentlichung

Da, wo Licht ist, ist auch automatisch Schatten. Das bedeutet, dass die Verlagsveröffentlichung auch mit einigen Überraschungen aufwartet. Und die sind nicht immer positiv.

Gatekeeper Verlag

Der Verlag wird immer mit einem Gatekeeper verglichen. Das bedeutet, dass dieser uns vor schlechter Literatur bewahren soll. Zwischenzeitlich ist dem nicht so.

Sicherlich können wir alle mindestens eine Handvoll Bücher benennen, die aus einem Verlag stammen und man eher als schlecht bezeichnen kann. Da könnte man auf die Idee kommen, dass hier die Gatekeeperfunktion versagt hat.

Für mich viel schwerwiegender ist, dass Bücher mit diverse Themen im deutschsprachigen Raum kaum übersetzt oder veröffentlicht werden. Divers Themen wie Bücher von Own Voice Autor:innen, von PoC oder was auch immer. Diese werden eher von kleinen Verlagen bedient. Bei Großen heißt es, dass das nicht gelesen wird. Was aber nicht stimmt.

Es wird reingeredet

Von einigen Autor:innen habe ich gehört, dass Verlage massiv in das Manuskript reingeredet wurde. Es sollten nicht nur einzelne Absätze geändert werden, um den Lesefluss zu verbessern. Teilweise sollte der ganze Roman umgeschrieben werden, um in einem anderen Genre besser zu passen.

Solche Geschichten habe ich schon vor über zehn Jahren gehört. Und vor Kurzem erst wieder. Von daher, ist das nichts Neues.

Größere Abrechnungszeiträume

Je nach Verlag kann die Abrechnung alle drei Monate stattfinden. Zumindest sind das die Zeiträume, von denen ich weiß. Das bedeutet, dass Du in der Zwischenzeit mit dem verfügbaren Geld rechnen solltest.

Wenn Deine Abrechnungszeiträume bekommst, dann ist das keine Selbstverständlichkeit.

Keine Verkaufszahlen

Nicht immer bekommst Du Deine exakten Verkaufszahlen. Das bedeutet, dass Du eine Summe X nach einem Abrechnungszeitraum erhältst. Aber Du weißt nicht, wie viele Bücher Du verkauft hast.

Erkundige Dich auf alle Fälle, ob Du die Zahlen bekommst. Rechne aber nicht damit, dass Du sie kriegst.

Es dauert … bis zur Veröffentlichung

Durchschnittlich heißt es, dass es bis zu einem Jahr dauern kann, bis Dein Roman veröffentlicht wird. Das bedeutet, dass Du in dieser Zeit keinen Cent mit Deinem Roman verdienst. Und sollte sich was ändern, zum Beispiel Dein Wunsch nach der Veröffentlichung, kann es schwierig sein, das Projekt wieder zu bekommen.

Auf alle Fälle heißt es, Geduld haben. Viel Geduld haben.

Nichts ist umsonst

Lektorat ist kostenfrei. Das Korrektorat ist kostenfrei. Das Cover ist kostenfrei. Und bestenfalls kriegst Du noch einen Vorschuss geschenkt. Das ist doch toll. Oder?

Wie oben schon erwähnt, ein Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen. Was er Dir vermeintlich schenkt, holt er sich über den Buchpreis und Deinen Tantiemen wieder zurück. Du musst nichts im Vorausbezahlen. Aber Du bezahlst über das, was Du nicht bekommst.

Geringere Tantiemen

Sieben bis zehn Prozent des Buchpreises kannst Du als Tantiemen für Dich verbuchen. Zumindest im Durchschnitt. Im Vergleich, wenn Du für eine gewisse Summe Dein Buch bei amazon als E-Book direkt hochlädst, kannst Du bis zu 70 Prozent dafür bekommen.

Ein anderer Vergleich, der Buchhandel kriegt circa 20 Prozent des Buchpreises, wenn dieser Dein Buch verkauft. Das ausstellen, gerade auf den Tischen kostet übrigens extra.

Eine Autorin sagte mal vor einiger Zeit auf einer Convention, alle können von dem Buch der Autor:innen leben, nur die Autor:innen selbst nicht. Immerhin verdient der Buchhandel mehr als Du an Deinem eigenen Buch. Das lässt tief blicken.

Die Werbetrommel rühren

Die Zeiten, in denen der Verlag alles für Dich abgenommen hat, sind eindeutig vorbei. Du bekommst, mit viel Glück, ein Basiswerbepaket. Den Rest musst Du selbst erledigen.

Gerade, wenn Du ein Erstlingswerk veröffentlichst, wird der Verlag schauen, was dieser in Dich investiert. Den Rest musst Du selbst übernehmen. Bei schlechten Verkaufszahlen könnte Dein Verlag sich überlegen, dass er Dein zweites Buch nicht mehr veröffentlicht.

Abschlussgedanken

Überlege Dir genau, was Du willst. Wiegen für Dich die Vorteile eindeutig die Nachteile auf? Dann könnte die Verlagsveröffentlichung was für Dich sein. Wenn die Nachteile aber zu gewichtig sind, überlege Dir Alternativen.

Ich bin die Letzte, die Dir sagt, was Du zu tun oder zu lassen hast. Aber ich bin die Erste, die Dir sagt, mache Dir Deine Entscheidung bewusst. Dann bist Du für das Meiste gewappnet, was auf Dich noch zukommen wird.

Von daher, viel Spaß bei Deiner Entscheidung.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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