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Exposé und Leseprobe

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn es etwas gibt, wovor viele Autor:innen regelrechte Angst haben, dann dürfte es wohl das Exposé sein – neben dem Klappentext. Daher schauen wir uns doch das Thema genauer an.

Kurze Vorgedanken

Zugegeben, ich bin vermutlich nicht die beste Quelle, um zu erklären, wie man ein Exposé schreibt. In erster Linie auch deswegen, weil ich meine Werke eher im Selfpublishing veröffentlichen möchte. Da ist so etwas nicht notwendig.

Doch zur Beitragsreihe rund um den Verlag ist ein Exposé ein entsprechendes Muss. Daher habe ich recherchiert und diesen Beitrag entsprechend aufgebaut. Aber Achtung, hierbei handelt es sich nicht um die Grundlagen für einen garantierten Vertrag. So etwas kann Dir niemand garantieren.

Und wenn doch, ich würde zumindest meine Zweifel haben.

Was ein Exposé (nicht) ist

Man kann ein Exposé als eine Art Inhaltsangabe eines literarischen Werkes beschreiben. Hierbei sollen die Grundidee und der grobe Handlungsverlauf vorgestellt werden. Das bedeutet, dass nicht jeder rote Faden aufgenommen wird, sondern der Hauptverlauf. Dabei werden keine Dialoge oder sonstige Einzelheiten aufgeführt. Im Exposé skizzierst Du die Hauptfiguren und*oder gibst die thematische Grundlinie Deines Romans wieder.

In einem Exposé wird also die Ideen des Romans, die Handlung und die wichtigen Figuren beschrieben (Haupt- wie wichtige Nebenfiguren, der Rest fällt unter dem Tisch). Weiterhin sollte man dort Informationen zur Zielgruppe einfügen, damit Dein zukünftiger Verlag, Deinen Roman einordnen kann.

Du kannst gerne jederzeit ein Exposé schreiben, zum Beispiel, um zu sehen, ob Deine Geschichte in sich stimmig ist. Häufig ist es so, dass sich Fehler bemerkbar machen, wenn man die Geschichte nacherzählt. Aber ansonsten ist das Exposé wichtig, wenn Du Dein Werk bei einem Verlag vorstellen möchtest.

Mit Hilfe des Exposés kann die Lektorin oder der Lektor feststellen, ob die Idee überzeugend ist und sich verkaufen lässt. Und die Wahrscheinlichkeit, dass Du bei einem Verlag unterkommst, ohne ein Exposé zu schreiben, kannst Du als eher gering einschätzen. In meinen Internetjahren habe ich von nur einer Autorin gehört, die das geschafft hat. Sie hatte danach ein Sachbuch veröffentlicht.

Dein Exposépaket dürfte aus drei bis vier Elementen bestehen:

  • Das Anschreiben
  • Das Exposé
  • Eine Leseprobe
  • Autor:innenvita mit bisherigen Veröffentlichungen
    (sowohl Verlags- als auch Selfpublishingtitel, Titel im DKZV würde ich selbst verschweigen, genauso wie Titel unter einem Pseudonym, die Du am liebsten niemals mehr erwähnen möchtest).

Wir schreiben ein Exposé

Glücklicherweise gibt es keine fixen Regeln, wie Dein Exposé auszusehen hat. Daher hast Du einige Freiheiten. Aber Du solltest vor dem Schreiben die Verlagsseite aufrufen. Manche legen auf bestimmte Daten im Exposé Wert. Diese solltest Du dann unbedingt aufführen. Einige Verlage machen es sich zur Regel, wer die Regeln nicht lesen kann, fliegt sofort raus. Riskiere das nicht unnötig.

Ansonsten gibt es ein paar Eckdaten, an die Du Dich orientieren kannst. Dann fällt das Schreiben (hoffentlich) nicht ganz so schwer.

Deine Kontaktdaten (E-Mail, Adresse, Telefon, Mobilnummer). Beim Namen bleibst Du am besten bei dem, der in Deinem Ausweis und am Ende im Vertrag steht. Man kann also sagen, es geht hier um die möglichen Vertragsdaten. Diese solltest Du ruhig auf jeder Seite vermerken. Dafür eignet sich die Fußzeile besonders gut. Sollte dem Lektorat Deine Unterlagen aus der Hand fallen, können sie Dich immer noch kontaktieren. Denn sie finden immer Deine Daten.

Der (Arbeits-) Titel Deines Romans oder Sachbuches. Dies kann durchaus die Grundlage für den Titel sein, mit dem am Ende Dein Roman veröffentlicht wird. Aber es kann passieren, dass der Verlag Deinem Baby einen anderen Titel gibt. Rechne am besten mit beiden.

Dein Pseudonym, den Du nutzen möchtest. Ansonsten Dein Autor:innenname.

Das Genre, in dem Dein Roman einzuordnen ist. Achtung, bei Verlagen kann es sein, dass ein Genremix nicht immer gut ankommt. Gerade bei Publikumsverlagen kann das eher hinderlich für eine Zusage sein. Prüf die Genres auf der Verlagsseite und denk nach, wo genau Dein Roman reinpassen könnte. So verhinderst Du, dass sie Deinen Roman absagen, obwohl er passen könnte. Aber auch, dass Du mit dem richtigen Verlag zusammenkommst. Damit machst Du es Deiner zukünftigen Lektorin einfacher einzuordnen, ob überhaupt der Roman zum Verlag passt. Oder auch, ob sie dafür zuständig ist. Gerade bei größeren Verlagen hat sich das Lektorat spezialisiert. Von daher ist es gut, wenn Du da genauer bist.

Der Umfang, also wie viele Normseiten hat Dein Buch oder wie viele sollen es werden. Alternativ oder ergänzend kannst Du die Wortzahl noch schreiben. Solltest Du einen Mehrteiler planen, ist das auch der gute Platz, um das zu erwähnen. Manche Verlage wollen unbedingt Mehrteiler haben. Und wenn sie sehen, dass Du Dich damit beschäftigt hast, kann das vorteilhaft sein. Sollte Dein Wunschverlag keinen Mehrteiler wünschen, kann es sein, dass sie entweder mit Dir verhandeln, es bei einem Teil zu belassen oder lehnen Dich ab. Erwähnen würde ich es aber auf alle Fälle.

Die von Dir angestrebte Zielgruppe. Dabei darfst Du so genau wie möglich sein. Wenn Du einen Liebesroman geschrieben hast, ist nicht automatische jede lesende Person in Deiner Zielgruppe, die Liebesromane lesen. Es gibt Liebesromanlesende, die nur Paranormal Romance lesen. Andere lesen nur historische Liebesromane und so weiter. Daher ist es wichtig, Dich mit Deiner möglichen Zielgruppe auseinanderzusetzen und diese zu bestimmen. Das Ergebnis kommt dann in Dein Exposé.

Bei literarischen Werke kommt noch die Erzählstimme bzw. die Atmosphäre des Romans hinzu. Ist es eher fröhlich oder düster, oder wie auch immer.

Aus welcher Perspektive wurde der Roman geschrieben. Also Ich-Erzähler:in, dritte Person, wechseln die Perspektiven.

Zusammenfassung: Fasse Deinen Roman in maximal drei Sätze zusammen. Je Kürzer und knackiger, desto besser.

Dann geht es zur Inhaltsangabe. Die soll ungefähr eine Normseiten lang sein, also zwischen 1.500 bis 1.800 Zeichen.

Dann die Hauptfiguren und ihre Entwicklung. Gegebenenfalls auch die wichtigsten Nebenfiguren. Die zumindest erwähnen.

Abstrakt und Inhaltsangabe

Das Abstrakt ist die sehr kurze Inhaltsangabe, die maximal drei Sätze lang sein darf. Das bedeutet, Du fasst Deinen ganzen Roman, ja, auch wenn er 1.000 Seiten umfässt, in maximal drei Sätze zusammen. Je weniger, desto besser.

Es geht hier um die Quintessenz, um den wahren Kern Deiner Geschichte. Das erfordert ein wenig Übung. Du kannst Deine Lieblingsromane oder Filme als Übungsgrundlage nutzen. Oder Dir eine Fernsehzeitschrift besorgen. Häufig wird der 20 Uhr 15 Film mit solch einem Abstrakt zusammengefasst. Davon kannst Du eine Menge lernen.

Inhaltsangabe

Wenn Du alles andere geschafft hat, kommt die Mammutaufgabe, die Zusammenfassung Deines Romans auf maximal eine Normseite (die oben erwähnten 1.500 bis 1.800 Zeichen, also circa 250 Wörter, die Leerzeichen zählen übrigens mit).

Halte Dich einfach an Aufbau “Anfang – Mitte – Schluss”. Du kannst kurz zusammenfassen, was am Anfang geschehen ist, dann der spannende Mittelteil und eben der Schluss. Was ist der rote Faden, wem sollen wir folgen und wie geht es aus?

Wichtig ist, dass Du die Lösung Deines Romans verrätst. Häufig hab ich Diskussionen gelesen, dass viele dies nicht verraten wollen. Denn das Lektorat und der Verlag sollen sich doch bitte mit dem Roman beschäftigen. Daher wäre es doch gut, wenn man eben nicht erzählt, wie man den Konflikt auflöst.

Du solltest dabei folgendes bedenken: Das Lektorat gehört nicht zu den normal Lesenden, die am Ende Geld für Dein Buch ausgeben, um ein paar Stunden gut unterhalten zu werden. Sie müssen knallharte Entscheidungen treffen. Das bedeutet, dass sie wissen müssen, ob Du es schaffst, den Hauptkonflikt Deines Romans zu lösen. Und auch, ob Du den Roman so endest, wie sie es möchten (zum Beispiel wollen einige Liebesromanverlage kein Sad Ending haben).

Am Ende wird der Verlag einige hundert, wenn nicht sogar tausende Euros in Dich und Deinen Roman investieren. Daher müssen sie einfach wissen, ob es sich überhaupt lohnt. Daher müssen sie auch wissen, wie die Geschichte ausgeht.

Natürlich kannst Du das Ende verschweigen, daraus einen Cliffhänger machen, das Lektorat zappeln lassen. Du kannst damit auch auf einen möglichen Vertrag verzichten.

Hauptfiguren und ihre Entwicklung

Die Held:innen und eventuell die*der Antagonist:in sollten mindestens in Deinem Paket auftauchen. Dabei kannst Du so vorgehen, dass Du ganz kurz ihre Biographie skizzierst. Wo ist Deine Figur geboren, wer sind die Eltern, was hat sie geprägt. Wichtig ist dabei, dass Du die Elemente erwähnst, die den Charakter zu der Figur gemacht hat, die wir im Roman dann am Ende kennenlernen dürfen.

Wenn Deine Figur zum Beispiel relativ früh die Eltern verloren hat, wird das etwas mit ihr*ihm machen. Erwähne, was es sein könnte. Und dann schreibst Du die Entwicklung Deiner Figur auf. Wie ist sie am Anfang, in der Mitte und am Ende des Romans.

Dein Exposé sollte nicht mehr als zwei bis drei Seiten haben. Wenn es einfach nicht geht, dass die Beschreibungen der Charaktere zu lang werden, kann es notfalls auch gut sein, diese in eine separate Datei zu packen. Wichtiger ist es einen guten Eindruck beim Lektorat zu machen.

Die Leseprobe

Die meisten Verlage wollen, dass Du eine Leseprobe mit sendest. Dann können sie in Farbe sehen, was Du geschrieben hast. Hier zeigt sich, was Du kannst und was Du verfasst hast. Denn bei einem Exposé kann man Dir noch helfen. Dein Manuskript ist jedoch Dein Manuskript.

Welcher Teil und welcher Umfang

Darüber musst Du Dir keine Gedanken machen. Normalerweise steht in den Vorgaben genau, wie viele Normseiten Du mitsenden sollst. Und zumeist handelt es sich dabei um den Anfang des Romans. Also zum Beispiel die ersten 20 oder auch 30 Normseiten Deiner Geschichte.

Bisher habe ich nur ein einziges Mal gelesen, dass ein Verlag die Entscheidung den Autor:innen überließ, welche dreißig Seiten sie schicken dürfen. Solltest Du über so etwas stoßen, nutze die Möglichkeit und schicke die spannendsten dreißig Seiten in Deinem Roman. Also die Seiten, welche die Lektorin am Ende aus den Socken haut.

Ein Lektorat vor dem Lektorat?

Vielleicht wirst Du Dich fragen, mit welchen Mitteln, Du die Aufmerksamkeit des Lektorats Deines Wunschverlages am ehesten locken kannst.

In erster Linie natürlich mit dem besten Roman, den Du aktuell schreiben kannst. Das ist klar. Aber das bedeutet nicht, dass Du den nicht noch besser überarbeiten kannst. Und wenn nicht selbst, dann mit Hilfe von anderen Leuten.

Theoretisch kannst Du natürlich ein Lektorat für diese Seiten buchen. Das kostet auf alle Fälle Geld. Aber damit können sich Deine Chancen erhöhen, dass Dein Roman die Aufmerksamkeit der richtigen Personen weckt.

Jetzt könntest Du vermuten, dass man sich damit ins eigene Bein schießt. Immerhin würdest Du ja nur diese Leseprobe überarbeiten. Und nicht den Rest. Sollte der Verlag danach fragen, sei ehrlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass es viele machen, dürfte sehr hoch sein. Egal ob mit einem professionellen Lektorat oder mit sehr strengen Betaleser:innen.

Absenden

Wenn Du alles beisammen hast, lass jemanden noch einmal abschließend drüber lesen. Vielleicht hast Du eine Satzkonstellation, die etwas wirr klingt. Oder man könnte etwas noch knackiger beschreiben.

Setz Dir aber ein Limit. Es dürfen nur maximal ein oder zwei Personen noch ein letztes Mal drüber schauen. Dann musst Du es absenden. Warum? Manchmal verstecken wir uns hinter dem Ganzen überarbeiten und überschreiben, dass wir es am Ende gar nicht fertig machen. Daher setz Dir selbst eine Deadline und schick es dann ab.

Abschlussgedanken

Wie oben bereits erwähnt, es gibt keine Garantie, dass Du mit dieser Anleitung einen Verlagsvertrag kriegst. Aber wenn Du Dich mit dem Thema intensiv auseinandersetzt, ist die Wahrscheinlichkeit größer. Du musst Dich gegen die Konkurrenz durchsetzen. Und das geht in erster Linie damit, dass Du das beste Exposé schreibst, was nur geht.

Wenn Dein Wunschverlag zehn gute Romane bekommt, kann es sich über das Exposé entscheiden, wer am Ende genommen wird. Willst Du zu einem Verlag, solltest Du hier viel Energie investieren.

Dabei wünsche ich Dir viel Kraft und noch mehr Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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