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GMC: Das Ziel Deiner Charaktere

Hei, hallo und herzlich willkommen,

die Autorin Debra Dixon hatte vor einigen Jahren das Buch “Goal, Motivation & Conflict” geschrieben. Die Grundlagen aus dem Buch möchte ich Dir hier mit eigenen Worten vorstellen.

Kurze Vorgedanken

In meinen Augen sollte jeder Charakter in Deinem Roman ein Ziel haben. Die wichtigen Charaktere natürlich die großen. Und Nebencharaktere eben ganz kleine. Sei es, dass sie nur die Pizza zustellen oder eine Aussage in Deinem Krimi geben.

Daher schauen wir uns an, wie wir zu dem Ziel Deiner Charaktere kommen.

Was ist ein Ziel?

Die Ziele von echten Menschen unterscheiden sich zuweilen von Romancharakteren. Während wir echten Menschen manchmal froh sind, die nächste Miete zahlen zu können, retten fiktive Charaktere manchmal die Welt oder gar ganze Galaxien.

Ein Ziel ist etwas, worauf Deine Charaktere in der Geschichte hinarbeiten. Dabei gehen sie davon aus, dass das Ziel so wichtig ist, dass sie alles in die Waagschale werfen, um es zu erreichen.

Für uns ist es nicht immer wichtig, Ziele zu erreichen. Oder zu einem bestimmten Zeitpunkt. Wir können noch ein wenig schieben und die Ziele spontan verändern. Damit geht das Leben weiter. Erreichen Deine Charaktere das Ziel nicht, können schlimmstenfalls sogar Welten untergehen.

Ein Ziel ist also etwas, worauf Dein Charakter hinarbeitet. Dabei gibt es auch die Unterscheidung zwischen einem inneren und einem äußeren bzw. externen Ziel.

Das “innere” Ziel Deines Charakters

Schauen wir uns erst einmal das Innenleben Deines Charakters an.

Die inneren Ziele eines Charakters sind nicht unbedingt greifbar. Eventuell ihre Umsetzung. Wenn jemand glücklich werden möchte (was ein sehr weit gefächterte Bezeichnung ist), dann kann sich das in vielen Begebenheiten äußern. Zum Beispiel in der Gründung einer Familie, im Erreichen der beruflichen Ziele oder indem man das ganze Universum gerettet hat.

Daher stellt sich hier die Frage für Deinen Charakter, was ist das innere Ziel, worauf sie oder er hinarbeiten möchte. Dabei ist es wichtig zu klären, wie es im Innenleben Deiner Figur aussieht.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Dein Charakter möchte sich beweisen.

Und in meinem erdachten Beispielroman ist meine Figur eine Bäuerin, die mehr will, als eben eine Bäuerin sein. Sie will beweisen, dass sie mehr kann, als man ihr die ganze Zeit vorwirft. Den Wert, den sie von Geburt auf an hat, sollen alle sehen.

Hier geht es um ihre innere Gefühlswelt. Meine Heldin wurde vielleicht ihr ganzes Leben lang beleidigt und gemobbt. Immer wieder wurde ihr gesagt, dass sie nichts wert sei, weil sie vielleicht vom falschen Volk abstammt. Oder sie schlicht den falschen Beruf haben könnte. Alternativ hat sie den falschen Glauben. Es kann hierfür viele Gründe geben.

Doch unsere namenlose Heldin sieht dies anders (ansonsten würde sie nicht in dieser Geschichte feststecken). Vielleicht ist da etwas tief in ihrem Inneren, dass sie dazu bewegt, der Welt zu zeigen, wer sie ist. Oder jemand von außen hat irgendwann mal gesagt, dass jede Person auf der Welt einen Wert hat. Und aus diesem Grund hat jede Person auch Respekt verdient.

Diese Fragen müssen in diesem Beitrag nicht geklärt werden, sondern dann in Deiner Romanplanung. Hier geht es also darum, herauszufinden, was sie für ihr persönliches Seelenheil möchte.

Daher stell Dir die Frage: Welches innere Ziel möchte mein Charakter erreichen.

Wenn Du diese Frage beantwortet hast, geht es weiter mit der Frage, warum Dein Charakter dies erreichen möchte. Das ist das, was ich oben mit unserer Beispielheldin angerissen habe. Hier geht es um eine Charakterstudie.

Und dann kommen wir zu der dritten Frage: Was passiert, wenn Dein Charakter dieses Ziel nicht erreicht?

Nehmen wir an, unsere Beispielheldin kann ihren Wert nicht beweisen. Welche Konsequenzen würde sie daraus ziehen? Würde sie sich in einer Höhle verstecken und nie wieder herauskommen? Oder versucht sie dies auf einen anderen Weg?

Überlege Dir, welche Konsequenzen es hat, wenn Dein Charakter das Ziel nicht erreicht. Hierbei darfst Du auch gerne ein wenig dramatisch werden. Immerhin ist ein fiktionaler Text mit fiktionalen Charaktere. Hier geht es meistens um Alles.

Es kann auch interessant sein, das innere Ziel aufzugeben, um die Hürde noch einmal höher zu stecken. Also unsere Heldin sieht, dass sie ihren Wert nicht beweisen kann. In der Geschichte könnte es sein, dass sie alleine gegen den Evil Overlord kämpfen und zur Strecke bringen wollte. Etwas Größeres gibt es wahrscheinlich nicht, um ihren Wert zu beweisen.

Aber dann sieht sie, dass es wichtiger ist, dass die Prinzessin den Evil Overlord besiegen muss. Im Sinne von Moral und der Zukunft des Reiches. Also gibt unsere Heldin ihr Ziel auf und unterstützt die Prinzessin. Dabei kann es passieren, dass niemand erfährt, was sie getan hat.

Hier noch einmal die Fragen in der Übersicht:

  1. Welches innere Ziel hat Dein Charakter?
  2. Warum will Dein Charakter dieses Ziel erreichen?
  3. Was passiert, wenn Dein Charakter dieses Ziel nicht erreicht?
  4. Welches neue Ziel tritt anstelle des eigentlichen Ziels?

Das “äußere” Ziel Deines Charakters

In den meisten Romanen ist auch ein äußeres Ziel notwendig. Zumindest in den genrebasierten Romanen. Wenn Du expirementieren möchtest, kann das natürlich anders aussehen.

Die äußeren, oder auch externe, Ziele sind am Ende sichtbar. Unsere Heldin hat ein Haus gebaut, eine Armee besiegt oder einen Baum gepflanzt.

Die externen Ziele können in der Kindheit entstanden sein. Oder wachsen erst nach und nach in der Geschichte. Die Antwort darauf ist letztendlich Deiner Geschichte geschuldet.

Erst einmal würde ich meinen Charakter fragen, was für ein Ziel die Figur hat. Ist es eine Beförderung? Oder die beste Bogenschützin der Welt zu werden? Oder den Thron besteigen, um eine Demokratie zu erschaffen?

Such daher ein Ziel, was man am Ende auch sehen kann. Eine Beförderung kann ich sehen, wenn Dein Charakter umzieht und mehr Geld am Ende auf den Konto hat. Neben den neuen Aufgaben und so weiter. Und als beste Bogenschützin kann sie an einem Wettbewerb teilnehmen, um sich zu beweisen.

Sobald Du das Ziel definiert hast, stellt sich die Frage, warum Dein Charakter dieses erreichen möchte.

Es kann sein, dass sie oder er selbst dieses Ziel erreichen möchte. Es könnte aber auch sein, dass die Familie oder die Umwelt Deinen Charakter direkt oder indirekt dazu treibt, dieses Ziel zu erreichen.

Nehmen wir die Beförderung. Dein Charakter arbeitet also in einem Beruf, indem es Beförderungen überhaupt gibt. Nehmen wir an, sie ist Rechtsanwältin. Und arbeitet in einer Kanzlei. Zuerst arbeitete sie als einfache Anwältin und durfte die “Drecksarbeit” machen. Und dann wird sie endlich befördert und darf größere Fälle bearbeiten. Vielleicht soll sie sogar zu eine der Parnter:innen aufsteigen.

Jetzt stellen wir uns als Autor:innen die Frage, woher der Berufswunsch unserer Heldin kommt, dass sie unbedingt Rechtsanwältin werden möchte. War das wirklich ihr Wunsch? Oder hatte ihre Familie großen Einfluss darauf? Im Sinne von Familientradition und so weiter.

Deine Heldin muss nicht unbedingt wissen, woher dieser Berufswunsch kommt. Häufig sind wir uns im realen Leben auch nicht immer bewusst, warum wir etwas werden wollen. Darüber solltest Du Dir aber als Autor:in bewusst sein. Woher kommt also der Wunsch dieses externe Ziel zu erreichen?

Vor allem stellt sich auch hier die Frage, was passiert, wenn unsere Heldin ihr Ziel nicht erreicht. Was passiert dann? Fällt sie in ein tiefes Loch? Oder steht sie sofort auf und sucht Wege, um das Ziel doch zu erreichen? Sucht sie vielleicht ein neues Ziel?

Was bedeutet es für Deinen Charakter, wenn das Ziel nicht mehr erreicht werden kann. Weil sich unerwartete Hindernisse in den Weg stellen. Deine Figur das alles nicht mehr alleine stemmen kann. Oder die Welt einfach nur in Flammen steht.

Und was ist, wenn Dein Charakter sich so weit ändert, so weit wächst, dass das ursprüngliche Ziel gar nicht mehr interessant ist?

Nehmen wir unsere Rechtsanwältin. Vielleicht hat sie herausgefunden, dass sie nicht ihrer Berufung gefolgt ist, sondern den ihres Vaters, Großvaters und so weiter. Nun steht sie vor der Beförderung zur Partnerin und entscheidet sich auf einmal dagegen. Vielleicht möchte sie eine Pflichtverteidigerin werden. Oder sie wirft alles hin und eröffnet eine Gärtnerei.

Schauen wir uns die Fragen noch einmal in der Übersicht an:

  1. Was ist das externe Ziel Deines Charakters?
  2. Warum möchte Dein Charakter dieses Ziel erreichen?
  3. Woher kommt dieses Ziel? (Von sich aus oder von der Umwelt bzw. von der Familie)?
  4. Was passiert, wenn Dein Charakter dieses Ziel erreichen würde? Und will sie*er dies auch?
  5. Was passiert, wenn Dein Charakter dieses Zeil nicht erreichen würde?
  6. Will Dein Charakter wirklich dieses Ziel erreichen? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
  7. Was ist das wahre Ziel Deines Charakters (das ist das, was Deine Figur am Ende erreicht und damit glücklich ist)?

Das innere und das externe Ziel widersprechen sich

Häufig ist es so, dass sich die inneren und externen Ziele widersprechen. Und damit können auch schöne Konflikte entstehen.

Nehmen wir an, wir haben es mit einem Helden zu tun, der eigentlich nur seine Ruhe haben will. Sein Problem ist aber, dass er ein grandioser Schwertkämpfer ist. Daher soll er in den nächsten Krieg ziehen, um sein Land zu retten.

Das äußere Ziel unseres Helden ist, seine Ruhe zu haben. Er will seinen Garten pflegen und seine Ziegen groß ziehen. Alles andere interessiert ihn nicht (mehr). Warum soll er sein Leben für das Land opfern, was ihn einst verraten hat? (Wenn ich die Geschichte schreiben würde, wäre das vermutlich ein Teil davon.)

In seinem Inneren möchte er aber vielleicht Vergebung für das, was er in seiner früheren Armeezeit getan hat. Dazu müsste er aber doch zu seinem Schwert greifen und zurück in die Armee kehren.

Hier widersprechen sich die Ziele unseres Helden. Einerseits will er seine Ruhe haben, nie mehr mit dem Kampf etwas tun, seine kleine Farm pflegen, ein Eremitendasein leben. Im Inneren hingegen will er eine Sache aus seiner Armeezeit klären, die ihn bis heute keine Ruhe lässt. Aber die er bisher gut ignorieren kann, weil er alle Gedanken daran verbannt.

Wenn Du diesen Weg gehen möchtest (was nicht unbedingt ein Muss ist), hast Du im Charakter die Möglichkeit schöne Konflikte zu schaffen. Von daher würde ich mir überlegen, das zu machen.

Die Fragen mit dem Tarot bearbeiten

Wenn Du Dir nicht sicher bist, welche Ziele Du auswählen kannst oder ob das ein gutes Ziel ist, kannst Du die Tarotkarten befragen. An dieser Stelle erzähle ich noch einmal die Geschichte, die meine Sicht auf diese Dinge total geändert hat.

Vor einigen Jahren arbeitete ich an einen Charakter und ich war der festen Überzeugung, dass er ein Studienabschluss hat. Doch dann zeigten mir die Karten, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Er hatte nicht die Möglichkeit eine Universität zu besuchen. Und das ist etwas, worunter er sehr litt.

Hätte ich in diesem Fall nicht die Karten befragt, wäre aus dem Charakter jemand völlig anderes geworden. Klar, es hätte funktioniert. Aber auf eine andere Art und Weise. Und wenn ein Computervirus die Geschichte nicht gefressen hätte, wer weiß, was ich aus dem Charakter noch alles gemacht hätte.

Daher schlage ich Dir vor, es mal zu probieren. Schreib Dir Deine Idee auf, die Du selbst hattest. Und dann, was Dir die Karten gesagt haben. Vergleiche beides und entscheide, was besser klingt. Oder mische beides am Ende.

Abschlussgedanken

Mit dem Ziel Deiner wichtigen Charaktere hast Du auch eine rote Linie, mit der Du Deinen Plot erarbeiten kannst. Von daher kann ich Dir nur empfehlen, Dich mit diesem Thema (und die Themen der nächsten Beiträge) intensiv auseinanderzusetzen.

Wenn Du nicht viel über Deine Charaktere weißt, diese Punkte würde ich selbst immer bearbeiten. Und dabei wünsche ich Dir viel Spaß. Und wenn Du ein paar Inspirationen für die Ziele Deines Charakters benötigst, klick einfach mal HIER. Vielleicht inspiriert Dich das.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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