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GMC: Die Motivation Deines Charakters

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn Du das Ziel Deiner wichtigen Charaktere kennst, hast Du schon einmal einen wichtigen Schritt gemacht. Nun schauen wir uns an, warum sie dieses Ziel überhaupt erreichen möchten.

Kurze Vorgedanken

Vielleicht kennst Du ja noch die Serie Alf. Es geht dabei um einen Außerirdischen, der auf der Erde gelandet ist. Nach dem Erfolg wurde eine Zeichentrickserie produziert, welche sein Leben auf seinem Heimatplaneten zeigte.

In einer Folge wurde ein Schauspieler gezeigt, der nicht gerade zu den schlausten gehörte. Doch immerhin fragte er, was denn seine Motivation sei. Immer und immer wieder. Nur, wenn er die Motivation seines Handelns verstand, konnte er auch diese glaubhaft ausführen.

Auch wenn die komplette Serie auf reinen Klamauk aus ist, finde ich diese Folge immer noch gut. Gerade für uns Autor:innen. Wie soll unser Charakter ein Ziel erreichen, wenn sie oder er keine Motivation dazu hat?

Was ist eine Motivation?

Unter Motivation verstehe ich den Antrieb, der mich zu einer Handlung bewegt. Wenn ich zur Arbeit gehe, dann ist es mein Ziel dort anzukommen, die Arbeit zu erledigen und dann wieder zu gehen. Meine Motivation dahinter ist, dass ich am Ende ein gutes Gefühl habe und natürlich mein Gehalt zu bekommen.

Wenn Dein Charakter das ganze Universum erobern möchte, dann ist das ein Ziel. Über die Qualität eines solchen Ziels möchte ich nicht diskutieren. Solange es gut umgesetzt ist, hat jedes Ziel seine Berechtigung.

Nur sind die Zeiten lange vorbei, indem ein antagonistischer Charakter einfach nur böse sein darf. Früher haben Antagonist:innen deswegen ihre Verbrechen durchgeführt, weil sie von sich aus gesagt haben, sie seien die Bösen. Und wer böse ist, muss eben böses tun.

Heutzutage möchten die Meisten doch wissen, warum Dein:e Antagonist:in tut, was in der Geschichte getan wird. Oder anders ausgedrückt, sie wollen die Motivation hinter der Handlung verstehen.

Kennst Du die Motivation Deiner wichtigen Charaktere, wird es häufig auch leichter, die Geschichte zu schreiben. Will Dein Charakter das Universum erobern, weil die Figur Macht will, dann erzählt sich die Geschichte auf eine Weise. Versucht sie, dieses Ziel hingegen zu erreichen, weil sie jemanden beschützen will, erzählst Du eine völlig andere Geschichte.

Die “innere” Motivation Deines Charakters

Vielleicht erinnerst Du Dich noch an unsere Bäuerin aus dem letzten Beitrag. Ihr Ziel ist es, sich zu beweisen. Sie will eine Kriegerin werden und sie will allen zeigen, dass sie mehr kann und mehr ist.

Erst einmal ist das ein gutes Ziel. Immerhin wird sie als Kriegerin letztendlich wohl auch mitten im Geschehen landen. Oder auf den Weg dorthin. Natürlich kommt es hier auf die Geschichte an. Als Bäuerin würde das ein wenig schwieriger werden.

Sehr wahrscheinlich würde ich der Figur eine Zeitlang folgen, weil ich wissen möchte, ob sie es schafft. Zugleich würdest Du mich als Lesende verlieren, wenn Du die Geschichte schreibst und mir nicht zeigst, warum sie unbedingt sich beweisen will.

Irgendwann muss sich zeigen, egal wie, warum sie ihren Wert zeigen will. Auf diese Weise schauen wir in ihre Seele und erkennen, dass dieser Charakter mehr ist, als ein paar Worte auf dem Papier. Dieser Charakter ist in sich logisch aufgebaut, dass sie oder er sich so benimmt, wie ein echter Mensch mit diesen Voraussetzungen benehmen würde.

Bei der inneren Motivation geht es darum, was das Innenleben eben ausmacht. Warum will Dein Charakter wirklich das tun, was sie tut. Es kann erst einmal unbewusst sein, dass Deine Figur diese Dinge tut. Aber in einer Geschichte darf es dem Charakter durchaus irgendwann bewusst werden, was die wahren Hintergründe sind.

Selbst, wenn Dein Charakter dies nicht erwähnt, laut ausspricht oder darüber nachdenkt, letztendlich sollten wir Lesenden verstehen, was die wahren Beweggründe sind. Damit hältst Du die Laune hoch.

Schauen wir uns noch einmal unsere Bäuerin an. Warum will sie sich beweisen? Und warum muss das ausgerechnet der Weg der Kriegerin sein? Sie könnte ja auch in die Politik gehen, um sich zu beweisen, um ein Beispiel zu nennen.

Nehmen wir also an, sie kommt aus einem Gebiet, in der Krieger:innen hoch angesehen sind. Die Politiker:innen hingegen nicht. Oder zumindest weniger. Dann ist dieser Weg schon einmal logischer.

Nun wollen wir wissen, warum unsere Bäuerin unbedingt ihren Weg verlassen und eine Kriegerin werden will. In meiner Geschichte gehört sie zu einer Gruppe, der man einen schweren Verrat an einer legendären Kriegerkönigin vorwirft. Das bedeutet, dass die Volksgruppe unserer Bäuerin durchaus einst Krieger:innen gewesen waren. Doch dann haben sie diese Kriegerkönigin verraten und dürfen seitdem nie wieder eine Waffe in die Hand nehmen.

Vermutlich wird diese Volksgruppe starke Repressalien ausgesetzt sein. Immerhin gelten sie als Verräter:innen. Somit auch unsere Bäuerin. Und wenn ein Krieg kommt, dann könne man sich nicht auf sie verlassen. Weder im Kampf, noch bei der Nahrungsbeschaffung. Sprich, sie werden die benötigte Nahrung nicht bereitstellen können.

Das will unsere Bäuerin nicht auf sich sitzen lassen. Immerhin sieht sie, wie sie jeden Tag hart arbeiten, sehr viele Abgaben leisten müssen und am Ende bleibt ihnen kaum selbst etwas, um wirklich zu überleben. Und dann müssen sie sich noch täglich die ganzen Beleidigungen anhören. Irgendwann platzt ihr der Kragen.

Die innere Motivation ist also das Sehen dieses Leides, das ertragen der Ungerechtigkeit und die Hoffnung, dass es doch besser werden kann. Darüber muss sich unsere Bäuerin noch nicht im klaren sein. Aber das kann durchaus eine innere Motivation sein.

Eine andere könnte auch sein, dass sie persönlich hart angegangen wurde und wird. Vielleicht von einer:einem Krieger:in. Und sie will es der Person zeigen, dass sie sehr wohl kämpfen kann. Mit dieser Mischung könnte ich eine starke innere Motivation haben, warum meine Bäuerin ihre Heimat verlässt.

Die “äußere” Motivation Deines Charakters

Die äußere Motivation bedeutet, dass wir es mit etwas offensichtlichen zu tun haben. Oder zumindest meinen, dass es offensichtlich ist.

Eine äußere Motivation kann die sein, dass die Gesellschaft, oder alternativ die Familie, uns zu etwas drängt. Dabei tut sie es nicht offensichtlich, sondern eher subtil. Zum Beispiel: Du musst arbeiten, ansonsten hast Du kein Geld. Künstler:rinnenberufe sind brotlose Jobs. Und so weiter.

Letzte Woche habe ich von einer Rechtsanwältin geschrieben, die unbedingt aufsteigen und eventuell sogar Partnerin in der Kanzlei werden möchte. Schauen wir uns ihre äußere Motivation an, die sie zu diesem Weg führt.

Sagen wir, dass sie aus einer Familie kommt, in denen alle Männer Rechtsanwälte geworden sind. Also Vater, Großvater, Urgroßvater und so weiter. Damit hätte ihr Bruder auch Rechtsanwalt werden sollen. Aber aus irgendwelchen Gründen wurd er es nicht. Für mich wäre es zu einfach, dass er verstorben ist. Damit würde die Motivation für mich schwächer werden. Ich sehe ihn eher als einen Aussteiger. Vielleicht ist er Musiker geworden (auch wenn das klischeehaft ist). Also der natürlich Feind der Familie.

Doch die ganze Zeit dreht sich alles um den verlorenen Sohn. In der gemeinsamen Kindheit (beide Kinder sind vielleicht nur zwei Jahre auseinander) musste sich die Tochter immer anhören, wie toll ihr Bruder doch ist. Und egal was er gemacht hat, wurde er gelobt. Selbst jede drei wurde mehr gewertet als die eins von der Tochter.

Also haben wir es mit einer Tochter zu tun, die tun konnte, was auch immer sie wollte, sie wurde als Tochter nie akzeptiert. Als der Sohn dann Musiker wurde, hat man ihn ignoriert, aber der Tochter nie die Aufmerksamkeit gegeben, die sie sich die ganze Zeit gewünscht hat. Daher ist es klar, dass die Anwältin werden will. Wenn der Bruder nicht will, dann wird sie es eben.

Hier mischen sich innere und äußere Motivation durchaus. Das ist mir bewusst. Und so scharf lassen sie sich nicht, meiner Meinung nach, nicht wirklich trennen. Aber die Hauptmotivation ist, dass die Familie die besten Rechtsanwälte des Landes hervorbringt (in Romanen ist es durchaus in Ordnung, dass man ein wenig übertreiben kann). Es ist also eine Familientradition. Und die Tochter möchte diese Tradition fortführen, weil der Sohn sich geweigert hat.

Nun ist unsere Heldin in der Position, dass sie eine Rechtsanwältin ist. Und sie macht eigentlich den Namen ihrer Familie alle Ehre, weil sie zu den besseren gehört. Zudem ist sie gerade erst dreißig geworden und soll sie sogar zur Partnerin der Anwaltskanzlei werden. Was will man mehr?

Sie will eigentlich nur die Aufmerksamkeit der Familie (hier sind wir wieder bei der inneren Motivation – wie geschrieben, zwangsläufig lassen sich diese beiden Ebenen nicht wirklich trennen). Daher arbeitet sie sich kaputt, um das zu erreichen.

Wir haben hier also die Familientradition als starke äußere Motivation. Alle Männer werden normalerweise Rechtsanwälte. Und irgendwo erwartet die nähere Umwelt das auch. Wer den Namen dieser Familie trägt und männlich ist, wird automatisch Jura studieren.

Aufgrund dieser Familientradition will die Tochter ebenfalls in diese Fußstapfen treten. Immerhin trägt sie den Namen ihrer Familie und sie will dem auch die entsprechende Ehre besorgen.

Das innere und das äußere Ziel widersprechen sich

Was kann Schöneres geben, als wenn sich die Ziele in einer Person widersprechen? In einem Roman nicht viel.

Schauen wir uns noch einmal unseren Helden an, der seine Ruhe haben will. Seine Motivation für den Wunsch seiner Ruhe haben möchte, könnte sein, dass ihm die Vergangenheit seelisch schmerzt. Er will die Bilder, die in seinem Kopf sind, nicht mehr sehen. Vor diesen will er fliehen.

Dagegen steht die äußere Motivation, dass alle von ihm erwarten, dass er sein Reich beschützt. Immerhin ist er in der Vergangenheit einer der größten Krieger seiner Generation gewesen. Somit erwarten alle, dass er wieder zum Schwert greift.

Zudem hat auch er eine Motivation. Er will seine Ruhe wieder haben. Und je eher er den Feind besiegt, desto eher kann das, was werden. Zudem gibt es noch eine Sache zu klären. Und dazu muss er seine Ruhe verlassen.

Damit kannst Du erreichen, dass es zu größeren Konflikten kommt (welche wir uns im nächsten Beitrag noch einmal genauer anschauen werden). Und je größer sie sind, desto schöner ist der Sieg am Ende – dass erreichen des Ziels.

Die Punkte mit dem Tarot bearbeiten

Auch hier gilt, dass Du für die beiden Punkte je eine Karte ziehen kannst. Gerne auch mehr, wobei ich selbst bei drei Karten eher aufhören würde. Aber das ist eine persönliche Entscheidung.

Zieh erst einmal eine Karte und schau nach, was sie Dir für die innere Motivation sagt. Reicht Dir das aus? Oder möchtest Du noch eine Karte ziehen? Je nach Entscheidung kannst Du dann weiter gehen.

Und natürlich, bearbeite dann die äußere Motivation. Was sagen Dir die Karten dort? Gefällt es Dir besser? Oder möchtest Du bei Deiner ursprünglichen Motivation bleiben?

Abschlussgedanken

Ein gutes Ziel ist schön und gut. Aber das beste Ziel nützt nichts, wenn ich nicht weiß, warum dieses erreicht werden will. Daher ist die Motivation in meinen Augen sogar noch wichtiger.

Aus diesem Grund kann ich Dir nur empfehlen, finde die Motivation hinter Deinem Ziel. Damit findest Du auch einen wichtigen Teil Deiner Geschichte.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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