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GMC – Der Konflikt Deines Charakters

Hei, hallo und herzlich willkommen,

warum lesen so viele Menschen gerne Liebesromane? Wir wissen doch alle, dass sich in heterosexuellen Romanen die Heldin und der Held sich kriegen. Doch darum geht es uns Lesenden ja gar nicht.

Kurze Vorgedanken

Ein Liebesroman stellt nicht die Frage, ob sich das Paar kriegt. Die Frage lautet eher, welche Konflikte überwinden sie, um am Ende ein Paar zu werden. Wie werden sie also ein Paar.

Konflikte sind das Salz in Deiner Romansuppe. Solange sie in einem Genre passen (sollen). Klären die Ermittler:innen im Krimi den Mord? Retten die Mensch:innen den Planeten Erde vor einer Alieninvasion? Oder wird das Böse in Fantasyromanen aufgehalten? Das sind nicht die Fragen in einem Konflikt. Sondern wie geschieht das? Und werden sie alle Hindernisse bezwingen können?

Was sind Konflikte?

Konflikte sind Hindernisse, die Deine Charaktere überwinden müssen, um an ihr Ziel zu kommen. Ein guter Konflikt sorgt dafür, dass ich als Leserin mit Deinen Charakteren mitfiebere. Schaffen sie es ans Ziel zu gelangen oder nicht?

Ein Beispiel: Ich lese gerade einen Fantasyroman um eine Gruppe von Söldner:innen. Sie sollen einen Auftrag für einen dunklen Herrscher erfüllen. Dabei geraten sie immer wieder in Bedrängnis und kommen da heraus. Einfach so, ohne sich wirklich anstrengen zu müssen.

Würdest Du diesen Roman lesen wollen? Tatsächlich ist der letzte Absatz von mir ein wenig abgewandelt worden. Aber es gab einen Roman, den man so ungefähr zusammenfassen könnte. Es gab Konflikte, aber sie wurden nett umgangen. Und damit kam letztendlich keine Spannung auf. Denn irgendwann wusste ich, ja, sie werden das nächste Problem auch einfach so lösen können.

Konflikte sind nicht nur Hindernisse, sondern auch Herausforderungen für Deine Charaktere. Je größer diese Herausforderung ist, welche sie bewältigen müssen, desto mehr wachsen sie an Persönlichkeit. Am Ende haben wir es (hoffentlich) mit einem veränderten Charakter zu tun, als am Anfang Deines Romans.

Der “innere” Konflikt Deines Charakters

Ein innerer Konflikt entsteht aus der Persönlichkeit Deines Charakters heraus. Während die Umwelt das Eine will, will Dein Charakter jedoch etwas anderes.

Als Beispiel würde ich gerne die Rechtsanwältin aus den letzten Beiträgen nehmen. In diesem Fall fällt mir ein besserer innere Konflikt bei ihr ein.

Kurz zusammengefasst: Unsere Rechtsanwältin hat als Ziel eine Partnerin in ihrer aktuellen Rechtsanwaltskanzlei zu werden. Normalerweise werden alle Söhne Rechtsanwälte. Nur ihr einziger Bruder entschied sich dagegen. Daher will sie die Familientradition fortführen und wurde selbst Anwältin.

Ihre Motivation ist, dass sie die Anerkennung ihrer Familie möchte. Denn ihr ganzes Leben lang hat man sie ignoriert, weil sie nur eine Tochter ist. Und ihrem Bruder gilt immer noch die ganze Aufmerksamkeit, obwohl er als schwarzes Schaf der Familie gilt.

Unsere Rechtsanwältin will die Anerkennung ihrer Familie. Das ist klar ihre Motivation. Jedoch widerspricht sich das mit ihrem wahren Ziel. Denn eigentlich wollte sie Tierärztin werden. Sie liebt Tiere und hätte sich gerne um sie gekümmert.

Im Idealfall widersprechen sich die inneren und äußere Ziele und führen dadurch zu einem Konflikt. Dafür musst Du nicht unbedingt Gegner:innen auf den Plan rufen. Allein der innere Konflikt kann schon vieles ermöglichen. Äußere Konflikte sind dann das Sahnehäubchen in Deiner Geschichte.

Unsere Anwältin hat also einen Konflikt zwischen ihren Motivationen. Sie will die Anerkennung ihrer Familie. Dabei kann sie in Deiner Geschichte schon fast daran verzweifeln. Sie tut wirklich alles, um den Namen ihrer Familie noch mehr Ruhm und Ehre zu bescheren, als es ein Mann jemals getan hat. Trotzdem wird sie ignoriert. Dabei hat sie ihren eigenen Traum aufgegeben, Tierärztin zu werden.

Natürlich reicht das nicht aus. Häufig stecken wir zwischen Verantwortung und Träume fest. In einem Roman muss es aber so auftauchen, dass Deine Charaktere daran regelrecht verzweifeln. In diesem Fall muss also unsere Rechtsanwältin irgendwie darauf gestoßen werden, dass sie es nach und nach bereut, diesen Weg gegangen zu sein. Immerhin möchten wir, dass sie am Ende glücklich wird.

Neben den äußeren Konflikten muss sie also immer wieder an ihren wahren Traumberuf herangeführt werden. Wenn wir in einem Liebesroman sind, wird sie vielleicht einen Tierarzt kennenlernen. Oder sie muss einen verteidigen, der einen Hund einer reichen Dame nicht retten konnte. Und dann kommt es zu ihrem inneren Kampf.

Dieser innere Kampf soll sie dann letztendlich in die Knie zwingen. Nur, um am Ende dann ihr wahres Ziel zu erreichen. Wie auch immer dieser aussehen mag.

Der “äußere” Konflikt Deines Charakters

Unsere Bäuerin aus dem Dorf eignet sich sehr gut als Beispiel für unseren äußeren Konflikt. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht zusätzlich einen inneren Konflikt haben darf. In meinen Augen ist jeder Roman durchaus besser, wenn die Figuren beides haben. Also sowohl inneren als auch äußeren Konflikt.

Sie entstammt einer Volksgruppe, denen man einen Verrat an eine legendäre Kriegerkönigin vorwirft. Und unsere Bäuerin lebt mit diesen Vorwürfen Tag für Tag. Etwas, was ihr total schwerfällt. Ihr Ziel ist es, ihren Wert zu beweisen. Und ihre Motivation ist es zu beweisen, dass sie mehr ist, als dieser eine Verrat.

Die äußeren Konflikte sind, dass niemand herausfinden darf, wer sie und woher sie stammt. Sie muss also ihre Identität geheim halten. Je nach Roman könnte es auch sein, dass sie niemals mitteilen darf, dass sie eine Frau ist.

In einem Fantasyroman kann es zwei Konflikte geben (natürlich auch mehrere, aber ich bleibe mal bei zweien). Ein Konflikt, den letztendlich alle Deine Charaktere treffen, ist der Wunsch des Bösen, die Welt zu unterjochen. Der zweite Konflikt ist, dass unsere Bäuerin ihren Wert beweisen will, aber die ganze Zeit darauf achten muss, dass niemand ihre wahre Identität entdeckt.

An sich ist das Entdecken selbst nicht der Konflikt. Wenn sie ihren Helm auf den Kopf hat, dann ist sie sicher. Also müssen wir einen Weg finden, sie in Bedrängnis zu bringen. Vielleicht hat sie sich so gut hervorgetan mit ihrer Arbeit, dass man sie für einen Geheimauftrag ausgewählt hat.

Unsere Bäuerin muss also gegen das Böse kämpfen, ihre Identität wahren und gleichzeitig einen Geheimauftrag erfüllen. Wenn sie sich weigert, diesen Auftrag nicht zu erfüllen, könnte sie vielleicht als Verräterin gebrandmarkt werden. Dabei wollte sie diesen Ruf ja eigentlich loswerden.

Die Konflikte kommen von außen und sollen das Leben Deiner Charaktere schwer machen. Und vor allem sollen sie die Ziele Deiner Figuren im Weg stehen. Wenn dann noch äußere und innere Konflikte sich beißen, wird es noch besser.

Der innere und das äußere Konflikt beißen sich

Kehren wir zu unserer Anwältin zurück. Ihr inneres Ziel ist es, Anerkennung zu finden. Dabei denkt sie, dass es von ihrer Familie kommen muss. Daher tut sie alles, um das zu erreichen. Dabei ist ihr äußeres Ziel, dass sie Partnerin ihrer Kanzlei wird.

Dabei ist die innere Motivation, die Anerkennung, weil ihr Bruder die Familientradition nicht fortführt. Ihre äußere Motivation ist, den Namen der Familie im juristischen Bereich weiterzuführen.

Ihr innerer Konflikt ist es aber, dass sie gar keine Anwältin werden wollte. Sie hasst sogar den Beruf und kriegt Panik, wenn sie mit einer:einem Mandant:in sprechen muss. Dagegen ist ein äußerer Konflikt, dass eine andere Anwältin ebenfalls scharf auf den Posten als Partnerin in der Kanzlei ist. Dabei tut sie so gut wie alles, um unsere Anwältin auszustechen.

Es kann alles um einiges spannender machen, wenn sich die inneren und die äußeren Themen widersprechen. Jemand will etwas, aber die eigene Einstellung kann dem widersprechen. Oder man muss etwas tun, weil die Umwelt das verlangt. Aber die eigene Moral schaltet sich ein.

Die Konflikte mit dem Tarot bearbeiten

Wenn Du Dir nicht sicher bist, was ein intensiver Konflikt für Deine Charaktere sein könnten, dann befrage ruhig die Tarotkarten. Dabei kannst Du häufig interessantere Konflikte finden, als Dir auf den ersten Blick einfallen.

Das mit der Tierärztin bei unserer Anwältin habe ich mir spontan aus den Fingern gesogen. Ich habe mir keine Gedanken darum gemacht. Würde ich den Roman aber schreiben wollen, hätte ich mich gefragt, ob das wirklich ausreicht. Oder ob ich nicht doch tiefer graben will.

Abschlussgedanken

Das ist nur eine kleine Übersicht zum Thema Konflikt. Gerade hier kann man vieles beachten und einiges falsch machen. Daher werde ich im kommenden Monat mir das Thema noch einmal genauer ansehen.

Aber damit hast Du schon einmal eine kleine Übersicht zum Thema. Beim Anwenden wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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