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Plagiat: Die Idee

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vor einigen Jahren schien das Thema Plagiat aus der Diskussion um Selfpublishing-Autor:innen nicht mehr wegzudenken. Dann war eine Zeitlang Ruhe. Nun taucht es indirekt wieder auf.

Kurze Vorgedanken

Vor einigen Jahren schien es, dass man keinen Tag die verschiedenen Social Media Kanäle aufmachen konnte, ohne von einem neuen Plagiatsfall zu lesen. Mal war es Autor:in A, dann tauchte Autor:in B, nur damit Autor:in A einige Jahre wieder ein Plagiat veröffentlichte.

Im letzten Monat tauchte dann wieder der Vorwurf auf, dass eine Autorin ein Plagiat veröffentlicht habe. Die Gruppe rief dann zum Boykott und sogar zum Shitstorm gegen besagte Autorin auf. Dabei war die Sache in diesem Fall gar nicht mal so einfach.

Deswegen möchte ich mir das Thema “Plagiat” einmal näher anschauen.

WICHTIGER Hinweis!!!

Der folgende Beitrag wurde von einer Person geschrieben, die KEINE juristische Ausbildung hat und in keiner Weise einen juristischen Rat bzw. Beratung geben darf. In jedem Fall solltest Du immer eine Anwältin bzw. einen Anwalt oder andere Berufsgruppen aufsuchen, welche Dich juristisch beraten dürfen.

Dieser Beitrag kann als Orientierung dienen. Aber verlasse Dich bitte immer auf den Rat juristisch ausgebildeter Personen – Danke schön.

Was ist ein Plagiat?

Bevor wir uns dem Thema “Idee und Plagiat” widmen, sollten wir erst einmal klären, was ist überhaupt ein Plagiat? Eine juristische Definition ist, dass ein Plagiat dann vorliegt, wenn ein fremdes Werk als eigenes ausgegeben wird. Das kann schon Teile betreffen. Dafür muss man nicht einen ganzen Roman abschreiben.

Im wissenschaftlichen Bereich wird häufig von einem Plagiat gesprochen, wenn nicht oder nicht richtig zitiert wird. Also Sätze aus anderen Arbeiten als eigene ausgegeben werden. Das ist in den letzten Jahren besonders bei den Arbeiten von Politiker:innen immer wieder aufgefallen.

Das gilt letztendlich auch für Sachbücher und Romane. Sobald Du Sätze aus anderen Werken übernimmst und dies nicht kennzeichnest, sprechen wir schon von einem Plagiat.

Zu diesen Punkten komme ich in weiteren Beiträgen noch einmal zu sprechen. Schauen wir uns erst einmal die Idee an.

Kann eine Idee Opfer von einem Plagiat werden?

Vielleicht kennst Du das (zumindest in der Theorie): Du hast eine tolle Idee für einen Roman und erzählst es jemanden. Diese Person sieht darin das Potenzial, schreibt schneller als Du den Roman und veröffentlicht diesen.

Um es kurz zu machen, die Idee selbst kannst Du nicht schützen.

Solltest Du also auf Deinem Blog, in Schreibforen oder sonstwo über Deine Idee sprechen und es jemand stehlen, hast Du kaum Handlungsmöglichkeiten. Aber hier gilt, notfalls juristisch beraten lassen.

Idee vs. Idee

Jetzt ist aber nicht jede Idee gleich schützenswert. Daher fangen wir von vorne noch einmal richtig an.

Grundidee

Autor:innen werden nicht zwangsläufig das Rad neu erfinden. Aktuell lese ich einen Roman, der eine Idee hat, den ich von einem anderen Roman kenne. Es geht um eine Chosen One, die mit ihrer Freundin die Welt retten soll. In dem anderen Roman ging es um einen männlichen Choosen One, der wiederherum mit seinem besten Freund die Welt retten soll.

Eine solche Grundidee, eine Chosen One, welche mit ihrer Freundin die Welt rettet, ist an sich keine Romanidee. Es handelt sich quasi um eine Grundidee, aus der man eine Menge machen kann. Immerhin ist noch nicht einmal klar, ob es sich hierbei um eine Fantasygeschichte handelt, eine Science-Fiction Idee oder eine Urban Fantasy. Die Beziehung der Beiden ist nicht klar und wie genau sie die Welt retten soll. Nur, um einige Punkte zu nennen.

Daher kannst Du solch eine Idee gerne verwenden, ohne Angst zu haben, dass man Dir vorwirft, ein Plagiat geschrieben zu haben. Das ist tatsächlich nicht möglich.

Wobei ich tatsächlich von einigen gelesen habe, welche Liebesromanautor:innen eben dies vorgeworfen haben. Es ging bei dem Vorwurf, im groben, darum, dass in dem Roman um eine Dreierbeziehung ginge. Das käme ja in einem anderen Roman auch vor. Vermutlich hat die besagte Person noch nicht viele Young Adult Geschichten gelesen.

Kurz geschrieben: Wenn Du über eine junge Frau schreiben möchtest, die sich in einen Popstar verliebt, ist das möglich. Verliebt sich diese Frau in einen K-Pop Star oder J-Pop Star oder wie auch immer, auch das ist möglich. Hierbei handelt es sich tatsächlich noch nicht um ein Plagiat. Die Details erst können aus einer Idee ein Plagiat machen.

Die Schöpfungshöhe schützt Deine Idee

Deine Idee schützt Du auf drei Möglichkeiten.

Möglichkeit eins ist, dass Du nicht über Deine Romanidee sprichst oder schreibst. Auf die Frage, was Du schreibst, halte Dich entweder vage (“Ich schreibe einen Werwolfroman”) oder schreibe gar nichts dazu (“Darüber möchte ich momentan noch nicht reden”).

Auf alle Fälle solltest Du über die Feinheiten schweigen. Je mehr Du erzählst, desto eher könnte man Dir Deine Idee stehlen. Und um Recht zu bekommen, dass sie Dir gehört, könnte ein Gang zum Gericht notwendig sein. Was sehr kostspielig ist. Ob Du am Ende Recht bekommst, ist dann noch einmal eine andere Geschichte.

Die Möglichkeit zwei ist, dass Dein Werk eine gewisse sogenannte Schöpfungshöhe erreicht. Damit schützt Du die Idee und Dein Werk aufgrund des Urheberrechtes. Selbst für unveröffentlichte Werke gilt dies schon.

Mit Schöpfungshöhe ist gemeint, dass Dein Projekt eine gewisse Form besitzt und damit über die Idee selbst hinausgeht. Es muss sich hierbei um eine eigene Schöpfung handeln. Zeichnet sich also Dein Werk durch Individualität aus, kannst Du schon eine Schöpfungshöhe erreicht haben. Wobei dieser Begriff als schwammig definiert wird (was ist jetzt genau Individualität, was bedeutet Form und so weiter).

Ideensammlungen, Notizen oder einzelne Szenen dürften vermutlich die erforderliche Schöpfungshöhe noch nicht erreichen. Es heißt aber, dass fertige Kapitel da wohl schon ausreichen dürfen. Also ein fertiger Roman ist hier wohl noch nicht notwendig.

Solltest Du hier Probleme haben und Klärung bedürfen, Du kennst ja meine Standardempfehlung: eine Anwältin bzw. ein Anwalt.

Die letzte Möglichkeit ist ganz klar, Du veröffentlichst Dein Buchprojekt. Sobald es veröffentlicht ist, greift definitiv das Urheberrecht und niemand darf es dann klauen. Ansonsten kannst Du juristische Schritte einleiten.

Bei einem Rechtsstreit, welches Werk als Erstes veröffentlicht wurde, ist hier die Sache einfacher. Immerhin kannst Du nachweisen, wann Du ein Buch hochgeladen und veröffentlicht hast (beim Selfpublishing). Und als Verlagsautor:in solltest Du solche Sachen sowieso den Hausjurist:innen überlassen. Sprich Dich hier mit dem Verlag entsprechend ab.

Der Nachweis zählt

Während Du Deine Idee selbst nicht schützen kannst, gilt das nicht für Deinen Roman. Das fertige Ergebnis entspricht durchaus der Definition einer Schöpfungshöhe und ist normalerweise geschützt.

Normalerweise deswegen, weil sich nicht immer alle daran halten. Denn ich habe selbst gesehen, wie eine Agentur von einer Autor:innenkolleg:in den Titel gestohlen hatte. Das kann natürlich auch für die Buchidee gelten, wenn Du diesen einreichst. Am Ende wird diese benutzt, sodass hauseigene Autor:innen einen Roman dazu schreiben.

Wichtig: Seriöse Verlage und Agenturen werden niemals Deine Idee oder sonstiges stehlen.

Schreibhinweis

Wie kann man also einen Roman schützen, wenn man diesen an eine Agentur oder an einen Verlag schickt? In meiner Anfangszeit im Internet gab es folgenden Tipp, um den Roman zu schützen. Drucke diesen aus und sende diesen per Post mit einem Einschreiben und Rücksendeschein Dir selbst zu. Diesen Umschlag darfst Du dann bis zur Veröffentlichung nicht öffnen. Danach ist Dein Ergebnis geschützt.

Sollte es dann zu einem (Rechts-)Streit kommen, kannst Du beweisen, wann Du Dir diesen Brief zugeschickt hast. Einmal mit dem Stempel auf dem Umschlag. Und dann noch mit dem Rücksendeschein (aktuell diese rosa Postkarten). Auch dort sollte ein Stempel enthalten sein.

Zwar gab es damals schon erste Bedenken bei dieser Idee. Aber damit dürfest Du eher noch Möglichkeiten haben, zu beweisen, dass das Endprodukt zu einem bestimmten Zeitpunkt von Dir erschaffen wurde. Kurz geschrieben, besser das, als gar nichts zu haben.

Das gilt übrigens auch für Internetveröffentlichungen. Solltest Du auf Deiner Webseite eine Geschichte veröffentlicht haben und diese wird gestohlen, kannst Du Dich auf das Datum Deine Internetveröffentlichung berufen. Gerade bei Blogs wird mindestens eine Datumsangabe der Veröffentlichung des Beitrages angegeben.

Sollte solch ein Fall eintreffen, berate Dich (wie schon öfters erwähnt) mit Deiner Anwältin bzw. Deinem Anwalt. Die können Dir genau sagen, was möglich ist und was nicht.

Zufällig Ähnlichkeiten

Ja, es gibt sie. Die Geschichten, die sich wirklich sehr ähneln, dass es doch schon ein wenig auffällig ist. Das muss aber nicht bedeuten, dass es sich hierbei automatisch um ein Plagiat handelt.

Es könnte sein, dass es sich hierbei um eine sogenannte “Doppelschöpfung” handelt.

Nehmen wir an, Du hast einen Roman um eine Frau geschrieben, die sich in einen berühmten Musiker verliebt. Dieser Musiker ist der Leadsänger aus einer K-Pop Band und tourt gerade durch, sagen wir, Ozeanien. Und unsere Heldin ist Reporterin, die einen Beitrag zu der K-Pop Kultur schreiben soll. So abwegig ist das tatsächlich nicht, dass hier zwei Romane mit einer solchen Idee entstehen.

Selbst wenn das Aussehen und die Hintergründe sich ähneln, ist es nicht zwangsläufig ein Plagiat. In diesem Fall könnte ein Gericht dann urteilen, dass es sich um eine Doppelschöpfung handelt. Also zwei unabhängige Geschichten, die sich zwar sehr ähneln, aber nicht voneinander abgeschrieben sind.

Doch wann man von einer Doppelschöpfung spricht und ab wann es ein Plagiat ist, kann vermutlich pauschal nicht gesagt werden. Sollte Dich das betreffen, könnte es schlimmstenfalls passieren, dass Du auf ein Urteil vom Gericht warten musst.

Nenne notfalls die Herkunft Deiner Idee

Kennst Du zufälligerweise das Buch “Heilige oder Hexe” von Peter Dinzelbacher? In diesem Sachbuch geht es darum, dass Frauen zu Zeiten der Hexenprozesse nur dann als Hexe verbrannt wurden, wenn sie im falschen Gebiet lebten. Aufgrund dieser Idee entstand ein Roman (den Titel habe ich jetzt nicht mehr herausgefunden).

Der Autor oder die Autorin nannte das Buch als Quelle bzw. Ideengeber für den entsprechenden Roman. Tatsächlich scheint man in solchen Fällen dann auch von einem Plagiat zu sprechen. Also, wenn Deine Romanidee auf den Recherchen eines Sachbuches beruhen.

Solltest Du Dich also von anderen Büchern inspiriert haben (was völlig in Ordnung ist), dann benenne diese Werke entweder im Vor- oder im Nachwort. Das muss noch nicht vor einer Klage schützen. Aber wenn Du von vornherein mit offenen Karten spielst, könnte sich das positiv auswirken. Eventuell wird eine entsprechende Klage sogar abgewiesen.

Sollte Dir jemand ein entsprechendes Schreiben ins Haus schicken, Du kennst ja meinen Rat.

Fassen wir noch einmal zusammen

Schauen wir uns das Thema “Plagiat einer Idee” noch einmal genau an.

  • Eine Buchidee selbst kann nicht geschützt werden.
    Daher solltest Du nie darüber sprechen, wenn es konkreter wird. Allgemeine Ideen hingegen zeugen noch lange nicht von einem Plagiat. Damit können sie nicht geschützt werden und Du kannst über sie reden.
  • Die Schöpfungshöhe schützt Deine Idee.
    Sobald Du eine gewisse Schöpfungshöhe erreicht hast, ist Deine Buchidee geschützt. Wie genau das aussieht, kann nicht genau definiert werden. Notizen reichen nicht, einige fertige Kapitel eventuell schon.
  • Nachweise helfen bei der Beweisführung.
    Solltest Du nachweisen können, dass Dein fertiges Projekt früher erschaffen wurde, als ein mögliches Plagiat, kann Dir das helfen. Dazu zählen Veröffentlichungen jeglicher Art (zum Beispiel als Buch, auf der Webseite). Eventuell hilft auch die Zusendung des eigenen Projektes. Achtung: Der Umschlag darf dann nie geöffnet werden. Ansonsten kann man Dir unterstellen, dass Du Teile eingefügt hast.
  • Doppelschöpfungen kann es geben.
    Es kann tatsächlich zwei Werke unabhängig voneinander geben, welche sich sehr ähneln. Das muss nicht zwangsläufig ein Plagiat sein, sondern eine Doppelschöpfung. Gegebenenfalls solltest Du mal drüber schauen lassen (Du weißt von wem).
  • Anwält:innen wissen meistens Bescheid.
    Im Falle von Zweifel oder Problemen, suche Dir juristischen Rat. Dann bist Du auf der sicheren Seite.

Abschlussgedanken

Bei Ideen ist es schwer, ein Plagiat zu finden. Denn eine Idee kann nicht geschützt werden. Geschützt wird das fertige Werk. Sollte Dir also jemand den Vorwurf machen, Deine Idee wäre ein Plagiat, ist es sehr wahrscheinlich, dass man Dich einschüchtern möchte oder die besagte Person nicht die Hintergründe kennt.

Sollte Dir das also jemand vorwerfen, dann frag nach, was die Person genau meint. Vielleicht macht sich die Person tatsächlich nur Gedanken und sorgt sich darum, dass Dich jemand verklagen könnte. Oder die Person will Dir Angst einjagen, sodass Du Dein Werk sicherheitshalber vom Markt nimmst.

Auch wenn es leicht daher gesagt ist, solltest Du aber juristischen Rat benötigen, dann suche diesen. Es muss nicht immer eine Anwältin oder ein Anwalt sein. Wenn Du nicht das nötige Kleingeld hast, so gibt es häufig auch kostengünstige oder kostenfreie Beratungen. Dein Amtsgericht kann Dir da vielleicht Hilfestellung geben (aber keine Rechtsberatung).

Ansonsten, es ist normalerweise sehr unwahrscheinlich, dass die Leute sofort Plagiat rufen. Schreibe also Deinen Roman und veröffentliche diesen. Und genieße den Prozess.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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