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Plagiat: Die Sätze

Hei, hallo und herzlich willkommen,

während Ideen nicht geschützt werden können, sieht es mit konkreten Sätzen schon anders aus. Schauen wir uns diesen Punkt genauer an.

Kurze Vorgedanken

Ein Plagiat beginnt dort, wo man sich mit fremden Federn schmückt. Dir gefällt ein Satz aus einem anderen Roman? Es ist in Ordnung, damit kreativ zu arbeiten. Aber nicht, diesen als einen eigenen Satz auszugeben.

Doch ein abgeschriebener Satz ist nicht zwangsläufig ein Plagiat.

WICHTIGER Hinweis!!!

Der folgende Beitrag wurde von einer Person geschrieben, die KEINE juristische Ausbildung hat und in keiner Weise einen juristischen Rat bzw. Beratung geben darf. In jedem Fall solltest Du immer eine Anwältin bzw. einen Anwalt oder andere Berufsgruppen aufsuchen, welche Dich juristisch beraten dürfen.

Dieser Beitrag kann als Orientierung dienen. Aber verlasse Dich bitte immer auf den Rat juristisch ausgebildeter Personen – Danke schön.

Zitat vs. Plagiat

In Sachbüchern und wissenschaftlichen Arbeiten ist es normal, mit fremden Sätzen zu arbeiten. Damit werden eigene Thesen unterstützt oder andere Ansichten dargestellt und damit gearbeitet.

Dazu werden die (indirekten) Zitate verwendet. Das bedeutet, dass mit den Anführungszeichen angegeben wird, dass es sich bei dem Satz nicht um geistiges Eigentum handelt, sondern eben um die Gedanken einer anderen Person. Das direkte zitieren.

Beim indirekten zitieren wird ein Satz oder Absatz zusammengefasst. Manchmal, weil ein Direkter Zitat einfach nicht passen würde. Oder, weil der Absatz zu lang wäre, um diesen zu zitieren.

In beiden Fällen muss jedoch immer die Quelle angegeben werden. Bei wissenschaftlichen Arbeit (zum Beispiel bei einer Bachelorarbeit) musst Du Dich bei Deiner Uni erkundigen, wie das Zitieren erfolgen soll. In meiner kurzen Unizeit habe ich auf alle Fälle gelernt, dass die Unis dies unterschiedlich handhaben.

Bei Sachbüchern habe ich vier Varianten gesehen. Entweder wird mit einer Klammer direkt nach dem Zitat die Quelle in Kurzform angegeben. Die ausführlichen Angaben werden dann in der Quellenangabe im hinteren Teil des Buches dann aufgeführt.

Die nächste Variante ist die Fußnote. Dort finden die Lesenden dann meistens vollständig die Angaben. Gelegentlich ist dabei schon passiert, dass eine Seite mehr Fußnoten hatte, als Text.

Am Ende eines Kapitels können auch die entsprechenden Quellenangaben aufgeführt werden. Oder eben am Ende des Buches.

Wichtig ist gerade für Deine wissenschaftliche Arbeit, dass Du nicht nur die Angaben zu Deinen Zitaten machst. Diese müssen auch richtig sein. Erkundige Dich notfalls bei Deiner Uni, wie das genau abläuft. Das gilt auch für Deine Sachbücher. Hier frage Deinen Verlag. Solltest Du ein:e Selfpublisher:in sein, frag bei anderen Autor:innen nach oder such Dir juristischen Rat. Schlimmstenfalls verzichte auf das Zitat, wenn möglich.

Solltest Du nicht (richtig) zitieren, tust Du letztendlich so, als wäre der Satz Dein eigener. Und da fängt schon das Plagiat an. Eine nicht korrekte Zitatweise bedeutet nicht zwangsläufig, dass es sich um ein Plagiat handelt (das müssen dann entsprechende Stellen prüfen). Aber gar keine Angaben zur Verfügung zu stellen, bedeutet, dass Du Dich eben mit fremden Federn schmückst. Und da fangen dann Deine Probleme an.

Zitate in einem Roman?

Es gibt drei Möglichkeiten, warum Du in einem Roman Zitate anbringen möchtest. Schauen wir sie uns genauer an.

Zitate zum Beispiel am Anfang eines Kapitels

Häufiger habe ich Romane gelesen, bei denen die Kapitel mit einem Zitat beginnen. Damit soll die Stimmung des nachfolgenden Kapitels dargestellt werden.

Normalerweise sollte das kein Problem sein, solange es bei einem kurzen Zitat sein. Wichtig ist immer, dass Du die Quellenangabe nennst. Also zum Beispiel den Namen der:des Autor:in. Frage notfalls bei der Autorin bzw. dem Autor nach. Alternativ beim Verlag. Und bei Zweifeln, Anwalt:Anwältin fragen.

Liedtexte zitieren

Ganze Liedtexte in einem Roman zu zitieren, ist verboten. Bei Zitaten wäre ich zusätzlich vorsichtig. Seit Jahren herrscht in dieser Hinsicht eine absolute juristische Unsicherheit. Daher würde ich gerade bei Liedtexten vorsichtig sein.

Am besten gehst Du davon aus, dass Du nicht die Erlaubnis hast, ein Liedtext zu zitieren. Dann kannst Du die Rechteinhaber:innen (zum Beispiel die Band) anfragen, ob es nicht doch erlaubt ist, Teile oder den kompletten Text zu zitieren. Bei der Anfrage würde ich auch den Zusammenhang erwähnen, wie Du deren Text verwenden möchtest, damit (sagen wir einfacherweise) die Band weiß, wo ihr Text erscheint.

Rechne damit, dass Du für die Verwendung des Textes etwas zahlen musst. Manche sprechen sogar von einer Summe im vierstelligen Bereich (ob das stimmt, kann ich jedoch nicht sagen). Dagegen gibt es auch die eine oder andere Geschichte, wo wirklich internationale Bands die Erlaubnis gegeben haben, ohne ein Cent zu verlangen.

Wichtig ist, erkundige Dich lieber vorher, ob Du ein Liedtext verwenden darfst. Nachher kann es unnötig teuer werden. Eine alternative Version ist, dass Du selbst ein Lied schreibst.

Liedtitel hingegen sollen ohne weiteres verwendbar sein. Am besten nennst Du dann auch die Band dazu.

Sätze aus einem anderen Roman

Das eigentliche Thema dieses Beitrages. Kannst Du Sätze aus einem anderen Roman für Deine Geschichte verwenden?

Solange Du es als Zitat verwendest, ist alles in Ordnung. Also, Charakter A sagt etwas aus einem Roman (der Klassiker wäre ein Stück von Shakespeare zu zitieren). Charakter B fragt, woher der Spruch kommt, weil es vielleicht ungewöhnlich ist, dass Charakter A so spricht. Und Charakter A benennt die Quelle.

Das kommt einem Zitat am nächsten. Und normalerweise sollte das dann keine Probleme bereiten (denk an meinen Standardtipp, solltest Du Zweifel haben oder Dich absichern möchtest). Gegebenenfalls kannst Du auch beim Verlag nachfragen, ob das Zitat in Ordnung geht. Es heißt, dass Verlage in dieser Hinsicht durchaus locker sind.

Tipp: Wenn Du das darfst, bedanke Dich bei Deiner Danksagung auch beim Verlag.

Problematisch wird es, wenn Du keine Quellenangaben nennst. Da kommen eben die juristischen Probleme.

Wir schreiben ein Plagiat

Das Problem der letzten Jahre war, dass viele Sätze, Absätze direkt abgeschrieben oder nur schwach geändert wurde. Wer Text an Text gelegt hatte, konnte deutlich sehen, dass diese sich zu ähnlich waren, um das noch als Zufall gelten zu lassen.

Sätze direkt übernehmen

Einen oder mehrere Sätze direkt zu übernehmen, ohne etwas zu ändern, da sollte uns allen klar sein, hierbei handelt es sich um Diebstahl. Wenn ich nicht die Sätze geschrieben habe, sondern jemand anderes, gehören sie nicht mir.

Dabei schreibe ich deutlich von individuell erkennbaren Sätzen. Solltest Du schreiben “Die Sonne ging auf”, dann dürfte es sich nicht um ein Plagiat handeln. Solche Sätze können sich so gut wie in jedem zweiten Buch befinden. Es handelt sich dabei nicht unbedingt um eine kreative Schöpfung und um Individualität (denk daran, ich bin keine ausgebildete Jurist:in).

Solltest Du fremde Sätze nehmen und es handelt sich dabei nur um ein oder zwei Sätze, kann es sein, dass Du Glück hast. Häufig werden wegen weniger als einer Handvoll Sätze kein Fass aufgemacht. Darauf wetten würde ich aber nicht. Auch ein kleiner Diebstahl ist und bleibt ein Diebstahl.

In der Vergangenheit war das Problem, dass Autor:innen sehr viele Sätze und Absätze abgeschrieben haben, ohne die Erlaubnis dazu zu haben. Und dementsprechend auch ohne eine entsprechende Kennzeichnung.

Ab wie viele Sätze wir von einem Plagiat sprechen, konnte ich bei meinen Recherchen nicht herausfinden. Letztendlich ist aber schon der erste Satz problematisch. Immerhin ist das schon ein Diebstahl fremden geistigen Eigentums.

Sätze umstellen

Tatsächlich haben sich auch einige Autor:innen die Mühe gemacht und die Sätze, die sie letztendlich gestohlen haben, ein wenig umgestellt. Meistens waren es jedoch nur vereinzelt Worte, die woanders standen. Oder gelegentlich wurden sie durch neue ersetzt.

Trotzdem hat man erkannt, dass es sich hierbei nicht um ein eigenes Werk handelte, sondern um ein Plagiat. Eine eigene Schöpfungshöhe war in den Fällen zu keinem Zeitpunkt erkennbar.

Also auch das ändern von anderen Sätzen, Absätzen oder was auch immer es da geben mag, ist definitiv keine sinnvolle Idee. Es kann juristische Maßnahmen nach sich ziehen.

Keine Sätze verwenden?

Wenn Du das nicht im Rahmen eines Zitates machst, empfehle ich Dir ganz klar: NEIN!!!

Selbst bei wissenschaftlichen Arbeiten oder Sachbüchern ist das hemmungslose Zitieren nicht erwünscht. Immerhin soll am Ende noch eine Eigenleistung erkennbar sein. Und das herauskopieren von den richtigen Sätzen mag zwar eine Leistung sein, welche die Person gemacht hat, aber es sind nicht die Gedanken der Person.

Selbst wenn Dir der wohl genialste Satz in der Geschichte des geschriebenen Wortes über den Weg läuft, lass es – wirklich. Sogar dann, wenn der:die Autor:in seit siebzig Jahren tot ist (dann gelten die Werke als gemeinfrei) würde ich Dir davon abraten.

Vielleicht hast Du keine juristischen Konsequenzen zu befürchten. Aber Lesende können da teilweise noch schlimmer sein, als jede Gerichtsverhandlung. Bist Du einmal bei denen in Ungnade gefallen, wird es schwer sein, da wieder ein Fuß in die Tür zu bekommen.

Abschlussgedanken

Nicht jeder abgeschriebene Satz ist automatisch ein Plagiat. Zitate sind erlaubt. Und solange sie als solche erkennbar sind, bedeuten sie auch nicht ein Problem (außer Dein Text besteht nur aus Zitaten, das könnte zu einem Problem werden).

Meine klare Empfehlung lautet: Lass es einfach. Schreib lieber Deinen Roman mit Deinen Worten und schon hast Du keine Probleme. Alles andere ist nur Stress, den Du Dir nicht einfangen musst.

Und beim Schreiben wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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