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Sensitive Reading: Ein möglicher Ablauf

Hei, hallo und herzlich willkommen,

zugegeben, bisher hatte ich noch nicht das Glück gehabt, meine Geschichten im Rahmen eines Sensitive Reading zu bearbeiten. Aber geplant ist es. Sollte man mich fragen, wie ich vorgehen würde, wäre das wie folgt.

Kurze Vorgedanken

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man einen Text lesen und bewerten kann. Gerade, weil Sensitive Reading noch so ein neues Thema ist, werden verschiedene Personen es verschieden handhaben.

Am Ende kommt es aber auch auf die Personen an, die daran beteiligt sind. Möchte die schreibende Person ausführliche Informationen haben? Oder reicht es, wenn auf Fehler hingewiesen werden? Und kann die kritisierende Person die Fehler auch mit Quellen belegen? (Zum Beispiel, wenn in der Geschichte Neurodiversität vorkommt.) Oder beschreibt die Person aus dem eigenen Erfahrungsschatz?

Dann schauen wir uns mal an, wie ich ein Sensitive Reading machen würde.

Kurze vorneweg: Wer hat eigentlich recht?

Vielleicht kennst Du den Spruch: Frage zwei Person nach einer Meinung und Du erhälst drei Antworten. Während es bei gewissen Fragen durchaus nervig sein kann, ist es beim Sensitive Reading absolut normal.

Nehmen wir das Thema ADHS. Früher gab es durchaus eine Liste, die man abarbeitete. Erfüllte man eine gewisse Anzahl von Punkten, konnte man davon ausgehen, dass die Person ADHS ist. Wenn nicht, dann muss man eben nach einer anderen Erklärung suchen, was es ist.

Zwischenzeitlich ist das Thema ADHS aber weitgefächert. Allein die Tatsache, dass es zum Beispiel Hyperaktivität und Hypoaktivität gibt, erklärt das schon. Weiter wird genauer hingeschaut, weil das Thema weitgefächert ist. Es gibt also nicht mehr DAS ADHS, sondern ein ganzes Spektrum.

Was bedeutet das? Wenn Du zwei Personen mit ADHS und Hypoaktivität fragst, wie sie das alles erleben, wirst Du zwei unterschiedliche Antworten bekommen. Die eine Person könnte es als halbwegs normal empfinden, vielleicht sogar als inspirierend. Dagegen empfindet die andere Person es hingegen als anstrengend, leidend oder störend empfinden.

Wenn Du also fragst, wie die Personen ihr ADHS erleben und Du zwei verschiedene Antworten bekommst, wer hat recht?

Wie Du es Dir denken kannst, eben beide Antworten. Denn die Realitäten der beiden Personen ist, was sie erlebt und sie geprägt hat. Das und nichts anderes. Daher würde ich selbst immer in einem Nachwort schreiben, dass ich nur eine Realität abbilde, niemals die komplette zu einem Thema.

Sensitive Reading ist KEIN Lektorat

Wenn Du jemanden bittest, Deinen Text im Rahmen eines Sensitive Reading zu bearbeiten, solltest Du Dir merken, dass das kein Lektorat ist. Daher empfehle ich auch, niemals mit solch einer Intention an eine solche Zusammenarbeit zu gehen. Das könnte die Person Dir gegenüber vielleicht sogar überfordern. Und schlimmstenfalls verschrecken. Etwas, was Du vermutlich nicht unbedingt möchtest.

Am besten ist es, dass ihr genau abklärt, was bearbeitet werden soll und was nicht. Sollte die Person Anmerkungen zum Plot haben, dann ist das eine Nettigkeit. Aber kein Muss.

Daher würde ich vorher absprechen, was Du genau möchtest. Wie weit soll ich gehen und wie genau möchtest Du es? Reicht es Dir völlig aus, wenn ich nur anmerke, wo Du etwas nicht ganz korrekt beschrieben hast? Oder soll ich im Detail noch erklären, weswegen ich deswegen Probleme habe?

Gemeinsam würden wir dann entscheiden, wie die Arbeit vonstattengeht.

Unsere gemeinsame Arbeit

Wenn ich weiß, was Du willst, würde ich entsprechend anfangen. Entweder Du hast “meine” Textstellen schon markiert. Oder ich lese den kompletten Text durch und überprüfe, wo mein Thema zu finden ist.

Dann überprüfe ich, ob die Stelle korrekt beschrieben ist.

Nehmen wir an, Du beschreibst eine hypoaktive Person, welche andauernd rastlos durch das Büro rennt, sich immer wieder prügelt und redet wie ein Wasserfall. Die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass wir es hier mit einer hyperaktiven Person zu tun haben.

Kurz zur Erklärung: Hyperaktive Personen sind eher die Zappelpersonen und Hypoaktivität zeigt sich eher in der Träumerei.

Sicherheitshalber würde ich selbst noch einmal in meiner kleinen Bibliothek schauen und überprüfen, ob meine Angaben korrekt sind. Und dann einen entsprechenden Vermerk machen. Selbst würde ich nie eine Szene umschreiben. Das ist in diesem Bereich nicht meine Arbeit. Aber ich würde durchaus Vorschläge machen, wie man die Szene besser oder korrekte schreiben würde.

Wegen den verschiedenen Formaten der Schreibdatei würde ich selbst in der Datei mit einer anderen Schriftfarbe kommentieren. Manchmal sind das kurze Sätze, manchmal kleine Geschichten. Und das Ergebnis schicke ich dann zurück.

Sollte es Rückfragen geben, stehe ich zur Verfügung. Wenn nicht, ist es auch in Ordnung.

Muss ich die Erwähnungen übernehmen?

Wie bei einem Lektorat ist das alles natürlich freiwillig. Während bei einem Lektorat viele noch die Augen schließen, solltest Du für Dich sehr gute Gründe finden, warum Du Teile aus dem Sensitive Reading auslässt.

Bitte berücksichtige, dass es hierbei nicht darum geht, ob Du einen Charakter gut beschreibst. Hier geht es teilweise darum, dass Du die Realität vieler realer Menschen beschreibst. Und die würden endlich mal richtig dargestellt werden.

Ansonsten steht es Dir natürlich frei, das zu übernehmen, was Dir beliebt und was nicht. Nur muss ich gestehen, ich hoffe, dass Du für die Kritik derer offen bist, die sich mit den Themen eben besser auskennen.

Vor oder nach dem Lektorat

Während ich klar empfehlen kann, dass ein Korrektorat immer nach dem Lektorat kommt, ist das hier noch keine sichere Sache. Daher ist das Folgende meine persönliche Meinung.

Zuerst würde ich das Sensitive Reading machen. Dann weiß ich, worauf ich achten muss, wenn ich das Lektorat darüber bügele. Es ist nicht zwangsläufig, dass die Personen im Lektorat wissen, was in der Geschichte -ismen ist und was nicht.

Um zu wissen, worauf Du achten musst und dafür zu Sorgen, dass das Lektorat nicht versehentlich noch -ismen einbaut, würde ich die folgende Reihenfolge nehmen:

  • Sensitive Reading,
  • Lektorat
  • Korrektorat

Noch basiert das nicht auf Erfahrung, sondern aus der Überlegung, dass es für mich die logischere Reihenfolge ist. Sobald ich mehr Erfahrungen habe, werde ich darüber berichten.

Hand aufs Herz: Kostet das was?

Eben, weil das Sensitive Reading noch relativ neu ist, kann ich die Frage nicht einheitlich beantworten. Es gibt Leute, die Geld verlangen. Immerhin kostet das ganze Zeit und Kraft. Sie recherchieren, lesen sich Deinen Text durch und arbeiten. Fast so intensiv wie bei einem Lektorat.

Andere hingegen sind noch zu schüchtern, um Geld zu verlangen. Es gibt andere, wirtschaftliche Gründe, warum sie sich (noch) nicht bezahlen lassen. Eventuell wäre hier zu überlegen, ob Du nicht der Person trotzdem ein Dankeschön zuschickst.

Abschlussgedanken

Auf den ersten Blick mag das Sensitive Reading leicht sein. Aber am Ende ist das eine Aufgabe für sich. Dementsprechend solltest Du das auch, meiner Meinung nach, entsprechend honorieren. Immerhin ist das noch eine nicht alltägliche Angelegenheit.

Auf alle Fälle wünsche ich Dir viel Kraft und Spaß bei Deinem Sensitive Reading Weg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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