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Warum Schreibende auch “schlechte” Bücher lesen sollten

Hei, hallo und herzlich willkommen,

es gibt sie, die Bücher und Geschichten, bei denen wir uns denken, meinen die das wirklich ernst? Und am liebsten würden wir zumindest die Bücher gerne an die Wand werfen. Warum es sich trotzdem lohnt diese Geschichten zu lesen, darüber schreibe ich im Folgenden.

Kurze Vorgedanken

Unter Lesenden entbrennt immer wieder eine Diskussion, wenn nicht sogar ein Streit, ob man “schlechte” Bücher abbrechen soll oder nicht. Die eine Seite ist der Meinung, jedes Buch ist es wert gelesen zu werden. Dagegen sagt die andere, dass die Lebenszeit ihnen viel zu schade ist, um sie mit eben jenem Schlechten Buch zu verschwenden.

Als schreibende Person bist Du jedoch in einer etwas anderen Position. Du willst vermutlich auch lernen, wie andere Schreibende ihre Geschichten verfasst haben. Was deren Stärken und was die Schwächen sind. Dabei können wir so viel für unser eigenes Schreiben mitnehmen.

Doch wie die Überschrift des Beitrages deutlich macht, wir lernen nicht nur zwangsläufig von Büchern, die als gute Literatur gilt. Sondern eben auch von Geschichten, die schwächer sind.

Was sind “schlechte” Geschichten?

Klar, es gibt Geschichten, bei denen können wir ewig streiten, ob sie gut sind oder nicht. Das ist absolut Geschmackssache. Aber es gibt sie auch, die Geschichten (seien es Bücher oder Filme und Serien), die einfach nur schlecht sind.

Da ist der Spannungsbogen gleich nun. Die Dialoge sind so hölzern, dass sogar die Holzwürmer flüchten. Die Charakterisierung ist flacher als ein Blatt Papier. Und so weiter.

Im Folgenden meine ich sowohl die Geschichten, die Du als schlecht bezeichnest. Aber auch Geschichten, die gute Chancen haben, bei SchleFaZ zerrissen zu werden. Was Du Dir davon letztendlich zu Gemüte führst, entscheidest Du selbst.

Gedanklich diese Geschichten lektorieren

Jetzt weiß ich nicht, wie es bei Dir ist. Aber wenn ich einen dieser schlechten Geschichten sehe oder lese, springt automatisch mein inneres Lektoratsbüro an und überlegt, wie eine Szene besser hätte gespielt werden können. Oder wie man etwas hätte besser schreiben können. Meine Gedanken drehen gelegentlich richtig ab und in meinem Kopf sehe ich dann die Szene, wie ich sie geschrieben hätte.

Das sind dann auch gelegentlich Dinge, die ich dann in meinen Geschichten tatsächlich besser darstelle. Wenn ich mir Gedanken gemacht habe, wie ich es in anderen Geschichten hätte besser machen können, mache ich bei meinen dann entsprechend.

Wenn Du es schaffst, schlechte Geschichten zu kritisieren, sie gedanklich zu verbessern, dann kann es passieren, dass es bei Deinen Geschichten auch klappt. Du hältst zu diesen Geschichten ja eine gewisse Distanz. Zumindest halte ich sie, weil ich da einfach nicht eintauchen kann, wenn mich jede zweite Szene regelrecht rauswirft. Dadurch siehst Du, was “falsch” gemacht wird. Und mit diesem Wissen hast Du die Möglichkeit, es richtig zu machen.

Wie schafft man es, eine gute Idee zu versauen

Wie oft saß ich da und dachte mir, das ist wohl die großartigste Idee überhaupt. Diese Idee zu der Geschichte hat das Zeug die Welt zu verändern (gut, das habe ich noch nie gedacht). Und was machen die daraus? Nichts!

Nur, weil man eine gute Idee hat, bedeutet dies nicht, dass aus dieser Idee was wird. Und das kannst Du an den schlechten Ideen feststellen. Daher kann man sagen, wenn Du Dich mit diesen schlechten Geschichten beschäftigst, dass Du lernst, wie man eine gute Idee umsetzen könnte. Zudem kannst Du die Grundlagen des Schreibens lernen. Und was man tun muss, um ein Konzept umzusetzen.

Und ganz unter uns, es ist auch die Möglichkeit, dass Du die Idee adaptieren kannst, um etwas Neues daraus zu machen. Denn Ideen sind ja urheberrechtlich nicht geschützt.

Die Grundlagen Deines Handwerkes lernen

Wer Steine bearbeiten will, muss lernen mit Hammer und Meißel umzugehen. Willst Du ein Haus bauen, musst Du wissen, was unter anderem diese Statik ist. Eine Rechnung zu schreiben, setzt gewisse mathematische Fähigkeiten voraus.

Auch für das Schreiben gibt es Regeln. Und damit meine ich nicht die Rechtschreibung. Es geht um das übliche Handwerk. Hierbei ist es wichtig, dieses zu beherrschen. Wenn Du die Regeln beherrschst, weißt Du, wie Du sie brechen kannst.

Diese Art von Geschichten ermöglichen es, Dir dann zu sehen, was passiert, wenn man sich an gewisse Regeln nicht hält. Ansonsten dürfte es sehr wahrscheinlich nicht zu der Kategorie schlechte Geschichte gehören. Die schreibende Person dahinter hat vermutlich in diesen Fällen versucht die Regeln zu brechen. Und es hat nicht funktioniert. Oder die Person kannte die Grundregeln vielleicht auch gar nicht.

Lerne Du sie, um es besser zu machen.

Verstehen lernen, Stereotypen zu hinterfragen

Stereotypische Charaktere sind Charaktere, die nach Schema F gearbeitet wurden. Im Folgenden ein paar Beispiele, damit Du weißt was ich meine (Achtung, ableistische Bezeichnungen werden dabei genannt, das ist die große Schwäche bei Stereotypen, diese verbreiten auch -ismen): Das blonde Dummchen, der Kraftprotz mit kleinem Gehirn, der Nerd, dem die Frauen eklig finden und so weiter.

Gerade in schlechten Geschichten scheinen mir gerade diese Charaktertypen extrem häufig aufzutauchen. Vielleicht, weil es schneller geht, diese Art von Geschichten zu schreiben, wenn man sich nicht mit komplexeren Charakteren beschäftigen muss.

Du kannst Dich dann mit diesen Stereotypen beschäftigen und lernen, wie man sie bricht.

Es ermutigt Dich (zumindest ist es bei mir so)

Ganz ehrlich, häufig habe ich Geschichten gelesen, die als gut bezeichnet werden, eine riesige Fangemeinde hat und die schreibende Person dahinter wird extrem gefeiert. Und ich sitze da und frage mich, warum?

Häufig sind die Geschichten nicht wirklich gut. Sie haben keine Spannung. Oder die Charaktere sind flach. Da könnte ich stundenlang aufzählen, was ich falsch an diesen Geschichten finde. Trotzdem haben sie ihre Fans.

Da frage ich mich, warum bin ich da nur so perfektionistisch und lasse los? Warum traue ich mich nicht, einfach meine Geschichte zu nehmen, es zu meinen Betas zu schicken und zu sagen, mach mal. Je mehr “schlechte” Geschichten ich aber lese, desto eher werde ich mich wohl trauen. Natürlich strebe ich immer noch eine gute Erzählung an. Aber nicht die perfekte Geschichte.

Und es macht einfach Spaß

Seien wir mal ehrlich, nach dem ganzen Lernen, kritischen Hinterfragen und überlegen, kommt etwas hervor, was viele als sadistischen Spaß bezeichnen würden. Wenn ich etwas lese, dass einfach nur schlecht ist (aber nicht unbedingt mit -ismen arbeitet), dann lehne ich mich zurück und genieße es.

Ab und an muss ich auch einfach nur entspannen und geistig ausruhen. Und da diese Geschichten regelrecht verbieten, darüber nachzudenken, tue ich es auch nicht.

Abschlussgedanken

Das sind sicherlich nicht alle Gründe, warum man schlechte Geschichten lesen sollte, wenn man selbst schreibt. Aber für mich sind das die Wichtigeren. Gerne kannst Du die Liste ergänzen, wenn Dir noch etwas einfällt.

Ansonsten wünsche ich Dir viel Spaß beim lesen, egal wofür Du Dich entscheidest.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

2 Kommentare

  1. Brigitte van Hattem

    Dankeschön für diese ermutigenden Zeilen.

    • frau-schreibseele

      Sehr gerne liebe Brigitte <3

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