Fat Shaming in der Literatur

Hei, hallo und herzlich willkommen,

hast Du Dir schon mal Gedanken darüber gemacht, wie viel Deine Charaktere auf die Waage bringen? Ganz ehrlich? Ich nicht.

Kurze Vorgedanken

Der Beitrag stammt vom 17. November 2017. Damals war das Internet, gefühlt, voll von Beiträgen zu diesem Thema. Damals entdeckte ich auch einen Beitrag einer Weltreisenden, die etwas mehr auf den Hüften hat/hatte. Und sie berichtete über die Probleme, die ihr Übergewicht mit sich bringt.

Zugegeben, während ich meine Bücher so las, hab ich mir nie wirklich darüber Gedanken gemacht, wie schwer die Heldinnen oder Helden sind. Vermutlich, weil sie auf dem Papier stehen und letztendlich ich sie mir vorstellen kann, wie ich es möchte (trotz der Beschreibungen). Aber wenn ich ernsthaft darüber nachdenke, dann kann ich nur zwei Bücher benennen, in denen eine übergewichtige Heldin beschrieben wurde.

Daher möchte ich heute darüber schreiben, welche Gründe zum Übergewicht führen können, wie sie aktuell in der Literatur dargestellt werden und wie man sie darstellen könnte.

Was bedeutet eigentlich Fat Shaming?

Fat Shaming bedeutet im Grunde genommen, dass Menschen, die nicht dem aktuellen Schlankeitstypus entsprechen erst einmal als dick oder sogar als fett gelten. Darüber hinaus werden sie dafür angeprangert, beleidigt und öffentlich sogar gedemütigt. Mobbing in Reinkultur also.

Vor Jahren habe ich einen Beitrag über die Krankenkassen und Gesundheit und Derartiges im TV gesehen. Da meinte tatsächlich ein Mann, warum es in Ordnung sei, die Raucher*innen zu diskriminieren, aber nicht die Dicken. Da ist mir, ehrlich gesagt, richtig die Hutschnur geplatzt. Die Gründe dafür werde ich Dir weiter unten erklären.

Mit anderen Worten, auf Menschen mit Übergewicht, sei dieser leicht oder schwer, kann man herabsehen. Und einige fordern halt auch die öffentliche und legale Diskriminierung.

Warum werden übergewichtige Menschen diskriminiert?

Aktuell ist das Schlanksein sehr in Mode. Schau Dir die Catwalks dieser Welt an, dann weißt Du, wovon ich spreche. Wer schlank ist, kümmert sich um den eigenen Körper, die Gesundheit und eben um sich selbst. Wer also nicht schlank ist, tut eben das Beschriebene nicht. Denn wie kann man sich um die eigene Gesundheit oder den Körper kümmern, wenn man dick ist? So zumindest die Vorstellung in vielen Köpfen.

Zudem herrscht ja auch aktuell der Drang, perfekt zu sein. Und wer nicht schlank ist, was zwischenzeitlich ein Synonym für den Perfektionismus ist, ist nicht perfekt. Sie oder er lässt sich gehen und achtet nicht auf sich. Also ist diese Person natürlich automatisch nicht perfekt.

Das dürften einige der Gründe sein, warum übergewichtigere Menschen in der Gesellschaft einen ganz anderen Stand haben, als schlanke Personen.

Wie sieht dies in den Medien aus?

Vielleicht kennst Du die Bücher und Hörspielreihe von TKKG. An dieser Stelle geht es mir nicht um die Kritik um die Serie. Dazu gibt es durchaus einige Beiträge im Internet, die das besser beschreiben. Es geht mir eher um die Rolle von Klößchen.

Auch wenn ich die Serie nicht so aufmerksam verfolgt habe, wie andere, so hatte ich schon damals einen Hals bekommen, wenn unser Dickerchen mal wieder nur Hunger hat. Und natürlich auf Schokolade. Daher kann er auch nicht mit den anderen mithalten und wird deswegen gemobbt. Da er unser Dickerchen ist, wehrt er sich auch nicht. Denn der Standard ist ja unser Tim (früher Tarzan genannt).

In vielen, sehr vielen anderen Serien habe ich auch beobachtet, dass die übergewichtigen Charaktere nur als faule, willensschwache und essende Figuren dargestellt wurden. Selten werden diese Charaktere mit normaler Intelligenz ausgestattet, geschweige denn, dass sie sogar intelligenter sind, als der Rest des Casts. Normale Intelligenz wäre sicherlich schon ein kleines Wunder (zumindest bei den Serien oder Filmen, die ich gesehen habe).

Mit anderen Worten, übergewichtige Charaktere werden zumeist sehr negativ dargestellt. Vielleicht gibt es das eine oder andere positive Beispiel da draußen. Nur erinnere ich mich gerade nicht daran, egal wie sehr ich mich bemühe. Daher kann ich wohl sagen, dass es sich hierbei dann um eine Rarität handeln dürfte. Leider.

Doch warum sind Menschen eigentlich dick?

Wenn Menschen in der Realität diskriminiert und in den Medien negativ dargestellt werden, dann sollte man doch meinen, dass sie etwas ändern? Zum Beispiel abnehmen? Dann wäre zumindest dieses Problem gelöst, oder etwa nicht?

Um es kurz zu machen, so einfach ist das nicht. Und das aus diversen Gründen.

Physische Gründe

Auch wenn manche es nicht gerne hören möchten, doch es gibt Krankheiten, welche für das Übergewicht verantwortlich sind. Eine Fehlfunktion der Schilddrüse zum Beispiel gehört dazu. Wenn ich richtig informiert bin, dann auch das Hashimotosyndrom. Und noch eine Menge anderer Krankheiten.

Zudem kann es auch sein, dass manche Menschen Medikamente einnehmen müssen und dann an Gewicht zulegen. Dazu gehören auch einige psychische Erkrankungen. Tatsächlich kenne ich einen Fall, da hat die Frau die Pille genommen und sie überhaupt nicht vertragen. Durch die Hormone hat sie stark zugenommen und bis heute hält das an.

Diese Menschen ernähren sich größtenteils gesund (Ausnahmen bestätigen immer die Regel) und können trotzdem nicht abnehmen. Weil der Körper oder die Medikamente es nicht zulassen. Sie sind also nicht faul oder dumm, sondern sie sind schlichtweg krank. Daher ist es ein Fehler ihnen irgendeine Schuld zu zusprechen.

Psychische Gründe

Neben der Magersucht und er Bulimie gibt es noch eine dritte Essstörung. Diese nennt sich Binge Eating Disorder. Hierbei handelt es sich um eine psychische Störung, welche ein unkontrolliertes Essverhalten mit sich bringt. Nach solch einer Attacke werden jedoch keine Gegenmaßnahmen ergriffen, um das Essen wieder loszuwerden. Also, wie bei der Bulimie. Daher nehmen die Leute zwangsläufig zu.

Häufig wird das Essen als ein Ersatz für Drogen und Alkohol genommen. Wenn man also Stress hat, dann könnte man sich ja zudröhnen oder volllaufen lassen. Diese Menschen handeln anders und Essen halt. Mit anderen Worten, sie sind ebenfalls psychisch krank. Nur meines Wissens nach, ist das Binge Eating Disorder in Deutschland noch nicht anerkannt.

Mit anderen Worten, auch diese Menschen können nichts für ihre Situation. Hier wäre eher Hilfe angesagt.

Aber es gibt sicherlich auch noch andere Gründe, warum Menschen aus psychischen Gründen essen. In letzter Zeit beschäftige ich mich sehr mit dem Thema AD(H)S. Und ich vermute ja, dass ich ebenfalls das bin. Dadurch bemerke ich, dass Zucker (egal in welcher Form) mich beruhigt. Mein Gehirn sagt schon fast, ja, da ist Zucker, jetzt geht es mir besser. Und rate mal, wer dieses beruhigende Gefühl immer wieder haben möchte?

Das Gebiet ist sehr weitläufig. Daher möchte ich es an dieser Stelle belassen. Wenn Du merkst, dass Du eventuell esssüchtig sein könntest, bitte hol Dir Hilfe. Du bist nicht alleine damit.

Leidenschaftlich beim Essen

Es gibt auch einige Menschen, die eben gerne essen. Das will ich nicht verschweigen. Vor einigen Jahren kannte ich jemand, die gerne gegessen hat. Eine Tüte Gummitiere waren innerhalb einer Stunde weg (sie konnte sehr langsam essen). Nach und nach hab ich herausgefunden, dass ihr Ehemann auf dicke Frauen stand. Es war ein Fetisch von ihm.

Fazit

Man kann also sagen, dass es durchaus übergewichtige Menschen gibt, die sich dafür entscheiden, dick zu sein. Weil sie gerne essen, weil sie sich gehen lassen und so weiter. Aber es gibt auch Menschen, die schlichtweg nichts dafür können. Und diese dann zu verurteilen ist schlichtweg der falsche Weg.

Positive Beispiele

Oben erwähnte ich, dass es zwei Bücher gibt, welche von übergewichtigen Heldinnen handelt. Und in denen es halbwegs positiv beschrieben wurde.

Es ist einmal das Buch „Verliebt in der Nachspielzeit“ der Autorin Poppy J. Anderson. Die Heldin ist übergewichtig und wird deswegen von überall schräg angesehen. Zwar versucht sie abzunehmen, weil der Druck doch sehr stark ist. Aber wenigstens steht der Held zu ihr. Und am Ende kommt sie mit ihrem eigenen Körper durchaus zurecht.

Aber auch „Die Frau des Kodiakbären“ von Eva Langlais ist dick. Doch im Gegensatz zu Poppys Heldin, kommt sie damit sehr gut klar. Im Gegenteil, im Buch darf sie sogar mal ordentlich in ein Sandwich beißen. Mit ihrem Körper und ihrem Leben steht sie im Einklang.

Nur schade, dass man das nicht auf dem Cover sieht.

Wie Du über übergewichtige Menschen schreiben könntest

Im Grunde genommen ist es ganz einfach. Wie würdest Du über einen schlanken Menschen schreiben? Als ganz normale Person, oder? Warum sich dann über dicke Charaktere Gedanken machen? Sie sind nicht anders, als andere Menschen auch.

Du kannst Dir natürlich Gedanken machen, warum Dein Charakter übergewichtig ist. Zugleich kannst Du Dir aber auch Gedanken machen, warum Dein schlanker Charakter eben nicht übergewichtig ist.

Eine einfache Sache. Erschaff einen interessanten Charakter und gib ihr oder ihm ein paar Kilos mehr auf den Hüften. Und damit hat es sich eigentlich schon.

Abschlussgedanken

Fat Shaming kommt nicht nur in der Presse, sondern auch in anderen Medien vor. Dabei vergessen sehr viele, dass hinter der Figur auch ein Mensch steckt. Und dieser Mensch hat Gefühle und kann verletzt werden, wenn man diesen immer wieder angreift und beleidigt.

Daher wäre es schön, wenn übergewichtige Menschen in der Literatur positiver besetzt werden würden. Natürlich dürfen sie auch auf der bösen Seite stehen. Das verbietet niemand. Nur eben nicht so klischeehaft, wie es bisher war.

An dieser Stelle noch eine kleine Bitte. Auch wenn ich es gerne sehe, dass gegen Fatshaming angegangen wird, so bringt es nichts, dünne Menschen als Hungerhacken zu bezeichnen. Auch das ist eine Form von Bodyshaming. Es wäre daher schön, wenn wir lernen würden, alle Menschen und ihre Körperformen zu respektieren.

In dem Sinne, fröhliches erschaffen (Memo an mich, übergewichtigen Charakter schreiben).

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Hits: 87

[Charaktere] Mary Sue und Gary Stu

[Charaktere] Mary Sue und Gary Stu

Hei, hallo und herzlich willkommen,

für Fanfictionautor*innen ist es die schlimmste Ehre, wenn man die Charaktere als Mary Sue oder als Gary Stu bezeichnet. Dabei handelt es sich um Charaktertypen, hinter denen sich die Autorin bzw. der Autor versteckt und ihre geheimsten Wünsche über sie ausleben lassen kann.

Doch schon lange ist dieser Charaktertyp nicht nur auf den Fanfictionbereich reduziert. Denn auch in veröffentlichten Romanen findet man sie zwischenzeitlich sehr häufig. Daher schauen wir uns diesen Charaktertyp doch mal genauer an.

Kurze Vorgedanken

Zuerst tauchte Mary Sue auf. Und zuerst war sie ein Charakter wie jeder andere. Doch zwischenzeitlich hat sich diese Bezeichnung als ein Synonym für Figuren entwickelt, die eher eindimensional sind und überquellen von Klischees.

Daher fürchten einige AutorInnen durchaus das Urteil, ihr Charakter erinnere doch sehr an Mary Sue. Oder dieser sei eben eine Mary Sue. Im Laufe der Jahre hat sich noch ihr Zwillingsbruder Gary Stu hinzugesellt. Bei ihm gelten fast die gleichen Regeln wie bei Mary Sue.

Doch während FanfictionautorInnen durchaus wissen, wer Mary Sue ist, scheinen das RomanautorInnen nicht immer zu wissen. Deren LeserInnen übrigens auch nicht immer. Ansonsten gäbe es nicht auf Goodreads eine Liste mit Büchern, welche von Mary Sue Charakteren nur so wimmelt. Für mich überraschend ist durchaus, dass dabei Namen wie Laurell K. Hamilton oder auch (ja, Du liest richtig) Stephen King dabei sind. Aber auch Bücher, die verfilmt wurden. Man kann durchaus sagen, sogar die Großen der Literaturbranche laden sich diesen Charaktertyp in ihre Geschichten ein.

Vor einigen Monaten las ich eine englischsprachige Rezension zu einem Mary Sue Buch durch das ich mich immer noch kämpfe. Die Rezensentin merkte zurecht an, dass dieses Buch neben endlosen Fehlern auch eben eine Mary Sue als Hauptcharakter habe. Eine Userin schrieb darauf, dass eben dieser Charakter doch so wundervoll sei, und zählte dann gerade ihre Mary Sue Qualitäten auf. Nun, auch LeserInnen wissen nicht immer, wer sie eigentlich ist.

Daher möchte ich Dir heute einen sehr umfangreichen Beitrag dazu bieten, wer diese Zwillinge überhaupt sind, wie man sie verhindern kann, oder retten, sofern Du einen erschaffen hast und auch einige Beispiele nennen.

Wer ist eigentlich Mary Sue?

Mary Sue war eine Halbvulkanierin, die auf dem Schiff der U.S.S. Enterprise unter Captain Kirk diente. Sie war sowohl ihm als auch Mr. Spock und auch Dr. McCoy in jeder erdenklichen Lage überlegen, wunderschön, tapfer und alle drehten sich nach ihr um. Während eines Einsatzes war sie es dann, die am Ende der Crew und das Schiff rettete. Dabei opferte sie ihr eigenes Leben.

Wenn Du jetzt das Bedürfnis hast, schreiend wegzurennen, dann hast Du das grundlegende Problem von Mary Sue Charakteren erfasst. Denn ihre Charakter ist nicht dafür geschaffen, sie auf Dauer sympathisch zu finden, auch wenn man eigentlich versucht, das mit ihr zu erreichen.

Die perfekte Mary Sue

Mary Sue ist in allen Bereichen perfekt. Sie ist wunderschön, hat die richtigen Kurven an den richtigen Stellen, schöne lange Haare, tolle Augen und einen süßen Schmollmund sowie eine Stupsnase. Zudem ist sie intelligent und brillant zugleich. Aller Wahrscheinlichkeit hat sie sogar einen Doktortitel, und zwar als jüngste Frau in ihrem Fachgebiet, wo sie natürlich zur Weltspitze gehört. Alternativ kann sie auch der jüngste Detective sein, die jemals den Polizeidienst angetreten hat und so weiter.

Zugleich ist sie unglaublich zäh. Wenn sich ihr etwas in die Quere stellt, kann es ihr zwar den Teppich unter den Füßen wegziehen. Doch sie ist es dann, die sich alleine aufrappelt und die ganze Angelegenheit klärt. Und nebenbei reißt sie mit ihrer Leidenschaft noch ihre Umgebung mit, die ansonsten aufgegeben hätten. Gerade in brenzligen Situationen ist sie es dann, die alle Menschen rettet, die ihr wichtig sind.

Alle Menschen, die sich in der Geschichte als positiv herausstellen, lieben Mary Sue. Das gilt sowohl für die Männer als auch die Frauen. Natürlich finden sie Mary Sue auch sexuell attraktiv. Und je nach Geschichte kann sie sich aussuchen, mit wem sie ins Bett geht.

Jedoch wollen sie auch alle retten, wenn sie sich zurückzieht und es ihr schlecht geht. Und ist Mary Sue in Gefahr, dann werden ganze Planeten riskiert, damit sie überleben kann. Denn alle lieben sie und alle stehen fest hinter ihr.

Leider keine Parodie

Wenn Du das Gefühl hast, dass diese Aufzählung eine Parodie sei, dann muss ich Dich leider enttäuschen. Denn es gibt in der Tat Figuren, die nach diesem Muster gestrickt sind. Das Buch, durch das ich mich immer noch kämpfe ist „Kushiel – Das Zeichen“ von Jacqueline Carey. Und Phédre, die Heldin der Geschichte, ist eine Mary Sue. Ich will nicht zu viel verraten, für den Fall, dass Du Dir das Buch bzw. die Reihe selbst durchlesen möchtest. Auf alle Fälle scheint sie irgendwie alles zu können, auch wenn die Autorin das manchmal relativiert. Also ihr in den Mund legt, dass sie in gewissen Dingen doch nicht so bewandert sei. Und zugleich ist sie die Einzige, die selbst in schweren Zeiten einen Überlebenswillen hat, während ihre Umgebung, wohlgemerkt, darunter befindet sich auch ein Krieger, dass schon lange aufgegeben haben.

Trotzdem wurde dieses Buch in Amerika, so wie ich gelesen habe, zum Bestseller. Und in Deutschland haben auch sehr viele Leute die drei übersetzten Bücher gelesen (von insgesamt sechs). Aber auch in anderen Büchern findest Du Mary Sue Charaktere wie „Twilight“, „Harry Potter“ und auch „James Bond“.

Kritik zu Mary Sue

Mary Sue ist der Albtraum einer jeden kritischen Leserin und eines jeden kritischen Lesers. Sie möchten nicht mit einem zu perfekten Charakter belästigt werden, wo man alle paar Seiten (oder alle paar Filminuten) die Augen verdreht und sich fragt, was das bitte sein soll. Natürlich ist die Heldin im Mittelpunkt des Geschehens, das ist ein Fakt. Ansonsten wäre sie keine Heldin. Jedoch ist es immer eine gute Idee ihr Schwächen zu geben, die sie menschlich erscheinen lässt. Mary Sue ist davon jedoch Lichtjahre entfernt (um mal auf ihren Ursprung zurückzukommen).

Weitere Bezeichnungen für Mary Sue

  • Einstein Sue – wenn sie besonders intelligent ist (im Bereich Genie)
  • Jerk Sue – bezeichnet ein Charakter, die sehr schnell ausflippt
  • Sympathetic Sue – sie will unbedingt Deine Sympathie als Figur

Ihr Bruder Gary Stu

Kurz vorab, Gary Stu hat nicht auf der U.S.S. Enterprise als Bruder von Mary Sue gedient. Ich habe mir nur angewöhnt, die beiden als Geschwister zu bezeichnen. Denn sie haben die gleiche, unheilige Aufgabe (uns Leserinnen und Leser auf die Nerven zu gehen) und ähnelt ihr sehr.

Doch er ist ein Kind der späteren Generation. Man könnte ihn also als kleinen Bruder von Mary Sue bezeichnen, auch wenn es ihn schon länger gibt. Wie eben James Bond, den es durchaus schon einige Jahrzehnte gibt.

Wer oder was ist genau Gary Stu

Kurz gesagt, Gary Stu ist der männliche Gegenpart von Mary Sue. Er ist gut aussehend, hat perfekte Manieren, ist ein ausgezeichneter Kämpfer und alle Frauen und auch die Männer, fliegen auf ihn. Er kann jedes Gefährt steuern, kennt sich mit Waffen aus und ist in mindestens drei verschiedenen Kampfkünsten unterwiesen.

enn er auf dem Plan tritt, dann drehen sich alle nach ihm um und wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Er erregt alle Aufmerksamkeit. Denn er ist jung, intelligent und hat einiges auf dem Kasten. Und wenn er Feinde hat, dann aber so richtig. Man will ihn nicht nur töten, man will ihn regelrecht vernichten. Seine Erinnerung aus den Analen der Geschichte löschen, auch wenn er dort noch nicht einmal angekommen ist. Aber das ist egal.

Ein Beispiel

Das wohl bekannteste Beispiel ist immer noch Wesley Crusher von der U.S.S. Enterprise unter dem Kommando von Captain Jean Luc Picard. Es ist nicht nur so, dass er das Schiff rettet, wenn alle anderen versagen (Deus ex Machina lässt hier eindeutig grüßen), sondern darf auch das Schiff fliegen, obwohl er die Akademie noch gar nicht abgeschlossen hatte. Kein Wunder, dass alle diesen Charakter nicht mögen. Noch nicht einmal der Schauspieler selbst kann mit ihm etwas anfangen.

Gary Stu ist …

Entweder ist Gary Stu ein durchtrainierter Athlet oder so schwach gebaut, dass er zierlich und beinahe feminin wirkt. Vermutlich soll er damit einer Frau sehr ähneln. Auf alle Fälle zeigen sich hier die vielen Idealbilder der Frau gegenüber einem Mann. Also Waschbrettbauch anstelle eines Bierbauches. Oder lange Haare, damit diese schön das Gesicht verdecken können. All diese Dinge halt.

Natürlich drehen sich auch bei Gary Stu alle anderen Figuren nach ihm um. Und sehr häufig darf er schwul sein. Entweder ist er es, der erkennt, dass der andere Held schwul ist oder er muss davon überzeugt werden. Und Gary Stu schafft es auch, dass sich zwei Helden in ihn verlieben. Und wenn es eine sogenannte polyamore Geschichte handelt (wo drei Personen eine gemeinsame Beziehung führen), dann bleiben alle am Ende miteinander zusammen, weil sie sich verstehen.

Weitere Bezeichnungen von Gary Stu

  • Larry Stu
  • Marty Stu
  • Mary Joe
  • Marty Sam

Zwischengedanken

Diese Informationen sollten Dir helfen zu sehen, wer oder was genau eine Mary Sue bzw. ein Gary Stu ist. Doch wie identifiziert man sie jetzt eigentlich?

Mary Sue

Fangen wir mit der Schwester an. Immerhin ist sie auch um einiges älter als Gary Stu und zwischenzeitlich gibt es genaue Identifizierungsmerkmale, wie man sie erkennen kann.

Physische Erscheinung

Sehr häufig haben wir es mit einer absoluten Schönheit zu tun, die auch einen, sagen wir mal, exotischen Touch hat. Entweder hat sie eine ungewöhnliche Haarfarbe oder Augenfarbe, die sie dann als besonders, einmalig, einzigartig kennzeichnet.

Dazu gehören zum Beispiel goldene, rote oder violette Augen, brünette Frauen mit heller Haut, wunderschöne Mädchen aus der ärmeren Schicht (also Bauernmädchen, Bettlerinnen und so weiter) und Mädchen bzw. Frauen, deren Äußeres besonders detailliert beschrieben wird.

Überlassen die Autorinnen und Autoren die Selbstbeschreibung dem Charakter, dann kommt so etwas heraus wie, dass zu dünn seien, dass die Augen oder der Mund zu groß sei. Also körperliche Makel, die keine sind. Damit wird wohl der Versuch gestartet, sie doch irgendwie menschlich und liebenswürdig zu gestalten. Immerhin haben sie ja auch Probleme mit ihrem Äußeren.

Ihre Talente und/oder Fähigkeiten

Hier kann in zwei extreme Richtungen gehen.

Die erste Richtung ist, dass sie ein weit gefächertes Repertoire an Fähigkeiten und Talenten hat. Mehr, als die Realität erlaubt. Das kann also sein, dass sie besonders athletisch ist, dass sie ein hohes Maß an akademisches Wissen hat, natürlich auf verschiedensten Ebenen, sie ist künstlerisch begabt und was es noch geben kann, damit die Geschichte eine Mary Sue hervorbringt.

Häufig ist sie ihren Altersgenossinnen und Altersgenossen weitaus überlegen. Und meistens gibt es dafür noch nicht einmal einen guten Grund. Es ist halt so. Zu allem Überfluss kann es noch dazu kommen, dass sie göttliche Macht haben kann. Besonders in Geschichten, wo es um Magie geht oder wenn Menschen von Geburt auf an übernatürliche Fähigkeiten haben. Sie ist natürlich die Königin dieser Gruppe.

Das andere Extrem ist, sie ist absolut nutzlos. Sie kann nichts, rein gar nichts. Also keine besonderen Talente oder Fähigkeiten. Man könnte sich schon fragen, wie sie es überhaupt schafft, in der Geschichte zu überleben. Aber da gibt es natürlich den Helden. Er findet sie so wundervoll, attraktiv und noch so einiges mehr, dass er es sich zur Aufgabe gemacht hat, sie zu retten. Und wenn er dafür sein eigenes Leben dafür opfern muss. Nun, Problem gelöst würde ich sagen. Zumindest für Mary Sue.

Ihr Hintergrund

Ihre Hintergrundgeschichte kann übertrieben dramatisch oder tragisch sein. Damit soll eigentlich garantiert werden, dass wir beim Lesen sagen, oh, dieses arme, arme Mädchen. Das kann sein, dass sie aus einer extrem glücklichen Familie kommt, wo sie geliebt wurde, wo alles in Ordnung war, wo alles einfach nur erdrückend war. Zumindest für uns. Denn es gab kein Grund mal die Eltern anzuschnauzen, weil sie einfach perfekt waren und der Tochter alles erlaubt haben und auch kein Grund, um einfach mal auf dem Tisch zu hauen. Gerade in dem Alter wo Kinder nun einmal auf den Tisch hauen und zeigen wollen, dass sie erwachsen sind (oder es zumindest glauben).

Die Alternative ist hier (ja, auch hier gibt es zwei Extremen), dass sie aus einer Familie kommt, wo sie und ihre Besonderheit unterdrückt wurden. Niemand verstand sie, niemand liebte sie und es kann sogar zu Misshandlungen gekommen sein, aus denen sie als Siegerin hervorging. Immerhin hat sie ihre Kindheit überlebt. Aber das ist natürlich dann auch ein Grund, warum es ihr schwer fällt, anderen zu vertrauen und die dann darum kämpfen müssen, dass sie dann zum erlesenen Zirkel der Heldinnen und Helden gehören. Oder anders ausgedrückt, dass die anderen zu ihrem erlesenen Zirkel gehören.

Zu der zweiten Hintergrundgeschichte ist der berühmteste Vertreter der Gary Stu Fraktion immer noch Harry Potter.

Sehr häufig kommt es auch vor, dass Mary Sue nicht in ihrer Ursprungsfamilie aufwächst. Das bedeutet, dass diese sie entweder weggegeben, verkauft oder einfach vor der Tür irgendeiner seltsamen Familie ausgesetzt wurde. Doch eigentlich entstammt sie einer königlichen Familie oder ist die Tochter einer supermächtigen Hexe oder eines supergeheimen Zauberers. Also von jemanden die oder der was in der Geschichte zu sagen hat. Sie kann natürlich auch ein Halbling sein. Also, sie ist nur zur Hälfte ein Mensch. Die andere Hälfte kann eben die Hexe sein, eine Elbin, eine Vampirin, such es Dir einfach aus.

Ihre Aufgabe, ihr Zweck, ihr Schicksal

Ich denke nicht, dass ich noch erwähnen muss, dass sie „Die Auserwählte” ist. Die Person, die den Tag rettet, dass Volk vor der Sklaverei und was auch immer in der Geschichte gerettet werden muss. Sie schafft das schon. Dabei hat sie noch nicht einmal irgendeine Autorität, um irgendetwas zu erreichen oder jemanden zu befehligen. Aber sie rettet alle. Und auch dann, wenn sie eigentlich gar keine besonderen Fähigkeiten hat, um das zu schaffen (siehe weiter oben).

Ihre Persönlichkeit

Ihre Charakterschwäche soll darüber hinwegtäuschen, dass sie gar keinen Charakter hat. Zumindest keinen Realistischen. Das bedeutet, dass sie halt schnell ärgerlich wird, stur ist oder feindselig reagieren kann. Aber sie kann auch tollpatschig sein. Doch all diese Charakterschwächen haben über lange Hinsicht keine Auswirkung auf sie, auf die Umgebung oder auf die Geschichte. Denn letztendlich, sie ist perfekt und hat daher keine Charakterschwächen. Oder man kann ihr diese vergeben.

Ergo, egal wie mies sie sich auch benehmen mag, man ist ihr vielleicht ein paar Tage böse und man bestraft sie auch, aber über längere Zeit vergibt man ihr, dass sie sich mies benommen haben mag. Man verträgt sich, man versteht ihre Handlungen oder warum sie so reagiert hat, wie sie reagierte.

Ihre (romantischen) Beziehungen

Die Beziehungen zu anderen kann man sich nicht immer erklären. Denn diese gehen von ganz unten bis ganz oben. Aus allen Gesellschaftsschichten hat sie Freundschaften, die ihr gerne alles beibringen, was diese können und gerne mit ihr Zeit verbringen.

Das bedeutet natürlich auch, dass selbst mächtige Menschen wie Könige oder Königinnen, Hexen oder Zauberer, Präsidentinnen oder Minister ihr die Gunst schenken. Und wenn sie deren Hilfe braucht, bekommt sie diese sofort und ohne zu zögern und natürlich auch zeitnah. Wo kämen wir ansonsten hin.

Und egal wie sehr sie sich spinnefeind mit jemandem war, bzw. die Person sie nicht leiden konnte oder diese einander egal waren, am Ende empfinden sie etwas füreinander. Es gibt eigentlich keinen guten Grund, warum beide sich ineinander verlieben. Sie tun es aber trotzdem und am Ende wird aus den unwahrscheinlichsten zwei Figuren des Romans ein romantisches Traumpaar.

Gary Stu

Im Grunde genommen unterscheidet sich Gary Stu nicht von Mary Sue. Wenn Du Dir die oben aufgeführten Beschreibungen durchliest und sie auf einen Mann ummünzt, dann hast Du die Beschreibung für ihren Bruder.

Es gibt jedoch eine Besonderheit, die nur ein Gary haben kann. Eben, weil er ein Mann ist. Und zwar die Anzahl seiner Bauchmuskeln. Denn es gibt eine Form von Gary Stu, der ist genau richtig muskulös. Also Bauchmuskeln, Armmuskeln und natürlich der Knackarsch darf hier auch nicht fehlen.

Seinem Pendant fehlen genau diese sexy Muskeln. Er wirkt daher ein wenig androgyn. Manchmal hat er auch lange Haare, natürlich schwarz und sein Pony fällt ihm ins Gesicht. Er wirkt daher auch hilflos und man möchte ihn halt beschützen.

Aber ansonsten kannst Du die Liste oben auch für Gary Stu verwenden und fährst damit durchaus gut.

Zwischengedanken

Mit dieser Liste kannst Du Dich eigentlich schon auf die Suche machen, um Mary Sues in Geschichten zu identifizieren. Doch ich möchte Dir gerne ein, zwei Beispiele vorstellen, um Dir die Liste noch einmal deutlich vorzustellen.

Mary Sue Charaktere

Usagi „Bunny“ Tsukino aus Sailor Moon

In Deutschland ist sie unter den Namen Bunny Tsukino bekannt, ihr japanischer Name ist jedoch Usagi. Sie ist die Heldin der Serie Sailor Moon und kämpft unter diesen Namen gegen allerlei böse Kreaturen, welche die Welt und das ganze Universum erobern oder vernichten wollen (je nach Staffel). Ihr zur Seite stehen weitere Kriegerinnen (auch Senshis genannt), welche die erdnahen Planeten repräsentieren. Also um genau zu sein Merkur, Mars, Jupiter und Venus. Ihre Aufgabe ist es Prinzessin Serenity (die wahre Identität von Usagi) zu beschützen. Die Kriegerinnen der Planeten Saturn, Neptun, Uranus und Pluto hingegen sollen das ganze Sonnensystem beschützen.

Und sagen wir mal so, während der Animeserie (den Manga habe ich zwar hier zu Hause, hab ihn aber noch nicht komplett gelesen), macht sie eine Menge Verwandlungen durch.

Physische Erscheinung

Sailor Moon hat zwei Besonderheiten. Einmal ihre blonden Haare (aus japanischer Sicht natürlich gesehen) und dann ihre Frisur (die beiden Kugeln an ihrem Kopf). Niemand sonst in ihrer Umgebung trägt die Haare auf diese ungewöhnliche Art und Weise.

Weiterhin ist sie durchaus als extrem schlank zu bezeichnen (auch wenn sie selbst der Meinung ist, zu dick zu sein und daher eine Diät braucht, ein Typisches Mary Sue Phänomen).

Ihre Talente und/oder Fähigkeiten

Usagi gehört zu der Sorte „nutzloser Mary Sue“. Denn sie hat eigentlich keine wirklichen Talente. Weder ist sie in der Schule gut, noch kann sie sich wirklich als Hausfrau behaupten (sei es das Kochen oder Handarbeiten oder was auch immer), auch wenn sie es mehrere Male versucht.

Jedoch beherrscht sie zwei Dinge doch sehr gut. Und zwar einmal das Werfen des Frisbees (das liegt daran, dass ihr Diadem dann zu einer Waffe werden kann) und dann ihr ungewöhnliches Talent mit der ganzen Welt Freundschaft zu schließen.

Selbst als Sailor Moon ist sie eigentlich eher nutzlos. Denn die anderen Senshis kümmern sich darum, dass die Dämoninnen und Dämonen geschwächt werden und sie sahnt dann den Sieg ab. Sie ist es nämlich, die verschiedenste Variationen von Mondstäben hat (die meiner Meinung nach immer üppiger und immer alberner Aussehen) und allein in der Lage ist, die Gegnerinnen und Gegner zu vernichten oder gegebenenfalls zu heilen.

ber sie kann keine Feuerbälle (Mars), Wasserstrahl (Merkur), Blitzschläge (Jupiter) oder eine Feuerherzenkette (ja, Du hast richtig gelesen, dass ist Venus) durch die Gegend schleudern. Trotzdem gilt sie als mächtigste der Sailor Kriegerinnen.

Ihr Hintergrund

Usagi ist die wiedergeborene Prinzessin Serenity. Sie war die Tochter der Königin des Mondreiches, welches von Königin Perilia vernichtet wurde. Durch die Macht der Mondkönigin wurden sie und ihre Kriegerinnen gerettet und auf die Erde gebracht, damit sie dort als normale Mädchen wiedergeboren werden können.

Und auf der Erde ist sie die Tochter ihrer menschlichen Eltern und die ältere Schwester eines nervigen Bruders. Also wenn man es so will, sie lebt unter ihrem Stand.

Ihre Aufgabe, ihr Zweck, ihr Schicksal

Ihre Aufgabe ist keine geringere, als regelmäßig die Welt zu retten. Dabei muss sie auch regelmäßig ihr Leben riskieren und opfern. Denn sie ist die Einzige, welche den Mondkristall verwenden kann. Der ist aber so mächtig, dass sie diesen nur unter Einsatz ihres Lebens verwenden darf. Wobei das mit dem Einsatz des Lebens keine dauerhafte Angelegenheit ist.

Ansonsten ist sie die Anführerin der Inner Senshis (also der Sailor Kriegerinnen, die ich oben aufgeführt habe). Warum auch immer, denn als Anführerin eignet sie sich nicht unbedingt (im Manga und in der Realserie ist das Venus übrigens).

Ihre Persönlichkeit

Die Anime-Usagi geht mir persönlich teilweise sehr auf die Nerven. Denn sie heult permanent. Immerhin ist sie so einsichtig, dass sie selbst erkennt, dass sie eine Heulsuse (OT) ist.

Ansonsten wird sie immer wieder von anderen gelobt, dass sie eigentlich ein herzensguter Mensch ist (von den Guten) und zugleich hasst das Böse sie abgrundtief. Nicht einmal die anderen, aktiveren Senshis ziehen so viel Hass auf sich, wie sie es tut.

Ihre (romantischen) Beziehungen

Mary Sues liebt man oder hasst man. Das trifft bei Usagi ebenfalls zu. Ehrlich gesagt, ich frage mich, warum Mamoru Chiba (Tuxedo Mask, der schon ihr Geliebter im vorherigen Leben war), sich überhaupt mit ihr abgibt. Und das fragt er sich manchmal auch. Immerhin ist der Altersunterschied ziemlich groß (er ist Student, sie geht noch in die Mittelstufe) und auch sonst haben sie eigentlich wenig gemeinsam. Außer ihrer Vergangenheit.

Und auch sonst schafft sie sogar die bösesten der Bösen auf die gute Seite der Macht … äh, falscher Film … auf die gute Seite zu ziehen. Und das allein aufgrund der erwähnten Herzensgüte.

Tauriel aus Der Hobbit (Film)

Tauriel ist ein erfundener Charakter von Peter Jackson für den Dreiteiler „Der Hobbit“. Da die Buchvorlage keine weibliche Figur vorgesehen hat, erfand er sie wohl, um auch Zuschauerinnen ins Kino zu locken. Leider zeigte sich schnell, dass die arme Tauriel, obwohl sie eigentlich das Talent hatte, ein guter Charakter zu werden, einfach eine klassische Mary Sue Figur ist.

Physische Erscheinung

Tauriel selbst sieht aus, wie alle anderen Elbinnen und Elben. Ihre Besonderheit ist, dass sie rostbraunes Haar hat. Ich selbst bezeichne sie als rothaarig. Alle anderen Elbinnen und Elben um sie herum haben jedoch entweder blondes bis weißes Haar oder schwarzes Haar. Damit sticht sie eindeutig sehr stark hervor.

Ihre Talente und/oder Fähigkeiten

Sie ist eine sehr talentierte Bogenschützin, kämpft gegen übermächtige Gegner und ist als Einzige in der Lage Kili von seiner tödlichen Verwundung zu heilen. Und mir fallen gerade keine Beispiele ein, was sie eigentlich nicht kann.

Ihr Hintergrund

Sie ist die Anführerin der Grenz- und Palastwache. Hat also einen sehr hohen Posten im Reiche Thranduil (der Vater von Legolas) inne. Und ich kann mir gut vorstellen, dass dieser sie auch dazu ernannt hat (viel über ihre Biografie konnte ich nicht finden).

Und im Film kann man deutlich sehen, dass Prinz Legolas das eine oder andere Auge auf sie geworfen hat.

Ihre Aufgabe, ihr Zweck, ihr Schicksal

Eigentlich soll Tauriel die Grenzen des Düsterwaldes (das Königreich Thranduils) beschützen. Das bedeutet unter anderem auch der ewige Kampf gegen irgendwelche Riesenspinnen. Und natürlich ist sie in der Lage, diese Aufgabe hervorragend zu erledigen.

Aber ansonsten scheint sie immer dann aufzutauchen, wenn man ihre besonderen Fähigkeiten benötigt (Legolas wird von einem Ork angegriffen, sie besiegt ihn, Kili stirbt fast, sie kann ihn heilen).

Ihre Persönlichkeit

Einerseits ist Tauriel eine tapfere Kriegerin und zum anderen wirkt sie auf mich ein wenig naiv. Leider kann ich das nicht genauer erklären. Aber das zeigt, dass sie zwischen Genie und nutzlos gefangen ist.

Doch wenn sie eine Niederlage erleidet, dann leidet sie so richtig. Und zwar so sehr, dass sie am liebsten nie mehr etwas fühlen würde.

Ihre (romantischen) Beziehungen

Natürlich hat der Sohn des Königs, Prinz Legolas, ein Auge auf sie geworfen. Und sie liebt ihn ebenfalls. Das Thranduil, dass Ganze nicht gut findet, macht er ihr auch deutlich. Das ist der eine Beziehungsstrang. Doch es scheint, dass sie den hübschen Prinzen gleich vergisst, als sie den hübschen Zwerg Kili entdeckt. Da kann man ihr durchaus vorwerfen, dass sie Legolas nicht wirklich geliebt hat. Immerhin hat er sein Reich für sie riskiert (indem er es, entgegen dem Befehl seines Vaters, verlassen hat) um sie zu beschützen.

Und als Thranduil ihr wahres Leid und ihre wahren Gefühle erkennt, erweicht sie damit sein Herz.

Abschlussgedanken zu den Mary Sues

Wie Du siehst, können Mary Sues nicht nur Einzug in Filme, Serien oder Bücher haben (wie Tauriel), sie schaffen es sogar, Kultstatus zu erlangen (wie Usagi als Sailor Moon). Das bedeutet aber nicht, dass Du dem nachmachen musst. Denn diese Figuren hatten letztendlich auch Glück (Sailor Moon war der erste Manga und Anime, der in Deutschland groß rausgebracht wurde) oder waren schmückendes Beiwerk (Tauriel war nicht die Hauptfigur).

Doch wie sieht es mit Gary Stu aus?

Gary Stu Charaktere

Bond, James Bond aus Diversen Filmen und Bücher (Ian Fleming)

Vermutlich muss ich zu unserem berühmtesten Geheimagenten Ihrer Majestät nichts mehr sagen. In den letzten über fünfzig Jahren haben verschiedene britische und irische Schauspieler diesem Agenten verkörpert. Dabei geht man von genial bis hin zu man-ist-das-albern.

Physische Erscheinung

Natürlich ist James Bond ein attraktiver Mann. Und auch wenn er in die Jahre gekommen ist (gerade bei den ersten Darstellern), ist er immer noch attraktiv genug, damit die Frauen (und gerade die Bondgirls) ihm reihenweise um den Hals fallen.

Besonderheiten, wie seltsame Augen oder besondere Haarfarbe fehlt hier (außer vielleicht beim ersten blonden Bond). Aber das macht er mit seiner Sexyness definitiv wett.

Seine Talente und/oder Fähigkeiten

Bond hat die Lizenz zu töten. Muss man dazu noch mehr sagen? Er ist ein guter Kämpfer, kann mit den verschiedensten Waffentypen umgehen, auch mit den verschiedensten Fortbewegungsmitteln. Und was noch ganz wichtig ist, während die Ladys bei einer leichten Ohrfeige schon für mindestens drei Wochen ins Koma fallen, Bond kann man durch einen ganzen Zug prügeln und er ist nur ordentlich außer Atem, mehr nicht (siehe Spectre).

Und, ganz wichtig, er kriegt die Bondgirls ins Bett. Sein wichtigstes Talent (tut mir leid, aber darauf werde ich jetzt ein wenig herumreiten).

Sein Hintergrund

Das ist von Bond zu Bond verschieden. Denn früher haben die Agenten lediglich den Namen angenommen. Daniel Craig verkörpert den ersten Bond, der diesen Namen sogar in seiner Geburtsurkunde hat. Und dieser Bond ist natürlich der beste Agent aufgrund der Tatsache, dass er ein Waise ist. Soweit ich in Skyfall gesehen habe, hatte er auch keine allzu glückliche Kindheit.

Na, kommt uns das nicht bekannt vor?

Seine Aufgabe, sein Zweck, sein Schicksal

Natürlich soll er die Welt vor dem Bösen retten, egal, in welcher Form dieses gerade in Erscheinung tritt. Dabei ist es dem britischen Geheimdienst auch egal, ob Bond dabei ums Leben kommt. Hauptsache er erfüllt seinen Auftrag. Immerhin hat er einen entsprechenden Vertrag unterschrieben und wurde dafür ausgebildet.

In den früheren Filmen hat das Bond auch immer hingenommen und keine Zweifel an seinen Auftrag gehabt. Daniel Craig brachte durchaus das menschliche in Bond hervor, was ihn für mich als durchaus Interessante Alternative aufweist.

Seine Persönlichkeit

Cool, smart und ein Wodka Martini, nicht geschüttelt, sondern gerührt in der Hand. Das war Bond bisher immer. Man merkte ihn nie an, ob ihm ein Auftrag zu schwer erschien, ob er Selbstzweifel hatte oder er an die Grenze seiner Belastbarkeit gebracht wurde. Das ist wenigstens mit Daniel Craig anders.

Aber auch wenn er Zweifel oder Angst hat, so ist er doch immer in der Lage Unmenschliches zu erreichen, damit er seinen Auftrag erfüllen kann. Das glaubst Du nicht, dann schau Dir Spectre an, als er in den Händen seines Erzfeindes ist.

Seine (romantischen) Beziehungen

Zu den Bondgirls muss ich natürlich nichts sagen. Selbst wenn sie sich weigert, mit ihm ins Bett zu gehen, die starke Frau im Film ist, ihm das Leben rettet, selbst eine Agentin ist und die Welt retten kann, sie landet am Ende mit Bond im Bett. Natürlich gehört das zu den Filmen dazu, aber es ist halt zugleich auch ein absolutes Klischee. Egal wie alt Bond ist, er wird jedes Bondgirl um den Finger wickeln können. Und er ist natürlich auch eine Granate im Bett.

Und die Gegner hassen Bond so richtig. Sie haben schon die wildesten Pläne geschmiedet, um Bond nicht nur zu töten. Sie wollen ihn aus der Geschichte tilgen, ihn vernichten. Anstatt eine Waffe zu nehmen, um ihm eine Kugel durch den Kopf zu jagen, spielen sie mit ihm Katz und Maus, sodass er jederzeit die Möglichkeit hat zu entkommen.

Bruce Wayne alias Batman aus Diversen Batman Serien, Filmen, Comicbüchern

Egal ob wir hier Bruce Wayne oder auch Clark Kent nehmen, beide sind typische Gary Stus. Da aber Clark ein Alien ist und Bruce nicht, habe ich mich hier für ihn entschieden. Denn der Rächer der Nacht ist, wenn man genauer hinsieht, ein Gary Stu. Seltsam, dass es mir nicht vorher aufgefallen ist.

Physische Erscheinung

Er ist muskulös, ist sportlich und ein gut aussehender Milliardär (auch ein Bankkonto kann über die Attraktivität entscheiden). Da er nicht nur ein Milliardär ist, sondern auch eine Person des öffentlichen Lebens, hat er natürlich eine gute Auswahl an Anzügen, die ihn ins beste Licht rücken sollen.

Seine Talente und/oder Fähigkeiten

Puh, wo soll ich hier anfangen? Vielleicht kennst Du das Bild auf Facebook, wo Tony Stark (IronMan) sagt, dass er ein Milliardär, Philanthrop und Playboy sei. Und ein Bild drunter ist dann Bruce Wayne zu sehen, wo er auflistet, wie viele Sprachen er kann, welche Kampfsportarten er beherrscht und vieles mehr.

Und dann schauen wir uns seinen Gürtel an, wo er für jede Situation natürlich die richtige Waffe besitzt (ach ja, er verwendet natürlich keine Schusswaffen). Und wenn er sich für den Endkampf vorbereitet, dann weiß er auch genau, was er mitnehmen muss, um zu überleben.

Kurz geschrieben, er kann alles, schafft alles und rettet den Tag. Nun gut, die Nacht.

Sein Hintergrund

Als er noch ein Junge war, wurden seine Eltern in einer Gasse ermordet. Soweit ich mich erinnern kann, lag es daran, dass sie im Theater waren  und er herumjammerte, dass er nach Hause möchte. Sie taten ihm den Gefallen und wurden dann vom Joker (zu diesem Zeitpunkt war er noch nicht unser bekannter Joker) erschossen. Er war der Einzige, der leben durfte.

Er reiste dann um die Welt, um dann zu der Waffe zu werden, den wir heute kennen (ich glaube, dazu reichten gerade Mal zehn Jahre aus). Dann schneiderte er sich ein Kostüm (sehr naheliegend) und wurde zum Rächer der Nacht.

Seine Aufgabe, sein Zweck, sein Schicksal

Er muss nicht unbedingt die Welt retten, es reicht bei ihm Gotham City. Batman sieht sich als Einzigen, der dem Wahnsinn, der in der Stadt herrscht (ausgelöst durch den Joker, Pinguin, dem Riddler, Catwoman und all die anderen Bösewichter), zu besiegen. Und natürlich ist sein Zweck zu leiden. Immerhin sind seine Eltern tot (durch seine Schuld) und niemand kann ihm diese Bürde abnehmen.

Es ist halt sein Schicksal einsam zu sein, niemanden lieben zu können (ansonsten könnte sie oder das gemeinsame Kind sterben) und eben der Schatten der Nacht zu sein. Ach ja, wie vorhersehbar.

Seine Persönlichkeit

Er ist höfflich, nett und verschlossen. Bis auf seinem Diener/Butler/Lehrer Alfred, kennt niemand sein Geheimnis (okay, bis auf die ganzen anderen Superheldinnen und Superhelden am Ende, aber ich gehe jetzt von seiner eigenen Serie aus). Bruce ist der typische Einzelgänger, der niemand an sich heranlässt. Einerseits, weil er Angst hat, dass man ihn verletzt und zum anderen will er nicht zulassen, dass jemand anderes die Menschen, die er liebt, verletzten könnte.

Im Grunde genommen ist er der Charakter, den man aus der Ecke hervorlocken muss, damit er lernt, dass das Leben wunderschön sein kann.

Seine (romantischen) Beziehungen

Die meisten wollen mit dem Milliardär befreundet sein und seine Firma übernehmen. Gleichzeitig will jeder Bösewicht Batman regelrecht vernichten. Gerade der Joker hat es auf Batman (auch liebevoll Batsi genannt) abgesehen.

Und in den ganzen Comicheften, Serien und Filmen hat er eigentlich so richtig als Love Interest nur Selina Kyle alias Catwoman wirklich an sich herangelassen. Und je nachdem in welchem DC Universum wir uns befinden klappt es mal mit der Beziehung und klappt es mal nicht.

Abschlussgedanken zu den Gary Stus

Wie Du siehst, gibt es auch gute Beispiele für Gary  Stus. Sie tauchen überall auf, in Filmen, in Büchern und auch Comicheften. Batman und James Bond haben schon einige Jahrzehnte auf den Buckel und man kann hier erklären, dass zur Zeit ihrer Erfindung die Welt ein wenig anders war. Andere Charaktere (die ich hier nicht weiter aufgeführt habe) hingegen sind jung und dementsprechend kann das also nicht als Entschuldigung benutzt werden. Dazu zähle ich Harry Potter.

Zwischengedanken

So, jetzt weißt Du, was Mary Sues sind und Gary Stus. Du kennst die Liste, wie man sie genau identifizieren kann, und hast anhand von zwei Beispielen gesehen, dass sie in der populären Literatur bzw. Filmwelt ihren Eingang gefunden haben und finden. Doch wie kann man einen solchen Charakter verhindern bzw. retten, wenn man solch eine Figur erschaffen hat?

Wie vermeide ich diesen Charaktertyp?

Erster Schritt: Kenne Deine Geschichte

Viele Romane mit Mary Sues können durchaus unnötige Längen haben. Der oben aufgeführte Roman ist gut 900 Seiten lang. Würde man die unnötigen Längen rauslassen, käme man wohl auf 500 bis 600 Seiten. Hier kann man durchaus das Gefühl gewinnen, dass die Autorin ohne Rücksicht auf Verluste einfach einen unglaublich dicken Roman schreiben wollte.

Ein guter Roman ist ein Wechselspiel zwischen den Charakteren und dem Plot. Zwar gibt es durchaus charaktergetriebene Geschichten (wie Liebesromane) und plotgetriebene Geschichten (wie Krimis). Aber dieses Wechselspiel muss gegeben sein. Ansonsten hast Du nur etwas Langes, was behauptet ein Roman zu sein.

Setz Dich also hin und schau Dir Deinen Plot noch einmal ganz genau an. Und sei jetzt mal wirklich ehrlich zu Dir. Hast Du einen Plot oder eher nur eine lange Reihe von Szenen, die Deinem Charakter eher schmeicheln oder die Geschichte in die Länge ziehen soll? Es lohnt sich auf alle Fälle, hier noch einmal ordentlich Arbeit zu investieren. Denn das ist der erste Schritt, um zu verhindern, überhaupt eine Mary Sue bzw. einen Gary Stu zu erschaffen. Denn die werden erst notwendig, wenn Du keine Geschichte hast. Und wenn Du sie doch schon haben solltest, dann überarbeite den Plot und sie werden unnötig.

Zweiter Schritt: Sorge für eine logische Verbindung der Charaktere

Eine Schwäche der Mary Sue und des Gary Stu ist ihre Beziehung. Häufig neigen sie dazu mit irgendwelchen Charakteren Beziehungen zu haben, die schlichtweg nicht logisch sind. Bei Romanen kann man das noch umgehen, indem man von vornherein plant, dass Mary Sue oder Gary Stu die Schwester oder der Onkel einer der Figuren ist. Wobei diese Gefahr in Fanfiction besonders groß ist. Dort haben sie zu den wichtigen Figuren dann Beziehungen, bei denen es absolut unlogisch ist.

Überlege Dir daher Folgendes:

  • Welche Charaktere kennen sich schon vor der Geschichte?
  • Wer lernt sich erst innerhalb der Geschichte kennen?
  • Welcher der Charaktere sind miteinander verwandt?
  • Wie sind die emotionalen Beziehungen der Charaktere untereinander?

Wenn Du die Beziehungen untereinander kennst, dann kann es Dir nicht passieren, dass eine Figur auftaucht und auf einmal eine besondere Beziehung zu Deiner Mary Sue oder Deinem Gary Stu hat.

Dritter Schritt: Alle haben ihre besondere Rolle

Jetzt halte mal Deiner Mary Sue oder Deinem Gary Stu kurz die Ohren zu. Denn folgende Wahrheit könnte denen nicht schmecken. Aber eines ist sicher, sie sind nicht das Zentrum des Universums. Und somit auch nicht das Zentrum Deines Romans.

Schreibst Du über mindestens zwei Figuren oder gar über eine Gruppe, dann solltest Du bedenken, dass sie alle ihre besondere Rolle in Deiner Geschichte haben. Deine Hauptfigur kann natürlich ein wenig besser sein, als der Rest der Gruppe. Aber sie überragen niemals alle. Das ist einfach nicht glaubwürdig.

Vierter Schritt: Jede und jeder darf mal ins Rampenlicht

Wenn Du eine Gruppe um Deine Hauptfigur herum entwickelst, dann sollten alle eine bestimmte Anzahl von Seiten und Szenen bekommen, wo sie ihre Geschichte erzählen können. Eine kleine Ausnahme wäre bei der Ich-Perspektive zu erwähnen. Da ist es natürlich nicht möglich, dass andere Charaktere die Perspektive einnehmen können. Aber sie tragen trotzdem, durch ihre Arbeit, ihren Teil zur Lösung des Plots bei.

Sorge also für ein etwas ausgewogeneres Verhältnis zwischen den Charakteren, auch wenn Deine Hauptfigur natürlich ein wenig mehr im Mittelpunkt stehen darf.

Fünfter Schritt: Ein realistischer Name tut wirklich gut

Häufig erkennt man eine Mary Sue oder einen Gary Stu an ihren ungewöhnlichen Namen (und nicht nur am Aussehen). In Büchern, welche die Realwelt darstellen, kann es sein, dass sie keltisch geprägte Namen haben. Oder Namen, die eher unaussprechlich sind (in Fantasy oder Science-Fiction Geschichten).

Schau Dir alle anderen Namen an, die Du für Deinen Roman verwendet hast und überlege, wie Deine Hauptfigur namentlich da reinpassen kann. Natürlich darf er ein wenig hervorstechen. Aber nicht so dermaßen, dass sie Deine Leserinnen und Leser regelrecht überfallen und anbrüllen, dass sie es hier mit einer Mary Sue oder einem Gary Stu zu tun haben.

Sechster Schritt: Gib Deiner Figur wirkliche Schwächen

Sehr häufig bekommt dieser Charaktertyp folgende Schwäche: Sie oder er kümmert sich zu sehr um die anderen. Oder liebt zu sehr. Alternativ, sie versucht einfach perfekt zu sein. Was für eine Schwäche.

Das Besondere hierbei ist, dass sie keine Konsequenz für Deine Figur hat, wenn sie sich zu sehr um die anderen kümmert. Denen geht es gut und die Hauptfigur leidet vielleicht ein wenig an Schlafmangel.

Wäre sie arrogant, uneinsichtig ihrer eigenen Fehler gegenüber, wenigstens nachtblind oder was auch immer in dieser Richtung alles gehen kann, sähe die Geschichte anders aus. Das würde diesem Charaktertyp eine menschlichere Note geben und zudem sie interessanter machen.

Überlege Dir daher, was für Schwächen Deiner Figuren haben können, die auch realistisch sind. Notfalls nimm Dir die großen Charaktere der Weltliteratur als Vorlage (Jane Eyre, Huckleberry Finn und ähnliche Figuren).

Siebter Schritt: Am Anfang darf es ruhig schwierig für sie oder ihn sein

Sehr häufig können Mary Sues und Gary Stus Dinge von Anfang an sehr gut oder sie lernen neue Fertigkeiten innerhalb einer Rekordzeit. Jetzt sei mal ehrlich, wie schnell hast Du etwas völlig Neues gelernt? Fahrrad fahren, Häkeln, ein Musikinstrument? Ich gehe davon aus, dass Du dafür mehr als ein paar Stunden gebraucht hast. Und einige Fertigkeiten werden wir ein ganzes Leben lang schulen. Wie realistisch ist es dann, wenn Deine Figur dafür nur ein paar Stunden, Wochen oder innerhalb von einigen Jahren mehr lernt, als andere in ihrem Leben es schaffen? (Ich erwähne an dieser Stelle Bruce Wayne.)

Am besten ist es also, dass Deine Figur nicht alles kann. Und wenn sie etwas Neues lernt, dann brauch sie ihre Zeit, macht Fehler, macht auch Fortschritte und erst nach einer gewissen Lehrzeit darf sie ihre Fertigkeiten gerne vorführen.

Achter Schritt: Dein Charakter sollte Dir nicht ähneln

Eine große Schwäche von Mary Sue und Gary Stu ist, dass sie der Autorin bzw. dem Autor ähneln. Oder sie sind so, wie Autorin / Autor gerne sein möchte. Vermutlich ist das auch der wahre Geburtsgrund für diesen Charaktertyp. Man sieht sich selbst an und entdeckt dabei all diese Schwächen. Sie sind nicht immer nett, aber vorhanden. Und anstatt uns aufzuraffen, um mal ein wenig Sport zu machen, gesünder zu leben oder sich mit anderen Menschen in Verbindung zu setzen, projizieren wir unsere Wünsche und Träume in diesen Charakter. Sie oder er soll unser Leben führen. Und wir schreiben darüber.

Akzeptiere Dich, wie Du bist und versuche die besten Seiten an Dir hervorzukitzeln (damit werden Deine schlechten Seiten nach und nach schwächer und verschwinden dann auch). Und zwischenzeitlich schreibst Du über realistische Charaktere, die nicht Dein, sondern ihr eigenes Leben führen. Denn Dein Leben kannst sowieso nur Du leben.

Neunter Schritt: Jeder Charakter darf und soll anderes reagieren

Es mag manchmal unglaublich klingen, aber jeder Mensch reagiert auf eine Situation auf unterschiedliche Art und Weise. Das gilt auch für Deine Charaktere. Zwei Charaktere reagieren auf eine Situation oder auch auf eine Person völlig anders. Natürlich können sie sich ähneln, werden aber niemals gleich sein.

Wenn also Deine Hauptfigur zu einer bestehenden Gruppe hinzukommt, werden aller Wahrscheinlichkeit nicht alle vor lauter Freude aus dem Häuschen sein. Die einen mögen sich freuen, dass sie Unterstützung bekommen. Die anderen können aber reservierter reagieren. Und die Dritten sogar ablehnend.

Auch wenn Du Deine Hauptfigur liebst, gestehe Deinen anderen Figuren ihre eigene Gefühlswelt zu und lasse zu, dass diese Deinen kleinen Liebling auch nicht leiden können. Ja sie dürfen Deine Figur sogar hassen. Wenn Du willst, dass am Ende alle anderen Deine Hauptfigur mögen, dann lasse sie dafür arbeiten. Denn Respekt und Liebe können auch verdient werden. Dafür ist auch Deine Geschichte da.

Zehnter Schritt: Lasse zu, dass alle etwas zur Lösung beitragen

Wir sind uns sicherlich zwischenzeitlich einig, dass Deine Hauptfigur nicht alle Fähigkeiten und Fertigkeiten besitzt, welche Du brauchst, um Deinen Roman zum Ende zu bringen. Das bedeutet auch, dass sie nicht jedes einzelne Rätsel Deines Romans lösen kann, darf oder gar muss.

Das bedeutet natürlich, dass jemand anderes die Fähigkeiten und Fertigkeiten besitzen muss, welcher Deiner Hauptfigur fehlt. Und das bedeutet wieder herum, dass Deine Hauptfigur ab und an mal zur Seite treten darf, damit andere im Rampenlicht stehen, um zum Ziel der Geschichte zu kommen.

Sorge dafür, dass alle ihre eigene Rätsel lösen dürfen und für einige Seiten die Heldin oder der Held der Geschichte sein darf. Das letzte Rätsel oder auch die letzte große Schlacht ist dann für Deine Heldin oder Deinem Helden vorbehalten. Aber um das zu erreichen, ist Teamwork gefragt.

Elfter Schritt: Vorsicht mit der Romantik

Einer der Schwächen von Mary Sue und Gary Stu ist, dass alle anderen Charaktere sie ablehnen, oder noch schlimmer, sich in sie verlieben. Es ist realistisch, dass sich ein Charakter in sie verliebt, vielleicht auch ein Zweiter oder Dritter. Darüber können wir gerne diskutieren. Aber bei Mary Sue und Gary Stu verlieben sich alle wichtigen Charaktere in sie. Und das ist wieder herum nicht realistisch.

Wenn Du willst, dass Deine Hauptfigur eine Partnerin oder Partner bekommt, dann belasse es auch bei einer (außer Deine Geschichte verlangt etwas anderes, also zwei oder drei Partnerinnen bzw. Partner). Eventuell darf auch noch jemand dabei sein, der oder die sich in Deine Hauptfigur verliebt. Alles andere ist dann nur noch mit einem Liebeszauber zu erklären.

Und hier noch etwas Wagemutiges als Inspiration. Wie wäre es, wenn Deine Hauptfigur eventuell Single bleibt?

Zwölfter Schritt: Lass Dir Zeit

Einer der größten Schwächen bei der Erschaffung eines Charakters ist, wenn wir diesen nicht erschaffen, sondern eher zusammenschustern. Wir nehmen uns keine Zeit, ihr oder ihm Höhen und Tiefen zu geben. Daher bleiben wir an der Oberfläche und dabei kann es passieren, dass am Ende eben einer Mary Sue oder ein Gary Stu herauskommt.

Nimm Dir also Zeit, wenn Du Deine Charaktere erarbeitest, sie kennenlernst und über ihre Stärken, Schwächen, Ziele, Wünsche und alles andere schreibst. Das ist der beste Ratschlag, den Du befolgen solltest, wenn Du verhindern willst, dass Dein Charakter den Stempel einer Mary Sue oder eines Gary Stus bekommt.

Abschlussgedanken

Eigentlich gehört nicht viel, um einen guten Charakter zu erschaffen. Aber es braucht eben sehr viel Zeit. Du hast mit diesem Beitrag hoffentlich alle Werkzeuge erhalten, um Mary Sue und Gary Stu Charaktere zu vermeiden. Zum Training kannst Du Dir einige Bücher durchlesen, die gerade solche Charaktere in den Mittelpunkt gesetzt haben. Dann wirst Du verstehen, warum diese Figuren nervig sind.

Recherche ist gut, Übung ist gut und ein wenig Zeit investieren ist gut. Und dann wirst Du sicherlich interessante und vielseitige Charaktere erschaffen. Davon bin ich überzeugt.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß und noch mehr Erfolg.

Alles Liebe Deine frau schreibseele

Hinweis: Dieser Beitrag ist ursprünglich auf meinem alten Blog, dem schreibkasten, veröffentlicht worden. Hierbei handelt es sich um eine direkte Übernahme des alten Beitrages.

Hits: 169

Über marginalisierte Gruppen schreiben: “Ich traue mich nicht.”

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wer über marginalisierte Gruppen schreiben möchte, benötigt nicht nur Wissen, sondern tatsächlich auch eine Portion Mut.

Kurze Vorgedanken

Es gibt Menschen, die stürzen sich in ein neues Projekt und machen keine Gefangene. Dann wird über alles und jede*n geschrieben, wer ihnen unter die Feder kommt.

Andere hingegen sind da etwas vorsichtiger. Ist ihr Plot in Ordnung? Sind die Charaktere lebendig? Und vor allem, darf ich das überhaupt schreiben?

Über die Einstellung zur letzten Frage dreht sich der heutige Beitrag.

Keine Erfahrungen

Auf dem #litcampHH 2018 hatte eine Teilnehmerin ganz klar gesagt, dass sie einfach keine Erfahrungen mit marginalisierte Gruppen hat. Sie kommt von einem Dorf, wo über 90 Prozent der Menschen dort eben weiße Cis-Het Dudes sind. Wie könne sie dann wagen, über jemand anderen zu schreiben, als eben über weiße Cis-Het Dudes?

Ganz ehrlich? Mir ist eine solche Meinung lieber, als wenn man mit dem Kopf durch die Wand rennt und über alles schreibt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. In einem solchen Fall kann man durchaus damit rechnen, sollte sich die Teilnehmerin entscheiden, doch über marginalisierte Gruppen zu schreiben, sie mit mehr Respekt rangeht.

Schätze ich mich selbst als eine Person ein, die einfach zu wenig Kontakte mit marginalisierte Gruppen habe, sehe ich das als eine realistische Größe an. Mit anderen Worten, in einem solchen Fall kenne ich meine Grenzen. Und von daher bin ich vorsichtiger, wenn ich versuche diese zu übertreten.

Aber selbst wenn Du keine Menschen marginalisierter Gruppen kennst, bedeutet das noch lange nicht, dass Du nicht loslegen darfst. Es gibt immer Möglichkeiten.

Angst, etwas falsch zu machen

Wenn man über jemanden oder etwas schreibt, die oder das man nicht kennt, haben viele Angst, es falsch zu machen. Sie wollen sich nicht im Ton vergreifen und etwas schreiben, was andere verletzt.

In meinen Augen ist auch das erst einmal sehr löblich. Immerhin zeigt auch das, dass man sich Gedanken macht. Die Menschen möchten nicht durch die Wand preschen und auf Teufel komm raus, etwas schreiben. Sie machen sich Gedanken zu diesem Thema.

Jedoch finde ich, dass man keine Angst haben sollte. Angst lähmt und sorgt nur dafür, dass Du am Ende gar nichts mehr schreibst. Respekt sollte hier die richtige Antwort sein. Hab Respekt vor den Menschen, den Tieren, dem Leben selbst.

Natürlich kann es immer noch passieren, dass Du Dich in die Nesseln setzt. Vielleicht sogar ordentlich. Aber die Wahrscheinlichkeit dürfte geringer sein. Viel geringer, als wenn Du Dir gar keine Gedanken darum machst.

Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob der Text, den Du geschrieben hast, respektvoll ist, dann bitte sogenannte Sensitve Readers darum, diesen zu lesen. Sie kennen sich mit der Thematik bestens aus, weil sie häufig das leben, worüber Du schreiben möchtest.

Rede mit ihnen und Du wirst sehr viel erfahren, was Du vorher nicht wusstest. Zum Beispiel möchte ich eine Geschichte rund um eine Band schreiben (das ist jetzt nur ein Beispiel). Glücklicherweise hab ich in meiner Sphäre eine tolle Musikerin. Diese hab ich angefragt, ob sie für mich Zeit hat, um mir ein paar Fragen zu beantworten. Und glücklicherweise hat sie ja gesagt.

Bleib immer nett und höflich und sag offen, was Du möchtest und warum Du die Hilfe brauchst. Und wenn Du nicht weißt, wie Du die Menschen anschreiben sollst, dann schreib genau das. Entschuldige Dich in diesem Fall im Vorfeld, wenn Du selbst das Gefühl hast, dass Du die falschen Worte wählen könntest. Das ist besser, als wenn Du das tatsächlich tust und damit andere verletzt.

Ich will gar nicht über sie schreiben!

Tatsächlich hab ich einen Beitrag gelesen, in der die Verfasserin oder der Verfasser (daran kann ich mich leider nicht mehr genau erinnern) erklärte, warum die Person niemals über marginalisierte Gruppen schreiben würde.

Es ging bei der Argumentation nicht darum, dass die Person Angst hatte oder nicht wusste, wie sie*er das Thema angehen sollte. Schön wäre es. In dem Beitrag stand, dass die Person es nervig fand, dass scheinbar überall Diverse Romane aus dem Boden schossen.

Ganz ehrlich, in solchem Fall kann man nichts machen. Wenn Menschen sich weigern über den Tellerrand zu schauen, dann ist es halt so. Man kann ihnen nur anbieten, ihnen zu helfen. Büchertipps geben, ist auch noch möglich. Oder erklären, warum es wichtig sein kann. Aber ich würde nicht zu viel Energie in diese Diskussionen stecken.

In diesem Fall würde ich lieber meine Energie Personen schenken, die offen für dieses Thema ist. Und wo ich genau weiß, dass ich da etwas bewirken kann.

Abschlussgedanken

Eine kleine Portion Mut, ein Haufen Respekt und Kontakt mit Sensitive Readers und die Wahrscheinlichkeit ist gut, dass Du eine bessere Geschichte schreiben kannst. Natürlich neben Plot und Charakterarbeit und so weiter.

Daher, hab keine Angst vor dem, was Du gerne schreiben möchtest. Leg los und schau dann, dass ihr gemeinsam eine tolle Geschichte daraus macht.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Hits: 96

Wie über sie schreiben? – Marginalisierte Gruppen

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn man über marginalisierte Gruppen schreiben möchte, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Die Erste ist, dass man einfach schreibt und auf das Beste hofft. Und die Zweite ist, sehr viel Arbeit.

Kurze Vorgedanken

Du willst also über marginalisierte Gruppen schreiben? Und im Idealfall sie auch richtig darstellen. Keine Klischees benutzen, die zu häufig und immer wieder wiederholt werden. Das ist schön. Und kann zugleich auch sehr, sehr harte Arbeit sein.

Erwarte also nicht, dass Du zwangsläufig damit innerhalb weniger Tage fertig bist. Die Arbeit kann durchaus seine Zeit dauern.

Wie man es nicht machen sollte

Sich hinsetzen, einfach über marginalisierte Gruppen schreiben und auf das Beste hoffen, ist vermutlich der schlechteste Weg. Damit riskierst Du, dass Du Klischees und Vorurteile wiederholst, auch wenn Du das vielleicht gar nicht wolltest.

Dank der Medien haben sich bei bestimmten Gruppen Bilder in unseren Köpfen festgesetzt. Da wir nicht wissen können, ob es sich bei diesen “Fakten” um Wahrheiten handelt oder um Lügen, würden wir diese erst einmal ungefiltert weitergeben. Und schon sitzen wir in der Falle.

Wir wiederholen also Lügen und erreichen eigentlich das Gegenteil, was wir ursprünglich wollten. Ich behaupte mal dreist, wenn Du über marginalisierte Gruppen schreiben möchtest, dann, um sie so zu zeigen, wie sie sind. Und nicht irgendwelche kruden Fakten wiederholen, die sowieso nicht stimmen.

Es kann natürlich sein, dass Du richtige Fakten im Kopf hast. Dann kann das natürlich auch gut gehen. Aber ich befürchte, dass wir allesamt erst einmal davon ausgehen können, dass vieles, was in den Massenmedien verbreitet wird (egal über welche Gruppe, solange sie nicht weiß und herrschend ist), nicht unbedingt korrekt ist.

Daher gebe ich Dir hier ein paar Tipps, wie Du es besser machen kannst.

Recherche, Recherche und noch mehr Recherche

Bevor Du den ersten Satz schreibst, solltest Du einiges recherchieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass über bestimmte Gruppen gute Fachliteratur gibt, ist durchaus gegeben. Und viele von den Büchern kannst Du auch in Bibliotheken ausleihen (wenn es darum geht, dass Du kein Geld hast).

Bücher

Wie schon geschrieben, Bücher können eine sehr gute Quelle für Deine Recherche sein. Natürlich kommt es darauf an, wer das Buch geschrieben hat. Daher fängt hier tatsächlich die Recherche an. Doch zumeist dürfte das kein Problem sein. Denn tatsächlich geben sich viele Leute Mühe und erklären, warum ein Fachbuch gut oder nicht so gut ist. Darauf kannst Du dann bauen.

Mit anderen Worten, besorg Dir das eine oder andere gute Buch und arbeite es durch. Damit hast Du schon einmal einen ersten wichtigen Schritt getan.

Dokumentationen

Es gibt Dokumentationen, welche diese Bezeichnung nicht verdient haben, aber so tun, als wären sie eine. Besonders gefährlich ist es, wenn Du Dir die privaten Sender zu Gemüte führst.

Erst letztens habe ich eine sogenannte Dokumentation gesehen, in der eine Person im Rollstuhl wieder das Gehen erlernen möchte (nach einem Unfall). Du kennst sicherlich die Einblenden, wenn der Name genannt wird und darunter ein mehr oder minder intelligenter Satz steht.

In dem Fall war es, dass die Person sich wieder ins Leben zurückkämpft. Bei mir kam es dann so an, als hätte die Person (und irgendwo alle, die in einem Rolli sitzen) kein Leben. Ähm ja, natürlich. Hätten die geschrieben, die Person kämpft sich ins alte Leben zurück, darüber hätte ich mich nicht aufgeregt. Aber so.

Daher meine Empfehlung, verzichte auf solche Dokumentationen. Die sollen nur für Einschaltquoten sorgen, mehr nicht. Achte lieber darauf, dass die Dokumentation wirklich auf den Hintergrund eingehen, kritisch sind, mit den Leuten auf Augenhöhe sprechen. Zumeist erfüllen die öffentlich-rechtlichen Sender durchaus diese Funktion. Nicht immer meisterhaft, aber um einiges besser.

Damit hast Du einen weiteren Baustein für Deine Geschichte.

Echten Menschen folgen

Eine gute und dezente Möglichkeit ist, dass Du echten Menschen in den sozialen Medien folgst. Dort schreiben viele offen und ehrlich über sich, über ihr Leben und was sie ausmacht. Vor allem aber auch, was sie von anderen unterscheidet und sie doch so menschlich macht.

Das ist die kleine Möglichkeit, um sich mit den Menschen in Verbindung zu setzen. Gerade dann, wenn man sich noch nicht traut, sie direkt anzuschreiben oder gar anzusprechen. Gerade dann, wenn Du zu der schüchternen Sorte Mensch gehörst. Da ist es völlig in Ordnung. Für das Erste.

Auf Dauer empfiehlt es sich dann doch, mit ihnen zu reden. Erklär ihnen, was Du vorhast und ob Du diesen Menschen ein paar Fragen stellen darfst. Nach einer guten Vorbereitung solltest Du natürlich einiges Wissen. Daher entfallen unnötige Fragen, die niemanden weiterbringen (oder am Ende gar peinlich sein könnten).

Wenn sie garstig antworten, dann überprüf erst einmal, wie Du die Person angesprochen hast. Manchmal vergreift man sich versehentlich im Ton. Und im Internet ist es unmöglich, auf die Stimme der anderen Person zu achten (außer Du schickst ein Podcast). Wenn Du aber höflich warst, dann lass es gut sein und bitte eine andere Person um Hilfe.

Aber das Gespräch mit Mitgliedern marginalisierter Gruppen ist immer die beste Entscheidung.

Sensitive Readers

Wenn Du Dein Manuskript fertig hast, wird es Zeit, dass Menschen gegenlesen. Zum Thema Lektorat (mit allen Lesestufen) solltest Du hier noch auf die Fähigkeiten von Sensitive Readers zurückgreifen.

Das sind Leser*innen, die selbst zu marginalisierten Gruppen gehören. Daher können sie Deinen Text auf Herz und Niere prüfen, ob Du sie richtig dargestellt hast. Wenn Du also über eine Person in einem Rollstuhl schreiben möchtest, kannst Du eine reale Person im Rolli fragen, ob Du diesen Job gut gemacht hast.

Und wenn nicht, dann nimm Dir die ganzen Anmerkungen zu Herzen und ändere Deine Geschichte.

Wichtiger Hinweis

Selbst wenn Du ein Dutzend Leute fragst, ob sie Deinen Text durchlesen können und alle dem zustimmen, was Du geschrieben hast, es wird jemanden geben, die oder der sich nicht richtig repräsentiert fühlt. Und das ist richtig so. Natürlich wirst Du niemals alle Geschichten und Lebensentwürfe in Deinem Roman abbilden können. Respektiere das und respektiere die Meinung der Person, die sich nicht richtig dargestellt fühlt. Deine dutzend Leser*innen haben genauso recht, wie die Person, die sich darüber beschwert.

Meine Empfehlung ist daher, dass Du in einem Nachwort schreibst, dass Du nur eine mögliche Darstellung geschrieben hast und jede Geschichte anders ist. Und ich würde auch erwähnen, dass Du mit Sensitive Readers zusammengearbeitet hast (frag ruhig nach, ob Du deren Namen erwähnen darfst, wenn nicht, lass es sein 🙂 ).

Bezahlung

Sensitive Readers lesen Deine Texte in ihrer Freizeit. Und letztendlich soll am Ende ein toller Roman dabei herauskommen. Daher kann es durchaus sein, dass die eine oder der andere dafür eine Gebühr verlangt. Ja, ich meine hartes Geld, Euro und so weiter.

Auch wenn das Veröffentlichen eines Buches schon teuer genug ist, ich kann Dir nur empfehlen, diese Investition auch zu tragen. Damit garantierst Du, dass Deine Geschichte um einiges authentischer wird, als wenn Du auf gut Glück und auf Deine Recherche vertraust. Immerhin lesen hier Menschen Deine Geschichte, über die Du schreibst.

Rede mit ihnen. Ihr werdet sicherlich zueinanderfinden.

Abschlussgedanken

Das sind die ersten Schritte, um eine gute Geschichte zu schreiben. Sobald Du anfängst, werden Dir sicherlich noch weitere Möglichkeiten einfallen, wie Du eine authentischere Geschichte verfassen kannst.

Doch je mehr Du Dich in das Thema reinhängst, desto besser kann sie werden. Dabei wünsche ich Dir viel Energie und noch mehr Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Hits: 94

Welche Gruppen gibt es? – Eine kleine Übersicht

Hei, hallo und herzlich willkommen,

die Überschrift sagt es aus. Mit diesem Beitrag möchte ich eine kleine Übersicht über marginalisierte Gruppen geben. Da ich auch nur ein Mensch bin und daher auch etwas übersehen kann, erhebe ich hiermit keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zumal es sicherlich viele Gruppen gibt, die nicht so an die Öffentlichkeit gedrungen sind, weil sie sich vielleicht noch gar nicht trauen.

Aber ich denke, dass die folgende Liste Dir schon einmal für Deine Recherche durchaus helfen kann.

Einige Vorgedanken

Wenn einige an marginalisierte Gruppen denken, fallen ihnen aller Wahrscheinlichkeit an eine andere Hautfarbe. Eventuell noch an eine andere Sexualität. Und da könnte man schon sagen, dass das viel ist. Immerhin ist das mehr, als wenn wir über den weißen Cis-Het-Dude schreiben.

Lass Dich daher von dieser Liste inspirieren und sprich mit Menschen, um herauszufinden, wie sie noch gerne dargestellt werden möchten. Aus eigener Erfahrung kann ich Dir garantieren, es lohnt sich.

Die Hautfarben

Sehr wahrscheinlich dürfte eine andere Hautfarbe ganz oben auf der Liste stehen, wie man marginalisierte Gruppen darstellen könnte. Denn häufig ist es gerade in Filmen oder Serien noch so, dass meistens eine Quote erfüllt wird. Und die besteht daraus, dass aller höchstens ein PoC im Team zu finden ist.

Finden wir zwei, bezeichne ich das sogar schon als revolutionär. Ein Freund von mir hat mir von einer relativ aktuellen Serie berichtet, in der ein einziger Afroamerikaner aufgetaucht ist. Und diese Serie spielt in New York. Wie groß ist also die Wahrscheinlichkeit, dass dort NUR Weiße auftauchen. In dieser Serie tatsächlich zu fast 100 Prozent.

In einer anderen Serie taucht ein BPoC auf. Ist aber unser Alien der Geschichte. Alle Menschen hingegen sind weiß oder zumindest sehr hellhäutig.

Daher ist es in meinen Augen durchaus wichtig, dass in den Romanen Menschen mit einer anderen Hautfarbe auftauchen. Dabei gibt es nicht nur die afrikanischstämmigen Menschen, sondern auch asiatische oder auch ozeanische Menschen, mit komplett anderen Hautfarben.

Das sind nur Beispiele. Schau Dir einfach mal Reportagen an, die von den verschiedenen Kulturen der Erde gemacht werden. Dort findest Du sehr viele Möglichkeiten und Vorbilder.

Jetzt hatte ich aber vor kurzem eine interessante Diskussion. Und den Tenor möchte ich Dir nicht vorenthalten. Dabei ging es auch um marginalisierte Gruppen. Eine Diskussionsteilnehmerin findet es nervig und anstrengend, wenn man ihr die Figuren bis ins letzte Detail beschreibt. Dazu gehört für sie auch, wenn man ihr sagt, welche Hautfarbe die Charaktere haben.

Aus diesem Grund soll man die Charaktere gar nicht beschreiben und dann den Lesenden die Möglichkeit überlassen, sich die Figuren so vorzustellen, wie sie diese gerne hätte. Wenn man das durchziehen würde, wäre es möglich, dass man sich Harry Potter als einen Afrikaner oder Legolas als einen Asiaten vorzustellen.

Das Problem hierbei ist, dass dies nicht mehr möglich ist. Alle, sowohl Weiße als auch PoC sind es gewohnt, dass so gut wie alle Charaktere als Weiße dargestellt werden. Es kostet sie alle daher einiges an Energie und Fantasie, um sich tatsächlich vorzustellen, dass ein Charakter eben nicht weiß ist.

Ganz unter uns, ich find das traurig.

Daher finde ich es selbst durchaus wichtig, zu schreiben, wie man sich die Charaktere vorstellen kann, wenn sie nicht weiß sind.

Kulturen

Unser faules Gehirn ist durchaus ein Phänomen. Denn es kann verdammt faul sein. Wenn wir an die ostasiatische Bevölkerung denken, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass wir an die Chines*innen denken. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, sind die Japaner*innen auch noch dabei.

Dabei gibt es noch einige Völker, die dazu gehören. Dazu müssen wir aber aus unserer Denkfalle ausbrechen und akzeptieren, dass nicht alles immer so ist, wie wir es gerne hätten. Oder es auf dem ersten Blick erscheint.

Wenn wir also über jemanden von der Erde schreiben, die oder der aus Ostasien stammt, dann müssen wir durchaus spezifischer werden. Denn eine Chinesin sieht durchaus anders aus, als eine Vietnamesin. Obwohl sie unter der Oberbezeichnung Ostasien fallen.

Schau Dir daher die Menschen genau an und betrachte die Gemeinsamkeiten und auch die Unterschiede. Und dann beschreibe sie in Deiner Geschichte. Diese kleinen Details werden Deine Geschichte unvergesslich machen.

Die sexuelle Orientierung

Schwule Romane sind immer noch Nischengeschichten. Zumeist dreht es sich hierbei um Romantik und natürlich um Sex. Lesbische Geschichten hingegen dienen eher der Fantasie der männlichen Leser und ihrer Hand (Pornos also). Bisexuelle Charaktere finden selten Einzug in Geschichten. Und wenn, dann sind es letztendlich verkappte Heten, weil sich viele Autor*innen nicht trauen, es wirklich durchzuziehen und die Figuren als Bisexuelle darzustellen.

Gibt es noch weitere sexuelle Orietierungen? Klar, aber die werden so gut wie gar nicht dargestellt. Versuch mal, eine Geschichte über einen asexuellen Charakter zu finden. Das ist die Suche nach der Nadel im einem sehr, sehr fetten Heuhaufen.

Wenn schon mal eine andere sexuelle Orientierung in einem anderen Medium außer dem Liebesroman dargestellt wird, ist das schon eine Sensation. In einem Beitrag hab ich mal gelesen, dass in Blockbusterfilmen gerade mal 1 Prozent der Darstellenden homosexuell sein sollen.

Wie das nun in der Literatur aussieht, die nicht explizit Liebesromane sind, kann ich leider nicht sagen. Aber die Bücher, die ich gelesen habe, haben nicht einmal den Hauch einer homoerotischen Beziehung auch nur angedeutet.

Daher empfehle ich Dir, dass Du Dich über sämtliche mögliche sexuellen Orientierungen informierst. Welche gibt es und wie könntest Du sie sogar in Deine Geschichte einarbeiten. Natürlich müssen Deine Charaktere nicht die ganze Zeit mit einem symbolischen Schild herumlaufen, in der sie ihre sexuelle Orientierung anpreisen.

Häufig reicht es auch aus, wenn Du es subtil machst. Schau Dir dazu den Film “Sherlock Holmes” mit Jude Law und Robert Downey Junior an. Um genau zu sein, ich meine die Gefängnisszene. Für mich eine der homoerotischsten Szenen in den ganzen Blockbusterfilmen. Sie sagt zwar nichts aus, aber lässt so unendlich viel Platz für Interpretationen.

Mit anderen Worten, es ist beides möglich. Offen sagen, was Deine Charaktere sind oder es so diskret darstellen.

Die nichtbinäre Identität

Es gibt immer noch Menschen, die der festen Überzeugung sind, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Also männlich und weiblich. Dabei kannten schon die indigenen Völker Amerikas mehr als zwei Geschlechter. Doch dank der weißen Erober*innen ist dieses Wissen zumindest verschüttet.

Zwischenzeitlich erkennen immer mehr Menschen, dass es doch mehr gibt. Damit können die Menschen, die nicht in das Konzept schwarz/weiß (also weiblich/männlich) reinpassen, herausfinden, was sie wirklich sind. So wie bei mir.

Bisher dachte ich auch immer, ich wäre eine Cis-Frau. Doch ich hab mich mit dieser Bezeichnung nie richtig identifizieren können. Daher hab ich recherchiert und herausgefunden, dass ich genderfluid bin. Und das passt zu mir, wie die Faust aufs Auge.

Jedoch werden nichtbinäre Identitäten noch gar nicht wirklich in der Literatur dargestellt. Gerade in der deutschsprachigen Literatur. Letztens wurden einige Bücher auf Twitter vorgestellt, die aus dem amerikanischen Raum stammen und tatsächlich nichtbinäre Identitäten für ihre Charaktere haben.

Hier gibt es also noch viele Möglichkeiten.

Transgender

Angeblich machen Transgendercharaktere stolze 0,1 Prozent aller Charaktere in Blockbusterfilmen aus. Mit anderen Worten Transgender wird so gut wie gar nicht dargestellt.

Zudem gibt es auch noch viele Missverständnisse und Vorurteile gegenüber Transgendermenschen. So hab ich selbst schon öfters gelesen, dass ihnen die Bezeichnung, sie ändern das Geschlecht, gar nicht so zusagt. Als ich das zum ersten Mal gelesen habe, hab ich dann darauf geachtet, wie es in den Medien kommuniziert wird. Und dieser Satz ist dabei öfters gefallen.

Und wenn Transgender Charaktere dargestellt werden, dann gleichen sie, meiner Meinung nach, einem wandelnden Witz. Die Drehbuchautor*innen machen sich eher witzig über sie, anstatt sie als Menschen zu sehen.

Daher kann ich Dir hier nur empfehlen, recherchier ruhig mal darüber, wie allein der Weg zur medizinischen Operation aussieht. Mir reichen schon so manche Tweets dazu, um mir die Haare zu Berge stehen zu lassen.

Be*hinderung

Menschen die nicht der Norm entsprechend, gelten zumeist als behindert. Das kann sein, dass sie nicht richtig laufen können, schlecht sprechen oder einen Meter messen.

Alles was von der Norm abweicht, gilt für viele als behindert. Und das ist leider für manche gleichbedeutend mit blöd. Menschen, die nicht hören können, können sich natürlich überhaupt nicht verständigen (Achtung Ironie). Wer seltsam spricht, kann doch nur einen geringeren IQ haben (wieder Ironie). Und wer im Rollstuhl sitzt, ist überhaupt zu nichts in der Lage (Ironie, Ironie, Ironie).

Zwischenzeitlich haben Menschen mit körperlichen Einschränkungen sich durchaus emanzipiert und zeigen es den ach so normalen Menschen, dass sie durchaus zu einiges in der Lage sind. So gab es vor einiger Zeit die Möglichkeit, dass blinde Menschen Auto fahren können. Zwar nur für einen Tag und auf einem gesperrten Gelände (niemand von ihnen hatte einen Führerschein). Und was war? Sie konnten relativ gut fahren. Und das teilweise ohne das panische Eingreifen ihrer Fahrlehrer*innen.

Daher bezeichnen sich viele nicht mehr als behindert. Sondern mit dem Sternchen, also be*hindert. Denn sie sind nicht selbst behindert, sondern die Gesellschaft macht das aus ihnen.

Meistens werden Menschen in Geschichten mit, ich bezeichne das jetzt mal so, versöhnlichen Be*hinderungen dargestellt. Zum Beispiel sitzt der Charakter im Rollstuhl. Oder sie*er ist blind. Gelegentlich darf die Figur auch Kleinwüchsig sein. Aber das ist dann schon das höchste der Gefühle.

Aber selbst diese sind eher Mangelware. Daher finde ich es, dass es durchaus Zeit ist, auch sie mehr in den Fokus der Geschichte zu rücken.

Abschlussgedanken

Immer wieder wird gesagt, dass jede Rolle, die vom weißen Cis-Het-Dude abweicht (also auch schon die Frau) eine bestimmte Rolle spielen soll. Letztendlich bin ich der Meinung, wenn diese Frage nicht für unseren weißen Cis-Het-Dude gestellt wird, dann für niemanden sonst.

Natürlich ändert sich die Geschichte, wenn sie aus einer anderen Perspektive erzählt wird (also von jemanden mit einer anderen sexuellen Identität oder kulturellen Hintergrund). Aber ich verrate Dir etwas. Das trifft auch auf unseren weißen Cis-Het-Dude zu. Wenn er aus einer steinreichen Familie stammt, erzählt er die Geschichte ebenso anders, als wenn er aus der Gosse stammt.

In dem Sinne, welche Gruppen kennst Du noch?

Bis dahin, alles Liebe

Deine frau schreibseele

Hits: 82

Polyamore Fiction

Polyamore Fiction

Hei, hallo und herzlich willkommen,

der letzte Beitrag in dieser Reihe dreht sich um einen Beziehungstyp, der nicht nur in Fiction vorkommt, sondern auch in der realen Welt. So hat sich ein australisches schwules Paar tatsächlich scheiden lassen, um eine polyamore Beziehung zu beginnen. Warum auch nicht?

Kurze Vorgedanken

PolyamorieGeschichten zu diesem Thema habe ich zuerst in amerikanischen Büchern gefunden. Und das dann auch aus dem Gay-Bereich. Bisher habe ich noch keine polyamore Geschichten mit anderen Konstellationen gesehen. Das bedeutet aber nicht, dass es sie nicht gibt. Und vor allem bedeutet es nicht, dass Du das nicht schreiben kannst.

Daher schauen wir uns heute diesen möglichen Beziehungstyp etwas genauer an.

Was ist eine polyamore Beziehung?

Polyamorie ist eine Beziehungsform, in der eine Person mehr als eine weitere Person lieben kann. Und das wird nicht über eine Affäre gelebt, sondern in einer festen und stabilen Beziehung. Hier sind alle beteiligten Personen eingeweiht und stimmen dieser Konstellation zu.

Meine Empfehlung ist, ließ Dir den oben verlinkten Beitrag durch, der sehr aufschlussreich ist. Daher werde ich mich im weiteren Verlauf auf die Bedeutung im fiktionalen Bereich konzentrieren.

Denn hier wird die polyamore Beziehung als eine Dreibeziehung beschrieben. Das bedeutet, dass mindestens drei Menschen (theoretisch können es auch mehr sein) sich finden und gemeinsam eine Beziehung eingehen. Und zwar alle mit allen. Also, Figur A liebt Figur B und C. Figur B liebt A und C. Und Figur C liebt A und B.

Damit wird die Idee, dass ein Mensch mehr als einen anderen Menschen liebt weiter auf die Spitze getrieben. Denn die Personen müssen akzeptieren, dass die beiden Menschen die sie*er liebt, ebenfalls jemand anderen liebt. Zwar führen sie eine gemeinsame Beziehung, aber man steht, im Gegensatz zu einer monogamen oder polyandren bzw. polygamen Beziehung, nicht im Mittelpunkt der anderen Person.

Per se ist das nicht schlimm. Da wir aber mit dem Bild einer monogamen Beziehung aufgewachsen sind, erfordert das durchaus ein individuelles Wachsen und Reifen. Immerhin könnte dabei auch Eifersucht entstehen. Und die muss akzeptiert und überwunden werden.

Diese Beziehung in Deinem Roman

PolyamorieWenn Du es jetzt faszinierend findest, darüber tatsächlich zu schreiben, dann gilt auch hier, dass Du Dir ein paar Fragen stellen solltest. Denn hier hast Du nicht nur das Konzept, dass ein Mensch zwei andere Menschen liebt. Sondern alle drei Menschen (oder wie viele Du auch immer in die Beziehung stecken möchtest) haben miteinander eine Beziehung. Und im Idealfall sollten sie auch nicht eifersüchtig aufeinandersein, sodass die Beziehung auf Dauer hält.

Wie sehen sich die Personen in der Beziehung selbst?

Jeder Mensch hat ja ein bestimmtes Bild von sich selbst. Wie sieht es mit Deinen Charakteren aus? Wie sehen sie sich selbst überhaupt als Mensch. Und dann, wie in diese Beziehung. Fühlen sie sich wohl, zurückgesetzt oder möchten sie dominieren? In Deiner Geschichte kannst Du einige negative Gefühle durchaus in diese Konstellation holen. Immerhin wollen wir ja, dass es erst einmal spannend wird. Erst am Ende kann das alles überwunden werden und für sie ein Happy End geben – sofern Du das möchtest.

Definiere also das Selbstbild und das Beziehungsbild. Vermutlich lassen sich hier schon die ersten Konflikte für eine spannende Geschichte finden.

Wie kommen sie zusammen?

PolyamorieAuch hier gilt es, wie kommt Dein Trio zusammen? Waren sie zuerst zu zweit und dann kam eine dritte Person hinzu? Ist das dynamisch gewachsen? Oder war es erst eine polyandre/polygame Beziehung, die sich zu einer polyamoren entwickelt hat? Es gibt hier viele Möglichkeiten, die Du wählen kannst. Wichtig ist, dass zumindest Du weißt, wie sie zusammengekommen sind.

Natürlich kannst Du die Informationen auch in Deinem Roman einbauen oder die Geschichte erzählen. Hauptsache, sie passt dazu.

Wie reagiert die Umwelt darauf?

Wenn Dein Trio zu den Schwiegereltern gehen und sagt, dass sie nun zu dritt vögeln, wie werden sie darauf reagieren? Manche sind dafür offen, andere hingegen dürften zumindest vom Stuhl fallen.

Je nachdem, in was für eine Welt Du Deine Geschichte ansiedelst, kann eine solche Beziehung normal sein oder so unnormal, dass Deine Liebende sogar um ihr Leben fürchten müssen. Das entscheidest letztendlich Du selbst. Wenn Du entscheidest, dass die Beziehung in der Welt normal ist, musst Du darauf nicht so viel Energie aufwenden, als wenn es nicht so wäre. Dann könnte es spannend werden, wenn Du darstellst, wie sie unter der Ausgrenzung durch die anderen Leiden.

Daher finde ich es hier wichtig, dass Du zeigst, in was für einer Gesellschaft wir uns in Deiner Geschichte befinden. Und auch, wie sie auf eine solche Beziehung reagieren.

Die sexuelle Komponente

Am Ende läuft es sehr wahrscheinlich darauf hinaus, dass viele Autor*innen ihre drei oder auch mehr Charaktere gemeinsam ins Bett schicken. Das kannst Du natürlich machen. Es ist aber auch möglich, dass sie ab und an zumindest, monogamen Sex genießen. Wie Du es am Ende hältst, muss die Geschichte entscheiden. Wichtig finde ich nur, dass man weiß, wer was macht.

Häufig lese ich Szenen mit monogamen Sex (also mit nur zwei Personen). Und da habe ich manchmal schon Probleme zu wissen, wo die zwei sich befinden. Daher könnte es zumindest theoretisch mit einer Dreierkonstellation noch etwas komplexer werden. Meine Empfehlung ist ganz klar, beschreib genau und lass jemanden darüber lesen die*der da sehr kritisch ist. Wenn sie*er es nicht versteht, solltest Du Dir zumindest überlegen, da noch einmal nachzubessern.

Alle Konstellationen sind möglich

PolyamorieZwar sind schwule polyamore Geschichten momentan am bekanntesten, genauso wie die F/MM Geschichten. Das bedeutet aber nicht, dass es hier enden muss. Du kannst auch ein Mann und zwei Frauen in eine Beziehung nehmen. Drei Frauen. Oder was für Geschlechtertypen Du auch immer gerne zeigen möchtest. Nichts ist unmöglich.

Sei daher durchaus mutig und zeig, was möglich ist.

Abschlussgedanken

Sicherlich gibt es noch weitere Möglichkeiten, wie Du Deine Charaktere in eine Beziehung stecken kannst. Die hier Vorgestellten dürften sicherlich die bekanntesten sein. Daher, tob Dich aus und gib Deiner Geschichte noch einen gewissen Schuss an Besonderheit. Solange die Geschichte gut ist, darfst Du Dich diesbezüglich austoben.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

 

Hits: 301

Polygame und polyandre Fiction

Polygame und polyandre Fiction

Hei, hallo und herzlich willkommen,

im Leben selbst sind diese Beziehungstypen in der Vergangenheit in einigen Gesellschaften schon vorgekommen. Zwischenzeitlich kommen sie aber auch wieder in der Gegenwart an und bieten für das Leben aber auch für eine Geschichte durchaus interessante Ideen.

Kurze Vorgedanken

Heute geht es in den ganzen Beziehungsgeschichten darum, wenn sich ein Mensch in mehr als zwei Menschen verliebt. Viele behaupten, dass das nicht gehen würde. Darauf gab es mal eine gute Erwiderung. Und zwar, wenn Du verheiratet bist und ein Kind hast, wen von beiden liebst Du? Jetzt könnte man lang und breit diskutieren, dass man ein Kind anders liebt, als eine erwachsene Person. Aber wenn Du zwei Kinder hast, dann könntest Du ja von denen nur eines lieben, wenn man nur eine einzige Person lieben könnte.

Zudem gibt es Menschen, die ihre Ehepartner*innen lieben und zugleich eine Affäre beginnen. Wie geht das, wenn man sich in nur eine Person verlieben könnte? Gehen wir für diesen Beitrag davon aus, dass es möglich ist, mehr als nur einen Menschen zu lieben. Und dann für Deine Geschichte. Daraus könnte durchaus etwas Interessantes entstehen.

Was ist eine polygame Beziehung eigentlich?

Unter einer polygamen Beziehung versteht man, wenn ein Mann sich in zwei oder mehr Cis-Frauen verliebt. Jedoch geht es hier auch noch weiter. Der Mann geht mit beiden Frauen eine Beziehung ein und die Frauen stimmen dem zu. Man kann auch von einem Harem sprechen. Nur, dass die Frauen nicht in einem abgesperrten Bereich einer Wohnung oder derartiges Leben, sondern selbstbestimmt (hoffentlich zumindest) neben dem Mann auch außerhalb des Wohnbereiches agieren.

Eine religiöse Gruppe, die früher, und zum Teil noch heute polygam lebt, sind die Mormonen.

Dein Held verliebt sich also in mindestens zwei Frauen und geht mit beiden eine Beziehung ein. Und die Frauen billigen dies zumindest, wenn sie das nicht sogar aktiv gestalten. Damit meine ich, dass sie sich untereinander anfreunden und dadurch die Beziehung Stablisieren. Es wäre nichts anstrengeder, als wenn man mit zwei Frauen verheiratet wäre und die sich nicht ausstehen könnten.

Wichtiger Hinweis: Zwar können natürlich alle sich zu einem hübschen Dreier zusammenfinden. Aber die Frauen gehen ansonsten keine sexuelle Beziehung miteinander ein. Dazu kommen wir nächste Woche.

Was ist eine polyandre Beziehung?

Bei einer polyandre Beziehung steht die Frau im Mittelpunkt. Sie hat mit mindestens zwei Männern eine Beziehung und beide wissen und akzeptieren es. In der modernen Literatur wird das auch als Reversed Harem Story bezeichnet. Du kannst gerne mal in den bekannten Onlineshops danach suchen und findest zwischenzeitlich einiges an Literatur.

In matriarchalischen Gesellschaften soll diese Beziehungsform nicht ganz unüblich gewesen sein. Denn dort war die Rolle des Mannes eine völlig andere (der Bruder war wichtiger als der Ehemann). Und zudem war es für das Kind auch um einiges besser, wenn sich zwei oder auch mehr Männer, um das leibliche Wohl des Kindes kümmerten. Zudem war es auch noch eine Möglichkeit, um die Überbevölkerung zu verhindern.

Was ich damit meine?

Wie oft kann ein Mann zwei Frauen schwängern? Und wie oft können zwei Männer eine Frau schwängern? Es soll Orte gegeben haben, bei denen die polyandre Beziehung gelebt wurde und die Bevölkerungszahl blieb über Jahrhunderte konstant.

Diese Beziehungsformen für Deine Geschichte

Wenn Du Lust hast, diese Beziehungsformen für Deine Geschichte zu verwenden, dann bist Du aktuell in sehr guter Gesellschaft. Zur Zeit entstehen sehr viele Geschichte darum, dass eine Person eine Beziehung mit mindestens zwei anderen Personen eingeht. Dabei dominieren die polyandre Beziehungen jedoch stärker. Du wirst also mehr F/MM Geschichten finden.

Es gibt aber auch M/FF Geschichten. Leider eignen die sich aktuell eher dafür, selbst Hand anzulegen (wenn wir uns jetzt verstehen). Da besteht durchaus noch sehr viel Nachholbedarf.

Aber welche Fragen solltest Du Dir stellen, wenn Du solch eine Beziehungsform in Deine Geschichte verwenden möchtest?

Wie kommen die Personen zusammen?

Auch wenn Du das nicht in Deiner Geschichte erwähnst, ist es sicherlich interessant zu wissen, wie Deine drei Personen zusammenkommen? Immerhin wollen oder führen sie eine Dreierbeziehung. Wie kommt also der Mann oder die Frau dazu, sich mit mehr als einer Person einzulassen? Und dann geht es ja weiter. Wie sind sie zusammengekommen, um die Beziehung zu führen?

Überleg Dir daher, zumindest als Hintergrundgeschichte, was da passiert ist.

Wie sehen die Personen sich in der Beziehung?

Jeder Mensch hat ja ein Bild von sich. Und in einer Beziehung ist das nicht anders. Wie sehen sich die Drei also innerhalb dieser Beziehung? Sind sie glücklich? Oder muss da noch was passieren, damit alles rund läuft? Fühlt sich jemand als das dritte Rad am Wagen? Und so weiter.

Hier geht es mir darum, dass Du definierst, wie sich die Charaktere selbst sehen und dann auch in der Beziehung. Eventuell findest Du hier auch gute Anhaltspunkte für ein paar Konflikte.

In was für einer Gesellschaft leben Deine Charaktere?

Damit meine ich, befinden wir uns in einer Science-Fiction Welt oder spielt die Geschichte in einer Fantasyumgebung? Es könnte ja auch unsere Realität sein. Hier ist es durchaus wichtig, dass Du erst einmal definierst, wie die Gesellschaft normalerweise aufgebaut ist. Denn dadurch ergibt sich auch, wie sie die Beziehung Deiner Charaktere betrachten.

Wie reagiert die Umwelt auf diese Beziehungsform?

Wenn diese Beziehungsform in Deiner Gesellschaft normal ist, dann fallen sie nicht auf. Das wäre schlichtweg eine Beziehung von vielen, so wie es heute die monogame Beziehung ist. Sollte dies aber eher selten sein, weil sie nicht offen vorkommt, kommt es nun auf Dich an uns zu zeigen, wie die Umwelt darauf reagiert. Akzeptiert sie es sofort? Wenn ja, warum? Und wenn nicht, was ist hier der Grund?

Je nach Gesellschaft wird diese Beziehung irgendeine Reaktion hervorrufen. Diese muss dann halt auch realistisch sein. Vor einiger Zeit habe ich eine polyandren / Reversed Harem Geschichte gelesen, die im 19ten Jahrhundert spielte. Es gab zwar einige wenige, die etwas seltsam dreingeschaut hatte. Aber natürlich war es für alle in der Umgebung absolut normal, dass eine Frau mit zwei Männern ins Bett geht. Erst recht hat die konservative Mutter dies akzeptiert.

Leider kam das für mich nicht glaubwürdig herüber. Es blieb dieses Gefühl, ich muss ein Happy End durchprügeln. Egal wie Deine Charaktere darauf reagieren, zeig mir ein realistisches Bild. Dann gehe ich mit Dir mit.

Die sexuelle Komponente

Gerade wenn Du einen (erotischen) Liebesroman schreibst, empfehle ich Dir, dazu Gedanken zu machen. Gehen sie alle drei miteinander ins Bett oder immer nur zu zweit? Und wenn sie zu dritt intim werden, wie sieht das aus? Und wenn nicht, wie regeln sie das?

Abschlussgedanken

Wenn Du eine Dreiergeschichte schreiben möchtest, dann hast Du natürlich auch eine romantische Komponente dabei. Das bedeutet, dass Du Dir die Fragen stellen kannst, die Du zu einer monogamen Liebesbeziehung stellen würdest. Nur musst Du mit drei Charakteren arbeiten und die Dynamik zwischen den drei Menschen dabei berücksichtigen.

Ansonsten hast Du die Möglichkeit aus bisherigen Plots, mit denen viele arbeiten, mit einer Dreierbeziehung zu garnieren und etwas anderes daraus zu machen. Dazu gehört natürlich auch ein wenig Mut. Denn viele sind dafür noch nicht ganz so offen. Und auch wenn ich es in dem Hauptteil des Beitrages nicht geschrieben habe und es wohl eher rüberkam, dass nur Cis-Menschen diese Beziehung führen können, so stimmt das nicht. Natürlich kannst Du alle Geschlechtertypen nehmen, welche Dir zusagen und über die Du schreiben möchtest.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Deine frau schreibseele

 

Hits: 55

Bisexuelle, polysexuelle und pansexuelle Fiction

 

Bisexualität, Polysexualität und Pansexualität

Hei, hallo und herzlich willkommen,

Bisexualität und Pansexualität geht in eine sehr ähnliche Richtung. Daher bespreche ich beide sexuelle Ausrichtungen in einem Beitrag, auch wenn sie grob gesehen, nicht das gleiche sind.

Kurze Vorgedanken

Ursprünglich wollte ich in diesem Beitrag nur über die bisexuellen Charaktere schreiben. Doch dann viel mir ein, dass es, unter anderem, auch noch die Pansexualität gibt. Nein, natürlich gibt es noch viel mehr Ausrichtungen. Aber mit diesen beiden Begriffen dürften die meisten von uns sicherlich etwas anzufangen wissen. Daher schreibe ich in erster Linie darüber.

Du kannst die Informationen als Grundlage für weitere Recherchen verwenden und dann sehen, was Du daraus machst.

Bisexualität

Was bedeutet eigentlich Bisexualität?

Bisexuelle Menschen haben sexuelles Interesse nicht nur in ein Geschlecht, sondern in zwei. Und zwar in Cis-Frauen und Cis-Männer.

Kurze Erklärung: Cis-Menschen sind Menschen deren gefühltes Geschlecht mit dem übereinstimmen, was in der Geburtsurkunde steht.
Das bedeutet, wenn eine Frau oder ein Mann sich auch als solche empfinden und dieses Geschlecht auch in der Geburtsurkunde steht, dann handelt es sich dabei um Cis-Menschen.

Das bedeutet also, dass eine bisexuelle Frau sich sowohl in Frauen als auch in Männern verliebt. Bei Männern ist es auch so, also er verliebt sich in Frauen und Männern. Jedoch nicht in weiteren Geschlechtern. Das bedeutet, sollten bisexuelle Menschen auf einen Mensch treffen, die*der Genderfluid ist, dann würde sie*er sich nicht in diese Person verlieben.

“Bisexuelle lieben nicht das Geschlecht, sondern den Menschen”

Vielleicht kennst Du diesen Spruch, dass bisexuelle nicht das Geschlecht liebt, sondern den Menschen. Dass das Lesben und Schwule sicherlich nicht gerne lesen oder hören, kann ich verstehen. Letztens meinte eine Dame, dass sie sich bestimmt nicht in die Brüste oder in die Vagina ihrer Liebsten verliebt hätte, sondern in den Menschen.

Das stimmt natürlich.

Andererseits kann man auch sagen, würde man das Geschlecht der Person ändern, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Lesbe oder ein Schwuler dann in sie*ihn verliebt? Der Spruch mag nicht fair sein, aber bis zu einem kleinen Grad hat er durchaus seine Daseinsberechtigung. Es wäre aber interessant diesen Spruch in einem Roman zu verwenden und dann die Charaktere darüber diskutieren zu lassen.

Bisexuelle haben mit dem eigenen Geschlecht Spaß und heiraten das andere Geschlecht

Das ist ein Problem, warum bisexuelle Menschen so einen schweren Stand haben. Denn vielen wirft man vor, dass sie mit dem eigenen Geschlecht eben sexuellen Spaß haben. Aber wenn es dann darum geht sich zu binden, entscheiden sie sich für das andere Geschlecht. So wie es die Gesellschaft letztendlich auch erwartet.

Man kann sagen, man weiß nicht, woran man bei ihnen ist. Während Lesben und Schwule sich eindeutig einem Geschlecht sexuell hingezogen fühlen, kann man das bei bisexuellen Menschen nicht sagen. Theoretisch können sie jederzeit sich in das andere Geschlecht verlieben und sind dann womöglich auf und davon und lassen den Schatz sitzen.

Nur sind bisexuelle Menschen genauso treu oder untreu wie alle anderen auch. Die sexuelle Ausrichtung selbst hat nichts damit zu tun.

Wie kann man über bisexuelle Charaktere schreiben?

Tatsächlich habe ich selbst bisher noch kein Buch über einen bisexuellen Charakter gelesen. Dabei gibt es durchaus welche. Dabei werden gerade Frauen zu bisexuellen Charaktere erklärt, damit sie auch wirklich Sex haben können (Stichwort zum Thema Klischee, dass Lesben keinen Sex haben).

Um einen bisexuellen Charakter darzustellen, würde ich selbst darauf zugreifen, dass ich sie*ihn für beide Geschlechter schwärmen lassen. Man muss sie*ihn nicht in eine Beziehung packen. Aber wenn der Charakter auf eine gutaussehende Figur trifft, würde ich meinen Charakter schwärmen lassen. Wie gut die Figur aussieht, was für einen Knackarsch sie hat und so weiter. Und in einem Gespräch oder in einer weiteren Schwärmerei würde ich das für das andere Geschlecht dann klären.

Es reicht häufig aus klar zu machen, dass Dein Charakter mehr als nur ein Geschlecht sexuell attraktiv und anziehend findet. Dann muss sie*er noch nicht einmal mit beiden Geschlechtern am Ende ins Bett gehen. Das ist eben kein muss.

Was kann man über sie schreiben?

Eigentlich stellt sich diese Frage schon gar nicht. Bisexuelle Charaktere entsprechen natürlich einem Menschen. Mit anderen Worten, Du kannst über alles Schreiben, über was Du auch immer möchtest. Es gibt keine Grenzen. Erst recht, da es kaum Bücher mit sehr aktiven bisexuellen Charakteren geben. Zwar werden häufig Frauen als bisexuelle Charaktere eingeführt, damit sie keine Lesben sein müssen. Aber selbst das ist eher mager.

Das bedeutet also, dass Du noch sehr viele Möglichkeiten hast, um tolle Geschichten mit bisexuellen Charakteren zu schreiben. Hier steht Dir also eine Menge Potenzial offen.

Polysexualität

Was ist die Polysexualität?

Das bedeutet, dass sich ein Mensch zu mehr als nur zwei Geschlechtern hingezogen fühlen. Also mindestens drei müssen es sein. Jedoch betrifft das nicht alle Geschlechter, die es gibt (Facebook stellt zum Beispiel 60 Möglichkeiten zur Verfügung, aus denen man das eigene Geschlecht wählen kann).

Die literarische Bearbeitung

Um Polysexualität darzustellen, müsste man mehr als nur die Cis-Frau und den Cis-Mann in Geschichten vorstellen. Gelegentlich gibt es noch transsexuelle Charaktere. Aber da wird es schon selten. Bei meiner kleinen Spontanrecherche nach entsprechenden Büchern bin ich auf einige Sachbücher gestoßen, die aber auch schon etwas älter sind.

Um eine Geschichte mit einem polysexuellen aktiven Charakter zu schreiben, benötigt man tatsächlich ein wenig mehr. Selbst dann, wenn Du die Sexualität nur im Kopf Deines Charakters abspielen lassen möchtest. Und zwar die Akzeptanz in der Geschichte, dass es eben mehr als nur das Cis-Geschlecht gibt. Wenn das fehlt, wird es schwierig sein, diesen Charakter überzeugend umzusetzen.

Meine Empfehlung ist daher, recherchiere nach den verschiedenen Geschlechtern und baue sie zumindest in der Theorie ein. Dann kannst Du über einen solchen Charakter schreiben. Und vielleicht bist Du auch so mutig und schreibst über diese verschiedenen Geschlechter. Und ja, heutzutage muss man tatsächlich schreiben, dass dazu viel Mut gehört.

Pansexualität

Was bedeutet nun Pansexualität?

Man könnte fast, aber auch nur fast, sagen, dass pansexuelle Menschen es auf die Spitze treiben. Denn sie machen gar keinen Unterschied bezüglich des Geschlechtes ihrer romantischen oder auch sexuellen Partner*innen. Sie können also theoretisch mit allen der oben erwähnten sechzig Geschlechtern eine Beziehung eingehen.

Pansexuelle Charaktere sind mir persönlich noch nicht untergekommen. Aber auch hier gilt, wenn Du über sie schreiben möchtest, ist über kurz oder lang die Akzeptanz anderer biologischer Geschlechter notwendig. Bleibst Du bei zwei Geschlechtern, bringt es nicht viel, den Charakter pansexuell zu nennen. Diese*r wäre schlichtweg bisexuell. Und schlimmstenfalls würden Leute, welche die Unterschiede kennen, das auch entsprechend anprangern.

Eine Geschichte schreiben

Wie schon öfters erwähnt (daher halte ich mich hier tatsächlich etwas kürzer), Du kannst über diese Charaktertypen genauso schreiben, wie über alle anderen. Nur wäre es schön, wenn Du uns zeigst, dass sie eben eine andere sexuelle Orientierung haben. Damit hat es sich auch schon. Und natürlich ist es überlegenswert, mehr als nur die Cis-Geschlechter darzustellen.

Abschlussgedanken

Es gibt sehr viele Möglichkeiten, wenn Du über Charaktere schreibst, die zumindest bisexuell sind. Zwar kann Dein Charakter monogam leben. Aber das ist nicht zwangsläufig notwendig. Was ich damit genau meine, das wirst Du in den nächsten beiden Wochen noch genau lesen. Du hast aber hier durchaus Möglichkeiten interessante Geschichten zu schreiben.

Bei der Planung Deiner Geschichte und vor allem Deiner Charaktere viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Hits: 120

Lesbian Fiction

 

Lesbian Fiction

nachdem wir uns das Thema Gay Fiction angesehen haben, geht es nun zu den Lesben. Leider gibt es hier sehr viele Vorurteile und wenig Geschichten, mit denen man arbeiten könnte.

Kurze Vorgedanken

Vor einigen Jahren hatte ich mal für einen Beitrag für meinen letzten Blog recherchiert, wie viele Verlage Bücher mit schwulen Charakteren veröffentlichen und wie viele mit lesbischen Charakteren. Es war sehr ernüchternd. Während es Verlage gibt, die teilweise ausschließlich Gay Fiction publizieren, kann man die Verlage für Lesbian Fiction immer noch an einer Hand abzählen. Mischverlage, die sich also für beide sexuelle Richtungen engagieren, findet man dagegen noch eher.

Zudem gab es einen Tweet eines Verlages (den habe ich mir leider nicht gespeichert), dass es scheinbar keinen einzigen lesbischen YoungAdult Roman geben soll. Schwule hingegen schon. Das ist eine der Gründe, warum ich gerade an einem arbeite.

Da sich viele Punkte mit dem Gay Fiction Beitrag überschneidet, werde ich hier auf einige eher kurz eingehen. Der Rest unterscheidet sich nicht von den Gay Romanen.

“Lesben gibt es nicht!”

Vielleicht wirst Du es nicht glauben, aber diesen Satz durfte ich tatsächlich vor über zehn Jahren in einem Chat lesen. An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, der damalige Chatter ist/war schwul. Ob das ein Zusammenhang ist, ich weiß es nicht. Doch von einer Frau habe ich solch einen Satz nie gehört.

Bis vor einiger Zeit habe ich mich immer noch über diesen Satz geärgert, obwohl ich mit diesem Chatter schon seit vielen Jahren kein Kontakt mehr habe. Und vermutlich erinnert er sich noch nicht einmal mehr daran, dass er das geschrieben hatte. Wenn ich das jetzt kritisch betrachte, dann hat er nicht ganz unrecht.

Nein, natürlich meine ich nicht, dass es Lesben nicht gibt. Und zugleich gibt es sie nicht, in der öffentlichen Wahrnehmung. Ein kleines Beispiel? Normalerweise sind Übersichten mit lesbisch/schwulen Charakteren aus Comicheften sehr männerlastig. Diese Liste ist mal eine wohltuende Abwechslung. Ansonsten findet man in Listen mit zehn Charakteren (um ein Wert zu nennen) acht Männer und dementsprechend zwei Frauen, wenn überhaupt.

Ansonsten tauchen Lesben eher selten auf.

Wenn sie denn mal auftauchen, dann als bisexuelle Frau. Hier kann ich wieder von einer persönlichen Erfahrung schreiben. Es wieder einige Jahre her, da stellte eine Autorin ihre Charaktere vor. Der Held durfte natürlich schwul sein, keine Frage. Sie hingegen war bisexuell. Einen rein lesbischen Charakter fand man in dieser Geschichte leider vergebens. Mir schien es auch so zu sein, das ist aber eine rein persönliche Ansicht, dass ein lesbischer Charakter nicht erwünscht war, da sie ansonsten kein Sex haben könnte (dazu gleich mehr).

Auch sonst ist es eher wahrscheinlich, dass man auf einen schwulen Charakter trifft, als auf einen lesbischen. So kommt es wohl auch, dass es eben noch keine lesbischen YoungAdults Romane gibt.

Lesben haben keinen Sex

Sicherlich sind wir uns einig, dass Cis-Frauen keinen Penis haben. Wie sollen sie also Sex haben? Zumindest ist es für viele unverständlich, dass sie auch ohne einen Penis einen Orgasmus haben können. Dazu gehört jedoch Fantasie und etwas Recherche. Dann klappt das auch im Bett.

Da den Cis-Lesben nun einmal ein Penis fehlt, können sich viele einfach nicht vorstellen, dass sie tatsächlich Sex haben. Daher gibt es ja Vibratoren, Dildos und Futas (um einige Möglichkeiten aufzuführen). Doch für einen Quickie auf der Toilette oder an der Raststätte sind die nicht wirklich bequem. Aber anstatt sich etwas anderes einfallen zu lassen, wird ihre sexuelle Erfahrung schlichtweg negiert, leider.

Erst einmal, es ist natürlich nicht zwangsläufig notwendig, dass Lesben Sex haben müssen. Zugleich fände ich es persönlich schön, einfach aufgrund der Tatsache, dass das bisher eher negiert wird. Denn Lesben haben Sex und der kann toll sein. Lasst uns darüber gerne schreiben.

Wenn Du Dich also entscheidest, über Lesben und über lesbische Erotik zu schreiben, es gibt tolle Bücher dazu, welche Dir dabei helfen. Und ein Gespräch mit einer Lesbe kann Dir sicherlich auch dabei helfen.

Einmal drüber und gut – Sex mit Männern

Meistens kommt der Spruch von Männern, dass eine Lesbe nur mal ordentlich rangenommen werden muss, dann ist sie geheilt. Um es kurz zu machen, das ist natürlich kompletter Blödsinn. Wenn eine Frau lesbisch ist, ist sie lesbisch. Das trifft auf einen schwulen Mann genauso zu. Frauen fühlen sich eben zu Frauen hingezogen und damit hat es sich. Sie müssen nicht erst einmal testen, ob sie denn nicht vielleicht doch auf Männer stehen.

Die Heterosexualität ist die gesellschaftliche Norm. Das bedeutet, dass jede Abweichung sich outen und erklären muss. Und zwar bis ins letzte Detail. Heterosexuelle müssen sich hingegen nicht erklären, warum sie auf das andere Geschlecht stehen. Dabei könnte man sie fragen, ob sie denn sicher sind, heterosexuell zu sein. Immerhin waren sie nicht mit jemanden des eigenen Geschlechts im Bett. Woher wollen sie also wissen, ob sie tatsächlich Heteros sind?

Lesben müssen also nicht mit Männern schlafen, um zu beweisen, dass sie tatsächlich lesbisch sind. Und auch wenn sie es tun, dann sind sie danach nicht geheilt, also Heten.

Vor allem, sie müssen überhaupt nicht mit Männern schlafen. Es gibt durchaus den einen oder anderen Film, da hat der lesbische Charakter Sex mit einem Mann. Und das teilweise aus nicht nachvollziehbaren Gründen. Natürlich dürfen Lesben mit Männern Sex haben. Da spricht nichts dagegen. Und sie müssen deswegen noch nicht einmal bisexuell sein. Aber wenn Du sie mit einem Mann ins Bett schickst, lass es wenigstens einen guten Grund haben. Bitte!

Und wenn der Grund einfach nur der ist, dass sie gerade mal Sex braucht, ist das völlig in Ordnung. Das ist ein guter Grund. Aber einfach nur so die Lesbe mit einem Mann ins Bett schicken, damit die Geschichte noch einmal Hetensex hat, das finde ich nicht überzeugend. Daher noch einmal meine Bitte, schreib das nicht. Sehr wahrscheinlich ist es, dass Du damit Deine Leser*innen vergraulst. Danke schon einmal dafür.

Worüber könnte man schreiben?

Zum Thema Charakter und Geschichte und diese Dinge, werde ich mich an dieser Stelle nicht äußern. Dazu habe ich im letzten Beitrag schon was geschrieben. Und vor allem, auch wenn wir über lesbische Charaktere reden, unterscheiden sie sich nicht von anderen Figuren. Nur ihre Sexualität. Sie können trotzdem wild, stolz, frei, nervig, ängstlich, nervös und alles dazwischen sein, wie die anderen Figuren. Also menschlich.

Ein Erfahrungsbericht

Immer wieder hört oder liest man, dass es zu bestimmten Geschichtstypen noch gar keine Lesbian Fiction gibt. Als ich begann mich für das Thema BDSM zu interessieren, wollte ich einen lesbischen Roman lesen. Damals hieß es, dass es nur einen Roman gäbe. Es handelte sich damals um “Sarahs Lust” von Regina Hoffmann. Zwischenzeitlich sieht es anders aus.

Aber es gab Zeiten, da sah es auf dem deutschen Markt zumindest eher mau aus. Und wenn man genauer hinsieht, dann hat es sich eher unwesentlich verbessert. Daher dürfest Du in unzähligen Bereichen auf kaum bis gar keine Konkurrenz stoßen. Zumindest, wenn Du auf deutsch schreibst. Der englischsprachige Markt ist da ein wenig besser aufgestellt. Aber selbst da kannst Du Dich immer noch in Deinem Wunschbereich niederlassen, ohne auf wirklich viel Konkurrenz zu treffen.

Die Gründe für diese riesigen Lücken

Vor einigen Jahren war ich auf der LoveLetter Convention bei einem Panel zum Thema Gay Fiction. Da kam heraus, dass sogar lesbische Autorinnen eher Gay Fiction schreiben. Eine der möglichen Gründe dürfte in dem Vorurteil sein, dass es schwer sei über Frauen zu schreiben. Und dann gleich noch zwei, geht ja gar nicht. Tatsächlich hatte eine Autorin gesagt, dass es für sie leichter sei über Männer zu schreiben.

Zudem sehen immer noch sehr viele lesbische Erotik als Antörner für Männerfantasien, weniger als eine selbstbestimmte Sexualität. Wenn Du mit einer Suchmaschine nach “lesbischer Erotik” oder “lesbian erotic” suchst (was ich Dir NICHT empfehlen kann), bekommst Du auch entsprechende Angebote geliefert. Bei Gay Erotic sieht das anders aus (gerade ausprobiert).

Es ist also aktuell noch gut, dass Du noch nicht viel Konkurrenz hast, da Du Dich dann komplett neu positionieren kannst. Der Nachteil ist aber, dass Du schlimmstenfalls gegen gewisse Vorurteile angehen musst. Aber viele Leser*innen wünschen sich lesbische Charaktere in den Geschichten.

Mögliche Themen

Eben über alles, was Dich interessiert. Es geht auch hier in erster Linie um die Geschichte. Wenn Du also Fantasy schreiben möchtest, dann schreibe Fantasy. Das gilt auch für Science-Fiction, Krimi oder Horror. Es geht um den Charakter, nicht um die Geschichte. Lesbian Fiction ist selbst kein eigenes Genre. Es handelt sich hierbei um eine Zugabe für eine mehr diverse Geschichte.

Du kannst auch gerne recherchieren, wo es noch wenige oder gar keine lesbischen Charaktere gibt und genau dafür einen Roman schreiben. Oder Du vertraust auf Deine Geschichte und machst aus Deiner Heldin eine Lesbe. Sie muss in Deinem Roman keine sexuellen Kontakte haben. Es reicht schon aus, wenn sie für eine andere Frau schwärmt oder eine Beziehung mit einer Frau in der Vergangenheit hatte.

Abschlussgedanken

Eigentlich ist es nicht schwer, einen Roman mit lesbischen Charakteren zu schreiben. Man tut es einfach und lässt ein paar unnötige Klischees weg, die ich oben beschrieben habe. Sicherlich gibt es noch andere Klischees. Aber noch ist die Literatur in Deutschland sehr übersichtlich. Daher kannst Du Dich hier gerne austoben.

Und auch wenn viele nicht gerne über lesbische Charaktere schreiben wollen, viele Menschen wollen aber darüber lesen. Vielleicht motiviert Dich das doch, zumindest darüber nachzudenken, ob Du nicht eine Geschichte mit Lesben schreiben möchtest.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

P.S. Die Links enthalten keine Affiliate-Links.

 

Hits: 145