Frauen in Fantasyromanen und in der Geschichte

Frauen in Fantasyromanen und in der Geschichte

als dieser Beitrag ursprünglich auf meinem alten Blog erschien, hatte ich relativ frisch den Film „Warcraft – The Beginning„ gesehen. Ein durchaus sehenswerter Popcornfilm, wie ich immer noch finde. Den dazugehörigen Beitrag hab ich nun aus dem Keller geholt und möchte ihn Dir im neuen Gewand präsentieren.

Kurze Vorgedanken

Es gibt Zeiten, da möchte ich gar nicht so kritisch sein, wie ich es dann doch bin. Als ich diesen Beitrag schrieb, kam ich direkt aus dem Kino. Und an sich war „Warcraft – The Beginning“ durchaus ein sehenswerter, kurzweiliger Film. Doch es gab ein Punkt, der mich doch sehr gestört hatte: meine eigene kritische Brille, der es mir zwischenzeitlich um einiges schwerer macht, diverse Filme zu sehen oder Bücher zu lesen.

Das bedeutet nicht, dass mir der Film keinen Spaß gemacht. Doch es gibt Punkte, bei denen ich mir denke, es hätte um einiges besser werden können, hätte man die eingehalten. Und wie die Überschrift schon vermuten lässt, ja, es geht mal wieder um die Rolle der Frau.

Ein paar Gedanken rund um das Genre Fantasy

Sicherlich können wir uns darauf einigen, dass die meisten Fantasyromane von unserer eigenen Geschichte inspiriert sind. Vornehmlich dem Mittelalter. Wenn wir einen Fantasyroman lesen, dann haben einige vielleicht das Gefühl, so ähnlich könnte es im Mittelalter unserer Welt ausgesehen haben. Auch wenn dieser Gedankengang nicht realistisch ist, so kann es durchaus passieren, dass wir viele Ideen, wie unser Mittealter einst aussah, aus Fantasyromanen übernommen haben.

Unabhängig, ob manche von uns unbewusst verführt werden, Fantasy für ein wenig ZU real zu halten, oder nicht, basiert dieses Genre auf unsere Geschichte. Manche stärker, andere weniger. Und bei einigen Romanen hat man durchaus das Gefühl, reale Länder aus unserer Geschichte direkt eins zu eins zu erleben und nachvollziehen zu können.

Und doch dürfen wir von den meisten Büchern und auch Filmen aus diesem Genre gerne enttäuscht sein. Nun gut, ich kann es. Wie es bei Dir aussieht, will ich nicht entscheiden. Doch die Rolle der Frau in diesem Genre ist für mich schlicht enttäuschend.

Dabei bin ich eine leidenschaftliche Hobbyhistorikerin. Das bedeutet, dass ich gerne historische Sachbücher aller Art lese. Besonders gerne aus der Zeit des viktorianischen Englands (Steampunk lässt grüßen). Aber auch einfach mal so ein Buch über die Steinzeit und dem Mittelalter. Vor einigen Jahren habe ich auch, ohne große Intention, ein Buch über die Geschichte Indiens gelesen. Um ein weiteres Beispiel zu nennen.

Was das alles zu bedeuten hat? Geschichte und Fantasy schließen sich nicht aus, obwohl sie es tun.

Frauen in der realen Geschichte – unserer Geschichte

Wenn wir in historischen Büchern lesen, dann lesen wir meistens Bücher, welche die Geschichte der Männer erzählt. Und meistens wurden und werden sie auch noch von Männern geschrieben. Das bedeutet, dass die Taten von Männern mehr oder weniger in epischer Bandbreite erzählt wurden. Egal wie bedeutend die Angelegenheit wirklich für die Geschichte war, sie wurde erzählt.

So kann es durchaus vorkommen, dass ein unscheinbarer Mann so einer beachtlichen Größe gefunden hat, nur weil seine Geschichte immer und immer wieder erzählt wurde. Und dadurch wurde ihm mehr Bedeutung zuerkannt, als es letztendlich stimmte.

In den Geschichtsbüchern dieser Männer haben Frauen eine untergeordnete Rolle gespielt. Sofern sie überhaupt erwähnt wurden. Denn Frauen spielten in der Welt der Männer nicht unbedingt die Rolle, die sie eigentlich hätten einnehmen sollen.

Und diese sexistische Brille tragen viele Historikerinnen und Historiker noch heute. Und das bringt zwei Probleme mit sich. Zum einen, es wird teilweise den Berichten von damals geglaubt. Zwar gibt es heute durchaus kritische Beobachtungen. So hat man zwischenzeitlich anerkannt, dass es bei den Wikingern auch Wikingerinnen gab, die an vorderster Front gekämpft hatten. Aber wenn ich mir zwei Beiträge im Fernsehen zu einem Thema ansehe, dann bekomme ich mindestens drei verschiedene Ansichten der gleichen Ereignisse.

Denn wir sehen die Ereignisse von damals mit einer Brille der Gegenwart (oder zumindest die Historikerinnen und Historiker). Das bedeutet, was wir heute erleben und heute kennen, wird auf die Vergangenheit angewandt (das zweite Problem). Und zwar ohne Rücksicht darauf, dass damals ganz andere Verhältnisse vorherrschten und somit die Dinge ganz anders bewertet werden müssten.

So werden Dinge, die Frauen getan haben, in einem ganz anderen Licht betrachtet. Wurden sie nicht erwähnt oder in einem Kontext, der heute eher als unschön gilt, wurde dies einfach übernommen und nicht weiter kritisch hinterfragt.

So gibt es den Dienst an die Göttin. Das bedeutete, dass Frauen mit fremden Männern eine Nacht verbrachten. Das gilt heute in einigen historischen Berichten als reine Prostitution. Denn was sind Frauen, die mit Männern schlafen und dafür Geld bekommen? Damals war das aber vielleicht (und mit großer Wahrscheinlichkeit war es wohl so) eine völlig andere Sache. Wir wissen es nicht und betrachten diese Angelegenheit in einem völlig falschen Kontext.

Eine andere Sicht der Dinge erlauben sich nicht alle Historikerinnen und Historiker. Leider. Denn dazu müsste man aus der Box springen und über den eigenen Tellerrand schauen. Und noch wagen das nicht alle. Und wenn, dann kann das durchaus zu Anfeindungen führen.

Fakt ist, unsere Geschichte bzw. die Männer hatten zu den verschiedenen Zeiten einen unterschiedlichen Stand zu den Frauen. Vor zwei oder drei Jahren habe ich die Biografie des Großen Kurfürsten gelesen. Unter anderem blieb mir eine Szene im Kopf. Und zwar, dass es geheißen haben soll, dass der wehrte Kurfürst seinen Kurfürstenhut (wohl das Äquivalent zu der Krone eines Königs) seiner Ehefrau Luise Henriette von Oranien zu den Füßen warf. Danach soll er gesagt haben, dass sie doch bitte die Regierungsgeschäfte übernehmen solle, wenn sie doch alles besser wisse.

Jetzt wirst Du Dich vielleicht fragen, was bitte schön der Blödsinn soll. Denn zu Zeiten des Großen Kurfürsten hörte dieser noch auf den Rat seiner Mutter, seiner Schwester und seiner ersten Ehefrau (bei seiner zweiten Ehefrau bin ich mir nicht mehr so sicher).

Erst später wurde der Rat einer klugen Frau nicht mehr geschätzt, ganz im Gegenteil. Dieser wurde abgelehnt und die Frauen sogar misstrauisch beäugt, wenn sie klüger war, als ein Mann.

Und vor allem, sie waren immer ein Teil der Geschichte. Sie waren Töchter, die man verheiraten konnte, Schwestern die gelegentlich was Eigenes auf die Beine stellte und auch Mütter, welche sich um ihre Kinder kümmerten (sowohl Söhne als auch Töchter). Sie waren Ehefrauen von berühmten Männern, unterstützten diese oder kümmerten sich um ihre eigene Sachen.

Frauen waren in der Geschichte immer zugegen. Vielleicht nicht so aktiv, wie ich es mir gewünscht hätte (auch, weil sie es nicht durften). Und doch hatten sie ihren Wert und waren vorhanden. Zwar waren die Männer durchaus die aktiveren. Zudem vergessen so manche Historikerinnen und Historiker, dass es Frauen gab. Aber man kann nicht um sie herumkommen. Das ist so gut wie unmöglich. Und das sollten wir niemals vergessen.

Die Rolle der Frau in der Fantasy

Wenn man sich das durchliest und sich dann anschaut, wie die Rolle der Frau in den Fantasyromanen ist, dann findet man einen gewaltigen Unterschied. Während in der Geschichte die Frau eine entscheidende Rolle spielen konnte, scheint dies in den Fantasyromanen schlichtweg vergessen zu werden.

Schauen wir uns die großen, epischen Fantasyromane an, dann sind die häufigsten Themen Krieg, Politik und die Macht. In der historischen Welt war das nicht unbedingt das Spielfeld von Frauen. Oder kennst Du eine große historische Kriegsherrin. Ja, es hat sie gegeben. Aber jetzt ganz spontan eine zu benennen, das ist durchaus schwierig, ich gebe das gerne zu. Trotzdem haben wir zum Beispiel die Kriegerkönigin Boudicca. Sie gab nicht nur Befehle, sondern kämpfte sogar an vorderster Front.

Aber muss das bedeuten, dass wir deswegen die Frau in den Fantasyromanen einfach vor der Tür lassen müssen? Das war in dem Warcraftfilm nämlich so. Menschenfrauen spielten als Ehefrauen oder Königin eine Rolle. Aber wer war die Kriegerin? Keine Menschenfrau (und sonst kamen keine vor, die man näher hätte betrachten können).

Ich meine, wir haben es hier mit einer Fantasygeschichte zu tun. Und Fantasy entspricht nicht der Realität. Auch wenn wir vielleicht bei manchen Geschichten das Gefühl haben. Oder die Geschichten ein Teil unseres Denkens werden. Sie sind und bleiben fiktionale Geschichten.

Man kann also eine Frau durchaus in Rollen stecken, welche historische Frauen niemals hätten annehmen können oder dürfen. Gerne offen und legal oder auch unter der Hand (wie es Mulan getan hat).

Oder, wenn Du Deine Frauen nicht in den Krieg schicken möchtest, was ist mit der Magie? Physisch gesehen besteht ein Unterschied zwischen Männern und Frauen. Darüber können wir uns einig sein (warum das auch bei anderen Völkern gilt, will sich mir aber nicht erschließen, da könntest Du diese Unterschiede tatsächlich aufheben). Aber warum sollte das für die Magie gelten? Oder in der Politik? Oder in anderen Bereichen?

Es gibt keinen rationalen Grund, warum das nicht in Fantasyromanen gelten soll. Natürlich, in historischen Romanen ist dies eher schwerlich möglich. Doch dort finden wir immer und immer wieder starke Frauencharaktere (das ist bei vielen historischen Romane auch der Grundtenor). Aber Fantasyromane sind einfach keine historischen Romane. Also, warum bitte schön, sollten wir nicht die Möglichkeit nutzen und weniger sexistische Elemente in diese Geschichten einzubauen? Ich sehe einfach keinen Grund.

Abschlussgedanken: Was können wir daraus lernen?

Aus der Geschichte und den historischen Romanen können wir folgendes lernen:

  1. Die Geschichte ist interessant. Sowohl für Fantasyautorinnen und -autoren als auch für alle anderen. Denn sie bietet eine Fülle an Material für Deine Romane.
    Lies ruhig einige Bücher zur Geschichte, die sich auch kritisch mit dem Thema auseinandersetzt. Lies Dir auch gerne Bücher über das soziale Umfeld der damaligen Zeit und nicht nur über die großen Männer der Geschichte. Dort findest Du sicherlich auch interessante Frauenfiguren und damit auch Vorbilder für Dich und Deine Figuren.
  2. Gib den Frauen durchaus größere Rollen in Deinem Fantasyroman. Gerne an der Front, aber auch hinter dem Kampfgetümmel. Gib den Frauen interessante Rollen und interessante Geschichten.
    Damit werden diese Geschichten für Deine Leserinnen und Leser interessanter. Nicht nur für Frauen, sondern im allgemein für alle, die nach Deinem Buch greifen. Denn die meisten von uns wollen interessante Charaktere lesen. Gib sie uns also.
  3. Schreib einfach bessere Bücher. Dazu gehört eine Menge. Aber ich bin mir sicher, Du schaffst das schon.

Dafür wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Aufrufe: 69

Männer, noch mehr Männer – Männerüberschuss

Hei, hallo und herzlcih willkommen,

möchtest Du ein Spiel spielen? Schnapp Dir ein Film oder eine Serie, welche nicht auf Diversität, Vielfalt, Inklusion oder derartiges achtet (also gut über 90 Prozent der Veröffentlichungen). Und jedes Mal, wenn Du einen Mann siehst, darfst Du was trinken.

Wenn Du Dich nicht für ein alkoholfreies Getränk entschieden hast, könnte das Spiel böse enden. Also lassen wir es vielleicht doch lieber 😀

Kurze Vorgedanken

Schon als Kind ist mir aufgefallen, dass in so gut wie allen Serien meistens nur eine Frau auftaucht und ein Man of Color. Und tatsächlich war mir schon damals klar, dass sie damit nur irgendwelche Quoten erfüllt haben.

Nur hatte ich nicht die Zusammenhänge verstanden. Schauen wir uns die nun mal genauer an.

Der Inhalt

Wenn wir es mit einer Gruppe zu tun haben, sei es auf einem Segelschiff, einem Raumschiff oder eine Abenteuergruppe, dann fällt mir persönlich ab einer Anzahl von drei Personen Folgendes auf: Zwei davon sind Männer, mindestens. Und der Rest sind Frauen bzw. eine Frau.

Du kannst fast jede beliebige Serie, jeden Film oder auch jeden Roman nehmen, den Du gerade zur Hand hast. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Du zu neunzig Prozent dort mehr Männer finden wirst, als Frauen. Viel mehr Männer wohlgemerkt. Es ist sogar so, dass es egal ist, wie groß die Gruppe letztendlich ist, meistens haben wir es, zwischenzeitlich immerhin, mit zwei Frauen im Hauptteam zu tun.

Wobei ich natürlich von den Serien, Filmen und Büchern der Gegenwart spreche. Je weiter wir in der Zeit zurück reisen, desto schlimmer wird es. Oder wie viele Frauen in der Hauptbesetzung gibt es bei Stark Trek Classic? Klar, Uhura. Die noch nicht einmal offiziell einen Vornamen hat. Zwischenzeitlich gewährt man ihr den Namen Nyota. Aber dieser ist in der Ursprungsserie nie aufgetaucht und ist eigentlich umstritten.

Und „Der Herr der Ringe“ setzt sowieso der ganzen Angelegenheit die Krone auf. Als Hauptfigur finden wir dort gar keine Frau (ich rede von den Büchern, nicht vom Film, wo Arwen doch eine etwas größere Rolle hat). Oder wie viele Frauen finden wir in der Ringgemeinschaft? Nicht einmal die Quotenfrau ist dort zu finden, im Gegensatz zu vielen anderen Geschichten.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Deswegen habe ich oben auch nur von neunzig Prozent geschrieben. Aber solange man diese Geschichten als Ausnahmen bezeichnet, solange sehe ich darin auch ein Problem.

Wenn Du nicht mein Trinkspiel mit einem alkoholfreien Getränk spielen möchtest, kannst Du auch mal eine Strichliste führen. Wie viele Männer und wie viele Frauen tauchen auf? Und wie viele davon sind weiß und wie viele PoC? Tatsächlich brauchen wir gar nicht anzufangen, wie viele davon keine Cis-Menschen sind. Die Wahrscheinlichkeit ist aktuell, dass es 0 sind. Auch da haben wir noch einen sehr langen Weg vor uns.

Das Problem

Im ursprünglichen Beitrag führte ich auf, dass die Weltbevölkerung sich in zwei Geschlechtern aufteilte. Davon würden zwischen 48 bis 52 Prozent die Cis-Frauen ausmachen (je nach Statistik, die man befragt). Zwischenzeitlich sehe ich diesen Punkt kritischer, da ich die non-binären Geschlechter dazu zählen würde. Leider gibt es hierzu keine gesicherten Zahlen.

Wenn wir aber allein bei der klassischen Statistik bleiben würden, dann würden Cis-Frauen circa 50 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Das zeigt sich aber nicht in ihrer Darstellung der Serien, Filme und Bücher (außer es handelt sich um die sogenannten Frauenfilme – was auch immer das letztendlich ist).

Schaut man sich die Serien/Filme/Bücher an, dann könnte man meinen, dass Cis-Frauen gerade mal zwanzig Prozent ausmachen (und weniger). Und alle anderen Geschlechter gar nicht existent sind. Im weiteren Verlauf belasse ich es bei der Cis-Frau.

Früher hatte man eine Quotenfrau in einer Gruppe von unzähligen Männern. Zwischenzeitlich hat die Quotenfrau Unterstützung bekommen, sodass wir es immerhin schon mit zweien zu tun haben. Selten, sehr selten sogar mal mit einer dritten Frau. Aber ich müsste ernsthaft nachdenken, wenn ich jetzt ein Film mit drei Frauen benennen sollte.

Dieses Ungleichgewicht spiegelt nicht die realen Tatsachen wieder, die wir auf diesen Planeten haben. Es gibt nun einmal mehr Frauen auf dem Planeten. Warum dann nicht in den Filmen oder Serien? Von der Rolle innerhalb dieser Serien, Bücher oder Filme möchte ich an dieser Stelle nicht schreiben, das würde schlicht zu weit führen. Also ob die Rolle gut ausbalanciert ist oder eigentlich ein wandelndes Klischee ist.

Und natürlich schreibe ich auch nicht von den Statistinnen, die einmal durch das Bild laufen dürfen, um das Gefühl zu vermitteln, es gibt doch mehr Frauen dort, solange die Hauptmannschaft nur aus maximal zwei Frauen besteht.

Warum wird das geschrieben?

Früher saßen auf dem Regiestuhl fast ausnahmslos nur Männer. Ich glaube, auf alle Regisseure der früheren Zeiten (wo in den Filmen unter anderem nur eine Frau mitspielen durfte) kamen gut und gerne ein Dutzend Frauen. Und ich rede schon von so um die 100 und mehr Regisseure. Heute sieht es immer noch nicht anders aus.

Dadurch hat sich natürlich ein starkes männliches Bild etabliert und leider auch bis heute durchgesetzt. Vor Jahren habe ich mal eine Rezension zu einem Buch gelesen (leider weiß ich nicht mehr den Titel). Da beschwerte sich, ich glaube, es war eine Frau, darüber, dass alle wichtigen Rollen in diesem Buch mit Frauen besetzt waren. Wenn es genau andersherum läuft, also die wichtigsten Rollen von Männern besetzt werden, danach schreit kein Hahn. Leider. Denn es fällt schon gar nicht mehr auf. Nur wenn es in die andere Richtung geht, bemerkt man das und schon ist es eine Katastrophe.

Und heute hat sich dieses Bild nicht nur in Hollywood festgefressen, sondern auch bei der schreibenden Zunft. Nicht umsonst gibt es immer und immer wieder Diskussionen darüber, wie wenig Frauen in den Filmen zu finden sind. Oder darüber, dass viele Filme den Bechdel-Test nicht bestehen oder über viele andere Themen.

Marvel erklärte, dass sie nicht glauben, dass Frauen wirklich als Titelheldin funktionieren könnten. Doch schon damals glaubte die heutige Nummer 2 bei der MCU Kevin Feige daran, dass es funktionieren kann. Und 2019 haben wir Captain Marvel bekommen. Zwar hat es über 20 Filme gebraucht, aber am Ende hat sich eine weibliche Titelheldin durchgesetzt. Immerhin.

Wie Du es anders schreiben könntest

Ganz klar, die Hälfte Deiner Rollen besetzt Du mit Frauen. Punkt! So einfach kann das gehen.

Schauen wir uns das ein wenig detaillierter an. Wie viele Rollen hast Du überhaupt in Deinem Buch zu vergeben. Wenn es eine gerade Zahl ist, dann kannst Du in der Tat 50:50 die Rollen aufteilen. Bei einer ungeraden Zahl kannst Du auch mutig sein und die letzte Rolle mit einer Frau besetzen. Dann wäre in der Tat mal ein Überschuss an Frauen zu finden.

Wenn Du jetzt sagst, aber es gibt doch Rollen, die eher männlich geprägt sind. Dazu zählt der Mechaniker oder der Krieger. Dann sage ich nur, es gibt die Möglichkeit, schlichtweg solche Rollen prinzipiell mit Frauen zu besetzen. Du wirst überrascht sein, wie sich die Sicht Deiner Geschichte danach ändert.

Und ein kleiner Hinweis noch: Wie wäre es denn auch mal mit einer Titelheldin? Gerade in der Literatur gibt es viele tolle Bücher, die eine Heldin haben und keinen Helden. Gerade in der Literatur kann das sehr gut funktionieren.

Natürlich bleibt bei dieser Empfehlung non-binäre Charaktere außen vor. Daher kann ich nur sagen, trau Dich und recherchiere. Und dann teile die Gruppe auf. Ein Teil darf gerne von Cis-Männern geprägt sein, der andere Teil von Cis-Frauen. Und der Rest gerne von non-binären Menschen. Und wenn Du ganz mutig bist, ist die dritte Gruppe die Größte.

Abschlussgedanken

Wie geschrieben, der ursprüngliche Beitrag richtete sich nur an Cis-Menschen. Zwischenzeitlich bin ich da gedanklich weiter (auch, weil ich weiß, dass ich selbst nicht Cis bin).

Doch der Gedanke dahinter ist deswegen nicht weniger richtig. Es gibt einen übermäßigen Überschuss an Cis-Männern in den meisten Serien und Filmen. Und Cis-Frauen erfüllen meistens nur eine Quote. Ist die erledigt, dann scheinen sich einige zu denken, wie sie den Rest der Rollen mit Männern auffüllen können.

Daher mein Aufruf, mehr Cis-Frauen und non-binäre Menschen in die Geschichte. So wie die Welt eben ist.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Aufrufe: 126

Sexismus: Die Komaohrfeige

Hei, hallo und herzlich willkommen,

am 08. April 2016 habe ich auf meinem alten Blog einen ersten Beitrag zum Thema “Sexistische Elemente für Deine Geschichte – Teil 1” veröffentlicht. Damals fing ich an, mehrere Themen in einem Beitrag zu sammeln.

Wie die Überschrift schon ahnen lässt, ging es mir damals, diverse sexistische Themen aufzugreifen und darüber zu schreiben. Und vor allem zu zeigen, wie man sie eben nicht verwendet bzw. mit Alternativen.

Da ich die Beiträge weiterhin für wichtig halte, hole ich diese nach und nach heraus und überarbeite sie. Das bedeutet, dass die nächsten Wochen am Sonntag alle meine alten Beiträge zu dieser Thematik kommen.

Wenn Du noch weitere sexistische Themen kennst, freue ich mich über Deinen Kommentar. Darüber werde ich dann recherchieren und gerne einen Beitrag dazu verfassen.

Vielen Dank schon einmal.

Kurze Vorgedanken

In diesem Beitrag möchte ich über etwas schreiben, was ich selbst “Die Komaohrfeige” nenne. Ob es dafür eine bessere*offiziellere Bezeichnung gibt, bisher konnte ich es nicht in Erfahrung bringen. Daher bleibe ich weiterhin bei dieser Bezeichnung.

Das erste Mal wurde ich mir bewusst, dass da etwas nicht stimmte, als ich einen Film aus China sah. Ihn verprügelte man mit dem halben Mobiliar und er konnte immer noch stehen. Ihr gab man eine Ohrfeige und sie war sofort außer Gefecht.

Daher schauen wir uns diese Komaohrfeige doch etwas genauer an.

Die Komaohrfeige

Der Inhalt

Sicherlich hast Du dieses Klischee schon das eine oder andere Mal im Fernsehen gesehen. Dieses Klischee richtet sich eindeutig gegen alle Geschlechter.

Meistens kommt die Komaohrfeige in einem Kampf zu tragen. Ein Gegner oder eine Gruppe von Gegnern trifft auf eine Frau und einen Mann (wobei es durchaus auch andere Paarungen geben kann, aber aus Einfachheit bleibe ich mal dabei). Der Bösewicht muss bei dem Mann alle Register ziehen, zu denen er in der Lage ist. Dazu zählen unter anderem durch Wände schleudern, ihm einen Toaster auf dem Kopf zerschlagen, ein Stuhl zur Hilfe nehmen und aus dem Fenster werfen. Doch dieser kann immer noch aufstehen und dem Gegner einem ordentlichen Kinnhaken geben, um diesen auszuschalten.

Trifft der Gegner auf die Frau, dann reicht häufig eine ordentliche Ohrfeige und sie ist mindestens für drei Wochen im Koma. Nun gut, zwischenzeitlich darf es auch ein Kinnhaken sein. Vielleicht auch zwei.

Auf alle Fälle ist zwischen den Aktivitäten bei beiden Personen ein enormer Unterschied zu sehen. Alles, was als feminin oder weiblich eingestuft wird, kann man sehr schnell überwinden. Hingegen sind die Personen, die als männlich betrachtet werden, schwerer zu überwinden (das gilt dann auch für die sogenannten Mannsweiber).

Das Problem

Das Problem an der Komaohrfeige ist, dass es gegenüber beiden Geschlechtern unfair ist. Auch wenn die obige Beschreibung natürlich übertrieben ist, so habe ich eine abgeschwächte Version davon bei „Spectre“ (James Bond) gesehen. Nur das es hier die Holzwände eines Zuges als Mittel der Überwältigung benutzt wurde.

Wenn wir dieses Bild immer und immer wieder aufwärmen, da kann man doch nur ein falsches Bild von dem starken Mann zeigen. Egal wie der Gegner mit ihm umspringt, er hat aufzustehen und ihn doch noch in den Hintern zu treten, weil es die Filmhelden ja auch schaffen. Nur das die realen Männer eben keine Filmhelden sind. Sie sind Menschen. Und auch denen kann eine Ohrfeige ordentlich wehtun.

Und zugleich sind nicht alle Frauen schwache, hilflose Wesen, die man nur schräg angucken muss und sie fallen ins Koma. Wenn das so wäre, dann sähe die Gegenwart definitiv anders aus. Und die Weltgeschichte ebenfalls. Frauen sind physisch nicht genauso stark wie ein Mann. Das ist ein biologischer Fakt (zumindest für unsere Welt, in einer Fantasywelt könnte das natürlich völlig anders aussehen). Darüber diskutiere ich nicht. Aber das bedeutet nicht, dass sie deswegen schwach sind.

Anders sieht es aber dann aus, wenn die Frau maskuliner auftritt. Als Beispiel nehme ich mal den Charakter Lara Croft. Wenn sie auf die Antagonist*innen trifft, dann reicht es nicht aus, ihr eine Ohrfeige zu geben, um sie auszuschalten. Denn sie tritt als starker, wie ich finde, maskuliner Charakter auf. Und als solche muss sie natürlich mehr wegstecken können. Immerhin spielt sie in der Liga der Männer mit.

Warum wird das geschrieben?

Ich glaube, dass es aus den Zeiten stammt, wo Frauen wirklich noch als das schwache Geschlecht galten. Also in den Anfängen der Filmindustrie. Da galt ein Mann noch was und musste natürlich seine zukünftige Ehefrau und die Mutter seiner Kinder beschützen. Das stilisierte den Mann als Helden des Alltages und die Frau als schützenswertes Daueropfer.

Zwischenzeitlich hat sich die Sicht auf die Geschlechter doch ein wenig geändert. Der Mann kann gerne eine Frau beschützen. Dagegen sagt niemand etwas. Aber eine Frau kann auch gerne einen Mann beschützen (und sämtliche Mischungen, die es noch so geben kann). Warum letztendlich nicht?

Interessanterweise ist es aber so, dass Frauen durchaus auch Männer ohrfeigen dürfen und sie darunter leiden – in Komödien. Manchmal geht es sogar so weit, dass Männer schon fast gefoltert werden, nur damit es angeblich witzig wird. Hier zeigt sich dann häufig wieder dieses gewisse feminine Verhalten. Er ist kein richtiger Mann (was auch immer das wirklich ist), also kann er aus Spaß misshandelt werden (Achtung, das ist NICHT meine Meinung, sondern solche Filme suggerieren diese Meinung).

Wie Du es anders schreiben könntest

Jetzt würde ich lügen, wenn ich Dir jetzt versuchen würde zu erklären, wie das Ganze medizinisch korrekt abläuft. Also, wie stark ein Schlag sein müsste, damit ein Mensch (egal welches Geschlecht sie haben) ohnmächtig wird.

Natürlich dürfen Deine Figuren auch den einen oder anderen Schlag abbekommen. Aber versuche es durchaus realistisch zu gestalten. Notfalls erkundige Dich im Internet oder bei richtigen Ärztinnen oder Ärzten, wie stark man eben zuschlagen müsste, um jemanden k.o. zu schlagen.

Kleiner Tipp an dieser Stelle, sag am besten vorher, dass es für Deine Romanrecherche ist und Du nicht vorhast, wirklich jemanden zu verprügeln. Sicher ist sicher.

In der Serie „Agents of S.H.I.E.L.D“ ist die Agentin Melinda May eine durchaus geübte Kämpferin. In der folgenden Szene siehst Du, wie sie gegen Giyera kämpft. Es geht für beide ziemlich hart zur Sache und trotzdem fällt sie nach einem wirklich ordentlichen Tritt nicht gleich ins Koma. Ja, sie trägt Verletzungen davon. Aber sie steht auf und kann weitermachen.

Natürlich zeigt es hier, dass May durchaus maskulin auftritt. Mein Vorschlag für Deine Charaktere ist, zeig sie menschlich. Dann spielt das Geschlecht keine Rolle.

Alternativ könntest Du, sofern Dein Plot es hergibt, die Ohrfeige komplett auslassen. Wie könnte sich dann Deine Geschichte entwickeln?

Abschlussgedanken

Es mag einigen vielleicht übertrieben vorkommen, dass so viel Wind um eine kleine Ohrfeige gemacht wird. Aber schau Dir mal ältere Filme an. Also mindestens aus den achtzigern oder noch früher. Du wirst sehen, dass sie dort immer noch eine entscheidende Rolle spielt.

Oder schau Dir die Rolle der Männer in diversen Komödien an (Du kannst die entsprechenden Filme an den Plakaten erkennen, mit denen Werbung gemacht wurde). Auch da hat die Ohrfeige (bzw. die Gewalt überhaupt) eine Rolle, derer man sich meiner Meinung nach nicht bedienen sollte.

Auf alle Fälle wünsche ich Dir einen tollen Plot ohne dieses Klischee.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Aufrufe: 821