Happy End, Bad End oder doch eher Open End

Happy End, Bad End oder doch eher Open End

Hei, hallo und herzlich willkommen,

jede Geschichte braucht einen guten Anfang und ein gutes Ende. Doch was ein gutes Ende ist, das ist von Geschichte zu Geschichte unterschiedlich. Zumal es verschiedene Arten von Enden gibt.

Kurze Vorgedanken

Viele Autor*innen machen sich Gedanken über einen starken Anfang. Das ist gut und wichtig. Denn habe ich erst einmal meine Leserinnen eingeladen meinen Roman zu lesen, habe ich sie so gut wie im Sack, dass sie auch gerne bis zum Ende den Roman lesen möchten.

Doch wenn eben dieses Ende nicht befriedigend ist, dann könnte es sein, dass sie nicht noch einmal zu einen meiner Geschichten greifen. Sie sagen sich dann, dass eben Autorin X oder Autor Y unbefriedigende Enden schreiben und eben das möchten sie sich nicht antun.

Doch vorher sollte man für sich klären, was für ein Ende man überhaupt schreiben möchte. Denn, wie die Überschrift sagt, gibt es drei Möglichkeiten. Nun gut, ich gestehe, ich kenne selbst nur diese drei Möglichkeiten, aus der Geschichte auszusteigen. Vielleicht gibt es mehr. Aber mir selbst sind sie nicht über den Weg gelaufen.

Happy End

Vermutlich muss ich nicht viel zum Happy End sagen. Denn wir alle haben bestimmte Bilder vom Happy End im Kopf. Sie kriegt ihn, der Held reitet in den Sonnenuntergang, das Böse wird besiegt und so weiter. Von normalen Happy Ends bis eben zu denen, die voller Klischees nur so triefen.

Am Ende bekommen die Guten ihre Belohnung und die Bösen eine Tracht Prügel. Auf alle Fälle fühlen sich die Leser*innen und Zuschauer*innen (von Serien oder Filmen) gut aufgehoben, wenn eben alles gut ausgeht.

Bei den meisten Romanen, die ich kenne, gibt es eigentlich ein Happy End. Zwar können einzelne Personen einen kleinen Verlust erleiden, aber auf Dauer bekommen alle, was sie verdient haben. Das ist in den meisten Genres irgendwie ein Usus.

Zudem verlangen viele Verlage auch ein Happy End. Gerade wenn Du im Romance Bereich schreiben möchtest, solltest Du darauf gefasst sein, dass Dein Bad End oder Open End nicht gerne gesehen wird. Das kann eventuell dazu führen, dass man Dich bittet, Dein Ende umzuschreiben. Alternativ bekommst Du für Dein Ende eine Absage.

Aber wir haben häufig ein Bild davon, dass zum Beispiel im Liebesromanbereich die Heldin und der Held sich kriegen. Das ist nicht unbedingt notwendig. Es kann auch sein, dass die Heldin den Helden in den Wind schießt und sich endlich bewusst wird, was sie wirklich im Leben will. Leider wird das eher selten geschrieben.

Auch wenn Dein*e Held*in nicht ihr Ziel erreicht, so wie sie*er es angestrebt hat, kann sie*er trotzdem ein Happy End bekommen. Es muss sich am Ende halt gut anfühlen. Das ist irgendwo das Wichtigste. Und wenn Du das schreiben kannst, weil es zur Geschichte passt, dann hat Deine Geschichte ein Happy End verdient.

Bad End

Bad Ends bedeuten nicht zwangsläufig, dass alles in einer Katastrophe endet. Aber es kann in dieser Richtung gehen. Häufig lese ich Bad Ends eher bei Kurzgeschichten. Vermutlich liegt es daran, dass man sich hier emotional nicht so sehr einbringt und dass es daher nicht so sehr wehtut, wenn man die Charaktere ein wenig mehr leiden lässt.

Bei einem Liebesroman würde das bedeuten, dass die Heldin nicht nur von ihrem Helden getrennt wird. Es geht sogar so weit, dass er stirbt und sie letztendlich allein zurücklässt. Oder auch andersherum.

Bad Ends bedeuten, dass Du Deine Leser*innen emotional sehr belastest. Sie haben sich über Tage hinweg mit Deinen Charakteren beschäftigt, sich mit ihnen auseinandergesetzt, mit ihnen geliebt und gelitten. Und als Belohnung bekommen sie ein Bad End.

Das ist nichts Schlechtes, nicht dass wir uns jetzt missverstehen. Gut eingesetzt kann auch ein Bad End ein gutes Ende sein. Und das nicht nur für Kurzgeschichten. Das Wichtige hierbei ist, zumindest finde ich es, dass es zur Geschichte passt.

Damit meine ich, dass es schwer zu verkaufen ist, dass die ganze Geschichte über Rosa und Liebe und Licht und so weiter ist und dann auf einmal bekomme ich als Leserin ein Bad End präsentiert. Und das völlig aus dem Nichts. Das ist ein schlechtes Bad End.

Bei einer ernsteren Geschichte könnte ich mir hingegen ein Bad End gut vorstellen. Hauptsache es überzeugt mich. Dann hast Du mich auch als Leserin für Deine weiteren Geschichten gewonnen.

Von einigen Autorinnen und Autoren hab ich gelesen, dass sie gerne Bad Ends schreiben würden. Aber die Angst vor den Reaktionen ihrer Verlage und letztendlich der Leserinnen und Leser hält sie davon ab. Dabei wäre es schön, wenn sie sich trotzdem trauen würden zu experimentieren. Denn letztendlich könnte das auch eine sehr gute Geschichte werden.

Wenn man sich eben traut.

Open End

Vielleicht erinnerst Du Dich noch an den Deutschunterricht, als die Kurzgeschichten besprochen wurden. Dort wurde gesagt, dass man jede Kurzgeschichte unbedingt und auf jeden Fall mit einem offenen Ende ausklingen lassen soll. Zwischenzeitlich halte ich das für völligen Unsinn, doch dieser Satz hat mich über zu viele Jahre sehr geprägt.

Wie die Bezeichnung schon sagt, endet Deine Geschichte mit einem offenen Ende. Das bedeutet im Grunde genommen, man weiß nicht so genau, was mit den Charakteren am Ende alles passiert.

Es könnte gut ausgehen, es könnte auch schlecht mit den Charakteren weitergehen. Ich kann Dir nur eines hierbei empfehlen. Lass Deine Leser*innen nicht ganz in der Luft hängen. Wenn Deine Charaktere gerade dabei sind, die gegnerische Burg zu stürmen (in einem Fantasyroman), dann empfiehlt es sich natürlich zu zeigen, ob sie erfolgreich sind oder nicht.

Eine Ausnahme kann sein, wenn die Erstürmung dieser Burg gar nicht Teil des Handlungsstranges ist. Wenn also der Weg zur Burg der wichtige Teil ist, dann kannst Du auch gerne kurz vorher abbrechen. Aber ich denke, dass Du den Sinn schon verstehst.

Open Ends sollten aber genauso enden, als offenes Ende. Es kann aber durchaus passieren (und ich bin auch der Meinung, das in einem Film und in der einen oder anderen Geschichte mitbekommen zu haben), dass die Autorin oder der Autor das versaut. Und zwar mit einem Epilog. Dort wird dann erzählt, was aus den ganzen Charakteren passiert ist.

Das Open End lässt mir als Leserin die Möglichkeit, dass ich mir selbst ausmalen kann, was aus den Figuren geworden ist. Wenn ich in einem Epilog erzählt bekomme, was aus denen wurde, kann ich das auch in den Roman packen. Dann brauche ich kein Open End zu schreiben.

Eine weitere Schwäche des Open Ends kann der sein, dass Deine Leser*innen einen nächsten Teil erwarten. Daher empfehle ich klar zu machen, und zwar innerhalb der Geschichte, dass nach dem Band Schluss ist. Wenn Du eine Reihe schreibst, musst Du das Ganze sowieso anders aufziehen. Daher bleibe ich hier bei einem Einzelband.

Vorsicht! Cliffhanger!

Der vollständigkeitshalber erwähne ich es noch an dieser Stelle, ein Cliffhanger hat natürlich nichts mit einem Open End zu tun. Der Cliffhanger dient dazu, dass Du Deine aktuelle Geschichte so abbrichst, dass sie ein Ende hat. Aber natürlich soll sie neugierig auf den nachfolgenden Band machen.

Daher bewerte ich den Cliffhanger als eine Art Zwischenende. Erst wenn Du Deine Reihe vollständig beendet hast, musst Du natürlich auch ein richtiges Ende finden. Und dieser reiht sich dann in die oben genannten Kategorien ein.

Welches Ende solltest Du schreiben?

Du solltest das Ende schreiben, was am besten zur Geschichte passt. Das ist das wichtigste Kriterium. Wenn es ein Bad End ist, dann schreib diesen. Wenn nicht, dann quäl Deinen Plot nicht mit einem Ende, das niemanden am Ende glücklich macht. Vor allem Dich nicht.

Du kannst das Ganze natürlich überlegen, während Du plottest. Oder aber auch spontan, während Du schreibst. Immerhin kann sich die Geschichte während des Schreibens durchaus noch einmal verändern. Auf alle Fälle darf gerne alles Hand in Hand gehen, damit es zu einem großen Ganzen wird.

Wenn Du das schaffst, dann wird aus Deinem Roman eine tolle Geschichte. Davon bin ich überzeugt.

Abschlussgedanken

Dieser Beitrag soll als Übersicht und auch als kleine Erinnerung dienen, was für Möglichkeiten Du hast. Und theoretisch kannst Du allein mit dem Happy End eine Menge machen. Das Wichtige ist halt, dass Du weißt, was Du machst und vor allem, warum Du es machst.

Wenn Du das immer im Hinterkopf behältst, dann steht einer guten Geschichte mit einem tollen Ende nichts im Weg.

Und dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Hits: 9

Wie kann ich mein Manuskript überarbeiten?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

endlich ist es soweit, Du hast die erste Fassung fertig. Nun geht es ans Eingemachte, ans Überarbeiten. Während die einen sich regelrecht darauf freuen, haben andere eine richtige Blockade. Daher stelle ich Dir heute eine mögliche Methode vor, dieses Thema anzugehen.

Kurze Vorgedanken

Eine wichtige Sache vorneweg, jede Autorin oder jeder Autor hat oder wird einen eigenen Weg entwickeln, um das eigene Manuskript zu überarbeiten. Und es kann sogar sein, dass Du für jedes Manuskript einen eigenen Weg findest, weil jede Geschichte eine eigene Dynamik hat.

Lass Dich daher von dem folgenden Beitrag inspirieren. Und finde am Ende Deinen eigenen Weg.

Drei Stufen

Für meine Überarbeitung habe ich einen 3-Stufen-Plan entwickelt. Diesen kann man grob wie folgt unterteilen:

  • Vor der Überarbeitung
  • Inhaltlische Überarbeitung
  • Stilistische Überarbeitung

Normalerweise wäre es eine gute Idee, alle drei Stufen voneinander getrennt zu bearbeiten. Aber ich kann Dir verraten, zumindest bei mir ist es nicht so. Vielleicht sieht es bei Dir ja anders aus.

Vor der Überarbeitung

Du hast Dich entschieden, dass Dein Manuskript beendet ist. Erst einmal herzlichen Glückwunsch dazu. Damit bist Du weiter als einige andere Autor*innen. Immerhin hast Du nun etwas, was Du überarbeiten kannst.

Eine leere Seite lässt sich nicht überarbeiten. Aber wenn da etwas steht, ob das Mist ist oder nicht, dann kannst Du es überarbeiten. Daher schauen wir uns mal an, wie ich da anfangen würde.

Ruhen lassen

Wenn Du andere Autor*innen fragst, was der erste Schritt ihrer Überarbeitung ist, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Du die Antwort bekommst, dass Manuskript in Ruhe zu lassen. Mit anderen Worten, gönn Dir erst einmal eine Pause.

Wie kurz oder wie lang diese sein sollte, darüber gibt es keine einheitliche Meinung. Kann es auch nicht geben. Denn wir sind alle unterschiedlich. Und aus diesem Grund ist es wichtig, dass Du Deine Zeit für Dich findest.

Es kann sein, dass Du sagst, dass Dir eine Woche reicht. Andere hingegen brauchen einen Monat, ein halbes Jahr oder noch länger. Mit Stand Februar 2019 hab ich mein Projekt 2 beendet. Nach etwa einer Woche Pause hab ich total Lust bekommen, wieder daran zu arbeiten. Bei Projekt 1 sah das anders aus. Da brauchte ich tatsächlich eine längere Pause.

Handschriftliche Notizen

Das Folgende hilft zumindest mir enorm. Vielleicht magst Du es ja für Dich mal ausprobieren und sehen, ob es Dir hilft.

Beim Plotten oder auch beim Überarbeiten setze ich mich gerne mit einem Stück Papier und einem Stift hin und schreibe per Hand. Allein, dass ich handschriftlich mir was notiere, hilft meiner Kreativität extrem auf die Sprünge.

Bei solchen Notizen schreibe ich mir verschiedene Dinge auf. Wie sehe ich den Charakter, wie den Plot, was könnte ich besser machen oder anders schreiben. Tatsächlich kann es manchmal passieren, dass sich der Plot in eine völlig andere Richtung entwickelt.

Und manchmal hab ich nur ein paar Details, die ich gerne genauer schreiben möchte. Es kommt immer darauf an, was ich im Vorfeld alles geschafft habe.

In solchen Fällen hilft es mir, wenn ich meine gewohnte Umgebung verlasse und woanders schreibe. Geh ruhig mal in ein Café oder in eine Bibliothek. Oder setz Dich (wenn das Wetter erlaubt) auf eine Parkbank und schreibe dort. Wenn Du an einem anderen Ort bist, schaust Du auch auf andere Dinge und das kann häufig inspirieren.

Was auch immer Du am Ende schreibst, behalte die Notizen. Wer weiß, was Du damit anfangen kannst.

Inhaltliche Überarbeitung

Hier ein wichtiger Hinweis: Wenn Du Dich daran machst, Deinen Text inhaltlich zu überarbeiten, Finger weg von der Grammatik oder den schönen Sätzen. Das meine ich ernst.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Du den Text mehrere Male überarbeitest. Und dabei kann es passieren, dass Du die Sätze auch einige Male überschreibst, umsetzt oder komplett neu schreibst.

Es lohnt sich also einfach nicht, am Anfang mit dem Korrektorat zu beginnen. Erst, wenn Dein Text wirklich gut ist, dann kannst Du mit diesem Schritt anfangen.

Das bedeutet aber nicht, dass Du nicht tolle Sätze aufschreiben darfst. Nur sollte Dein Fokus nicht darauf liegen. Es ist besser, wenn der erst einmal auf den Inhalt liegt. Danach hast Du die Grundlage dafür, aus einer guten Geschichte auch einen tollen Text zu machen.

Logische Fragen

Beim ersten Durchgang solltest Du schauen, ob alles in sich stimmig ist. Wie sieht es mit dem Plot aus? Gibt es irgendwelche rote Fäden, die nicht zu Ende geführt sind? Oder hast Du Baustellen aufgemacht und diese nicht weiter bearbeitet?

Es ist eine gute Idee, dir entsprechende Dinge zu notieren. Sei es auf einem Zettel oder in Deinem Schreibprogramm. Hast Du eine Baustelle aufgemacht, ist es notwendig, diese irgendwo wieder zu schließen. Daher ist es natürlich gut zu wissen, wo Deine Baustellen sind und wo Du sie dann wieder zuschüttest.

Gegebenenfalls kann es notwendig sein, dass Du zwei oder sogar drei Mal den Roman durchliest, bis Du alle logischen Fehler ausradiert hast. Solche Dinge sind übrigens nicht immer vermeidbar. Selbst dann, wenn Du alles vorher geplant hast. Denn eine Geschichte entwickelt sich. Und das manchmal völlig anders, als wir es erwartet haben.

Hier gibt es aber eine kleine Entwarnung. Es müssen nicht wirklich alle Details geklärt werden. Wichtig sind natürlich die großen Dinge, die in Deinem Roman eine Rolle spielen. Und Dinge, auf denen Du selbst ein sehr großen Augenmerk gelegt hast.

Ein kleines Beispiel. Vor Jahren habe ich einen Roman gelesen, in dem eine Telefonnummer eine wichtige Rolle spielte. Immer wieder fragte die Heldin, woher er die Nummer hat (zwischenzeitlich sehe ich das Thema als sehr übergriffig, damals war ich noch nicht sensibel genug). Doch er wollte es ihr nie erzählen. Und dann fiel das Thema unter dem Tisch. Da die Autorin hier selbst immer wieder mit der Nummer kam, wollte ich wissen, woher er sie hatte. Wäre es nebenbei erwähnt worden, hätte ich sicherlich einen anderen Bezug dazu gehabt.

Daher, wäge ab, was wichtig ist und was nicht. Und dann füll die Löcher nach Deinen Entscheidungen.

Inhaltliche Details ausarbeiten

Wenn Du nun den Plot und die Charaktere unter Kontrolle hast, wird es Zeit noch einen weiteren Blick auf Deinen Plot zu werfen. Hier geht es um die Detailarbeit. Man könnte sagen, dass Du hier die Feinheiten Deiner Geschichte dann herausholst.

Schau Dir alles nun noch einmal an und versuch nun das Beste herauszuholen. Vorher ging es darum, einen roten Faden durch Deine Geschichte zu holen. Nun wollen wir den roten Faden dick und fest spinnen. Und vor allem auch schön (es geht aber immer noch nicht um die sprachlichen Details, nicht das wir uns missverstehen).

Wie sieht der Anfang aus? Ist der erste Satz so gut, dass ich als Leserin Deine Geschichte lesen will? Wie sieht es mit dem ersten Absatz aus? Oder den ersten drei Seiten?

Fängt die Geschichte an der richtigen Stelle an? Oder bist Du zu früh oder gar zu spät dran? Werden die ersten Konflikte gelegt oder ist da noch zu viel BlaBla?

Und überhaupt, hast Du genügend Konflikte in Deinem Roman? Wenn nein, wo könntest Du noch welche einbauen? Und hast Du alle Konflikte auch gelöst?

Wie sieht es mit der Perspektive der Charakter aus? Hast Du sie konsequent eingehalten? Manchmal passiert es, dass wir diese versehentlich verlassen und aus einer anderen Schreiben. Kehre daher zu Deiner gewählten Perspektive zurück. Und vor allem, ist das auch die Beste, die Du wählen konntest?

Wie sieht es mit der Beschreibung aus? Werden die wichtigen Sinne bzw. alle angesprochen? Hast Du gute Dialoge geschrieben? Und führen beide weiter in Deine Geschichte?

Und natürlich Deine Figuren. Letztendlich dreht sich alles um sie. Daher ist es wichtig, zu prüfen, ob diese authentisch sind. Hat man das Gefühl, es mit echten Menschen zu tun zu haben? Agieren und reagieren sie logisch? Und vor allem, sind sie konsequent? Von Anfang bis Ende? Kommt da eine Entwicklung zum Tragen?

Umstellen, löschen, neu schreiben

Bei der Überarbeitung Deines Manuskripts kann es dann schon mal passieren, dass Du Szenen komplett umstellen musst. Es kann sein, dass Du Absätze oder ganze Kapitel löschen solltest, und/oder diese neu schreiben darfst.

Klar, kann das anstrengend sein. Gerade dann, wenn man wirklich viele, sehr viele Seiten geschrieben hat. Und manche scheuen sich vor diesem Schritt. Denn er ist teilweise endgültig.

Daher zwei Tipps von mir:

Erstens: Zieh es durch. Ich hab bei meinen Werken gesehen, dass sich dieser Schritt häufig lohnt. Danach war die Geschichte stärker, als hätte ich an meine vorherige Idee festgehalten. Klar, es zeigt, dass mein Schreiben noch nicht genial genug war. Aber das ist ein Egoproblem. Schieb das zur Seite und versuch die beste Version Deines Romans zu schreiben.

Zweitens: Arbeite immer an einer Kopie des Originals. Sollte eine vorherige Fassung doch besser gewesen sein, kannst Du immer zu dieser zurückkehren. Durch diese Kopien habe ich teilweise bis zu zwölf Fassungen eines Kapitels hier vorliegen.

Hier aber noch ein wichtiger Hinweis: Wenn Dir jemand rät etwas umzuschreiben, zu löschen oder was auch immer und Du kannst nicht dahinter stehen, lass es. Jeder Mensch hat einen eigenen Geschmack, was das Schreiben angeht. Und wenn sie Dir einen Vorschlag geben, ist es auch genau das, ein Vorschlag.

Wenn Du es gut findest, übernimm es. Wenn nicht, lass es und mach weiter. Es wird sicherlich schon seine Gründe haben, warum Du so entscheidest. Steh dazu.

Stilistische Überarbeitung

Wenn Du es bis hierhin geschafft hast, darfst Du Dir ordentlich auf die Schulter klopfen. Denn damit hast Du den Löwinnenanteil geschafft. Jetzt geht es an die schönen Details. Mit anderen Worten, aus einem inhaltlich guten Text machen wir eine Augenweide.

In welcher Reihenfolge Du jedoch anfängst, ist Dir vollständig überlassen. Theoretisch kannst Du folgende Vorschläge auch sofort alle umsetzen. Nimm Dir immer einen Absatz vor und überprüf diesen. Erst wenn Du mit dem zufrieden bist, gehst Du zum nächsten weiter.

Wortwiederholungen

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Du auf einer Seite die gleichen Wörter immer wieder schreibst. Vor einigen Jahren habe ich gelernt, dass im englischen dies durchaus in Ordnung ist. Aber nicht in deutschen Texten. Daher wird von vielen darauf geachtet, dass unnötige Wortwiederholungen vermieden werden.

Das gilt sowohl für Wörter wie “war” oder auch “könnte” und ähnliche. Aber auch für “Phiole”, “Automechaniker” und andere Beispiele. Es ist egal, was es bei Dir ist. Schau genau hin, was sich immer und immer wieder bei Dir wiederholt und versuche den Satz so umzubauen, dass der Sinn bestehen bleibt und der Satz stärker wird.

Aktiv statt passiv

Vielleicht kennst Du ja folgende Satzkonstellationen:

“Der Hund wird geschlagen” bzw. “Der Mann schlägt den Hund”.

Wenn der arme Hund geschlagen wird, dann ist das passiv. Im zweiten Satz tut der Mann etwas aktives (und bekommt dafür einen Tritt in den Hintern). Schau Dir Deine Sätze an und überprüfe, wo Deine Charaktere aktiv werden sollten.

Man kann aber nicht prinzipiell sagen, dass jeder Satz unbedingt aktiv sein muss. Daher ist eine individuelle Prüfung notwendig. Denn manchmal passiert Deinem Charakter etwas, was sie oder er hinnehmen muss. Dann können passive Sätze hier sogar gut sein.

Ansonsten empfehle ich Dir, den aktiven Sätzen den Vorzug zu geben.

Show don’t tell

Sicherlich kennst Du diese Bedeutung. Wenn Dein Charakter wütend ist, dann könntest Du es mir beschreiben. Oder Du zeigst mir, wie Deine Figur eine Vase nimmt und sie gegen die Wand schleudert.

Auch hier gilt es abzuwägen. Denn manchmal ist ein Reines Tell notwendig. Aber dem Show solltest Du auch hier eher den Vorzug geben.

Satzbau

Adjektive und Adverbien streichen, Metaphern austauschen und Wörter ändern. Das alles ist dann notwendig, wenn Du einen inhaltlich guten Satz hast. Dann kannst Du an die Form gehen.

Das gilt auch für Füllwörter. Unnötige Füllwörter würde ich immer streichen. Doch achte darauf, dass der Satz noch seinen Sinn behält. Häufig kann es notwendig sein, entweder dem Füllwort zu benutzen. Oder den Satz umzustellen, damit der überhaupt noch einen Sinn ergibt (da spreche ich aus Erfahrung).

Die Rechtschreibung

Wenn Du das alles getan hast und nun ein Text vor Dir liegt, der gut klingt, kannst Du Dich endlich um die Rechtschreibung kümmern. Selbst wenn Du, so wie ich, keine Rechtschreibkönigin bist oder sogar eine Lese-Rechtschreibschwäche hast, versuche wenigstens, die groben Fehler auszuradieren.

Den Rest kannst Du dann in Zusammenarbeit mit Deinen Alphaleser*innen bearbeiten. Aber ich finde es Respektvoll, wenn Du im Vorfeld Dir dabei Mühe gibst. Der Rest entwickelt sich gemeinsam.

Zwei Tipps für Deinen Text

Wenn Du nun herausfinden willst, ob Dein Text gut geworden ist, gibt es zwei Möglichkeiten, das selbst zu prüfen.

Die Schriftart ändern

Unser Auge hat sich die ganze Zeit an eine bestimmte Schriftart gewöhnt. Daher wird es irgendwann blind und denkt, dass alles in Ordnung ist. Ändere sie einfach ab und lese dann den Text noch einmal durch.

Dabei empfehle ich, dass die neue Schriftart sich stark von der aktuellen unterscheidet.

Laut vorlesen

Auch wenn wir unsere Stimme nicht mögen, ist laut vorlesen ein gutes Hilfsmittel. Du wirst irgendwann über diesen einen Satz stolpern, der sich einfach nur krude anhört. Den kannst Du dann so herausfiltern und ändern, bis er rund klingt.

Daher, schließ Dich in Dein Zimmer ein und lies laut. Dein Text wird es Dir danken.

“Ich hasse überarbeiten”

Es wird Phasen geben, da wirst Du aller Wahrscheinlichkeit das Überarbeiten hassen. Und dann gibt es Phasen, da kannst Du es nicht abwarten, Dich wieder an Deinen Text zu setzen und zu überarbeiten.

Aber denk daran, was Du am Ende in den Händen halten wirst. Es wird DEIN Roman sein, DEIN Baby. Und wenn Du Dir die harte Arbeit antust, werden die Leute es sicherlich lieben. Davon bin ich fest überzeugt.

Die harte Arbeit lohnt sich. Auch wenn Du danach das Schreiben erst einmal hassen wirst. Ich wette mit Dir, dass Du es nicht lange aushalten wirst, nicht zu Schreiben.

Abschlussgedanken

Das Überarbeiten eines Textes kann viel Energie kosten. Und natürlich auch Zeit. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es sich definitiv lohnt. Daher ist es wichtig, sich dahinter zu setzen und jeden Tag Stück für Stück Deine Geschichte abzuarbeiten.

Denk aber daran, Du schreibst Deinen Roman durchaus alleine. Aber diesen zu überarbeiten bedarf einiger fleißiger Hände und Seelen. Angefangen von den Alphaleser*innen hinzu Deiner Lektorin und dann zum Korrektorat.

Such Dir Leute aus, denen Du vertrauen kannst und ehrlich mit Dir sind. Dann wirst Du es schaffen.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Hits: 311

Plot: Freytags Pyramide

Plot: Freytags Pyramide

eine durchaus bekannte Methode des Plottens ist “Freytags Pyramide”. Daher stelle ich diese heute vor. Auch wenn das definitiv nicht die letzte Plotmethode ist, die es gibt.

Kurze Vorgedanken

Nicht jede Plotmethode passt auf jede Autorin oder jeden Autor. Daher ist es verständlich, dass verschiedene Autor*innen verschiedene Plotmethoden überlegen, erfinden oder definieren.

Und auch wenn an dieser Methode schon der Staub angesetzt hat, so ist die Idee dahinter durchaus noch sehr modern. Daher empfehle ich Dir, Dich damit gerne zu beschäftigen. Vielleicht findest Du Deinen Nutzen daraus.

Wer war denn dieser Freytag?

Gustav Freytag (* 13 Juli 1816 in Kreuzburg Oberschlesien, + 30. April 1895 in Wiesbaden) war ein deutscher Schriftsteller. Sein Buch „Technik des Dramas“ gehört zu den wichtigsten Werken über Dramaturgie seiner Zeit. Und vor allem, es wird immer noch aufgelegt, was durchaus für die Zeitlosigkeit seines Textes spricht.

In seiner Dramatheorie fasst Freytag das geschlossene Drama zusammen, welche von Aristoteles bis hin zu Friedrich Schiller funktionierte. Dazu benutzte er eine sogenannte Pyramide, welche die Punkte Exposition und erregendes Moment, Höhepunkte mit Peripetie, retardierendes Moment und Lösung bzw. Katastrophe enthält.

Der Aufbau der Pyramide

Im Folgenden beschreibe ich Dir, wie die Struktur seiner Pyramide aufgebaut ist, und erkläre dies anhand des Films „Star Wars – Krieg der Sterne„. Vermutlich muss ich hier keine Spoilerwarnung aussprechen, oder?

Der 1 Akt:

Sie enthält die Exposition. Hier bekomme ich als Leserin erzählt, wo ich mich zeitlich und örtlich in der Geschichte befinde. Wie lautet die Vorgeschichte zu dem, was ich nach und nach vorgesetzt bekomme und wer sind die wichtigen Figuren, die mich durch die Handlung begleiten? Weiterhin sollte meine Aufmerksamkeit auf den sogenannten Keim des Konfliktes und der Spannung gelenkt werden.

Sehr häufig lese ich in Schreibratgebern, dass man in den ersten Seiten schon wissen sollte, wo befinde ich mich ganz genau, was für ein Roman lese ich und mit wem habe ich es fast die ganze Zeit zu tun.

Anders ausgedrückt, willst Du Deinen Roman in den Sand setzen, dann erzähle mir bloss nicht, dass es ein Fantasyroman ist, wo genau ich mich in diesem Roman befinde, welche Zeit es ist und so weiter.

Natürlich musst Du nicht gleich alle wichtigen Charaktere einführen. Es kann auch sein, dass es für die Handlung wichtig ist, dass eine Figur erst ein wenig später auftritt. Aber die meisten wichtigen sollten von Anfang an klar definiert sein.

Kleiner Tipp: Du kannst auch einige Erzählstränge parallel laufen lassen. Damit schaffst Du es mehrere Charaktere einzuführen, ohne das diese erst einmal etwas miteinander zu tun haben.

Schau Dir StarWars IV zum Beispiel an: Wir kennen die Vorgeschichte (die Gefangennahme von Prinzessin Leia), wir kennen die wichtigen Figuren, eben noch einmal Prinzessin Leia und Luke Skywalker (bis zu einem gewissen Grad auch Obi-Wan Kenobi) und später kommt noch Han Solo dazu (mit Chewbacca natürlich). Wir wissen genau, dass es eine Sci-Fi Geschichte ist, weil wir es mit Raumschiffen zu tun haben. Und können uns daher denken, dass es in der Zukunft spielen kann (wobei, ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es das wirklich ist oder einfach nur in einem anderen Teil des Universums, wo eben zufällig auch Menschen herumwimmeln).

Der 2. Akt.

Hier geht es zum erregenden Moment. Die Handlungsfäden werden verknüpft und auch verschlungen. Es kommt, dass Interessen aufeinanderstoßen, hier werden Intrigen gesponnen, die Entwicklung der Geschichte beschleunigt sich, sie nimmt Fahrt auf und bewegt sich in eine bestimmte Richtung. Hier soll die Spannung auf den weiteren Verlauf der Geschichte gesteigert werden und natürlich auf das Ende (die sogenannte Finalspannung).

Die Geschichte nimmt also Fahrt auf. Natürlich solltest Du bei der Exposition keine Zeit verlieren, damit ich als Leserin nicht das Buch zur Seite lege. Aber hier geht es noch einmal rund und es soll die erste Spannung entstehen.

Ich sehe hier bei StarWars IV die Ereignisse in der Bar, wo unsere Helden auf Han Solo treffen, die Vernichtung von Leias „Heimatplaneten“ durch Darth Vader und die Suche nach der Prinzessin. Und vor allem die Verfolgung des Helden durch den Antagonisten Darth Vader.

Der 3. Akt.

Unser Konflikt erreicht hier ihren Höhepunkt. Der Held steht in der entscheidenden Auseinandersetzung. Hier heißt es Sieg oder Niederlage. Ganz einfach, keine Ummalung.

In StarWars IV sehe ich hier den Kampf zwischen Obi-Wan Kenobi und Darth Vader. Hier wird der Mentor zum Helden. Er kämpft gegen den Schatten, um den wahren Helden (Luke Skywalker) zu retten.

Diese können fliehen, um dann zum vierten Akt überzugehen.

Der 4. Akt.

Hier geht die Handlung auf das Ende zu (die fallende Handlung). Die Spannung wird hier jedoch noch einmal gesteigert, in dem sogenannten retardierenden Moment verzögert sich die Auflösung und es geht noch einmal weiter. Der Held kann gerettet werden (das nennt sich Tragödie) oder sein Sieg wird infrage gestellt (das wieder herum Schauspiel).

Es soll also noch einmal spannend werden, von mir aus, es soll noch ein wenig Screentime oder ein paar Seiten aufgebaut werden, damit die Leute noch bei der Stange bleiben. Ich als Leserin soll erst einmal Luft schnappen, damit es noch einmal so richtig rundgeht.

In StarWars IV sehe ich die Szene nach dem Kampf zwischen Meister und Schatten. Leia ist gerettet und eigentlich könnten jetzt alle nach Hause gehen. Doch da gibt es noch das eine oder andere Problem zu lösen. Zum einen sind die Jäger, welche die Falcon verfolgen und vernichten sollen. Also muss hier Luke zeigen, dass die Trauer über den Verlust seines Meisters ihn nicht ganz am Boden hält. Zudem gibt es da noch einen gewissen Todesstern, welche das All in Furcht und Schrecken versetzt und den nächsten Planeten platt machen will.

Der 5. Akt.

Hier kommen wir dann endlich zur Lösung des Konfliktes. Dies kann in einer Katastrophe geschehen (also im Untergang des Helden – Tragödie) oder durch seinen Sieg und der dazugehörigen Verklärung (Schauspiel).

StarWars IV zeigt hier den Kampf der Piloten gegen den Todesstern. Schaffen sie es diesen zu vernichten, bevor dieser den Planeten der Rebellen vernichtet? Oder wird Luke zuvor von Darth Vader abgeschossen und dabei getötet? Natürlich schafft er es (ich denke nicht, dass das noch ein Spoiler ist, oder?) und am Ende als Held gefeiert.

Wenn wir an dieser Stelle sind, dann geht es zum Schluss und ich kann als Leserin endlich aufatmen, das Buch zur Seite legen (mich hoffentlich ärgern, weil das Buch so schnell ausgelesen ist) und mich auf Band 2 freuen oder auf ein neues Buch, das hoffentlich genauso gut geschrieben ist.

Zusammenfassung

1. Akt: Exposition

  • Ort, Zeit, Person und Handlung werden vorgestellt
  • Der Konflikt wird angedeutet

2. Akt: Ansteigen der Handlung / erregendes Moment

  • Die Handlungsfäden werden verknüpft
  • Intrigen werden gesponnen
  • Die Entwicklung des Geschehens geht in Richtung Spannung (es soll ja weiter gelesen ggf. der Film weiter gesehen werden).

3. Akt: Höhepunkt und Peripetie

  • Der Konflikt gelangt zum Höhepunkt
  • HeldInnen stehen vor der entscheidenden Auseinandersetzung
  • Peripetie = es kommt zur dramatischen Wende und es heißt Sieg oder Niederlage

4. Akt: Fallende Handlung mit retardierenden Moment

  • „Kann sich der Held noch einmal retten?“

5. Akt: Katastrophe

  • Lösung des Konflikts (entweder Tragödie oder Schauspiel)

StarWars und die Heldenreise

Natürlich ist mir bewusst, dass George Lucas gerade den ersten Teil der alten StarWars-Saga auf der Grundlage der Heldensage aufgebaut hat.

Aber wie Du siehst, funktioniert diese Technik auch bei einem Film, der mit einer anderen Methode aufgebaut wurde.

Zusammenfassung und Schlusswort

Man kann natürlich diesen Aufbau ein wenig mit der Fünf-Akt-Struktur verwechseln (immerhin hat diese Pyramide auch fünf Akte). Aber beides hat eine eigene Dynamik. Es geht hierbei letztendlich darum, dass die Lösung des Konflikts einmal verzögert wird. Dabei soll ich als Leserin noch einmal die Luft anhalten und mich fragen, wow, wie geht es jetzt weiter, schaffen es die HeldInnen wirklich oder geht alles in die Hose?

Diese Technik wirst Du aller Wahrscheinlichkeit auch in vielen Schreibratgebern finden (ich bin zwischenzeitlich drei oder vier Mal darüber gestolpert) und es hat durchaus seine Gültigkeit. Ansonsten hätte es nicht gut 2.000 Jahren (seit Aristoteles) bis heute überlebt.

Wenn Du es also ausprobierst, wünsche ich Dir dabei viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Hits: 37

Plot: Der 7-Akter

Hei, hallo und herzlich willkommen,

nachdem wir uns den 3-Akter und den 5-Akter angesehen haben, schauen wir uns heute den 7-Akter auch das 7-Punkte System an.

Kurze Vorgedanken

Diese Methode geht auf den Autor Dan Wells zurück. Zwar hat er diese Methode nicht erfunden, aber er hat sie verfeinert und aufbereitet. Seine Inspirationsquelle ist der „Star Trek Narrator Guide„.

Auf YouTube findest Du einige Videos zu einem Vortrag von ihm (die ich hier verlinkt habe, dass Urheberrecht liegt bei der einstellenden Person und beim Autor). Es ist eine weitere Methode, mit der Du eine Geschichte planen und plotten kannst.

Entweder Du nimmst die Informationen, die Du mit dem 3-Akter und dem 5-Akter Dir erarbeitet hast, und arbeitest hier noch tiefer und intensiver daran. Oder Du arbeitest nur mit dieser Methode. Wie so oft, die Entscheidung liegt an Dir.

Aufbauübersicht

Erst einmal möchte ich Dir die Punkte vorstellen, auf denen die 7-Punkte-Struktur beruht.

  1. Der Aufhänger (Hook) – Hier stellst Du Deine Heldin oder Deinen Helden vor, die Welt in die sie sich befinden, dass Setting, was auch immer wichtig ist.
  2. Erste Wendung (Plot Turn 1) – Hier geschieht DAS Ereignis, welche Deine Figuren dazu zwingt zu reagieren. Die Welt verändert sich und Spannung wird aufgebaut.
  3. Erster Kniff (Pinch 1) – Die Situation verschlechtert sich, etwas geht schief und dadurch wird Deine Heldin oder Dein Held gezwungen, etwas zu unternehmen.
  4. Mittelpunkt (Midpoint) – Deine Heldin oder Dein Held wird aktiv und beginnt etwas an der Situation zu ändern.
  5. Zweiter Kniff (Pinch 2) – Es geht wieder etwas schief, wodurch sich die Situation noch einmal verschlechtert. Dadurch steigt der Druck auf Deine Heldin oder Dein Held und erst einmal erscheint die Situation aussichtslos.
  6. Zweite Wendung (Plot Turn 2) – Deine Heldin oder Dein Held findet eine überraschende Möglichkeit, dass sie oder er doch etwas unternehmen kann, und kann die Situation noch in letzter Sekunde herumdrehen.
  7. Auflösung (Resolution) – Deine Heldin oder Dein Held siegt über das Problem.

Bevor Du beginnst

Du könntest jetzt theoretisch schon anfangen zu plotten. Immerhin kennst Du jetzt die Übersicht. Doch wenn Du direkt nach der Methode von Wells arbeiten möchtest, solltest Du Dir noch einige Dinge überlegen.

  • Um was geht es in Deiner Geschichte?
  • Was ist Deine Kernaussage, die Du gerne vermitteln möchtest?
  • Was ist der Grund, warum Du gerade diese Geschichte und keine andere schreiben willst?
  • Wer sind Deine Charaktere?
  • Was ist das Setting?
  • Kannst Du Dein Hauptkonflikt benennen?

Wenn Du all diese Punkte benennen kannst, dann bist Du bereit für den nächsten Schritt. Sagst Du Dir aber, dass Du eher grob alles beschreiben kannst, dann wäre jetzt Zeit noch einmal darüber nachzudenken und diese Punkte Dir zu erarbeiten.

Denn mit je mehr Wissen Du ans Plotten herangehst, desto besser kannst Du Dir alles erarbeiten. Daher empfehle ich Dir, nutz die Zeit und arbeite noch einmal an den oben aufgeführten Punkten. Danach kannst Du sofort weitermachen.

Eine weitere Besonderheit an der Methode von Wells ist sein Beginn. Normalerweise fangen wir alle bei Akt 1 an. Also ganz am Anfang. Wells hingegen beginnt am Ende seiner Geschichte. Er ist der Meinung, dass Du die wichtigen Punkte Deiner Geschichte eher herausfinden und erarbeiten kannst, wenn Du weißt, wohin die Reise überhaupt geht.

Das bedeutet, wenn Du weißt, wo Deine Heldin oder Dein Held endet, kannst Du sehen, wo er angefangen hat. Wells selbst wählt als Beispiel Harry Potter. Am Ende der kompletten Geschichte ist er ein mächtiger Zauberer, der es geschafft hat Lord Voldermort zu besiegen. Wenn Du das auf Deinem Blatt Papier siehst, dann kannst Du Dir überlegen, wo solch eine Geschichte anfangen könnte. In diesem Fall als Waisenkind, der bei ungeliebten Verwandten unter der Treppe lebt und keine Freundschaften hat. Das perfekte Beispiel, oder?

Die 7 Punkte detailliert erklärt

Auch wenn Dan Wells empfiehlt, mit dem 7. Punkt anzufangen, also der Auflösung, bleibe ich, aus Übersichtsgründen, bei der klassischen Reihenfolge. Wenn Du Dich dann an die Bearbeitung Deines Plots machst, kannst Du dann den siebten Punkt als erstes nehmen und die restlichen danach abarbeiten.

1 Der Aufhänger – Hook

Hier sind wir beim genauen Gegenteil zur der Auflösung unter Punkt 7. Denn hier beginnt die Reise Deiner Heldin oder Deines Helden. Wir befinden uns also in seiner Alltagswelt. Das bedeutet, Du kannst diesen Teil dafür benutzen, um uns zu zeigen, wo wir sind, mit wem wir es zu tun haben, wie die Stimmung ist, das Setting, sowie das Genre.

Diese Punkte kennst Du auch aus den anderen Plotbeschreibungen. Wichtig ist vielleicht noch zu erwähnen, dass der Beginn der Reise ganz woanders anfängt, als sie dann am Ende endet.

Das bedeutet nicht unbedingt, dass Deine Heldin oder Dein Held nicht an den gleichen Ort zurückkehren kann. Sondern die Figur muss sich innerlich so weit geändert haben, dass sie als eine völlig andere Figur zurückkehrt.

Weiterhin kannst Du hier auch wichtige Nebenfiguren einführen, die für die Geschichte besonders wichtig sind oder werden. Jedoch ist es durchaus gut, wenn Du Deinen Hauptfiguren genügend Platz lässt, damit Du ihre Charakterentwicklung zeigst. Mit wem haben wir es hier zu tun, wo fängt ihre Reise an, wie sind sie und was für ein mögliches Potenzial haben wir hier?

Weiter kannst Du hier ein Konflikt, ein Geheimnis oder ein Problem aufbauen, was dann in der Geschichte und eventuell in der kompletten Reihe sich dann durchzieht.

2 Erste Wendung (Plot Turn 1)

Ein unerwartetes Ereignis tritt ein und dadurch verändert sich die Welt unserer Heldin oder unseres Helden unwiederbringlich (selbst wenn sie oder er den Ruf ablehnen würde, es hat sich etwas geändert). Dadurch wird die Geschichte in eine neue Richtung gelenkt und die Handlung kommt dadurch so richtig in Gang.

Gleichzeitig lernen wir neue Figuren und erste Geheimnisse werden gelüftet. Es dürfen neue Geheimnisse dann durchaus dazu kommen.

3 Erster Kniff – Pinch 1

Du kannst Dir merken, dass Pinches Stellen sind, an denen besonders viel Druck auf Deine Heldin bzw. Helden ausgeübt wird. Zumindest sollte es so sein.

Hier muss sie oder er handeln, ansonsten kann der weitere Verlauf der Geschichte eher katastrophale Wendungen annehmen. Daher ist für Dich als Autorin oder Autor der ideale Platz für eine erste große Katastrophe in Deiner Geschichte. Achte aber dabei, dass es noch möglich sein sollte, die Situation erneut zu verschlechtern. Es bringt also nichts, hier die größtmögliche Katastrophe einzubauen und beim nächsten Pinch eine Katastrophe zu erwähnen, die nur halb so stark oder einfach unrealistisch stark ist.

Diesen Pinch kannst Du auch nutzen, um Deine Antagonistin oder Deinen Antagonisten vorzustellen. Dabei muss sie oder er nicht gleich als Person eingeführt wird. Es kann auch nur der Name fallen oder die Auswirkungen des Handelns dieser Figur.

4 Mittelpunkt (Midpoint)

Wir sind nun in der Mitte Deiner Geschichte. Hier haben wir es mit der Verbindung bzw. dem Übergang von der Anfangssituation zur Endsituation zu tun. Bisher hatte Deine Heldin oder Dein Held nur reagiert, wenn etwas auf sie oder ihn hinabfiel. Durch den Druck aus Punkt 3 ist sie bzw. er dazu gebracht worden, nicht mehr nur zu reagieren. Es ist Zeit, endlich aktiv zu werden und zu agieren.

Sie oder er ändert damit das eigene Verhalten und hat damit einen wichtigen Entwicklungsschritt getan. Deine Heldin oder Dein Held beginnt das Ziel klar zu sehen. Und von nun an wird darauf hingearbeitet, um es zu erreichen.

5 Zweiter Kniff – Pinch 2

Wie geschrieben, Pinches eignen sich immer, um den Druck zu erhöhen. Hier kannst Du diesen so weit erhöhen, dass die Situation sich so dermaßen verschlimmert, dass es erst einmal so wirkt, als gäbe es keinen Ausweg mehr.

Bei der entsprechenden Geschichte könntest Du hier die Gefährtinnen oder Gefährten Deiner Hauptfigur sterben lassen. Oder sie zumindest so dermaßen behindern, dass Deine Heldin oder Dein Held sich allein dem eigenen Schicksal am Ende stellen muss. Sie oder er muss sich allein dem Problem stellen. Trotz allem kann hier das Gefühl stehen, als würden die Gegenspieler allesamt gewinnen.

Hier ist Deine Heldin oder Dein Held am absoluten Tiefpunkt. Sie oder er muss das Gefühl haben, alles zu verlieren. Und egal wie sehr sich Deine Figur anstrengt, die anderen werden gewinnen und alles wird in eine Katastrophe enden. Zumindest vom Gefühl her.

6 Zweite Wendung – Plot Turn 2

Hier bekommt Deine Heldin oder Dein Held einen wichtigen Hinweis auf den Schlüssel, um die ganze Katastrophe abzuwenden und zu einer, aus der Sicht Deiner Figur, erfolgreiche Lösung zu kommen.

In einem Drama gibt dieser Punkt noch einmal den entscheidenden Schubs in das eher bittere Ende.

Je nachdem in was für ein Genre Du schreibst, kann es hier dann noch einmal kitschig werden. Es können die großen Gefühle hier auftauchen, Überraschungsmomente, Informationen, mit denen niemand gerechnet hat, Enthüllungen, was auch immer für Deine Geschichte notwendig und typisch für Dein Genre ist.

7 Auflösung – Resolution

Hier wird alles gelöst, wobei sich die Lösung nach dem Genre richtet, in dem Du schreibst. So könnten in einem Drama alle am Ende sterben. In einem Liebesroman hingegen findet sich das Paar und so weiter.

Meistens wird jedoch die Antagonistin oder der Antagonist besiegt und bestraft. Alternativ kann sie oder er zum Guten bekehrt werden.

Doch wichtiger ist, Deine Heldin oder Dein Held hat eine wichtige Entwicklung durchgemacht. Am Anfang war sie oder er auf einer gewissen Stufe und nun wurde dieser Punkt verlassen und wir finden am Ende eine veränderte Figur vor. Sie kann mutiger oder auch stärker geworden sein. Hat Freundschaften geschlossen oder sonst wie ein Platz im Leben gefunden.

Mehrere Plots damit plotten

Vielleicht hast Du schon mal gehört, dass eine Geschichte mehrere Plots beinhalten kann. Dazu gehört die Geschichte selbst. Dann die Charakterentwicklung und vielleicht noch eine kleine Liebesgeschichte.

Das bedeutet, dass Du erst einmal die komplette Geschichte anhand der oben aufgeführten Liste durcharbeitest (wenn Du nach Dan Wells arbeitest, dann fängst Du mit Punkt 7 an und gehst dann weiter zu Punkt 1). Dabei lässt Du die Charakterentwicklung und die kleine Liebesgeschichte knallhart links liegen.

Als Nächstes machst Du das Gleiche noch einmal mit der Charakterentwicklung Deiner wichtigen Figuren. Wenn Du drei Figuren hast, die eine Entwicklung hinter sich bringen, bedeutet das für Dich, diesen Teil drei Mal durchzuarbeiten.

Und als Letztes erarbeitest Du Dir die kleine Liebesgeschichte, die für Deine Geschichte wichtig ist. Auf diese Art und Weise hast Du alles erst einmal übersichtlich einzeln aufgelistet. Am Ende kannst Du entweder alles zusammentragen, oder weiterhin getrennt halten.

Vor Jahren habe ich die Empfehlung bekommen, dass man sowieso von allen Figuren immer die komplette Geschichte plotten sollte. Dabei ist es völlig egal, ob sie an bestimmten Stellen auftauchen.

Nehmen wir an, Deine Antagonistin oder Dein Antagonist taucht als Person erst gegen Ende der Geschichte auf. Das kann durchaus vorkommen und in einigen Krimis ist das durchaus der Fall. Das bedeutet aber nicht, dass Du nicht wissen solltest, was sie oder er die ganze Zeit macht.

Denn auch im Hintergrund können die Figuren Einfluss auf die Geschichte haben. Gerade die Antagonistinnen und Antagonisten können ihre Ränkespiele schmieden. Und wenn Du weißt, wo sie aktuell sind, kannst Du auch deren Einfluss auf Deine Geschichte besser abschätzen.

Meine Arbeit mit diesem System

Bisher habe ich noch sehr wenig mit dieser Methode gearbeitet. Aber während ich diesen Beitrag geschrieben habe, bekam ich schon so viele Ideen für meine Geschichte, an der ich schon so lange schreibe, dass ich mich ransetzen werde, um damit zu plotten. Ein Versuch ist es auf alle Fälle Wert.

Auch hier werde ich sicherlich mit dem Tarot arbeiten und schauen, was mir die Karten alles verraten. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dadurch einige interessante Informationen erhalten werde.

Abschlussgedanken

Von einigen habe ich schon gelesen, dass viele gerne die Methode benutzen. Wobei wohl im Internet diverse Abwandlungen davon existieren. Wundere Dich daher bitte nicht, wenn Du danach selbst suchst und eine andere Version findest. Das ist normal. Was gut ist, wird adaptiert und findet eine persönliche Einfärbung.

Aber lass Dich ruhig auf diese Methode ein und sieh, was sie Dir bringt. Ich bin mir sicher, die eine oder andere Überraschung dürfte sicherlich dabei sein.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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Plot: Der 5-Akter

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vielleicht sagst Du Dir, dass der 3-Akter nett ist. Aber sie ist Dir nicht detailliert genug. Natürlich kannst Du mehr Details in den 3-Akter einbauen. Andererseits könntest Du auch eine andere Form des Plottens verwenden. Eben den 5-Akter. Schauen wir uns diesen heute genauer an.

Der 5 Akter

Kurze Vorgedanken

Man kann durchaus die 5-Akt-Struktur als ein Teil der 3-Akt-Struktur sehen. Das bedeutet, wenn Du möchtest, kannst Du erst einmal mit der 3-Akt-Struktur anfangen und mit der 5-Akt-Struktur weitermachen. Oder Du behandelst diese Struktur als eigenständiges Plotmittel und steigst an dieser Stelle ein.

Wie Du Dich entscheidest, liegt letztendlich an Dir. Aber damit Du weißt, was die 5-Akt-Struktur überhaupt ist, stelle ich sie Dir hier einmal vor.

frau schreibseele im 5 Akter

Die Prämisse – Akt 1

Hierbei geht es um die Vorgeschichte Deines Romans. Wobei man mit dem Wort Vorgeschichte durchaus vorsichtig sein darf, finde ich zumindest. Denn Vorgeschichte bedeutet natürlich nicht, dass Du hier die komplette Vorgeschichte Deiner Figuren erzählen musst. Also von der Geburt bis zum Zeitpunkt, an der die Geschichte beginnt. Es geht eher um die wichtigen Figuren innerhalb Deines Romans und deren Anfang in Deiner Geschichte.

Das bedeutet, dass Du hier die wichtigsten Figuren vorstellen kannst, die Stimmung, den Ort, die Stimme der Geschichte, das Genre und alles, was für Dich und Deine Geschichte wichtig ist.

Was Du in der 3-Akt-Struktur fast den kompletten ersten Akt zur Verfügung hast, ist bei der 5-Akt-Struktur dieser Part nur ein Teil vom ersten Akt. Man kann keine genaue Seitenzahl benennen, wie viel Du für diesen Teil benutzen sollst. Denn es liegt eindeutig auch daran, wie lang letztendlich Dein Roman werden soll.

Wenn Dein Roman so um die 300 Seiten lang wird, dann kann man sagen, dass dieser Teil so um die zwanzig Seiten lang sein darf. Aber je länger Dein Roman wird, desto länger kannst Du das letztendlich schreiben. Denn Du wirst aller Wahrscheinlichkeit dann auch mehr Figuren einführen wollen, mit denen wir es dann im Laufe der Geschichte zu tun bekommen.

Plot Point 1 – Akt 1

Während der Prämisse lernen wir Deine Figuren in ihrer normalen Welt kennen. Beim Plot Point 1 ist es nun wichtig, dass Du Deine Heldin oder Deinen Helden aus der normalen Welt, in der sie sich befinden, wirfst und damit die Geschichte zum laufen kommt.

Es muss also etwas passieren, dass die Figuren quasi aufweckt werden und es sich zeigt, ab hier beginnt die Geschichte. Wir haben es hier mit dem Wendepunkt der Geschichte zu tun. Deine Figur geht also durch die erste Tür einer Geschichte und Du entscheidest, ob sie sich danach, nachdem die Figur durchgegangen ist, diese sich fest verschließt oder Du sie noch durch eine weitere Tür gehen lassen musst.

Mein Tipp: Spätestens bei einer zweiten Tür sollte Schluss sein. Ansonsten würde das bedeuten, dass Dein Charakter immer wieder die Möglichkeit überlegt, doch wieder zurückzukehren, was theoretisch möglich wäre. Und auf Dauer würde das vermutlich Deine Leser*innen ermüden. Das halte ich persönlich nicht für eine gute Idee.

Die Türen stehen übrigens für die Möglichkeit, wie geschrieben, dass Deine Figuren noch einmal zurückkehren können. In ihr normales Leben. Lässt Du diese Möglichkeit einmal zu, ist das in Ordnung. Ein zweites Mal hingegen wirkt, als könne sich die Figur und Du als Autorin oder als Autor nicht entscheiden. Soll die Geschichte nun losgehen oder nicht?

Diese beiden Türen kannst Du dann auch in diesem Teil gerne einbauen. Überlege Dir aber gleichzeitig einen Auslöser, damit die Geschichte wirklich zum Laufen kommt. Und dieser Auslöser bleibt dann bis zum Ende des ersten Aktes dann bestehen. Ist er dann erledigt, befinden wir uns im zweiten Akt.

Midpoint – Akt 2

Wir befinden uns ungefähr in der Mitte des Romans. Deine Leserinnen und Leser kennen nun Deine Figuren, ihre Welt und wie sie in den Schlamassel geraten sind, in die sie sich jetzt hoffentlich befinden. Das bedeutet, es muss etwas Neues kommen, da es ansonsten zu langweilig wird.

Es wäre ansonsten so, als würde alles einfach vor sich hinplätschern und es passiert immer wieder das Gleiche. Das will vermutlich niemand lesen. Und ich kann mir vorstellen, Du willst das noch nicht einmal schreiben. Hier muss etwas komplett anderes geschehen, als wir es bisher hatten.

Dazu könntest Du jemanden sterben lassen, einer aus den Reihen Deiner Hauptfigur ist auf einmal ein Verräter oder eine Verräterin. Es könnte aber auch sein, dass eine überraschende Nachricht kommt, eine Entführung, egal was. Das Wichtigste hierbei ist, dass Deine Figur aus dem aktuellen Trott herausgerissen wird (selbst wenn dieser abenteuerlich sein darf) und sich nun überlegen muss, wie es jetzt weitergehen soll.

Ich bezeichne es als ein paar ordentliche Stolpersteine, die Deine Heldin oder Dein Held daran hindern soll, ans Ziel zu gelangen. Dabei muss es nicht nur ein Stolperstein im äußeren Bereich sein. Sondern Du kannst auch so zuschlagen, dass Deine Figur emotional verletzt wird.

Hauptsache, Du machst es Deiner Figur nicht so leicht.

Plot Point 2 – Akt 2

Ab hier bereitest Du dann Deine Geschichte auf das große Finale vor, also Akt 3. Bisher kann es sein, dass Deine Heldin oder Dein Held zwischen aktiver und passiver Handlung hin- und hergewechselt ist. Man hat sie oder ihn also eher herum geschubst und nur gelegentlich wurde Deine Figur aktiv.

An dieser Stelle wird Deine Figur zum Handeln gedrängt und muss sich anstrengen, um dafür zu sorgen, dass alles gut ausgeht. Zumindest für Deine Figur soll es letztendlich gut ausgehen.

Also, egal was bisher mit Deiner Figur passiert ist. Jetzt ist es Zeit, dass sie die Spielregeln bestimmt. Kennst Du die Filme, wo auf einmal, der zumeist männliche Held, Sachen zusammensucht, um in die sprichwörtliche Schlacht zu ziehen? Das kann man hier durchaus vergleichen.

Deine Figur ist sich bewusst, es müssen Entscheidungen getroffen werden. Und es gibt niemanden, die oder der das für Deine Figur übernehmen kann, wie noch am Anfang Deiner Geschichte. Im ersten Akt kann jemand oder etwas Deine Figur unterstützen, in die Reise drängen oder auch die wichtigen Gegenstände geben, die sie oder er braucht. Nun heißt es, kein mächtiger Zauberer, keine allmächtige Hexe, keine Eltern, niemand hilft Deiner Figur. An dieser Stelle ist sie oder er gezwungen, selbst zu entscheiden. Und genau das wollen wir Leserinnen und Leser.

Ich möchte, dass die Heldin oder der Held selbst aktiv wird und Entscheidungen trifft. Alles andere wäre ein Verrat. Sowohl an mich als Leserin als auch an der Figur. Denn sie hat es verdient, dass sie eine ordentliche Geschichtswendung bekommt und aktiv werden darf.

Climax – Akt 3

Hier geht es natürlich darum, dass die Pläne Deiner Heldin oder Deines Helden in die Tat umgesetzt werden. Ob sie oder er siegt oder verliert, das kommt auf Deine Geschichte an. Aber hier ist es Zeit, dass eine Entscheidung getroffen und umgesetzt wird.

Und vor allem ist es wichtig, dass Du uns eine Lösung präsentierst, irgendeine. Ob das ursprüngliche Problem gelöst wurde, oder sich diese in Luft aufgelöst hat und ein anderes Problem an deren Stelle getreten ist. Dass alles ist fast egal. Hauptsache, Du kommst zu einem Schluss.

Wobei es zwei Arten von Enden für eine Geschichte gibt. Diese richten sich jedoch nach der Art des Buches. Bei einem Einzeltitel ist es wichtig, dass alle roten Fäden zum Schluss zusammengetragen werden und eine fertige Lösung präsentiert wird. Das bedeutet nicht, dass Du nicht ein offenes Ende haben darfst. Für mich bedeutet es eher, dass die Geschichte so beendet wird, dass wir einen Schluss haben, mit dem es sich leben lässt.

Bei einem Mehrteiler (der Klassiker ist ja immer noch die Trilogie) ist es so, dass häufig das Ende nicht nur ein positiver Effekt hat. Es darf auch ein Hauch von Negativität mit sich bringen. Immerhin darf ein drohender Schatten noch existieren, damit Deine Leserinnen und Leser sich fragen, wie es im nächsten Teil weiter geht.

Eine zeichnerische Übersicht

Im Folgenden siehst Du die Punkte in einer Übersicht, damit Du grob erahnen kannst, wo sich welcher der oben aufgeführten Punkte befindet.

5 Akter – Zeichnerische Übersicht

Damit kannst Du sicherlich erkennen, wo die Steigung erfolgt und wie weit Du gehen kannst, darfst, oder auch solltest.

Meine Arbeit mit der 5-Akt Struktur

Auch hier nutze ich gerne das Tarot, um mir einen tieferen Einblick in die Szene durch die Karten zu ermöglichen. Hierbei habe ich jedoch die Bedeutung der Karten der ersten Methode, also die der 3-Akt-Struktur weiterhin im Kopf.

Das bedeutet Folgendes: Wenn ich eine Karte ziehe, dann deute ich nicht rein aufgrund der Karte selbst die entsprechende Position. Sondern ich suche auch den Zusammenhang aus den Karten, die ich zuvor für die andere Struktur gezogen habe. Daher ist es für mich immer sehr wichtig, alle Karten aufzuschreiben, die ich für eine Legung ziehe.

Das gilt übrigens auch für das Deck, das ich dafür benutzt habe. Denn nur so kann ich immer wieder darauf zurückgreifen und die individuellen Symbole dafür noch einmal deuten. Ein anderes Deck hat häufig andere Symbole und für eine Geschichte damit eine andere Aussage.

Es mag eine Einbildung sein, aber wenn ich die Karten ziehe, dann habe ich das Gefühl, dass die Aussagen aus dem 3-Akter noch einmal bestätigt und intensiviert werden. Es ist eher selten, dass ich eine Karte ziehe, die komplett was anderes aussagt, als was ich mir zuvor erarbeitet habe. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht schon mal dazu gekommen ist.

In solchen Fällen überlege ich mir, warum genau ich eine andere Aussage erhalten habe. Es kann durchaus vorkommen, dass ich weiter an den Figuren gearbeitet habe, oder auch andere Ideen bekam, sodass sich die Energie der Geschichte geändert hat. Und das schlägt sich dann auch in der Bedeutung wieder.

Daher kann ich nur empfehlen, dafür offen zu sein, was die Karten Dir sagen. Denn es hat durchaus seine Bedeutung. Und natürlich notiere Dir bitte alles, was Du in diesem Zusammenhang gezogen und gedeutet hast. Es lohnt sich auf alle Fälle.

Abschlussgedanken

Mit der 5-Akt-Methode geht es, meiner Meinung nach, um einiges tiefer, als die 3-Akt-Methode. Denn hier findest Du mehr „Fragen“, die Du beantworten kannst, um die Geschichte zu finden.

Meine Methode ist, nachdem ich die grobe Richtung gefunden habe, die ich mit der 3-Akt-Struktur mir erarbeite, geht es dann tiefer. Das bedeutet für mich, dass ich danach mich an den 5-Akter setze und die Details noch mehr ausarbeite.

Das macht in der Tat mehr Arbeit, als wenn man sich für eine Methode entscheidet. Daher ist das, meiner Meinung nach, eher für längere Geschichten oder ganze Reihen durchaus eher geeignet, als für kurze Geschichten. Aber das ist dann wieder eine persönliche Ansichtssache.

Solltest Du aber diesen Teil benutzen, dann bekommst Du einen weitaus detaillierteren Plot. Daher kann ich Dir nur empfehlen, diese Plotmethode auszuprobieren.

Dabei wünsche ich Dir eine tolle Geschichte.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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Plot: Der 3-Akter

Plot: Der 3-Akter

Hei, hallo und herzlich willkommen,

für manche Autor*innen ist der Plot ein wahrgewordener Albtraum. Andere hingegen haben damit keine Probleme. Daher krame ich meine alten Plotbeiträge heraus. Vielleicht magst Du Dich mit diesem Thema ein wenig intensiver beschäftigen.

Ursprünglich am 08. Juli 2016 auf meinem alten Blog erschienen (dieser ist stillgelegt).

Drei Akter – frau schreibsel

Kurze Vorgedanken

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu plotten. Welche Methode Du letztendlich verwendest, ist Deinem persönlichen Stil und Deinem Geschmack überlassen. Und natürlich, ob Du überhaupt plotten möchtest. Das ist definitiv kein Zwang.

Die wohl bekannteste Plotstruktur ist wohl immer noch der 3-Akter. Das besagt doch ganz klar, dass es aus den drei Teilen Einleitung, Hauptteil und Schluss besteht. Da könnte man sich doch glatt fragen, wenn das so einfach ist, wieso dann darüber einen Beitrag schreiben? Na, legen wir einfach mal los.

3 Akter frau schreibseele

Akt I

Der erste Akt dürfte immer noch der leichteste von allen sein. Am Anfang stellst Du Deine Heldin oder Deinen Helden vor. Mit wem haben wir es zu tun, ist Deine*e Held*in gut oder schlecht? Und vor allem werde ich als Leserin diese Figur überhaupt mögen? Das ist durchaus ein guter Anfang. Zeig mir gerne, was so besonders an Deine Figur ist und warum ich ihr*ihm folgen sollte.

Weiterhin ist es eine gute Idee alle wichtigen Figuren dieser Geschichte schon im ersten Akt vorzustellen. Also die wichtigsten Nebenfiguren. Und auch den Schatten der negativen Antagonist*innen. Wenn diese Figur erst später auftauchen soll, dann ist es durchaus eine gute Idee, wenn Du zumindest Andeutungen machst, dass es sie oder ihn gibt.

Denn je schneller wir wissen, dass das Böse da draußen lauert, desto eher werden wir uns Gedanken machen, wann es in der Geschichte auftaucht und unseren Figuren das Leben schwer macht.

Weiterhin ist der erste Akt der Ort, wo Du den Ort der Handlung und die Zeit vorstellen kannst. Dabei ist es egal, ob es sich um eine reale Umgebung handelt oder um eine Fantasygeschichte. Im ersten Akt kannst Du eben genau das zeigen, wo wir sind und worauf wir uns gefasst machen können.

Und natürlich das Wichtigste, hier legst Du die Grundlagen für das Problem, was dann während der weiteren Geschichte gelöst werden soll. Aus irgendwelchen Gründen möchtest Du ja, dass ich Deine Geschichte lese. Also, es sollte ein Problem geben, was gelöst werden darf.

Im ersten Akt kann die Leiche gefunden werden, damit Dein Krimi zum Laufen kommt. Die Heldin trifft ihren Helden und gemeinsam kämpfen sie um ihre Liebe. Oder ein dunkles Etwas kommt über Deine Fantasywelt und versucht, die Macht an sich zu reißen.

Zeige uns im ersten Akt das Problem und warum es Deinen Figuren wert ist, dieses zu lösen. Bei einem Polizisten oder einer Polizistin mag die Motivation noch leicht zu erklären sein. Es ist deren Job (auch wenn Du gerne noch etwas über deren wahren Hintergrund erzählen kannst). Aber warum sollte Deine Fantasyheldin die Welt retten, wenn diese sie bisher nur schlecht behandelt hat? Hier kommt Deine Kreativität zum Einsatz.

Man kann also sagen, im ersten Akt legst Du die wichtigen Grundlagen für Deine Geschichte. Hier kannst Du auch die Sprache für Deine Geschichte entscheiden. Willst Du eher eine Geschichte mit einem sarkastischen Tonfall erzählen, nüchtern oder auch auktorial. All das hat Platz im ersten Akt.

Gegen Ende des ersten Aktes solltest Du also die wichtigsten Figuren vorgestellt haben, den Ort, die Handlung, zumindest den Schatten der Antagonist*innen und die Stimme der Geschichte.

Das bedeutet übrigens nicht, dass Du nicht später nicht noch weitere Figuren in die Handlung aufnehmen kannst. Aber ich empfehle Dir durchaus, dass es dann nur noch Nebenfiguren sind, die Du dann vorstellst. In einer Fortsetzung können dann diese auch gerne zu Hauptfiguren werden.

In einem Roman hatte ich nämlich den Fall gehabt, dass kurz vor Ende des zweiten Akts eine Nebenfigur auftauchte, die auf einmal unheimlich wichtig wurde. Jedoch gab es vorher noch keine Anzeichen dafür, dass dieser Charakter überhaupt existierte. Aus diesem Grund machte sich bei mir dieses Gefühl breit, dass die Figur nur deswegen eingeführt wurde, weil die Autorin nicht mehr wusste, wie sie den Tag retten sollte.

Seit dem mag ich den Gedanken nicht mehr, dass man eine wichtige Figur, auch wenn es nur ein Nebencharakter ist, dann eingeführt wird, wenn es eigentlich zu spät ist. Es ist einfach dieses Gefühl, dass solche Figuren nur einen nicht ganz fertigen Plot retten sollen.

Natürlich kannst Du das gerne machen. Und wenn Du überzeugend dabei bist, kann sich das auch gut lesen. Daher, nimm es gerne als Herausforderung an, im zweiten oder gar im dritten Akt eine Hauptfigur vorzustellen.

Akt II

Der zweite Akt ist der wichtigste Teil der Geschichte. Denn hier wird der Großteil Deines Romans erzählt (man kann durchaus sagen, so zwischen 70 bis 80 Prozent der Geschichte findet im zweiten Akt statt). Hier wird, mehr oder weniger, Deine Geschichte erzählt und alles, was Du im ersten Akt eingeführt hast, findet hier seine Rolle und seine Wichtigkeit.

Alles, was Du im ersten Akt eingeführt hast, sollte natürlich im zweiten Akt weitergeführt werden. Figuren, die aufgetaucht sind, sollten jetzt nicht auf einmal verschwinden. Natürlich, sie dürfen sterben. Aber dann informiere mich bitte darüber und lass sie nicht einfach unter dem Tisch fallen, weil Du nicht weißt, wohin mit denen.

Vor Jahren habe ich mal eine Filmrezension gelesen, dass eine Figur auf einmal abgetaucht ist, ohne dass man gesagt bekommen hat, was aus dieser Figur wurde. Wenn Du Dich entscheidest, eine Figur abtreten zu lassen, dann erwähne es bitte in einem Halbsatz, wo sie nun ist. Lass sie sterben, lass sie umziehen, was auch immer. Aber informiere mich, dann bin ich zufrieden und kann mich auf die restliche Geschichte konzentrieren. Ansonsten würde ich mich die ganze Zeit fragen, wo ist denn die eine Figur? Und dadurch kann ich mich nicht mehr auf die Geschichte so konzentrieren, wie sie es verdient hätte.

Aber es gilt auch für die Sprache, der Ort, die Zeit und die Handlung. Wenn Du was davon auf einmal änderst, kann es durchaus Irritationen bringen (gut, beim Ort weniger, eventuell auch bei der Zeit). Wenn Du bisher eher sarkastisch geschrieben hast und dann seriös wirst, dann würde ich mich fragen, was das werden soll.

Im zweiten Akt geht es aber insbesondere um das Problem, dass Du im ersten Akt eingeführt hast. Hier darf er noch größer werden, beinahe übermächtig, sodass wir das Gefühl haben, die Figuren ersticken regelrecht daran.

ielleicht kennst Du ja Filme, wo Du das Gefühl hast, dass sich wirklich alles gegen die Hauptfigur verschworen hat. Familie, Freundschaften und die Welt wendet sich von ihr oder ihm ab. Egal was die Figur auch versucht, um aus der Situation herauszukommen, sie gerät noch tiefer in den Strudel.

Meistens sitze ich dann vor dem Fernseher und ärgere mich über alles, weil es so grausam ist, dann leide ich mit der Figur und hoffe, dass alles gut wird. Auch wenn ich durchaus weiß, dass es gut werden muss. Immerhin ist es ein Film. Doch wenn man mitten in der Geschichte drin steckt, hat man das Gefühl, es kann nur noch schlimmer werden.

Auf alle Fälle geht es im zweiten Akt um das Problem und wie Deine Figuren es lösen wollen. Dabei dürfen sie sehr kreativ sein, dürfen gewalttätig sein, was auch immer dafür notwendig ist. Und vor allem, wie auch immer Du Deine Figuren angelegt hast. Es wäre schön, wenn die Figuren weiterhin konstant bleiben und sich zugleich entwickeln. Und zwar so, wie es sich logisch anfühlt.

Während im ersten Akt häufig empfohlen wird keine Rückblenden zu schreiben, sondern nur Handlungen und Dialoge, kannst Du im zweiten Akt es ein wenig ruhiger angehen lassen. Mit Rückblenden oder auch Erzählungen aus dem Leben vor der ersten Seite Deiner Geschichte kannst Du eine Beziehung zwischen den Figuren und Deinen Leserinnen und Leser aufbauen.

Auf alle Fälle darfst Du Dich hier gerne so richtig ins Zeug legen und uns zeigen, wie tief Deine Figur landen kann. Du musst Dich dabei noch nicht einmal wirklich zurückhalten. Mit anderen Worten, in Akt 2 hast Du die Erlaubnis, wenn nicht gar die Pflicht, mir als Leserin alle Nerven zu klauen, die ich hab.

Und am Ende darfst Du sogar sämtliche Pläne Deines Helden oder Deiner Heldin zerstören. Also Deine Figuren wirklich unten landen lassen, damit sie sich umsehen und neue Pläne schmieden müssen. Das Alte hat sich nicht bewährt. Auch in Ordnung, dann muss etwas Neues her.

Doch Vorsicht, die Lösung darf noch nicht im zweiten Akt auftauchen.

Akt III

Nun wird es Zeit, wir wollen die Probleme lösen und Deine Heldin oder Deinen Helden retten. Immerhin wollen die meisten Leserinnen und Leser ein Happy End (wie immer dieser letztendlich aussehen mag). Das bedeutet natürlich, dass Deine Heldin oder Dein Held aufsteht und dafür sorgt, dass sich die Probleme lösen. Und zwar so, dass sie oder er als Gewinnerin am Ende dasteht.

Alle roten Fäden sollten spätestens hier zusammengeführt und ein Ende finden. Zwar kannst Du schon im zweiten Akt den einen oder anderen roten Faden zur Lösung führen. Aber im dritten Akt darf dann alles nach und nach zum Ende führen, sodass ich als Leserin nicht das Gefühl habe, dass irgendetwas noch fehlt.

Deine Heldin oder Dein Held findet einen neuen Plan, um zur Lösung zu kommen. Sie besiegen das Böse, finden zu ihren Liebsten, was auch immer. Wenn es ein Einzelband ist, dann sollte hier alles gelöst werden. Schreibst Du eine Reihe dann darfst Du hier natürlich gerne den einen oder anderen roten Faden offen lassen und dann im nächsten Band damit weiterarbeiten.

Am Ende des dritten Aktes sollte auch Deine Geschichte ein gutes Ende finden. Es darf rund werden und dann werden sich Deine Leserinnen und Leser auch wohlfühlen. Und wenn sie sich wohlfühlen, freuen sie sich darauf, Deine nächste Geschichte zu lesen. Denn dann wissen sie, worauf sie sich einlassen, wenn sie einen Deiner Romane in die Hände nehmen.

Hier noch ein kleiner Hinweis: Vor Jahren hatte ich einen Liebesroman gelesen. Es war eine kurzweilige, nette Geschichte. Tatsächlich gibt es aber eine Sache, die mich nach all der Zeit immer noch beschäftigt. Der Held kam an persönliche Daten der Heldin. Immer wieder fragt sie ihn, wie er es geschafft hat und er gibt (natürlich) keine Antwort. Bedauerlicherweise bis zum Schluss. Und woran denke ich immer, wenn ich an diesen Roman denke? Genau, wie kam er an diese Daten heran.

Es mag vielleicht albern klingen, aber ich fände es schön, wenn auch solche kleinen Fäden zu einem Schluss kommen. Musst Du nicht, aber eventuell stößt das bei einigen negativ aus. Leider gehöre ich dazu, die es nicht mag, wenn Sachen einfach so unter dem Tisch fallen. An dieser Stelle sag ich, Tschuldigung.

Mein Umgang mit dem 3-Akter

Wenn ich einen Roman oder eine Novelle plotte, dann fange ich gerne mit dem 3-Akter an. Damit habe ich erst einmal eine Grundstruktur, die ich dann nach und nach verfeinere. Hier bekomme ich meine Grundlage, mit der ich überhaupt anfangen kann. Und erst einmal wird die Angst vor dem Ungetüm Geschichte genommen.

Dabei gibt es verschiedene Methoden, die man anwenden kann. Ich selbe benutze zwei bis drei Methoden sehr gerne, die ich Dir hier noch gerne vorstellen möchte.

Mind Map

Mind Map 3 Akter

Für die folgende Methode benötigst Du drei Blätter weißes Papier. Auf jeden schreibst Du in der Mitte Akt I, Akt II und Akt III und kreist diese ein. Und dann schreibst Du alles auf, was Du dort Dir gut vorstellen kannst, was in dem jeweiligen Akt eine Rolle spielen könnte.

Hier ist es auf keinen Fall gut, wenn Du Deinen inneren Zensor oder Deine innere Zensorin rauslässt. Hier haben sie absolutes Spielverbot. Wenn sie in der Überarbeitung vorbeischauen, ist das was anderes. Aber hier darfst Du Dich so richtig austoben und sogar Dinge aufschreiben, die letztendlich niemals in Deiner Geschichte auftauchen werden. Das ist völlig in Ordnung.

In einem zweiten Schritt kannst Du dann alle Punkte einkreisen, von denen Du überzeugt bist, dass sie eine gute Geschichte bieten. Fass Punkte zusammen, wenn Du bestimmte Überpunkte findest. Und dann trage diese Worte auf einer eigenen Liste zusammen.

Wenn Du das getan hast, kannst Du dann daraus einen Text schreiben, damit Du eine Grundlage hast, um danach entweder noch einmal tiefer zu plotten oder um zu schreiben.

Eine Kurzgeschichte schreiben

Die Idee hatte ich vor einigen Jahren spontan gehabt. Schreib Deine Geschichte erst einmal als Kurzgeschichte. Dabei lässt Du alle Nebenplots und Wendungen erst einmal vor der Tür. Du konzentrierst Dich dabei vollständig auf den wichtigen Teil der Geschichte und schreibst es erst einmal.

Dadurch überwindest Du die erste Hürde bezüglich der Geschichte. Denn damit hast Du die Sache mit dem Plot erst einmal überwunden. Alles andere ist dann nur noch die Feinarbeit.

Tarotkarten

3 Akter mit Tarotkarten

Ich liebe besonders die Arbeit mit den Tarotkarten. Du ziehst für die drei Positionen (Beginn, Mittelteil und Ende) jeweils eine Karte. Dann schreibst Du auf, was Du auf den Karten siehst und was Du für Deine Geschichte gebrauchen kannst.

Du wirst es vielleicht nicht glauben, dass die Tarotkarten Dir eine Geschichte weisen. Aber ich arbeite schon seit Jahren mit dieser Methode immer und immer wieder. Und ich bin dabei jedes Mal erneut erstaunt, wie gut diese Methode funktioniert.

Denn mit den Karten bekommst Du kreative Ideen, auf die Du häufig nicht gekommen wärst, wenn Du nicht die mit Tarotkarten arbeitest. Glaub mir, dadurch hatte ich schon einige nette Ideen gehabt.

Vor Jahren arbeitete ich an einem Charakter und war der festen Überzeugung, dass er ein Hochschulabschluss haben müsste. Dann zog ich eine Karte (welche es genau war, erinnere ich mich nicht mehr, zumal die Geschichte zwischenzeitlich drei Mal gestorben ist). Diese sagte mir, dass diese Figur sich unterlegen fühlt. Schon war die Idee mit dem Hochschulstudium gestorben und der Charakter wurde dadurch interessanter. Leider nur nicht die Geschichte. Deswegen habe ich nicht mehr daran weiter gearbeitet.

Abschlussgedanken

Der 3-Akter ist durchaus eine gute Methode, um überhaupt zu plotten. Aber Du kannst damit auch den Anfang eines Plotmarathons starten. Je nachdem, wie Du das Dir erarbeitest. Mit dem 3-Akter kannst Du auch die erste Grundlage schaffen, um dann weiter zu arbeiten und dann die Grundlage zu haben, die Du nutzen kannst.

Für manche reicht es auch vollkommen aus, wenn sie nur grob wissen, wohin die Reise geht. Daher kann es auch sein, dass danach für Dich die Arbeit erledigt ist und Du dann schreibst.

Überlege Dir, wie Du diese Methode für Dich anwenden kannst, und versuche es einfach Mal. Vielleicht ist da auch etwas für Dich dabei, mit dem Du dann am Ende richtig gut arbeiten kannst.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß und Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Hits: 49

Marginalisierte Gruppen: Warum überhaupt über sie schreiben?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn Du ein wenig auf Twitter aktiv bist, wirst Du vielleicht mitbekommen haben, dass in letzter Zeit viele über Diversität und Inklusion schreiben. Man könnte meinen, dass dieses Thema von allen Seiten auftaucht, regelrecht auf die Autor*innen einprügelt und einige stehen da und fühlen sich regelrecht bedroht.

Tatsächlich meinte eine Autorin zu mir, wenn man nicht über marginalisierte Gruppen schreibt, dann würde man von einigen Seiten schon angegriffen werden.

Daher dreht sich dieser Monat um das Thema, wie und warum man über sie schreiben kann und vielleicht auch sollte.

Kurz erklärt: Was sind marginalisierte Gruppen?

Bei bei marginalisierte Gruppen handelt es sich um Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. Sie können weder am politischen, sozialen oder kulturellen Leben teilnehmen.

In dem oben verlinkten Wiki-Beitrag wurde ein Bild eines Obdachlosen in Paris gezeigt. Auch sie gehören zu den marginalisierten Gruppen. Aktuell wird aber auf Twitter und auf vielen Blogs (wie diesen hier) jedoch über andere Menschengruppen geschrieben.

Auf eine Liste gehe ich nächste Woche ein. Daher hier die kurze Version. Marginalisierte Gruppen werden hier als Gruppen von Menschen bezeichnet, die nicht weiß, nicht Cis, nicht Heterosexuell und nicht männlich sind.

Also alles, was Hollywood und die anderen Massenmedien uns gerne als Helden und als Vorbild vorsetzen.

Warum über sie schreiben?

Auf dem #litcampHH 2018 gab es zwei Runden, zum Thema “Marginalisierte Gruppen und warum man über sie schreiben” sollte (wenn auch mit anderen Überschriften).

Jetzt weiß ich nicht mehr die Namen, aber bei einem Vortrag erzählte eine Dame eine Anekdote aus ihrem Leben:

Sie war in der Schule eine typische Streberin. Man hatte sich über sie lustig gemacht, weil sie eben gerne gelernt hatte und gute Noten nach Hause brachte. Jedoch machte sie das nicht so fertig, wie man es hätte meinen können. Denn sie hatte ein starkes Vorbild: Hermine Granger.

Zumindest in den Filmen und in den Köpfen der meisten Leser*innen war (und ist) Hermine ein weißes Mädchen. Das bedeutet, dass für weiße Streberinnen sie ein perfektes Vorbild ist. Aber was ist mit WoC? Also Woman bzw. Women of Color?

Jetzt könnte man sagen (und vermutlich reden sich damit auch einige raus), dass auch WoC bzw. PoC sich mit Hermine identifizieren können. Denn es käme wohl nicht auf die Hautfarbe, sondern auf die Person an.

Doch warum sollten sie? Warum sollten sich PoC sich damit begnügen, Vorbilder zu haben, die sie gar nicht repräsentieren? Da sehe ich selbst keinen einzigen Grund.

Wäre es nämlich anders herum, also wenn es nur PoC als Vorbilder gäbe, würden wir Weiße uns sicherlich wünschen, dass es auch weiße Vorbilder gäbe.

Eine BWoC als Nerdin: Prinzessin Shuri

Als ich am Anfang des Jahres “Black Panther” gesehen habe, war ich sehr beeindruckt. Endlich hatten afrikanischstämmige Menschen Vorbilder, die selbstbewusst, stark und schön waren (äußerlich, wie innerlich). Sie hatten Stärken und auch ihre Schwächen.

Und seien wir mal ganz ehrlich, Prinzessin Shuri ist mehr als nur eine Konkurrentin für Hermine Granger. Durch ihre freche Art, finde ich sie um einiges cooler. Oder würdest Du Hermine als jemand sehen, die den Mittelfinger zeigt?

Der Film inspirierte zu einer Bilderreihe, in denen Kinder die Heldinnen und Helden des Films (einschließlich des Antagonisten) nachbilden durften. Das ist einer der Gründe, warum man alle Gruppen repräsentieren sollte. Nicht nur weiße Kinder brauchen Vorbilder. Alle Menschen (egal ob groß oder klein) brauchen sie. 

Darstellung ist wichtig – und dankbar

Auf dem #litcampHH wurde erwähnt, dass viele Ostasiat*innen dankbar waren, dass es Cho Chang gab. Und das, obwohl sie ein wandelndes Klischee war.

Das fand ich persönlich sehr traurig. Da ist sie schon keine gute Darstellung und trotzdem sind Menschen dankbar dafür, dass es sie überhaupt gab.

Aus diesem Grund finde ich es wichtig, dass mehr diverse Gruppen dargestellt werden. Idealerweise auch noch vernünftig. Keine Klischees, keine Stereotypen. Warum auch? Die haben in einer Geschichte sowieso nichts zu suchen. Dazu gehören auch die marginalisierten Gruppen.

Abschlussgedanken

Eigentlich ist es einfach, so wie man selbst als Weißer, Cis-Het-Dude dargestellt werden möchte, möchten auch alle anderen Gruppen dargestellt werden – vernünftig. Mehr ist das nicht.

Alle Gruppen möchten dargestellt werden und sie möchten so dargestellt werden, wie sie sich selbst sehen. Und wie sie eben sind.

Legen wir also los. Dafür wünsche ich uns allen viel Spaß und noch mehr Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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Schlüsselelemente, damit Deine Kurzgeschichte erfolgreich schreiben kannst

Januarbeiträge:

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wir wollen ja nicht nur eine Kurzgeschichte schreiben. Sondern wir wollen sicherlich auch gute Geschichten schreiben, zumindest wäre das mein persönlicher Ansporn. Daher habe ich einige Elemente für Dich aufgelistet, womit wir dieses Ziel erreichen können, eine erfolgreiche Kurzgeschichte schreiben.

1. Tauche gleich in den Konflikt ein

Bei Romanen hast Du Zeit den Konflikt ein wenig vorzubereiten. Je nach Länge der Geschichte kann die Vorbereitung durchaus auch mehrere Kapitel oder mehrere Hundert Seiten umfassen. Bei Kurzgeschichten hast Du weder die Zeit noch den Platz dafür. Denn in kürzester Zeit muss der Konflikt aufgezeigt werden und vor allem, muss er auch gelöst werden. Manchmal hast Du für eine Kurzgeschichte gerade mal 10.000 Zeichen (nicht Wörter) Zeit, um die Geschichte erzählen.

Je kürzer die Geschichte wird, desto schneller musst Du in den Konflikt eintauchen. Also fang am besten gleich von Anfang an damit an.

2. Erzähle, was wirklich wichtig ist – alles andere bleibt bitte weg

Deine Hauptfigur ist mit sieben Jahren in sieben verschiedenen Brunnen gefallen und hat sich dabei sieben verschiedene Knochen gebrochen? Und das ist überhaupt nicht wichtig für die Geschichte? Mag sein, dass es witzig ist, aber solange es nicht wichtig ist, brauchst Du es nicht zu erwähnen.

Führ nur Dinge in Deiner Kurzgeschichte auf, die wirklich wichtig sind. Das gilt sowohl für Verhaltensweisen als auch für die Hintergrundgeschichte. Ist etwas wichtig, führe es ein, und zwar so, dass man damit arbeiten kann. Ist es nicht wichtig, kannst Du es lediglich für Dich notieren. Aber belaste die Geschichte nicht damit. Du hast sowieso nicht viel Platz. Dann lass alles Unwichtige draußen. Das erleichtert das Schreiben und vor allem das Lesen.

Das Notieren kannst Du deswegen vornehmen, weil Du das vielleicht für eine spätere Geschichte gebrauchen könntest. Vergessen würde ich es also nicht.

3. Übertreibe es nicht mit Deiner künstlerischen Ader

Natürlich möchten wir unseren Leserinnen und Lesern zeigen, dass wir wundervoll mit den Worten umgehen können. Ihnen zeigen, dass eine Beschreibung mehr ist, als nur aneinandergereihte Wörter. Wir wollen ihnen zeigen, wozu wir wirklich in der Lage sind.

Bedauerlicherweise geht bei dieser künstlerischen Ader die Geschichte häufig verloren. Denn es wird häufig zu sehr auf die Wortwahl als auf die Geschichte geachtet. Und letztendlich wollen die meisten Leserinnen und Leser nicht die Evolution eines Schmetterlings in den buntesten Wörtern lesen, sie wollen eine gute Kurzgeschichte lesen.

Konzentriere Dich erst einmal auf die Geschichte. Sie ist wichtig. Was willst Du mit ihr sagen? Wen willst Du erreichen? Natürlich kannst Du Dich auch sprachlich austoben. In der Überarbeitung kannst Du diese ganzen Sachen dann ausbügeln und dann die Geschichte schreiben. Sie steht im Fokus Deiner Arbeit.

4. Arbeite effizient – besonders am Höhepunkt

Wie die Bezeichnung schon sagt, sind Kurzgeschichten eben kurz. Das bedeutet, dass Du keine Zeit für ewig lange Ausführungen der Einleitung hast, ewig lange Szenen schreiben kannst oder unnötige Bandwurmsätze. Und wenn, dann sollte alles einen gewissen Sinn haben (Bandwurmsätze können theoretisch durchaus in Ordnung gehen).

Jeder Absatz, jede Szene, jeder einzelne Satz sollte Deine Geschichte zum Höhepunkt transportieren. Wenn das nicht passiert, ist es Zeit, dass Du diese Elemente entweder überarbeitest oder schlichtweg löscht. Was nicht der Geschichte dient (das gilt sowohl für Romane, als auch eben für Kurzgeschichten), fliegt konsequent raus.

Es gibt den Spruch Kill Your Darlings. Auch wenn Dir ein Satz oder eine Idee gut gefällt, trägt diese nicht dazu bei, dass Deine Geschichte effizient zum Höhepunkt gebracht wird, ist sie nicht tragbar. Schneide sie aus und speichere Dir diese Sachen ab. Vielleicht kannst Du sie in einer anderen Geschichte gebrauchen. In dieser Kurzgeschichte haben diese Elemente jedoch nichts zu tun.

5. Sorge für ein sauberes Ende

Sorge für ein gutes Ende, das zu der Geschichte passt. Sei ruhig kreativ, vertraue aber Deiner Geschichte und dem dazugehörigen Ende. Das bedeutet also auch, dass Du nicht zu überambitioniert sein solltest. Wenn Deine Geschichte ein leises Ende braucht, Du aber ein regelrechtes Feuerwerk loslassen möchtest, lass es. Deine Geschichte weiß schon, warum es ein leises Ende haben möchte.

Genauso wie ein extrem kreatives Ende, welches nur zeigen soll, wie gut Du als Autorin oder als Autor bist. Wenn es nicht passt, dann schreibe es nicht. Manchmal ist ein solides Ende einer Geschichte das Beste. Denn sie wirken nicht gekünstelt und reißen somit mich als Leserin nicht aus dem Lesefluss heraus. Wenn ich am Ende dasitze und mich frage, was die Autorin oder der Autor mir mit dem Ende sagen will, haben sie mich verloren. Und das ist keine gute Idee.

Abschlussworte

Es sind eigentlich keine großen Punkte, die Dir helfen, dass eine Kurzgeschichte wirklich gut wird. Denn letztendlich sind sie allesamt in sich logisch. Doch kann es durchaus schnell passieren, dass man diese im Eifer des Gefechtes diese schlichtweg vergisst. Man möchte zeigen, was man kann, man möchte unbedingt eine wichtige Hintergrundinformation einbauen, auch wenn sie nicht wichtig ist und diese Punkte.

Du kannst natürlich erst einmal Deine Kurzgeschichte so schreiben, wie Du es gerne möchtest. Leg los und hab Spaß dabei. In der Überarbeitung solltest Du Dich dann darauf konzentrieren, dass die Geschichte gut und vor allem lesbar wird.

Und dabei wünsche ich Dir viel Spaß und viel Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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7 Stufen zu einer Kurzgeschichte

Januarbeiträge:

Hei, hallo und herzlich willkommen,

bisher haben wir uns eher darüber unterhalten, wieso Du eine Kurzgeschichte schreiben solltest und wie viele Szenen sie enthalten sollte. Nun werden wir endlich aktiv, spitzen die Stifte und lernen eine mögliche Grundlage, wie man eine Kurzgeschichte schreiben kann. Dabei gehe ich erst einmal auf die theoretischen Grundlagen ein (einmal sieben Schritte) und dann, wie Du tatsächlich eine Kurzgeschichte schreiben kannst (noch einmal sieben Schritte).

Kurze Vorgedanken zu den ersten sieben Schritten

Wer einen Roman schreibt, braucht eine Menge Talent. Wer eine Kurzgeschichte schreiben will, noch um einiges mehr. Denn hier muss nicht nur jeder Satz sitzen, sondern wirklich jedes Wort. Darüber hatte ich schon öfters geschrieben.

Ich kenne viele Leute, die immer wieder berichten, dass der Roman „Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien teilweise unnötige Längen hat. Der Autor beschrieb (um es ein wenig zu übertreiben), wie das Gras einmal nach rechts wedelte, dann nach links, um dann wieder nach rechts zu wedeln. Heutzutage ist das in Romanen schon nicht mehr möglich, weil die Leute keine Zeit mehr haben (oder der Meinung sind, nicht mehr die Zeit dafür zu haben), solche Längen zu lesen. In Kurzgeschichten hattest Du nie die Zeit, solche Szenen einzubauen. Außer sie haben für die Geschichte einen Nutzen.

Vorbereitung fürs Schreiben

Egal ob Du Deine Kurzgeschichte an einem Tag oder in einer Woche schreibst, ein wenig Vorbereitung wird ihr sicherlich von nutzen sein. Daher überlegen wir uns, was Du brauchst.

  • Zeit
    Durchschnittlich ist eine Kurzgeschichte um die 10.000 Zeichen lang (jeder Buchstabe, jedes Satzzeichen und jede Leerstelle ist ein Zeichen). Man kann grob sagen, dass es um die 5.000 bis 6.000 Wörter ist, die Du dafür also verwenden kannst.
    Je nachdem wie schnell Du schreibst, kann das Schreiben allein um die drei Stunden dauern (allein das Schreiben). Mit der Überarbeitung, der Recherche und vielem mehr, steigt natürlich die Zeit.
  • Idee
    Wenn Du Dich an einen der vielen Ausschreibungen orientierst, die es im Internet gibt, musst Du gar nicht selbst eine Idee für Deine Geschichte ausdenken. Ansonsten kannst Du entweder die Geschichten aus Deinem Fundus nehmen oder jetzt Deiner Kreativität freiem Lauf lassen.
    Kleiner Hinweis: Du kannst die Ausschreibung als Inspirationsquelle benutzen und mit deren Hilfe Deine Kurzgeschichte schreiben. Ändere nur ein paar Punkte (zumindest würde ich es empfehlen), damit am Ende etwas Eigenständiges herauskommt.
  • Utensilien
    Egal ob Du mit Laptop, am Computer oder mit der Hand schreiben willst. Hier geht es um die entsprechende Entscheidung dafür. Genauso wie die Entscheidung für Dein Programm. Entweder ein Schreibprogramm wie Scrivener oder einfach Word.

1. Stufe: Schreibe die Geschichte in einem Zug

Jetzt wirst Du Dich fragen, was das bitte schön soll. Im Grunde genommen hast Du noch nichts in der Hand, sollst aber jetzt schon die komplette Geschichte schreiben.

Es ist halt so, dass es hierbei darum geht, eine Geschichte so zu erzählen, wie Du sie einer Freundin oder einem Freund erzählen würdest. Du sitzt also mit dieser Person in einem Café oder in einer Bar und erzählst, was Dir letztens Kurioses passiert ist. Gut, in dieser Geschichte könnten dann Drachen oder Weltraumschlachten vorgehen, aber das ist nebensächlich.

Und sicherlich würdest Du die Geschichte nicht mittendrin beim Schreiben abbrechen und dann erst am nächsten Tag weitererzählen, oder? Also schreibe die Geschichte auf, und zwar in einem Zug durch. Und zwar so, wie Du sie erzählen würdest. Es kann also auch gerne passieren, dass Du zwischen den Szenen hin- und herspringst.

Mach Dir bitte keine Gedanken, dass sie vielleicht krumm und schief am Ende ist. Das ist egal. Immerhin sind wir gerade mal bei der ersten Stufe.

2. Stufe: Finde Deine Heldin / Deinen Helden

Jetzt hast Du die erste Fassung Deiner Geschichte geschrieben. Atme einmal tief durch und schau Dir an, was Du geschaffen hast. Am besten Du trittst emotional einen Schritt zurück und versucht so neutral wie nur möglich die Figuren und den Handlungsverlauf zu betrachten.

Nun überprüf alle Figuren darauf, ob sie sich als Heldin bzw. als Held für Deine Geschichte eignen (mit Heldin / Held meine ich nicht unbedingt die strahlende Figur, die man sich unter dieser Bezeichnung vorstellen mag, es geht also hierbei um die Figur, welche die Geschichte erzählt).

Vielleicht springt Dir eine Figur regelrecht ins Auge und Du sagst Dir, das kann nur die Heldin oder der Held sein. Sei aber trotzdem kritisch und betrachte alle anderen Figuren auf ihr Potenzial. Zwar kann es sein, dass Du eine bestimmte Figur im Kopf hattest, als Du die Geschichte aufgeschrieben hast. Aber manchmal passiert es, dass sich beim Schreiben ein ganz anderer Charakter in den Mittelpunkt drängelt, den Du bisher nicht beachtest hattest.

Hast Du jemanden ausgemacht, merke Dir die Figur. Denn um sie herum wird dann die Geschichte geschrieben und findet auch die Überarbeitung statt.

3. Stufe: Schreibe die perfekte erste Zeile

Der erste Satz hat nicht nur die Aufgabe, Deine Leserinnen und Leser in die Geschichte hineinzuziehen. Er soll auch Dich selbst in die Geschichte hineinziehen und Dir Lust machen, weiter daran zu arbeiten und Dir Spaß bereiten, da überhaupt weiter zu machen.

Daher versuche jetzt, die erste perfekte Zeile zu schreiben. Hier ein paar Vorschläge als Inspiration:

  • Lade mich als Leserin in die Szene ein.
  • Überrasche mich.
  • Führe die Stimme dieser Kurzgeschichte ein.
  • Sei klar dabei.
  • Versuche, ob Du die komplette Geschichte in diesem einem Satz erzählen kannst.

Falls Du jetzt noch nicht schaffst, die wirklich perfekte erste Zeile zu schreiben, das ist in Ordnung. Aber versuche dem ruhig nahezukommen. Auch diesen Satz kannst Du natürlich jederzeit überarbeiten.

4. Stufe: Teile Deine Geschichte in einer Szenenliste auf

Jede noch so kurze Geschichte hat mindestens eine Handvoll Szenen. Diese finden zu einer bestimmten Zeit statt, mit einer bestimmten Anzahl von Figuren an einem bestimmten Ort. Wenn eines dieser Elemente geändert wird, haben wir normalerweise eine neue Szene.

Kurz gesagt: Wenn eine neue Figur auftritt oder eine Figur weggeht, haben wir schon eine neue Szene.

Mithilfe einer Szenenliste kannst Du Deine Geschichte strukturieren und sehen, welcher Teil Deiner Geschichte noch ein wenig Arbeit benötigt, damit sie stärker wird. Wenn Du sie erstellt hast, kannst Du ihr folgen, das ist aber kein Muss. Doch mit ihrer Hilfe hast Du zumindest einen Pfad, dem Du folgen kannst. Und das kann durchaus schon mal ein Gefühl der Sicherheit geben.

5. Stufe: Recherchiere für Deine Geschichte

Meine Empfehlung ist, man sollte nie zu früh anfangen, die Recherche zu betreiben. Denn je eher Du anfängst, desto mehr könnte die Gefahr bestehen, dass Du Deine Geschichte und vor allem Deine Leidenschaft für diese Geschichte tötest. Und das meine ich durchaus wortwörtlich. Damit meine ich, dass Du anfängst, zu recherchieren und eigentlich nur ein paar Informationen suchst. Am Ende könntest Du über dieses Thema eine Sachbuchreihe schreiben und hast eigentlich keine Lust mehr, die Kurzgeschichte zu verfassen.

Aber irgendwann wird es Zeit, dass Du Dich auch mit diesem Thema auseinandersetzt. Wenn Du auf einem guten Weg bist, sieht die Sache dann schon anders aus und Du kannst loslegen.

Wer ist also Deine Hauptfigur, worum dreht es sich in Deiner Geschichte und welche offenen Fragen wollen noch von Dir beantwortet und in der Geschichte verwendet werden. Diese und weitere Fragen können jetzt gestellt und beantwortet werden.

Fülle Deine Szenen mit harten Fakten. Und bei Bedarf kannst Du auch Deine Szenenliste damit füllen. Je nachdem, wie Du arbeitest.

6. Stufe: Schreibe / Überarbeite / Schreibe noch einmal / Überarbeite … bis Du zufrieden bist

Wenn Du an dieser Stelle angekommen bist, ist sicherlich Deine Geschichte in Deinem Kopf ordentlich gereift. Allein durch die Arbeiten, die Du getan und natürlich auch dadurch, dass Du Dich mit ihr intensiv beschäftigt hast. Nun wird es Zeit, dass wir die Geschichte der ersten Stufe in eine schöne Form gießen.

Daher überarbeite erst einmal die Geschichte nach Deiner eigenen Szenenliste und schau nach, was Du da verbessern kannst. Wie sieht es mit den Informationen rund um Deine Heldin oder Deinem Helden aus? Und wie kannst Du die recherchierten Informationen einfügen?

Mach Dir in dieser Phase noch keine Gedanken über Füllwörter oder die Rechtschreibung. Das kannst Du korrigieren, wenn Du mit der Geschichte zufrieden bist. Und wenn Du dann so weit bist, kannst Du natürlich auch gerne Freundschaften oder sogar ein professionelles Lektorat über die Geschichte lesen lassen.

7. Stufe: Veröffentliche Deine Geschichte

Das ist natürlich kein Muss. Aber Du machst Dir nun wirklich viel Mühe um eine Kurzgeschichte zu schreiben. Warum sollte sie dann am Ende in Deiner Schublade landen? Also schicke sie zu einer passenden Ausschreibung ein, veröffentliche sie auf Deinem Blog oder Deiner Internetseite. Oder Du arbeitest an einer eigenen Anthologie, wo sie ihren Platz findet. Alternativ kannst Du sie als kleines Geschenk für Deinen Newsletter beigeben. Und natürlich, Du kannst sie auch gegen einen kleinen Obolus verkaufen.

Egal wie, ich empfehle Dir, Dich in die Welt hinauszuwagen. Es ist besser, wenn Du lernst, mit Kritik umzugehen, indem Deine Leserinnen und Leser eine Kurzgeschichte bewerten, anstatt Deinen kompletten Roman. Denn an einer Kurzgeschichte arbeitest Du nicht ganz so intensiv wie an einem Roman. Und Du lernst eine Menge dabei. Wie man Geschichten schreibt und wie man mit der Kritik anderer Menschen am eigenen Werk umgeht.

Einleitung zu den zweiten sieben Schritten

Du hast unzählige Ideen, die sich nicht für einen Roman eigenen (vermutlich). Also legen wir los und schreiben endlich eine Kurzgeschichte. Mit ein bisschen Arbeit wird das was werden. Hier sind sieben mögliche Schritte, wie aus einer groben Idee eine Geschichte werden kann.

1. Schritt: Benenne das Problem

Hierbei geht es wirklich nur um die Benennung des Problems. Das kann von banal und trivial bis hin zu einer komplexen Idee sein, welche sich tief in Deiner Seele versteckt hat und nun darauf wartet, an die Oberfläche zu kommen.

Schreib einfach das Problem auf, egal wie banal es auf dem ersten Blick klingen mag. Am Ende bekommt Deine Notizen niemand zu sehen. Also musst Du Dir darüber keine Gedanken machen.

  • Ein Drache schläft im Vogelhaus, in der Winterzeit.
  • Ein USB-Stick mit wichtigen Daten, welche seiner Schwester das Leben zerstören könnte.
  • Wolle für ein Häkelprojekt finden.

Du siehst, es kann alles dabei sein.

2. Schritt: Kreiere einen Charakter, der dieses Problem hat

Du musst dabei nicht extrem kreativ sein und alle Details zu dem Charakter erfinden, der in Deiner Kurzgeschichte auftaucht. Denn es ist immer noch eine Kurzgeschichte. Find die Eckdaten heraus und lege dann los. Die große Arbeit kannst Du Dir für Deine Romane aufheben.

  • Eine junge Frau.
  • Ein Mann, mittleren Alters, Geschäftsmann.
  • Ein Junge im Teenageralter.

3. Schritt: Beschreibe nun, warum das Problem Deine Charaktere beschäftigt

Es geht hierbei darum, dass das Problem und der Charakter zueinanderfinden. Wenn sie nichts miteinander zu tun haben, hast Du keine Geschichte. Und wenn Du keine Geschichte hast, lohnt sich nicht die Mühe sich hinzusetzen und etwas zu schreiben.

Doch je wichtiger das Problem Deinen Figuren ist, desto intensiver wird die Geschichte und desto mehr werden wir Leserinnen und Leser Deinen Worten folgen. Mache Dir also Gedanken darum, was die Verbindung ist.

  • Die junge Frau hatte als Kind ein Erlebnis der besonderen Art. Sie wurde in eine andere Welt hineingerissen und erlebte dort Abenteuer, mit denen sie noch heute seelisch zu kämpfen hat. Denn sie wurde danach in eine Nervenheilanstalt gesteckt, weil ihr niemand glauben wollte. Und jetzt will sie nie wieder mit diesen Wesen etwas zu tun haben.
  • Der Geschäftsmann hat wichtige Daten bekommen, damit er einem korrupten Politiker stürzen kann. Denn dieser hat das Leben seiner Frau und seines Kindes auf dem Gewissen und nun will er sich an ihm damit rächen.
  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Wenn Du fertig bist, dann schau Dir noch einmal die Verbindung zwischen dem Problem und den Charakteren an. Steckt da wirklich ein guter Grund dahinter?

Kleines Beispiel:

  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Das ist das Endergebnis. Als ich den Text doch zuerst schrieb, sah er so aus.

  • Der Junge hat eine Leidenschaft für Handarbeiten, besonders fürs Häkeln. Das erinnert ihn an die schönen Stunden mit seiner verstorbenen Schwester. Doch für sein nächstes Projekt braucht er Wolle und hat kein Geld.

Der durchgestrichene Teil hatte ich vergessen. Wie liest sich der Text für Dich, wenn der eine Teil nicht wäre?

4. Schritt: Zeige das Hindernis, was sie zurückhält

Eine gute Geschichte baut immer mehrere Hindernisse auf, damit die Heldin oder der Held nicht ans Ziel kommt. Auf keinen Fall dürfen sie kurz vor Schluss den Drachen töten, den Mafiaboss zur Strecke bringen oder den Mörder entdecken. In einer Kurzgeschichte reicht ein Hindernis aus. Aber der muss da sein und zu den vorherigen Punkten passen.

  • Sie hat Angst, dass die Erlebnisse, die sie ganz hinten ihrem Unterbewusstsein eingesperrt hat, wieder hervorkommen und noch schrecklichere Dinge passieren, als beim letzten Mal. Und das sie dieses Mal für den Rest ihres Lebens in eine Nervenheilanstalt kommt. Denn dorthin will sie niemals wieder zurück.
  • Seine Schwester ist die Ehefrau des korrupten Politikers und er weiß nicht, ob sie etwas mit der Sache zu tun hat. Er ist der festen Überzeugung, dass sie unschuldig ist. Dann würde er sie mit stürzen. Denn sie ist ebenfalls aktiv an der Arbeit des Politikers beteiligt. Und nach ihren Depressionen tut ihr das Ganze wirklich gut.
  • Er hat seine Schwester geliebt, weil sie ihm nicht nur seine sensible Seite unterstützt hat (durch die Handarbeiten), sondern ihn auch noch vor dem gewalttätigen Vater beschützte. Nun ist sie tot und niemand stellt sich zwischen den beiden. Zudem hat er kein Geld, um die Wolle für einen Gedenkschal zu kaufen, weil er kaum Taschengeld zur Verfügung hat. Und seine Eltern würden sich über ihn lustig machen, wenn er sie um etwas Geld bitten würde.

5. Schritt: Finde einen bis drei Versuche, für eine Lösung

In der Überschrift steht Versuch, weil Deine Heldin oder Dein Held nicht beim ersten Mal die Lösung finden soll. Dann wäre die Geschichte schlichtweg langweilig. Der Held oder die Heldin muss scheitern und am Ende dieses Scheiterns immer schlechter dastehen, als hätte sie oder er nicht gewagt aufzustehen und etwas zu unternehmen. Erst am Ende dürfen sie gewinnen. Aber soweit sind wir noch nicht.

  • Sie ignoriert zuerst den Drachen, weil sie hofft, dass dieser frieren wird und dann verschwindet. Doch gleichzeitig hat sie Angst, dass die Nachbarn mitbekommen, dass ein Drache in ihrem Garten schläft und vor allem, dass sie realisieren, dass es Drachen gibt.
    Also holt sie ihn ins Haus und dieser erschreckt so dermaßen, dass er immer wieder Feuer spuckt und kleine Brandherde verursacht. Diese kann sie löschen. Doch dann kündigt sich Besuch an. Ihre Eltern wollen spontan vorbeikommen.
  • Zuerst versucht er mit seiner Schwester zu reden, um herauszufinden, ob sie etwas von der Sache weiß. Doch er bekommt nichts heraus. Zudem erzählt sie ihm, wie gut es ihr geht, seit sie in der Politik aktiv ist. Sie muss kaum noch Medikamente gegen ihre Depressionen nehmen und Selbstmordgedanken habe sie auch nicht mehr. Während des Essens trinkt sie kein Alkohol, weil sie ihrem Bruder eröffnet, dass er demnächst Onkel wird.
  • Zuerst sucht er alle Wollreste aus den Sachen seiner Schwester zusammen. Doch seine Mutter bekommt dies mit und verbietet ihm, das Zimmer seiner toten Schwester noch einmal zu betreten und erst recht zu plündern. Daher schaut er in dem Wollladen der Stadt vorbei, um dort welche zu stehlen. Doch er wird erwischt und die Polizei bringt ihn nach Hause. Nachdem sein älterer Bruder ihm verrät, dass es auf dem Dachboden Wolle gibt, bricht er dort ein. Denn eigentlich dürfen sie nicht auf den Dachboden gehen.

In der Katastrophe muss es auch immer Hoffnung geben. Das bedeutet, dass jeder Fehlschlag die Charaktere dorthin bringen soll, die Lösung zu finden, damit die Geschichte einen guten Ausgang hat.

6. Schritt: Schaffe den kritischen Wendepunkt

Jetzt ist Deine Heldin oder Dein Held so weit, den Wendepunkt zu beschreiten. Denn sie haben alles, was sie brauchen, um die Lösung umzusetzen. Sowohl die Erfahrung als auch die Weisheit wurde ihn mitgegeben, damit sie die letzten Schritte gehen können.

  • Sie begreift, dass sie sich ihren inneren Dämonen stellen muss. Das bedeutet für sie, dass sie ihre Eltern hereinlassen muss, wenn sie da sind, um ihnen den Drachen zu zeigen. Auch wenn er eventuell nur in ihrem Kopf existiert und zudem stehen, was sie einst war und nun immer noch ist.
  • Wenn er seine Familie rächen und zugleich beschützen will, muss er die Daten einsetzen. Denn er will nicht, dass seine Nichte oder sein Neffe in dieser Umgebung aufwächst, die Gift für ihn sein könnte.
  • Obwohl er Angst vor seinem Vater hat, wagt er doch den Aufstieg auf den Dachboden. Denn der Wunsch, den Gedenkschal für seine Schwester zu häkeln ist stärker als die Angst vor seinem Vater.

Es muss natürlich kein glückliches Ende sein, das am Ende herauskommt. Es liegt an Dir, wohin die Reise geht. Wenn Du das unglückliche Ende planst, dann sollte Deine Heldin oder Dein Held spätestens jetzt realisieren, dass die Gedankengänge und die Handlungen falsch waren und alles in eine komplett andere Richtung hätte gehen sollen. Deine Leserinnen und Leser sollten an dieser Stelle spüren, Erfolg wäre durchaus möglich.

7. Schritt: Zeig, was als nächstes passiert

Du hast nun Deine Charaktere an diesen kritischen Punkt gebracht. Nun ist es Zeit, dass Deine Heldin oder Dein Held ihre Wahl treffen. Und es ist an der Zeit, dass Du zeigst, was diese Wahl ist und wie sie ausgeht.

  • Sie entschließt sich, ihren Eltern alles zu sagen. Und als sie durch die Tür treten, sehen sie den Drachen und realisieren, dass ihre Tochter ihnen all die Jahre die Wahrheit gesagt hat.
  • Er geht am nächsten Tag zu der Presse und zeigt ihnen den USB-Stick mit den ganzen Daten. Damit hat er den Stein ins Rollen gebracht, sodass sein Schwager definitiv für seine Verbrechen bezahlen muss. An seine Schwester hat er dabei nicht gedacht.
  • Auf dem Dachboden findet er die gewünschte Wolle und fängt dort sogar sofort an zu häkeln. Doch dann kommt sein Vater hoch und entdeckt seinen Sohn dort.

Du musst nicht unbedingt die Geschichte komplett bis zum Ende schreiben. Denn oft wird erklärt, eine Kurzgeschichte hat ein offenes Ende. Gerne kannst Du alles weitere der Fantasie Deiner Leserinnen und Leser überlassen. Immerhin hast Du sie bis an diese Stelle geführt. Nun kannst Du sie auch gerne alleine weiterreisen lassen. Aber bis hierhin solltest Du kommen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, damit sie weitergehen können.

Schlussworte

Die Vorarbeit mag noch einfach sein. Aber wenn es wirklich an Deine Idee geht, kann es sein, dass Du vor dem weißen Blatt Papier sitzt und Dir überlegst, was Du nun tun sollst. Auf dem ersten Blick sehen die Schritte schon einfach aus, aber sie haben auch ihren Schwierigkeitsgrad.

Aber wenn Du Dich nicht hinsetzt und anfängst, wirst Du niemals zu einem Ende kommen.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß und noch mehr Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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