[Toxischer Plot] Schwule und Sex

Hei, hallo und herzlich willkommen,

mitte Oktober 2019 tauchte (mal wieder) die Diskussion auf, ob Dumbledore in den Harry Potter Romanen als schwuler Mann hätte darstellen sollen. Im Grunde hätte man die Uhr danach stellen können, bis der Kommentar kommt, dass das keine gute Idee ist. Denn in Jugendbücher soll es doch bitte keinen Sex geben.

Kurze Vorgedanken

Scheinbar sind schwule Charaktere für einige Menschen wie ein rotes Tuch. Kaum lesen sie, dass eventuell, möglicherweise, vielleicht ein schwuler Charakter in einer Geschichte auftauchen könnte, reagieren sie. Einige positiv, andere sehr, sehr negativ.

Daher möchte ich heute einen Blick riskieren. Übrigens, ja, ich schreibe tatsächlich hier nur über schwule Charaktere in Geschichten. Das soll nicht bedeuten, dass andere nicht Cis-Het-Dudes nicht auch ihre Probleme in Romanen haben. Aber das ist dann ein eigener Beitrag wert.

Wo ist genau das Problem?

In den oben genannten Beispiel erwähnte jemand, dass viele Fans der Harry Potter Reihe es gerne gesehen hätten, dass Dumbledore im Roman seine Homosexualität gezeigt hätte. Bisher ist das eine Behauptung der Autorin, die sich an keiner Szene wirklich ausmachen lässt. Ja, Dumbledore könnte schwul sein, aber eben auch nicht.

Und wie erwähnt, gab es gleich mehrere Personen, die darauf reagierten. Tatsächlich viele, die dagegen waren. Man könne den Kindern nicht zumuten, dass in einem Jugendbuch die Charaktere Sex hätten.

Reduzierung der Charaktere (und der schwulen Menschen)

Faszinierend ist eigentlich das Bild, dass man von schwulen Charakteren (und letztendlich auch von schwulen Menschen) dabei zeichnet. Wobei ich mich im folgenden ausschließlich auf die schwulen Charaktere konzentrieren werde.

Denn scheinbar können sie nichts anderes, als eben ins Bett zu hüpfen. Wenn sie sich sehen, dann setzen ihre fiktiven Gehirnwindungen aus und es kommt, wie es kommen muss, sie müssen miteinander ins Bett und miteinander dann Sex haben. Dabei scheint es am Ende auch egal zu sein, ob sie zueinander passen oder es die Geschichte voranbringt.

Diese Charaktere werden also auf Sex reduziert. Das sie theoretisch das ganze Universum retten könnten ist geschenkt. Denn sie sind ja unterleibsgesteuert.

Und das ist das Traurige an diese Sache. Die Charaktere können noch so schön gezeichnet sein, sie dürfen bei vielen nicht weiter gehen. Denn sie werden eben auf diese eine Sache reduziert. Somit dürften viele Lesende ihnen gar keine Chance geben. Lesen sie, dass ein Charakter schwul ist, dürfte bei vielen das Interesse abgeebt sein.

Doch woher kommen diese Vorurteile?

Zugegeben, ich habe keine empirischen Daten, welche meine folgenden Behauptungen belegen können. Aber ich kann mir einige Gründe zumindest denken, warum das so ist. Und ich befürchte, dass sie nicht ganz unrealistisch sind.

Gedanken über schwulen Sex

Tatsächlich machen sich sehr viele Menschen darüber Gedanken, wie nicht Hetenpaare Sex miteinander haben. Da hab ich schon sehr viele Diskussionen darüber gelesen. Vermutlich ist dieser Gedanke daher sehr präsent bei vielen, wenn sie an schwule Charaktere denken. Wie haben die Sex?

Tauchen dann schwule Charaktere in Geschichten auf, fragen sich einige nicht, wie die Charakterdarstellung ist, sondern es geht eben um das Thema Sex. Vielleicht bemerken das viele noch nicht einmal, ich kann mir aber gut vorstellen, dass dies im Unterbewusstsein gärt.

Gay Romance

Ein weiteres Puzzlestück zu dieser Frage dürften die Gay-Romance Geschichten sein. Liebesromane leben unter anderen von den erotischen Szenen. Somit auch der Gay-Romance. Wobei ich selbst das Gefühl habe, dass es keinen Gay-Romance gibt, in dem die Charaktere nicht miteinander ins Bett gehen.

Bei dem klassischen Liebesroman kann es durchaus noch vorkommen, dass die Cis-Frau und der Cis-Mann nur Händchen halten (unter anderem bei den christlichen Liebesromanen). Da gibt es Alternativen. Doch ich befürchte, bei den Gay-Romances müsste ich sehr, sehr lange suchen, um einen Roman zu finden, in denen die Helden nur Händchen halten.

Vermutlich ist das auch eines der Gründe, warum es schwule Charaktere schwer haben. Wenn man sie mir Gay-Romance in Verbindung bringt (selbst dann, wenn man sie nicht liest), dann hat man eben dieses Bild im Kopf. Schwule Charaktere haben Sex miteinander. Eine Alternative scheint es ja nicht zu geben.

Andere Darstellung

Unglaublich aber wahr, schwule Charaktere sind mehr, als die Sache, die im Bett abläuft. Sie dürfen Tiefen haben, Probleme, einen schwarzen Sinn für Humor, mal gegen die Wand treten, sich verlieben und eben auch keinen Sex haben.

Egal, was für einen Roman Du schreiben möchtest, erschaffe erst einmal einen Charakter. Dieser darf natürlich schwul sein. Aber das soll nicht seinen Charakter definieren, sondern ein Teil davon sein.

Daher dürfen schwule Charaktere auch gerne in Kinder- und Jugendbücher auftauchen. Wenn sie Händchen halten oder sich küssen, ist das immer noch harmlos. Denn schwule Charaktere machen auch mal nur das.

Übrigens …

… zeigen die meisten ihre Ängste davor, dass schwule Charaktere miteinander Sex haben. Wieso machen sie sich keine Gedanken darüber, dass die heterosexuellen Charaktere nicht übereinander herfallen?

Gerade in einer heterosexistischen Welt ist die Wahrscheinlichkeit, dass alle Charaktere eben heterosexuell sind. Daher sind den Bettgeschichten eigentlich Tor und Tür geöffnet.

Abschlussgedanken

Es ist völlig in Ordnung, auch in Kinder- und Jugendbücher schwule Charaktere, gar schwule Helden auftreten zu lassen. Daran ist nichts Verwerfliches. Und nein, sie müssen noch nicht einmal mit einem anderen schwulen Charakter Händchen halten, gar sich küssen.

Vielleicht magst Du ja als Schreibübung mal eine Kurzgeschichte für Kinder und*oder Jugendliche schreiben. Eben mit einem schwulen Helden. Wenn Du sie veröffentlichst, freue ich mich über eine Rückmeldung. Lesen werde ich sie auf alle Fälle.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg und noch mehr Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Aufrufe: 41

[Toxischer Plot] Fremdouting

Hei, hallo und herzlich willkommen,

das Thema Fremdouting bezieht sich nicht nur auf Geschichten. Sondern tatsächlich auch auf reale Menschen, die nicht davor zurückschrecken, eben andere zu outen.

Kurze Vorgedanken

Gerade zu Weihnachten, wenn man mit der ach so lieben Familie zusammensitzt, lese ich auf Twitter teilweise sehr erschreckende Nachrichten. Da wird munter fremdgeoutet und dies auch noch gefeiert.

Und das Fremdouten hat auch in Geschichten Einzug gehalten. Daher schauen wir heute mal auf dieses Thema.

Definition

Unter einem Fremdouting verstehe ich, wenn jemand anderes das Outing für mich übernimmt. Nehmen wir mal ein Beispiel.

Frau X und ich sitzen in einem Büro mit anderen Personen. Frau X hat mir anvertraut, dass sie eventuell lesbisch sein könnte. Ein Fremdouting wäre ganz klar, wenn ich nun lauthals verkünde, hei Leute, Frau X ist lesbisch.

Wichtig zu erwähnen ist, dass Frau X mich nicht gebeten hat, dies zu übernehmen. Alternativ habe ich sie nicht gefragt, ob ich das dürfte. Aus irgendwelchen Gründen war ich der Meinung, dies anderen mitteilen zu müssen. Dabei ist es egal, ob es in ihrer Anwesenheit oder in ihrer Abwesenheit geschehen ist.

Übrigens, dass Thema Homosexualität ist zwar das gängigste, aber nicht das Einzige. Jede Sache, die nicht bekannt ist, fällt bei mir unter diesem Thema. Das kann Transsexualität sein, wenn die Person non-binary ist, eine Person mit einer Behinderung ist oder auch einfach, wenn die Person ein Kind hat.

Das Problem

Jetzt könntest Du fragen, wo denn genau das Problem liegt? Immerhin kann es ja sein, dass Frau X einfach nur schüchtern ist und deswegen es gut wäre, wenn sie jemand dabei unterstützt. Dann wäre das Fremdouting ja sogar etwas positives?

Selbst sehe ich zwei Ebenen für dieses Problem.

Die persönliche Ebene

Egal ob Frau X ein Familienmitglied ist oder eine Kollegin, was weiß ich wirklich über sie? Wenn sie sich nicht selbst outet, hat das vermutlich gute Gründe.

Vielleicht ist sich Frau X noch gar nicht sicher, ob sie wirklich lesbisch ist. Daher könnte ein Fremdouting sie verunsichern. Gerade, wenn man entdeckt, dass man eine andere Sexualität hat, als die allgemein anerkannte, oder man transsexuell ist oderoderoder, kann das erst einmal einschüchtern. Immerhin muss man sich nun neu kennenlernen.

Wir leben in einer Welt, in der das Cis-Geschlecht und Heterosexualität die Norm ist. Alles, was nicht in diesem Bild passt, muss man für sich erst einmal definieren und kennenlernen. Das kann auch manchmal relativ spät geschehen.

Auch wenn ich nur die Vermutung habe, dass Frau X lesbisch sein könnte, dann ist es eben erst einmal nur das, eine Vermutung. Und damit hab ich definitiv nicht das Recht sie zu outen.

Weiterhin kann es sein, dass Frau X schon schlechte Erfahrungen mit dem Outing hat. Häufig liest man, dass Familienmitglieder ihre homosexuellen oder transsexuellen Kinder (als Beispiel) verstoßen. Du bist nicht wie ich? Dann bist Du kein Teil meiner Familie mehr.

Da kann ich mir gut vorstellen, dass Frau X vielleicht Angst hat, dass ihr das in einer freundschaftlichen Umgebung auch passiert. Wenn Dich die Familie schon verstößt, dann kann das natürlich auch mit Freundschaften passieren.

Natürlich kann es noch weitere Gründe geben. Gründe, die bei Frau X liegen. Und die wir nur kennen können, wenn wir Frau X die Möglichkeit geben, dass sie mit uns redet.

Die Umwelt

Kann ich die Umwelt von Frau X wirklich einschätzen? Es gibt häufig Momente, bei denen ich mich regelrecht vor dem Kopf gestoßen fühle. Und zwar, wenn ich von langjährigen Freundschaften mitbekomme, wie sie über ein bestimmtes Thema denken.

Es passiert häufig, dass ich denke, dass sie in bestimmten Themen relativ locker sind. Und dann muss ich durchaus feststellen, dass sie gelegentlich richtig konservative Meinungen haben. Oder einfach Meinungen, die eben anders sind, als ich diese eingeschätzt hätte.

Und das geschieht bei langjährigen Freundschaften. Für Kolleg*innen würde ich niemals meine Hand ins Feuer legen, was ihre Ansichten trifft. Dafür kenne ich sie zu wenig. Bei einigen möchte ich das auch nicht.

Nehmen wir an, Frau X und ich arbeiten für Frau Y, eine sehr konservative Frau. Vielleicht hat sie etwas gegen lesbische Frauen. Und damit hätte sie auch etwas gegen Frau X. Das bedeutet, sollte ich Frau X auch gegen Frau Y fremdouten, könnte diese das als Möglichkeit wahrnehmen, um meine lesbische Kollegin zu mobben und aus der Firma werfen zu lassen.

Aber auch die Kolleg*innen könnten Frau X dann nicht wohlgesonnen sein. Immerhin könnten die Cis-Frauen jetzt denken, Frau X wolle etwas Sexuelles von denen. Leider gibt es ja das Vorurteil, dass homosexuelle Menschen angeblich alles angraben, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist.

Da ich die Umwelt nicht einschätzen kann, könnte ich eventuell Frau X (und alle anderen) sogar einer physischen Gefahr aussetzen. Häufig werden die, die von der gesellschaftlichen Norm abweichen, sogar körperlich angegangen. Kann ich das vorhersehen?

Kurz gesagt …

Wenn ich erfahre, dass Frau X oder Herr Y oder wer auch immer, homosexuell, transsexuell, non-binary, in einem Rollstuhl sitzt, Kinder hat, ADHS ist, was auch immer, dann kann ich mich freuen, dass ich es in Erfahrung gebracht habe. Oder, es mir sogar direkt mitgeteilt wurde.

Und dann halten wir alle schön unsere Fresse (ja, ich habe dieses Wort mit Absicht benutzt).

Es ist nicht meine Aufgabe, andere fremd zu outen. Wenn sie Hilfe brauchen, werden sie sicherlich auf eine Person zukommen. Ansonsten, sie wissen schon, warum sie sich bei wem outen. Und wann sie schweigen.

Im Plot

Wenn Du nun eine Geschichte schreibst, in der ein Fremdouting ein Thema ist, dann ist das erst einmal in Ordnung. Es kommt natürlich auf die Geschichte an.

Leider hab ich von Geschichten gelesen und gehört, in der es aber als etwas Positives dargestellt wurde. Das ist es nicht. In solchen Fällen werden die Charaktere (oder auch die Menschen, wenn es im realen Leben ist) bevormundet. Sie sind nicht in der Lage, für sich selbst zu sprechen oder zu schweigen. Also muss das jemand anders für sie tun. Gegen ihren Willen.

Daher würde ich selbst das Fremdouting als etwas negatives darstellen. Wenn ich jemanden gegen ihren Willen oute, dann bevormunde ich die Person. Und damit entziehe ich ihr die Macht über die eigene Entscheidung, wann und wo und ob überhaupt diese sich outen möchte.

In meinen Augen kann das einfach nicht positiv dargestellt werden. Selbst, wenn es zur Aufklärung einer Situation beitragen soll.

Gelegentlich wird das Fremdouting benutzt, um Situationen zu klären. Zum Beispiel A kann nicht in B verliebt sein, weil A schwul ist. B ist damit erleichtert, weil C es B gesagt hat. Damit hat C A fremd geoutet. Und damit ist die Sache nicht positiv zu sehen (trotz der Sache, dass A und B nun Freunde werden könnten, aber die Situation hätte auch anders geklärt werden können).

Kurz zusammengefasst

Egal wie, entweder würde ich das Fremdouting negativ darstellen. Oder es sogar ganz lassen.

Also, wenn ich ein Fremdouting beschreiben würde, dann würde ich die besagte Person auf alle Fälle dafür kritisieren lassen. Zwar kenne ich als Autorin meine Charaktere. Und damit weiß ich, wie sie auf das Outing reagieren. Aber meine Charaktere können das nicht sagen und wissen.

Und ich würde auch zeigen, wie sehr man die Entscheidungsgewalt über das eigene Schicksal der Person genommen hat.

Oder eben, ich würde das gar nicht schreiben. Weil ich das selbst nicht gut finde.

Abschlussgedanken

Mein Wunsch ist es, dass Du über dieses Thema mal eingehend nachdenkst. Inwiefern hast Du schon mal Leute fremdgeoutet? Oder inwiefern hast Du mal darüber geschrieben? Würdest Du das heute genauso tun?

Das war ein Vorschlagsbeitrag und eine persönliche Ansicht. Vielleicht stimmen wir überein. Und wenn nicht, dann hast Du Dir hoffentlich Gedanken darüber gemacht, warum wir nicht übereinstimmen.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Aufrufe: 53

[Toxischer Plot] Die Dreiecksbeziehung

Hei, hallo und herzlich willkommen,

es gibt unzählige Klischees in Romanen. Und gefühlt scheinen sich sehr viele davon im Young-Adult Bereich zu befinden. Schauen wir uns heute einen Klassiker an.

Kurze Vorgedanken

Gefühlt gibt es wohl kein Klischee, das bei den meisten Lesenden für mehr Augenrollen verursacht, als die Dreiecksbeziehung. Das dürfte aber nicht nur daran liegen, dass die Geschichte jedes Mal fast gleich abläuft.

Noch ein Hinweis: Da die beteiligten meisten Cis-Geschlechter sind, werde ich mich im folgenden auf die Cis-Frau (bzw. Cis-Mädchen) und den Cis-Mann (bzw. Cis-Jungen) beziehen. Mit anderen Gendern taucht dieses Problem zwangsläufig nicht auf, da über sie selten ein Young-Adult geschrieben wird.

Kurze Zusammenfassung – Worum geht es?

Meistens ist das Zentrum der Geschichte ein junges Mädchen bzw. eine Frau. Sie ist entweder in einen Jungen verliebt oder sogar mit diesem liiert. Dabei wirkt der Junge gut bürgerlich. Vernünftig, bodenständig, mit Plänen für die Zukunft.

Und dann kommt er, der Bad Boy. Häufig weigert sich unsere Heldin, überhaupt mit ihm zu reden. Doch dann findet sie ihn interessant. Eben, weil er solch ein bööööser Bad Boy ist. Am Ende kommen sie zusammen und unser guter Junge geht leer aus.

Und wo ist das Problem?

In meinen Augen gibt es sogar zwei Probleme.

Der Good Guy ist nie genug

Egal was der Good Guy tut, es wird niemals gut genug sein, damit die Heldin an seiner Seite bleibt. Diese findet ja nicht umsonst den Bad Guy interessanter. Man könnte sagen, selbst wenn der Good Guy die Welt rettet, der Bad Guy hat ein Motorrad. Und damit ist dieser interessanter.

Sie, das Fähnchen im Wind

Aber auch sie steht in keinem guten Licht. Denn seien wir mal ehrlich. Gerade eben hatte sie nur Augen für den Good Guy. Ein paar Seiten später sind ihre Gefühle für ihn vergessen, weil der Bad Guy auftauchte. Das wirkt auf mich, als wäre er für sie nur ein Lückenfüller.

Was sagt das über sie aus? Dass sie sich mit dem erstbesten Mann in ihrem Leben zufriedengibt. Wieso sollte sie sonst ihm den Rücken zukehren, sobald ein heißerer Typ ihren Weg kreuzt?

Nicht gerade eine Person, die ich als Vorbild sehen würde.

Schreiben wir es anders

Wenn Du Dich ein wenig in diesem Bereich bewegst, kennst Du sicherlich genügend solcher Geschichten. Daher möchte ich Dir einige mögliche Alternativen vorschlagen, wie Du es anders schreiben könntest. Wohlgemerkt, es sind nur einige Vorschläge. Vermutlich hast Du auch schon eine Idee, wie Du es anders schreiben könntest. Daher, lass Dich inspirieren und leg gerne los.

Geschlechtertausch

Häufig kann man manchen Klischees das Wasser abtragen, wenn man die Geschlechter tauscht. Also, aus dem Mädchen, die sich zwischen zwei Jungs entscheiden muss, wird ein Jung. Und damit die andere Seite zu einem Good Girl und einem Bad Girl.

Dadurch können völlig andere Geschichten entstehen. Und manche machen sich dann Gedanken über die Dynamiken der Charaktere. Am Ende wird das Gift aus dieser Erzählung herausgefiltert. So entwickelt sich vielleicht eine neue Geschichtsart.

Der Good Guy gewinnt

Irgendetwas dürfte an dem Good Guy toll gewesen sein. Warum sonst hätte sich unsere Heldin auf ihn eingelassen? Besonders dann, wenn sie tatsächlich die Wahl hat und nicht nur bei ihm bleibt, weil er der einzige Typ auf dem Planeten ist.

Zeig ihn als ein tollen Typen, der es Wert ist, geliebt zu werden. Damit kannst Du ihre Entscheidung nachvollziehbar machen, warum sie bei ihm bleibt.

Alternative Beziehungsformen

In so gut wie allen Young-Adult Romanen kommt die klassische monogame Beziehung vor. Also eine Frau und ein Mann. Gelegentlich dürfen die Charaktere noch homosexuell sein. Seltener vielleicht noch Bisexuell.

Zwischenzeitlich entscheiden sich aber immer mehr und mehr Menschen für alternative Beziehungsformen. Und diese sind auch völlig in Ordnung, solange sie auf Augenhöhe entstehen.

So könnte unsere Heldin mit beiden Herren eine Beziehung eingehen. Das bedeutet, dass sie sich in beide verliebt und sie mit beiden geht. Aber die Herren müssen nicht zwangsläufig etwas miteinander anfangen (dadurch könnten zwei Brüder mit einer Frau etwas anfangen). Aber theoretisch ist das auch möglich.

Das soll zeigen, dass monogame Beziehungen nicht die einzige Form ist, mit der ein Mensch glücklich werden kann.

Der zweite Typ fliegt raus

Eine sehr mutige Entscheidung wäre, wenn es nur eine Person gäbe, mit der unsere Heldin eine theoretische Beziehung eingehen könnte. Dabei kannst Du entscheiden, ob der Love Interest ein langjähriger Freund ist oder der neue Typ in ihrem Leben.

Allein das wäre schon für viele eine sehr angenehme Abwechslung.

Deine Idee

Vielleicht bist Du jetzt schon an einem Punkt angelangt, an denen sich weitere Ideen entwickeln. Notiere sie Dir gerne und vielleicht magst Du sie in Deiner nächsten Geschichte erwähnen. Auf alle Fälle wird es Zeit, dass neue Geschichten das Land bereichern.

Abschlussgedanken

Es kann durchaus Spaß machen, wenn man über Dreiecksbeziehungen schreibt. Nur leider hat sich das Thema, dass sich die Heldin für den Bad Boy entscheidet, totgelaufen.

Daher fände ich es schön, wenn es neue Geschichten mit innovativen Möglichkeiten gäbe. Aus diesem Grund sind wir gefragt. Legen wir los und schreiben etwas völlig Neues.

Dabei wünsche ich uns viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Aufrufe: 37

[Toxischer Plot] Mobbing als romantischer Aufhänger

Hei, hallo und herzlich willkommen,

zugegeben, einer meiner Lieblingsmethoden, um zu prokrastinieren ist es, die 1-Stern-Rezensionen auf einem gewissen Portal zu lesen. Denn häufig kann ich mich darüber gut amüsieren. Doch dort finden sich auch sehr gut und ausführliche Rezensionen, die viel über ein Buch aussagen können. Und einer dieser Rezensionen hat mich zu diesem Beitrag inspiriert.

Kurze Vorgedanken

In Liebesromanen zwei Menschen zueinander zu führen, damit sie sich verlieben und dann eine spannende Story entsteht, kann durchaus schwierig sein. Immerhin muss man sich ja als Autor*in überlegen, wie das geht und vor allem, dass es nicht sofort klappt. Die Spannung soll ja bis zum Schluss bleiben, kommen sie zusammen oder nicht.

Aber es gibt Wege, wie zwei Menschen zueinanderfinden sollen, bei denen ich, gelinde gesagt, nur den Kopf schütteln kann. Bei einen der Rezensionen, die ich durchgelesen habe, wurde tatsächlich Mobbing als Weg gewählt.

Daher möchte ich heute darüber schreiben, warum ich das, gelinde gesagt, nicht lustig oder gar romantisch finde.

Noch eines vorneweg, bei diesem Beitrag möchte ich nicht gegen die*den Autor*in bashen. Daher werde ich weder den Namen der schreibenden Person noch den Titel des Buches nennen. Es handelt sich hierbei um einen Beitrag, der sich um das Thema dreht, in der Hoffnung, dass sich das nicht verbreitet.

Und es sei noch erwähnt, es handelt sich hierbei nicht um einen psychologischen Beitrag. Solltest Du Hilfe benötigen, dann klicke HIER und HIER (für Österreich) und ruf die entsprechenden Nummern an. Und ja, ich werde in diesem Beitrag auch einige psychologische Themen ansprechen, das als Triggerwarnung.

Allgemeines zum Thema

Bevor wir uns dem Thema für eine Geschichte widmen, möchte ich erst einmal Mobbing kurz betrachten. Also, was ist das, wer mobbt, wer wird gemobbt und welche Konsequenzen kann es am Ende geben.

Was ist jetzt eigentlich Mobbing?

Mobbing bedeutet, grob beschrieben, dass eine Person von einer oder mehreren anderen Personen (also einer Gruppe) zumeist psychisch, aber auch physisch beleidigt, angegangen, verletzt oder gedemütigt wird.

Selten handelt es sich dabei um eine einmalige Aktion. Das kann manchmal über Jahre und noch länger hinweg gehen. Dabei kann es sein, dass die Täter*innen sich regelrecht auf ein Opfer fokussieren und es mobben, bis sich die Wege trennen. Oder sie langweilen sich und suchen sich dann ein neues Opfer.

Die Bandbreite des Mobbings ist extrem weit. Von subtilen Bemerkungen, bis hin zu Lästereien, sogenannten Scherzen (die für das Opfer nie lustig sind) und sogar physische Gewalt. Das Opfer kann tatsächlich verprügelt werden.

In Serien, Filmen und meistens Young Adult Geschichten ist Mobbing als negative Erfahrung durchaus ein Thema. Daher denke ich, dass Du Dir davon durchaus ein Bild machen kannst, wenn Du nicht selbst mal ein Mobbingopfer geworden bist.

Wer mobbt eigentlich?

Es gibt noch nicht ausreichende Studien, die das Thema Mobbing erschöpfend analysiert haben. Daher kann man (und erst recht ich) keine zufriedenstellende Antwort geben.

Die Vermutung geht dahin, dass die mobbenden Personen eher Selbstzweifel an sich und der eigenen Person haben. Im privaten Bereich vielleicht nichts zu sagen haben und sich daher einer Gruppe anschließen. Dort fühlen sie sich stark und sicher. Und dementsprechend kommen sie so zur Macht, die sie sonst vielleicht nicht haben.

Wer wird gemobbt?

In einen dieser Studien wird erklärt, dass Mobbingopfer schüchtern, zurückhaltend und sich eher in die Opferstellung begeben. Kritiker*innen dieser Aussage meinen jedoch, dass das nicht die Auslöser für das Mobbing sind, sondern eher das Ergebnis.

Und aus persönlichen Erfahrungen kann ich den kritischen Stimmen nur zustimmen. Mobbingopfer können die sein, die neu auf eine Schule oder Arbeitstelle kommen. Sie können sich mal gewehrt haben, weil sie unfair behandelt wurden. Oder sie machen ihre Arbeit besser als die anderen. Sie können sportlich oder auch unsportlich sein. Vielleicht sind sie nicht vermögend genug oder haben mehr Geld als die anderen aus der Klasse.

Für die mobbende Person gibt es natürlich irgendeinen Grund, warum sie*er sich genau diese Person ausgesucht hat. Aus der objektiven Sicht würde ich sagen, egal was man macht, in den Augen der mobbenden Personen macht man es sowieso falsch.

Welche Konsequenzen kann Mobbing haben?

Vor einiger Zeit twitterte eine Person, dass sie mit Mitte zwanzig immer noch verunsichert ist, wenn andere hinter ihrem Rücken lachen. Damit wollte sie ausdrücken, dass sie zwar aus der Schule raus ist, aber sie immer noch unter dem Mobbing leidet.

Daraufhin erwiderte ich, dass ich mit Ende dreißig ebenfalls diese Verunsicherung verspüre. Eine andere Person erklärte, dass es ihr*ihm mit sechzig ebenso ergeht.

Kurz geschrieben, Mobbing kann nicht nur den Tag versauen, in einigen Leben sogar das ganze Leben. Die Persönlichkeit kann sich verändern, man wird ängstlicher, traut sich nicht mehr viel zu (wenn überhaupt), hat Versagensängste, verliert die Stelle im Beruf und igelt sich ein. In ganz schlimmen Fällen sehen Mobbingopfer keinen Ausweg und beenden sogar ihr Leben.

Das ist bei Weitem nicht alles, aber ich denke, Du kannst Dir ein Bild machen. Mobbing ist also nicht lustig oder sonstwie.

Mobbing in der Literatur

Da Mobbing durchaus ein Thema für viele junge Menschen ist (aber nicht nur), ist es auch häufig ein wiederkehrendes Thema in den Young Adult Geschichten. Meistens kommt unsere Heldin neu an eine Schule und wird gemobbt.

Bisher wurde das aber eher negativ betrachtet. Also, dass Mobbing schlecht ist (was es ja auch ist). Nun gibt es tatsächlich zumindest einen Roman, der Mobbing romantisiert. Daher möchte ich beide Elemente aufführen und erklären, warum ich das für keine gute Idee halte.

Mobbing als romantische Annäherung

Als Liebesromanautorin ist es wichtig, dass ich mir Gedanken mache, wie mein Paar zusammenfindet. Wie treffen sie sich, wie finden sie zueinander und wo ist der Konflikt, damit das Happy End nicht sofort da ist. Dazu gehört durchaus ein wenig Kreativität.

Wenn Du als Liebesromanautor*in Dich dafür entscheidest, dass eine Gruppe auf den Love Interest verbal oder gar physisch einschlägt, was für eine romantische Basis hat dann die Liebe? Ehrlich gesagt, ich verstehe das nicht.

Auf Twitter fragte mal jemand nach, ob Mobbingopfer sich mit den Täter*innen unterhalten würden, um nach deren Gründen zu fragen. Und auch, ob sie deren Entschuldigung annehmen würden.

Nicht alle, aber sehr viele meinten, dass sie den Täter*innen nicht die Genugtuung einer reinen Seele gewähren möchten. Das bedeutet, dass die Täter*innen nach diesem Gespräch sich besser fühlen würden. Immerhin haben sie ihre Situation erklärt und entschuldigt. Damit ist ja normalerweise für sie die Sache erledigt.

Die Opfer hingegen bleiben mit ihren Erinnerungen, ihren Ängsten und ihrem Leid zurück. Häufig kann solch eine Entschuldigung sogar alte Wunden aufreißen, sodass alles wieder hochkommt. Und dann müssen sie erneut mit sich ins Reine kommen.

Auch ich gehöre dazu, dass ich meine Mobber*innen nie wieder sehen will. Geschweige denn, dass ich mit denen eine Freundschaft oder gar eine Beziehung aufbauen möchte. Da würden mit Sicherheit ebenfalls all die Wunden auftauchen, die ich bisher erfolgreich verdrängen konnte.

Natürlich, es gibt Ausnahmen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die gemobbte Person und die mobbende Gruppe weiterhin etwas miteinander zu tun haben wollen, schätze ich als eher gering ein.

Daher frage ich mich, wie man solch eine Geschichte als romantisch verkaufen kann? In meinen Augen ist es nicht romantisch gemobbt zu werden. Und wenn sich daraus eine Beziehung entwickelt, für mich hat es einen eher negativen Beigeschmack. Und zwar, dass sich die gemobbte Person noch nicht aus ihrer Opferhaltung befreit hat.

Wie kann man es anders schreiben?

In meinen Augen gehört Mobbing dahin, wo es wirklich hingehört: in die Tonne. Und das als romantische Geschichtsunterstützung, als auch in der realen Welt.

Doch noch ist Mobbing ein reales Thema. Und ja, ich finde es durchaus wichtig, es vernünftig zu thematisieren. Sollte also Dein Love Interest ein Mobbingopfer sein, dann ist das per se nicht schlimm. Es kommt dann auf die Umsetzung.

Befindet sich die andere Hälfte des Paares (ich gehe jetzt von einer monogamen Beziehung aus) in der Gruppe der Mobbenden, sehe ich das als schwierig an.

Bevor Du anfängst daran zu schreiben, bitte ich Dich, frag Dich selbst, warum genau das sein muss. Warum muss eine der Charaktere aus der Gruppe der Mobbenden stammen? Gibt es nicht eine andere Möglichkeit?

In der Geschichte “Fessel mich” von der Autorin Norah Wolff geht es auch um Mobbing. Doch die Auflösung für den Love Interest wurde hier um einiges besser gewählt.

An dieser Stelle möchte ich nicht zu sehr Spoilern. Aber ich kann Dir das Buch empfehlen. Gerade, weil es auch die Konsequenzen des Mobbings zeigt, die Jahre später bei einem der Charaktere immer noch aktuell sind.

Natürlich kann einer der beiden Charaktere ein Mobbingopfer sein. Aber der andere Teil könnte eine neutrale Person sein. Vielleicht unterstützt sie*er das Mobbingopfer. Oder weiß selbst nicht, wie sie*er darauf reagieren soll. Alternativ hat sie*er nichts damit zu tun und kommt erst später dazu.

Meine Bitte an dieser Stelle: Wenn Du unbedingt Mobbing als romantischen Aufhänger benutzen möchtest, bitte hinterfrage das. Warum muss das genauso sein? Und kann man es nicht anders schreiben? Danke schon einmal.

Dem Opfer die Schuld geben

Nein!

Nein!

Nein! Nein! Nein!!!

Es gibt Dinge, mit denen ich selbst nicht klar komme. Das sogenannte Victim Blaming gehört eindeutig dazu.

Unter Victim Blaming versteht man, dass man dem Opfer einer Straftat die Schuld daran gibt, eben Opfer dieser Straftat geworden zu sein. Zum Beispiel, warum ist Person X bei so später Stunde noch rausgegangen. Wäre sie oder er zu Hause geblieben, wäre Person X nicht Opfer dieser Tat geworden. Dass der Täter bzw. die Täterin die Tat begangen hat, wird dadurch relativiert und manchmal sogar entschuldigt.

In dem besagten Fall wurde dem Opfer des Mobbings die Schuld zugeschoben. Sprich, die Person sei ja Schuld, dass sie*er gemobbt wurde.

Um es noch einmal ganz deutlich zu schreiben, ein Opfer hat erst einmal keine Schuld. Wenn es der Meinung ist, ohne Fallschirm aus einem Flugzeug in 10 km Höhe zu springen, dann ist das was anderes (um mal eines dieser schlechten Beispiele zu nehmen). Aber ansonsten ist ein Opfer (oder auch Überlebende, je nach persönlicher Präferenz) nie Schuld daran, in eine entsprechende Situation gelandet zu sein. Das gilt eben auch fürs Mobbing.

Warum das so geschrieben wurde oder wird, will sich mir nicht ganz erschließen. Vielleicht eine Art Erpessung, damit sie*er in die Beziehung einwilligt? So im Sinne von, Du hast doch selbst Schuld, dass Du gemobbt wurde, jetzt küsse mich.

Wie kann man es anders schreiben?

Aus diesem Grund, ich würde dieses Thema niemals so aufgreifen. Wenn die besagte Person das über sich selbst sagt, dann kann das leider auf realen Emotionen basieren. Denn Überlebende können das tatsächlich über sich sagen, wenn sie dieses oder jenes (nicht) getan hätten, wären sie nicht in die Situation gelandet. Weiterhin gilt dies auch für die Täter*innen, damit erklären sie ihre Unschuld. Andere sind Schuld, aber nicht sie.

Wenn Du das so beschreibst, dann gehört das zum Charakter. Aber in meinen Augen sollte das niemals die Prämisse einer Geschichte sein: Das (Mobbing-)Opfer hat Schuld.

Daher meine klare Empfehlung: Als Charaktereigenschaft kann das gehen, aber nicht als Geschichtsprämisse. Und wenn ich mir noch was wünschen darf, dann wäre es schön, wenn Dein Charakter erkennt, dass sie*er eben nicht Schuld daran ist.

Abschlussgedanken

Mobbing kann durchaus ein heikles Thema sein. Daher empfehle ich, bevor Du darüber schreibst, erst einmal zu recherchieren. Und gegebenenfalls mit gemobbten Personen als Sensitive Readers zusammen zu arbeiten.

Niemand sagt, dass Du nicht über Mobbing schreiben darfst oder sollst. Mein Wunsch ist es, dass Du damit kritischer umgehst. Denn Mobbing ist keine lustige Angelegenheit. Erst recht nicht für die gemobbte Person. Und für die Meisten ist es zudem ein Schlag ins Gesicht, wenn das noch romantisiert wird.

Daher noch einmal meine Bitte, wenn Du das verwenden möchtest, hinterfrage Deine Motivation. Und dann gehe kritisch an die Sache heran.

Danke dafür.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Aufrufe: 53

Wie könnte ich eine feministische Geschichte schreiben?

Wie könnte ich eine feministische Geschichte schreiben?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

immer wieder wünschen sich Lesende, dass die Romane, die sie lesen, ein wenig feministischer sein könnten. Dabei reicht es nicht aus, einfach mal eine starke Frau in die Geschichte zu werfen (wobei sich die Frage stellt, was eine starke Frau überhaupt ist). Aber schauen wir uns mal an, mit welchen Elementen man eine feministischere Geschichte schreiben könnte.

Kurze Vorgedanken

Mir ist sehr wohl bewusst, dass für viele, sehr viele Leuten der Feminismus – gelinde gesagt – ein negatives Thema ist. Viele sind der Meinung, dass wir heutzutage keinen Feminismus mehr benötigen, immerhin haben wir ja die Gleichberechtigung erreicht. Warum sollte man also noch darüber diskutieren? Oder gar eine feministische Geschichte schreiben?

Um es kurz zu machen, wir brauchen heute mehr denn je den Feminismus. Allein wenn Du Dir diese Seite anschaust, dann sollte jede und jeder klar werden, es gibt immer noch viel zu tun. Und wenn Du der Meinung bist, das ist normal, dann muss sogar noch mehr getan werden.

Übrigens, im folgenden Beitrag werde ich durchgehend das generische Femininum verwenden, außer ich meine explizit eine reine Männergruppe. Ansonsten dürfen sich die Herren und alle anderen Menschen gerne und immer mitgemeint fühlen.

Was ist Feminismus?

An dieser Stelle möchte ich keine Abhandlung darüber halten, was der Feminismus ist. Dazu gibt es durchaus einige Seiten im Netz, welche Dich darüber fachkundig aufklären. Daher möchte ich Dir hier meine eigene Interpretation vorstellen. Sie ist nicht vollständig und vermutlich nicht unbedingt akademisch korrekt, aber für den Anfang reicht es sicherlich aus.

Den Feminismus sehe ich als ein Konzept, dass alle Menschen zu keinem Zeitpunkt benachteiligt werden sollen. Zuerst fing es bei den Frauen an, das stimmt. Das lag aber auch daran, dass früher in erster Linie Frauen sehr viele Nachteile hatten, die es zu überwinden galt. So durften sie ohne die Erlaubnis ihres Ehemannes keiner Arbeit nachgehen. Er konnte sogar zu ihrem Arbeitgeber hingehen und kündigen, wenn er es für richtig hielt (oder Lust dazu hatte).

Weiterhin durften Frauen lange Zeit nicht wählen (während es bei Männern von vornherein feststand, dass es keine Gründe gab, die dagegen sprachen). Sie durften nicht über ihr eigenes Geld verwalten und so weiter und so weiter. Das waren einige Gründe, warum der Feminismus sich in erster Linie um die Frau gekümmert hatte. Denn sie brauchte anfänglich die Unterstützung, um in die Nähe der Rechte zu kommen, die ein Mann hatte.

Zwischenzeitlich sieht es etwas besser aus, was Frauen dürfen und was nicht. Und doch erzählte mir vor Jahren eine Kollegin, dass sie als IT-Systemkauffrau arbeiten wollte (der erste Beruf, den ich lernte). Sie wurde abgelehnt, weil sie als Frau aller höchstens Kaffee kochen könnte. Und ansonsten hätte sie in der Nähe von der Technik nichts zu suchen. Dazu sage ich mal nichts.

Zwischenzeitlich schauen auch viele Feministinnen genauer hin, wenn sich Nachteile gegen die Männer richtet (Sexismus würde ich es nicht nennen, weil dieser vom Mann ausgeht, daher kann er nicht sexistisch behandelt werden, genauso wie es keinen Rassismus gegen Weiße geben kann) richtet. Aber viele schauen genauer hin, wenn es um Rassismus oder Antisemitismus geht. Natürlich ist nicht jede Feministin automatisch perfekt. Und nicht alle kümmern sich um diese Themen oder sind so weit gekommen, dass sie sich auch den Mann betrachten. Aber das ist auch nicht möglich. Man kann nur schauen, wo man selbst helfen kann. Und alle anderen dann so weit unterstützen, wie man es eben schafft. Und dann den Rest den anderen überlassen.

Warum feministische Geschichten?

Natürlich könnte man jetzt sagen, es reicht, wenn man sich theoretisch mit dem Feminismus beschäftigt. Oder im Rahmen von Fachtexten oder Sachbüchern. Doch häufig fehlt uns das Feingefühl, was wirklich feministisch ist und was nicht. Manchmal denke ich, dieses Thema geht ja eigentlich in Ordnung. Und einige Zeit später stelle ich fest, dass es dem doch nicht so ist. Es ist sexistisch, rassistisch oder was auch immer.

Wenn man andauernd mit sexistischen Themen – um dabei zu bleiben, – regelrecht bombardiert wird, fällt es schwer, dieses als solche zu erkennen. Daher ist es durchaus wichtig, dass man darauf hingewiesen wird, wenn ein Thema eben sexistisch ist. Oder von vornherein gesunde und starke Rollenbilder präsentieren.

Denn ich bin der festen Überzeugung, wenn wir mit positiven Rollenbildern konfrontiert werden, dann sind wir eher in der Lage diese zu verinnerlichen. Ansonsten identifizieren wir uns eher mit den negativen Vorbildern. Und das halte ich persönlich für ungesund.

Lass uns eine feministische Geschichte schreiben

Vielleicht sagst Du Dir jetzt, ich möchte zumindest versuchen, eine entsprechende Geschichte zu schreiben. Daher sind hier ein paar Vorschläge, die Du dabei berücksichtigen kannst.

Die widerwillige Heldin

Sehr häufig scheinen Autorinnen zu denken, dass ihre Heldinnen gar keine Heldinnen sein wollen. Also müssen sie ihren Widerwillen brechen und dafür Sorgen, dass sie ins Abenteuer gescheucht werden.

Katniss Everdeen ist solch eine widerwillige Heldin. In „Die Tribute von Panem“ geht sie nicht freiwillig ins Abenteuer, sondern opfert sich. In diesem Fall für die Familie. Nein, es ist nichts Schlechtes daran, dass ihr die Familie so wichtig ist, dass sie für ihre kleine Schwester in den Tod geht. Aber es ist auch typisch weiblich. Eine Frau opfert sich für die Familie, um dann Teil der Geschichte zu werden.

Manchmal hab ich aber das Gefühl, dass man Frauen keine Abenteuerlust zuspricht. Meistens wird ihnen irgendeinen Grund zugesprochen, damit sie ihre gewohnte Umgebung verlassen, um ins Abenteuer zu gehen.

Hier eine sehr gute Nachricht, dies ist nicht notwendig. Es darf ab und an gerne sein, dass Deine Heldin sich opfert, um jemanden anderen das Leben zu retten. Aber sie darf auch so ins Abenteuer gehen und dort entdecken, wer sie ist und vor allem, was sie alles kann.

Weiblichkeit ist kein Problem, dafür die Misogynie

Sehr häufig wird in den Geschichten es so dargestellt, dass die Weiblichkeit per se schlecht ist. Dabei ist nicht diese das Problem, sondern die Misogynie.

Frauen werden häufig auf gewisse Themen stark reduziert. Unter anderem, dass sie zu gerne Schuhe kaufen oder Kleidung. Sie treffen sich, um zu reden, nein, natürlich tratschen sie nur. Oder haben andere Interessen, welche eben als typisch weiblich gelten.

Wenn Frauen sich mit diesen Themen beschäftigen oder gar identifizieren, wird es häufig in negativer Art und Weise getan. Und das eigentlich nur, weil es Frauen interessant finden. Das kannst Du daran erkennen, dass Männer, wenn sie sich ebenfalls für diese Themen interessieren, häufig absurd dargestellt werden.

Doch nicht der Umgang mit diesem Dingen durch die Frau ist das Problem, es ist die Ansicht darüber. Also die Misogynie ist hier das Ärgernis. Denn es werden so gut wie alle männlichen Themen als für wichtiger erachtet, als die der Frauen. Das kannst Du daran erkennen, dass reine Männerberufe besser bezahlt werden, solange keine Frauen in diesen arbeiten. Arbeiten mehr Frauen in diesen Berufen, werden diese automatisch schlechter bezahlt.

Willst Du ein bestimmtes Frauenthema beschreiben, dann tue es gerne, aber eben neutral und respektvoll. Nur weil eine Frau gerne einkaufen geht, ist das nicht als negativ zu bezeichnen. Genauso wie das lackieren von Fingernägeln. Sobald es aber lächerlich dargestellt wird, weil Männer so etwas nie machen würden, haben wir meistens ein Problem.

Die heilige Jungfrau

Aus irgendwelchen Gründen sind Jungfrauen in Geschichten ziemlich heiß begehrt. Entweder die Frauen hatten schon Ewigkeiten keinen Sex mehr gehabt (in Geschichten für Erwachsene, was sie irgendwie über drei Ecken wieder zur Jungfrau macht) oder sie sind noch echte Jungfrauen (zum Beispiel bei Young Adult Geschichten). Das macht den Wert der Frau aus, zumindest in diesen Geschichten.

Man hat das Gefühl, dass Frauen noch so doof sein können, sind sie aber Jungfrauen, sind sie mehr Wert als ihre beste Freundin. Dabei könnte sie einen IQ von 256, die Menschheit mehrere Male gerettet und ein Heilmittel gegen Krebs, AIDS und Dummheit erfunden haben. Ist sie keine Jungfrau, ist sie nichts wert – auch wenn ich das überspitzt hier darstelle.

Frauen sind mehr, als ein Jungfernhäutchen und ob sie mit einem oder mehreren Kerlen geschlafen hat. Es wäre also schön, wenn man sie nicht darauf reduzieren würde. Denn es geht nicht nur um ihre Sexualität, sondern auch, wie sie damit umgeht. Und das wäre schön, wenn sie es selbstbestimmt und selbstbewusst tut. Denn auch Frauen dürfen Spaß im Bett haben, ohne das sie mit Mr. Right ins Bett geht.

Frauen sind automatisch Feindinnen

Aus irgendwelchen Gründen glauben viele, zumeist Männer, wenn Frauen aufeinandertreffen, dann gibt es zwei Dinge, über die Frauen sich unterhalten:

  • über Männer
    und
  • wie Frauen sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen können.

Wenn Frauen aufeinandertreffen, dann stecken sie ihr Revier ab und überprüfen dann, wie sie die Gegnerin fertigmachen können. Das ist mir letztens auch bei Doctor Who aufgefallen. Rose Tyler traf auf eine ältere Begleiterin des Doctors. Und sofort haben sie sich angezickt. Sie mussten sich erst erinnern, dass das absolut lächerlich ist, aber das war der erste Schritt, wie prügeln uns um den Doctor (um den Mann der Geschichte).

Es wäre echt schön, wenn zwei Frauen aufeinandertreffen und sie sich respektvoll begegnen könnten. Sie streiten sich nicht um einen Mann oder sind erbitterte Feindinnen. Frauen dürfen gerne Vertraute sein, Freundinnen oder einfach nur Kameradinnen. Frauen müssen sich nicht automatisch verstehen oder automatisch ablehnen. Sie können auch einfach nebenher existieren.

Über körperliche Belange schreiben

Was sich hier so abgehoben liest, bedeutet ganz einfach: Wie oft hast Du über das Thema Menstruation gelesen?

Jetzt, wo ich darüber nachdenke, hab ich wohl nur ein einziges Mal über eine Frau gelesen, die ihre Menstruation hatte. Und das Buch war von einer Feministin geschrieben worden. Ansonsten scheinen die Personen in den Geschichten, die theoretisch einmal im Monat die Monatsblutung haben könnten, dies nicht zu haben.

Oder die Geschichte findet immer dann statt, wenn sie gerade ihre Monatsblutung hinter oder vor sich haben. Was für ein Zufall.

Die Menstruation, das körperliche Unwohlsein und diese Dinge gehören auch dazu. Lass Deine Charaktere ruhig mal Binden kaufen oder über die Menstruationstasse nachdenken. Und warum soll sie nicht auch die Menstruation haben? Das gehört dazu, dann schreib ruhig darüber.

Du willst feministische Geschichten schreiben? Dann sei eine Feministin!

Natürlich musst Du keine Feministin sein, um feministische Texte zu schreiben. Immerhin musst Du auch keine Mörderin sein, um einen Krimi zu verfassen. Aber in diesem Fall hat es durchaus einige Vorteile. Denn wer sich mit der Materie beschäftigt, hat einen ganz anderen Zugang dazu.

Du wirst eher sehen, welche Themen wichtig sind, wie Du sie angehen kannst und warum etwas sexistisch ist und etwas anderes nicht. Denn Du beschäftigst Dich mit der Materie und kannst dies dann auch in Deinen Geschichten entsprechend einbringen.

Zudem bekommst Du sicherlich noch die eine oder andere Idee für Deine nächste Geschichte. Denn die ganzen Probleme im Feminismus könnten Dich dazu bringen, darüber nachzudenken und aufzuzeigen, wie man es besser schreiben kann.

Abschlussgedanken

Wir sind noch lange nicht soweit in einer gleichberechtigten Gesellschaft zu leben. Vor einigen Monaten hatte ein Radiomoderator (!) tatsächlich gesagt, dass ein Ton (Achtung!) behindert klingen würde. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Und ja, daraufhin gab es auch eine kritische Mail von mir.

Doch nicht nur die Verwendung solcher Wörter ist kritisch zu betrachten und abzulehnen. Sondern auch die ewigen Klischees (können Frauen einparken, alle Frauen lieben es, Schuhe zu kaufen, nein, tun sie nicht), die letztendlich zum Sexismus führen. Und so weiter und so fort. Daher finde ich es wichtig, solche Geschichten zu schreiben.

Du hast aber sicherlich gesehen, dass kein Vorschlag dazu führen soll, Männer zu hassen oder sie auszuschließen. Es gibt sie natürlich, die Feministinnen, die Männer hassen. Es gibt auch genügend Männer, die Frauen hassen. Und daran stören sich nicht unbedingt viele Leute.

Feministische Geschichten ermöglichen es, dass Du eine andere Form von Geschichten veröffentlichst. Und vielleicht, ja wirklich vielleicht, sind sie sogar stärker als das, was wir aktuell zu lesen bekommen.

Auf alle Fälle würde ich mich über Deine Texte freuen und wünsche Dir beim Schreiben viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Aufrufe: 55

Happy End, Bad End oder doch eher Open End

Happy End, Bad End oder doch eher Open End

Hei, hallo und herzlich willkommen,

jede Geschichte braucht einen guten Anfang und ein gutes Ende. Doch was ein gutes Ende ist, das ist von Geschichte zu Geschichte unterschiedlich. Zumal es verschiedene Arten von Enden gibt.

Kurze Vorgedanken

Viele Autor*innen machen sich Gedanken über einen starken Anfang. Das ist gut und wichtig. Denn habe ich erst einmal meine Leserinnen eingeladen meinen Roman zu lesen, habe ich sie so gut wie im Sack, dass sie auch gerne bis zum Ende den Roman lesen möchten.

Doch wenn eben dieses Ende nicht befriedigend ist, dann könnte es sein, dass sie nicht noch einmal zu einen meiner Geschichten greifen. Sie sagen sich dann, dass eben Autorin X oder Autor Y unbefriedigende Enden schreiben und eben das möchten sie sich nicht antun.

Doch vorher sollte man für sich klären, was für ein Ende man überhaupt schreiben möchte. Denn, wie die Überschrift sagt, gibt es drei Möglichkeiten. Nun gut, ich gestehe, ich kenne selbst nur diese drei Möglichkeiten, aus der Geschichte auszusteigen. Vielleicht gibt es mehr. Aber mir selbst sind sie nicht über den Weg gelaufen.

Happy End

Vermutlich muss ich nicht viel zum Happy End sagen. Denn wir alle haben bestimmte Bilder vom Happy End im Kopf. Sie kriegt ihn, der Held reitet in den Sonnenuntergang, das Böse wird besiegt und so weiter. Von normalen Happy Ends bis eben zu denen, die voller Klischees nur so triefen.

Am Ende bekommen die Guten ihre Belohnung und die Bösen eine Tracht Prügel. Auf alle Fälle fühlen sich die Leser*innen und Zuschauer*innen (von Serien oder Filmen) gut aufgehoben, wenn eben alles gut ausgeht.

Bei den meisten Romanen, die ich kenne, gibt es eigentlich ein Happy End. Zwar können einzelne Personen einen kleinen Verlust erleiden, aber auf Dauer bekommen alle, was sie verdient haben. Das ist in den meisten Genres irgendwie ein Usus.

Zudem verlangen viele Verlage auch ein Happy End. Gerade wenn Du im Romance Bereich schreiben möchtest, solltest Du darauf gefasst sein, dass Dein Bad End oder Open End nicht gerne gesehen wird. Das kann eventuell dazu führen, dass man Dich bittet, Dein Ende umzuschreiben. Alternativ bekommst Du für Dein Ende eine Absage.

Aber wir haben häufig ein Bild davon, dass zum Beispiel im Liebesromanbereich die Heldin und der Held sich kriegen. Das ist nicht unbedingt notwendig. Es kann auch sein, dass die Heldin den Helden in den Wind schießt und sich endlich bewusst wird, was sie wirklich im Leben will. Leider wird das eher selten geschrieben.

Auch wenn Dein*e Held*in nicht ihr Ziel erreicht, so wie sie*er es angestrebt hat, kann sie*er trotzdem ein Happy End bekommen. Es muss sich am Ende halt gut anfühlen. Das ist irgendwo das Wichtigste. Und wenn Du das schreiben kannst, weil es zur Geschichte passt, dann hat Deine Geschichte ein Happy End verdient.

Bad End

Bad Ends bedeuten nicht zwangsläufig, dass alles in einer Katastrophe endet. Aber es kann in dieser Richtung gehen. Häufig lese ich Bad Ends eher bei Kurzgeschichten. Vermutlich liegt es daran, dass man sich hier emotional nicht so sehr einbringt und dass es daher nicht so sehr wehtut, wenn man die Charaktere ein wenig mehr leiden lässt.

Bei einem Liebesroman würde das bedeuten, dass die Heldin nicht nur von ihrem Helden getrennt wird. Es geht sogar so weit, dass er stirbt und sie letztendlich allein zurücklässt. Oder auch andersherum.

Bad Ends bedeuten, dass Du Deine Leser*innen emotional sehr belastest. Sie haben sich über Tage hinweg mit Deinen Charakteren beschäftigt, sich mit ihnen auseinandergesetzt, mit ihnen geliebt und gelitten. Und als Belohnung bekommen sie ein Bad End.

Das ist nichts Schlechtes, nicht dass wir uns jetzt missverstehen. Gut eingesetzt kann auch ein Bad End ein gutes Ende sein. Und das nicht nur für Kurzgeschichten. Das Wichtige hierbei ist, zumindest finde ich es, dass es zur Geschichte passt.

Damit meine ich, dass es schwer zu verkaufen ist, dass die ganze Geschichte über Rosa und Liebe und Licht und so weiter ist und dann auf einmal bekomme ich als Leserin ein Bad End präsentiert. Und das völlig aus dem Nichts. Das ist ein schlechtes Bad End.

Bei einer ernsteren Geschichte könnte ich mir hingegen ein Bad End gut vorstellen. Hauptsache es überzeugt mich. Dann hast Du mich auch als Leserin für Deine weiteren Geschichten gewonnen.

Von einigen Autorinnen und Autoren hab ich gelesen, dass sie gerne Bad Ends schreiben würden. Aber die Angst vor den Reaktionen ihrer Verlage und letztendlich der Leserinnen und Leser hält sie davon ab. Dabei wäre es schön, wenn sie sich trotzdem trauen würden zu experimentieren. Denn letztendlich könnte das auch eine sehr gute Geschichte werden.

Wenn man sich eben traut.

Open End

Vielleicht erinnerst Du Dich noch an den Deutschunterricht, als die Kurzgeschichten besprochen wurden. Dort wurde gesagt, dass man jede Kurzgeschichte unbedingt und auf jeden Fall mit einem offenen Ende ausklingen lassen soll. Zwischenzeitlich halte ich das für völligen Unsinn, doch dieser Satz hat mich über zu viele Jahre sehr geprägt.

Wie die Bezeichnung schon sagt, endet Deine Geschichte mit einem offenen Ende. Das bedeutet im Grunde genommen, man weiß nicht so genau, was mit den Charakteren am Ende alles passiert.

Es könnte gut ausgehen, es könnte auch schlecht mit den Charakteren weitergehen. Ich kann Dir nur eines hierbei empfehlen. Lass Deine Leser*innen nicht ganz in der Luft hängen. Wenn Deine Charaktere gerade dabei sind, die gegnerische Burg zu stürmen (in einem Fantasyroman), dann empfiehlt es sich natürlich zu zeigen, ob sie erfolgreich sind oder nicht.

Eine Ausnahme kann sein, wenn die Erstürmung dieser Burg gar nicht Teil des Handlungsstranges ist. Wenn also der Weg zur Burg der wichtige Teil ist, dann kannst Du auch gerne kurz vorher abbrechen. Aber ich denke, dass Du den Sinn schon verstehst.

Open Ends sollten aber genauso enden, als offenes Ende. Es kann aber durchaus passieren (und ich bin auch der Meinung, das in einem Film und in der einen oder anderen Geschichte mitbekommen zu haben), dass die Autorin oder der Autor das versaut. Und zwar mit einem Epilog. Dort wird dann erzählt, was aus den ganzen Charakteren passiert ist.

Das Open End lässt mir als Leserin die Möglichkeit, dass ich mir selbst ausmalen kann, was aus den Figuren geworden ist. Wenn ich in einem Epilog erzählt bekomme, was aus denen wurde, kann ich das auch in den Roman packen. Dann brauche ich kein Open End zu schreiben.

Eine weitere Schwäche des Open Ends kann der sein, dass Deine Leser*innen einen nächsten Teil erwarten. Daher empfehle ich klar zu machen, und zwar innerhalb der Geschichte, dass nach dem Band Schluss ist. Wenn Du eine Reihe schreibst, musst Du das Ganze sowieso anders aufziehen. Daher bleibe ich hier bei einem Einzelband.

Vorsicht! Cliffhanger!

Der vollständigkeitshalber erwähne ich es noch an dieser Stelle, ein Cliffhanger hat natürlich nichts mit einem Open End zu tun. Der Cliffhanger dient dazu, dass Du Deine aktuelle Geschichte so abbrichst, dass sie ein Ende hat. Aber natürlich soll sie neugierig auf den nachfolgenden Band machen.

Daher bewerte ich den Cliffhanger als eine Art Zwischenende. Erst wenn Du Deine Reihe vollständig beendet hast, musst Du natürlich auch ein richtiges Ende finden. Und dieser reiht sich dann in die oben genannten Kategorien ein.

Welches Ende solltest Du schreiben?

Du solltest das Ende schreiben, was am besten zur Geschichte passt. Das ist das wichtigste Kriterium. Wenn es ein Bad End ist, dann schreib diesen. Wenn nicht, dann quäl Deinen Plot nicht mit einem Ende, das niemanden am Ende glücklich macht. Vor allem Dich nicht.

Du kannst das Ganze natürlich überlegen, während Du plottest. Oder aber auch spontan, während Du schreibst. Immerhin kann sich die Geschichte während des Schreibens durchaus noch einmal verändern. Auf alle Fälle darf gerne alles Hand in Hand gehen, damit es zu einem großen Ganzen wird.

Wenn Du das schaffst, dann wird aus Deinem Roman eine tolle Geschichte. Davon bin ich überzeugt.

Abschlussgedanken

Dieser Beitrag soll als Übersicht und auch als kleine Erinnerung dienen, was für Möglichkeiten Du hast. Und theoretisch kannst Du allein mit dem Happy End eine Menge machen. Das Wichtige ist halt, dass Du weißt, was Du machst und vor allem, warum Du es machst.

Wenn Du das immer im Hinterkopf behältst, dann steht einer guten Geschichte mit einem tollen Ende nichts im Weg.

Und dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Aufrufe: 329

Wie kann ich mein Manuskript überarbeiten?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

endlich ist es soweit, Du hast die erste Fassung fertig. Nun geht es ans Eingemachte, ans Überarbeiten. Während die einen sich regelrecht darauf freuen, haben andere eine richtige Blockade. Daher stelle ich Dir heute eine mögliche Methode vor, dieses Thema anzugehen.

Kurze Vorgedanken

Eine wichtige Sache vorneweg, jede Autorin oder jeder Autor hat oder wird einen eigenen Weg entwickeln, um das eigene Manuskript zu überarbeiten. Und es kann sogar sein, dass Du für jedes Manuskript einen eigenen Weg findest, weil jede Geschichte eine eigene Dynamik hat.

Lass Dich daher von dem folgenden Beitrag inspirieren. Und finde am Ende Deinen eigenen Weg.

Drei Stufen

Für meine Überarbeitung habe ich einen 3-Stufen-Plan entwickelt. Diesen kann man grob wie folgt unterteilen:

  • Vor der Überarbeitung
  • Inhaltlische Überarbeitung
  • Stilistische Überarbeitung

Normalerweise wäre es eine gute Idee, alle drei Stufen voneinander getrennt zu bearbeiten. Aber ich kann Dir verraten, zumindest bei mir ist es nicht so. Vielleicht sieht es bei Dir ja anders aus.

Vor der Überarbeitung

Du hast Dich entschieden, dass Dein Manuskript beendet ist. Erst einmal herzlichen Glückwunsch dazu. Damit bist Du weiter als einige andere Autor*innen. Immerhin hast Du nun etwas, was Du überarbeiten kannst.

Eine leere Seite lässt sich nicht überarbeiten. Aber wenn da etwas steht, ob das Mist ist oder nicht, dann kannst Du es überarbeiten. Daher schauen wir uns mal an, wie ich da anfangen würde.

Ruhen lassen

Wenn Du andere Autor*innen fragst, was der erste Schritt ihrer Überarbeitung ist, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Du die Antwort bekommst, dass Manuskript in Ruhe zu lassen. Mit anderen Worten, gönn Dir erst einmal eine Pause.

Wie kurz oder wie lang diese sein sollte, darüber gibt es keine einheitliche Meinung. Kann es auch nicht geben. Denn wir sind alle unterschiedlich. Und aus diesem Grund ist es wichtig, dass Du Deine Zeit für Dich findest.

Es kann sein, dass Du sagst, dass Dir eine Woche reicht. Andere hingegen brauchen einen Monat, ein halbes Jahr oder noch länger. Mit Stand Februar 2019 hab ich mein Projekt 2 beendet. Nach etwa einer Woche Pause hab ich total Lust bekommen, wieder daran zu arbeiten. Bei Projekt 1 sah das anders aus. Da brauchte ich tatsächlich eine längere Pause.

Handschriftliche Notizen

Das Folgende hilft zumindest mir enorm. Vielleicht magst Du es ja für Dich mal ausprobieren und sehen, ob es Dir hilft.

Beim Plotten oder auch beim Überarbeiten setze ich mich gerne mit einem Stück Papier und einem Stift hin und schreibe per Hand. Allein, dass ich handschriftlich mir was notiere, hilft meiner Kreativität extrem auf die Sprünge.

Bei solchen Notizen schreibe ich mir verschiedene Dinge auf. Wie sehe ich den Charakter, wie den Plot, was könnte ich besser machen oder anders schreiben. Tatsächlich kann es manchmal passieren, dass sich der Plot in eine völlig andere Richtung entwickelt.

Und manchmal hab ich nur ein paar Details, die ich gerne genauer schreiben möchte. Es kommt immer darauf an, was ich im Vorfeld alles geschafft habe.

In solchen Fällen hilft es mir, wenn ich meine gewohnte Umgebung verlasse und woanders schreibe. Geh ruhig mal in ein Café oder in eine Bibliothek. Oder setz Dich (wenn das Wetter erlaubt) auf eine Parkbank und schreibe dort. Wenn Du an einem anderen Ort bist, schaust Du auch auf andere Dinge und das kann häufig inspirieren.

Was auch immer Du am Ende schreibst, behalte die Notizen. Wer weiß, was Du damit anfangen kannst.

Inhaltliche Überarbeitung

Hier ein wichtiger Hinweis: Wenn Du Dich daran machst, Deinen Text inhaltlich zu überarbeiten, Finger weg von der Grammatik oder den schönen Sätzen. Das meine ich ernst.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Du den Text mehrere Male überarbeitest. Und dabei kann es passieren, dass Du die Sätze auch einige Male überschreibst, umsetzt oder komplett neu schreibst.

Es lohnt sich also einfach nicht, am Anfang mit dem Korrektorat zu beginnen. Erst, wenn Dein Text wirklich gut ist, dann kannst Du mit diesem Schritt anfangen.

Das bedeutet aber nicht, dass Du nicht tolle Sätze aufschreiben darfst. Nur sollte Dein Fokus nicht darauf liegen. Es ist besser, wenn der erst einmal auf den Inhalt liegt. Danach hast Du die Grundlage dafür, aus einer guten Geschichte auch einen tollen Text zu machen.

Logische Fragen

Beim ersten Durchgang solltest Du schauen, ob alles in sich stimmig ist. Wie sieht es mit dem Plot aus? Gibt es irgendwelche rote Fäden, die nicht zu Ende geführt sind? Oder hast Du Baustellen aufgemacht und diese nicht weiter bearbeitet?

Es ist eine gute Idee, dir entsprechende Dinge zu notieren. Sei es auf einem Zettel oder in Deinem Schreibprogramm. Hast Du eine Baustelle aufgemacht, ist es notwendig, diese irgendwo wieder zu schließen. Daher ist es natürlich gut zu wissen, wo Deine Baustellen sind und wo Du sie dann wieder zuschüttest.

Gegebenenfalls kann es notwendig sein, dass Du zwei oder sogar drei Mal den Roman durchliest, bis Du alle logischen Fehler ausradiert hast. Solche Dinge sind übrigens nicht immer vermeidbar. Selbst dann, wenn Du alles vorher geplant hast. Denn eine Geschichte entwickelt sich. Und das manchmal völlig anders, als wir es erwartet haben.

Hier gibt es aber eine kleine Entwarnung. Es müssen nicht wirklich alle Details geklärt werden. Wichtig sind natürlich die großen Dinge, die in Deinem Roman eine Rolle spielen. Und Dinge, auf denen Du selbst ein sehr großen Augenmerk gelegt hast.

Ein kleines Beispiel. Vor Jahren habe ich einen Roman gelesen, in dem eine Telefonnummer eine wichtige Rolle spielte. Immer wieder fragte die Heldin, woher er die Nummer hat (zwischenzeitlich sehe ich das Thema als sehr übergriffig, damals war ich noch nicht sensibel genug). Doch er wollte es ihr nie erzählen. Und dann fiel das Thema unter dem Tisch. Da die Autorin hier selbst immer wieder mit der Nummer kam, wollte ich wissen, woher er sie hatte. Wäre es nebenbei erwähnt worden, hätte ich sicherlich einen anderen Bezug dazu gehabt.

Daher, wäge ab, was wichtig ist und was nicht. Und dann füll die Löcher nach Deinen Entscheidungen.

Inhaltliche Details ausarbeiten

Wenn Du nun den Plot und die Charaktere unter Kontrolle hast, wird es Zeit noch einen weiteren Blick auf Deinen Plot zu werfen. Hier geht es um die Detailarbeit. Man könnte sagen, dass Du hier die Feinheiten Deiner Geschichte dann herausholst.

Schau Dir alles nun noch einmal an und versuch nun das Beste herauszuholen. Vorher ging es darum, einen roten Faden durch Deine Geschichte zu holen. Nun wollen wir den roten Faden dick und fest spinnen. Und vor allem auch schön (es geht aber immer noch nicht um die sprachlichen Details, nicht das wir uns missverstehen).

Wie sieht der Anfang aus? Ist der erste Satz so gut, dass ich als Leserin Deine Geschichte lesen will? Wie sieht es mit dem ersten Absatz aus? Oder den ersten drei Seiten?

Fängt die Geschichte an der richtigen Stelle an? Oder bist Du zu früh oder gar zu spät dran? Werden die ersten Konflikte gelegt oder ist da noch zu viel BlaBla?

Und überhaupt, hast Du genügend Konflikte in Deinem Roman? Wenn nein, wo könntest Du noch welche einbauen? Und hast Du alle Konflikte auch gelöst?

Wie sieht es mit der Perspektive der Charakter aus? Hast Du sie konsequent eingehalten? Manchmal passiert es, dass wir diese versehentlich verlassen und aus einer anderen Schreiben. Kehre daher zu Deiner gewählten Perspektive zurück. Und vor allem, ist das auch die Beste, die Du wählen konntest?

Wie sieht es mit der Beschreibung aus? Werden die wichtigen Sinne bzw. alle angesprochen? Hast Du gute Dialoge geschrieben? Und führen beide weiter in Deine Geschichte?

Und natürlich Deine Figuren. Letztendlich dreht sich alles um sie. Daher ist es wichtig, zu prüfen, ob diese authentisch sind. Hat man das Gefühl, es mit echten Menschen zu tun zu haben? Agieren und reagieren sie logisch? Und vor allem, sind sie konsequent? Von Anfang bis Ende? Kommt da eine Entwicklung zum Tragen?

Umstellen, löschen, neu schreiben

Bei der Überarbeitung Deines Manuskripts kann es dann schon mal passieren, dass Du Szenen komplett umstellen musst. Es kann sein, dass Du Absätze oder ganze Kapitel löschen solltest, und/oder diese neu schreiben darfst.

Klar, kann das anstrengend sein. Gerade dann, wenn man wirklich viele, sehr viele Seiten geschrieben hat. Und manche scheuen sich vor diesem Schritt. Denn er ist teilweise endgültig.

Daher zwei Tipps von mir:

Erstens: Zieh es durch. Ich hab bei meinen Werken gesehen, dass sich dieser Schritt häufig lohnt. Danach war die Geschichte stärker, als hätte ich an meine vorherige Idee festgehalten. Klar, es zeigt, dass mein Schreiben noch nicht genial genug war. Aber das ist ein Egoproblem. Schieb das zur Seite und versuch die beste Version Deines Romans zu schreiben.

Zweitens: Arbeite immer an einer Kopie des Originals. Sollte eine vorherige Fassung doch besser gewesen sein, kannst Du immer zu dieser zurückkehren. Durch diese Kopien habe ich teilweise bis zu zwölf Fassungen eines Kapitels hier vorliegen.

Hier aber noch ein wichtiger Hinweis: Wenn Dir jemand rät etwas umzuschreiben, zu löschen oder was auch immer und Du kannst nicht dahinter stehen, lass es. Jeder Mensch hat einen eigenen Geschmack, was das Schreiben angeht. Und wenn sie Dir einen Vorschlag geben, ist es auch genau das, ein Vorschlag.

Wenn Du es gut findest, übernimm es. Wenn nicht, lass es und mach weiter. Es wird sicherlich schon seine Gründe haben, warum Du so entscheidest. Steh dazu.

Stilistische Überarbeitung

Wenn Du es bis hierhin geschafft hast, darfst Du Dir ordentlich auf die Schulter klopfen. Denn damit hast Du den Löwinnenanteil geschafft. Jetzt geht es an die schönen Details. Mit anderen Worten, aus einem inhaltlich guten Text machen wir eine Augenweide.

In welcher Reihenfolge Du jedoch anfängst, ist Dir vollständig überlassen. Theoretisch kannst Du folgende Vorschläge auch sofort alle umsetzen. Nimm Dir immer einen Absatz vor und überprüf diesen. Erst wenn Du mit dem zufrieden bist, gehst Du zum nächsten weiter.

Wortwiederholungen

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Du auf einer Seite die gleichen Wörter immer wieder schreibst. Vor einigen Jahren habe ich gelernt, dass im englischen dies durchaus in Ordnung ist. Aber nicht in deutschen Texten. Daher wird von vielen darauf geachtet, dass unnötige Wortwiederholungen vermieden werden.

Das gilt sowohl für Wörter wie “war” oder auch “könnte” und ähnliche. Aber auch für “Phiole”, “Automechaniker” und andere Beispiele. Es ist egal, was es bei Dir ist. Schau genau hin, was sich immer und immer wieder bei Dir wiederholt und versuche den Satz so umzubauen, dass der Sinn bestehen bleibt und der Satz stärker wird.

Aktiv statt passiv

Vielleicht kennst Du ja folgende Satzkonstellationen:

“Der Hund wird geschlagen” bzw. “Der Mann schlägt den Hund”.

Wenn der arme Hund geschlagen wird, dann ist das passiv. Im zweiten Satz tut der Mann etwas aktives (und bekommt dafür einen Tritt in den Hintern). Schau Dir Deine Sätze an und überprüfe, wo Deine Charaktere aktiv werden sollten.

Man kann aber nicht prinzipiell sagen, dass jeder Satz unbedingt aktiv sein muss. Daher ist eine individuelle Prüfung notwendig. Denn manchmal passiert Deinem Charakter etwas, was sie oder er hinnehmen muss. Dann können passive Sätze hier sogar gut sein.

Ansonsten empfehle ich Dir, den aktiven Sätzen den Vorzug zu geben.

Show don’t tell

Sicherlich kennst Du diese Bedeutung. Wenn Dein Charakter wütend ist, dann könntest Du es mir beschreiben. Oder Du zeigst mir, wie Deine Figur eine Vase nimmt und sie gegen die Wand schleudert.

Auch hier gilt es abzuwägen. Denn manchmal ist ein Reines Tell notwendig. Aber dem Show solltest Du auch hier eher den Vorzug geben.

Satzbau

Adjektive und Adverbien streichen, Metaphern austauschen und Wörter ändern. Das alles ist dann notwendig, wenn Du einen inhaltlich guten Satz hast. Dann kannst Du an die Form gehen.

Das gilt auch für Füllwörter. Unnötige Füllwörter würde ich immer streichen. Doch achte darauf, dass der Satz noch seinen Sinn behält. Häufig kann es notwendig sein, entweder dem Füllwort zu benutzen. Oder den Satz umzustellen, damit der überhaupt noch einen Sinn ergibt (da spreche ich aus Erfahrung).

Die Rechtschreibung

Wenn Du das alles getan hast und nun ein Text vor Dir liegt, der gut klingt, kannst Du Dich endlich um die Rechtschreibung kümmern. Selbst wenn Du, so wie ich, keine Rechtschreibkönigin bist oder sogar eine Lese-Rechtschreibschwäche hast, versuche wenigstens, die groben Fehler auszuradieren.

Den Rest kannst Du dann in Zusammenarbeit mit Deinen Alphaleser*innen bearbeiten. Aber ich finde es Respektvoll, wenn Du im Vorfeld Dir dabei Mühe gibst. Der Rest entwickelt sich gemeinsam.

Zwei Tipps für Deinen Text

Wenn Du nun herausfinden willst, ob Dein Text gut geworden ist, gibt es zwei Möglichkeiten, das selbst zu prüfen.

Die Schriftart ändern

Unser Auge hat sich die ganze Zeit an eine bestimmte Schriftart gewöhnt. Daher wird es irgendwann blind und denkt, dass alles in Ordnung ist. Ändere sie einfach ab und lese dann den Text noch einmal durch.

Dabei empfehle ich, dass die neue Schriftart sich stark von der aktuellen unterscheidet.

Laut vorlesen

Auch wenn wir unsere Stimme nicht mögen, ist laut vorlesen ein gutes Hilfsmittel. Du wirst irgendwann über diesen einen Satz stolpern, der sich einfach nur krude anhört. Den kannst Du dann so herausfiltern und ändern, bis er rund klingt.

Daher, schließ Dich in Dein Zimmer ein und lies laut. Dein Text wird es Dir danken.

“Ich hasse überarbeiten”

Es wird Phasen geben, da wirst Du aller Wahrscheinlichkeit das Überarbeiten hassen. Und dann gibt es Phasen, da kannst Du es nicht abwarten, Dich wieder an Deinen Text zu setzen und zu überarbeiten.

Aber denk daran, was Du am Ende in den Händen halten wirst. Es wird DEIN Roman sein, DEIN Baby. Und wenn Du Dir die harte Arbeit antust, werden die Leute es sicherlich lieben. Davon bin ich fest überzeugt.

Die harte Arbeit lohnt sich. Auch wenn Du danach das Schreiben erst einmal hassen wirst. Ich wette mit Dir, dass Du es nicht lange aushalten wirst, nicht zu Schreiben.

Abschlussgedanken

Das Überarbeiten eines Textes kann viel Energie kosten. Und natürlich auch Zeit. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es sich definitiv lohnt. Daher ist es wichtig, sich dahinter zu setzen und jeden Tag Stück für Stück Deine Geschichte abzuarbeiten.

Denk aber daran, Du schreibst Deinen Roman durchaus alleine. Aber diesen zu überarbeiten bedarf einiger fleißiger Hände und Seelen. Angefangen von den Alphaleser*innen hinzu Deiner Lektorin und dann zum Korrektorat.

Such Dir Leute aus, denen Du vertrauen kannst und ehrlich mit Dir sind. Dann wirst Du es schaffen.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Aufrufe: 512

Plot: Freytags Pyramide

Plot: Freytags Pyramide

eine durchaus bekannte Methode des Plottens ist “Freytags Pyramide”. Daher stelle ich diese heute vor. Auch wenn das definitiv nicht die letzte Plotmethode ist, die es gibt.

Kurze Vorgedanken

Nicht jede Plotmethode passt auf jede Autorin oder jeden Autor. Daher ist es verständlich, dass verschiedene Autor*innen verschiedene Plotmethoden überlegen, erfinden oder definieren.

Und auch wenn an dieser Methode schon der Staub angesetzt hat, so ist die Idee dahinter durchaus noch sehr modern. Daher empfehle ich Dir, Dich damit gerne zu beschäftigen. Vielleicht findest Du Deinen Nutzen daraus.

Wer war denn dieser Freytag?

Gustav Freytag (* 13 Juli 1816 in Kreuzburg Oberschlesien, + 30. April 1895 in Wiesbaden) war ein deutscher Schriftsteller. Sein Buch „Technik des Dramas“ gehört zu den wichtigsten Werken über Dramaturgie seiner Zeit. Und vor allem, es wird immer noch aufgelegt, was durchaus für die Zeitlosigkeit seines Textes spricht.

In seiner Dramatheorie fasst Freytag das geschlossene Drama zusammen, welche von Aristoteles bis hin zu Friedrich Schiller funktionierte. Dazu benutzte er eine sogenannte Pyramide, welche die Punkte Exposition und erregendes Moment, Höhepunkte mit Peripetie, retardierendes Moment und Lösung bzw. Katastrophe enthält.

Der Aufbau der Pyramide

Im Folgenden beschreibe ich Dir, wie die Struktur seiner Pyramide aufgebaut ist, und erkläre dies anhand des Films „Star Wars – Krieg der Sterne„. Vermutlich muss ich hier keine Spoilerwarnung aussprechen, oder?

Der 1 Akt:

Sie enthält die Exposition. Hier bekomme ich als Leserin erzählt, wo ich mich zeitlich und örtlich in der Geschichte befinde. Wie lautet die Vorgeschichte zu dem, was ich nach und nach vorgesetzt bekomme und wer sind die wichtigen Figuren, die mich durch die Handlung begleiten? Weiterhin sollte meine Aufmerksamkeit auf den sogenannten Keim des Konfliktes und der Spannung gelenkt werden.

Sehr häufig lese ich in Schreibratgebern, dass man in den ersten Seiten schon wissen sollte, wo befinde ich mich ganz genau, was für ein Roman lese ich und mit wem habe ich es fast die ganze Zeit zu tun.

Anders ausgedrückt, willst Du Deinen Roman in den Sand setzen, dann erzähle mir bloss nicht, dass es ein Fantasyroman ist, wo genau ich mich in diesem Roman befinde, welche Zeit es ist und so weiter.

Natürlich musst Du nicht gleich alle wichtigen Charaktere einführen. Es kann auch sein, dass es für die Handlung wichtig ist, dass eine Figur erst ein wenig später auftritt. Aber die meisten wichtigen sollten von Anfang an klar definiert sein.

Kleiner Tipp: Du kannst auch einige Erzählstränge parallel laufen lassen. Damit schaffst Du es mehrere Charaktere einzuführen, ohne das diese erst einmal etwas miteinander zu tun haben.

Schau Dir StarWars IV zum Beispiel an: Wir kennen die Vorgeschichte (die Gefangennahme von Prinzessin Leia), wir kennen die wichtigen Figuren, eben noch einmal Prinzessin Leia und Luke Skywalker (bis zu einem gewissen Grad auch Obi-Wan Kenobi) und später kommt noch Han Solo dazu (mit Chewbacca natürlich). Wir wissen genau, dass es eine Sci-Fi Geschichte ist, weil wir es mit Raumschiffen zu tun haben. Und können uns daher denken, dass es in der Zukunft spielen kann (wobei, ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es das wirklich ist oder einfach nur in einem anderen Teil des Universums, wo eben zufällig auch Menschen herumwimmeln).

Der 2. Akt.

Hier geht es zum erregenden Moment. Die Handlungsfäden werden verknüpft und auch verschlungen. Es kommt, dass Interessen aufeinanderstoßen, hier werden Intrigen gesponnen, die Entwicklung der Geschichte beschleunigt sich, sie nimmt Fahrt auf und bewegt sich in eine bestimmte Richtung. Hier soll die Spannung auf den weiteren Verlauf der Geschichte gesteigert werden und natürlich auf das Ende (die sogenannte Finalspannung).

Die Geschichte nimmt also Fahrt auf. Natürlich solltest Du bei der Exposition keine Zeit verlieren, damit ich als Leserin nicht das Buch zur Seite lege. Aber hier geht es noch einmal rund und es soll die erste Spannung entstehen.

Ich sehe hier bei StarWars IV die Ereignisse in der Bar, wo unsere Helden auf Han Solo treffen, die Vernichtung von Leias „Heimatplaneten“ durch Darth Vader und die Suche nach der Prinzessin. Und vor allem die Verfolgung des Helden durch den Antagonisten Darth Vader.

Der 3. Akt.

Unser Konflikt erreicht hier ihren Höhepunkt. Der Held steht in der entscheidenden Auseinandersetzung. Hier heißt es Sieg oder Niederlage. Ganz einfach, keine Ummalung.

In StarWars IV sehe ich hier den Kampf zwischen Obi-Wan Kenobi und Darth Vader. Hier wird der Mentor zum Helden. Er kämpft gegen den Schatten, um den wahren Helden (Luke Skywalker) zu retten.

Diese können fliehen, um dann zum vierten Akt überzugehen.

Der 4. Akt.

Hier geht die Handlung auf das Ende zu (die fallende Handlung). Die Spannung wird hier jedoch noch einmal gesteigert, in dem sogenannten retardierenden Moment verzögert sich die Auflösung und es geht noch einmal weiter. Der Held kann gerettet werden (das nennt sich Tragödie) oder sein Sieg wird infrage gestellt (das wieder herum Schauspiel).

Es soll also noch einmal spannend werden, von mir aus, es soll noch ein wenig Screentime oder ein paar Seiten aufgebaut werden, damit die Leute noch bei der Stange bleiben. Ich als Leserin soll erst einmal Luft schnappen, damit es noch einmal so richtig rundgeht.

In StarWars IV sehe ich die Szene nach dem Kampf zwischen Meister und Schatten. Leia ist gerettet und eigentlich könnten jetzt alle nach Hause gehen. Doch da gibt es noch das eine oder andere Problem zu lösen. Zum einen sind die Jäger, welche die Falcon verfolgen und vernichten sollen. Also muss hier Luke zeigen, dass die Trauer über den Verlust seines Meisters ihn nicht ganz am Boden hält. Zudem gibt es da noch einen gewissen Todesstern, welche das All in Furcht und Schrecken versetzt und den nächsten Planeten platt machen will.

Der 5. Akt.

Hier kommen wir dann endlich zur Lösung des Konfliktes. Dies kann in einer Katastrophe geschehen (also im Untergang des Helden – Tragödie) oder durch seinen Sieg und der dazugehörigen Verklärung (Schauspiel).

StarWars IV zeigt hier den Kampf der Piloten gegen den Todesstern. Schaffen sie es diesen zu vernichten, bevor dieser den Planeten der Rebellen vernichtet? Oder wird Luke zuvor von Darth Vader abgeschossen und dabei getötet? Natürlich schafft er es (ich denke nicht, dass das noch ein Spoiler ist, oder?) und am Ende als Held gefeiert.

Wenn wir an dieser Stelle sind, dann geht es zum Schluss und ich kann als Leserin endlich aufatmen, das Buch zur Seite legen (mich hoffentlich ärgern, weil das Buch so schnell ausgelesen ist) und mich auf Band 2 freuen oder auf ein neues Buch, das hoffentlich genauso gut geschrieben ist.

Zusammenfassung

1. Akt: Exposition

  • Ort, Zeit, Person und Handlung werden vorgestellt
  • Der Konflikt wird angedeutet

2. Akt: Ansteigen der Handlung / erregendes Moment

  • Die Handlungsfäden werden verknüpft
  • Intrigen werden gesponnen
  • Die Entwicklung des Geschehens geht in Richtung Spannung (es soll ja weiter gelesen ggf. der Film weiter gesehen werden).

3. Akt: Höhepunkt und Peripetie

  • Der Konflikt gelangt zum Höhepunkt
  • HeldInnen stehen vor der entscheidenden Auseinandersetzung
  • Peripetie = es kommt zur dramatischen Wende und es heißt Sieg oder Niederlage

4. Akt: Fallende Handlung mit retardierenden Moment

  • „Kann sich der Held noch einmal retten?“

5. Akt: Katastrophe

  • Lösung des Konflikts (entweder Tragödie oder Schauspiel)

StarWars und die Heldenreise

Natürlich ist mir bewusst, dass George Lucas gerade den ersten Teil der alten StarWars-Saga auf der Grundlage der Heldensage aufgebaut hat.

Aber wie Du siehst, funktioniert diese Technik auch bei einem Film, der mit einer anderen Methode aufgebaut wurde.

Zusammenfassung und Schlusswort

Man kann natürlich diesen Aufbau ein wenig mit der Fünf-Akt-Struktur verwechseln (immerhin hat diese Pyramide auch fünf Akte). Aber beides hat eine eigene Dynamik. Es geht hierbei letztendlich darum, dass die Lösung des Konflikts einmal verzögert wird. Dabei soll ich als Leserin noch einmal die Luft anhalten und mich fragen, wow, wie geht es jetzt weiter, schaffen es die HeldInnen wirklich oder geht alles in die Hose?

Diese Technik wirst Du aller Wahrscheinlichkeit auch in vielen Schreibratgebern finden (ich bin zwischenzeitlich drei oder vier Mal darüber gestolpert) und es hat durchaus seine Gültigkeit. Ansonsten hätte es nicht gut 2.000 Jahren (seit Aristoteles) bis heute überlebt.

Wenn Du es also ausprobierst, wünsche ich Dir dabei viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Aufrufe: 123

Plot: Der 7-Akter

Hei, hallo und herzlich willkommen,

nachdem wir uns den 3-Akter und den 5-Akter angesehen haben, schauen wir uns heute den 7-Akter auch das 7-Punkte System an.

Kurze Vorgedanken

Diese Methode geht auf den Autor Dan Wells zurück. Zwar hat er diese Methode nicht erfunden, aber er hat sie verfeinert und aufbereitet. Seine Inspirationsquelle ist der „Star Trek Narrator Guide„.

Auf YouTube findest Du einige Videos zu einem Vortrag von ihm (die ich hier verlinkt habe, dass Urheberrecht liegt bei der einstellenden Person und beim Autor). Es ist eine weitere Methode, mit der Du eine Geschichte planen und plotten kannst.

Entweder Du nimmst die Informationen, die Du mit dem 3-Akter und dem 5-Akter Dir erarbeitet hast, und arbeitest hier noch tiefer und intensiver daran. Oder Du arbeitest nur mit dieser Methode. Wie so oft, die Entscheidung liegt an Dir.

Aufbauübersicht

Erst einmal möchte ich Dir die Punkte vorstellen, auf denen die 7-Punkte-Struktur beruht.

  1. Der Aufhänger (Hook) – Hier stellst Du Deine Heldin oder Deinen Helden vor, die Welt in die sie sich befinden, dass Setting, was auch immer wichtig ist.
  2. Erste Wendung (Plot Turn 1) – Hier geschieht DAS Ereignis, welche Deine Figuren dazu zwingt zu reagieren. Die Welt verändert sich und Spannung wird aufgebaut.
  3. Erster Kniff (Pinch 1) – Die Situation verschlechtert sich, etwas geht schief und dadurch wird Deine Heldin oder Dein Held gezwungen, etwas zu unternehmen.
  4. Mittelpunkt (Midpoint) – Deine Heldin oder Dein Held wird aktiv und beginnt etwas an der Situation zu ändern.
  5. Zweiter Kniff (Pinch 2) – Es geht wieder etwas schief, wodurch sich die Situation noch einmal verschlechtert. Dadurch steigt der Druck auf Deine Heldin oder Dein Held und erst einmal erscheint die Situation aussichtslos.
  6. Zweite Wendung (Plot Turn 2) – Deine Heldin oder Dein Held findet eine überraschende Möglichkeit, dass sie oder er doch etwas unternehmen kann, und kann die Situation noch in letzter Sekunde herumdrehen.
  7. Auflösung (Resolution) – Deine Heldin oder Dein Held siegt über das Problem.

Bevor Du beginnst

Du könntest jetzt theoretisch schon anfangen zu plotten. Immerhin kennst Du jetzt die Übersicht. Doch wenn Du direkt nach der Methode von Wells arbeiten möchtest, solltest Du Dir noch einige Dinge überlegen.

  • Um was geht es in Deiner Geschichte?
  • Was ist Deine Kernaussage, die Du gerne vermitteln möchtest?
  • Was ist der Grund, warum Du gerade diese Geschichte und keine andere schreiben willst?
  • Wer sind Deine Charaktere?
  • Was ist das Setting?
  • Kannst Du Dein Hauptkonflikt benennen?

Wenn Du all diese Punkte benennen kannst, dann bist Du bereit für den nächsten Schritt. Sagst Du Dir aber, dass Du eher grob alles beschreiben kannst, dann wäre jetzt Zeit noch einmal darüber nachzudenken und diese Punkte Dir zu erarbeiten.

Denn mit je mehr Wissen Du ans Plotten herangehst, desto besser kannst Du Dir alles erarbeiten. Daher empfehle ich Dir, nutz die Zeit und arbeite noch einmal an den oben aufgeführten Punkten. Danach kannst Du sofort weitermachen.

Eine weitere Besonderheit an der Methode von Wells ist sein Beginn. Normalerweise fangen wir alle bei Akt 1 an. Also ganz am Anfang. Wells hingegen beginnt am Ende seiner Geschichte. Er ist der Meinung, dass Du die wichtigen Punkte Deiner Geschichte eher herausfinden und erarbeiten kannst, wenn Du weißt, wohin die Reise überhaupt geht.

Das bedeutet, wenn Du weißt, wo Deine Heldin oder Dein Held endet, kannst Du sehen, wo er angefangen hat. Wells selbst wählt als Beispiel Harry Potter. Am Ende der kompletten Geschichte ist er ein mächtiger Zauberer, der es geschafft hat Lord Voldermort zu besiegen. Wenn Du das auf Deinem Blatt Papier siehst, dann kannst Du Dir überlegen, wo solch eine Geschichte anfangen könnte. In diesem Fall als Waisenkind, der bei ungeliebten Verwandten unter der Treppe lebt und keine Freundschaften hat. Das perfekte Beispiel, oder?

Die 7 Punkte detailliert erklärt

Auch wenn Dan Wells empfiehlt, mit dem 7. Punkt anzufangen, also der Auflösung, bleibe ich, aus Übersichtsgründen, bei der klassischen Reihenfolge. Wenn Du Dich dann an die Bearbeitung Deines Plots machst, kannst Du dann den siebten Punkt als erstes nehmen und die restlichen danach abarbeiten.

1 Der Aufhänger – Hook

Hier sind wir beim genauen Gegenteil zur der Auflösung unter Punkt 7. Denn hier beginnt die Reise Deiner Heldin oder Deines Helden. Wir befinden uns also in seiner Alltagswelt. Das bedeutet, Du kannst diesen Teil dafür benutzen, um uns zu zeigen, wo wir sind, mit wem wir es zu tun haben, wie die Stimmung ist, das Setting, sowie das Genre.

Diese Punkte kennst Du auch aus den anderen Plotbeschreibungen. Wichtig ist vielleicht noch zu erwähnen, dass der Beginn der Reise ganz woanders anfängt, als sie dann am Ende endet.

Das bedeutet nicht unbedingt, dass Deine Heldin oder Dein Held nicht an den gleichen Ort zurückkehren kann. Sondern die Figur muss sich innerlich so weit geändert haben, dass sie als eine völlig andere Figur zurückkehrt.

Weiterhin kannst Du hier auch wichtige Nebenfiguren einführen, die für die Geschichte besonders wichtig sind oder werden. Jedoch ist es durchaus gut, wenn Du Deinen Hauptfiguren genügend Platz lässt, damit Du ihre Charakterentwicklung zeigst. Mit wem haben wir es hier zu tun, wo fängt ihre Reise an, wie sind sie und was für ein mögliches Potenzial haben wir hier?

Weiter kannst Du hier ein Konflikt, ein Geheimnis oder ein Problem aufbauen, was dann in der Geschichte und eventuell in der kompletten Reihe sich dann durchzieht.

2 Erste Wendung (Plot Turn 1)

Ein unerwartetes Ereignis tritt ein und dadurch verändert sich die Welt unserer Heldin oder unseres Helden unwiederbringlich (selbst wenn sie oder er den Ruf ablehnen würde, es hat sich etwas geändert). Dadurch wird die Geschichte in eine neue Richtung gelenkt und die Handlung kommt dadurch so richtig in Gang.

Gleichzeitig lernen wir neue Figuren und erste Geheimnisse werden gelüftet. Es dürfen neue Geheimnisse dann durchaus dazu kommen.

3 Erster Kniff – Pinch 1

Du kannst Dir merken, dass Pinches Stellen sind, an denen besonders viel Druck auf Deine Heldin bzw. Helden ausgeübt wird. Zumindest sollte es so sein.

Hier muss sie oder er handeln, ansonsten kann der weitere Verlauf der Geschichte eher katastrophale Wendungen annehmen. Daher ist für Dich als Autorin oder Autor der ideale Platz für eine erste große Katastrophe in Deiner Geschichte. Achte aber dabei, dass es noch möglich sein sollte, die Situation erneut zu verschlechtern. Es bringt also nichts, hier die größtmögliche Katastrophe einzubauen und beim nächsten Pinch eine Katastrophe zu erwähnen, die nur halb so stark oder einfach unrealistisch stark ist.

Diesen Pinch kannst Du auch nutzen, um Deine Antagonistin oder Deinen Antagonisten vorzustellen. Dabei muss sie oder er nicht gleich als Person eingeführt wird. Es kann auch nur der Name fallen oder die Auswirkungen des Handelns dieser Figur.

4 Mittelpunkt (Midpoint)

Wir sind nun in der Mitte Deiner Geschichte. Hier haben wir es mit der Verbindung bzw. dem Übergang von der Anfangssituation zur Endsituation zu tun. Bisher hatte Deine Heldin oder Dein Held nur reagiert, wenn etwas auf sie oder ihn hinabfiel. Durch den Druck aus Punkt 3 ist sie bzw. er dazu gebracht worden, nicht mehr nur zu reagieren. Es ist Zeit, endlich aktiv zu werden und zu agieren.

Sie oder er ändert damit das eigene Verhalten und hat damit einen wichtigen Entwicklungsschritt getan. Deine Heldin oder Dein Held beginnt das Ziel klar zu sehen. Und von nun an wird darauf hingearbeitet, um es zu erreichen.

5 Zweiter Kniff – Pinch 2

Wie geschrieben, Pinches eignen sich immer, um den Druck zu erhöhen. Hier kannst Du diesen so weit erhöhen, dass die Situation sich so dermaßen verschlimmert, dass es erst einmal so wirkt, als gäbe es keinen Ausweg mehr.

Bei der entsprechenden Geschichte könntest Du hier die Gefährtinnen oder Gefährten Deiner Hauptfigur sterben lassen. Oder sie zumindest so dermaßen behindern, dass Deine Heldin oder Dein Held sich allein dem eigenen Schicksal am Ende stellen muss. Sie oder er muss sich allein dem Problem stellen. Trotz allem kann hier das Gefühl stehen, als würden die Gegenspieler allesamt gewinnen.

Hier ist Deine Heldin oder Dein Held am absoluten Tiefpunkt. Sie oder er muss das Gefühl haben, alles zu verlieren. Und egal wie sehr sich Deine Figur anstrengt, die anderen werden gewinnen und alles wird in eine Katastrophe enden. Zumindest vom Gefühl her.

6 Zweite Wendung – Plot Turn 2

Hier bekommt Deine Heldin oder Dein Held einen wichtigen Hinweis auf den Schlüssel, um die ganze Katastrophe abzuwenden und zu einer, aus der Sicht Deiner Figur, erfolgreiche Lösung zu kommen.

In einem Drama gibt dieser Punkt noch einmal den entscheidenden Schubs in das eher bittere Ende.

Je nachdem in was für ein Genre Du schreibst, kann es hier dann noch einmal kitschig werden. Es können die großen Gefühle hier auftauchen, Überraschungsmomente, Informationen, mit denen niemand gerechnet hat, Enthüllungen, was auch immer für Deine Geschichte notwendig und typisch für Dein Genre ist.

7 Auflösung – Resolution

Hier wird alles gelöst, wobei sich die Lösung nach dem Genre richtet, in dem Du schreibst. So könnten in einem Drama alle am Ende sterben. In einem Liebesroman hingegen findet sich das Paar und so weiter.

Meistens wird jedoch die Antagonistin oder der Antagonist besiegt und bestraft. Alternativ kann sie oder er zum Guten bekehrt werden.

Doch wichtiger ist, Deine Heldin oder Dein Held hat eine wichtige Entwicklung durchgemacht. Am Anfang war sie oder er auf einer gewissen Stufe und nun wurde dieser Punkt verlassen und wir finden am Ende eine veränderte Figur vor. Sie kann mutiger oder auch stärker geworden sein. Hat Freundschaften geschlossen oder sonst wie ein Platz im Leben gefunden.

Mehrere Plots damit plotten

Vielleicht hast Du schon mal gehört, dass eine Geschichte mehrere Plots beinhalten kann. Dazu gehört die Geschichte selbst. Dann die Charakterentwicklung und vielleicht noch eine kleine Liebesgeschichte.

Das bedeutet, dass Du erst einmal die komplette Geschichte anhand der oben aufgeführten Liste durcharbeitest (wenn Du nach Dan Wells arbeitest, dann fängst Du mit Punkt 7 an und gehst dann weiter zu Punkt 1). Dabei lässt Du die Charakterentwicklung und die kleine Liebesgeschichte knallhart links liegen.

Als Nächstes machst Du das Gleiche noch einmal mit der Charakterentwicklung Deiner wichtigen Figuren. Wenn Du drei Figuren hast, die eine Entwicklung hinter sich bringen, bedeutet das für Dich, diesen Teil drei Mal durchzuarbeiten.

Und als Letztes erarbeitest Du Dir die kleine Liebesgeschichte, die für Deine Geschichte wichtig ist. Auf diese Art und Weise hast Du alles erst einmal übersichtlich einzeln aufgelistet. Am Ende kannst Du entweder alles zusammentragen, oder weiterhin getrennt halten.

Vor Jahren habe ich die Empfehlung bekommen, dass man sowieso von allen Figuren immer die komplette Geschichte plotten sollte. Dabei ist es völlig egal, ob sie an bestimmten Stellen auftauchen.

Nehmen wir an, Deine Antagonistin oder Dein Antagonist taucht als Person erst gegen Ende der Geschichte auf. Das kann durchaus vorkommen und in einigen Krimis ist das durchaus der Fall. Das bedeutet aber nicht, dass Du nicht wissen solltest, was sie oder er die ganze Zeit macht.

Denn auch im Hintergrund können die Figuren Einfluss auf die Geschichte haben. Gerade die Antagonistinnen und Antagonisten können ihre Ränkespiele schmieden. Und wenn Du weißt, wo sie aktuell sind, kannst Du auch deren Einfluss auf Deine Geschichte besser abschätzen.

Meine Arbeit mit diesem System

Bisher habe ich noch sehr wenig mit dieser Methode gearbeitet. Aber während ich diesen Beitrag geschrieben habe, bekam ich schon so viele Ideen für meine Geschichte, an der ich schon so lange schreibe, dass ich mich ransetzen werde, um damit zu plotten. Ein Versuch ist es auf alle Fälle Wert.

Auch hier werde ich sicherlich mit dem Tarot arbeiten und schauen, was mir die Karten alles verraten. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dadurch einige interessante Informationen erhalten werde.

Abschlussgedanken

Von einigen habe ich schon gelesen, dass viele gerne die Methode benutzen. Wobei wohl im Internet diverse Abwandlungen davon existieren. Wundere Dich daher bitte nicht, wenn Du danach selbst suchst und eine andere Version findest. Das ist normal. Was gut ist, wird adaptiert und findet eine persönliche Einfärbung.

Aber lass Dich ruhig auf diese Methode ein und sieh, was sie Dir bringt. Ich bin mir sicher, die eine oder andere Überraschung dürfte sicherlich dabei sein.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Aufrufe: 238