Plot: Der 5-Akter

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vielleicht sagst Du Dir, dass der 3-Akter nett ist. Aber sie ist Dir nicht detailliert genug. Natürlich kannst Du mehr Details in den 3-Akter einbauen. Andererseits könntest Du auch eine andere Form des Plottens verwenden. Eben den 5-Akter. Schauen wir uns diesen heute genauer an.

Der 5 Akter

Kurze Vorgedanken

Man kann durchaus die 5-Akt-Struktur als ein Teil der 3-Akt-Struktur sehen. Das bedeutet, wenn Du möchtest, kannst Du erst einmal mit der 3-Akt-Struktur anfangen und mit der 5-Akt-Struktur weitermachen. Oder Du behandelst diese Struktur als eigenständiges Plotmittel und steigst an dieser Stelle ein.

Wie Du Dich entscheidest, liegt letztendlich an Dir. Aber damit Du weißt, was die 5-Akt-Struktur überhaupt ist, stelle ich sie Dir hier einmal vor.

frau schreibseele im 5 Akter

Die Prämisse – Akt 1

Hierbei geht es um die Vorgeschichte Deines Romans. Wobei man mit dem Wort Vorgeschichte durchaus vorsichtig sein darf, finde ich zumindest. Denn Vorgeschichte bedeutet natürlich nicht, dass Du hier die komplette Vorgeschichte Deiner Figuren erzählen musst. Also von der Geburt bis zum Zeitpunkt, an der die Geschichte beginnt. Es geht eher um die wichtigen Figuren innerhalb Deines Romans und deren Anfang in Deiner Geschichte.

Das bedeutet, dass Du hier die wichtigsten Figuren vorstellen kannst, die Stimmung, den Ort, die Stimme der Geschichte, das Genre und alles, was für Dich und Deine Geschichte wichtig ist.

Was Du in der 3-Akt-Struktur fast den kompletten ersten Akt zur Verfügung hast, ist bei der 5-Akt-Struktur dieser Part nur ein Teil vom ersten Akt. Man kann keine genaue Seitenzahl benennen, wie viel Du für diesen Teil benutzen sollst. Denn es liegt eindeutig auch daran, wie lang letztendlich Dein Roman werden soll.

Wenn Dein Roman so um die 300 Seiten lang wird, dann kann man sagen, dass dieser Teil so um die zwanzig Seiten lang sein darf. Aber je länger Dein Roman wird, desto länger kannst Du das letztendlich schreiben. Denn Du wirst aller Wahrscheinlichkeit dann auch mehr Figuren einführen wollen, mit denen wir es dann im Laufe der Geschichte zu tun bekommen.

Plot Point 1 – Akt 1

Während der Prämisse lernen wir Deine Figuren in ihrer normalen Welt kennen. Beim Plot Point 1 ist es nun wichtig, dass Du Deine Heldin oder Deinen Helden aus der normalen Welt, in der sie sich befinden, wirfst und damit die Geschichte zum laufen kommt.

Es muss also etwas passieren, dass die Figuren quasi aufweckt werden und es sich zeigt, ab hier beginnt die Geschichte. Wir haben es hier mit dem Wendepunkt der Geschichte zu tun. Deine Figur geht also durch die erste Tür einer Geschichte und Du entscheidest, ob sie sich danach, nachdem die Figur durchgegangen ist, diese sich fest verschließt oder Du sie noch durch eine weitere Tür gehen lassen musst.

Mein Tipp: Spätestens bei einer zweiten Tür sollte Schluss sein. Ansonsten würde das bedeuten, dass Dein Charakter immer wieder die Möglichkeit überlegt, doch wieder zurückzukehren, was theoretisch möglich wäre. Und auf Dauer würde das vermutlich Deine Leser*innen ermüden. Das halte ich persönlich nicht für eine gute Idee.

Die Türen stehen übrigens für die Möglichkeit, wie geschrieben, dass Deine Figuren noch einmal zurückkehren können. In ihr normales Leben. Lässt Du diese Möglichkeit einmal zu, ist das in Ordnung. Ein zweites Mal hingegen wirkt, als könne sich die Figur und Du als Autorin oder als Autor nicht entscheiden. Soll die Geschichte nun losgehen oder nicht?

Diese beiden Türen kannst Du dann auch in diesem Teil gerne einbauen. Überlege Dir aber gleichzeitig einen Auslöser, damit die Geschichte wirklich zum Laufen kommt. Und dieser Auslöser bleibt dann bis zum Ende des ersten Aktes dann bestehen. Ist er dann erledigt, befinden wir uns im zweiten Akt.

Midpoint – Akt 2

Wir befinden uns ungefähr in der Mitte des Romans. Deine Leserinnen und Leser kennen nun Deine Figuren, ihre Welt und wie sie in den Schlamassel geraten sind, in die sie sich jetzt hoffentlich befinden. Das bedeutet, es muss etwas Neues kommen, da es ansonsten zu langweilig wird.

Es wäre ansonsten so, als würde alles einfach vor sich hinplätschern und es passiert immer wieder das Gleiche. Das will vermutlich niemand lesen. Und ich kann mir vorstellen, Du willst das noch nicht einmal schreiben. Hier muss etwas komplett anderes geschehen, als wir es bisher hatten.

Dazu könntest Du jemanden sterben lassen, einer aus den Reihen Deiner Hauptfigur ist auf einmal ein Verräter oder eine Verräterin. Es könnte aber auch sein, dass eine überraschende Nachricht kommt, eine Entführung, egal was. Das Wichtigste hierbei ist, dass Deine Figur aus dem aktuellen Trott herausgerissen wird (selbst wenn dieser abenteuerlich sein darf) und sich nun überlegen muss, wie es jetzt weitergehen soll.

Ich bezeichne es als ein paar ordentliche Stolpersteine, die Deine Heldin oder Dein Held daran hindern soll, ans Ziel zu gelangen. Dabei muss es nicht nur ein Stolperstein im äußeren Bereich sein. Sondern Du kannst auch so zuschlagen, dass Deine Figur emotional verletzt wird.

Hauptsache, Du machst es Deiner Figur nicht so leicht.

Plot Point 2 – Akt 2

Ab hier bereitest Du dann Deine Geschichte auf das große Finale vor, also Akt 3. Bisher kann es sein, dass Deine Heldin oder Dein Held zwischen aktiver und passiver Handlung hin- und hergewechselt ist. Man hat sie oder ihn also eher herum geschubst und nur gelegentlich wurde Deine Figur aktiv.

An dieser Stelle wird Deine Figur zum Handeln gedrängt und muss sich anstrengen, um dafür zu sorgen, dass alles gut ausgeht. Zumindest für Deine Figur soll es letztendlich gut ausgehen.

Also, egal was bisher mit Deiner Figur passiert ist. Jetzt ist es Zeit, dass sie die Spielregeln bestimmt. Kennst Du die Filme, wo auf einmal, der zumeist männliche Held, Sachen zusammensucht, um in die sprichwörtliche Schlacht zu ziehen? Das kann man hier durchaus vergleichen.

Deine Figur ist sich bewusst, es müssen Entscheidungen getroffen werden. Und es gibt niemanden, die oder der das für Deine Figur übernehmen kann, wie noch am Anfang Deiner Geschichte. Im ersten Akt kann jemand oder etwas Deine Figur unterstützen, in die Reise drängen oder auch die wichtigen Gegenstände geben, die sie oder er braucht. Nun heißt es, kein mächtiger Zauberer, keine allmächtige Hexe, keine Eltern, niemand hilft Deiner Figur. An dieser Stelle ist sie oder er gezwungen, selbst zu entscheiden. Und genau das wollen wir Leserinnen und Leser.

Ich möchte, dass die Heldin oder der Held selbst aktiv wird und Entscheidungen trifft. Alles andere wäre ein Verrat. Sowohl an mich als Leserin als auch an der Figur. Denn sie hat es verdient, dass sie eine ordentliche Geschichtswendung bekommt und aktiv werden darf.

Climax – Akt 3

Hier geht es natürlich darum, dass die Pläne Deiner Heldin oder Deines Helden in die Tat umgesetzt werden. Ob sie oder er siegt oder verliert, das kommt auf Deine Geschichte an. Aber hier ist es Zeit, dass eine Entscheidung getroffen und umgesetzt wird.

Und vor allem ist es wichtig, dass Du uns eine Lösung präsentierst, irgendeine. Ob das ursprüngliche Problem gelöst wurde, oder sich diese in Luft aufgelöst hat und ein anderes Problem an deren Stelle getreten ist. Dass alles ist fast egal. Hauptsache, Du kommst zu einem Schluss.

Wobei es zwei Arten von Enden für eine Geschichte gibt. Diese richten sich jedoch nach der Art des Buches. Bei einem Einzeltitel ist es wichtig, dass alle roten Fäden zum Schluss zusammengetragen werden und eine fertige Lösung präsentiert wird. Das bedeutet nicht, dass Du nicht ein offenes Ende haben darfst. Für mich bedeutet es eher, dass die Geschichte so beendet wird, dass wir einen Schluss haben, mit dem es sich leben lässt.

Bei einem Mehrteiler (der Klassiker ist ja immer noch die Trilogie) ist es so, dass häufig das Ende nicht nur ein positiver Effekt hat. Es darf auch ein Hauch von Negativität mit sich bringen. Immerhin darf ein drohender Schatten noch existieren, damit Deine Leserinnen und Leser sich fragen, wie es im nächsten Teil weiter geht.

Eine zeichnerische Übersicht

Im Folgenden siehst Du die Punkte in einer Übersicht, damit Du grob erahnen kannst, wo sich welcher der oben aufgeführten Punkte befindet.

5 Akter – Zeichnerische Übersicht

Damit kannst Du sicherlich erkennen, wo die Steigung erfolgt und wie weit Du gehen kannst, darfst, oder auch solltest.

Meine Arbeit mit der 5-Akt Struktur

Auch hier nutze ich gerne das Tarot, um mir einen tieferen Einblick in die Szene durch die Karten zu ermöglichen. Hierbei habe ich jedoch die Bedeutung der Karten der ersten Methode, also die der 3-Akt-Struktur weiterhin im Kopf.

Das bedeutet Folgendes: Wenn ich eine Karte ziehe, dann deute ich nicht rein aufgrund der Karte selbst die entsprechende Position. Sondern ich suche auch den Zusammenhang aus den Karten, die ich zuvor für die andere Struktur gezogen habe. Daher ist es für mich immer sehr wichtig, alle Karten aufzuschreiben, die ich für eine Legung ziehe.

Das gilt übrigens auch für das Deck, das ich dafür benutzt habe. Denn nur so kann ich immer wieder darauf zurückgreifen und die individuellen Symbole dafür noch einmal deuten. Ein anderes Deck hat häufig andere Symbole und für eine Geschichte damit eine andere Aussage.

Es mag eine Einbildung sein, aber wenn ich die Karten ziehe, dann habe ich das Gefühl, dass die Aussagen aus dem 3-Akter noch einmal bestätigt und intensiviert werden. Es ist eher selten, dass ich eine Karte ziehe, die komplett was anderes aussagt, als was ich mir zuvor erarbeitet habe. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht schon mal dazu gekommen ist.

In solchen Fällen überlege ich mir, warum genau ich eine andere Aussage erhalten habe. Es kann durchaus vorkommen, dass ich weiter an den Figuren gearbeitet habe, oder auch andere Ideen bekam, sodass sich die Energie der Geschichte geändert hat. Und das schlägt sich dann auch in der Bedeutung wieder.

Daher kann ich nur empfehlen, dafür offen zu sein, was die Karten Dir sagen. Denn es hat durchaus seine Bedeutung. Und natürlich notiere Dir bitte alles, was Du in diesem Zusammenhang gezogen und gedeutet hast. Es lohnt sich auf alle Fälle.

Abschlussgedanken

Mit der 5-Akt-Methode geht es, meiner Meinung nach, um einiges tiefer, als die 3-Akt-Methode. Denn hier findest Du mehr „Fragen“, die Du beantworten kannst, um die Geschichte zu finden.

Meine Methode ist, nachdem ich die grobe Richtung gefunden habe, die ich mit der 3-Akt-Struktur mir erarbeite, geht es dann tiefer. Das bedeutet für mich, dass ich danach mich an den 5-Akter setze und die Details noch mehr ausarbeite.

Das macht in der Tat mehr Arbeit, als wenn man sich für eine Methode entscheidet. Daher ist das, meiner Meinung nach, eher für längere Geschichten oder ganze Reihen durchaus eher geeignet, als für kurze Geschichten. Aber das ist dann wieder eine persönliche Ansichtssache.

Solltest Du aber diesen Teil benutzen, dann bekommst Du einen weitaus detaillierteren Plot. Daher kann ich Dir nur empfehlen, diese Plotmethode auszuprobieren.

Dabei wünsche ich Dir eine tolle Geschichte.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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Plot: Der 3-Akter

Plot: Der 3-Akter

Hei, hallo und herzlich willkommen,

für manche Autor*innen ist der Plot ein wahrgewordener Albtraum. Andere hingegen haben damit keine Probleme. Daher krame ich meine alten Plotbeiträge heraus. Vielleicht magst Du Dich mit diesem Thema ein wenig intensiver beschäftigen.

Ursprünglich am 08. Juli 2016 auf meinem alten Blog erschienen (dieser ist stillgelegt).

Drei Akter – frau schreibsel

Kurze Vorgedanken

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu plotten. Welche Methode Du letztendlich verwendest, ist Deinem persönlichen Stil und Deinem Geschmack überlassen. Und natürlich, ob Du überhaupt plotten möchtest. Das ist definitiv kein Zwang.

Die wohl bekannteste Plotstruktur ist wohl immer noch der 3-Akter. Das besagt doch ganz klar, dass es aus den drei Teilen Einleitung, Hauptteil und Schluss besteht. Da könnte man sich doch glatt fragen, wenn das so einfach ist, wieso dann darüber einen Beitrag schreiben? Na, legen wir einfach mal los.

3 Akter frau schreibseele

Akt I

Der erste Akt dürfte immer noch der leichteste von allen sein. Am Anfang stellst Du Deine Heldin oder Deinen Helden vor. Mit wem haben wir es zu tun, ist Deine*e Held*in gut oder schlecht? Und vor allem werde ich als Leserin diese Figur überhaupt mögen? Das ist durchaus ein guter Anfang. Zeig mir gerne, was so besonders an Deine Figur ist und warum ich ihr*ihm folgen sollte.

Weiterhin ist es eine gute Idee alle wichtigen Figuren dieser Geschichte schon im ersten Akt vorzustellen. Also die wichtigsten Nebenfiguren. Und auch den Schatten der negativen Antagonist*innen. Wenn diese Figur erst später auftauchen soll, dann ist es durchaus eine gute Idee, wenn Du zumindest Andeutungen machst, dass es sie oder ihn gibt.

Denn je schneller wir wissen, dass das Böse da draußen lauert, desto eher werden wir uns Gedanken machen, wann es in der Geschichte auftaucht und unseren Figuren das Leben schwer macht.

Weiterhin ist der erste Akt der Ort, wo Du den Ort der Handlung und die Zeit vorstellen kannst. Dabei ist es egal, ob es sich um eine reale Umgebung handelt oder um eine Fantasygeschichte. Im ersten Akt kannst Du eben genau das zeigen, wo wir sind und worauf wir uns gefasst machen können.

Und natürlich das Wichtigste, hier legst Du die Grundlagen für das Problem, was dann während der weiteren Geschichte gelöst werden soll. Aus irgendwelchen Gründen möchtest Du ja, dass ich Deine Geschichte lese. Also, es sollte ein Problem geben, was gelöst werden darf.

Im ersten Akt kann die Leiche gefunden werden, damit Dein Krimi zum Laufen kommt. Die Heldin trifft ihren Helden und gemeinsam kämpfen sie um ihre Liebe. Oder ein dunkles Etwas kommt über Deine Fantasywelt und versucht, die Macht an sich zu reißen.

Zeige uns im ersten Akt das Problem und warum es Deinen Figuren wert ist, dieses zu lösen. Bei einem Polizisten oder einer Polizistin mag die Motivation noch leicht zu erklären sein. Es ist deren Job (auch wenn Du gerne noch etwas über deren wahren Hintergrund erzählen kannst). Aber warum sollte Deine Fantasyheldin die Welt retten, wenn diese sie bisher nur schlecht behandelt hat? Hier kommt Deine Kreativität zum Einsatz.

Man kann also sagen, im ersten Akt legst Du die wichtigen Grundlagen für Deine Geschichte. Hier kannst Du auch die Sprache für Deine Geschichte entscheiden. Willst Du eher eine Geschichte mit einem sarkastischen Tonfall erzählen, nüchtern oder auch auktorial. All das hat Platz im ersten Akt.

Gegen Ende des ersten Aktes solltest Du also die wichtigsten Figuren vorgestellt haben, den Ort, die Handlung, zumindest den Schatten der Antagonist*innen und die Stimme der Geschichte.

Das bedeutet übrigens nicht, dass Du nicht später nicht noch weitere Figuren in die Handlung aufnehmen kannst. Aber ich empfehle Dir durchaus, dass es dann nur noch Nebenfiguren sind, die Du dann vorstellst. In einer Fortsetzung können dann diese auch gerne zu Hauptfiguren werden.

In einem Roman hatte ich nämlich den Fall gehabt, dass kurz vor Ende des zweiten Akts eine Nebenfigur auftauchte, die auf einmal unheimlich wichtig wurde. Jedoch gab es vorher noch keine Anzeichen dafür, dass dieser Charakter überhaupt existierte. Aus diesem Grund machte sich bei mir dieses Gefühl breit, dass die Figur nur deswegen eingeführt wurde, weil die Autorin nicht mehr wusste, wie sie den Tag retten sollte.

Seit dem mag ich den Gedanken nicht mehr, dass man eine wichtige Figur, auch wenn es nur ein Nebencharakter ist, dann eingeführt wird, wenn es eigentlich zu spät ist. Es ist einfach dieses Gefühl, dass solche Figuren nur einen nicht ganz fertigen Plot retten sollen.

Natürlich kannst Du das gerne machen. Und wenn Du überzeugend dabei bist, kann sich das auch gut lesen. Daher, nimm es gerne als Herausforderung an, im zweiten oder gar im dritten Akt eine Hauptfigur vorzustellen.

Akt II

Der zweite Akt ist der wichtigste Teil der Geschichte. Denn hier wird der Großteil Deines Romans erzählt (man kann durchaus sagen, so zwischen 70 bis 80 Prozent der Geschichte findet im zweiten Akt statt). Hier wird, mehr oder weniger, Deine Geschichte erzählt und alles, was Du im ersten Akt eingeführt hast, findet hier seine Rolle und seine Wichtigkeit.

Alles, was Du im ersten Akt eingeführt hast, sollte natürlich im zweiten Akt weitergeführt werden. Figuren, die aufgetaucht sind, sollten jetzt nicht auf einmal verschwinden. Natürlich, sie dürfen sterben. Aber dann informiere mich bitte darüber und lass sie nicht einfach unter dem Tisch fallen, weil Du nicht weißt, wohin mit denen.

Vor Jahren habe ich mal eine Filmrezension gelesen, dass eine Figur auf einmal abgetaucht ist, ohne dass man gesagt bekommen hat, was aus dieser Figur wurde. Wenn Du Dich entscheidest, eine Figur abtreten zu lassen, dann erwähne es bitte in einem Halbsatz, wo sie nun ist. Lass sie sterben, lass sie umziehen, was auch immer. Aber informiere mich, dann bin ich zufrieden und kann mich auf die restliche Geschichte konzentrieren. Ansonsten würde ich mich die ganze Zeit fragen, wo ist denn die eine Figur? Und dadurch kann ich mich nicht mehr auf die Geschichte so konzentrieren, wie sie es verdient hätte.

Aber es gilt auch für die Sprache, der Ort, die Zeit und die Handlung. Wenn Du was davon auf einmal änderst, kann es durchaus Irritationen bringen (gut, beim Ort weniger, eventuell auch bei der Zeit). Wenn Du bisher eher sarkastisch geschrieben hast und dann seriös wirst, dann würde ich mich fragen, was das werden soll.

Im zweiten Akt geht es aber insbesondere um das Problem, dass Du im ersten Akt eingeführt hast. Hier darf er noch größer werden, beinahe übermächtig, sodass wir das Gefühl haben, die Figuren ersticken regelrecht daran.

ielleicht kennst Du ja Filme, wo Du das Gefühl hast, dass sich wirklich alles gegen die Hauptfigur verschworen hat. Familie, Freundschaften und die Welt wendet sich von ihr oder ihm ab. Egal was die Figur auch versucht, um aus der Situation herauszukommen, sie gerät noch tiefer in den Strudel.

Meistens sitze ich dann vor dem Fernseher und ärgere mich über alles, weil es so grausam ist, dann leide ich mit der Figur und hoffe, dass alles gut wird. Auch wenn ich durchaus weiß, dass es gut werden muss. Immerhin ist es ein Film. Doch wenn man mitten in der Geschichte drin steckt, hat man das Gefühl, es kann nur noch schlimmer werden.

Auf alle Fälle geht es im zweiten Akt um das Problem und wie Deine Figuren es lösen wollen. Dabei dürfen sie sehr kreativ sein, dürfen gewalttätig sein, was auch immer dafür notwendig ist. Und vor allem, wie auch immer Du Deine Figuren angelegt hast. Es wäre schön, wenn die Figuren weiterhin konstant bleiben und sich zugleich entwickeln. Und zwar so, wie es sich logisch anfühlt.

Während im ersten Akt häufig empfohlen wird keine Rückblenden zu schreiben, sondern nur Handlungen und Dialoge, kannst Du im zweiten Akt es ein wenig ruhiger angehen lassen. Mit Rückblenden oder auch Erzählungen aus dem Leben vor der ersten Seite Deiner Geschichte kannst Du eine Beziehung zwischen den Figuren und Deinen Leserinnen und Leser aufbauen.

Auf alle Fälle darfst Du Dich hier gerne so richtig ins Zeug legen und uns zeigen, wie tief Deine Figur landen kann. Du musst Dich dabei noch nicht einmal wirklich zurückhalten. Mit anderen Worten, in Akt 2 hast Du die Erlaubnis, wenn nicht gar die Pflicht, mir als Leserin alle Nerven zu klauen, die ich hab.

Und am Ende darfst Du sogar sämtliche Pläne Deines Helden oder Deiner Heldin zerstören. Also Deine Figuren wirklich unten landen lassen, damit sie sich umsehen und neue Pläne schmieden müssen. Das Alte hat sich nicht bewährt. Auch in Ordnung, dann muss etwas Neues her.

Doch Vorsicht, die Lösung darf noch nicht im zweiten Akt auftauchen.

Akt III

Nun wird es Zeit, wir wollen die Probleme lösen und Deine Heldin oder Deinen Helden retten. Immerhin wollen die meisten Leserinnen und Leser ein Happy End (wie immer dieser letztendlich aussehen mag). Das bedeutet natürlich, dass Deine Heldin oder Dein Held aufsteht und dafür sorgt, dass sich die Probleme lösen. Und zwar so, dass sie oder er als Gewinnerin am Ende dasteht.

Alle roten Fäden sollten spätestens hier zusammengeführt und ein Ende finden. Zwar kannst Du schon im zweiten Akt den einen oder anderen roten Faden zur Lösung führen. Aber im dritten Akt darf dann alles nach und nach zum Ende führen, sodass ich als Leserin nicht das Gefühl habe, dass irgendetwas noch fehlt.

Deine Heldin oder Dein Held findet einen neuen Plan, um zur Lösung zu kommen. Sie besiegen das Böse, finden zu ihren Liebsten, was auch immer. Wenn es ein Einzelband ist, dann sollte hier alles gelöst werden. Schreibst Du eine Reihe dann darfst Du hier natürlich gerne den einen oder anderen roten Faden offen lassen und dann im nächsten Band damit weiterarbeiten.

Am Ende des dritten Aktes sollte auch Deine Geschichte ein gutes Ende finden. Es darf rund werden und dann werden sich Deine Leserinnen und Leser auch wohlfühlen. Und wenn sie sich wohlfühlen, freuen sie sich darauf, Deine nächste Geschichte zu lesen. Denn dann wissen sie, worauf sie sich einlassen, wenn sie einen Deiner Romane in die Hände nehmen.

Hier noch ein kleiner Hinweis: Vor Jahren hatte ich einen Liebesroman gelesen. Es war eine kurzweilige, nette Geschichte. Tatsächlich gibt es aber eine Sache, die mich nach all der Zeit immer noch beschäftigt. Der Held kam an persönliche Daten der Heldin. Immer wieder fragt sie ihn, wie er es geschafft hat und er gibt (natürlich) keine Antwort. Bedauerlicherweise bis zum Schluss. Und woran denke ich immer, wenn ich an diesen Roman denke? Genau, wie kam er an diese Daten heran.

Es mag vielleicht albern klingen, aber ich fände es schön, wenn auch solche kleinen Fäden zu einem Schluss kommen. Musst Du nicht, aber eventuell stößt das bei einigen negativ aus. Leider gehöre ich dazu, die es nicht mag, wenn Sachen einfach so unter dem Tisch fallen. An dieser Stelle sag ich, Tschuldigung.

Mein Umgang mit dem 3-Akter

Wenn ich einen Roman oder eine Novelle plotte, dann fange ich gerne mit dem 3-Akter an. Damit habe ich erst einmal eine Grundstruktur, die ich dann nach und nach verfeinere. Hier bekomme ich meine Grundlage, mit der ich überhaupt anfangen kann. Und erst einmal wird die Angst vor dem Ungetüm Geschichte genommen.

Dabei gibt es verschiedene Methoden, die man anwenden kann. Ich selbe benutze zwei bis drei Methoden sehr gerne, die ich Dir hier noch gerne vorstellen möchte.

Mind Map

Mind Map 3 Akter

Für die folgende Methode benötigst Du drei Blätter weißes Papier. Auf jeden schreibst Du in der Mitte Akt I, Akt II und Akt III und kreist diese ein. Und dann schreibst Du alles auf, was Du dort Dir gut vorstellen kannst, was in dem jeweiligen Akt eine Rolle spielen könnte.

Hier ist es auf keinen Fall gut, wenn Du Deinen inneren Zensor oder Deine innere Zensorin rauslässt. Hier haben sie absolutes Spielverbot. Wenn sie in der Überarbeitung vorbeischauen, ist das was anderes. Aber hier darfst Du Dich so richtig austoben und sogar Dinge aufschreiben, die letztendlich niemals in Deiner Geschichte auftauchen werden. Das ist völlig in Ordnung.

In einem zweiten Schritt kannst Du dann alle Punkte einkreisen, von denen Du überzeugt bist, dass sie eine gute Geschichte bieten. Fass Punkte zusammen, wenn Du bestimmte Überpunkte findest. Und dann trage diese Worte auf einer eigenen Liste zusammen.

Wenn Du das getan hast, kannst Du dann daraus einen Text schreiben, damit Du eine Grundlage hast, um danach entweder noch einmal tiefer zu plotten oder um zu schreiben.

Eine Kurzgeschichte schreiben

Die Idee hatte ich vor einigen Jahren spontan gehabt. Schreib Deine Geschichte erst einmal als Kurzgeschichte. Dabei lässt Du alle Nebenplots und Wendungen erst einmal vor der Tür. Du konzentrierst Dich dabei vollständig auf den wichtigen Teil der Geschichte und schreibst es erst einmal.

Dadurch überwindest Du die erste Hürde bezüglich der Geschichte. Denn damit hast Du die Sache mit dem Plot erst einmal überwunden. Alles andere ist dann nur noch die Feinarbeit.

Tarotkarten

3 Akter mit Tarotkarten

Ich liebe besonders die Arbeit mit den Tarotkarten. Du ziehst für die drei Positionen (Beginn, Mittelteil und Ende) jeweils eine Karte. Dann schreibst Du auf, was Du auf den Karten siehst und was Du für Deine Geschichte gebrauchen kannst.

Du wirst es vielleicht nicht glauben, dass die Tarotkarten Dir eine Geschichte weisen. Aber ich arbeite schon seit Jahren mit dieser Methode immer und immer wieder. Und ich bin dabei jedes Mal erneut erstaunt, wie gut diese Methode funktioniert.

Denn mit den Karten bekommst Du kreative Ideen, auf die Du häufig nicht gekommen wärst, wenn Du nicht die mit Tarotkarten arbeitest. Glaub mir, dadurch hatte ich schon einige nette Ideen gehabt.

Vor Jahren arbeitete ich an einem Charakter und war der festen Überzeugung, dass er ein Hochschulabschluss haben müsste. Dann zog ich eine Karte (welche es genau war, erinnere ich mich nicht mehr, zumal die Geschichte zwischenzeitlich drei Mal gestorben ist). Diese sagte mir, dass diese Figur sich unterlegen fühlt. Schon war die Idee mit dem Hochschulstudium gestorben und der Charakter wurde dadurch interessanter. Leider nur nicht die Geschichte. Deswegen habe ich nicht mehr daran weiter gearbeitet.

Abschlussgedanken

Der 3-Akter ist durchaus eine gute Methode, um überhaupt zu plotten. Aber Du kannst damit auch den Anfang eines Plotmarathons starten. Je nachdem, wie Du das Dir erarbeitest. Mit dem 3-Akter kannst Du auch die erste Grundlage schaffen, um dann weiter zu arbeiten und dann die Grundlage zu haben, die Du nutzen kannst.

Für manche reicht es auch vollkommen aus, wenn sie nur grob wissen, wohin die Reise geht. Daher kann es auch sein, dass danach für Dich die Arbeit erledigt ist und Du dann schreibst.

Überlege Dir, wie Du diese Methode für Dich anwenden kannst, und versuche es einfach Mal. Vielleicht ist da auch etwas für Dich dabei, mit dem Du dann am Ende richtig gut arbeiten kannst.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß und Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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