101 Berufe für Nebencharaktere – 1-20

Hei, hallo und herzlich willkommen,

die Überschrift sagt es schon. Ich hab mir überlegt, welche Berufe Nebencharaktere eigentlich haben können. Im Grunde genommen genau die gleichen, wie die Hauptfiguren. Trotzdem möchte ich mich mal austoben und sehen, ob ich überhaupt 101 Berufe zusammentragen kann, um Dir eine Inspiration zu geben, was für Berufe alles Deine Nebencharaktere haben können. Du kannst Dich gerne bei der Liste bedienen und sehen, was Dir gefällt und was Dir weniger zusagt.

Legen wir los!

1. Gärtnerin / Gärtner

Es gab schon immer Menschen, die sich um Gärten gekümmert haben. Sie besitzen durchaus ein hohes Wissen, mit welchen Pflanzen sie es im Garten zu tun haben und wie man sie gut pflegt. Weiterhin sollten sie durchaus Geduld haben, da Blumen, Sträucher oder auch Bäume nicht innerhalb weniger Tage wachsen, sondern teilweise über Jahre benötigen, um die gewünschte Größe und das Aussehen zu haben.

Es gibt Landschaftsgärtnereien heute und früher hatte durchaus jedes größere Adelshaus (und natürlich das Königshaus) eigene Gärtner (gelegentlich durchaus auch Gärtnerinnen). Sie arbeiten entweder draußen oder in Wintergärten.

Inspiration: Durch ihr Wissen über Pflanzen und Blumen können sie sich natürlich auch Kräuterwissen aneignen. Eventuell eignen sie sich daher als Mörder*innen oder auch als Heiler*innen. Und im Garten neigen manche Menschen dazu zu glauben, sie wären unbeobachtet. Vielleicht sieht aber der Gärtner oder die Gärtnerin doch mehr als es den Personen lieb ist. Denn nicht immer ist der Mörder der Gärtner 🙂

2. Butler

Um den Butler ranken sich durchaus interessante Geschichten. Ein lebenlang dient er treu dem Haushalt und kennt daher die größten Geheimnisse und die schmutzigste Schmutzwäsche. Auch heutzutage gibt es noch Butler in Haushalten. Und das nicht nur beim Adel, sondern auch bei Leuten, die glauben, dass sie unbedingt einen Butler benötigen.

Ein Butler sieht alles, hört alles, weiß alles, sagt aber nichts. Erst recht nicht, wenn von außerhalb jemand was wissen will. Denn seine Treue gehört dem Haushalt. Aber was ist, wenn der Haushalt ihm die Treue kündigt?

Inspiration: Für die Bezeichnung Butler gibt es keine weibliche Bezeichnung, da dieser Beruf nur von Männern ausgeübt wurde (auch wenn die Haushalte durchaus Frauen beschäftigten). Was wäre aber, wenn sich eine Frau als Butler in einen Haushalt schleicht? Oder, wenn er doch seinen Ehrenkodex verletzt und plaudert? Weil er, zum Beispiel, ein Glas zu viel Alkohol getrunken hat? Und vielleicht ist doch der Butler der Mörder?

3. Zofe

Man könnte die Zofe wohl als weibliches Gegenstück zum Butler sehen. Auch wenn sie sich in erster Linie um die Herrin des Hauses gekümmert hat (versuch mal alleine in die Kleider der damaligen Zeit zu kommen).

Die Zofe war aber nicht nur eine Dienerin der Herrin und des Haushaltes, sondern konnte auch als beste Freundin fungieren. Denn wer war häufiger mit der Herrin zusammen als die Zofe? Nicht mal unbedingt der Ehemann. Daher kann es durchaus vorkommen, dass die Herrin ihrer Zofe Dinge anvertraute, von dem der Mann noch nicht einmal etwas wusste.

Inspiration: Was ist, wenn die Herrin ihrer Zofe Dinge anvertraute, die sie niemals jemand hätte sagen dürfen und sie nun um ihren Ruf fürchtet? Oder, wenn die Zofe ihre Stelle vergisst und sich in den Herren verliebt? Oder gar die Herrin? (Und sie die Gefühle erwidert?).

4. Blumenverkäuferin / Blumenverkäufer

Noch heute gibt es Blumenläden auf der ganzen Welt. Und sie haben nicht nur zum Valentinstag oder Muttertag offen. Hier kommen und gehen Menschen, die nicht nur einen Blumenstrauß suchen, sondern auch Ratschläge für die Handhabung ihrer Pflanzen benötigen.

Und da die Verkäuferinnen und Verkäufer durchaus den ganzen Tag im Laden stehen, haben sie die Möglichkeit zu sehen, was in ihrer Umgebung alles passiert. Zumindest in Deiner Geschichte.

Inspiration: Was ist, wenn Deine Verkäuferin oder Dein Verkäufer einen Mord oder eine Affäre beobachtet? Oder, wenn sie versehentlich eine giftige Blume bekommen und diese weiterverkaufen?

5. Apothekerin / Apotheker

Natürlich können sie die gleiche Funktion wie die Blumenverkäufer*innen haben. Die Umgebung beobachten und Dinge sehen, die für eine Geschichte notwendig sind.

Aber sie haben durchaus medizinische Kenntnisse, die Du Dir für Deine Geschichte zunutze machen kannst. Immerhin sind sie für eine Heilung oder auch einen Giftmord geradezu prädestiniert.

Inspiration: Was ist, wenn Deine Apothekerin oder Dein Apotheker einem Giftopfer gerade noch das Leben retten konnten? Oder sie das falsche Medikament ausgegeben haben?

6. Taxifahrerin / Taxifahrer

Überall auf der Welt wollen Menschen von A nach B gefahren werden und überall auf der Welt kümmern sich Menschen darum, dass jemand von A nach B kommt. Früher waren es die Kutscher und heute die Taxifahrer*innen.

In einigen Ländern benötigst Du dafür eine Ausbildung und in anderen Ländern nur das Auto dazu. Und in Deiner Fantasywelt kannst Du entscheiden, wie die Ausbildung vonstattengeht.

Inspiration: Was ist, wenn in dem Taxi Deiner Figur jemand stirbt? Deine Taxifahrerin oder Dein Taxifahrer mit der großen Klappe in Schwierigkeiten kommt? Oder das Opfer durch die Gegend fährt?

7. Mechanikerin / Mechaniker

Egal ob Autos, Flugzeuge oder Schiffe, irgendjemand muss dafür Sorgen, dass sie funktionieren und gegebenenfalls reparieren. Dafür sind Deine Mechaniker*innen gut geeignet. Und in der Technik können sie Dinge finden, von denen sie noch nicht einmal geahnt haben, dass es sie geben könnte.

Inspiration: Was ist, wenn Deine Mechaniker*innen Alientechnologie in der Maschine finden? Eine kleine Elfe? Oder ein Findelkind aus einer anderen Welt?

8. Köchin / Koch

Im Hintergrund der Macht oder eines Restaurant sorgen sie dafür, dass alles funktioniert. Zumindest, wenn es sich um das dreht, was am Ende auf dem Teller landet und an die Gäste rausgeht. Doch müssen sie die Wünsche der Gäste berücksichtigen, die vielleicht eine Erdnussallergie haben.

Köchinnen und Köche können in Großküchen, Kantinen, Restaurants, in privaten Haushalten, in Adelshäusern, auf Schiffen, durchaus in Flugzeugen oder auch bei Mafiabossen arbeiten.

Inspiration: Was ist, wenn Dein Koch / Deine Köchin versehentlich den Mafiaboss umgebracht haben, weil sie nicht an die Erdnussallergie gedacht haben? Oder sie haben ein Geheimrezept für eine Supersoße, an die alle wollen?

9. Krankenschwester / Krankenpfleger

Ebenfalls ein Beruf mit medizinischen Kenntnissen und durchaus mit der Möglichkeit sich an das Opfer zu nähern, ohne das jemand Verdacht schöpft. Sie können morden, heilen und es bekommt niemand mit (zumindest erst einmal, auf den zweiten Blick sieht das natürlich anders aus).

Und sie können auch in privaten Haushalten arbeiten, wenn die Herrschaften ihre Dienste benötigen. Damit sind sie noch näher an eine einzelne Person und der Familie dran.

Inspiration: Was ist, wenn Deine Krankenschwester / Dein Krankenpfleger eigentlich eine Ärztin / ein Arzt ist und nicht mehr als solcheR arbeiten darf? Und was passiert, wenn ihr/ihm ein Fehler unterläuft?

10. Heilpraktikerin / Heilpraktiker

In Deutschland dürfen Menschen, wenn sie die Überprüfung zur Heilprakikerin oder Heilpraktiker bestanden haben, Menschen medizinisch unterstützen. Sie sind also ganz kleine Ärztinnen und Ärzte. Und natürlich haben sie medizinisches Wissen, was Du Dir in Deiner Geschichte ebenfalls zunutze machen kannst.

Und vor allem, sie haben es direkt mit Menschen zu tun. Eventuell mit Deinen Täter*innen oder Deinen Opfern?

Inspiration: Was ist, wenn sie eine Patientin oder einen Patienten von einer schweren Krankheit heilen? Oder, wenn sie erkennen, dass das Opfer Gift verschrieben bekommen hat, aber sich nicht traut gegen einen Arzt oder eine Ärztin was zu sagen?

11. Heilpraktikerin / Heilpraktiker für Psychotherapie

Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker für Psychotherapie kümmern sich nicht um den körperlichen Zustand ihrer Patient*innen, sondern um den seelischen Zustand. Auch hier benötigen sie die Erlaubnis der Gesundheitsbehörde.

Sie behandeln keine Psychosen, sondern Neurosen, müssen sich aber in allen Bereichen der psychischen Krankheiten auseinandersetzen und diese kennen und erkennen.

Inspiration: Was ist, wenn jemand mit einer Psychose (zum Beispiel einer Depression oder einer Borderline-Persönlichkeitsstörung) zu ihnen kommt und von ihr/ihm die Behandlung erwartet?

12. Gebäudereinigerin / Gebäudereiniger

Sehr häufig sieht man sie nicht, weil sie nachts, wenn das Büro leer ist, erst anfangen zu arbeiten. Oder nach Feierabend der Mitarbeitenden in einem Gebäude. Alternativ sind sie die ersten am frühen Morgen vor Ort und kümmern sich um die Reinigung. Aber immer häufiger tauchen sie auch tagsüber auf und sorgen dafür, dass alles sauber ist.

Mit ihnen kannst Du aber eine Menge veranstalten. Denn immerhin können sie ja einen Generalschlüssel haben und somit in jedes Büro hereinkommen.

Inspiration: Was ist, wenn sie geheime Pläne für eine Vernichtungswaffe finden? Oder, wenn sie den Chef oder die Chefin in flagranti erwischen?

13. Pförtnerin / Pförtner

Sie sorgen dafür, dass nur die richtigen Personen ins Gebäude dürfen und alle anderen eben nicht. Dafür müssen sie sich die Ausweise ansehen und durchaus das Selbstbewusstsein haben, jemanden der Tür zu verweisen, auch wenn sie ihn oder sie vielleicht kennen und diese mit Nachdruck den Einlass verlangen.

Sie arbeiten nicht nur für Bürogebäude, sondern können auch in Mietshäusern arbeiten. Und sie sind in der Lage ein Alibi zu geben oder dieses zu zerstören. Zumeist sind sie es, die alle Personen kennen, die in ein Gebäude hineindürfen. Gelegentlich sogar persönlich und mit Namen.

Inspiration: Was ist, wenn die Pförtnerin oder der Pförtner ein Doppelleben führt, was niemand erfahren darf? Und aus diesem Grund sind sie erpressbar?

14. Nachtwächterin / Nachtwächter

Sie durchwandern das Gebäude und sorgen dafür, dass nicht die falschen Personen zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Notfalls müssen sie diese kurzfristig festnehmen und die Polizei rufen. Normalerweise ist ihr Beruf ruhig und sicher. Außer natürlich sie arbeiten in Deinem Gebäude oder Dein Museum und es soll ihnen an den Kragen gehen.

Inspiration: Was ist, wenn sie selbst zur falschen Zeit am falschen Ort sind? Oder sie ihre Position missbrauchen, um selbst etwas zu stehlen?

15. Sekretärin / Sekretär

Meistens immer noch ein typischer Frauenberuf, aber auch ein wichtiger. Wer sollte denn sonst die wichtigen Nachrichten, Memos und Briefe schreiben, die Übersicht über die Aktenlage halten, Termine kontrollieren und, ja das auch, den Kaffee für den Besuch kochen?

Sehr häufig ist es auch so, dass man nicht an der Sekretärin oder dem Sekretär vorbeikommt. Daher muss man sie überreden, mal einen Blick in die Akten hineinzuwerfen und nicht den Chef oder die Chefin (zu denen es dann kein Vordringen gibt, wenn die Sekretärin oder der Sekretär es nicht erlaubt).

Inspriation:Wwas ist, wenn die Sekretärin oder der Sekretär die Arbeit so dermaßen an sich gerissen haben, dass der Chef / die Chefin nicht mehr ohne sie auskommt?

16. Straßenreinigerin / Straßenreiniger

Sie sorgen dafür, dass die Straßen sauberer sind, als wenn man uns das überlassen würde. An meiner alten Grundschule gab es eine ältere Dame, die ist immer mit einem Besen durch die Straßen gelaufen und hat sich für sie Sauberkeit gesorgt. Es gibt sie sowohl als Freiwillige und als Angestellte.

Und da man sie gerne übersieht, können sie mehr sehen, als es uns vielleicht lieb ist.

Inspiration: Was ist, wenn sie auf der Straße einen magischen Gegenstand finden und es einstecken? Oder, wenn sie den Verlobungsring unseres Helden aus dem Gulli herausfischen?

17. Müllabfuhr

Die Müllabfuhr ist eigentlich kein Beruf, sondern eher eine Bezeichnung. Aber die Müllleute kümmern sich darum, dass unser Müll schön verschwindet. Natürlich damit auch unliebsame Sachen oder auch schon mal Leichen. Sie schauen sich normalerweise bei der Abholung den Müll nicht genauer an. Aber was ist, wenn es doch jemand tut?

Inspiration: Der Klassiker – die Müllleute finden die Leiche im Müll. Oder Giftstoffe und sie berühren diese, obwohl es drauf steht, dass sie es nicht tun sollen und mutieren am Ende.

18. Straßenmusikantin / Straßenmusikant

Sie stehen oder sitzen auf der Straße, spielen Musik und bitten dafür um eine Spende. Gelegentlich verkaufen sie auch schon selbst erstellte CDs. Zwar konzentrieren sich viele auf ihre Musik und die Leute, die in ihrer näheren Umgebung sind. Aber wer weiß, was sie wirklich sehen und vor allem, welche Geschichten sich hinter ihrer Musik verbirgt.

Inspiration: Was ist wenn ihre Musik magisch ist und sie damit die Menschen beeinflussen? Oder sie Elfen sind und hier nur kurzzeitig haltmachen, bis sie wieder nach Hause dürfen?

19. Straßenverkäuferin / Straßenverkäufer

Sie stehen an Straßenecken oder auf Wochenmärkten und auch Jahrmärkten und verkaufen diverse Dinge. Seien es Lebensmittel oder Gegenstände. Überall, wo es ein Markt gibt, kann man sie finden.

Während einige Waren hochpreisig sind, sind die anderen eher als bescheiden anzusehen. Daher kannst Du Dir überlegen, mit was für Figuren Du es hier zu tun hast und was an ihnen oder den Waren so besonders ist.

Inspiration: Was ist, wenn hinter ihrer Ware mehr ist, als man auf den ersten Blick glaubt zu sehen? Oder, wenn sie gefährlicher sind, als man glauben möchte?

20. Buchhändlerin / Buchhändler

Wieder jemand, die oder der in einem Laden sitzt oder etwas verkauft. Aber hier haben wir das Besondere, dass es Bücher sind. Also haben wir es hier mit Wissen zu tun. Sei es direkt in den Büchern oder im Kopf der Verkäuferin und/oder des Verkäufers.

Und wer weiß, vielleicht sind die Bücher ja mehr, als man auf den ersten Blick zu glauben meint?

Inspiration: Was ist, wenn die Bücher lebendig sind? Oder beim Öffnen eines der alten Werke sich ein uralter Zauber freisetzt? Oder mystische Wesen?

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Charakter – Bestimmungsfragen für Deine Figur

Hei, hallo und herzlich willkommen,

kennst Du das? Du erstellst einen Plan für Deinen Roman und denkst, der ist gut, also ist alles erledigt. Und dann schaust Du Dir Deine Unterlagen noch einmal an und denkst, ne, war doch nicht das gelbe vom Ei.

Das ist mir häufig mit meinen Charakteren passiert. Anfänglich dachte ich, dass alle ihre Rollen hatten und ihren Part kennen. Doch dann fange ich an zu schreiben und denke mir, nein, so nicht. Aus einer Hauptrolle kann dann ein Nebencharakter werden und aus dem Nebencharakter wird ein*e Antagonist*in und so weiter.

Kurze Vorgedanken

Wenn ich ein Projekt im Kopf habe, sind häufig die Charaktere sehr präsent. Sie zeigen sich mit und ich fühle förmlich, wer von ihnen, welche Rolle innehat. Und selten ist es, dass sich da etwas ändert.

Sobald ich aber anfange zu schreiben, kann es bei dem einen oder anderen Charakter tatsächlich passieren, dass sich die Rolle ändert. Oder es kommen neue Charaktere hinzu. Gelegentlich fallen auch welche über Bord.

Daher hab ich mir vor längerer Zeit überlegt, wie ich gegen diese Sache quasi vorgehen kann.

Muss man überhaupt dagegen vorgehen?

Klar muss man das nicht. Wenn sich die Figuren im Laufe der Geschichte anders entwickeln, dann kannst Du gerne dem ganzen seinen Lauf lassen. Andererseits kann das durchaus auch anstrengend sein. Wenn auf einmal ein Charakter auftaucht, dann sollte das nicht aus dem Nichts geschehen.

Die Figur sollte eine wichtige Rolle spielen. Oder eine Vorgeschichte haben. Und wenn sie eine entscheidende Rolle spielt, dann auch vorher durchaus auftauchen. Mit anderen Worten, den Teil, den Du zuvor geschrieben hast, müsstest Du dann umschreiben.

Gelegentlich kann das sehr anstrengend sein. Denn wo ein neuer Charakter auftaucht, kann sich durchaus die komplette Geschichte ändern. Kann, nicht muss wohlgemerkt.

Fragenkatalog

Folgenden Fragenkatalog kannst Du Dir stellen, während Du die Charaktere im Brainstorming kennenlernst. Häufig entstehen aus diesen Fragen weitere. Folge ihnen gerne. Aber Vorsicht, verlauf Dich dabei nicht. Denn hier geht es erst einmal darum, dass Du ihre Rollen bestimmst. Das näher kennenlernen kannst Du dann auch später noch machen.

  • Welche Rolle spielt Deine Figur in Deiner Geschichte?
  • Ist sie/er die/der Held*in?
  • Oder eher die/der Antagonist*in?
  • Ist sie/er ein Badass (also eine … sagen wir mal … unhöfliche Person, na gut, ein Arschloch)?
  • Werden die Leser*innen Deine Figur mögen? Wenn ja, wieso? Und wie willst Du das erreichen?
  • Oder ist Deine Figur so unsympathisch, dass sie/ihn niemand leiden kann? Wieso?
  • Wie willst Du zeigen, warum Deine Figur sympathisch oder unsympathisch ist?
  • Ist die Figur eher Hauptperson, Nebenperson oder gar ein Sidekick?

Solltest Du Dir während des Schreibens auf einmal unsicher werden, ob die Rolle für Deine Figur richtig ist, kannst Du immer wieder zu solch einem Fragebogen zurückkehren. Und selbst wenn Du das Gefühl hast, dass Du eine Idee gegen die Wand gefahren hast, Du kannst immer noch Deinen Roman überarbeiten. Das ist nie das Problem.

Doch je mehr Du Deine Charaktere kennst, desto mehr wirst Du von Deinem Plot kennen. Denn häufig schreiben sich gewisse Dinge wie von selbst, wenn Du die Charaktere kennst.

Der Vorteil

Je genauer Du die Rollen für Deine Charaktere definierst, desto eher kannst Du Dich darauf konzentrieren, Deiner Figur eine besondere Art von Leben einzuhauchen.

Nehmen wir mal an, Du möchtest über einen Antihelden wie Dr. House schreiben. Es ist eine gute Idee, wenn Du während Deiner Arbeit an Deiner Figur dies im Hinterkopf schon vorhast. Denn wenn Du weißt, dass Du ein Dr. House Charakter haben möchtest, ist es leichter, die richtigen Fragen zu stellen, um die Figur in die richtige Richtung, ja sagen wir es mal so, zu schubsen.

Daher setz Dich einen ruhigen Nachmittag hin, schnapp Dir ein Blatt Papier und leg einfach mal drauf los. Schreib alles auf, was Du zu Deinem Charakter mitteilen willst und wie sie/er am Ende aussehen soll. Also ob Held*in oder Antiheld*in.

Wenn Du schon weißt, in welche Richtung Deine Figur gehen soll, kannst Du Dir auch überlegen, wie Du diese Richtung darstellen willst. Hier darf es ruhig konkreter werden, in dem Du Dir erste Gedanken zu Szenen machst oder auch Metaphern, die Du verwenden willst. Im Grunde genommen darfst Du Dich an dieser Stelle einfach mal noch so richtig austoben, bevor Du dann mit den Charakteren arbeitest.

Abschlussgedanken

In meinen Augen beginnt jeder Charakter mit einer Idee. Daher finde ich es eine gute Idee, diese Idee auch schriftlich festzuhalten. Was am Ende dabei herauskommt ist jedoch eine andere Sache. Häufig erfahren meine Charaktere eine Evolution ungeahnten Ausmaßes. Und manchmal sind sie von Anfang an perfekt.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß (bei mir ist hier Spaß garantiert).

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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Die Krux mit den Nebencharakteren

vor einiger Zeit hatte ich eine Fragerunde rund um das Thema Nebencharaktere gestellt. Dabei kristallisierte sich damals heraus, dass ich scheinbar eine andere Definition von Nebencharakter habe, als viele andere. Daher hatte ich dazu einen Beitrag geschrieben, über Nebencharaktere und deren (möglichen Rolle) in einem Roman.

Diesen habe ich nun wieder hervorgeholt, überarbeitet und präsentiere ihn Dir hier im neuen Licht.

Eines möchte ich jedoch vorneweg stellen. Sicherlich gibt es offizielle Definitionen, was ein Nebencharakter ist und was nicht. Doch trotzdem kam es zu kleinen Diskussionen auf der Seite. Daher möchte ich Dir im Folgenden meine Interpretation, zu diesem Thema, vorstellen. Sie hat natürlich keinen Anspruch auf eine allgemeingültige Wahrheit (wer hat das schon im Bereich Kreativität). Das möchte ich vorab zu Deiner Info hier mal einfach so stehen lassen.

Nebencharakter vs. Nebencharakter

Ich bin der Meinung, im Deutschen ist es doch sehr verwirrend das Wort Nebencharakter zu verwenden. Denn es klingt schlichtweg abwertend. Ein Nebencharakter ist, zumindest kommt es bei mir so an, eine Figur, die eben nebenher läuft. Sie kann durchaus eine wichtige Rolle spielen, aber wenn sie verschwindet, ist das auch kein großer Verlust.

Dabei stimmt das nicht. Es gibt Figuren in einer Geschichte, die in der Tat keine große Rolle spielen. Sie kommen und gehen. Und hat noch nicht einmal eine richtige Charakterisierung. Und es gibt Figuren die sogar eine Entwicklung durch machen. Trotzdem sind sie nicht die Hauptfiguren, sondern Nebenfiguren.

Obwohl ich kein Fan von unnötigen Anglizismen bin (oder anders ausgedrückt, ich mag kein denglisch), finde ich die Bezeichnung Supporting Character hier durchaus passend. Das englische Wort „support“ steht ja für „Unterstützung“. Also übersetzte ich die Bezeichnung gerne mit „Unterstützender Charakter“ und nicht, wie es normalerweise geschieht, Nebencharakter.

Für mich gibt es also sowohl den „Unterstützenden Charakter“ und den Nebencharakter.

Meine Definition für den unterstützenden Charakter (samt eines Beispiels – mir gefällt er)

Ich sehe einen Supporting Charakter als eine Figur an, der eine größere Rolle spielt. Sie oder er hat natürlich nicht die Hauptrolle inne, aber steht durchaus im Fokus der Geschichte. Diese Figur kann auch eine Entwicklung durchmachen. Eine kleine, aber sie/er macht eine Entwicklung durch.

Stell Dir bitte folgende Situation vor: Deine Hauptfigur reist durch Deine Welt und erlebt ein Abenteuer nach dem anderen. Natürlich wächst diese Figur am meisten. Doch an der Seite ist ein Supporting Charakter. (Da mein Beispiel männlich ist, bleibe ich hier auch mal bei der männlichen Bezeichnung.)

Der Freund kämpft mit der Hauptfigur, verliebt sich und muss dem Tod ins Auge sehen. Aber die Welt rettet nicht er, sondern eben die Hauptfigur. Aber was wäre gewesen, wenn es den Supporting Charakter nicht gäbe? Nicht die Hauptfigur unterstützen würde? Dann könnte es sein, dass die Hauptfigur am Ende aufgäbe und die Geschichte damit ein jähes Ende nähme.

Mein Beispiel ist Kirk Lazarus aus dem Film „Tropic Thunder„. Robert Downey Jr. spielt in dem Film einen australischen Schauspieler, der für die Rolle eines Afroamerikaners ausgewählt wurde (obwohl er selbst ein weißer Australier ist, es handelt sich hierbei um eine Kritik an das System Hollywood). Für diese Rolle wurde RDJr 2009 sogar für den Oscar nominiert. Aber eben als Nebendarsteller, obwohl sein Name sogar auf dem Filmplakat erschienen ist. Wie passt das alles zusammen?

Wenn Du Dir den Film ansiehst (und das empfehle ich Dir durchaus), siehst Du, dass Tugg Speedman die Hauptrolle spielt. Er ist es letztendlich, der an einen schwachem Ego leidet. Er ist es, der über sich hinaus wachsen muss und er ist es, der den Tag rettet. Wir verfolgen nicht Kirk Lazarus durch die Geschichte, sondern Tugg Speedman. Es ist seine Geschichte (und ja, auch die von Ben Stiller, immerhin hat er unter anderem das Drehbuch geschrieben).

Doch auch bei Kirk Lazarus sehen wir eine Entwicklung. Die ganze Zeit kommt er sehr selbstsicher daher. Der mehrfache Oscargewinner (nicht RDJr, sondern wirklich Kirk Lazarus), der geniale Schauspieler und der Faker. Ich will hier nicht zu viel verraten, denn ich kann den Film nur empfehlen. Deine Lachmuskeln werden Dich dafür hassen.

Schau Dir mal den Trailer auf den bekannten Videoplattformen an. Dann stellst Du fest, dass Tugg Speedman und Kirk Lazarus (und die Figur von Jack Black, nein, ich bin keine Freundin seiner schauspielerischen Leistungen) auftauchen. Da könnte man schon fast darauf kommen, dass sie sogar Hauptcharaktere sind. Aber die Oscarnominierung spricht dem entgegen. Denn die beiden (also Downey und Black) retten eben nicht den Tag. Und das ist dieser kleine, aber doch sehr feine Unterschied.

Wechseln wir mal kurz zu dem Nebencharakter

In Tropic Thunder kommen natürlich einige richtige Nebencharaktere vor. Dazu gehört unter anderem die Figur Alpa Chino (ja, der wird wirklich so geschrieben). Er spielt ebenfalls einen der Soldaten und ist nebenbei auch ein Rapper (mit allen Klischees, die man sich nur vorstellen kann).

Doch während der ganzen Geschichte bleibt er mehr oder weniger statisch. Im Gegensatz zu den meisten anderen Nebenfiguren (von denen ja einige vorkommen), hat er fast ganz am Ende (also im Schlusskampf – hier sogar mal wörtlich zu nehmen) eine nennenswerte Entwicklung. Aber ansonsten bleibt er statisch. Er ist eben Alpa Chino und niemand rüttelt an seinem Status als Nebencharakter.

Da ich nicht weiß, ob Du Dir den Film ansehen willst, verrate ich nicht, was die Entwicklung ist.

Supporting Charakter vs. Nebencharakter (bzw. Kirk Lazarus vs. Alpa Chino)

Wenn wir uns die beiden Charakter anschauen, dann fällt uns eines auf: Kirk Lazarus hat schon einmal mehr Screentime. Er taucht also um einiges länger vor der Kamera auf, als Alpa Chino. Und ich denke schon, dass man das sogar als ein Zeichen für einen Supporting Charakter sehen kann. Je länger eine Figur auftaucht (dabei ist es egal ob Serie, Film oder Roman), desto wichtiger wird sie.

Weiterhin macht Kirk eine größere innere Entwicklung durch. Alpa Chino ändert quasi nur seine Sicht auf sich. Doch Kirk ändert fast sein Wesen, seine innere Haltung. Und das ist bezeichnend für die Rollen.

Ich sehe Nebenfiguren sowieso als sehr statisch auf. Sie sind die Taxifahrer/Taxifahrerinnen, Pizzaleute und Postbotinnen/Postboten der Geschichte. Sicherlich siehst Du das öfters in Serien, wo eine Figur den sprechenden Charakteren etwas reinreicht, sie nicken sich zu und dann gehen beide ihren Weg. Alpa Chino ist ein solcher Aktenreinreicher auf einem Polizeirevier. Oder die brüllende Frau, die eine Leiche entdeckt (Klischee lässt grüßen).

Falls es jetzt etwas zu unübersichtlich geworden ist, hier eine kurze Liste, wie ich die Figuren sehe:

Nebencharakter

  • tritt im Verhältnis wenig auf (wenig Screentime bzw. Seiten)
  • hat eine schwache Charakterentwicklung (wenn überhaupt)
  • häufig erfüllt sie/er Klischees
  • ist in erster Linie da, um die Hauptfiguren und durchaus auch die Supporting Charakters zu unterstützen
    dazu zählen: Die Charakterisierung darzustellen, ihnen wichtige Hinweise zu geben oder ein Spiegel deren Entwicklung zu sein
  • sie können durchaus die Charaktere sein, welche am Anfang einen Hinweis auf die Geschichte finden (in Krimis zum Beispiel die Leiche), die Akten in Revieren herumreichen oder auch wichtige Hinweise bei Befragungen geben
  • natürlich können sie auch die Täterin oder der Täter sein (in Krimis oder Thrillers, sofern sie “nur” entdectkt, aber ansonsten keine Rolle spielen)
  • sie dürfen während einer Geschichte definitiv sterben (zwischenzeitlich gilt dies ja auch für Hauptcharaktere)

Supporting Charakter

  • sie tauchen verstärkt neben der Hauptfigur auf
  • sie können die beste Freundin oder der beste Freund der Hauptfigur sein und helfen dabei, diese zu charakterisieren (so dass wir uns ein Bild von der Figur machen)
  • der Supporting Charakter macht auch eine emotionale und charakterlische Entwicklung selbst durch und zeigt nicht nur, wie sich die Hauptfigur ändert
  • sie oder er unterstützt die Hauptfigur dabei den Tag zu retten, tun dies aber nie selbst (das ist schlicht nicht ihre Aufgabe in der Geschichte)
  • diese Figuren gehen mit der Hauptfigur bis zu den Toren der Hölle (um es mal dramatisch darzustellen), gehen aber nicht selbst hindurch (erinnerst Du Dich vielleicht an den Endkampf in „Harry Potter und der Stein der Weisen“? – Hermine und Ron begleiten Harry bis fast zum Schluss, den Endkampf muss Harry alleine bestreiten)
  • Supporting Charakters können ebenfalls sterben, bei ihnen blutet uns aber eher das Herz als bei Nebencharakteren.

Zusammenfassung

Ich sage natürlich nicht, dass meine Definition korrekt ist. Vielleicht schlägt jetzt die eine Autorin oder der Autor die Hände über den Kopf zusammen und denkt sich ihre/seinen Teil. Jedoch habe ich begonnen, für mich diese Unterscheidung zu machen.

Das ist auch wichtig, wegen der entsprechenden Arbeitsverteilung. Nebencharaktere benötigen vielleicht nur ein paar Stunden Arbeit, bis Du mit ihnen fertig bist. Supporting Charaktere hingegen können fast so viel Zeit verschlingen, wie eine Hauptfigur. Denn sie haben durchaus eine ähnliche Wichtigkeitsgewichtung.

Beim Entdecken Deiner Nebencharaktere und Supporting Characters wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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