Wie über sie schreiben? – Marginalisierte Gruppen

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn man über marginalisierte Gruppen schreiben möchte, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Die Erste ist, dass man einfach schreibt und auf das Beste hofft. Und die Zweite ist, sehr viel Arbeit.

Kurze Vorgedanken

Du willst also über marginalisierte Gruppen schreiben? Und im Idealfall sie auch richtig darstellen. Keine Klischees benutzen, die zu häufig und immer wieder wiederholt werden. Das ist schön. Und kann zugleich auch sehr, sehr harte Arbeit sein.

Erwarte also nicht, dass Du zwangsläufig damit innerhalb weniger Tage fertig bist. Die Arbeit kann durchaus seine Zeit dauern.

Wie man es nicht machen sollte

Sich hinsetzen, einfach über marginalisierte Gruppen schreiben und auf das Beste hoffen, ist vermutlich der schlechteste Weg. Damit riskierst Du, dass Du Klischees und Vorurteile wiederholst, auch wenn Du das vielleicht gar nicht wolltest.

Dank der Medien haben sich bei bestimmten Gruppen Bilder in unseren Köpfen festgesetzt. Da wir nicht wissen können, ob es sich bei diesen “Fakten” um Wahrheiten handelt oder um Lügen, würden wir diese erst einmal ungefiltert weitergeben. Und schon sitzen wir in der Falle.

Wir wiederholen also Lügen und erreichen eigentlich das Gegenteil, was wir ursprünglich wollten. Ich behaupte mal dreist, wenn Du über marginalisierte Gruppen schreiben möchtest, dann, um sie so zu zeigen, wie sie sind. Und nicht irgendwelche kruden Fakten wiederholen, die sowieso nicht stimmen.

Es kann natürlich sein, dass Du richtige Fakten im Kopf hast. Dann kann das natürlich auch gut gehen. Aber ich befürchte, dass wir allesamt erst einmal davon ausgehen können, dass vieles, was in den Massenmedien verbreitet wird (egal über welche Gruppe, solange sie nicht weiß und herrschend ist), nicht unbedingt korrekt ist.

Daher gebe ich Dir hier ein paar Tipps, wie Du es besser machen kannst.

Recherche, Recherche und noch mehr Recherche

Bevor Du den ersten Satz schreibst, solltest Du einiges recherchieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass über bestimmte Gruppen gute Fachliteratur gibt, ist durchaus gegeben. Und viele von den Büchern kannst Du auch in Bibliotheken ausleihen (wenn es darum geht, dass Du kein Geld hast).

Bücher

Wie schon geschrieben, Bücher können eine sehr gute Quelle für Deine Recherche sein. Natürlich kommt es darauf an, wer das Buch geschrieben hat. Daher fängt hier tatsächlich die Recherche an. Doch zumeist dürfte das kein Problem sein. Denn tatsächlich geben sich viele Leute Mühe und erklären, warum ein Fachbuch gut oder nicht so gut ist. Darauf kannst Du dann bauen.

Mit anderen Worten, besorg Dir das eine oder andere gute Buch und arbeite es durch. Damit hast Du schon einmal einen ersten wichtigen Schritt getan.

Dokumentationen

Es gibt Dokumentationen, welche diese Bezeichnung nicht verdient haben, aber so tun, als wären sie eine. Besonders gefährlich ist es, wenn Du Dir die privaten Sender zu Gemüte führst.

Erst letztens habe ich eine sogenannte Dokumentation gesehen, in der eine Person im Rollstuhl wieder das Gehen erlernen möchte (nach einem Unfall). Du kennst sicherlich die Einblenden, wenn der Name genannt wird und darunter ein mehr oder minder intelligenter Satz steht.

In dem Fall war es, dass die Person sich wieder ins Leben zurückkämpft. Bei mir kam es dann so an, als hätte die Person (und irgendwo alle, die in einem Rolli sitzen) kein Leben. Ähm ja, natürlich. Hätten die geschrieben, die Person kämpft sich ins alte Leben zurück, darüber hätte ich mich nicht aufgeregt. Aber so.

Daher meine Empfehlung, verzichte auf solche Dokumentationen. Die sollen nur für Einschaltquoten sorgen, mehr nicht. Achte lieber darauf, dass die Dokumentation wirklich auf den Hintergrund eingehen, kritisch sind, mit den Leuten auf Augenhöhe sprechen. Zumeist erfüllen die öffentlich-rechtlichen Sender durchaus diese Funktion. Nicht immer meisterhaft, aber um einiges besser.

Damit hast Du einen weiteren Baustein für Deine Geschichte.

Echten Menschen folgen

Eine gute und dezente Möglichkeit ist, dass Du echten Menschen in den sozialen Medien folgst. Dort schreiben viele offen und ehrlich über sich, über ihr Leben und was sie ausmacht. Vor allem aber auch, was sie von anderen unterscheidet und sie doch so menschlich macht.

Das ist die kleine Möglichkeit, um sich mit den Menschen in Verbindung zu setzen. Gerade dann, wenn man sich noch nicht traut, sie direkt anzuschreiben oder gar anzusprechen. Gerade dann, wenn Du zu der schüchternen Sorte Mensch gehörst. Da ist es völlig in Ordnung. Für das Erste.

Auf Dauer empfiehlt es sich dann doch, mit ihnen zu reden. Erklär ihnen, was Du vorhast und ob Du diesen Menschen ein paar Fragen stellen darfst. Nach einer guten Vorbereitung solltest Du natürlich einiges Wissen. Daher entfallen unnötige Fragen, die niemanden weiterbringen (oder am Ende gar peinlich sein könnten).

Wenn sie garstig antworten, dann überprüf erst einmal, wie Du die Person angesprochen hast. Manchmal vergreift man sich versehentlich im Ton. Und im Internet ist es unmöglich, auf die Stimme der anderen Person zu achten (außer Du schickst ein Podcast). Wenn Du aber höflich warst, dann lass es gut sein und bitte eine andere Person um Hilfe.

Aber das Gespräch mit Mitgliedern marginalisierter Gruppen ist immer die beste Entscheidung.

Sensitive Readers

Wenn Du Dein Manuskript fertig hast, wird es Zeit, dass Menschen gegenlesen. Zum Thema Lektorat (mit allen Lesestufen) solltest Du hier noch auf die Fähigkeiten von Sensitive Readers zurückgreifen.

Das sind Leser*innen, die selbst zu marginalisierten Gruppen gehören. Daher können sie Deinen Text auf Herz und Niere prüfen, ob Du sie richtig dargestellt hast. Wenn Du also über eine Person in einem Rollstuhl schreiben möchtest, kannst Du eine reale Person im Rolli fragen, ob Du diesen Job gut gemacht hast.

Und wenn nicht, dann nimm Dir die ganzen Anmerkungen zu Herzen und ändere Deine Geschichte.

Wichtiger Hinweis

Selbst wenn Du ein Dutzend Leute fragst, ob sie Deinen Text durchlesen können und alle dem zustimmen, was Du geschrieben hast, es wird jemanden geben, die oder der sich nicht richtig repräsentiert fühlt. Und das ist richtig so. Natürlich wirst Du niemals alle Geschichten und Lebensentwürfe in Deinem Roman abbilden können. Respektiere das und respektiere die Meinung der Person, die sich nicht richtig dargestellt fühlt. Deine dutzend Leser*innen haben genauso recht, wie die Person, die sich darüber beschwert.

Meine Empfehlung ist daher, dass Du in einem Nachwort schreibst, dass Du nur eine mögliche Darstellung geschrieben hast und jede Geschichte anders ist. Und ich würde auch erwähnen, dass Du mit Sensitive Readers zusammengearbeitet hast (frag ruhig nach, ob Du deren Namen erwähnen darfst, wenn nicht, lass es sein 🙂 ).

Bezahlung

Sensitive Readers lesen Deine Texte in ihrer Freizeit. Und letztendlich soll am Ende ein toller Roman dabei herauskommen. Daher kann es durchaus sein, dass die eine oder der andere dafür eine Gebühr verlangt. Ja, ich meine hartes Geld, Euro und so weiter.

Auch wenn das Veröffentlichen eines Buches schon teuer genug ist, ich kann Dir nur empfehlen, diese Investition auch zu tragen. Damit garantierst Du, dass Deine Geschichte um einiges authentischer wird, als wenn Du auf gut Glück und auf Deine Recherche vertraust. Immerhin lesen hier Menschen Deine Geschichte, über die Du schreibst.

Rede mit ihnen. Ihr werdet sicherlich zueinanderfinden.

Abschlussgedanken

Das sind die ersten Schritte, um eine gute Geschichte zu schreiben. Sobald Du anfängst, werden Dir sicherlich noch weitere Möglichkeiten einfallen, wie Du eine authentischere Geschichte verfassen kannst.

Doch je mehr Du Dich in das Thema reinhängst, desto besser kann sie werden. Dabei wünsche ich Dir viel Energie und noch mehr Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Lesbian Fiction

 

Lesbian Fiction

nachdem wir uns das Thema Gay Fiction angesehen haben, geht es nun zu den Lesben. Leider gibt es hier sehr viele Vorurteile und wenig Geschichten, mit denen man arbeiten könnte.

Kurze Vorgedanken

Vor einigen Jahren hatte ich mal für einen Beitrag für meinen letzten Blog recherchiert, wie viele Verlage Bücher mit schwulen Charakteren veröffentlichen und wie viele mit lesbischen Charakteren. Es war sehr ernüchternd. Während es Verlage gibt, die teilweise ausschließlich Gay Fiction publizieren, kann man die Verlage für Lesbian Fiction immer noch an einer Hand abzählen. Mischverlage, die sich also für beide sexuelle Richtungen engagieren, findet man dagegen noch eher.

Zudem gab es einen Tweet eines Verlages (den habe ich mir leider nicht gespeichert), dass es scheinbar keinen einzigen lesbischen YoungAdult Roman geben soll. Schwule hingegen schon. Das ist eine der Gründe, warum ich gerade an einem arbeite.

Da sich viele Punkte mit dem Gay Fiction Beitrag überschneidet, werde ich hier auf einige eher kurz eingehen. Der Rest unterscheidet sich nicht von den Gay Romanen.

“Lesben gibt es nicht!”

Vielleicht wirst Du es nicht glauben, aber diesen Satz durfte ich tatsächlich vor über zehn Jahren in einem Chat lesen. An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, der damalige Chatter ist/war schwul. Ob das ein Zusammenhang ist, ich weiß es nicht. Doch von einer Frau habe ich solch einen Satz nie gehört.

Bis vor einiger Zeit habe ich mich immer noch über diesen Satz geärgert, obwohl ich mit diesem Chatter schon seit vielen Jahren kein Kontakt mehr habe. Und vermutlich erinnert er sich noch nicht einmal mehr daran, dass er das geschrieben hatte. Wenn ich das jetzt kritisch betrachte, dann hat er nicht ganz unrecht.

Nein, natürlich meine ich nicht, dass es Lesben nicht gibt. Und zugleich gibt es sie nicht, in der öffentlichen Wahrnehmung. Ein kleines Beispiel? Normalerweise sind Übersichten mit lesbisch/schwulen Charakteren aus Comicheften sehr männerlastig. Diese Liste ist mal eine wohltuende Abwechslung. Ansonsten findet man in Listen mit zehn Charakteren (um ein Wert zu nennen) acht Männer und dementsprechend zwei Frauen, wenn überhaupt.

Ansonsten tauchen Lesben eher selten auf.

Wenn sie denn mal auftauchen, dann als bisexuelle Frau. Hier kann ich wieder von einer persönlichen Erfahrung schreiben. Es wieder einige Jahre her, da stellte eine Autorin ihre Charaktere vor. Der Held durfte natürlich schwul sein, keine Frage. Sie hingegen war bisexuell. Einen rein lesbischen Charakter fand man in dieser Geschichte leider vergebens. Mir schien es auch so zu sein, das ist aber eine rein persönliche Ansicht, dass ein lesbischer Charakter nicht erwünscht war, da sie ansonsten kein Sex haben könnte (dazu gleich mehr).

Auch sonst ist es eher wahrscheinlich, dass man auf einen schwulen Charakter trifft, als auf einen lesbischen. So kommt es wohl auch, dass es eben noch keine lesbischen YoungAdults Romane gibt.

Lesben haben keinen Sex

Sicherlich sind wir uns einig, dass Cis-Frauen keinen Penis haben. Wie sollen sie also Sex haben? Zumindest ist es für viele unverständlich, dass sie auch ohne einen Penis einen Orgasmus haben können. Dazu gehört jedoch Fantasie und etwas Recherche. Dann klappt das auch im Bett.

Da den Cis-Lesben nun einmal ein Penis fehlt, können sich viele einfach nicht vorstellen, dass sie tatsächlich Sex haben. Daher gibt es ja Vibratoren, Dildos und Futas (um einige Möglichkeiten aufzuführen). Doch für einen Quickie auf der Toilette oder an der Raststätte sind die nicht wirklich bequem. Aber anstatt sich etwas anderes einfallen zu lassen, wird ihre sexuelle Erfahrung schlichtweg negiert, leider.

Erst einmal, es ist natürlich nicht zwangsläufig notwendig, dass Lesben Sex haben müssen. Zugleich fände ich es persönlich schön, einfach aufgrund der Tatsache, dass das bisher eher negiert wird. Denn Lesben haben Sex und der kann toll sein. Lasst uns darüber gerne schreiben.

Wenn Du Dich also entscheidest, über Lesben und über lesbische Erotik zu schreiben, es gibt tolle Bücher dazu, welche Dir dabei helfen. Und ein Gespräch mit einer Lesbe kann Dir sicherlich auch dabei helfen.

Einmal drüber und gut – Sex mit Männern

Meistens kommt der Spruch von Männern, dass eine Lesbe nur mal ordentlich rangenommen werden muss, dann ist sie geheilt. Um es kurz zu machen, das ist natürlich kompletter Blödsinn. Wenn eine Frau lesbisch ist, ist sie lesbisch. Das trifft auf einen schwulen Mann genauso zu. Frauen fühlen sich eben zu Frauen hingezogen und damit hat es sich. Sie müssen nicht erst einmal testen, ob sie denn nicht vielleicht doch auf Männer stehen.

Die Heterosexualität ist die gesellschaftliche Norm. Das bedeutet, dass jede Abweichung sich outen und erklären muss. Und zwar bis ins letzte Detail. Heterosexuelle müssen sich hingegen nicht erklären, warum sie auf das andere Geschlecht stehen. Dabei könnte man sie fragen, ob sie denn sicher sind, heterosexuell zu sein. Immerhin waren sie nicht mit jemanden des eigenen Geschlechts im Bett. Woher wollen sie also wissen, ob sie tatsächlich Heteros sind?

Lesben müssen also nicht mit Männern schlafen, um zu beweisen, dass sie tatsächlich lesbisch sind. Und auch wenn sie es tun, dann sind sie danach nicht geheilt, also Heten.

Vor allem, sie müssen überhaupt nicht mit Männern schlafen. Es gibt durchaus den einen oder anderen Film, da hat der lesbische Charakter Sex mit einem Mann. Und das teilweise aus nicht nachvollziehbaren Gründen. Natürlich dürfen Lesben mit Männern Sex haben. Da spricht nichts dagegen. Und sie müssen deswegen noch nicht einmal bisexuell sein. Aber wenn Du sie mit einem Mann ins Bett schickst, lass es wenigstens einen guten Grund haben. Bitte!

Und wenn der Grund einfach nur der ist, dass sie gerade mal Sex braucht, ist das völlig in Ordnung. Das ist ein guter Grund. Aber einfach nur so die Lesbe mit einem Mann ins Bett schicken, damit die Geschichte noch einmal Hetensex hat, das finde ich nicht überzeugend. Daher noch einmal meine Bitte, schreib das nicht. Sehr wahrscheinlich ist es, dass Du damit Deine Leser*innen vergraulst. Danke schon einmal dafür.

Worüber könnte man schreiben?

Zum Thema Charakter und Geschichte und diese Dinge, werde ich mich an dieser Stelle nicht äußern. Dazu habe ich im letzten Beitrag schon was geschrieben. Und vor allem, auch wenn wir über lesbische Charaktere reden, unterscheiden sie sich nicht von anderen Figuren. Nur ihre Sexualität. Sie können trotzdem wild, stolz, frei, nervig, ängstlich, nervös und alles dazwischen sein, wie die anderen Figuren. Also menschlich.

Ein Erfahrungsbericht

Immer wieder hört oder liest man, dass es zu bestimmten Geschichtstypen noch gar keine Lesbian Fiction gibt. Als ich begann mich für das Thema BDSM zu interessieren, wollte ich einen lesbischen Roman lesen. Damals hieß es, dass es nur einen Roman gäbe. Es handelte sich damals um “Sarahs Lust” von Regina Hoffmann. Zwischenzeitlich sieht es anders aus.

Aber es gab Zeiten, da sah es auf dem deutschen Markt zumindest eher mau aus. Und wenn man genauer hinsieht, dann hat es sich eher unwesentlich verbessert. Daher dürfest Du in unzähligen Bereichen auf kaum bis gar keine Konkurrenz stoßen. Zumindest, wenn Du auf deutsch schreibst. Der englischsprachige Markt ist da ein wenig besser aufgestellt. Aber selbst da kannst Du Dich immer noch in Deinem Wunschbereich niederlassen, ohne auf wirklich viel Konkurrenz zu treffen.

Die Gründe für diese riesigen Lücken

Vor einigen Jahren war ich auf der LoveLetter Convention bei einem Panel zum Thema Gay Fiction. Da kam heraus, dass sogar lesbische Autorinnen eher Gay Fiction schreiben. Eine der möglichen Gründe dürfte in dem Vorurteil sein, dass es schwer sei über Frauen zu schreiben. Und dann gleich noch zwei, geht ja gar nicht. Tatsächlich hatte eine Autorin gesagt, dass es für sie leichter sei über Männer zu schreiben.

Zudem sehen immer noch sehr viele lesbische Erotik als Antörner für Männerfantasien, weniger als eine selbstbestimmte Sexualität. Wenn Du mit einer Suchmaschine nach “lesbischer Erotik” oder “lesbian erotic” suchst (was ich Dir NICHT empfehlen kann), bekommst Du auch entsprechende Angebote geliefert. Bei Gay Erotic sieht das anders aus (gerade ausprobiert).

Es ist also aktuell noch gut, dass Du noch nicht viel Konkurrenz hast, da Du Dich dann komplett neu positionieren kannst. Der Nachteil ist aber, dass Du schlimmstenfalls gegen gewisse Vorurteile angehen musst. Aber viele Leser*innen wünschen sich lesbische Charaktere in den Geschichten.

Mögliche Themen

Eben über alles, was Dich interessiert. Es geht auch hier in erster Linie um die Geschichte. Wenn Du also Fantasy schreiben möchtest, dann schreibe Fantasy. Das gilt auch für Science-Fiction, Krimi oder Horror. Es geht um den Charakter, nicht um die Geschichte. Lesbian Fiction ist selbst kein eigenes Genre. Es handelt sich hierbei um eine Zugabe für eine mehr diverse Geschichte.

Du kannst auch gerne recherchieren, wo es noch wenige oder gar keine lesbischen Charaktere gibt und genau dafür einen Roman schreiben. Oder Du vertraust auf Deine Geschichte und machst aus Deiner Heldin eine Lesbe. Sie muss in Deinem Roman keine sexuellen Kontakte haben. Es reicht schon aus, wenn sie für eine andere Frau schwärmt oder eine Beziehung mit einer Frau in der Vergangenheit hatte.

Abschlussgedanken

Eigentlich ist es nicht schwer, einen Roman mit lesbischen Charakteren zu schreiben. Man tut es einfach und lässt ein paar unnötige Klischees weg, die ich oben beschrieben habe. Sicherlich gibt es noch andere Klischees. Aber noch ist die Literatur in Deutschland sehr übersichtlich. Daher kannst Du Dich hier gerne austoben.

Und auch wenn viele nicht gerne über lesbische Charaktere schreiben wollen, viele Menschen wollen aber darüber lesen. Vielleicht motiviert Dich das doch, zumindest darüber nachzudenken, ob Du nicht eine Geschichte mit Lesben schreiben möchtest.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

P.S. Die Links enthalten keine Affiliate-Links.

 

Gay Fiction

Gay Fiction

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn die meisten von uns an homosexuelle Charaktere in Geschichten denken, dürfte es sehr wahrscheinlich sein, dass man sich darunter einen schwulen Mann vorstellt. Das dürfte unter anderem wohl daran liegen, dass Gay Fiction am weitesten verbreitet ist. Das ist auch der Grund, warum ich die Reihe mit ihnen beginne.

In dem heutigen Beitrag möchte ich darauf eingehen, was ich unter Gay Fiction verstehe, wie man das schreiben kann und vor allem, was man beachten sollte, um keine Klischees zu schreiben.

Kurze Vorgedanken

Gay Fiction oder auch Yaoi Geschichten waren lange Zeit in Japan durchaus sehr populär, bis diese dann nach Amerika (insbesondere die U.S.A.) rüberschwappten und nun auch in Deutschland angekommen sind. Wenn man von Gay Fiction schreibt, meinen viele häufig Gay Romance, also eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern.

Dabei ist das tatsächlich noch nicht einmal notwendig. Denn nicht jede Geschichte mit einem schwulen Charakter, muss automatisch ein Liebesroman sein. Aber das schauen wir uns nun etwas genauer an.

Kurze Vorbemerkung: Es mag sein, dass viele, gerade im englischsprachigen Raum, unter der Bezeichnung auch Lesben verstanden werden. Aber ich mache hier ganz klar eine Trennung. Einerseits, um sowohl den Männern, als auch den Frauen den ihnen gebührenden Platz zu widmen. Andererseits, weil ich häufig mitbekomme, dass viele unter Gay abwechselnd was anderes verstehen. Die einen meinen damit tatsächlich nur die Männer und nach belieben meinen sie auch mal Männer und Frauen. Bei mir werden Lesben eben nicht mitgemeint, sie werden direkt angesprochen.

Aus diesem Grund trenne ich beides voneinander. Und da ich mich hier nur auf die Männer beziehe, verwende ich, sicherlich nachvollziehbar, auch nur männliche Pronomen. Außer ich meine ganz klar Frauen.

Was verstehe ich unter Gay?

Unter der Bezeichnung Gay verstehe ich selbst, dass mindestens ein Charakter in der Geschichte, und zwar der Held persönlich oder ein anderer sehr wichtiger Charakter, sich als schwul definiert. Dabei reicht es tatsächlich für mich aus, dass der Held bzw. der Charakter für sich definiert, dass er eben schwul ist. Dies muss er nicht öffentlich machen (das berühmte Coming-out) oder andauernd mit anderen Männern schlafen. Seine Gedanken in entsprechender Richtung reicht aus.

Vor Jahren habe ich einen Ratgeber gelesen (es ging um die lesbische Sexualität), dass die persönliche Definition wichtiger ist, als die gesellschaftliche. Das bedeutet, dass Dein Charakter durchaus auch mit Frauen (oder mit wem auch immer) ins Bett gehen kann. Wie er sich definiert ist das Wichtigste dabei.

Und was unter Gay Fiction?

Jede Geschichte mit einem schwulen Charakter. Damit hat es sich für mich erst einmal erledigt.

Natürlich gibt es gewisse Unterscheidungen. In einigen Geschichten dreht es sich eben nur um den schwulen Charakter. In anderen Geschichten spielt seine Sexualität überhaupt keine Rolle. Aber jede Geschichte mit einem wichtigen schwulen Charakter, gehört in meinen Augen zu diesem Bereich. Gerne als Untergenre. Aber es gehört für mich dazu.

Für einige mag es vielleicht keinen Sinn machen, über einen schwulen Charakter zu schreiben, wenn dieser keine Beziehung eingeht. Aber seien wir mal ganz ehrlich. Nur weil jemand schwul ist (oder lesbisch oder bisexuell), bedeutet das noch lange nicht, dass er automatisch eine Beziehung eingehen muss. Oder am laufenden Band Sex haben.

Wenn Du über einen schwulen Charakter schreiben möchtest, ist er genau das, schwul. Das war es schon. Er kann Single sein, One-Night-Stands haben (mal mehr oder mal weniger), in einer Beziehung sein oder diese ist gerade in die Brüche gegangen. Daher ist die Frage, ob er eine Beziehung hat, erst einmal nicht wichtig.

Natürlich kannst Du schreiben, dass er in einer Beziehung steckt oder zumindest auf der Suche ist. Aber das ist nicht unbedingt notwendig.

Wie schreibe ich Gay Fiction?

Es geht im Folgenden nicht darum, wie Du eine Geschichte schreibst. Mir ist es wichtig darauf hinzuweisen, was eine Geschichte mit heterosexuellen Charakteren von einer Geschichte mit schwulen Charakteren unterscheidet. Ansonsten herrschen hier die gleichen Regeln, die Du bei einem Roman anwenden würdest. Also Aufbau, Spannung, Dialog und diese Dinge.

Der Charakter

Wenn Du eine Geschichte mit einem schwulen Charakter schreiben möchtest, brauchst Du natürlich auch diesen. Mindestens ein männlicher Charakter muss auf andere Männer stehen. Ansonsten können wir die Geschichte in einem anderen Genre einordnen.

Egal wie Du anfängst (also erst mit dem Plot oder mit den Charakteren), hier ist es tatsächlich wichtig, dass er schwul ist und sich als solcher irgendwie definiert. Dabei ist es egal, ob er sich seiner eigenen Homosexualität tatsächlich bewusst ist. Aber er sollte zumindest auf Männer stehen und sie sexuell attraktiv finden. Natürlich wäre noch ein zweiter schwuler Charakter wichtig, wenn Du über eine Beziehung schreiben möchtest. Doch Vorsicht, hier können einige Klischees warten.

Tatsächlich scheinen einige Autor*innen die Paare so anzulegen, als wäre einer der Mann und der andere die Frau in der Beziehung. Mit anderen Worten, bei manchen Geschichten hat man das Gefühl, dass ein heterosexuelles Paar beschrieben wird, bei dem beide zufällig schwul sind. Das Problem hierbei ist, dass selbst bei heterosexuelle Paare die Rollen nicht immer klar definiert sind.

Traditionell ist es ja so, dass der Mann das Geld verdient und die Frau zu Hause bei den Kindern bleibt. Das ist aber schon lange nicht mehr so. Frauen arbeiten außerhalb des Hauses und gelegentlich verdienen sie sogar mehr als die Männer. Kann man da noch von traditioneller Rollenverteilung sprechen? Bei einigen Beziehungen sicherlich. Aber schon lange nicht mehr alle sind so aufgebaut.

Daher wäre es schön, wenn Du kein Klischeepaar schreibst. Denn jeder Mensch ist anders. Warum sollte es bei schwulen Menschen auf einmal anders sein?

Wenn Du Dir nicht sicher bist, frag mal in den sozialen Medien, ob sich jemand Deine Charakterisierung anschauen möchte. Sicherlich kann Dir wer helfen, ob Du realistische Charaktere geschaffen hast oder Klischees bedienst. Oder noch besser, trau Dich und frag direkt nach, ob sich Schwule Deine Geschichte anschauen mögen. Klar, das kostet eine Menge Überwindung. Aber sie können Dir genau sagen, was ihnen gefällt und wie sie dargestellt werden möchte.

Das ist besonders dann wichtig, wenn Du auf Realismus setzen möchtest.

Die Geschichte

Theoretisch unterscheidet sich eine Geschichte mit schwulen Charakteren nicht von der, mit heterosexuellen Charakteren. Die einzige Ausnahme dürfte sicherlich die Coming-out Geschichten sein. Heterosexuelle müssen sich in unserer Gesellschaft nicht outen, weil man von den Menschen erwartet, dass sie erst einmal auf das andere Geschlecht stehen.

Sobald man von dieser Norm abweicht, verlangen viele irgendwo eine Klarstellung. Bist Du nun schwul oder nicht? Und wenn ja, dann bricht meistens die Hölle aus (warum auch immer).

Und theoretisch müssen sich Schwule immer wieder outen. Zuerst gegenüber den Eltern und der Familie. Dann gegenüber allen Freund*innen. Und immer und immer wieder gegenüber Menschen, die sie neu kennenlernen.

Die Umwelt

Wie reagieren die anderen Menschen (oder über welche Wesen Du auch immer schreiben möchtest), auf die Homosexualität Deines Charakters? Das kann auch noch ein sehr wichtiger Punkt bei Deiner Geschichte sein.

Vielen könnte es sehr wahrscheinlich egal sein, ob Dein Held schwul ist oder nicht. Andere hingegen könnten zumindest neugierig sein. Woher weiß er, dass er schwul ist, wann hat er es für sich herausgefunden? Und so weiter. Theoretisch könnte die Umwelt daraufhin sehr viele Fragen stellen. Ob das höflich ist oder nicht, dass hingegen ist eine andere Sache.

Natürlich gibt es auch, welche Deinem Charakter dann das Leben zur Hölle machen. Warum? Das ist Dein Job dies für Deine Charaktere herauszufinden. Warum das in der Realität so ist? Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht, ob ich das wirklich wissen will. In Deiner Geschichte kannst Du solche Typen gerne verwenden. Sie dürften sehr wahrscheinlich in der Lage sein, Deinem Helden das Leben sehr schwer zu machen. Und eventuell könnte das auch Plottwists bedeuten, damit die Geschichte die eine oder andere Wendung bekommt.

Genres

Theoretisch kannst Du Deinen schwulen Charakter in jedem Genre unterbringen. Es mag sein, dass der Liebesroman aktuell sehr beliebt ist. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass es hier enden muss. Natürlich kannst Du Deinen Charakter in fantastische Welten schicken, zu den Sternen oder einen sehr blutigen Mord aufklären lassen. Es gibt nichts, was Dein Charakter nicht kann oder darf.

Du allein entscheidest die Grenzen für Deinem Charakter. Mein Tipp ist, lass Deine Fantasie ruhig freien Lauf. Dann wirst Du schon sehen, zu was er alles in der Lage ist. Daher möchte ich schon gar nicht weiter darauf eingehen. Denn jedes Genre, dass Du gerne liest oder in dem Du gerne schreibst, darf gerne auch ein schwuler Charakter rein. Warum auch nicht?

Erotik und Sex

Erotik und Sex machen Spaß. Wenn Dein Charakter nicht asexuell ist, dürfte das auch für ihn gelten. Aber bei Schwule scheint es prinzipiell zu sein, dass sie kein Problem mit Analsex haben oder mit Oralsex. Dabei sieht die Realität durchaus anders aus.

Vor Jahren bin ich über einen Ratgeber gestolpert, der erklärte, wie man den schwulen Partner dazu bringt, Analsex zu mögen. Mit anderen Worten, nicht alle mögen es. Das kann auch für Deinen Charakter gelten. Wenn Du eine Frau bist und eine Beziehung zu einem Mann hast, frag ihn doch mal, ob er auf Analsex stehen würde. Ihr müsst das ja nicht in der Praxis ausüben, aber wahrscheinlich würde ihm das nicht unbedingt gefallen.

Und nur, weil Dein Charakter schwul ist, heißt das noch lange nicht, dass er wirklich alles mitmacht, nur weil es irgendwelche Konventionen das verlangen. Er ist ein Charakter mit individuellen Eigenschaften. Das kannst Du dann gerne berücksichtigen.

Sollten Frauen über Schwule schreiben?

Das ist die ewige Frage, die man wohl nicht völlig beantworten kann. Dürfen Männer über Frauen schreiben, Frauen über Männer oder eben Frauen über schwule Männer. Es gab letztes Jahr eine große Diskussion zu diesem Thema. Eben, ob Frauen über schwule Männer schreiben dürfen oder diese als Sexobjekte degradieren.

In meinen Augen ist es durchaus legitim, dass Frauen über Schwule schreiben, solange dies mit Respekt geschieht. Versuche Klischees zu vermeiden wie, alle Schwule stehen andauernd auf Sex, alle wollen gleich Analsex, ein Mann ist die Frau und der andere der Mann und so weiter. Dann kannst Du tatsächlich etwas komplett Neues erschaffen.

Wenn ich etwas aus meinem eigenen Schreiben gelernt habe, ist, sei kritisch. Sei einfach gegenüber allem, was bisher geschrieben wurde kritisch. Und auch gegenüber dem, was Du selbst geschrieben hast. Dann wirst Du auch etwas besonderes schaffen. Da bin ich mir sicher.

Abschlussgedanken

Vermutlich kanntest Du einige dieser Informationen bereits. Vielleicht haben Dich einige andere hingegen zum Nachdenken gebracht. Wichtig ist, dass Du jedes Thema, das nicht Dich selbst repräsentiert, mit einer gehörigen Portion Respekt angehst. Dann kannst Du diese Sache komplett anders angehen. Und damit auch etwas besonderes schaffen. Halt die Augen offen und schau genau hin. Du wirst es nicht bereuen.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

 

Wenn die Charaktere zu Völkerstereotypen werden

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vor einigen Jahren lief eine Reportage über Filme, welche die Ureinwohner Amerikas zeigten (allgemein auch als Indianer bezeichnet). Dabei blieb mir eine Szene aus einem Film im Kopf hängen, leider nur nicht der Titel des Films.

Es ging dabei um einen Ureinwohner, der ein Soldat war und sich betrank. Dann lief er durch die Straßen, eben betrunken und benahm sich nicht stolz und wild, wie das Klischee eigentlich von ihm erwartet hätte. In dem Interview mit dem Schauspieler meinte er dazu, dass er sogar dankbar war, dass er sich so in dem Film benehmen durften.

Kurze Vorgedanken

Russen trinken. Italiener sind Machos. Amerikaner sind dumm. Engländer sind höflich. Japanerinnen quieken beim Sex.

Jedes Volk wird mit irgendwelchen Klischees und Stereotypen in Verbindung gebracht. Denken wir an ein Volk, an eine Gruppe von Menschen, sei sie religiös oder politisch, fallen uns sofort unendlich viele Stereotypen zu denen ein. Einige von denen mögen wahr sein, andere hingegen nicht.

Manche Stereotypen sind sehr offensichtlich (die des edlen Wilden zum Beispiel), andere hingegen kommen eher unterschwellig. So zum Beispiel, dass alle Asiat*innen in irgendeiner Kampfkunst bewandert sind. Dabei stellt sich schon die Frage, was man eigentlich unter Asien versteht. Immerhin gehört Russland oder auch Indien ebenfalls zu Asien.

Der Inhalt

Wie oben schon angefangen zu schreiben, kann es schnell passieren, dass man in Stereotypen verfällt, beschreibt man irgendein Volk auf der Erde zu dem man selbst nicht gehört. Diese Bilder haben sich in unsere Köpfe regelrecht festgefressen, dass es vielen schwerfällt, aus diesen auszubrechen und etwas anderes zu schreiben.

Glaubst Du nicht?

Dann mach doch mal mit mir folgendes Experiment. Schnapp Dir einen Zettel und schreib die Punkte auf, an die Du denkst, wenn Du das Wort „Indianer“ liest.

Wenn Du jetzt sehr selbstkritisch warst, dann könnten dort Worte stehen, die abseits der Klischees sind. Aber wenn Du das kleine Experiment ohne Selbstkritik durchgeführt hast, könnten auf Deinem Zettel unter anderem folgende Worte stehen:

  • Federschmuck
  • edler Wilde,
  • wilder Barbar (der nur hinter dem Skalp der Weißen her ist)
  • Verträgt kein Feuerwasser
  • ist friedlich
  • kennt kein Besitz
  • lebt im Einklang mit der Natur

Und so weiter. Das bedeutet nicht automatisch, dass Du rassistisch bist. Es bedeutet nur, dass diese Stereotypen immer noch aktuell sind und es uns häufig schwerfällt über diese hinwegzukommen. Denn man gibt uns im Fernsehen oder auch teilweise in Romanen kein anderes Bild von den Ureinwohnern.

Und wenn doch, fällt es uns schwer, mit diesem Bild klarzukommen, weil die Stereotypen so stark sind, dass wir eher neigen, zu diesen zurückzukehren.

Ich erwähne deswegen die Indianer, weil sich hier – meiner Meinung nach – die härtesten Stereotypen halten. Und sie sind häufig auch sehr offensichtlich. Spätestens dann, wenn ein Ureinwohner mit einem Traumfänger arbeitet, können wir schon ahnen, dass hier ein Stereotyp zum Tragen kommt. Denn dieser stammt ursprünglich von Ojibwe-Kultur und wurde erst in den 1960er und 1970er von anderen Stämmen übernommen. Jedoch wird immer gerne getan, als hätten alle Stämme etwas mit diesem Gegenstand zu tun, was nun einmal nicht stimmt.

Aber auch andere Kulturen haben ihre Stereotypen. Und diese sind nicht immer so schön offensichtlich wie die oben Aufgeführten. Wenn wir es mit Asiat*innen zu tun haben, können wir nur darauf warten, dass sie in einer Serie oder in einem Film anfangen ihre asiatischen Kampfkünste zu zeigen. Wie oben schon erwähnt, ist allein die Bezeichnung Asiat*in schon problematisch. Denn immerhin ist Asien ein recht großer Kontinent. Zu diesem gehört eben nun einmal nicht nur China oder Japan. Sondern auch Russland oder Iran. Allein die Bezeichnung Asiat*in impliziert aber bei vielen das Bild von Chines*innen oder Japaner*innen.

Es mag sein und ist wohl auch teilweise so, dass viele Ostasiat*innen wissen, wie man sich verteidigt. Darüber will ich nicht diskutieren. Aber scheinbar beherrschen alle eine geheime Kampfkunst, die sie den Gegner*innen überlegen machen.

Sind sie aber auf der falschen Seite, dann ist der Held oder die Heldin durchaus in der Lage, unsere*n Asiat*in zu besiegen. Besonders dann, wenn sie oder er eine weiße Hautfarbe hat.

Das Problem

Das große Problem dürfte wohl schon klar sein. Wenn wir andauernd die gleichen Stereotypen vorgesetzt bekommen, dann verfestigt sich dieses Bild und wir sind nicht mehr in der Lage darüber hinaus zu denken.

Immer wenn wir jemanden sehen, deren oder dessen kultureller Hintergrund eine wichtige Rolle spielt, rattert unser Gehirn die Stereotypen und Klischees ab. Wenn diese Vorurteile erfüllt werden, dann fühlen wir uns gut. Denn unser System A (Schnelles Denken, Langsames Denken von Daniel Kahnemann) muss nicht überwunden werden, damit System B anfangen muss zu arbeiten.

Das bedeutet also, wenn ein Klischee erfüllt wird, muss unser Gehirn nicht nachdenken. Er sieht sich bestätigt, dass die Vorurteile, die wir gegenüber einer Gruppe von Menschen haben wahr sind. Doch sobald ein Klischee nicht bestätigt wird, will System A (auch das faule Gehirn genannt) unbedingt, dass seine Vorurteile doch bestätigt werden, komme was da wolle. Daher reden wir uns häufig aus, dass es eben mal eine Ausnahme war. System B (das fleißige Gehirn nach Kahnemann also) kommt erst dann zum Einsatz, wenn wir es dazu zwingen. Wir müssen also die Situation hinterfragen und überlegen, warum ein Mitglied einer Gruppe nicht das Klischee erfüllt. Dann müssen wir weitergehen. Handelt es sich bei einer Eigenschaft um ein Klischee und trifft dies auf alle Mitglieder dieser Gruppe zu? Das ist schwer umzusetzen. Aber am Ende lohnt es sich definitiv.

Und dadurch verfestigen sich die Bilder, die von diesen Gruppen von Menschen haben. Danke liebes System A.

Jetzt wirst Du vielleicht sagen, die aufgeführten Beispiele sind ja nicht so schlimm, wo ist das Problem? Das Problem ist ganz klar, dass es auch negative Stereotypen gibt, die sich dadurch verfestigen. Du kannst das oben angeführte Experiment mal mit einer*m Afroamerikaner*in durchführen. Was für Wörter landen auf Deinem Blatt? Ich befürchte, diese sind nicht immer ganz nett, oder?

In einer Musikdoku wurde erklärt, dass die Gangmentalität, die wir von vielen männlichen Afroamerikaner*innen kennen, zuerst aus dem Fernseher stammen. Die Realität sah dagegen zu dieser Zeit eher harmlos aus. In Serien oder Filmen wurde diese sogenannte Realität drastisch dargestellt. Und dann übernahm die tatsächliche Realität der Gegenwart die fiktive Realität aus dem Fernseher. Und wurde schlimmer, als man es damals sich vorstellen konnte.

Diese Bilder bleiben in unserem Kopf, weil wir nicht immer selbstkritisch genug sind, um das alles zu hinterfragen. Ich gestehe, bei mir ist das auch so. Wenn ich mir eine Serie oder einen Film ansehe, dann lasse ich mich berieseln. Und dann hinterfrage ich nicht immer alles, was ich sehe. Daher haben diese Bilder einen ungemein starken Einfluss auf uns. Ein weiteres Problem ist auch, dass wir nicht immer das nötige Hintergrundwissen haben. Wenn ich eine Serie oder ein Film sehe, dann erfahre ich erst im Nachhinein, dass eine Darstellung nicht immer geschickt gewählt wurde. Das muss ich aber erst herausfinden und über weitere Quellen recherchieren. Einige machen es, andere hingegen nicht.

Zudem ist es auch ein Zeichen einer gewissen Faulheit. Denn wir sehen einfach nur Stereotypen und keine richtigen Charaktere. Denn Stereotypen sind nur Ansammlungen von Punkten und zeugen nicht davon, dass sich der Autor oder die Autorin wirklich mit diesem Charakter auseinandergesetzt hat. Wenn wir also mit einem Stereotyp zu tun haben, dann ist es natürlich eine sichere Sache. Wir müssen nicht nachdenken und wissen, wie sie oder er reagieren wird. Aber seien wir mal ehrlich, genau das ist doch auch zugleich langweilig.

Hier wird schlichtweg der einfache Weg gegangen und der heißt, packen wir ein paar Stereotypen zusammen und das war es auch schon. Es mag leichter sein, mit Stereotypen zu arbeiten. Aber es ist nicht befriedigend. Zumindest nicht für Deine Leser*innen.

Warum wird das geschrieben?

Wie schon geschrieben, es handelt sich hierbei um den einfachen Weg, um Charaktere zu erschaffen. Anstatt sich zu überlegen, wie der Charakter sein könnte und wie der kulturelle Hintergrund ihn oder sie noch runder macht, wird hier ein wenig gezimmert und das war es auch schon. Wenn überhaupt.

Damit werden gerade Minderheiten in eine Ecke gestellt, aus der sie nicht herauskommen. Die weißen Charaktere dürfen alles sein, was auch immer sie sein wollen. Dagegen haben die Minderheiten eine bestimmte Rolle zu spielen. Und die ist ihnen gegenüber sowohl als Minderheit als auch als Charakter / Mensch nicht fair.

Denn gerade Minderheiten werden anhand dieser Stereotypen immer gemessen. Wenn sie diese erfüllen, dann heißt es, na typisch, der oder die ist halt so, weil eben der kulturelle Hintergrund so und so ist. Wenn aber mal außerhalb der Box geschrieben wird, dann sind wir erst einmal irritiert. Dann heißt es, dass die Geschichte sogar unrealistisch wäre. Weil eben unser System A nicht befriedigt wurde.

In manchen mag sich auch ein gewisser Widerstand regen, weil wir es nicht gewohnt sind, dass die Charaktere der Minderheiten anders reagieren, als wir es letztendlich wollen. Das ist völlig in Ordnung. Aber dann sollten wir offen sein für die neue Erfahrung, die uns dieses Erlebnis schenkt.

Denn so lernen wir etwas über die Menschen und auch über uns. Denn dort, wo wir irritiert sind, haben wir es aller Wahrscheinlichkeit mit einem Stereotyp zu tun. Und da heißt es, genauer hinsehen. Hier versteckt sich Potenzial.

Wie Du es anders schreiben könntest

Wenn Du über Minderheiten schreiben möchtest und nicht weißt, welche Stereotypen zu dieser Gruppe gehören, bedeutet das eins: Recherche, Recherche und noch mehr Recherche. Es ist völlig in Ordnung, wenn Du nicht weißt, welche Elemente aus Deinem Charakter ein Stereotyp macht. Aber es gibt das Internet und Du kannst es jederzeit benutzen, um das alles herauszufinden. Und natürlich gibt es auch die Möglichkeit, dass Du mit Menschen aus den verschiedenen Ländern und Gruppen sprichst. Dank des Internets ist es möglich. Du kannst Kontakte aufbauen und Fragen, ob eine Idee ein Klischee sein könnte oder nicht. Und solange Du höflich und respektvoll bist, wirst Du sehr wahrscheinlich auch eine entsprechende Antwort bekommen.

Vor einiger Zeit hab ich mal auf einer englischsprachigen Seite gelesen, dass Menschen mit afrikanischen Wurzeln angeblich nicht schwimmen können. Da hatte aber wer eine Geschichte darüber geschrieben, ohne das zu wissen. Dann hatte man ihn darauf aufmerksam gemacht und er war überrascht. Also hatte er recherchiert und überlegt, wie er das besser machen könnte.

Daher recherchiere vorher, was es für Elemente gibt, die Du eventuell umschiffen könntest, und notiere Dir alles. Und rede mit anderen Menschen, die vielleicht mehr Ahnung haben könnten als Du. Das ist nicht peinlich oder zeigt von Schwäche. Es gibt immer jemanden, die oder der von etwas mehr Wissen hat. Dafür könntest Du der Person auf einer anderen Ebene helfen.

Weiter gilt immer und immer wieder, schreib Charaktere, keine Klischees, keine Stereotypen. Schau Dir den Hintergrund Deines Charakters an und frag Dich, was könnte dies für Deine Figur bedeuten? Häufig ist die Geschichte so voller Potenzial, dass man daraus schon fast ein Regenbogen von einem Charakter machen könnte (in Bezug auf die Vielfalt). Doch wenn man sich dann nur auf dem Stereotyp konzentriert, macht man das schlichtweg alles kaputt.

Natürlich haben kulturelle Wurzeln durchaus einen gewissen Einfluss. Aber jeder Mensch kann sich entscheiden, wie sie oder er das eigene Leben führen möchte. Und da kommst Du als Autor*in ins Spiel. Lass Deinem Charakter diese Entscheidung und erschaffe ein Individuum, fernab des Stereotyps.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Du immer schön das Gegenteil von dem schreibst, was das Stereotyp verlangt. Ostasiat*innen sind gut in asiatischen Kampfkünsten (wie Kung-Fu oder Judo oder was auch immer)? Dann streich das und lass sie eine andere Kampfsportart machen. Wie wäre es mit Kickboxen oder ein exzellenter Umgang mit Schusswaffen? Oder noch banaler, lass sie oder ihn doch einfach mal weglaufen, weil sie oder er gar nichts beherrscht. Das wäre definitiv auch mal etwas anderes.

Mit Boxen oder Schusswaffen könnte Dein ostasiatischer Charakter immer noch gefährlich und tödlich sein, aber sie oder er verlässt die Sphären des Stereotyps. Und es wäre definitiv mal was ganz anderes. Und wenn sie*r keine Kampfkunst beherrscht, könnte an der Stelle etwas anderes treten. Wissen oder eine gewisse Hinterhältigkeit. Eben etwas, was Deine Geschichte braucht und Deine Charaktere einmalig werden lässt.

Abschlussgedanken

Wenn man ein wenig aufpasst, ist man leicht in der Lage, Stereotypen, die sich so gut wie immer auf die Minderheiten in einer Geschichte beziehen, zu umgehen. Natürlich, klar, es ist einfacher, wenn man mit Klischees und Stereotypen arbeitet. Sie sind bekannt und auch vertraut. Und unendlich langweilig. Deine Charaktere ähneln den Kleidern oder Anzügen in einem Klamottenladen. Sie sehen alle gleich aus. Der einzige Unterschied ist lediglich die Größe.

Daher versuch einfach mal, dem Stereotyp zu durchbrechen und schau, was es Dir am Ende bringt. Es werden sicherlich einige Leser*innen erst einmal irritiert sein. Aber wenn am Ende ein interessanter Charakter herauskommt, dann werden sie Dir das sicherlich verzeihen. Und ich bin mir sicher, dass sich das auf Dauer lohnt.

Dabei wünsche ich Dir Erfolg und noch mehr Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele