Welche Gruppen gibt es? – Eine kleine Übersicht

Hei, hallo und herzlich willkommen,

die Überschrift sagt es aus. Mit diesem Beitrag möchte ich eine kleine Übersicht über marginalisierte Gruppen geben. Da ich auch nur ein Mensch bin und daher auch etwas übersehen kann, erhebe ich hiermit keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zumal es sicherlich viele Gruppen gibt, die nicht so an die Öffentlichkeit gedrungen sind, weil sie sich vielleicht noch gar nicht trauen.

Aber ich denke, dass die folgende Liste Dir schon einmal für Deine Recherche durchaus helfen kann.

Einige Vorgedanken

Wenn einige an marginalisierte Gruppen denken, fallen ihnen aller Wahrscheinlichkeit an eine andere Hautfarbe. Eventuell noch an eine andere Sexualität. Und da könnte man schon sagen, dass das viel ist. Immerhin ist das mehr, als wenn wir über den weißen Cis-Het-Dude schreiben.

Lass Dich daher von dieser Liste inspirieren und sprich mit Menschen, um herauszufinden, wie sie noch gerne dargestellt werden möchten. Aus eigener Erfahrung kann ich Dir garantieren, es lohnt sich.

Die Hautfarben

Sehr wahrscheinlich dürfte eine andere Hautfarbe ganz oben auf der Liste stehen, wie man marginalisierte Gruppen darstellen könnte. Denn häufig ist es gerade in Filmen oder Serien noch so, dass meistens eine Quote erfüllt wird. Und die besteht daraus, dass aller höchstens ein PoC im Team zu finden ist.

Finden wir zwei, bezeichne ich das sogar schon als revolutionär. Ein Freund von mir hat mir von einer relativ aktuellen Serie berichtet, in der ein einziger Afroamerikaner aufgetaucht ist. Und diese Serie spielt in New York. Wie groß ist also die Wahrscheinlichkeit, dass dort NUR Weiße auftauchen. In dieser Serie tatsächlich zu fast 100 Prozent.

In einer anderen Serie taucht ein BPoC auf. Ist aber unser Alien der Geschichte. Alle Menschen hingegen sind weiß oder zumindest sehr hellhäutig.

Daher ist es in meinen Augen durchaus wichtig, dass in den Romanen Menschen mit einer anderen Hautfarbe auftauchen. Dabei gibt es nicht nur die afrikanischstämmigen Menschen, sondern auch asiatische oder auch ozeanische Menschen, mit komplett anderen Hautfarben.

Das sind nur Beispiele. Schau Dir einfach mal Reportagen an, die von den verschiedenen Kulturen der Erde gemacht werden. Dort findest Du sehr viele Möglichkeiten und Vorbilder.

Jetzt hatte ich aber vor kurzem eine interessante Diskussion. Und den Tenor möchte ich Dir nicht vorenthalten. Dabei ging es auch um marginalisierte Gruppen. Eine Diskussionsteilnehmerin findet es nervig und anstrengend, wenn man ihr die Figuren bis ins letzte Detail beschreibt. Dazu gehört für sie auch, wenn man ihr sagt, welche Hautfarbe die Charaktere haben.

Aus diesem Grund soll man die Charaktere gar nicht beschreiben und dann den Lesenden die Möglichkeit überlassen, sich die Figuren so vorzustellen, wie sie diese gerne hätte. Wenn man das durchziehen würde, wäre es möglich, dass man sich Harry Potter als einen Afrikaner oder Legolas als einen Asiaten vorzustellen.

Das Problem hierbei ist, dass dies nicht mehr möglich ist. Alle, sowohl Weiße als auch PoC sind es gewohnt, dass so gut wie alle Charaktere als Weiße dargestellt werden. Es kostet sie alle daher einiges an Energie und Fantasie, um sich tatsächlich vorzustellen, dass ein Charakter eben nicht weiß ist.

Ganz unter uns, ich find das traurig.

Daher finde ich es selbst durchaus wichtig, zu schreiben, wie man sich die Charaktere vorstellen kann, wenn sie nicht weiß sind.

Kulturen

Unser faules Gehirn ist durchaus ein Phänomen. Denn es kann verdammt faul sein. Wenn wir an die ostasiatische Bevölkerung denken, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass wir an die Chines*innen denken. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, sind die Japaner*innen auch noch dabei.

Dabei gibt es noch einige Völker, die dazu gehören. Dazu müssen wir aber aus unserer Denkfalle ausbrechen und akzeptieren, dass nicht alles immer so ist, wie wir es gerne hätten. Oder es auf dem ersten Blick erscheint.

Wenn wir also über jemanden von der Erde schreiben, die oder der aus Ostasien stammt, dann müssen wir durchaus spezifischer werden. Denn eine Chinesin sieht durchaus anders aus, als eine Vietnamesin. Obwohl sie unter der Oberbezeichnung Ostasien fallen.

Schau Dir daher die Menschen genau an und betrachte die Gemeinsamkeiten und auch die Unterschiede. Und dann beschreibe sie in Deiner Geschichte. Diese kleinen Details werden Deine Geschichte unvergesslich machen.

Die sexuelle Orientierung

Schwule Romane sind immer noch Nischengeschichten. Zumeist dreht es sich hierbei um Romantik und natürlich um Sex. Lesbische Geschichten hingegen dienen eher der Fantasie der männlichen Leser und ihrer Hand (Pornos also). Bisexuelle Charaktere finden selten Einzug in Geschichten. Und wenn, dann sind es letztendlich verkappte Heten, weil sich viele Autor*innen nicht trauen, es wirklich durchzuziehen und die Figuren als Bisexuelle darzustellen.

Gibt es noch weitere sexuelle Orietierungen? Klar, aber die werden so gut wie gar nicht dargestellt. Versuch mal, eine Geschichte über einen asexuellen Charakter zu finden. Das ist die Suche nach der Nadel im einem sehr, sehr fetten Heuhaufen.

Wenn schon mal eine andere sexuelle Orientierung in einem anderen Medium außer dem Liebesroman dargestellt wird, ist das schon eine Sensation. In einem Beitrag hab ich mal gelesen, dass in Blockbusterfilmen gerade mal 1 Prozent der Darstellenden homosexuell sein sollen.

Wie das nun in der Literatur aussieht, die nicht explizit Liebesromane sind, kann ich leider nicht sagen. Aber die Bücher, die ich gelesen habe, haben nicht einmal den Hauch einer homoerotischen Beziehung auch nur angedeutet.

Daher empfehle ich Dir, dass Du Dich über sämtliche mögliche sexuellen Orientierungen informierst. Welche gibt es und wie könntest Du sie sogar in Deine Geschichte einarbeiten. Natürlich müssen Deine Charaktere nicht die ganze Zeit mit einem symbolischen Schild herumlaufen, in der sie ihre sexuelle Orientierung anpreisen.

Häufig reicht es auch aus, wenn Du es subtil machst. Schau Dir dazu den Film “Sherlock Holmes” mit Jude Law und Robert Downey Junior an. Um genau zu sein, ich meine die Gefängnisszene. Für mich eine der homoerotischsten Szenen in den ganzen Blockbusterfilmen. Sie sagt zwar nichts aus, aber lässt so unendlich viel Platz für Interpretationen.

Mit anderen Worten, es ist beides möglich. Offen sagen, was Deine Charaktere sind oder es so diskret darstellen.

Die nichtbinäre Identität

Es gibt immer noch Menschen, die der festen Überzeugung sind, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Also männlich und weiblich. Dabei kannten schon die indigenen Völker Amerikas mehr als zwei Geschlechter. Doch dank der weißen Erober*innen ist dieses Wissen zumindest verschüttet.

Zwischenzeitlich erkennen immer mehr Menschen, dass es doch mehr gibt. Damit können die Menschen, die nicht in das Konzept schwarz/weiß (also weiblich/männlich) reinpassen, herausfinden, was sie wirklich sind. So wie bei mir.

Bisher dachte ich auch immer, ich wäre eine Cis-Frau. Doch ich hab mich mit dieser Bezeichnung nie richtig identifizieren können. Daher hab ich recherchiert und herausgefunden, dass ich genderfluid bin. Und das passt zu mir, wie die Faust aufs Auge.

Jedoch werden nichtbinäre Identitäten noch gar nicht wirklich in der Literatur dargestellt. Gerade in der deutschsprachigen Literatur. Letztens wurden einige Bücher auf Twitter vorgestellt, die aus dem amerikanischen Raum stammen und tatsächlich nichtbinäre Identitäten für ihre Charaktere haben.

Hier gibt es also noch viele Möglichkeiten.

Transgender

Angeblich machen Transgendercharaktere stolze 0,1 Prozent aller Charaktere in Blockbusterfilmen aus. Mit anderen Worten Transgender wird so gut wie gar nicht dargestellt.

Zudem gibt es auch noch viele Missverständnisse und Vorurteile gegenüber Transgendermenschen. So hab ich selbst schon öfters gelesen, dass ihnen die Bezeichnung, sie ändern das Geschlecht, gar nicht so zusagt. Als ich das zum ersten Mal gelesen habe, hab ich dann darauf geachtet, wie es in den Medien kommuniziert wird. Und dieser Satz ist dabei öfters gefallen.

Und wenn Transgender Charaktere dargestellt werden, dann gleichen sie, meiner Meinung nach, einem wandelnden Witz. Die Drehbuchautor*innen machen sich eher witzig über sie, anstatt sie als Menschen zu sehen.

Daher kann ich Dir hier nur empfehlen, recherchier ruhig mal darüber, wie allein der Weg zur medizinischen Operation aussieht. Mir reichen schon so manche Tweets dazu, um mir die Haare zu Berge stehen zu lassen.

Be*hinderung

Menschen die nicht der Norm entsprechend, gelten zumeist als behindert. Das kann sein, dass sie nicht richtig laufen können, schlecht sprechen oder einen Meter messen.

Alles was von der Norm abweicht, gilt für viele als behindert. Und das ist leider für manche gleichbedeutend mit blöd. Menschen, die nicht hören können, können sich natürlich überhaupt nicht verständigen (Achtung Ironie). Wer seltsam spricht, kann doch nur einen geringeren IQ haben (wieder Ironie). Und wer im Rollstuhl sitzt, ist überhaupt zu nichts in der Lage (Ironie, Ironie, Ironie).

Zwischenzeitlich haben Menschen mit körperlichen Einschränkungen sich durchaus emanzipiert und zeigen es den ach so normalen Menschen, dass sie durchaus zu einiges in der Lage sind. So gab es vor einiger Zeit die Möglichkeit, dass blinde Menschen Auto fahren können. Zwar nur für einen Tag und auf einem gesperrten Gelände (niemand von ihnen hatte einen Führerschein). Und was war? Sie konnten relativ gut fahren. Und das teilweise ohne das panische Eingreifen ihrer Fahrlehrer*innen.

Daher bezeichnen sich viele nicht mehr als behindert. Sondern mit dem Sternchen, also be*hindert. Denn sie sind nicht selbst behindert, sondern die Gesellschaft macht das aus ihnen.

Meistens werden Menschen in Geschichten mit, ich bezeichne das jetzt mal so, versöhnlichen Be*hinderungen dargestellt. Zum Beispiel sitzt der Charakter im Rollstuhl. Oder sie*er ist blind. Gelegentlich darf die Figur auch Kleinwüchsig sein. Aber das ist dann schon das höchste der Gefühle.

Aber selbst diese sind eher Mangelware. Daher finde ich es, dass es durchaus Zeit ist, auch sie mehr in den Fokus der Geschichte zu rücken.

Abschlussgedanken

Immer wieder wird gesagt, dass jede Rolle, die vom weißen Cis-Het-Dude abweicht (also auch schon die Frau) eine bestimmte Rolle spielen soll. Letztendlich bin ich der Meinung, wenn diese Frage nicht für unseren weißen Cis-Het-Dude gestellt wird, dann für niemanden sonst.

Natürlich ändert sich die Geschichte, wenn sie aus einer anderen Perspektive erzählt wird (also von jemanden mit einer anderen sexuellen Identität oder kulturellen Hintergrund). Aber ich verrate Dir etwas. Das trifft auch auf unseren weißen Cis-Het-Dude zu. Wenn er aus einer steinreichen Familie stammt, erzählt er die Geschichte ebenso anders, als wenn er aus der Gosse stammt.

In dem Sinne, welche Gruppen kennst Du noch?

Bis dahin, alles Liebe

Deine frau schreibseele

Marginalisierte Gruppen: Warum überhaupt über sie schreiben?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn Du ein wenig auf Twitter aktiv bist, wirst Du vielleicht mitbekommen haben, dass in letzter Zeit viele über Diversität und Inklusion schreiben. Man könnte meinen, dass dieses Thema von allen Seiten auftaucht, regelrecht auf die Autor*innen einprügelt und einige stehen da und fühlen sich regelrecht bedroht.

Tatsächlich meinte eine Autorin zu mir, wenn man nicht über marginalisierte Gruppen schreibt, dann würde man von einigen Seiten schon angegriffen werden.

Daher dreht sich dieser Monat um das Thema, wie und warum man über sie schreiben kann und vielleicht auch sollte.

Kurz erklärt: Was sind marginalisierte Gruppen?

Bei bei marginalisierte Gruppen handelt es sich um Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. Sie können weder am politischen, sozialen oder kulturellen Leben teilnehmen.

In dem oben verlinkten Wiki-Beitrag wurde ein Bild eines Obdachlosen in Paris gezeigt. Auch sie gehören zu den marginalisierten Gruppen. Aktuell wird aber auf Twitter und auf vielen Blogs (wie diesen hier) jedoch über andere Menschengruppen geschrieben.

Auf eine Liste gehe ich nächste Woche ein. Daher hier die kurze Version. Marginalisierte Gruppen werden hier als Gruppen von Menschen bezeichnet, die nicht weiß, nicht Cis, nicht Heterosexuell und nicht männlich sind.

Also alles, was Hollywood und die anderen Massenmedien uns gerne als Helden und als Vorbild vorsetzen.

Warum über sie schreiben?

Auf dem #litcampHH 2018 gab es zwei Runden, zum Thema “Marginalisierte Gruppen und warum man über sie schreiben” sollte (wenn auch mit anderen Überschriften).

Jetzt weiß ich nicht mehr die Namen, aber bei einem Vortrag erzählte eine Dame eine Anekdote aus ihrem Leben:

Sie war in der Schule eine typische Streberin. Man hatte sich über sie lustig gemacht, weil sie eben gerne gelernt hatte und gute Noten nach Hause brachte. Jedoch machte sie das nicht so fertig, wie man es hätte meinen können. Denn sie hatte ein starkes Vorbild: Hermine Granger.

Zumindest in den Filmen und in den Köpfen der meisten Leser*innen war (und ist) Hermine ein weißes Mädchen. Das bedeutet, dass für weiße Streberinnen sie ein perfektes Vorbild ist. Aber was ist mit WoC? Also Woman bzw. Women of Color?

Jetzt könnte man sagen (und vermutlich reden sich damit auch einige raus), dass auch WoC bzw. PoC sich mit Hermine identifizieren können. Denn es käme wohl nicht auf die Hautfarbe, sondern auf die Person an.

Doch warum sollten sie? Warum sollten sich PoC sich damit begnügen, Vorbilder zu haben, die sie gar nicht repräsentieren? Da sehe ich selbst keinen einzigen Grund.

Wäre es nämlich anders herum, also wenn es nur PoC als Vorbilder gäbe, würden wir Weiße uns sicherlich wünschen, dass es auch weiße Vorbilder gäbe.

Eine BWoC als Nerdin: Prinzessin Shuri

Als ich am Anfang des Jahres “Black Panther” gesehen habe, war ich sehr beeindruckt. Endlich hatten afrikanischstämmige Menschen Vorbilder, die selbstbewusst, stark und schön waren (äußerlich, wie innerlich). Sie hatten Stärken und auch ihre Schwächen.

Und seien wir mal ganz ehrlich, Prinzessin Shuri ist mehr als nur eine Konkurrentin für Hermine Granger. Durch ihre freche Art, finde ich sie um einiges cooler. Oder würdest Du Hermine als jemand sehen, die den Mittelfinger zeigt?

Der Film inspirierte zu einer Bilderreihe, in denen Kinder die Heldinnen und Helden des Films (einschließlich des Antagonisten) nachbilden durften. Das ist einer der Gründe, warum man alle Gruppen repräsentieren sollte. Nicht nur weiße Kinder brauchen Vorbilder. Alle Menschen (egal ob groß oder klein) brauchen sie. 

Darstellung ist wichtig – und dankbar

Auf dem #litcampHH wurde erwähnt, dass viele Ostasiat*innen dankbar waren, dass es Cho Chang gab. Und das, obwohl sie ein wandelndes Klischee war.

Das fand ich persönlich sehr traurig. Da ist sie schon keine gute Darstellung und trotzdem sind Menschen dankbar dafür, dass es sie überhaupt gab.

Aus diesem Grund finde ich es wichtig, dass mehr diverse Gruppen dargestellt werden. Idealerweise auch noch vernünftig. Keine Klischees, keine Stereotypen. Warum auch? Die haben in einer Geschichte sowieso nichts zu suchen. Dazu gehören auch die marginalisierten Gruppen.

Abschlussgedanken

Eigentlich ist es einfach, so wie man selbst als Weißer, Cis-Het-Dude dargestellt werden möchte, möchten auch alle anderen Gruppen dargestellt werden – vernünftig. Mehr ist das nicht.

Alle Gruppen möchten dargestellt werden und sie möchten so dargestellt werden, wie sie sich selbst sehen. Und wie sie eben sind.

Legen wir also los. Dafür wünsche ich uns allen viel Spaß und noch mehr Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Warum ich für Diversität in Geschichten bin

Februarbeitragsübersicht

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

in Kanada und Amerika wird im Februar der Black History Month zelebriert. In diesem Monat lernen die Kinder und Jugendlichen, welchen Einfluss Afroamerikaner*innen auf die Geschichte hatten, welche zuvor eher ignoriert wurde. Auch in Deutschland findet der Gedanke immer mehr Anhänger*innen. Es werden Bücher von PoC Autor*innen gelesen und man macht sich mehr Gedanken zum Thema Diversität. Daher läute ich diesen Monat mit einem entsprechenden Beitrag ein.

Ursprünglich wollte ich mich nur auf die Hautfarbe konzentrieren. Doch letztendlich steht Diversität für das Leben selbst. Daher führe ich einen kleinen Rundumschlag durch. Sollte ich mich aber auf die Hautfarbe beziehen, werde ich die Kurzbezeichnung PoC verwenden. Diese steht für Person of Color bei einer Einzelperson oder für People of Color, wenn zwei oder mehr Personen gemeint sind.

Kurze Vorgedanken

Ursprünglich entstand der Beitrag aufgrund eines Threads bei Twitter. Eine Userin erläuterte, warum es einfach unrealistisch ist, queere Charaktere einzuführen. Daraufhin erwiderten viele andere User*innen, dass ihr Thread schlichtweg an der Realität vorbeiläuft. Daraufhin verfasste ich die erste Version meines Beitrages, wobei ich gestehen musste, dass ich nicht wusste, dass ich über Diversität und Inklusion schrieb. Für mich war und ist es selbstverständlich Charaktere mit den unterschiedlichsten Hintergründen in meinen Geschichten auftauchen zu lassen. Vermutlich so selbstverständlich, dass es mich immer wieder irritiert, wenn andere darüber Diskussionen führen.

Daher schauen wir doch einmal genauer hin.

Ein Blick in die Realität

Aktuell lebe ich in einer Großstadt und da kommen mir Menschen aus unglaublich vielen Ländern entgegen, Homosexuelle, Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, mit seelischen Beeinträchtigungen und keine Ahnung wer noch.

Zugegeben, wie es in kleineren Städten oder Dörfern vor sich geht, darüber kann ich keine Aussagen machen. Dafür war ich zu wenig an solchen Orten. Aber häufig lese ich von anderen Menschen, dass es dort nicht so gemischt vor sich gehen soll, wie in Berlin. Und doch behaupte ich aus meinem naiven Elfenbeinturm, dass es auch dort sicherlich einige Menschen aus der Liste von oben gibt.

Mit anderen Worten, wenn wir vor die Tür treten, treffen wir zwangsläufig auf Menschen, die sich klar von uns unterscheiden. Das mag an der Hautfarbe liegen, an dem Kleidungsstil, an der Religion bzw. an der Weltanschauung oder an so vielen großen und kleinen Details.

Damit können wir klar sagen, wir leben in keiner homogenen Gesellschaft. Wir sind nicht einmal annähernd gleich und diese kleinen bis großen Unterschiede machen uns allesamt aus. Würden wir einen DNS-Test machen, kämen vermutlich bei sehr vielen von uns heraus, dass wir Gene aus ganz Europa und sogar Afrika haben dürften. Noch nicht einmal wir selbst sind homogen.

Ein Blick in die fiktionale Welt

Ganz ehrlich? In meiner ganzen Lesezeit kann ich mir nur an einziges Buch erinnern, in der eine „Be_hinderung“ eine Rolle spielte. Und zwar handelte es sich dabei um das Buch „The Curious Incident of the Dog in the Night-Time“ von Mark Haddon. Ansonsten gibt es natürlich noch Dr. Charles Xavier und Barbara Gordon. Wobei man die beiden schon fast gar nicht mehr zählen kann, da die Zeichner*innen sie genesen lassen.

Homosexuelle Charaktere kommen da häufiger vor. Aber dann mit dem entsprechenden Label, dass es sich um eine Geschichte mit speziell solchen Charakteren handelt. Wenn in „normalen“ Büchern homosexuelle Charaktere auftreten, ist das eher selten und kann durchaus zu erstaunten Blicken oder gar zur Ablehnung führen. Letztens hab ich auf Twitter herausgefunden, dass in den Blockbustern gerade mal 1 Prozent der Charaktere homosexuell sind. Transsexuelle oder Intersexuelle und so weiter tauchen bisher immer noch nicht auf.

Als man erklärte, dass der Star Trek Charakter Sulu schwul ist, ging ein Aufschrei durch die Reihen der Fans. Selbst George Takei war nicht wirklich glücklich darüber. Letztendlich wurde nie über die Sexualität von Sulu gesprochen und zudem spielt diese keine große Rolle in der Geschichte (zumindest laut den Macher*innen). Jetzt könnte man sich beschweren, dass hier wieder mit aller Gewalt ein schwuler Charakter eingeführt werden muss (warum kein neuer lesbischer?). Andererseits, er ist schwul und es spielt keine Rolle (wie im Bechdel-Test durchaus gefordert, dass der Charakter die Rolle spielt und nicht die sexuelle Orientierung).

Das gilt auch für die Hautfarbe, also die Herkunft der Charaktere. Zumeist haben wir es mit weißen Figuren zu tun. Gelegentlich gibt es einen Quoten-PoC, zumeist afrikanischer Herkunft. Und tatsächlich hab ich Serien gesehen, da wird noch nicht einmal die Quote erfüllt (wie How I met your mother). Oder sie spielen lediglich die Außerirdischen oder Charaktere ohne Namen (zum Beispiel Stargate: Atlantis). Ansonsten kann man sagen, dass so gut wie alle Charaktere weiß sind und gelegentlich taucht mal ein PoC auf.

Aber ansonsten haben wir es eher in den Geschichten mit durchschnittlich schönen und vor allem gesunden Charakteren zu tun, die durch die Bank weg eher heterosexuell sind und Cis-Gender, zumeist männlich natürlich. Und bei aller Liebe hat das noch was mit der Realität zu tun?

Kurze Exkursion:

Eine Cis-Frau oder ein Cis-Mann sind Menschen, die ihr ganzes Leben mit dem Geschlecht identifizieren, welches auch in ihrer Geburtsurkunde steht. Zum Beispiel steht in meiner Urkunde, dass ich eine Frau bin. Und da ich mich nicht männlich fühle (meistens zumindest), bin ich eine Cis-Frau.

Wie ich oben schon geschrieben habe, müssen wir nur vor die Tür gehen und sehen unterschiedlichste Charaktere von realen Menschen. Von kleinen Kindern bis hin zu alten Menschen, die kaum noch laufen können. Alle sind dabei und alle gehören zu unserem Leben.

Können wir also sagen, dass die meisten Romane ein Abbild des realen Lebens sind? Ich würde ganz glatt sagen, eher nicht.

Kein richtiges Abbild der Realität in der Fiktion

Vor Jahren habe ich einen Kurs besucht, indem erklärt wurde, wie man einen Liebesroman schreibt. Dort hieß es, dass die Charaktere in diesen Liebesromane durchschnittlich zwischen zwanzig und dreißig Jahren sind. Als Erklärung führte die Leiterin an, dass sich die Leserinnen in der Heldin wiederfinden sollen. Und man hat die „heißeste“ Zeit der Liebe eben in diesem Alter erlebt bzw. wird es voraussichtlich erleben (also der Durchschnitt).

Daher wäre es natürlich fatal, will man einen breiten Markt bedienen, wenn man dicke Heldinnen einführt, oder ältere oder Heldinnen, die in einem Rollstuhl sitzen (um einige Beispiele anzuführen). Es gibt sicherlich solche Romane, aber ich könnte jetzt keine benennen. Sie sind zu wenige und sollen eher ein kleines Publikum ansprechen. Aktuell sind es Nischengeschichten.

Aber auch in Krimis oder anderen Romanen aus unserer Welt könnte ich keine Beispiele nennen, in denen Charaktere vom abweichenden Typ auftauchen. Und wenn, dann kann ich sie Dir an einer Hand abzählen, da bin ich mir sicher.

In Fantasyromanen ist das teilweise noch schlimmer. Dort sind alle gesund, stark und teilweise sogar in einem entsprechenden Alter zu finden. Und wenn sie älter sind, dann hat das nicht unbedingt große Auswirkungen auf das, was sie zu tun haben. Selbst wenn wir es mit dem weisen Mentor zu tun haben, der über einhundert Jahre ist. Er wird vielleicht nicht ganz so schnell sein, wie seine jüngeren Begleiter. Aber er ist in der Lage noch Berge zu besteigen, durch Flüsse zu laufen und einen Kampf zu führen. Alte Frauen tauchen selten bis gar nicht auf.

Was sagt das über uns Autor*innen aus?

Natürlich bedienen wir Autor*innen einen Markt. Darüber müssen wir uns im Klaren sein. Viele von uns schreiben das, was letztendlich gelesen wird. Und das ist häufig der gesunde, heterosexuelle, weiße Charakter. Sie oder zumeist er sieht zudem hübsch aus und im Oberstübchen sind noch alle Tassen zu finden.

Vermutlich kommt es vielen noch nicht einmal in den Sinn über einen Charakter zu schreiben, die oder der in einem Rollstuhl sitzt. Da fällt mir gerade Clara Sesemann ein (aus dem Roman „Heidi„). Sie darf in einem Rollstuhl sitzen, für eine gewisse Zeit. Und doch kommt sie aus dem Rollstuhl heraus. Oder auch Barbara Gordon (alias Batgirl), die in einem Rollstuhl sitzt. Zwischenzeitlich hat sich DC das jedoch anders überlegt und entlässt sie wieder aus diesem. Und eben Professor Charles Xavier, der ebenfalls geheilt wird.

Wenn also entsprechende Charaktere auftauchen, dann bleiben sie nicht lange in dem Zustand des Dickseins, der Krankheit oder Derartiges. Sie nehmen in Rekordzeit ab oder können bald wieder laufen.

Man könnte meinen, dass einige Autor*innen mutig sein wollen, aber nicht zu mutig. Sie wollen die reale Welt zeigen, aber sie darf nicht zu real sein. Immerhin möchte man die geneigte Leserin oder den geneigten Leser nicht vergraulen. Denn, wenn das reale Leben schon hart ist, möchte man dann das alles in einem Roman überhaupt lesen?

Andererseits kann man nicht auch sagen, dass nur ein kleiner Teil der Menschen repräsentiert wird, während alle anderen einfach nur ignoriert werden? Säße ich in einem Rollstuhl, ich würde mich in keinen der Romane wiederfinden. Und vielleicht möchte ich aber ein positives Vorbild haben?

Gerade junge Menschen benötigen dies, meiner Meinung nach, dringendst. Denn viele von ihnen hadern durchaus mit ihrem Schicksal (welche Jugendlichen hadern schon nicht mit ihrem eigenen Leben, obwohl bei ihnen alles perfekt ist?). Und dann haben sie noch nicht einmal positive Vorbilder. Zumindest hätte ich sie gerne als junges Mädchen gehabt. Heldinnen, die wenigstens ein wenig wie ich sind. Einfach um zu sagen, ich bin nicht allein.

Was wäre wenn …?

Was wäre also, wenn wir mehr Realität in die Geschichten holen würden? Wenn wir also mit Menschen in Rollstühlen zu tun hätten? Oder mit Menschen anderer Religionen und Hautfarben? Oder was auch immer?

Vermutlich könnte das geschehen, was Nike Leonhard schreibt. Es könnte die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Thema ablenken. Aber ich behaupte, dass es nicht daran liegt, dass diese Personen zu viel Aufmerksamkeit bekommen, sondern, weil es zu ungewöhnlich ist.

Triffst Du im realen Leben auf Menschen, die nicht dem allgemeinen Standard entspricht, ich bin mir sicher, Du schaust erst einmal genauer hin. Das ist völlig normal. Wir sind solche Bilder nicht gewohnt und es zieht erst einmal unsere Aufmerksamkeit auf solche Personen. Als ich einmal ein Mangamädchen in der U-Bahn getroffen habe, schaute ich auch erst einmal genauer hin. Denn das ist nun wirklich ein Anblick, den man nicht alle Tage erlebt. Doch dann akzeptierte ich es und konzentrierte mich wieder auf meine allgemeine Umgebung (ich wollte ja in die U-Bahn hinein).

Das dürfte vielleicht auch in den Romanen, Filmen und Serien eine Rolle spielen. Wenn wir dort mehr „normale“ Menschen sehen, dann könnte es auch Auswirkungen auf unser empfinden haben. Sehen wir sie regelmäßig, ist es schlichtweg normal. Warum sollte man sich dann noch Gedanken darüber machen?

Daher könnte es sich durchaus empfehlen, mehr Menschen in Deinen Geschichten unterzubringen, die sich von dem weißen, gesunden, heterosexuellen Menschen unterscheiden. Das ist durchaus eine Herausforderung. Aber seien wir doch ehrlich, ist das Leben nicht selbst eine Herausforderung? Und warum sollte ich mich als Autorin davor drücken?

Immerhin spielt die Herausforderung nur auf dem Papier. Mir als Person geschieht dabei nichts. Ich bleibe gesund, weiblich oder männlich und kann trotzdem meinen persönlichen Überzeugungen nachkommen. Aber auf dem Papier, da wage ich es eben, über andere Charaktere zu schreiben. Und ehrlich gesagt wäre das nicht ein wenig interessanter?

Meine Sicht der Dinge

In meinem aktuellen Roman kommen sehr viele PoC vor und eine Frau in einem Rollstuhl. Und es sei angemerkt, sie bleibt auch dort. Warum? Weil es mich durchaus ärgert, wenn in Geschichten immer eine heile Welt nachgestellt wird, die es so eigentlich gar nicht gibt. Es gibt natürlich Geschichten, in denen die Menschen einen eisernen Willen zeigen und tatsächlich den Rollstuhl verlassen können. Darüber will und werde ich nicht urteilen, denn das ist ein Fakt. Aber auf der anderen Seite gibt es Menschen, die das eben nicht können. Auch das ist ein Fakt.

Vor einiger Zeit hab ich eine Reportage über die Gangs in Amerika gesehen. Sie entstanden ganz von selbst ohne den Einfluss von außen. Irgendwann griff die Filmindustrie diese auf und zeigten ihr wahres Gesicht. Dadurch veränderte sich die Wahrnehmung der Menschen auf diese Gangs und auch diese veränderten sich. Und dann zeigten sie letztendlich das Gesicht, was man von ihnen hatte.

Meine Hoffnung ist, wenn wir die Welt zeigen, wie sie sein könnte, dass diese sich auch nach und nach dorthin verändert. Ob das klappt oder nicht, kann ich natürlich nicht sagen. Aber ich finde, wir sollten es einfach ausprobieren. Und zudem, wie ich schon öfters erwähnte, die Welt ist einfach bunt. Warum, bitte schön, sollten wir das nicht einfach mal zeigen?

Abschlussgedanken

Es mag sein, dass jetzt die Argumentation kommt, aber in meiner Geschichte passt kein Charakter von Typ XYZ. Darauf möchte ich entgegnen, dass das reale Leben sich dafür auch nicht interessiert. Dort kann es jederzeit passieren, dass man einen Unfall hat und im Rollstuhl landet. Man kann auch taub, stumm oder blind geboren werden. Weiter kann es passieren, dass man in einem Land geboren wurde, deren Bevölkerung größtenteils eine andere Hautfarbe oder Religion hat, als man selbst.

Das alles gehört zum Leben. Und vielleicht, aber auch nur vielleicht, könnte sich davon auch ein wenig in den zukünftigen Geschichten wiederfinden?

Zumindest würde ich mich sehr darüber freuen.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele