Wie kann ich eine (gute) Sex-Szene schreiben?

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  • Wie kann ich eine BDSM-Geschichte schreiben?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

nachdem wir geklärt haben, was Erotik und Pornografie ist und die wichtigen Grundlagen der erotischen Fiktion, kümmern wir uns heute um die Frage “Wie kann ich eine (gute) Sexszene schreiben?”. Wir haben vermutlich alle die eine oder andere erotische Szene gelesen. Doch was macht sie gut und was schlecht? Ein paar Tipps gibt es, mit denen Du arbeiten kannst.

Kurze Vorgedanken

Vor längerer Zeit wurde ich gebeten, ob ich denn nicht einen Beitrag schreiben könnte, wie man gute erotische Literatur bzw. Szenen schreiben kann. Auf meinem alten Blog hatte ich das getan und hier ist er nun in einer etwas überarbeiteten Version. Gerade in einer Zeit, in denen es scheinbar Gang und gäbe ist, dass sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Stalking und ähnliche Straftatbestände in Romanen vorkommen, als wäre das romantisch. Und an dieser Stelle kann ich Dir schon einmal garantieren, Tipps, wie Du solche Romane schreiben kannst, findest Du hier nicht. Ansonsten möchte ich Dir erst einmal allgemeine Tipps geben, was Du beachten kannst. Dann Hinweise zur Vorbereitung des Schreibens einer erotischen Szene. Und dann zu guter Letzt noch, was Du beim Schreiben direkt beachten kannst bzw. solltest.

Wie kann ich eine (gute) Sex-Szene schreiben?

Allgemeine Hinweise zum Swchreiben von erotischen Szenen

Gute Charaktere

Wie bei jedem guten Roman wäre es auch bei einem erotischen Liebesroman schön, wenn Du mit runden Charakteren schreibst. Was ich damit meine? Dass sie sowohl Stärken, als auch Schwächen haben. Je mehr Du über die Charaktere weißt, desto besser kannst Du den Plot planen und zudem auch besser schreiben. Und je tiefer Deine Charaktere gehen, desto glaubwürdiger werden sie am Ende sein. Daher finde ich es wichtig, dass Du in die Charakterarbeit durchaus Energie steckst. Am Ende wirst Du mit guten Charakteren dafür belohnt werden.

Sexuell aktive Charaktere

Jede Geschichte steht und fällt mit den Charakteren. Auch wenn das für viele selbstverständlich scheint, so wird das nicht immer angewandt. Wenn Du zum Beispiel einen Krimi schreiben willst, brauchst Du mindestens einen Charakter, der einen Mord begeht und einen Charakter, welcher dann ermittelt. Ansonsten klappt das mit dem Krimi nicht. Und natürlich gilt das auch für einen erotischen Roman. Hier brauchst Du mindestens zwei Charaktere, die Sex haben wollen (gut, mindestens einen Charakter, der selbst Spaß mit sich hat, aber das wäre dann wohl kein klassischer, erotischer Roman).

Wenn Du also über einen Charakter schreiben möchtest, der asexuell ist und sich zudem vor dem Austausch von Körperflüssigkeiten (beim Küssen und Geschlechtsverkehr zum Beispiel) regelrecht ekelt, dann wird es für Dich schwierig, sie oder ihn ins Bett zu kriegen. Klar, auch solch eine Person kann Sex haben. Sogar ihren Spaß daran finden. Doch das musst Du sehr gut darstellen, wie die Figur ihre persönlichen Ansichten ändert.

Wenn Du nur schreibst, die beiden haben nun Sex, wirkt das, gelinde gesagt, nicht überzeugend. Und damit verärgerst Du womöglich einige Deiner Leser*innen. Das gilt auch für Charaktere, die eigentlich kaum, bis gar keine sexuellen Erfahrungen haben. Inwiefern können gerade solche Figuren zu kleinen Sexheld*innen werden? Besonders dann, wenn sie keine Ahnung haben, was sie selbst wollen oder eben auch nicht wollen?

Natürlich kannst Du auch jungfräuliche Charaktere in Deine Geschichte schicken. Das will ich nicht sagen. Aber sie sollten für eine sexuelle Beziehung offen sein. Denn häufig lese ich Liebesromane mit erotischen Teilen, in denen zumeist die Frau eine Jungfrau ist und gelegentlich noch nicht einmal weiß, wie man Orgasmus buchstabiert.

Versuch daher Charaktere zu erschaffen, die zumindest Interesse an Sex und sexuelle Praktiken haben. Damit gewinnst Du dann überzeugende Figuren, denen man abkauft, dass sie wirklich das, was sie im Schlafzimmer (oder wo auch immer) tun, auch wirklich wollen. Denn wollen Deine Charaktere wirklich Sex, brauchst Du Dir keine Gedanken machen, wie Du sie dazu bringen sollst.

Vor zwei Jahren wollte ich gerne einen erotischen Roman schreiben. Am Ende gab es keine einzige Sexszene, weil sich die Charaktere dazu geweigert hatten. Sie waren einfach nicht auf Sex aus. Und dazu zwingen konnte ich sie nicht, weil das nicht ihrem Typ entsprochen hätte.

Bitte keine Vergewaltigungsszenen

Was auch immer gerade los ist, aber aus mir unbekannten, und vor allem, unerklärlichen Gründen sind manche Autor*innen der Meinung, eine Vergewaltigung sei wirklich romantisch. Daher möchte ich persönlich eines klarstellen: Es ist nichts Romantisches dabei einen Charakter (dabei ist es egal, ob diese weiblich oder männlich ist, auch wenn die Betroffenen weitgehend weiblich sind) zu stalken, sie zu bevormunden, ihr Leben zu überwachen, Befehle zu geben, die gegen ihre Persönlichkeit gehen, ihr Freundschaften oder Kontakte zu verbieten, ihr den Job vorzuschreiben, sexuelle Gewalt aufzudrücken oder eben zu vergewaltigen.

Doch genau diese Punkte habe ich in einigen Rezensionen zu Büchern gefunden, die von den Verlagen (und auch von Selfpublisher*innen) Highlight der Saison angepriesen werden. Was bitte schön ist daran hipp, ein Highlight oder Sonstiges? Daher ich bitte Dich höflichst, schreib keine Vergewaltigungsszenen. Sex schreiben ist schon schwierig genug. Dann die seelischen Reaktionen darauf sind dann ein eigenes Thema.

Mir ist bewusst, dass für viele Frauen Vergewaltigungsfantasien durchaus wichtig sind. Natürlich sind sich diese Frauen im Klaren, dass es eben nur Fantasien sind und niemand das im realen Leben erleben wollen. Aber sie sind da. Und wir können uns gerne darüber unterhalten, woher sie kommen. Wenn Du dieses Thema also in Deiner Geschichte aufgreifen möchtest, dann ist das in Ordnung. Aber es wäre wirklich schön, wenn Du dann auch wirklich schreibst, dass es eben nur Fantasien sind. Geschieht dies aber in der Realität, wäre es schön, wenn Du Deinen Charakteren erlaubst, dies zu verurteilen. Wenn Du mit dem Thema differenzierter umgehst, dann ist das in Ordnung. Wenn nicht, dann … ???

Wie schreibe ich nun Erotik – die Vorbereitung?

Es gibt mehrere Schritte, um einen erotischen Roman zu schreiben. Auf diese möchte ich erst an dieser Stelle dann nach und nach eingehen.

Schritt 1: Womit fühlst Du Dich am wohlsten?

Dieser Ratschlag gilt für alle Geschichten, die Du in Deinem Leben jemals schreiben möchtest. Wenn Du Dich beim Schreiben nicht wohlfühlst, dann läuft etwas schief. Einige haben Probleme damit, wenn sie jemanden in ihrer Geschichte brutal abschlachten wollen oder die Charaktere eben intim werden sollen. Dann können selbst die talentiertesten Autor*innen auf einmal eine Schreibblockade erleben.

Wenn Du Dich also absolut unwohl bei dem Gedanken fühlst, über den Geschlechtsverkehr zu schreiben, dann gibt es nur einen Ratschlag, lass es. Denn auf Dauer werden es Deine Leser*innen merken, wenn Du mit der Erotik Probleme hast, es aber krampfhaft versuchst, eine Sexszene zu schreiben. Das gilt auch, wenn Du zwar erotische Szenen schreiben kannst, aber Probleme mit bestimmten Untergenres hast. Es mag sein, dass aktuell BDSM seinen Reiz hat. Wenn Du aber nicht darüber schreiben kannst, wie zwei sich den Hintern versohlen, lass es einfach.

Schritt 2: Lass Deine Charaktere über die Intimität entscheiden

Natürlich ist dieser Punkt ein wenig schwer einzuhalten. Denn willst Du in einem Publikationsverlag erscheinen, kann es sein, dass sie in die Anzahl und in die Intensität Deiner erotischen Szenen sich einmischen. Trotzdem solltest Du Deine Charaktere handeln lassen. Wenn Du sie gut angelegt hast (also auch eine erotische Seite haben), dann ist es sehr wahrscheinlich, dass sie dann miteinander ins Bett gehen.

Und diese Energie solltest Du einfach fließen lassen. Misch Dich nicht ein und entscheide Dich, dass nach so und so vielen Seiten die Charaktere Sex haben sollen. Das wirkt befremdlich (und solche Bücher hab ich durchaus gelesen). Lass sie einfach machen, sie wissen schon, was sie tun.

Schritt 3: Gib Deinen Leser*innen, was Du ihnen versprochen hast

Deine Leser*innen investieren in Dich und Deine Geschichte nicht nur wertvolle Lesezeit, sondern auch Geld. Und einige werden Deinen Roman vielleicht sogar rezensieren. Also verwenden sie noch einmal Zeit auf Deine Geschichte. Leser*innen wollen eigentlich nur, dass Du das Versprechen, dass Du selbst gegeben hast, auch den kompletten Roman hältst. Damit hast Du es in den Händen, ob sie am Ende zufrieden das Buch zuklappen, oder dabei extrem enttäuscht sind.

Doch was bedeutet das?

Wenn Du einen fröhlichen Liebesroman schreibst, dann kannst Du daraus keine Horrorstory am Ende machen. Es sollte durchgehend ein fröhlicher Liebesroman bleiben. Außer Du hast von Anfang an Spuren gelegt, dass es in diese Richtung geht. Schreibst Du einen Horrorroman, dann sollte es dabei bleiben. Zwar bin ich durchaus dafür, dass Experimente gewagt werden.

Doch wenn Du das machst, sorg dafür, dass Deine Leser*innen damit rechnen können, dass die Geschichte nicht durchgehend in einem Stil bleibt. Dann ist die Enttäuschung am Ende nicht so groß, wenn es passiert. Was das mit der Erotik zu tun hat? In sofern hat es etwas damit zu tun, dass Du in dem jeweiligen Genre eine andere Art von Erotik aufwarten kannst und solltest.

Schreibst Du einen fröhlichen Liebesroman, wirst Du aller Wahrscheinlichkeit keinen schmutzigen Sex schreiben, weil es einfach nicht dazu passt. Anders sieht es bei einem Hard Boiled Krimi. Und das wissen auch durchaus Deine Leser*innen. Das bedeutet, dass sie eben damit rechnen, dass in einem fröhlichen Liebesroman es erotisch anders zugeht, als in einem anderen Genre. Bleibst Du konsequent, sind sie durchaus glücklich dabei.

Schritt 4: Realistisch ist immer gut

Wenn Du erotische Szenen schreibst, dann kann das manchmal intensiver sein, als viele andere Szenen. Denn gerade hier kann es häufig passieren, dass man Dir als Autor*in vorwirft, dass Du nicht realistisch genug geschrieben hast. Recherchiere daher, was theoretisch möglich ist und wie der Sexualakt funktioniert. Dann hast Du schon einmal einen ersten wichtigen Schritt getan.

Häufig lese ich erotische Szenen auf Twitter, bei denen ich mich frage, wie das biologisch überhaupt gehen soll. Daher schau bitte genau hin, was Du schreibst und ob das möglich ist. Wenn nicht, ändere es einfach.

Schritt 5: Erschaffe ein gemeinsames Bewusstsein

Häufig schüttelte ich in den erotischen Liebesromanen den Kopf. Dass innerhalb weniger Tage ein Bund für die Ewigkeit geschlossen wird, das akzeptiere ich zwischenzeitlich schon. Doch häufig fehlt einfach die Grundlage dafür. Man sieht sich an und dann war es auch schon.

Sie verlieben sich, landen im Bett und dann vor dem Altar. Lass sie daher gerne immer wieder zusammenkommen, ein Gefühl füreinander entwickeln, sich öfters berühren, sich ansehen, einander näherkommen. Denn selten ist Dein Paar von Anfang an ein Liebespaar. Daher kannst Du über kleine Gesten zeigen, wie sie immer mehr und mehr zusammenwachsen, sodass sie am Ende auch wirklich zusammengehören.

Wenn sie nicht aneinander vorbeileben, sondern miteinander agieren, wirkt das ewige Liebespaar dann um einiges realistischer.

Schritt 6: Nenne die Dinge ruhig beim Namen

Das beste Stück des Mannes oder der Intimbereich der Frau. Wenn Du diese Worte einem Ratgeber verwendest und dort vielleicht noch entspannt wirken mag, ist in einem erotischen Roman eher fehl am Platz. Denn dort wollen Deine Leser*innen durchaus lesen, wie es zur Sache geht. Und da ist es für viele in Ordnung, wenn die Dinge eben direkt beim Namen genannt werden. Entscheide Dich daher, welche Worte Du benutzen willst und benutze sie. Scheu Dich nicht, diese Worte auch zu schreiben, egal wie es sich anhören mag. In der richtigen Geschichte sind es auch die richtigen Worte.

Schritt 7: Verwende die richtigen Wörter

In einem Ratgeber habe ich mal gelesen, dass im angloamerikanischen Raum scheinbar für das beste Stück des Mannes unter anderem das Wort „dingadong“ verwendet wird. Ob das stimmt, sei dahin gestellt. Es kommt immer auf die Geschichte an, welche Worte Du benutzt.

Stell Dir mal folgende Szene vor: Ein heißer Mann verführt gerade eine wunderschöne Frau, er zieht sich sein Hemd aus und präsentiert seine wunderbar geformten Muskeln. Er küsst sie immer wieder, um sie heißzumachen. Dann greift er zu seinem Gürtel, um diesen zu öffnen, macht die Hose auf und holt ihn heraus, seinen dingadong.

Spätestens jetzt dürften so einige Deiner Leser*innen unter dem Tisch liegen und lachen. Bei einem Kinderbuch mag das noch gehen, bei einem Erwachsenenbuch eher weniger. Recherchier daher, welche Worte Du überhaupt verwenden könntest und welche doch eher überholt sind (zum Beispiel Schwert, Prügel, Venusmund). Und dann verwende sie in Deiner Geschichte.

Schritt 8: Bring Dich selbst in Stimmung

Wer eine Kampfszene schreibt, sollte sich in eine kämpferische Stimmung bringen. Wer eine erotische Szene schreiben möchte, darf dies ebenfalls tun. Zumindest habe ich schon öfters die Empfehlung gelesen, dass man das tun sollte, um realistischere Szenen zu schreiben, egal, um was es sich handelt. Daher gilt auch, wenn Du Dich gerade nicht danach fühlst, eine erotische Szene zu schreiben, dann lass es. Schreib einfach in fetten Buchstaben hin „Insert Sex Scene here – Füge eine Sexszene hier ein“ und schreib weiter, als hätten Deine Charaktere gerade Sex gehabt. Und wenn Du Dich dann bereit fühlst, kehre zu dieser Szene zurück und leg los.

Schritt 9: Nutze die Geschichte Deiner Charaktere und ihren Erfahrungsschatz

Auch wenn Deine Figuren eine Erfindung aus Deinem Kopf sind, so erschaffst Du für sie einen Hintergrund. Also die Elemente, die vor der ersten Seite Deines Romans geschehen ist. Und dieser Hintergrund hat Einfluss auf die aktuellen Ereignisse.

Aber auch die bisherigen sexuellen Erfahrungen haben Einfluss auf das, was sich die Charaktere wünschen oder eben auch nicht wünschen. Daher solltest Du das alles durchaus in Deine Geschichte einfließen lassen. Und erst recht die sexuellen Erfahrungen oder zumindest die sexuellen Wünsche.

Schritt 10: Eine gute Sexszene ist kein guter Sex

Meistens schreiben Autor*innen darüber, dass die beiden Charaktere nur guten Sex haben. Dabei kommt es jedoch nicht darauf an, dass Deine Charaktere wirklichen guten Sex haben. Das macht eine gute Sexszene nicht aus. Selbst wenn der Sex selbst für Deine Charaktere in die Hose geht, beschreibe die Szene gut und realistisch, dann ist sie an sich perfekt.

Schritt 11: Weniger ist oft mehr

Es kommt nicht darauf an, möglichst viele Sexszenen unterzubringen, wie das Buch hergibt. Auch nicht darum, zehn, zwölf oder mehr Seiten zu füllen. Auch wenn Du nur eine einzige Sexszene in Deinem Roman schreibst und sie nur eine halbe Seite lang ist, kann sie mehr bringen, als alles andere. Denn es kommt darauf an, dass Du mit der Sexszene etwas vermittelst. Auch sie soll letztendlich die Geschichte voranbringen und nicht unnötig aufhalten.

Daher gib für jede Szene alles, was Dein aktuelles Schreibtalent hergibt, um daraus die beste Szene zu machen, zu der Du aktuell in der Lage bist. Und das Gleiche machst Du dann bei der nächsten Szene. Aber achte darauf, dass die Szenen perfekt passen und nicht einfach als Lückenfüller dienen.

Schritt 12: Guter Sex rettet keine schlechte Geschichte

Häufig denken Autor*innen, dass sie ihre schlechte Geschichte damit retten, dass sie ihre Charaktere einige Male in die Kiste schicken (oder wohin auch immer). Doch wenn Deine Geschichte schlecht ist oder sie keine gute Grundlage hat, schwache Charaktere oder was auch immer, kann kein Sex der Welt dies retten. Ganz im Gegenteil, es kann dann sogar noch einmal ordentlich in die Hose gehen, wenn Du zu einer schlechten Geschichte noch einmal versuchst, Erotik einzubauen. So im Sinne von, die Leute werden es lesen, weil es Sex enthält.

Schreiben wir eine erotische Szene – die Vorarbeit

Wie genau darf es denn sein?

Das Wichtigste vorneweg. Eine erotische Szene ist keine Anleitung, wie man überhaupt Sex hat. Häufig hab ich schon gelesen, wie das Pärchen miteinander im Bett ihren Spaß haben, und war am Ende total verwirrt. Wo war jetzt das Bein des Mannes und wie hat die Frau es geschafft, ihren linken Arm mit dem dritten Bein des siebten Mannes zu verknoten?

Häufig kommt es vor, dass wir ein ganz klares Bild davon haben, wie etwas geschehen soll. Nur leider bleibt dieses Bild im Kopf und wir schaffen es nicht, es aufs Papier zu bringen. Das ist bei erotischen Szenen auch kein Muss. Sehr häufig kommt der besondere Kick, wenn Du Dinge nur andeutest, sie also umschreibst. In dem Sachbuch „Erotik schreiben“ von Elizabeth Benedict gab es eine erotische Szene, die nur aus einem Dialog bestand. Trotzdem war sie erotischer, als jede Beschreibung, die ich danach gelesen habe.

Recherche und Recherche

Wenn Du Dir nicht sicher bist, wie etwas aussehen könnte, weil Du damit keine Erfahrung hast, dann heißt es Recherche, Recherche und noch mehr Recherche. Dazu zählen einschlägige Sachbücher (also Erotikratgeber), andere erotische Romane oder auch Pornos.

Ja, Du hast richtig gelesen, Pornos.

Und natürlich, ja, über Pornos kann man diskutieren und ich finde sie teilweise mehr als nur grenzwertig. Aber es gibt Produktionen, die unter humanen Bedingungen entstehen und niemand zu Schaden kommt (was man nicht bei allen sagen kann). Welche das sind, kann ich selbst nicht genau sagen.

Aber ich vermute, dass alle, die in öffentlichen Onlineshops verkauft werden, durchaus akzeptabel sind. Aber durch solche Filme kannst Du genau sehen, wie etwas gehandhabt wird, was mit Beschreibungen oder Bilder nicht immer funktioniert. Denn hier siehst Du (mindestens) zwei Personen, die miteinander agieren. Und das kannst Du gerne als Vorbild für Deine Szene verwenden.

Wähle die richtigen Bezeichnungen

Schon oben hab ich erwähnt, dass man die richtigen Worte wählen sollte, um die Geschlechtsteile der Person zu benennen. Manche gehen so weit, dass man jedoch nicht einmal Nippel oder Vagina schreiben soll. Um es mal so auszudrücken, man muss es nicht übertreiben.

Finde schöne Bezeichnungen für die Geschlechtsteile, welche nicht klischeehaft klingen und zur Geschichte passen. In einem viktorianischen Umfeld wirst Du wahrscheinlich völlig andere Bezeichnungen verwenden wollen als in einem Paranormal Romance Roman.

Erstell für Dich selbst ein Glossar, welche Wörter Du benutzen möchtest und welche Du sogar schon benutzt hast. In einer Geschichte würde ich Dir empfehlen, dass Du immer dieselben Wörter benutzt. Außer Du lässt einem Charakter sagen, dass sie oder er die Bezeichnung nicht mag. Dann kannst Du das natürlich auch streichen.

Deine Charaktere dürfen gerne Spaß haben

Manchmal hab ich das Gefühl, dass der Sex in den Geschichten eher Pflicht ist, als Spaß. Dabei soll es ja eine angenehme Sache sein. Wenn also Deine Charaktere sich entscheiden ins Bett zu gehen, dann darf auch mal was schief gehen, sie dürfen gerne lachen und eben einfach nur Spaß haben. Und das ohne das komplette Kama Sutra durchzuarbeiten. Es kann gerne immer die gleiche Technik angewandt werden, solange sie einander näherkommen.

Vorsicht bei den Dialogen

Wenn Du Dir einen Porno anschaust, dann achte Mal auf die Dialoge (sofern welche vorkommen). Notier sie Dir, klebe sie an Dein Monitor und verwenden sie bitte unter keinen Umständen. Denn im normalen Leben und in Romanen spricht niemand wie ein Pornostar, wenn man miteinander Spaß hat.

Die Sinne Deiner Charaktere bestehen mehr als aus Sehen und Hören

Der Mensch hat fünf Sinne (hören, sehen, schmecken, fühlen und riechen). Und je nach Genre eventuell auch mehr. In jeder Szene kannst Du gerne diese fünf Sinne einsetzen. Das gilt auch für Deine erotische Szene. Wie fühlt es sich an, wenn Dein Charakter die Haut der anderen Person küsst, wie riecht die Umgebung oder wie fühlt sich die Bettdecke an? Je genauer Du das alles beschreibst, desto eher fühlt man sich in die Szene hinein.

Es gibt auch ein Vorspiel

Wenn Du Dir wirklich Pornos angeguckt hast, dann wirst Du wahrscheinlich merken (und spätestens jetzt hab ich mich wohl geoutet), dass das Thema Vorspiel wenig Zeit gewidmet wird. Meistens kommen sie zusammen und los geht es. Das trifft auch auf sehr viele Romane zu, die ich lesen durfte. Bei vielen Romanen ist das auch der Fall. Man sieht sich und fällt übereinander her.

Dabei kann auch das Vorspiel unheimlich romantisch und auch erregend für Deine Charaktere sein. In einem Buch hab ich mal gelesen, dass es sehr viel Druck aus vielen Beziehungen nehmen würde, wenn man sich mehr auf das Vorspiel konzentrieren würde und nicht auf den Orgasmus. Denn Frauen haben weitaus seltener einen, während der Mann fast immer einen bekommt (das sind statische Fakten).

Auch wenn das stimmt, dann wäre es zumindest ein Versuch wert im Roman (und auch im realen Leben), mehr Energie und Seiten auf das Vorspiel zu verwenden, als auf den Höhepunkt. Sprich, lass das Vorspiel zum Hauptakt werden und den Orgasmus als schönen Ausklang. Hei, ein Versuch ist es allemal wert, oder?

Gleitgel, Kondome und so weiter

Es wäre schön, wenn zwei Personen zusammenkommen würden und sie ohne Sorgen einfach Sex haben könnten. Die Realität sieht doch ein wenig anders aus. Gerade beim Analsex ist Gleitgel nicht gerade unwichtig. Und Frauen können, unglaublich aber wahr, beim ungeschützten Sex schwanger werden. Zudem können beide Seiten Überträger*innen von Geschlechtskrankheiten sein.

Natürlich kommt es darauf an, in welchem Jahrhundert Deine Geschichte spielt. In einem historischen oder futuristischen Roman könnte das HI-Virus keine Rolle spielen. Spielt er aber in der Gegenwart, ist es durchaus ein Thema. Schwangerschaften sind immer ein Thema (außer bei homosexuellen Charakteren) oder Geschlechtskrankheiten.

Berücksichtige dies bitte und denk darüber nach, wie Deine Charaktere sich schützen. Natürlich können sie auch überstürzt in ein sexuelles Abenteuer rutschen. Aber spätestens am nächsten Morgen ist es Zeit sich darüber Gedanken zu machen, was sie getan haben.

Der Mythos vom gemeinsamen Orgasmus

Die Romancharaktere müssen eigentlich Übermenschen sein. Denn so gut wie jedes Mal, wenn ich eine erotische Szene lese, dann kommen Heldin und Held entweder gemeinsam oder sehr zeitnah zum Höhepunkt. Wie oben schon erwähnt, kann es passieren, dass Frauen überhaupt nicht zum Höhepunkt kommen.

Und ja, auch Männer müssen nicht immer einen Orgasmus haben. Zwar passiert dies eher seltener, kann aber durchaus geschehen. Erkundige Dich daher (sofern Du keine eigenen Erfahrungen mitbringst), wie weit beide Orgasmen durchschnittlich auseinanderliegen. Und dann kannst Du es auch gerne für Deine Geschichte verwenden.

Ob das stimmt oder nicht, kann ich nicht sagen, aber der Grund, warum Frauen länger brauchen, um stimuliert zu werden, soll ein biologischer, historischer sein. Denn, wenn ein Mann sich bemüht, eine Frau zufriedenzustellen, soll sie wissen, dass er sich auch gut um die Kinder kümmern wird.

Das abgeschaltete Gehirn

Es gibt wohl das Gerücht, dass Menschen während des Sexes entweder nur an die andere Person denken oder gar nicht mehr in der Lage sind, an etwas zu denken. Vielleicht ist das auch der Grund, warum dann schon einmal gerne das Gleitgel oder das Kondom vergessen wird. Weil sie so heiß aufeinander sind, dass sich das Gehirn verabschiedet.

Dabei sind Menschen durchaus in der Lage, auch während des besten Sexes an den nächsten Einkauf zu denken. Natürlich kann man darüber diskutieren, dass das in einem erotischen Liebesroman total unromantisch ist, aber darüber solltest Du Dir bewusst sein. Menschen denken während des Sexes auch an andere Dinge. Sogar wohl sehr häufig. Je nachdem also, was für eine Geschichte Du schreibst, kannst Du dieses Thema auch gerne aufgreifen und zum Teil Deiner Geschichte machen. Zumindest wird es nicht kitschig romantisch, wenn Deine Heldin oder der Held an den nächsten Einkauf denken.

Üben, üben, üben

Gerne auch in der Realität mit Deinem Schatz. Hier meine ich aber das Schreiben solcher Szenen. Die ersten erotischen Szenen werden garantiert holprig und einfach nur schlecht sein. Das liegt wohl auch daran, dass viele trotz allem Hemmungen haben, das zu schreiben.

Denn Sex ist etwas, worüber man nicht spricht. Auch wenn wir durchaus anders erzogen wurden, so hängt das vielen irgendwie immer noch im Ohr. Daher haben einige erst einmal große Hemmungen darüber zu schreiben. Das ist auch völlig normal. Daher üb einfach immer und immer wieder. Irgendwann, sofern Du es wirklich willst, wird es Dir sehr leicht von der Hand kommen. Und Du wirst locker darüber schreiben können.

Deine Charaktere müssen keinen Sex haben

Es scheint, dass die Charaktere immer und zu jeder Zeit spitz sind, also Lust auf Sex haben. In der Realität haben Frauen Migräne (um einmal ganz tief in die Klischeekiste zu greifen), doch nie in den Romanen. Auch Männer scheinen dauerpotent zu sein. Du kannst also auch jederzeit Deine Charaktere erlauben, dass sie sich gegen den Sex entscheiden. Das wäre definitiv mal eine Abwechslung.

Jetzt aber … wie schreib ich denn eine erotische Szene?

Der Sex muss zur Geschichte passen

In einem paranormalen Roman hab ich mal gelesen, dass die Charaktere an einem bestimmten Ort waren und auf einmal ein Zauber ausgelöst wurde. An die Szene erinnere ich mich besonders, weil die weibliche Hauptfigur mit einem der Männer mitten im Wald und an der Seite ihrer Gefährt*innen Sex hatte. Das wirkte so dermaßen unglaubwürdig, dass mir schon ganz schwindelig wurde.

Daher hier der wichtigste Ratschlag, den ich nur geben kann. Bitte, bitte sorge dafür, dass der Sex auch wirklich zur Geschichte passt. Wenn die Situation gerade einfach nicht passt, dann passt sie einfach nicht. Da müssen die Charaktere auch keinen Sex haben. Das könnte auch sein, dass die Charaktere in einem Lagerhaus gefangen sind (um ein weiteres Beispiel zu nennen).

Was tun sie dort? Sehr wahrscheinlich werden sie alles tun, um von dort zu fliehen. Tun sie das, wirken sie durchaus realistisch als Charaktere. Wenn sie aber auch nach Stunden auf einmal übereinander herfallen, würde ich mich fragen, ob die Figuren noch alle Tassen im Schrank haben.

Schau daher bitte genau hin und frag Dich, ist es realistisch, dass sie jetzt Sex haben? Und passt es an dieser Stelle, dass sie Sex haben? Wenn Du beide Fragen mit einem klaren Ja beantworten kannst und die Charaktere es auch wollen, dann leg los. Ansonsten würde ich das durchaus kritisch betrachten.

Notfalls frag einfach andere Personen (Autor*innen wie Leser*innen), wie sie die Szene betrachten. Häufig haben sie einen realistischeren Bezug dazu. Und das kann Dir sehr weiterhelfen.

Zeig Deine Charaktere in Aktion

In einem erotischen Roman geht es um die Charaktere und wie diese Charaktere miteinander Sex haben. Daher ist es wichtig, dass Du genau kennst, wer die Figuren sind und was für einen Hintergrund haben. Das gilt natürlich auch für ihre Erfahrungen im erotischen Bereich. Das gilt nicht für die pornografischen Geschichten. Dort geht es letztendlich darum, dass eine bestimmte erotische Stellung beschrieben wird, damit die Leser*innen erregt werden.

Das darfst Du sogar wortwörtlich nehmen. In den meisten Fällen ist es egal, mit was für Figuren wir es in der Geschichte zu tun haben. Ihre Vergangenheit und ihre persönlichen Vorlieben sind dabei völlig egal. Hauptsache es liest sich gut.

Daher konzentriere Dich nicht darauf, eine bestimmte Sexposition zu zeigen, nur weil Du das gerade ansprechend findest. Sondern finde heraus, was Deine Charaktere wollen und was sie bereit sind, auch wirklich zu tun. Je eher Du das weißt, desto besser wird auch Deine erotische Szene.

Lass Deine Charaktere sprechen – Dialog

Jeder Charakter hat eine eigene Sprache. Und das kannst Du auch in solchen pikanten Szenen gerne ausleben lassen. Lass sie keine unnötigen Pornosprüche sagen (wie oben bereits erwähnt), sondern genau das, was sie wirklich sagen wollen. Stell Dir vor, es ist ein Dialog unter besonderen Bedingungen. Das bedeutet, dass auch hier alles so realistisch wie nur möglich sein sollte.

Unterschiedliche Szenen

Vor Jahren habe ich mal eine Reihe von Fanfiction zu der Serie Sailor Moon gelesen. Es handelte sich hierbei um erotische Kurzgeschichten zu jeder der Senshis. Das Problem war, dass jede Geschichte fast gleich war, nur ein paar Feinheiten wurden geändert. Langweilig!

Glücklicherweise ist jede Szene in einem Buch individuell. Das trifft leider nicht auf die erotischen Szenen zu. Es gab in der Tat schon ein oder zwei Bücher in meinem Leben, da haben sich die Sexszenen kaum voneinander unterschieden. Gut, in der Wortwahl, aber nicht in der Ausführung. Es mag sein, dass im realen Leben der Sex immer wieder ähnlich abspielen mag. Aber das ist eben Fiktion.

Da lassen sich beide Charaktere (oder über wie viele Du auch immer schreiben magst) etwas einfallen. Du musst ja nicht viele Szenen schreiben. Aber es ist immer gut, wenn sie allesamt unterschiedlich sind. Dann haben Deine LeserInnen etwas, worauf sie sich freuen können.

Du musst nicht alles erwähnen

Manche Autor*innen haben das Gefühl, sie müssen wirklich jeden einzelnen Schweißtropfen erwähnen, der sich beim Sex bildet. Und natürlich darüber hinaus noch jede verlorene Kalorie und Stellung. Hier die gute Nachricht, nein, musst Du nicht.

Beim Sex haben wir alle unsere eigenen Vorstellungen. Das bedeutet, dass Du auch gerne gewisse Dinge der Fantasie Deiner Leser*innen überlassen kannst. Das gilt für viele Szenen. Und eben insbesondere für Erotische. Beschreib, was notwendig ist. Und den Rest kannst Du über Dialoge klären und letztendlich über die Fantasie Deiner LeserInnen.

Häufig können nämlich erotische Szenen noch ein wenig erotischer werden, wenn Du nicht alles bis ins letzte Detail erläuterst. Dann kann alles um einiges faszinierender werden.

Du hast einen Porno geschrieben

Hier noch eine wichtige Information. Egal wie viel oder wie wenig Sex Du schreibst, Du wirst dafür kritisiert. Schreibst Du zu viel, hast Du einen Porno geschrieben, schreibst Du zu wenig, dann geht es den Leuten nicht weit genug. Vielleicht wird man Dir sogar vorwerfen, dass Du Prüde seist. Daher kann ich Dir nur noch einmal empfehlen, schreib guten Sex, der sich harmonisch in die Geschichte einfügen lässt, mit Charakteren, die individuell interagieren und gerne Sex haben. Damit bist Du immer noch nicht gefeit, dass man Dich als prüde oder Pornotante bzw. Pornoonkel bezeichnet. Aber die meisten werden dann spüren, dass Du eine harmonische Geschichte geschrieben hast. Und ich denke, das ist wichtiger.

Warnhinweis

Wenn Du im SelfPublishing veröffentlichen möchtest, dann hast Du viel mehr Freiheiten, als bei einem Verlag. Das betrifft auch die kleinen Warnhinweise, die ich selbst eher bei englischen Publikationen sehe (dort auch bei Verlagen). Damit meine ich die kurzen Hinweise, um was es sich bei dem Roman thematisch handelt. Ein Beispiel? BDSM / FMM / Spanking / Erotik So etwas könnte theoretisch bei einer Geschichte stehen, die man geschrieben hat (und stehen teilweise auch). Damit sagst Du Deinen Leser*innen ganz klar, was sie in der Geschichte erwartet. Diese Warnhinweise haben sowohl einen Vorteil als auch einen Nachteil.

Der Nachteil

Es gibt Menschen, die ungern Erotik lesen. Das ist auch völlig in Ordnung. Trotzdem passiert es, dass sie entsprechende Bücher kaufen, warum auch immer. Dabei ist der Titel häufig eindeutig, das Cover spricht eine Sprache, der Klappentext weißt auf den erotischen Inhalt hin und die anderen Rezensionen sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache. Trotzdem fallen viele Leser*innen aus allen Wolken, wenn die Charaktere übereinander herfallen.

Wenn Du sie darauf hinweist, was der Inhalt ist (am besten noch in fetter Schrift), dann haben sie eigentlich keine Ausreden mehr. Wobei wir bei eigentlich verbleiben können. Nur bist Du in solchen Fällen auf der sicheren Seite. Denn Du hast die Leute darauf hingewiesen, dass Deine Geschichte erotische Komponenten haben können. Und damit können sie entscheiden, ob sie die Geschichte tatsächlich kaufen oder lesen wollen.

Vielleicht wirst Du jetzt einwenden, dass Du damit einige potenzielle Leser*innen verlierst. Aber seien wir ehrlich. Diese Leser*innen waren sowieso nie auf Deiner Liste. Wer keine Erotik liest, wird auch nicht Deine erotische Geschichte lesen. Das ist ein Fakt. Daher ist es besser, wenn Du sie erst gar nicht gewinnst, bevor sie Dir eine unnötige negative Rezension schreiben.

Der Vorteil

Tatsächlich kann die Erwähnung der wichtigsten Inhalte auch ein Vorteil sein. Und zwar als Verkaufsargument. Es gibt Leute, die speziell nach einer gewissen Art von Literatur suchen. Und wenn Du von vornherein sagst, dass Du diese Literatur geschrieben hast, sind sie eher geneigt, Deine Geschichte zu kaufen.

Vor einiger Zeit hab ich nach polyamore Geschichten gesucht (also Geschichten mit drei Love Interests, die miteinander eine Beziehung anfangen). Und wenn ich den FMM Hinweis gelesen habe, wusste ich genau, dass ich die richtige Geschichte für mich gefunden habe.

Dafür musste ich mich nicht durch die Beschreibung arbeiten oder die Rezensionen. Es wurde mir geliefert. Und natürlich hab ich mir diese Geschichten dann gekauft. Mit anderen Worten, Du musst Dich nicht vor diesen Warnhinweisen fürchten. Sie können sogar noch eher Deine Geschichte verkaufen als ohne.

Abschlussgedanken

Wichtig ist, dass Du immer wieder übst und schreibst und auch liest. Durch lesen wirst Du feststellen, was sich für Dich gut anhört und was nicht. Gut, von mir aus, Du kannst auch gerne praktisch üben. Dein Schatz wird sich sicherlich darüber freuen. Aber denk daran, das wichtigst ist, dass Du beim Schreiben Spaß hast. Das wird man dann auch über Deine Worte mitbekommen. Dabei wünsche ich Dir viel Spaß. Alles Liebe Deine frau schreibseele

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Erotic Fiction

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

nachdem wir (hoffentlich) geklärt haben, was der Unterschied zwischen Erotik und Pornos sind, möchte ich nun etwas tiefer in die Erotik eintauchen, also in die Erotic Fiction. Denn viele Autor*innen möchten ja eher Erotik schreiben, als einen schnöden Porno. Daher geht es heute darum, zu sehen, was man nicht schreiben sollte und was man schreiben kann. Und ich gebe Dir ein paar Hinweise, die ich selbst beim Schreiben von Erotik berücksichtigen würde. Wobei das natürlich Geschmackssache ist.

Kurze Vorgedanken

Unter Erotic Fiction verstehe ich nicht nur die Romane, die sich um die Kopulation zwischen zwei Menschen drehen. Darunter verstehe ich zwischenzeitlich alle Romane und Genres, wo Erotik durchaus einen entscheidenden Teil zur Geschichte gehört.

Zwar heißt es, dass jeder Liebesroman durchaus die eine oder andere erotische Szene haben soll. Aber zwischenzeitlich gibt es auch Erotic Fantasy oder auch Erotic Science-Fiction. Dabei gibt es natürlich unterschiedliche Qualitäten der Geschichten. Manche Erotic Fiction sind gut, andere hingegen ist das Papier nicht Wert, auf dem diese gedruckt sind. Das liegt durchaus an der Qualität des Textes, aber auch an den Vorstellungen der Leserinnen und Leser.

Im Folgenden kommen meine Gedanken zu diesem Thema, was man schreiben sollte und was man lieber lassen sollte.

Erotic Fiction

Worüber Du NICHT schreiben solltest

Unter diesem Thema würde ich glatt nur zwei Punkte aufführen, worüber Du im Erotic Bereich niemals schreiben solltest. Natürlich ist das eine reine Empfehlung. Wenn Du doch darüber schreibst, dann geschieht das natürlich auf eigene Gefahr.

  1. Wenn das Thema im Strafgesetzbuch auftaucht.
  2. Wenn Du darauf so gar keine Lust hast.

1. Dein Thema und das Strafgesetzbuch

Es gibt Themen, auch im erotischen Bereich, die meiner Meinung nach nicht lustig sind. Daher würde ich Dir hier empfehlen, nicht darüber zu schreiben. Mir ist bewusst, dass einige Punkte Fetische sind. Aber es könnte jemand so dermaßen Anstoß daran nehmen, dass sie oder er die Polizei oder die Staatsanwaltschaft einschaltet. Und das ist Ärger, den man, meiner Meinung nach, durchaus vermeiden kann.

Dazu zählen nach meinem Verständnis Vergewaltigungen, Pädophilie, Sex mit Tieren, Sex mit Leichen und ähnliche Dinge, die im Strafgesetzbuch zumindest als Vergehen, wenn nicht sogar als Verbrechen eingestuft werden.

Natürlich könntest Du jetzt sagen, ich schreibe aber ein Erfahrungsbericht über Kindesmissbrauch. Dann erwidere ich, dieser Blog dreht sich um Fiction, nicht um Erfahrungsberichte. Da habe ich keine Ahnung, wie man in dieser Literatur mit diesem Thema umgeht. In dieser Hinsicht bin ich ehrlich. Sicherlich hast Du aber dann entsprechende Literatur gelesen und kannst Dir schon ein Bild machen, wie weit Du gehen kannst.

Ansonsten empfehle ich Dir, wenn Du ganz sicher gehen willst, Dich mit einer Anwältin oder einem Anwalt in Verbindung zu setzen. Sie dürfen Dir einen rechtlichen Rat geben und können am besten Urteilen, wie Du mit dem Thema umgehen kannst. Und vor allem, wie weit Du alles beschreiben kannst oder Dich eher zurückhalten solltest.

Bei den Fictionromanen hingegen finde ich, dass gewisse Themen einfach nicht rein gehören. Aber das ist eine ganz individuelle und persönliche Meinung. Das möchte ich an dieser Stelle gerne noch einmal wiederholen.

Und ehrlich gesagt, ich kann mir keine erotische Szene vorstellen, wo ein Mensch und ein Pferd …. (Ja, ich habe leider einen entsprechenden und seriösen Bericht vor zwei oder drei Jahren gelesen, mir ist immer noch ganz komisch).

Meine Empfehlung belasse den Sex zwischen zwei erwachsenen Menschen und schon kann es losgehen.

Eine ganz kleine Ausnahme

Eine Ausnahme ist der Sex zwischen Leichen und Tieren. Denn streng genommen ist ein Vampir ein Toter. Und eine Werkatze ein Tier. Hier gibt es ungeschriebene Konventionen, dass der Sex zwischen einem Menschen und einem Vampir erlaubt ist. Und wenn die Werkatze sich in einen Menschen verwandelt oder die andere Seite in eine Werkatze, dann geht das auch in Ordnung. Ansonsten hätten eine Menge Paranormal Romance Geschichten spätestens hier ein ganz schönes Problem.

Du hast so gar keine Lust auf das Thema

Häufig lese ich von Kolleginnen und Kollegen, die in englischsprachigen Foren aktiv sind, dass dort Menschen gerne über Erotik schreiben möchten. Auch wenn sie dieses Thema gar nicht mögen.

Magst Du ein Thema nicht, dann lass es einfach. Schreib nicht darüber, auch wenn Du glaubst, dass Du damit Geld verdienen könntest. Denn die Menschen werden schon merken, dass Du diese Geschichte nur mit einer Klemme angefasst hast und eigentlich etwas anderes schreiben wolltest. Und dementsprechend werden sie diese Geschichte eher hassen.

Schon häufig hab ich Geschichten gelesen, da wurden die erotischen Szenen eher mit der sogenannten heißen Nadel geschrieben. Mir kam es so vor, dass die Autor*innen einfach eine erotische Szene schreiben wollten, weil es dazu gehört und das war es auch schon.

Bist Du aber bereit Erotik zu schreiben, und ich meine wirklich so richtig Erotik, also mit Sexszenen und so weiter, dann überlege Dir, was Du wirklich schreiben möchtest. Wenn Du Erotik schreiben kannst, aber zum Beispiel keine Lust auf BDSM hast, dann Finger weg. Nur, weil gerade BDSM in aller Munde ist, bedeutet das nicht, dass Du deswegen gleich mitmachen musst.

Oder, wenn Du gar keine Lust auf Gay oder Lesbian Romance hast, aber es gerade total angesagt ist (auch wenn das eher auf Gay Romance zutrifft), dann lass die Finger davon.

Du solltest meiner Meinung nach wirklich nur darüber schreiben, worauf Du wirklich Lust hast und Dich anspricht. Alles andere ist reine Zeitverschwendung. Und zwar Deine Zeit. Aber auch letztendlich die Zeit Deiner Leserinnen und Leser. Denn sie erwarten durchaus eine schöne Geschichte von Dir, wenn sie Deinen Roman zur Hand nehmen, der in ihrem Lieblingsgenre angesiedelt ist. Und wenn Du sie enttäuschst und ihre Zeit stiehlst, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie dann noch einmal zu Dir zurückkommen.

Diesbezüglich schreibe ich auch aus eigener Erfahrung.

Worüber Du schreiben könntest

Natürlich genau das Gegenteil, wie oben erwähnt. Über alles, was Dich anspricht und worauf Du wirklich Lust hast. Du darfst Dich hier dann wirklich austoben und schreiben, was Deine Tastatur und Deine Fantasie hergibt.

Du hast sicherlich den einen oder anderen Roman in Deinem Regal, welcher Erotikelemente beinhaltet. Wenn Du möchtest, nimm ihn Dir heute noch mal vor und lies ein wenig darin herum. Ja, Du kannst gerne auch zu den erotischen Stellen vorblättern und nur die lesen.

Was spricht Dich dort an und was nicht?

So kannst Du auch herausfinden, wie weit Du letztendlich wirklich gehen kannst und möchtest. Denn das, was Dich anspricht, ist häufig auch die Grenze, wie weit Du gehen willst.

Doch manchmal lesen wir weitaus härtere Sachen, als wir bereit sind zu schreiben. Auch das ist in Ordnung und macht uns glücklicherweise nicht zu besseren oder schlechteren Menschen. Es macht uns lediglich zu Menschen. Dann musst Du herausfinden, wie weit Du wirklich gehen willst.

Vor Jahren habe ich mal den Ratschlag bekommen, den ich gerne an Dich weiter geben möchte, um herauszufinden, was Du an Erotik schreiben kannst.

Stell Dir vor Du bist bei einer Lesung und darfst aus Deinem eigenen Roman vorlesen. Und natürlich wollen Deine Zuhörerinnen und Zuhörer auch von den pikanten Stellen etwas hören. Bist Du bereit diese vor einem Publikum vorzulesen?

Es ist egal, ob Du jemals eine Lesung halten wirst oder nicht. Aber diese Übung finde ich sehr gut, um herauszufinden, wie weit ich gehen kann. Denn bin ich nicht bereit eine bestimmte Szene vorzulesen, dann kann ich sie gerne schreiben, aber ich sollte mir überlegen diese am Ende wirklich zu veröffentlichen.

Denn ich betrachte es so. Wenn ich etwas vor einem Publikum vorlesen kann, dann stehe ich zu mir selbst und zu meiner Szene. Wenn nicht, dann bin ich noch nicht so weit, um über meinen eigenen Schatten zu springen. Es kann natürlich sein, dass ich niemals so weit bin, um bestimmte Szenen vorzulesen, aber das ist dann auch in Ordnung.

Das bedeutet aber nur, dass Du aktuell nicht bereit bist, diese Szene zu veröffentlichen. In einem Jahr oder früher/später kann das schon wieder anders aussehen. Daher zwing Dich zu nichts und warte einfach ab, wie Du Dich selbst dabei entwickelst.

Übrigens, diese Frage kannst Du natürlich für alle Szenen nutzen, die in Deinem Roman auftauchen. Dazu zähle ich unter anderem auch Kampfszenen oder regelrechte Metzelszenen. Bin ich bereit diese vorzulesen, dann kann und sollte ich das durchaus tun und diese schreiben.

Analysiere ruhig den Markt … schreibe aber Deine Geschichte

Es gibt immer wieder den Tipp, dass Du den Markt analysieren solltest, um herauszufinden, welche Geschichten man schreiben kann und sollte. Aber letztendlich ist es nicht wichtig, was der Markt verlangt. Es ist viel wichtiger, dass Du weißt, was Du schreiben möchtest.

Denn schreibst Du den Markt hinterher, dann rennst Du einem Trend hinterher. Und es kann am Ende bedeuten, dass die Leute keine Lust haben, Deine Geschichte zu lesen, weil sie bereits selbst davon völlig übersättigt sind. Denn trotz allem, einen Roman zu schreiben ist durchaus harte Arbeit und braucht seine Zeit. Und aus diesem Grund sollte man auf das eigene Bauchgefühl hören.

Aber es ist durchaus eine gute Idee zu sehen, wie sich der Markt entwickelt. Denn gerade haben viele das Gefühl, dass nur noch Sex in den Geschichten auftaucht. Ich behaupte jetzt mal, dass es noch schlimmer werden wird, bis das dann stark abnimmt. Es ist wie die Ebbe und die Flut. Mal kommt etwas und dann geht etwas.

Oder wir lesen mehr Sexgeschichten zwischen Männern und Dinosauriern (nicht lachen, die gibt es wirklich).

Meine erotische Liste in einer Geschichte

Wenn ich eine erotische Geschichte schreibe, dann gibt es ein paar Punkte, auf die ich selbst achte. Das ist meine persönliche Entscheidung, mit der ich mich am wohlsten fühle. Und vielleicht sind auch ein paar Punkte für Dich dabei.

Das Alter

Wenn ich meine Figuren erschaffe, die ich am Ende auch ins Bett schicken möchte, dann achte ich prinzipiell darauf, dass sie ein gewisses Alter erreicht haben. Bei mir ist es mindestens 21 Jahre alt (in den meisten Ländern dürfen sie mit diesem Alter wählen und Alkohol trinken). Wobei ich eher dazu neige, sie noch älter zu machen. Aber mindestens 21 muss sein.

Denn ich habe mal eine erotische Kurzgeschichte gelesen, da durfte die Hauptfigur (Heldin kann ich sie beim besten Willen nicht nennen) gerade mal 22 Jahre alt und hatte schon eine Ehe und eine Scheidung hinter sich. Aber natürlich doch. Das wirkte so erzwungen realistisch, dass ich tatsächlich nur noch mit den Augen rollen konnte.

Daher achte ich, dass das Alter für meine Figuren durchaus angemessen ist.

Angemessener Altersabstand

Natürlich gibt es Beziehungen, bei denen der Altersunterschied extrem ist. Und die funktionieren auch noch hervorragend. Aber in meinen Geschichten ist der einzige Altersunterschied, den ich für mich entscheide, eben der, dass eine der beiden uralt ist, also ein Engel oder ein Vampir und die andere Seite dann ein angemessenes Alter hat.

Mit dieser Entscheidung fühle ich mich selbst am wohlsten, auch wenn ich das so richtig logisch nicht unbedingt erklären kann. Aber mir selbst gegenüber muss ich das nicht. Und solange Du für Dich den besten Altersunterschied gefunden hast, ist das auch in Ordnung.

Sie dürfen Sex haben

Wenn Du eine erotische Geschichte schreibst, brauchst Du natürlich Charaktere, die auch am Ende ins Bett wollen. In einem Roman, den ich geschrieben habe, wollte ich eigentlich, dass die beiden Hauptfiguren ins Bett gehen. Nur meine Hauptfiguren nicht. Das ist für eine erotische Geschichte durchaus doof.

Versuche also Deine Figuren, und letztendlich auch Deine Geschichte so anzulegen, dass sie am Ende wirklich ins Bett wollen. Ansonsten wird das ziemlich schwierig für Dich eine erotische Geschichte zu schreiben.

Sie müssen aber keinen Sex haben

Vor etlichen Jahren hatte ich eine Romanreihe nach der Hälfte des zweiten Bandes abgebrochen. Die Geschichte war an sich sehr nett, auch wenn die Charaktere eher flach waren. Aber darüber hab ich hinweggesehen. Doch dass die auch in den unlogischsten Zusammenhängen miteinander Sex haben mussten, das war dann doch zu anstrengend. Ganz schwach meine ich mich zu erinnern, dass sie sogar in größter Gefahr waren und trotzdem zwei miteinander eben Spaß hatten.

Schreibe bitte, bitte keine Sexszene, nur weil eine bestimmte Zahl von Seiten vorbei ist und Du das Gefühl hast, hier muss jetzt eine Sexszene stehen. Schreibe dann bitte, bitte eine Sexszene, wenn die Figuren heiß aufeinander sind und sie es auch wirklich wollen. Du wirst schon merken, wann Deine Figuren Lust aufeinander haben und wann es nicht soweit ist.

Insert Sex Szene Here

Wenn Du gerade heute keine Lust darauf hast, eine erotische Szene zu schreiben (egal wie sanft oder hart sie am Ende auch ausfallen soll), dann schreibe einfach hin, dass an der entsprechenden Stelle eine entsprechende Szene hinsoll. Und dann kümmere Dich um den nachfolgenden Teil Deiner Geschichte.

Es gibt halt manchmal Tage, da kann man einfach bestimmte Sachen nicht schreiben. Kein Dialog, keine Kampfszene oder eben eine erotische Szene. Das ist in Ordnung. Verschieb es auf einen anderen Tag und überlege Dir, ob Du die Szene wirklich schreiben willst. Wenn heute dazu kein guter Tag ist, dann vielleicht morgen. Oder in der Überarbeitung.

Wie auch immer es bei Dir am Ende aussehen mag, mach Dir nicht zu viele Gedanken darüber. Schreib, so gut Du kannst, Deine erste Fassung. Alles andere ist für die zweite Fassung bestimmt.

Schreibe die Sexszene auch bei Ausblendungen

Auch wenn Du eigentlich keine Lust hast, eine erotische Szene zu schreiben und eine Ausblendung bevorzugt (also kurz vor der heißen Szene ist Schluss), solltest Du Dich trotzdem überwinden, die Szene zu schreiben.

Es geht hierbei, dass Du weißt, was in der Szene stattfindet, damit Du im weiteren Verlauf des Romans notfalls darauf Bezug nehmen kannst. Das gilt auch für alle anderen Szenen, die Du mit einer Ausblendung versiehst. Schreib sie auf und schneide sie danach aus. Du musst sie ja nicht veröffentlichen, sondern nur schreiben.

Letzte Gedanken

Sicherlich habe ich jetzt spontan doch den einen oder anderen Punkt vergessen. Aber das sind die Wichtigsten. Wichtig beim Schreiben ist jedoch, dass Du Dich am Ende wohlfühlst. Niemand sonst. Denn bedenke bitte immer eines, die Leute werden Deine Geschichte sowieso hassen. Zumindest Einige. Darum schreib die Geschichte, die Du selbst lieben wirst.

Abschlussgedanken

Bei der Erotik herrschen die größten Befürchtungen und Ängste. Was ist, wenn die Leute denken, dass ich so Sex habe? Ist das richtig? Oder, kann ich das wirklich so schreiben?

Bei der ersten Fassung solltest Du Dich von all diesen Gedankengängen am besten frei halten. Niemand liest diese Szenen, solange Du es nicht erlaubst. Und Du kannst sie immer noch löschen, bevor sie jemand in die Finger bekommt. Daher, schreib was Du willst und hab dabei Spaß. Das meine ich auch auf allen Ebenen. Du kannst auch gerne einen Porno schreiben. Wer will Dir das schon verbieten? Niemand. Und das ist doch total klasse.

Also, hab Spaß, genieß die Zeit mit Deinen Charakteren. Am Ende kommt schon was Tolles dabei heraus.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

 

Erotik vs. Pornografie

Hei, hallo und herzlich willkommen,

es heißt, ein guter Liebesroman kommt nicht ohne eine gewisse Prise Erotik nicht aus. Das gilt natürlich nicht für alle Liebesromane, aber sicherlich für sehr viele. Jedoch wirken einige Romane so, als wollten sie keine erotischen Romane sein, sondern reine Pornographie. Und keine Sorge, trotz des eindeutigen Titels, muss ich hier keine FSK-Warnung aussprechen.

Kurze Vorgedanken

Mehrheitlich halten sich die Autorinnen und Autoren, die einen Liebesroman schreiben, an die Regel, ein guter Liebesroman braucht eine Prise Erotik. Zumindest von denen, die ich gelesen habe. Denn natürlich kann, darf und soll ein Liebesroman auch ohne Erotik und Sex auskommen. Das ist auch immer eine individuelle und persönliche Entscheidung. Und natürlich ist es auch eine Entscheidung im entsprechenden Genre. Einige verlangen Erotik, andere hingegen nicht. Da würde es sogar stören, wenn unsere Charaktere sogar ins Bett hüpfen würden.

Zu diesem Thema gab es ein Workshop auf der letzten LoveLetter Convention 2016. Damals entschied ich mich, zu diesem Thema einen Beitrag zu schreiben. Dieser bildet nun die Grundlage für diesen Beitrag. Zugleich wurde er noch ein wenig aktualisiert, aufgrund der Erfahrungen, die ich seitdem gemacht habe. Und das Wissen, was ich sammeln durfte.

Erotik – Eine (mögliche) Definition

Wer das Wort Erotik hört, denkt natürlich an das Eine. Zwei Menschen treffen sich und letztendlich landen sie, natürlich, im Bett (oder wo auch immer) und haben Sex. Bei einigen Romanen reicht es aus, wenn sie ihr Paar einmal ganz kurz ins Bett schicken (oder wo auch immer sie miteinander Sex haben können). Jedoch soll es bei einigen Verlagen vertraglich geregelt sein, dass bei einer gewissen Seitenanzahl um die drei erotische Szenen geben muss. Und bei einigen Romanen würde ich das, vom Gefühl her, sogar bestätigen. Denn ich konnte tatsächlich ungefähr sagen, wann die nächste Sexszene auftauchen würde. Womit ich dann auch fast immer recht hatte.

Aber man kann durchaus sagen, ein erotischer Roman ist ein Roman, der erotische Szenen enthält. Und dadurch haben diese Romane durchaus ein gewisses Niveau. Nicht immer, aber häufig.

Denn ein erotischer Roman erzählt eine Geschichte und die Sexszenen Sorgen nur für die letzte Würze. Das bedeutet also, die Charaktere (egal, in welcher Konstellation die Geschichte geschrieben wird) bekommen Lust aufeinander und dies tragen sie eben nicht nur auf einer geistigen Ebene aus, sondern halt auch körperlich. Und dies wird unterschiedlich deutlich gezeigt (also man angedeutet und mal direkt beschrieben).

Eine Geschichte mit Erotik

Idealerweise würzt die Erotik eine gute bis sehr gute Geschichte. Dabei ist es egal, ob es sich hierbei um einen Liebesroman oder um eine Fantasygeschichte oder einen Krimi handelt. Zwischenzeitlich werden die Genres so dermaßen miteinander gemischt, dass theoretisch überall die Erotik auftauchen kann.

Und wenn sie gut eingesetzt wird, dann ist es wie ein gutes Gewürz in einem Rezept. Es kann dem Rezept die letzte Note geben, um aus einem guten Mittagessen ein Genuss zu machen. Doch Vorsicht. Fügst Du zu viel von dem Gewürz in die Speisen, versaut es die Geschichte am Ende.

Es fängt alles mit den Charakteren an

Charakterarbeit ist bei einem guten Erotikroman das wohl Wichtigste. Denn in solchen Geschichten sollst Du zwei (oder auch mehr) Charaktere ins Bett schicken und nicht Figuren, die nur dafür erschaffen wurden, um am Ende Sex zu haben (siehe für mehr im unteren Teil mit der Pornografie).

Natürlich werden die Charaktere durchaus in die Richtung bearbeitet, damit sie am Ende wirklich miteinander Sex haben. Wenn Du eine Figur hast, die überhaupt kein Interesse an Sex und schöner Erotik hat, wirst Du sie schwerlich mit jemand ins Bett kriegen. Daher kann man sehr wohl sagen, dass die Erotik durchaus die Grundlage für Deine Charaktere ist. Sie werden also so erschaffen, dass sie am Ende ins Bett kommen. Aber man darf gerne das Gefühl haben, dass sie hier durchaus einen freien Willen haben.

Trotz allem ist es wichtig, dass Du Stärke und Schwäche, Ziele, Motivationen und auch Hindernisse für Deine Charaktere erschaffst. Die Erotik ist also nur ein Teil des kompletten Pakets. Aber natürlich darfst Du Dir hier auch überlegen, welche Techniken (Sexpositionen) Deine Charaktere in der Geschichte ausprobieren und ihnen Spaß macht.

Erotik als Ausrede … für eine schlechte Geschichte

Bedauerlicherweise halten sich nicht viele an meinen Wunsch, dass die Erotik ein durchaus wichtiger Teil der Figur ist, aber eben nur bei einem Teil bleibt. Denn zu oft musste ich Romane lesen, die scheinbar nur aus erotischen Szenen bestehen (und nein, ich bin alles andere als prüde, schön wäre es, dann hätte ich wenigstens selbst eine Ausrede).

Wenn Du einen schlechten Roman geschrieben hast, dann mag das ärgerlich sein, aber denk daran, es handelt sich um die erste Fassung. Und die erste Fassung darf immer schlecht sein. Daher ist es Deine Aufgabe, aus der schlechten ersten Fassung eine gute zweite Fassung zu machen. Doch das schaffst Du nicht, indem Du mit aller Gewalt eine erotische Szene nach der anderen in die Geschichte stopfst.

Doch genau das machen viele Autorinnen und Autoren. Aus irgendwelchen Gründen schreiben sie einen Roman, der nicht viel hergibt. Und dann versuchen sie, den schwachen Plot damit zu retten, dass sie die Heldin und den Helden immer und immer und immer wieder ins Bett schicken. Die Geschichte ist verloren. Meine Empfehlung ist ganz klar, konzentriere Dich das nächste Mal auf Deinen Plot. Dann wird aus der Idee was Gutes. Ab und an werden solche Geschichten gelesen, das stimmt, aber nicht immer wieder.

Insert Sex Scene here

Vor Jahren habe ich versucht, eine Reihe zu lesen, die von der Idee her sehr gut klang. Und ich habe mich auch damals in die Covers verliebt und war richtig hibbelig, als ich auf die deutsche Veröffentlichung gewartet habe. Doch dann habe ich mir die Leseprobe durchgelesen und war schon damals richtig enttäuscht gewesen. Aber das hat mich trotzdem nicht abgehalten, mir Band 1 zu kaufen. Und als Band 2 und 3 günstig zu erwerben war, habe ich die mir auch noch geholt.

Großer Fehler!

Über die schwache Geschichte selbst möchte ich hier nicht schreiben, da es nicht zum Thema gehört. Mir war klar, dass irgendwann eine Sexszene geben muss. Aber als es dann so weit war, wirkte es wirklich wie erzwungen. Und dann auch nur eine Seite lang.

Es war, wie ich weiter oben schon beschrieb, dass drei Sexszenen eingeführt werden mussten. Und das tat die Autorin dann nach einer gewissen Anzahl von Seiten. Lieblos und teilweise auch total sinnlos.

Abschlussgedanken

Natürlich ist es eine Kunst gute Erotik zu schreiben. Wenn Du aber das wirklich schreiben möchtest, dann wirst Du sicherlich einen Weg finden, um aus dem Akt etwas ganz Feines zu erschaffen.

Vorgedanken zum Thema Pornografie

Bei dem Workshop, auf der Love Letter Convention, war man sich, mehr oder weniger, einig: Pornografie ist pfui bäh.

Was jetzt nun wirklich Erotik und was letztendlich Pornografie ist, das ist absolut Geschmackssache. Und die folgende Definition ist meine persönliche, was eben mein Geschmack ist. Das bitte ich zu berücksichtigen. Aber ich denke durchaus, dass ich da mit den meisten sicherlich konform gehe.

Was ist denn nun Pornografie?

Ich bezeichne Pornografie als eine reine Ansammlung von Sexszenen, die versucht dazwischen noch so etwas wie eine Geschichte mit Charakteren zu haben. Doch zumeist ist diese Geschichte so dermaßen konstruiert, dass es schon eher peinlich wirkt, als dass man wirklich Lust hat, dieser zu folgen.

Wenn es so etwas wie eine Charakterarbeit gibt, dann ist sie eher sehr minimal, man könnte schon fast sagen, klischeehaft. Und am Ende ist es sowieso wichtiger, dass die beiden Figuren so schnell wie möglich sich die Kleider vom Leib reißen, um ins Bett zu landen (sofern sie da überhaupt hinkommen), als ein tiefsinniges Gespräch zu führen.

Es geht hier halt um den Sex

Du musst nicht antworten, aber ich denke mal, Du hast mindestens einmal in Deinem Leben zumindest in einem Porno reingesehen. Daher wirst Du ja sicherlich ahnen, dass Pornos eher dazu da sind, die Person (meistens den Mann) körperlich zu stimulieren und nicht den Geist. Und was letztendlich im Film klappt, wurde dann in die Geschichte übernommen.

Wenn Du also einen pornografischen Roman schreiben willst, dann kannst Du es ruhig tun, doch achte dabei, dass die Sexszenen unterschiedlich aufgebaut und allesamt interessant sein dürfen. Denn es gibt nichts langweiligeres, wenn jede Sexszene sich ähnelt. Die Geschichte selbst darf dabei nicht komplett fehlen, aber kann eher im Hintergrund bleiben. Nur rechne damit, dass es dann in einer entsprechenden Schublade landet.

Rotes Tuch Pornografie

Im Workshop auf der LLC 2016 wurden drei Autorinnen gefragt, ob sie sich als Erotik- oder als Pornoautorinnen sehen würden. Die Antwort war ganz klar, sie sehen sich als Erotikautorinnen. Man konnte schon die Antwort schmecken, dass Porno eher einen sehr negativen Beigeschmack hat. Und niemand möchte mit dieser Bezeichnung in Verbindung gebracht werden.

Denn Porno ist eben noch immer pfui bäh. Ich vermute durchaus, weil es eben die Pornoindustrie gibt, die nicht immer den besten Ruf hat. Und zudem wird ja meistens nur eine bestimmte Region angesprochen und nicht den Geist. Da aber viele Erotikautor*innen aber vielmehr ihre Leser*innen auch geistig beanspruchen wollen, ist es für einige eine Beleidigung, wenn man sie als Pornoautorin bezeichnet.

Ist Erotik nicht Pornografie?

Wenn man sich einige Rezensionen durchliest, dann empfinden viele Leserinnen und Leser Erotik als Pornografie. Und das aus Prinzip. Das ist eben das, was ich in der Einleitung erwähnte. Das persönliche Gefühl spiele hier eine sehr wichtige Rolle. Daher kann es sein, dass Dein Gefühl sich nicht mit dem Gefühl Deiner Leser*innen decken muss. Du sagst ganz klar, ich schreibe Erotik. Eine Deiner Leserinnen sagt, Nein, Du schreibst Porno. Und das Schlimme ist, ihr beide habt recht.

Meine Empfehlung hier ist auch ganz klar, diskutiere nicht. Du kannst argumentieren, warum Du selbst eine Geschichte als erotisch bezeichnest. Aber respektiere in diesem Fall die Gefühle anderer und akzeptiere sie. Damit lässt es sich durchaus gut leben.

Ich selbst sage für mich ganz klar, es gibt doch einen gewaltigen Unterschied zwischen beiden Genres. Eben, wenn Du schon einmal einen Porno gesehen hast, dann wirst Du sicherlich mitbekommen haben, dass die Geschichte selbst eher kurz gehalten ist und es dann zur Sache geht. Bei einem Erotikroman geht es eher darum, dass die Charaktere sich näherkommen, sich beschnuppern und dann erst ins Bett gehen. Zumindest im Idealfall.

Gibt es gute Pornos?

Ehrlich gesagt, das kann ich gar nicht beantworten. Laut dem Workshop gibt es einige. Aber leider habe ich die Namen nicht verstanden, die eine Teilnehmerin eingeworfen hat und es gab keine Möglichkeiten der Nachfrage. Aber es gibt immer eine Perle in jedem Genre, wo man sich denkt, wow, danke, dass ich diese Geschichte finden durfte. Und das gilt sicherlich auch für den Bereich Porno.

Frauen sollen aber weniger auf solche Geschichten (und damit auch Filme) ansprechen, als Männer. Daher lesen sie diese Art von Romanen oder Kurzgeschichten auch eher weniger. Aber das bedeutet nicht, dass sie nicht ab und an doch mal eine pornografische Geschichte lesen. Doch es ist wohl eher so, dass Männer die Hauptkonsumenten dieser Richtung sein sollen (dazu gibt es angeblich auch einige Studien, aber das würde jetzt wohl doch zu weit führen).

Es liegt natürlich an Dir, wofür Du Dich am Ende entscheidest. Willst Du überhaupt Sex in Deiner Geschichte verwenden? Und wenn ja, wie viel Prozent sollen sie ausmachen? Ob es dann am Ende sogar ein Porno wird, das ist dann noch einmal eine persönliche Entscheidung und/oder auch eine Geschmacksfrage.

Wenn Du Dich aber mit den Gedanken näher beschäftigen willst, dann ist es durchaus interessant zu lesen, was andere bereits geschrieben haben und wie weit Du gehen willst.

Abschlussgedanken

Meine Empfehlung ist ganz klar, lies ruhig erotische Geschichten, aber auch pornografische. So erkennst Du den Unterschied für Dich und weißt genau, was Du am Ende tatsächlich schreiben möchtest. Wie viel Erotik letztendlich in Deiner fertigen Geschichte landen wird, das entscheidest Du (oder Du und Dein Verlag) und die Geschichte bzw. Deine Charaktere. Wenn Du, gefühlt, gegen ihre Charakterisierung handelst, dann merkt man das. Und in meinen Augen hast Du dann ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Aber das schauen wir uns noch einmal in aller Ruhe in den kommenden Wochen an.

Bis dahin, alles Liebe

Deine frau schreibseele