Wie könnte ich eine feministische Geschichte schreiben?

Wie könnte ich eine feministische Geschichte schreiben?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

immer wieder wünschen sich Lesende, dass die Romane, die sie lesen, ein wenig feministischer sein könnten. Dabei reicht es nicht aus, einfach mal eine starke Frau in die Geschichte zu werfen (wobei sich die Frage stellt, was eine starke Frau überhaupt ist). Aber schauen wir uns mal an, mit welchen Elementen man eine feministischere Geschichte schreiben könnte.

Kurze Vorgedanken

Mir ist sehr wohl bewusst, dass für viele, sehr viele Leuten der Feminismus – gelinde gesagt – ein negatives Thema ist. Viele sind der Meinung, dass wir heutzutage keinen Feminismus mehr benötigen, immerhin haben wir ja die Gleichberechtigung erreicht. Warum sollte man also noch darüber diskutieren? Oder gar eine feministische Geschichte schreiben?

Um es kurz zu machen, wir brauchen heute mehr denn je den Feminismus. Allein wenn Du Dir diese Seite anschaust, dann sollte jede und jeder klar werden, es gibt immer noch viel zu tun. Und wenn Du der Meinung bist, das ist normal, dann muss sogar noch mehr getan werden.

Übrigens, im folgenden Beitrag werde ich durchgehend das generische Femininum verwenden, außer ich meine explizit eine reine Männergruppe. Ansonsten dürfen sich die Herren und alle anderen Menschen gerne und immer mitgemeint fühlen.

Was ist Feminismus?

An dieser Stelle möchte ich keine Abhandlung darüber halten, was der Feminismus ist. Dazu gibt es durchaus einige Seiten im Netz, welche Dich darüber fachkundig aufklären. Daher möchte ich Dir hier meine eigene Interpretation vorstellen. Sie ist nicht vollständig und vermutlich nicht unbedingt akademisch korrekt, aber für den Anfang reicht es sicherlich aus.

Den Feminismus sehe ich als ein Konzept, dass alle Menschen zu keinem Zeitpunkt benachteiligt werden sollen. Zuerst fing es bei den Frauen an, das stimmt. Das lag aber auch daran, dass früher in erster Linie Frauen sehr viele Nachteile hatten, die es zu überwinden galt. So durften sie ohne die Erlaubnis ihres Ehemannes keiner Arbeit nachgehen. Er konnte sogar zu ihrem Arbeitgeber hingehen und kündigen, wenn er es für richtig hielt (oder Lust dazu hatte).

Weiterhin durften Frauen lange Zeit nicht wählen (während es bei Männern von vornherein feststand, dass es keine Gründe gab, die dagegen sprachen). Sie durften nicht über ihr eigenes Geld verwalten und so weiter und so weiter. Das waren einige Gründe, warum der Feminismus sich in erster Linie um die Frau gekümmert hatte. Denn sie brauchte anfänglich die Unterstützung, um in die Nähe der Rechte zu kommen, die ein Mann hatte.

Zwischenzeitlich sieht es etwas besser aus, was Frauen dürfen und was nicht. Und doch erzählte mir vor Jahren eine Kollegin, dass sie als IT-Systemkauffrau arbeiten wollte (der erste Beruf, den ich lernte). Sie wurde abgelehnt, weil sie als Frau aller höchstens Kaffee kochen könnte. Und ansonsten hätte sie in der Nähe von der Technik nichts zu suchen. Dazu sage ich mal nichts.

Zwischenzeitlich schauen auch viele Feministinnen genauer hin, wenn sich Nachteile gegen die Männer richtet (Sexismus würde ich es nicht nennen, weil dieser vom Mann ausgeht, daher kann er nicht sexistisch behandelt werden, genauso wie es keinen Rassismus gegen Weiße geben kann) richtet. Aber viele schauen genauer hin, wenn es um Rassismus oder Antisemitismus geht. Natürlich ist nicht jede Feministin automatisch perfekt. Und nicht alle kümmern sich um diese Themen oder sind so weit gekommen, dass sie sich auch den Mann betrachten. Aber das ist auch nicht möglich. Man kann nur schauen, wo man selbst helfen kann. Und alle anderen dann so weit unterstützen, wie man es eben schafft. Und dann den Rest den anderen überlassen.

Warum feministische Geschichten?

Natürlich könnte man jetzt sagen, es reicht, wenn man sich theoretisch mit dem Feminismus beschäftigt. Oder im Rahmen von Fachtexten oder Sachbüchern. Doch häufig fehlt uns das Feingefühl, was wirklich feministisch ist und was nicht. Manchmal denke ich, dieses Thema geht ja eigentlich in Ordnung. Und einige Zeit später stelle ich fest, dass es dem doch nicht so ist. Es ist sexistisch, rassistisch oder was auch immer.

Wenn man andauernd mit sexistischen Themen – um dabei zu bleiben, – regelrecht bombardiert wird, fällt es schwer, dieses als solche zu erkennen. Daher ist es durchaus wichtig, dass man darauf hingewiesen wird, wenn ein Thema eben sexistisch ist. Oder von vornherein gesunde und starke Rollenbilder präsentieren.

Denn ich bin der festen Überzeugung, wenn wir mit positiven Rollenbildern konfrontiert werden, dann sind wir eher in der Lage diese zu verinnerlichen. Ansonsten identifizieren wir uns eher mit den negativen Vorbildern. Und das halte ich persönlich für ungesund.

Lass uns eine feministische Geschichte schreiben

Vielleicht sagst Du Dir jetzt, ich möchte zumindest versuchen, eine entsprechende Geschichte zu schreiben. Daher sind hier ein paar Vorschläge, die Du dabei berücksichtigen kannst.

Die widerwillige Heldin

Sehr häufig scheinen Autorinnen zu denken, dass ihre Heldinnen gar keine Heldinnen sein wollen. Also müssen sie ihren Widerwillen brechen und dafür Sorgen, dass sie ins Abenteuer gescheucht werden.

Katniss Everdeen ist solch eine widerwillige Heldin. In „Die Tribute von Panem“ geht sie nicht freiwillig ins Abenteuer, sondern opfert sich. In diesem Fall für die Familie. Nein, es ist nichts Schlechtes daran, dass ihr die Familie so wichtig ist, dass sie für ihre kleine Schwester in den Tod geht. Aber es ist auch typisch weiblich. Eine Frau opfert sich für die Familie, um dann Teil der Geschichte zu werden.

Manchmal hab ich aber das Gefühl, dass man Frauen keine Abenteuerlust zuspricht. Meistens wird ihnen irgendeinen Grund zugesprochen, damit sie ihre gewohnte Umgebung verlassen, um ins Abenteuer zu gehen.

Hier eine sehr gute Nachricht, dies ist nicht notwendig. Es darf ab und an gerne sein, dass Deine Heldin sich opfert, um jemanden anderen das Leben zu retten. Aber sie darf auch so ins Abenteuer gehen und dort entdecken, wer sie ist und vor allem, was sie alles kann.

Weiblichkeit ist kein Problem, dafür die Misogynie

Sehr häufig wird in den Geschichten es so dargestellt, dass die Weiblichkeit per se schlecht ist. Dabei ist nicht diese das Problem, sondern die Misogynie.

Frauen werden häufig auf gewisse Themen stark reduziert. Unter anderem, dass sie zu gerne Schuhe kaufen oder Kleidung. Sie treffen sich, um zu reden, nein, natürlich tratschen sie nur. Oder haben andere Interessen, welche eben als typisch weiblich gelten.

Wenn Frauen sich mit diesen Themen beschäftigen oder gar identifizieren, wird es häufig in negativer Art und Weise getan. Und das eigentlich nur, weil es Frauen interessant finden. Das kannst Du daran erkennen, dass Männer, wenn sie sich ebenfalls für diese Themen interessieren, häufig absurd dargestellt werden.

Doch nicht der Umgang mit diesem Dingen durch die Frau ist das Problem, es ist die Ansicht darüber. Also die Misogynie ist hier das Ärgernis. Denn es werden so gut wie alle männlichen Themen als für wichtiger erachtet, als die der Frauen. Das kannst Du daran erkennen, dass reine Männerberufe besser bezahlt werden, solange keine Frauen in diesen arbeiten. Arbeiten mehr Frauen in diesen Berufen, werden diese automatisch schlechter bezahlt.

Willst Du ein bestimmtes Frauenthema beschreiben, dann tue es gerne, aber eben neutral und respektvoll. Nur weil eine Frau gerne einkaufen geht, ist das nicht als negativ zu bezeichnen. Genauso wie das lackieren von Fingernägeln. Sobald es aber lächerlich dargestellt wird, weil Männer so etwas nie machen würden, haben wir meistens ein Problem.

Die heilige Jungfrau

Aus irgendwelchen Gründen sind Jungfrauen in Geschichten ziemlich heiß begehrt. Entweder die Frauen hatten schon Ewigkeiten keinen Sex mehr gehabt (in Geschichten für Erwachsene, was sie irgendwie über drei Ecken wieder zur Jungfrau macht) oder sie sind noch echte Jungfrauen (zum Beispiel bei Young Adult Geschichten). Das macht den Wert der Frau aus, zumindest in diesen Geschichten.

Man hat das Gefühl, dass Frauen noch so doof sein können, sind sie aber Jungfrauen, sind sie mehr Wert als ihre beste Freundin. Dabei könnte sie einen IQ von 256, die Menschheit mehrere Male gerettet und ein Heilmittel gegen Krebs, AIDS und Dummheit erfunden haben. Ist sie keine Jungfrau, ist sie nichts wert – auch wenn ich das überspitzt hier darstelle.

Frauen sind mehr, als ein Jungfernhäutchen und ob sie mit einem oder mehreren Kerlen geschlafen hat. Es wäre also schön, wenn man sie nicht darauf reduzieren würde. Denn es geht nicht nur um ihre Sexualität, sondern auch, wie sie damit umgeht. Und das wäre schön, wenn sie es selbstbestimmt und selbstbewusst tut. Denn auch Frauen dürfen Spaß im Bett haben, ohne das sie mit Mr. Right ins Bett geht.

Frauen sind automatisch Feindinnen

Aus irgendwelchen Gründen glauben viele, zumeist Männer, wenn Frauen aufeinandertreffen, dann gibt es zwei Dinge, über die Frauen sich unterhalten:

  • über Männer
    und
  • wie Frauen sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen können.

Wenn Frauen aufeinandertreffen, dann stecken sie ihr Revier ab und überprüfen dann, wie sie die Gegnerin fertigmachen können. Das ist mir letztens auch bei Doctor Who aufgefallen. Rose Tyler traf auf eine ältere Begleiterin des Doctors. Und sofort haben sie sich angezickt. Sie mussten sich erst erinnern, dass das absolut lächerlich ist, aber das war der erste Schritt, wie prügeln uns um den Doctor (um den Mann der Geschichte).

Es wäre echt schön, wenn zwei Frauen aufeinandertreffen und sie sich respektvoll begegnen könnten. Sie streiten sich nicht um einen Mann oder sind erbitterte Feindinnen. Frauen dürfen gerne Vertraute sein, Freundinnen oder einfach nur Kameradinnen. Frauen müssen sich nicht automatisch verstehen oder automatisch ablehnen. Sie können auch einfach nebenher existieren.

Über körperliche Belange schreiben

Was sich hier so abgehoben liest, bedeutet ganz einfach: Wie oft hast Du über das Thema Menstruation gelesen?

Jetzt, wo ich darüber nachdenke, hab ich wohl nur ein einziges Mal über eine Frau gelesen, die ihre Menstruation hatte. Und das Buch war von einer Feministin geschrieben worden. Ansonsten scheinen die Personen in den Geschichten, die theoretisch einmal im Monat die Monatsblutung haben könnten, dies nicht zu haben.

Oder die Geschichte findet immer dann statt, wenn sie gerade ihre Monatsblutung hinter oder vor sich haben. Was für ein Zufall.

Die Menstruation, das körperliche Unwohlsein und diese Dinge gehören auch dazu. Lass Deine Charaktere ruhig mal Binden kaufen oder über die Menstruationstasse nachdenken. Und warum soll sie nicht auch die Menstruation haben? Das gehört dazu, dann schreib ruhig darüber.

Du willst feministische Geschichten schreiben? Dann sei eine Feministin!

Natürlich musst Du keine Feministin sein, um feministische Texte zu schreiben. Immerhin musst Du auch keine Mörderin sein, um einen Krimi zu verfassen. Aber in diesem Fall hat es durchaus einige Vorteile. Denn wer sich mit der Materie beschäftigt, hat einen ganz anderen Zugang dazu.

Du wirst eher sehen, welche Themen wichtig sind, wie Du sie angehen kannst und warum etwas sexistisch ist und etwas anderes nicht. Denn Du beschäftigst Dich mit der Materie und kannst dies dann auch in Deinen Geschichten entsprechend einbringen.

Zudem bekommst Du sicherlich noch die eine oder andere Idee für Deine nächste Geschichte. Denn die ganzen Probleme im Feminismus könnten Dich dazu bringen, darüber nachzudenken und aufzuzeigen, wie man es besser schreiben kann.

Abschlussgedanken

Wir sind noch lange nicht soweit in einer gleichberechtigten Gesellschaft zu leben. Vor einigen Monaten hatte ein Radiomoderator (!) tatsächlich gesagt, dass ein Ton (Achtung!) behindert klingen würde. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Und ja, daraufhin gab es auch eine kritische Mail von mir.

Doch nicht nur die Verwendung solcher Wörter ist kritisch zu betrachten und abzulehnen. Sondern auch die ewigen Klischees (können Frauen einparken, alle Frauen lieben es, Schuhe zu kaufen, nein, tun sie nicht), die letztendlich zum Sexismus führen. Und so weiter und so fort. Daher finde ich es wichtig, solche Geschichten zu schreiben.

Du hast aber sicherlich gesehen, dass kein Vorschlag dazu führen soll, Männer zu hassen oder sie auszuschließen. Es gibt sie natürlich, die Feministinnen, die Männer hassen. Es gibt auch genügend Männer, die Frauen hassen. Und daran stören sich nicht unbedingt viele Leute.

Feministische Geschichten ermöglichen es, dass Du eine andere Form von Geschichten veröffentlichst. Und vielleicht, ja wirklich vielleicht, sind sie sogar stärker als das, was wir aktuell zu lesen bekommen.

Auf alle Fälle würde ich mich über Deine Texte freuen und wünsche Dir beim Schreiben viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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Mögliche Berufe für Deine Fantasyheldinnen

Mögliche Berufe für Deine Fantasyheldinnen

Hei, hallo und herzlich willkommen,

Frauen sind schon häufig Mangelware in diversen Geschichten (also Fantasy, Science-Fiction und so weiter). Zusätzlich sieht es noch einmal mau aus, wenn man Berufe für sie sucht. Daher hatte ich mir vor einigen Jahren Gedanken darum gemacht. Schauen wir uns an, welche Berufe sie in der Fantasywelt so alles übernehmen könnten.

Noch ein kleiner Hinweis. In diesem Beitrag geht es um die Heldin oder andere Protagonistinnen, die man lapidar als Gut bezeichnen könnte. Für die Antagonistin kommt nächste Woche ein eigener Beitrag.

Kurze Vorgedanken

Natürlich haben Frauen in der Geschichte durchaus ihren Weg gefunden. Zumindest im Schatten. In einem Gespräch erfuhr ich mal, dass es bei den Beduinen wohl so ist/war, dass die Frauen nicht alleine das Zelt verlassen dürfen/durften. Daher haben sie ihre Männer auch für Kleinigkeiten aus dem Zelt zum Einkaufen geschickt, damit sie alleine waren. Und über Schleichwege kamen sie zu den anderen Frauen und unterhielten sich. Um ein reales Beispiel zu nennen.

Doch in Fantasygeschichten fehlt mir diese Kreativität häufig. Frauen haben schon immer einen Weg gefunden, um sich zu treffen, ihre Ideen mitzuteilen und ihren Wissensdurst zu stillen. Nicht alle haben es in der Geschichte geschafft, ihre Stimme einen ewigen Wert zu geben. Das ist ein Fakt. Aber viele. Auch das ist ein Fakt.

Aber das ist egal, ich schreibe hier von Fantasygeschichten. Und da können ganz andere Regeln gelten. Warum muss dort unser Gesellschaftssystem immer wieder übernommen werden? Theoretisch könnten dort auch Frauen oder weiblich gelesene Wesen physisch stärker sein, als Männer oder männlich gelesene Wesen. Daher habe ich mir Gedanken gemacht, welche Tätigkeiten Deine Heldinnen nachgehen können.

Und ja, wenn Du willst, kannst Du auch gerne Inspirationen für Deine Helden (also die Männer) mitnehmen.

Die Kaste der Kriegerinnen

In Fantasygeschichten kann der Krieg immer wieder eine wichtige Rolle spielen. Daher spielen zumindest die männlichen Krieger eine Rolle. Warum also nicht auch die Kriegerin?

Es gibt die Möglichkeit, dass wir es mit einer einzelnen Kriegerin in der Armee zu tun haben (wie Mulan). Entweder wird sie ermuntert oder schleicht sich aus eigenem Antrieb heimlich in die Armee ein, um für eine gute Sache zu kämpfen (welche das ist, liegt an Deiner Geschichte). Hier stellt sich die Frage, warum dürfen Deine Frauen nicht in die Armee eintreten. Und welche Konsequenzen es hat, tun sie es doch.

Aber es ist auch möglich, dass mehrere Frauen in die Armee eintreten und ihren Dienst verrichten (wie im Roman von Terry PratchettWeiberregiment„). Es kann offiziell sein oder ebenfalls im Geheimen passieren, weil die Frauen ansonsten bestraft werden würden.

In zwei asiatischen Filmen (deren Titel ich leider nicht mehr weiß), hat sich jeweils die Prinzessin eines Landes gemeldet, sich zur Soldatin ausbilden zu lassen. Also die wahre Kriegerprinzessin. Einmal wollte die Prinzessin eine Soldatin werden, damit sie ihr Land verteidigen und die Sorgen und Nöte ihrer Soldaten besser verstehen lernt. Für die andere Prinzessin war es selbstverständlich, dass sie in den Krieg zieht. Immerhin ist sie die Prinzessin des Reiches. Und als solche hat sie ihr Reich auch mit ihrem Leben zu beschützen.

Interessant war bei den Filmen, dass die Männer kein Problem damit hatten, dass überhaupt eine Frau in den Krieg ziehen wollte. Man bestrafte sie nicht oder sperrte sie ein. Aufgrund ihrer Erfahrungen (die ihr fehlten), war der Grund, warum die Männer ihr rieten, sie solle zu Hause bleiben. Was sie natürlich nicht tat.

Wenn Du über vereinzelte Kriegerinnen oder Soldatinnen schreibst, dann kann man es mit Ausnahmeerscheinungen zu tun haben. Auch wenn sie geduldet werden und an der Seite der Männer kämpfen dürfen.

Alternativ kannst Du auch über Kriegerinnen schreiben, denen man es gestattet, genauso in der Armee zu dienen, wie den Männern. Sie werden also eingezogen und ausgebildet, als gäbe es keine Unterschiede zum anderen Geschlecht.

Gerade Amazonenarmeen speisen sich natürlich aus dem eigenen Geschlecht. Da können sie keine Männer in den Kampf schicken. Amazonenkriegerinnen (die es wirklich gab) bewiesen, dass Frauen durchaus kämpfen können.

Vielleicht wirst Du aber sagen, Frauen sind Männern körperlich unterlegen. Menschenfrauen in unserer Realität haben diesen Nachteil. Da stimme ich Dir sofort zu. Auch wenn viele Frauen durchaus beweisen, dass mit ein paar guten Handgriffen auch ein starker Mann überwältigt werden kann. Aber darauf will ich nicht hinaus.

Wir sind in einer Fantasywelt. Hier reagiert durchaus Deine Fantasie. Warum also bitte schön, sollen Frauen nicht genauso stark wie Männer sein? Oder gar stärker? Nenne mir einen guten Grund? Wir bilden hier nicht zwangsläufig die Realität ab. Und zudem gibt es Fantasyvölker. Das bedeutet, hier müssen nicht die gleichen biologischen Gesetze herrschen, wie bei uns Menschen. Von den sozialen Gesetzen schreibe ich an dieser Stelle mal nicht.

Wenn Du, sagen wir Mal, über ein Orkvolk schreibst, können die Frauen genauso stark sein, wie die Männer. Oder Du teilst auf. Es gibt also Frauen und Männer, die stärker sind, als andere aus dem Volk (also ebenfalls Frauen und Männer). Die Starken gehören zur Kriegskaste und die Schwachen bleiben zu Hause.

Die Kaste der Regentinnen

Gut, jetzt sagst Du Dir, ich will meine Frauen nicht in den Krieg ziehen lassen. Dann setz ihr doch eine Krone auf? So als Beispiel. Oder bring sie anders ins Regierungssystem ein.

Die wohl bekannteste Rolle von Frauen als Regentin ist eben der einer Königin. Oder auch die einer Prinzessin. Auch wenn einige Fantasygeschichten diese Rolle nicht so optimal ausnutzen, wie man es sich wünscht.

Häufig kommt der Königin eher eine Statistinnenrolle zu. Sie darf lächeln, ihren Ehemann unterstützen, aber sobald er stirbt, kommt nicht sie an die Macht, sondern sehr häufig ein anderer Mann.

Wie wäre es, wenn sie aus eigenem Recht her regiert? Sie wird als Prinzessin geboren und darf dann als Königin allein regieren? Ohne, dass ein Mann ihr die Würde in irgendeiner Art und Weise zubilligen muss. Oder, wenn sie verheiratet ist und ihr Gemahl stirbt, dass sie dann selbst regieren darf, bis die nächste Generation dran ist? Wäre zumindest eine schöne Abwechslung.

Aber Frauen müssen nicht nur Prinzessinnen oder Königinnen sein. Wie wäre es denn als Beraterin? Meistens kommt Männern diese Rolle zu. Doch auch Frauen können logisch denken und einen König beraten. Oder ihn in die Irre führen, je nachdem, was Du willst.

Oder sie könnte auch als Botschafterin arbeiten. Man sagt doch Frauen zu (wenn wir die Klischees bedienen), dass sie sehr einfühlsam sind und darauf bedacht, die Harmonie zu erhalten.

Die Kaste der Wissenschaft

Gehen wir mal aus dem Schloss, wo wir die Kriegerin und die Königin am ehesten finden, weg und schauen uns mal in den Universitäten oder im Leben um. Dort finden wir sicherlich auch Frauen, die etwas Interessantes zu erzählen haben.

Wissenschaftlerinnen können herausfinden, wie die Welt funktioniert oder auch neue Waffensysteme entwickeln, damit die Soldatinnen sie nutzen können. Oder von mir aus, sie erfinden etwas, um die körperlichen Schwächen der Frauen zu kompensieren.

Frauen können zum Beispiel als Physikerinnen oder Chemikerinnen arbeiten, gerne auch als Mathematikerinnen. Aber auch als Biologinnen und hei, wie wäre es denn mit einer Alchimistin?

Natürlich könnte sie an einer Universität lernen und lehren. Aber auch in ihrer kleinen Stube unter dem Dach eines Hauses. Egal welche Widrigkeiten Du sie aussetzt, solange sie eine Liebe zu der Wissenschaft hat, wird sie einen Weg finden, um ihre Forschungen zu betreiben. Und vielleicht hast Du eine Lieblingswissenschaftlerin, die Du hier als Vorbild nehmen kannst.

Kaste der Magie

Was wäre eine Fantasygeschichte ohne Magie? Gut, eine Fantasygeschichte. Aber in vielen ist die Magie durchaus ein wichtiges Thema. Und meistens haben die Männer eine gewisse Hoheit darüber. Sie sind entweder der Oberguru, haben den besseren Zugang dazu oder sind sonst wie begünstigt.

Warum sollte nicht eine Frau die Oberhoheit über die Magie haben, so als Obermagierin? Natürlich gibt es Geschichten dazu, aber meistens sind immer noch die Männer, welche auch die magische Führung innehaben.

Häufig sind Frauen, welche die Magie anwenden gefürchtet, verachtet oder gehören schlichtweg zum Lager der Schurkinnen. Sie sind die bösen Hexen, welche das Reich vernichten wollen. Nicht immer, aber immer wieder. Hexen können gerne die Beraterinnen von Königinnen und Königen sein. Sie können das Reich retten, die Heldin oder den Helden anweisen. Du hast mit ihnen eine Menge Möglichkeiten.

Kaste der Heilerinnen

Und eines der wohl weiblichsten Rollen in der Geschichte. Die Frau als Hebamme und als Heilerin. Natürlich kann sie auch eine Ärztin sein, eine Kräuterhexe oder was auch immer es so gibt oder Deine Geschichte benötigt.

Oder Du nutzt einen Beruf aus der Gegenwart und transportierst ihn in Deine Fantasywelt. Das wäre auch noch eine Möglichkeit (auch für die anderen Bereiche). So könnte es eine Gerichtsmedizinerin geben, die mithilfe von Telepathie die Mordursache herausfindet. Nur, um ein Beispiel zu nennen.

Kaste der Händlerinnen

Frauen haben schon immer Handel betrieben. Sie haben Waren hergestellt und verkauft, sie haben eingekauft und weitergekauft.

Sie könnte eine Handelskapitänin sein und eine Flotte besitzen, mit der sie um die Welt reist, um die Waren anzubieten oder einzukaufen. Oder sie besitzt einen Laden, ein Kontor oder was auch immer wichtig ist. Und darüber baut sie sich nach und nach ihr Weltreich auf (hei, man kann auch träumen).

Abschlussgedanken

Das soll nur eine kleine Übersicht darüber bieten, was Deine Fantasyheldinnen theoretisch alles machen können. Sicherlich fallen Dir noch mehr Punkte bzw. Berufe ein, die Du nutzen könntest. Hier findest Du lediglich einen Startpunkt.

Sei kreativ, denk außerhalb des Rahmens und trau Dich. Sicherlich wirst Du ein paar tolle Ideen haben, die Du umsetzen kannst. Auf die Ergebnisse von Dir freue ich mich schon einmal.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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Frauen in Fantasyromanen und in der Geschichte

Frauen in Fantasyromanen und in der Geschichte

als dieser Beitrag ursprünglich auf meinem alten Blog erschien, hatte ich relativ frisch den Film „Warcraft – The Beginning„ gesehen. Ein durchaus sehenswerter Popcornfilm, wie ich immer noch finde. Den dazugehörigen Beitrag hab ich nun aus dem Keller geholt und möchte ihn Dir im neuen Gewand präsentieren.

Kurze Vorgedanken

Es gibt Zeiten, da möchte ich gar nicht so kritisch sein, wie ich es dann doch bin. Als ich diesen Beitrag schrieb, kam ich direkt aus dem Kino. Und an sich war „Warcraft – The Beginning“ durchaus ein sehenswerter, kurzweiliger Film. Doch es gab ein Punkt, der mich doch sehr gestört hatte: meine eigene kritische Brille, der es mir zwischenzeitlich um einiges schwerer macht, diverse Filme zu sehen oder Bücher zu lesen.

Das bedeutet nicht, dass mir der Film keinen Spaß gemacht. Doch es gibt Punkte, bei denen ich mir denke, es hätte um einiges besser werden können, hätte man die eingehalten. Und wie die Überschrift schon vermuten lässt, ja, es geht mal wieder um die Rolle der Frau.

Ein paar Gedanken rund um das Genre Fantasy

Sicherlich können wir uns darauf einigen, dass die meisten Fantasyromane von unserer eigenen Geschichte inspiriert sind. Vornehmlich dem Mittelalter. Wenn wir einen Fantasyroman lesen, dann haben einige vielleicht das Gefühl, so ähnlich könnte es im Mittelalter unserer Welt ausgesehen haben. Auch wenn dieser Gedankengang nicht realistisch ist, so kann es durchaus passieren, dass wir viele Ideen, wie unser Mittealter einst aussah, aus Fantasyromanen übernommen haben.

Unabhängig, ob manche von uns unbewusst verführt werden, Fantasy für ein wenig ZU real zu halten, oder nicht, basiert dieses Genre auf unsere Geschichte. Manche stärker, andere weniger. Und bei einigen Romanen hat man durchaus das Gefühl, reale Länder aus unserer Geschichte direkt eins zu eins zu erleben und nachvollziehen zu können.

Und doch dürfen wir von den meisten Büchern und auch Filmen aus diesem Genre gerne enttäuscht sein. Nun gut, ich kann es. Wie es bei Dir aussieht, will ich nicht entscheiden. Doch die Rolle der Frau in diesem Genre ist für mich schlicht enttäuschend.

Dabei bin ich eine leidenschaftliche Hobbyhistorikerin. Das bedeutet, dass ich gerne historische Sachbücher aller Art lese. Besonders gerne aus der Zeit des viktorianischen Englands (Steampunk lässt grüßen). Aber auch einfach mal so ein Buch über die Steinzeit und dem Mittelalter. Vor einigen Jahren habe ich auch, ohne große Intention, ein Buch über die Geschichte Indiens gelesen. Um ein weiteres Beispiel zu nennen.

Was das alles zu bedeuten hat? Geschichte und Fantasy schließen sich nicht aus, obwohl sie es tun.

Frauen in der realen Geschichte – unserer Geschichte

Wenn wir in historischen Büchern lesen, dann lesen wir meistens Bücher, welche die Geschichte der Männer erzählt. Und meistens wurden und werden sie auch noch von Männern geschrieben. Das bedeutet, dass die Taten von Männern mehr oder weniger in epischer Bandbreite erzählt wurden. Egal wie bedeutend die Angelegenheit wirklich für die Geschichte war, sie wurde erzählt.

So kann es durchaus vorkommen, dass ein unscheinbarer Mann so einer beachtlichen Größe gefunden hat, nur weil seine Geschichte immer und immer wieder erzählt wurde. Und dadurch wurde ihm mehr Bedeutung zuerkannt, als es letztendlich stimmte.

In den Geschichtsbüchern dieser Männer haben Frauen eine untergeordnete Rolle gespielt. Sofern sie überhaupt erwähnt wurden. Denn Frauen spielten in der Welt der Männer nicht unbedingt die Rolle, die sie eigentlich hätten einnehmen sollen.

Und diese sexistische Brille tragen viele Historikerinnen und Historiker noch heute. Und das bringt zwei Probleme mit sich. Zum einen, es wird teilweise den Berichten von damals geglaubt. Zwar gibt es heute durchaus kritische Beobachtungen. So hat man zwischenzeitlich anerkannt, dass es bei den Wikingern auch Wikingerinnen gab, die an vorderster Front gekämpft hatten. Aber wenn ich mir zwei Beiträge im Fernsehen zu einem Thema ansehe, dann bekomme ich mindestens drei verschiedene Ansichten der gleichen Ereignisse.

Denn wir sehen die Ereignisse von damals mit einer Brille der Gegenwart (oder zumindest die Historikerinnen und Historiker). Das bedeutet, was wir heute erleben und heute kennen, wird auf die Vergangenheit angewandt (das zweite Problem). Und zwar ohne Rücksicht darauf, dass damals ganz andere Verhältnisse vorherrschten und somit die Dinge ganz anders bewertet werden müssten.

So werden Dinge, die Frauen getan haben, in einem ganz anderen Licht betrachtet. Wurden sie nicht erwähnt oder in einem Kontext, der heute eher als unschön gilt, wurde dies einfach übernommen und nicht weiter kritisch hinterfragt.

So gibt es den Dienst an die Göttin. Das bedeutete, dass Frauen mit fremden Männern eine Nacht verbrachten. Das gilt heute in einigen historischen Berichten als reine Prostitution. Denn was sind Frauen, die mit Männern schlafen und dafür Geld bekommen? Damals war das aber vielleicht (und mit großer Wahrscheinlichkeit war es wohl so) eine völlig andere Sache. Wir wissen es nicht und betrachten diese Angelegenheit in einem völlig falschen Kontext.

Eine andere Sicht der Dinge erlauben sich nicht alle Historikerinnen und Historiker. Leider. Denn dazu müsste man aus der Box springen und über den eigenen Tellerrand schauen. Und noch wagen das nicht alle. Und wenn, dann kann das durchaus zu Anfeindungen führen.

Fakt ist, unsere Geschichte bzw. die Männer hatten zu den verschiedenen Zeiten einen unterschiedlichen Stand zu den Frauen. Vor zwei oder drei Jahren habe ich die Biografie des Großen Kurfürsten gelesen. Unter anderem blieb mir eine Szene im Kopf. Und zwar, dass es geheißen haben soll, dass der wehrte Kurfürst seinen Kurfürstenhut (wohl das Äquivalent zu der Krone eines Königs) seiner Ehefrau Luise Henriette von Oranien zu den Füßen warf. Danach soll er gesagt haben, dass sie doch bitte die Regierungsgeschäfte übernehmen solle, wenn sie doch alles besser wisse.

Jetzt wirst Du Dich vielleicht fragen, was bitte schön der Blödsinn soll. Denn zu Zeiten des Großen Kurfürsten hörte dieser noch auf den Rat seiner Mutter, seiner Schwester und seiner ersten Ehefrau (bei seiner zweiten Ehefrau bin ich mir nicht mehr so sicher).

Erst später wurde der Rat einer klugen Frau nicht mehr geschätzt, ganz im Gegenteil. Dieser wurde abgelehnt und die Frauen sogar misstrauisch beäugt, wenn sie klüger war, als ein Mann.

Und vor allem, sie waren immer ein Teil der Geschichte. Sie waren Töchter, die man verheiraten konnte, Schwestern die gelegentlich was Eigenes auf die Beine stellte und auch Mütter, welche sich um ihre Kinder kümmerten (sowohl Söhne als auch Töchter). Sie waren Ehefrauen von berühmten Männern, unterstützten diese oder kümmerten sich um ihre eigene Sachen.

Frauen waren in der Geschichte immer zugegen. Vielleicht nicht so aktiv, wie ich es mir gewünscht hätte (auch, weil sie es nicht durften). Und doch hatten sie ihren Wert und waren vorhanden. Zwar waren die Männer durchaus die aktiveren. Zudem vergessen so manche Historikerinnen und Historiker, dass es Frauen gab. Aber man kann nicht um sie herumkommen. Das ist so gut wie unmöglich. Und das sollten wir niemals vergessen.

Die Rolle der Frau in der Fantasy

Wenn man sich das durchliest und sich dann anschaut, wie die Rolle der Frau in den Fantasyromanen ist, dann findet man einen gewaltigen Unterschied. Während in der Geschichte die Frau eine entscheidende Rolle spielen konnte, scheint dies in den Fantasyromanen schlichtweg vergessen zu werden.

Schauen wir uns die großen, epischen Fantasyromane an, dann sind die häufigsten Themen Krieg, Politik und die Macht. In der historischen Welt war das nicht unbedingt das Spielfeld von Frauen. Oder kennst Du eine große historische Kriegsherrin. Ja, es hat sie gegeben. Aber jetzt ganz spontan eine zu benennen, das ist durchaus schwierig, ich gebe das gerne zu. Trotzdem haben wir zum Beispiel die Kriegerkönigin Boudicca. Sie gab nicht nur Befehle, sondern kämpfte sogar an vorderster Front.

Aber muss das bedeuten, dass wir deswegen die Frau in den Fantasyromanen einfach vor der Tür lassen müssen? Das war in dem Warcraftfilm nämlich so. Menschenfrauen spielten als Ehefrauen oder Königin eine Rolle. Aber wer war die Kriegerin? Keine Menschenfrau (und sonst kamen keine vor, die man näher hätte betrachten können).

Ich meine, wir haben es hier mit einer Fantasygeschichte zu tun. Und Fantasy entspricht nicht der Realität. Auch wenn wir vielleicht bei manchen Geschichten das Gefühl haben. Oder die Geschichten ein Teil unseres Denkens werden. Sie sind und bleiben fiktionale Geschichten.

Man kann also eine Frau durchaus in Rollen stecken, welche historische Frauen niemals hätten annehmen können oder dürfen. Gerne offen und legal oder auch unter der Hand (wie es Mulan getan hat).

Oder, wenn Du Deine Frauen nicht in den Krieg schicken möchtest, was ist mit der Magie? Physisch gesehen besteht ein Unterschied zwischen Männern und Frauen. Darüber können wir uns einig sein (warum das auch bei anderen Völkern gilt, will sich mir aber nicht erschließen, da könntest Du diese Unterschiede tatsächlich aufheben). Aber warum sollte das für die Magie gelten? Oder in der Politik? Oder in anderen Bereichen?

Es gibt keinen rationalen Grund, warum das nicht in Fantasyromanen gelten soll. Natürlich, in historischen Romanen ist dies eher schwerlich möglich. Doch dort finden wir immer und immer wieder starke Frauencharaktere (das ist bei vielen historischen Romane auch der Grundtenor). Aber Fantasyromane sind einfach keine historischen Romane. Also, warum bitte schön, sollten wir nicht die Möglichkeit nutzen und weniger sexistische Elemente in diese Geschichten einzubauen? Ich sehe einfach keinen Grund.

Abschlussgedanken: Was können wir daraus lernen?

Aus der Geschichte und den historischen Romanen können wir folgendes lernen:

  1. Die Geschichte ist interessant. Sowohl für Fantasyautorinnen und -autoren als auch für alle anderen. Denn sie bietet eine Fülle an Material für Deine Romane.
    Lies ruhig einige Bücher zur Geschichte, die sich auch kritisch mit dem Thema auseinandersetzt. Lies Dir auch gerne Bücher über das soziale Umfeld der damaligen Zeit und nicht nur über die großen Männer der Geschichte. Dort findest Du sicherlich auch interessante Frauenfiguren und damit auch Vorbilder für Dich und Deine Figuren.
  2. Gib den Frauen durchaus größere Rollen in Deinem Fantasyroman. Gerne an der Front, aber auch hinter dem Kampfgetümmel. Gib den Frauen interessante Rollen und interessante Geschichten.
    Damit werden diese Geschichten für Deine Leserinnen und Leser interessanter. Nicht nur für Frauen, sondern im allgemein für alle, die nach Deinem Buch greifen. Denn die meisten von uns wollen interessante Charaktere lesen. Gib sie uns also.
  3. Schreib einfach bessere Bücher. Dazu gehört eine Menge. Aber ich bin mir sicher, Du schaffst das schon.

Dafür wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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Die männerhassende Lesbengruppe

Hei, hallo und herzlich willkommen,

es gibt Ideen, die vielleicht noch keine Klischees sind, aber mich persönlich trotzdem sehr nerven. Und genau über solch eine Idee möchte ich heute schreiben.

Kurze Vorgedanken

Zum ersten Mal ist mir diese Gruppierung in einen meiner liebsten Fantasyreihen aufgefallen (“Das Rad der Zeit” von Robert Jordan). Als ich es damals gelesen habe (das war noch zu meiner Zeit in der Mittelstufe) hab ich das nicht wirklich reflektiert.

Aber irgendwann sehe auch ich hinter den Kulissen und es viel mir auf, dass da etwas nicht stimmt.

Der Inhalt

Eine kleine oder größere Gruppe von Frauen, und zwar nur von Frauen, jagen einzelne Männer oder eine Gruppe von Männern. Diese wollen sie entweder versklaven, unterjochen oder vernichten (manchmal auch alles zusammen). Nichts soll jemals an sie erinnern, wenn es nach dieser Frauengruppe geht.

Diese Gruppe verweigert beinahe schon hysterisch jegliche Unterstützung von Männern, selbst wenn es bei anderen Gruppen der gleichen Organisation es Tradition ist. Sie hassen Männer und wollen dementsprechend kaum, bis gar nichts mit ihnen zu tun haben.

Und um das Klischee zu bedienen, dann sind alle natürlich auch noch Lesben. Ihr Männerhass soll natürlich auf die höchste Spitze getrieben werden. Denn, wenn man keine Männer liebt, muss man sie hassen (so das Vorurteil).

Die Männer sind häufig reine Opfer, die noch nicht einmal wissen, warum diese Frauengruppe sie überhaupt vernichten wollen. Manche von den Männern sind natürlich schlechte Menschen. Das soll zeigen, dass die Arbeit der Frauen durchaus einen wertvollen Beitrag leistet. Aber die anderen sind reine Opfer, die einfach nur überleben wollen. Und eben diese Frauen wollen das verhindern.

Das erste Mal ist mir dieses Klischee oder diese Idee (je nachdem, wie man es benennen möchte) in der oben erwähnten Romanreihe aufgefallen. Dort werden die Frauen, welche die sogenannte Macht beherrschen, in Ajas aufgeteilt. Und die rote Ajah (ob die Farbwahl auch eine Bedeutung hat?), ist eben die männerhassende Gruppierung in dieser Welt.

Normalerweise haben die Aes Sedai (so heißen die Frauen der Ajah) mindestens einen Behüter an der Seite. Also einen Mann, der sie mit dem Schwert beschützt (Frauen können natürlich nicht mit Schwertern umgehen, das nächste Klischee). Nur eben die rote Ajah nicht. Sie weigern sich vollständig, auch nur annähernd auf Männer irgendwie angewiesen zu sein. Und das nimmt schon eigenartige Züge an.

Das Problem

Wo soll ich anfangen, wo das Problem ist. Wie viele Frauengruppen kennst Du, die hinausziehen, um Männer ohne einen ersichtlichen Grund zu vernichten. Es gibt durchaus Frauengruppen, die sich gegen Männer wehren. In Indien zum Beispiel ist das gerade so.

Aber mir fällt jetzt wirklich partout keine Frauengruppe ein, die aus welchen Gründen auch immer, sich aufmachen, um Männer zu vernichten. Das gilt auch im historischen Kontext. Wenn Du was weißt, ich lerne gerne dazu.

Aber da fängt es schon einmal an. Eine Frauengruppe will die armen, armen Männer oder gar die ganze Männerwelt vernichten. Und das aus einer verqueren Ideologie heraus. Und zumeist wissen die Männer noch nicht einmal, warum sie die Opfer dieser Frauengruppe sind.

Zugleich haben wir auch das nächste Problem. Und zwar die vollständige Ablehnung der Unterstützung durch die Männer. Es ist zwar in Ordnung, wenn Frauen erst einmal selbst versuchen, Lösungen für ihre Probleme zu finden. Aber warum soll man vollständig auf die Unterstützung anderer, egal ob Frau oder Mann verzichtet? Denn die Hilfe von Frauen wird ebenfalls abgelehnt, wenn sie deren Ideologie nicht teilen.

Doch wenn man diesen Klischees glaubt, dann würden die Frauen niemals die Hilfe annehmen, weil das schlichtweg schlecht ist. Die Hilfe der Männer ist schlecht. Und Männer können ihnen sowieso nicht helfen. Also braucht man sie sowieso nicht. Manche würden sogar eher sterben, bevor sie einen Mann um Unterstützung bitten. Und das darfst Du übrigens auch wortwörtlich nehmen.

Die Krönung solcher Gruppen ist eben halt auch, dass sie sich auch sexuell nicht für Männer interessieren. Wenn sie also überhaupt sexuelle Interessen haben, dann eben nur für Frauen. An sich ist das nicht schlimm. In diesem Fall ist es der Hintergrund. Frauen sind nur deswegen als sexuelle Partnerinnen interessant, solange sie sich der eigenen Ideologie unterwerfen und eben, weil sie Frauen sind.

Das sind alles im Grunde genommen nur Aneinanderreihungen von Klischees. Frauen, die Männer hassen. Frauen, die Männer jagen. Frauen, die dann eben Lesben sind. Das ist dann die Krönung der Angelegenheit.

Wobei sich mir persönlich die Frage stellt, ob diese Frauen tatsächlich aus sich heraus Lesben sind. Es könnte durchaus sein, dass sie nur ab und an gerne sexuelle Kontakte haben möchten. Da sie sich aber nun einmal keinen Mann suchen können, muss halt die Dame herhalten.

Warum wird das geschrieben?

Manchmal habe ich das Gefühl, dass einige Männer heftige Vorurteile haben, wenn Frauen sich zu einer Gruppe zusammenschließen. Was könnten Frauen schon machen, wenn sie Männer aussperren, weil sie ein wenig Zeit für sich haben wollen? Natürlich eben die Männer vernichten. So einfach ist das.

Zumindest, wenn man meinem Gefühl folgt.

Eine Gruppe von Frauen, die eben Männer jagen und zugleich auch noch Lesben sind. Das ist irgendwie eine Mischung von allen negativen Vorurteilen, die man in diesem Bereich haben kann.

Denn wenn Frauen sich zusammenschließen und Männer keinen Zugang gewähren, dann planen sie eben deren Vernichtung. Und wenn sie keine Hilfe von Männern wollen und nicht mit ihnen arbeiten und reden oder was auch immer, dann müssen sie zusätzlich Lesben sein.

Irgendwann hat wohl jemand diese Gruppe von Frauen erfunden. Und das hat sich dann über Laufe der Jahre und Romane regelrecht festgefressen und wird bis heute ohne es zu hinterfragen benutzt.

Gerade dann, wenn wir es mit einem männlichen Helden zu tun haben (wie bei „Das Rad der Zeit“ der Fall ist), dann ist es gut, wenn man ihm ine ganze Gruppe entgegensetzen kann, damit er niemals Ruhe findet. Jede Frau, mit dem er sich unterhält, könnte letztendlich einen Strick in ihrer Handtasche haben.

Natürlich kann das schwierig für ihn werden. Gerade dann, wenn er vielleicht noch ein Frauenschwarm ist. Das könnte auch eine interessante Geschichte werden.

Wie Du es anders schreiben kannst

Natürlich könntest Du jetzt eine Männergruppe ins Rennen schicken und diese entweder ebenfalls die Männer jagen oder auch Frauen. Aber das wäre nicht viel besser, als das, was ich oben geschrieben habe. Also lassen wir das.

Nehmen wir mal an, Du willst unbedingt eine Frauengruppe haben, damit sie sich so um die Männer kümmern. Das kann durchaus in Ordnung sein. Aber dazu solltest Du ein paar Punkte ändern. Effektiver können diese Frauen sein, wenn sie eben nicht auf die Unterstützung von Männern verzichten würden. Wie wäre es, wenn sie Männer nutzen, um ihre Ziele erreichen? Aber diese nicht allesamt töten?

Aber wie wäre es, wenn Du aus der reinen Frauengruppe eine Mischgruppe machst, die eben einer Ideologie verfolgen. Warum sollten nur Frauen sich vor einer bestimmten Gruppe fürchten und diese dann zu vernichten versuchen? Das können Männer durchaus auch.

Misch also die Menschengruppen miteinander und lasse sie nicht nur Männer verfolgen, sondern auch Frauen und Kinder. Vielleicht willst Du, dass die Männer besondere Fähigkeiten haben? Dann ist das in Ordnung. Aber sie sind Söhne ihrer Eltern, vielleicht Brüder oder auch Ehemänner und Väter. Warum sollte diese ihren Sohn, Bruder, Vater oder wer auch immer verraten und verlassen?

Daher könnte sich die Familie schuldig machen, weil sie den gesuchten Mann unterstützen. Und aus diesem Grund könnten auch sie verfolgt werden. Es gibt also genügend Gründe, wie Du die Gruppendynamik verändern kannst.

Und denk daran, es gibt noch weitere Geschlechter. Auch diese können in Deiner Geschichte eine wichtige Rolle einnehmen. Es muss nicht immer nur Frau gegen Mann oder Mann gegen Frau sein.

Abschlussgedanken

Der Kampf der binären Geschlechter scheint bei vielen immer noch in den Köpfen festzustecken. Dabei könnte man gerade in fiktionalen Texten darüber hinausgehen.

Natürlich können Gruppen gegeneinander arbeiten. Aber warum muss das immer am Geschlecht festgemacht werden? Gibt es nicht mehr Möglichkeiten? Und ich bin mir sicher, wenn Dich das interessiert und Du darüber schreiben möchtest, findest Du gute Alternativen.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg und noch mehr Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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