Plot: Freytags Pyramide

Plot: Freytags Pyramide

eine durchaus bekannte Methode des Plottens ist “Freytags Pyramide”. Daher stelle ich diese heute vor. Auch wenn das definitiv nicht die letzte Plotmethode ist, die es gibt.

Kurze Vorgedanken

Nicht jede Plotmethode passt auf jede Autorin oder jeden Autor. Daher ist es verständlich, dass verschiedene Autor*innen verschiedene Plotmethoden überlegen, erfinden oder definieren.

Und auch wenn an dieser Methode schon der Staub angesetzt hat, so ist die Idee dahinter durchaus noch sehr modern. Daher empfehle ich Dir, Dich damit gerne zu beschäftigen. Vielleicht findest Du Deinen Nutzen daraus.

Wer war denn dieser Freytag?

Gustav Freytag (* 13 Juli 1816 in Kreuzburg Oberschlesien, + 30. April 1895 in Wiesbaden) war ein deutscher Schriftsteller. Sein Buch „Technik des Dramas“ gehört zu den wichtigsten Werken über Dramaturgie seiner Zeit. Und vor allem, es wird immer noch aufgelegt, was durchaus für die Zeitlosigkeit seines Textes spricht.

In seiner Dramatheorie fasst Freytag das geschlossene Drama zusammen, welche von Aristoteles bis hin zu Friedrich Schiller funktionierte. Dazu benutzte er eine sogenannte Pyramide, welche die Punkte Exposition und erregendes Moment, Höhepunkte mit Peripetie, retardierendes Moment und Lösung bzw. Katastrophe enthält.

Der Aufbau der Pyramide

Im Folgenden beschreibe ich Dir, wie die Struktur seiner Pyramide aufgebaut ist, und erkläre dies anhand des Films „Star Wars – Krieg der Sterne„. Vermutlich muss ich hier keine Spoilerwarnung aussprechen, oder?

Der 1 Akt:

Sie enthält die Exposition. Hier bekomme ich als Leserin erzählt, wo ich mich zeitlich und örtlich in der Geschichte befinde. Wie lautet die Vorgeschichte zu dem, was ich nach und nach vorgesetzt bekomme und wer sind die wichtigen Figuren, die mich durch die Handlung begleiten? Weiterhin sollte meine Aufmerksamkeit auf den sogenannten Keim des Konfliktes und der Spannung gelenkt werden.

Sehr häufig lese ich in Schreibratgebern, dass man in den ersten Seiten schon wissen sollte, wo befinde ich mich ganz genau, was für ein Roman lese ich und mit wem habe ich es fast die ganze Zeit zu tun.

Anders ausgedrückt, willst Du Deinen Roman in den Sand setzen, dann erzähle mir bloss nicht, dass es ein Fantasyroman ist, wo genau ich mich in diesem Roman befinde, welche Zeit es ist und so weiter.

Natürlich musst Du nicht gleich alle wichtigen Charaktere einführen. Es kann auch sein, dass es für die Handlung wichtig ist, dass eine Figur erst ein wenig später auftritt. Aber die meisten wichtigen sollten von Anfang an klar definiert sein.

Kleiner Tipp: Du kannst auch einige Erzählstränge parallel laufen lassen. Damit schaffst Du es mehrere Charaktere einzuführen, ohne das diese erst einmal etwas miteinander zu tun haben.

Schau Dir StarWars IV zum Beispiel an: Wir kennen die Vorgeschichte (die Gefangennahme von Prinzessin Leia), wir kennen die wichtigen Figuren, eben noch einmal Prinzessin Leia und Luke Skywalker (bis zu einem gewissen Grad auch Obi-Wan Kenobi) und später kommt noch Han Solo dazu (mit Chewbacca natürlich). Wir wissen genau, dass es eine Sci-Fi Geschichte ist, weil wir es mit Raumschiffen zu tun haben. Und können uns daher denken, dass es in der Zukunft spielen kann (wobei, ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es das wirklich ist oder einfach nur in einem anderen Teil des Universums, wo eben zufällig auch Menschen herumwimmeln).

Der 2. Akt.

Hier geht es zum erregenden Moment. Die Handlungsfäden werden verknüpft und auch verschlungen. Es kommt, dass Interessen aufeinanderstoßen, hier werden Intrigen gesponnen, die Entwicklung der Geschichte beschleunigt sich, sie nimmt Fahrt auf und bewegt sich in eine bestimmte Richtung. Hier soll die Spannung auf den weiteren Verlauf der Geschichte gesteigert werden und natürlich auf das Ende (die sogenannte Finalspannung).

Die Geschichte nimmt also Fahrt auf. Natürlich solltest Du bei der Exposition keine Zeit verlieren, damit ich als Leserin nicht das Buch zur Seite lege. Aber hier geht es noch einmal rund und es soll die erste Spannung entstehen.

Ich sehe hier bei StarWars IV die Ereignisse in der Bar, wo unsere Helden auf Han Solo treffen, die Vernichtung von Leias „Heimatplaneten“ durch Darth Vader und die Suche nach der Prinzessin. Und vor allem die Verfolgung des Helden durch den Antagonisten Darth Vader.

Der 3. Akt.

Unser Konflikt erreicht hier ihren Höhepunkt. Der Held steht in der entscheidenden Auseinandersetzung. Hier heißt es Sieg oder Niederlage. Ganz einfach, keine Ummalung.

In StarWars IV sehe ich hier den Kampf zwischen Obi-Wan Kenobi und Darth Vader. Hier wird der Mentor zum Helden. Er kämpft gegen den Schatten, um den wahren Helden (Luke Skywalker) zu retten.

Diese können fliehen, um dann zum vierten Akt überzugehen.

Der 4. Akt.

Hier geht die Handlung auf das Ende zu (die fallende Handlung). Die Spannung wird hier jedoch noch einmal gesteigert, in dem sogenannten retardierenden Moment verzögert sich die Auflösung und es geht noch einmal weiter. Der Held kann gerettet werden (das nennt sich Tragödie) oder sein Sieg wird infrage gestellt (das wieder herum Schauspiel).

Es soll also noch einmal spannend werden, von mir aus, es soll noch ein wenig Screentime oder ein paar Seiten aufgebaut werden, damit die Leute noch bei der Stange bleiben. Ich als Leserin soll erst einmal Luft schnappen, damit es noch einmal so richtig rundgeht.

In StarWars IV sehe ich die Szene nach dem Kampf zwischen Meister und Schatten. Leia ist gerettet und eigentlich könnten jetzt alle nach Hause gehen. Doch da gibt es noch das eine oder andere Problem zu lösen. Zum einen sind die Jäger, welche die Falcon verfolgen und vernichten sollen. Also muss hier Luke zeigen, dass die Trauer über den Verlust seines Meisters ihn nicht ganz am Boden hält. Zudem gibt es da noch einen gewissen Todesstern, welche das All in Furcht und Schrecken versetzt und den nächsten Planeten platt machen will.

Der 5. Akt.

Hier kommen wir dann endlich zur Lösung des Konfliktes. Dies kann in einer Katastrophe geschehen (also im Untergang des Helden – Tragödie) oder durch seinen Sieg und der dazugehörigen Verklärung (Schauspiel).

StarWars IV zeigt hier den Kampf der Piloten gegen den Todesstern. Schaffen sie es diesen zu vernichten, bevor dieser den Planeten der Rebellen vernichtet? Oder wird Luke zuvor von Darth Vader abgeschossen und dabei getötet? Natürlich schafft er es (ich denke nicht, dass das noch ein Spoiler ist, oder?) und am Ende als Held gefeiert.

Wenn wir an dieser Stelle sind, dann geht es zum Schluss und ich kann als Leserin endlich aufatmen, das Buch zur Seite legen (mich hoffentlich ärgern, weil das Buch so schnell ausgelesen ist) und mich auf Band 2 freuen oder auf ein neues Buch, das hoffentlich genauso gut geschrieben ist.

Zusammenfassung

1. Akt: Exposition

  • Ort, Zeit, Person und Handlung werden vorgestellt
  • Der Konflikt wird angedeutet

2. Akt: Ansteigen der Handlung / erregendes Moment

  • Die Handlungsfäden werden verknüpft
  • Intrigen werden gesponnen
  • Die Entwicklung des Geschehens geht in Richtung Spannung (es soll ja weiter gelesen ggf. der Film weiter gesehen werden).

3. Akt: Höhepunkt und Peripetie

  • Der Konflikt gelangt zum Höhepunkt
  • HeldInnen stehen vor der entscheidenden Auseinandersetzung
  • Peripetie = es kommt zur dramatischen Wende und es heißt Sieg oder Niederlage

4. Akt: Fallende Handlung mit retardierenden Moment

  • „Kann sich der Held noch einmal retten?“

5. Akt: Katastrophe

  • Lösung des Konflikts (entweder Tragödie oder Schauspiel)

StarWars und die Heldenreise

Natürlich ist mir bewusst, dass George Lucas gerade den ersten Teil der alten StarWars-Saga auf der Grundlage der Heldensage aufgebaut hat.

Aber wie Du siehst, funktioniert diese Technik auch bei einem Film, der mit einer anderen Methode aufgebaut wurde.

Zusammenfassung und Schlusswort

Man kann natürlich diesen Aufbau ein wenig mit der Fünf-Akt-Struktur verwechseln (immerhin hat diese Pyramide auch fünf Akte). Aber beides hat eine eigene Dynamik. Es geht hierbei letztendlich darum, dass die Lösung des Konflikts einmal verzögert wird. Dabei soll ich als Leserin noch einmal die Luft anhalten und mich fragen, wow, wie geht es jetzt weiter, schaffen es die HeldInnen wirklich oder geht alles in die Hose?

Diese Technik wirst Du aller Wahrscheinlichkeit auch in vielen Schreibratgebern finden (ich bin zwischenzeitlich drei oder vier Mal darüber gestolpert) und es hat durchaus seine Gültigkeit. Ansonsten hätte es nicht gut 2.000 Jahren (seit Aristoteles) bis heute überlebt.

Wenn Du es also ausprobierst, wünsche ich Dir dabei viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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