Erotik vs. Pornografie

Hei, hallo und herzlich willkommen,

es heißt, ein guter Liebesroman kommt nicht ohne eine gewisse Prise Erotik nicht aus. Das gilt natürlich nicht für alle Liebesromane, aber sicherlich für sehr viele. Jedoch wirken einige Romane so, als wollten sie keine erotischen Romane sein, sondern reine Pornographie. Und keine Sorge, trotz des eindeutigen Titels, muss ich hier keine FSK-Warnung aussprechen.

Kurze Vorgedanken

Mehrheitlich halten sich die Autorinnen und Autoren, die einen Liebesroman schreiben, an die Regel, ein guter Liebesroman braucht eine Prise Erotik. Zumindest von denen, die ich gelesen habe. Denn natürlich kann, darf und soll ein Liebesroman auch ohne Erotik und Sex auskommen. Das ist auch immer eine individuelle und persönliche Entscheidung. Und natürlich ist es auch eine Entscheidung im entsprechenden Genre. Einige verlangen Erotik, andere hingegen nicht. Da würde es sogar stören, wenn unsere Charaktere sogar ins Bett hüpfen würden.

Zu diesem Thema gab es ein Workshop auf der letzten LoveLetter Convention 2016. Damals entschied ich mich, zu diesem Thema einen Beitrag zu schreiben. Dieser bildet nun die Grundlage für diesen Beitrag. Zugleich wurde er noch ein wenig aktualisiert, aufgrund der Erfahrungen, die ich seitdem gemacht habe. Und das Wissen, was ich sammeln durfte.

Erotik – Eine (mögliche) Definition

Wer das Wort Erotik hört, denkt natürlich an das Eine. Zwei Menschen treffen sich und letztendlich landen sie, natürlich, im Bett (oder wo auch immer) und haben Sex. Bei einigen Romanen reicht es aus, wenn sie ihr Paar einmal ganz kurz ins Bett schicken (oder wo auch immer sie miteinander Sex haben können). Jedoch soll es bei einigen Verlagen vertraglich geregelt sein, dass bei einer gewissen Seitenanzahl um die drei erotische Szenen geben muss. Und bei einigen Romanen würde ich das, vom Gefühl her, sogar bestätigen. Denn ich konnte tatsächlich ungefähr sagen, wann die nächste Sexszene auftauchen würde. Womit ich dann auch fast immer recht hatte.

Aber man kann durchaus sagen, ein erotischer Roman ist ein Roman, der erotische Szenen enthält. Und dadurch haben diese Romane durchaus ein gewisses Niveau. Nicht immer, aber häufig.

Denn ein erotischer Roman erzählt eine Geschichte und die Sexszenen Sorgen nur für die letzte Würze. Das bedeutet also, die Charaktere (egal, in welcher Konstellation die Geschichte geschrieben wird) bekommen Lust aufeinander und dies tragen sie eben nicht nur auf einer geistigen Ebene aus, sondern halt auch körperlich. Und dies wird unterschiedlich deutlich gezeigt (also man angedeutet und mal direkt beschrieben).

Eine Geschichte mit Erotik

Idealerweise würzt die Erotik eine gute bis sehr gute Geschichte. Dabei ist es egal, ob es sich hierbei um einen Liebesroman oder um eine Fantasygeschichte oder einen Krimi handelt. Zwischenzeitlich werden die Genres so dermaßen miteinander gemischt, dass theoretisch überall die Erotik auftauchen kann.

Und wenn sie gut eingesetzt wird, dann ist es wie ein gutes Gewürz in einem Rezept. Es kann dem Rezept die letzte Note geben, um aus einem guten Mittagessen ein Genuss zu machen. Doch Vorsicht. Fügst Du zu viel von dem Gewürz in die Speisen, versaut es die Geschichte am Ende.

Es fängt alles mit den Charakteren an

Charakterarbeit ist bei einem guten Erotikroman das wohl Wichtigste. Denn in solchen Geschichten sollst Du zwei (oder auch mehr) Charaktere ins Bett schicken und nicht Figuren, die nur dafür erschaffen wurden, um am Ende Sex zu haben (siehe für mehr im unteren Teil mit der Pornografie).

Natürlich werden die Charaktere durchaus in die Richtung bearbeitet, damit sie am Ende wirklich miteinander Sex haben. Wenn Du eine Figur hast, die überhaupt kein Interesse an Sex und schöner Erotik hat, wirst Du sie schwerlich mit jemand ins Bett kriegen. Daher kann man sehr wohl sagen, dass die Erotik durchaus die Grundlage für Deine Charaktere ist. Sie werden also so erschaffen, dass sie am Ende ins Bett kommen. Aber man darf gerne das Gefühl haben, dass sie hier durchaus einen freien Willen haben.

Trotz allem ist es wichtig, dass Du Stärke und Schwäche, Ziele, Motivationen und auch Hindernisse für Deine Charaktere erschaffst. Die Erotik ist also nur ein Teil des kompletten Pakets. Aber natürlich darfst Du Dir hier auch überlegen, welche Techniken (Sexpositionen) Deine Charaktere in der Geschichte ausprobieren und ihnen Spaß macht.

Erotik als Ausrede … für eine schlechte Geschichte

Bedauerlicherweise halten sich nicht viele an meinen Wunsch, dass die Erotik ein durchaus wichtiger Teil der Figur ist, aber eben nur bei einem Teil bleibt. Denn zu oft musste ich Romane lesen, die scheinbar nur aus erotischen Szenen bestehen (und nein, ich bin alles andere als prüde, schön wäre es, dann hätte ich wenigstens selbst eine Ausrede).

Wenn Du einen schlechten Roman geschrieben hast, dann mag das ärgerlich sein, aber denk daran, es handelt sich um die erste Fassung. Und die erste Fassung darf immer schlecht sein. Daher ist es Deine Aufgabe, aus der schlechten ersten Fassung eine gute zweite Fassung zu machen. Doch das schaffst Du nicht, indem Du mit aller Gewalt eine erotische Szene nach der anderen in die Geschichte stopfst.

Doch genau das machen viele Autorinnen und Autoren. Aus irgendwelchen Gründen schreiben sie einen Roman, der nicht viel hergibt. Und dann versuchen sie, den schwachen Plot damit zu retten, dass sie die Heldin und den Helden immer und immer und immer wieder ins Bett schicken. Die Geschichte ist verloren. Meine Empfehlung ist ganz klar, konzentriere Dich das nächste Mal auf Deinen Plot. Dann wird aus der Idee was Gutes. Ab und an werden solche Geschichten gelesen, das stimmt, aber nicht immer wieder.

Insert Sex Scene here

Vor Jahren habe ich versucht, eine Reihe zu lesen, die von der Idee her sehr gut klang. Und ich habe mich auch damals in die Covers verliebt und war richtig hibbelig, als ich auf die deutsche Veröffentlichung gewartet habe. Doch dann habe ich mir die Leseprobe durchgelesen und war schon damals richtig enttäuscht gewesen. Aber das hat mich trotzdem nicht abgehalten, mir Band 1 zu kaufen. Und als Band 2 und 3 günstig zu erwerben war, habe ich die mir auch noch geholt.

Großer Fehler!

Über die schwache Geschichte selbst möchte ich hier nicht schreiben, da es nicht zum Thema gehört. Mir war klar, dass irgendwann eine Sexszene geben muss. Aber als es dann so weit war, wirkte es wirklich wie erzwungen. Und dann auch nur eine Seite lang.

Es war, wie ich weiter oben schon beschrieb, dass drei Sexszenen eingeführt werden mussten. Und das tat die Autorin dann nach einer gewissen Anzahl von Seiten. Lieblos und teilweise auch total sinnlos.

Abschlussgedanken

Natürlich ist es eine Kunst gute Erotik zu schreiben. Wenn Du aber das wirklich schreiben möchtest, dann wirst Du sicherlich einen Weg finden, um aus dem Akt etwas ganz Feines zu erschaffen.

Vorgedanken zum Thema Pornografie

Bei dem Workshop, auf der Love Letter Convention, war man sich, mehr oder weniger, einig: Pornografie ist pfui bäh.

Was jetzt nun wirklich Erotik und was letztendlich Pornografie ist, das ist absolut Geschmackssache. Und die folgende Definition ist meine persönliche, was eben mein Geschmack ist. Das bitte ich zu berücksichtigen. Aber ich denke durchaus, dass ich da mit den meisten sicherlich konform gehe.

Was ist denn nun Pornografie?

Ich bezeichne Pornografie als eine reine Ansammlung von Sexszenen, die versucht dazwischen noch so etwas wie eine Geschichte mit Charakteren zu haben. Doch zumeist ist diese Geschichte so dermaßen konstruiert, dass es schon eher peinlich wirkt, als dass man wirklich Lust hat, dieser zu folgen.

Wenn es so etwas wie eine Charakterarbeit gibt, dann ist sie eher sehr minimal, man könnte schon fast sagen, klischeehaft. Und am Ende ist es sowieso wichtiger, dass die beiden Figuren so schnell wie möglich sich die Kleider vom Leib reißen, um ins Bett zu landen (sofern sie da überhaupt hinkommen), als ein tiefsinniges Gespräch zu führen.

Es geht hier halt um den Sex

Du musst nicht antworten, aber ich denke mal, Du hast mindestens einmal in Deinem Leben zumindest in einem Porno reingesehen. Daher wirst Du ja sicherlich ahnen, dass Pornos eher dazu da sind, die Person (meistens den Mann) körperlich zu stimulieren und nicht den Geist. Und was letztendlich im Film klappt, wurde dann in die Geschichte übernommen.

Wenn Du also einen pornografischen Roman schreiben willst, dann kannst Du es ruhig tun, doch achte dabei, dass die Sexszenen unterschiedlich aufgebaut und allesamt interessant sein dürfen. Denn es gibt nichts langweiligeres, wenn jede Sexszene sich ähnelt. Die Geschichte selbst darf dabei nicht komplett fehlen, aber kann eher im Hintergrund bleiben. Nur rechne damit, dass es dann in einer entsprechenden Schublade landet.

Rotes Tuch Pornografie

Im Workshop auf der LLC 2016 wurden drei Autorinnen gefragt, ob sie sich als Erotik- oder als Pornoautorinnen sehen würden. Die Antwort war ganz klar, sie sehen sich als Erotikautorinnen. Man konnte schon die Antwort schmecken, dass Porno eher einen sehr negativen Beigeschmack hat. Und niemand möchte mit dieser Bezeichnung in Verbindung gebracht werden.

Denn Porno ist eben noch immer pfui bäh. Ich vermute durchaus, weil es eben die Pornoindustrie gibt, die nicht immer den besten Ruf hat. Und zudem wird ja meistens nur eine bestimmte Region angesprochen und nicht den Geist. Da aber viele Erotikautor*innen aber vielmehr ihre Leser*innen auch geistig beanspruchen wollen, ist es für einige eine Beleidigung, wenn man sie als Pornoautorin bezeichnet.

Ist Erotik nicht Pornografie?

Wenn man sich einige Rezensionen durchliest, dann empfinden viele Leserinnen und Leser Erotik als Pornografie. Und das aus Prinzip. Das ist eben das, was ich in der Einleitung erwähnte. Das persönliche Gefühl spiele hier eine sehr wichtige Rolle. Daher kann es sein, dass Dein Gefühl sich nicht mit dem Gefühl Deiner Leser*innen decken muss. Du sagst ganz klar, ich schreibe Erotik. Eine Deiner Leserinnen sagt, Nein, Du schreibst Porno. Und das Schlimme ist, ihr beide habt recht.

Meine Empfehlung hier ist auch ganz klar, diskutiere nicht. Du kannst argumentieren, warum Du selbst eine Geschichte als erotisch bezeichnest. Aber respektiere in diesem Fall die Gefühle anderer und akzeptiere sie. Damit lässt es sich durchaus gut leben.

Ich selbst sage für mich ganz klar, es gibt doch einen gewaltigen Unterschied zwischen beiden Genres. Eben, wenn Du schon einmal einen Porno gesehen hast, dann wirst Du sicherlich mitbekommen haben, dass die Geschichte selbst eher kurz gehalten ist und es dann zur Sache geht. Bei einem Erotikroman geht es eher darum, dass die Charaktere sich näherkommen, sich beschnuppern und dann erst ins Bett gehen. Zumindest im Idealfall.

Gibt es gute Pornos?

Ehrlich gesagt, das kann ich gar nicht beantworten. Laut dem Workshop gibt es einige. Aber leider habe ich die Namen nicht verstanden, die eine Teilnehmerin eingeworfen hat und es gab keine Möglichkeiten der Nachfrage. Aber es gibt immer eine Perle in jedem Genre, wo man sich denkt, wow, danke, dass ich diese Geschichte finden durfte. Und das gilt sicherlich auch für den Bereich Porno.

Frauen sollen aber weniger auf solche Geschichten (und damit auch Filme) ansprechen, als Männer. Daher lesen sie diese Art von Romanen oder Kurzgeschichten auch eher weniger. Aber das bedeutet nicht, dass sie nicht ab und an doch mal eine pornografische Geschichte lesen. Doch es ist wohl eher so, dass Männer die Hauptkonsumenten dieser Richtung sein sollen (dazu gibt es angeblich auch einige Studien, aber das würde jetzt wohl doch zu weit führen).

Es liegt natürlich an Dir, wofür Du Dich am Ende entscheidest. Willst Du überhaupt Sex in Deiner Geschichte verwenden? Und wenn ja, wie viel Prozent sollen sie ausmachen? Ob es dann am Ende sogar ein Porno wird, das ist dann noch einmal eine persönliche Entscheidung und/oder auch eine Geschmacksfrage.

Wenn Du Dich aber mit den Gedanken näher beschäftigen willst, dann ist es durchaus interessant zu lesen, was andere bereits geschrieben haben und wie weit Du gehen willst.

Abschlussgedanken

Meine Empfehlung ist ganz klar, lies ruhig erotische Geschichten, aber auch pornografische. So erkennst Du den Unterschied für Dich und weißt genau, was Du am Ende tatsächlich schreiben möchtest. Wie viel Erotik letztendlich in Deiner fertigen Geschichte landen wird, das entscheidest Du (oder Du und Dein Verlag) und die Geschichte bzw. Deine Charaktere. Wenn Du, gefühlt, gegen ihre Charakterisierung handelst, dann merkt man das. Und in meinen Augen hast Du dann ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Aber das schauen wir uns noch einmal in aller Ruhe in den kommenden Wochen an.

Bis dahin, alles Liebe

Deine frau schreibseele

 

Einen Liebesroman schreiben – Eine Fragestellung und 5 Schritte

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

Mai 2017 startete die sogenannte #Autorinnenzeit. Das war ein ganzer Monat, in dem die Bücher von Autorinnen (tatsächlich nur die Frauen) vorgestellt wurden. Der Monat wurde von Frauen (und auch einigen Männern) durchaus positiv aufgenommen. Man muss es aber so sagen, dass es durchaus einige Männer gab (mehrheitlich die Herren der Schöpfung), welche gegen diesen Monat übelst wetterten.

Dabei gab es immer wieder Wünsche und Aufforderungen von Leserinnen, dass sich die Autorinnen mit sogenannten “ernsten” Genres bitte beschäftigen mögen. Und es kristallisierte sich schnell heraus, dass der Liebesroman nicht zu diesen Genres gehört, mit den frau sich auseinandersetzen möge. Wie man sich vorstellen kann, mochten das einige Autorinnen weniger. Gerade, wenn sie Liebesromane schreiben. Denn sie lieben dieses Genre und sie lieben ihre Geschichten.

Daher möchte ich diesen Monat unter dem Zeichen des Liebesromans stellen. Schauen wir uns an, wie man einen Liebesroman schreiben kann, sowie einige andere Punkte, die dazu gehören. Eben für die Autorinnen (und auch Autoren), die gerne einen Liebesroman schreiben möchten. Liebesromane können toll sein, können spannend sein und ein schönes Leseerlebnis bieten. Und das ist es doch, was wir als Leser*innen möchten und freuen uns, wenn wir dieses Lob als Autor*innen bekommen.

Kurze Vorgedanken

Bei Liebesromanen geht es letztendlich natürlich durchaus darum, dass sich zwei Menschen finden, sich ineinander verlieben, sich streiten und daher trennen (wenn auch nicht immer physisch) und am Ende wieder zusammenkommen. Aber es gibt bestimmte Fragestellungen, um einen Liebesroman in der ersten Stufe zu planen.

Daher habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie die Grundfragestellung dabei ist. Darauf möchte ich zuerst eingehen. Und danach stelle ich Dir fünf Schritte vor, wie Du theoretisch einen Liebesroman schreiben kannst.

Eine Fragestellung zum Liebesroman

Wer ist die Heldin? Wer ist der Held?

Es sollte schon recht frühzeitig klar sein, wer ist unsere Heldin und wer ist unser Held in der Geschichte. Alternativ Deine beiden Heldinnen in einem lesbischen Roman bzw. Helden in einem Gay Romance oder welche Varianten Du auch immer anstrebst (Stichwort Intersexuelle oder auch alternative Beziehungen). Viele empfehlen, dass die Heldin und der Held (aus Einfachheit bleibe ich bei dieser Konstellation) sich mindestens im ersten Kapitel schon treffen sollten. Kapitel 2 ist da schon zu spät.

Andererseits, ich habe schon Romane gelesen, in dem sich das Paar erst in Kapitel 2 getroffen haben. Zudem gibt es durchaus auch Beispiele, bei denen sich die Charaktere sogar noch ein wenig später treffen. Aber es sollte schon recht frühzeitig sein. Ausnahme wäre ein Epos von über 1.000 Seiten oder die über mehrere Bänder läuft und wo die Liebesgeschichte ein Teilaspekt ist. Solche Beispiele gibt es und bilden nie die Regel ab. Daher werde ich solche Ausnahmen nicht weiter berücksichtigen.

Überlege Dir also wann und wie die Heldin und der Held sich treffen und wie dieses Treffen aussieht. Idealerweise führst Du schon beim ersten Treffen den Konflikt der beiden ein, damit es gleich von Anfang an spannend ist.

Was führt sie zusammen?

Irgendeinen Grund gibt es ja, warum die Heldin und der Held sich ineinander verlieben. Was ist dieser Grund? Ja, es darf ruhig das Aussehen erst einmal sein. Aber irgendetwas an der Persönlichkeit sollte natürlich überzeugen, damit sie sich ineinander verlieben. Das Aussehen ist halt nur ein oberflächlicher Aspekt. Wenn unter dieser Oberfläche nichts ist, was man lieben kann, werden Deine Leser*innen sich fragen, was die voneinander wollen. Und solltest Du sie nicht überzeugen können, dürfte es gut möglich sein, dass Dein Buch eine Reise gegen die nächste Wand macht.

Definiere dieses etwas. Was ist der Grund, warum sie sich überhaupt füreinander interessieren und warum sie umeinander herumtanzen? Wenn Dir das klar ist, wie die Anziehungskraft zwischen diesen beiden Figuren aussieht, dann kannst Du es entsprechend in Deine Geschichte einbauen.

Was trennt sie?

Du darfst es für Deine Heldin und Deinen Helden nicht leicht machen, dass sie zueinanderfinden. Also muss es irgendeinen Grund geben, warum es mehr als 3/4 des Buches dauert, bis sie wirklich zusammenkommen.

Der Anfang Deiner Geschichte ist halt das Treffen zwischen der Heldin und dem Helden. Dann kommt der Tanz zwischen den beiden. Sie kommen sich näher, sie entfernen sich, aber nicht zu weit, damit sie wieder zusammenkommen, um dann wieder zu trennen, damit es am Ende zum Happy End kommt.

Finde also einen überzeugenden Grund, warum Deine Heldin und Dein Held nicht richtig zusammenkommen. Diese Hürde darf nicht ZU hoch sein. Denn ich habe einen Roman gelesen, da war diese Hürde extrem hoch und ich war von der Beziehung am Ende überhaupt nicht mehr überzeugt. Denn am Anfang erklärte sie, sollte er bestimmte Dinge tun, würde sie ihn nicht mal mehr mit dem Popo ansehen. Und er hat genau DAS getan. Natürlich musste er sie überzeugen, dass er doch der Typ ist, mit dem sie glücklich wird. Aber diese Überzeugungsarbeit scheiterte eigentlich. Daher ließ die Autorin einfach diese Hürde fallen und damit hatte sich das ganze Thema erledigt. Bei aller Liebe, mich hat das nicht überzeugt. Übrigens ist das auch der Grund, warum ich bisher der Autorin keine zweite Chance gegeben habe. Die Enttäuschung sitzt noch ziemlich fest.

Aber sie darf auch nicht ZU niedrig sein, sodass ich mich frage, warum sie nicht gleich ins Bett gehen und Du kannst mich mit der Geschichte in Ruhe lassen. Immerhin willst Du ja, dass ich Deinen Charakteren einige Seiten folge. Also musst Du mir natürlich etwas bieten.

Überzeuge mich also mit dem Grund und dann gewinnst Du mich auch für Deinen nächsten Roman als Leserin.

Was führt sie letztendlich richtig zusammen?

Was sie trennt, muss irgendwann einmal überwunden werden. Also musst Du auch etwas finden, was sie beide nun endgültig zusammenführt. Welche Kraft bringen die beiden auf, um die Hürde zu überwinden und um am Ende zusammenzukommen?

Diese Kraft muss natürlich stärker sein, als das, was sie trennt. Was ist diese Kraft und wie schaffen sie es, die Kraft der Trennung zu überwinden? Definiere es und schreibe es auch auf. Hier noch ein wichtiger Hinweis: Diese Kraft muss von den beiden Charakteren kommen. Es darf niemand von außen erscheinen und sagen, dass sie oder er sich um das Problem kümmert und unser Paar glücklich bis an ihr Lebensende miteinander leben darf. Die Überwindung aller Probleme muss am Ende von ihnen kommen.

Klar, sie dürfen Unterstützung erhalten. Aber der Endkampf ist ihnen bestimmt. Niemanden sonst.

In 5 Schritten zu Deinem Liebesroman

Kommen wir nun zu den fünf Schritten, die Du anwenden kannst, um einen Liebesroman zu schreiben.

1. Starke Charaktere

Jeder Roman, egal ob Krimi oder Liebesroman, braucht starke Charaktere. Ohne sie hast Du am Ende keine starke Geschichte. Daher ist es empfehlenswert hier besonders viel Zeit zu investieren und starke, aber auch logische Charaktere zu schaffen, welche glaubwürdig herüberkommen und Deine Leserinnen und auch Leser emotional berühren.

Immerhin möchtest Du, dass Deine Leserinnen und Leser Deinen Figuren so durch mindestens dreihundert Seiten und mehr folgen. Wenn Du sie aber so anlegst, dass man gar keine Lust hat, auch nur drei Seiten zu verfolgen, dann hast Du leider verloren.

Gib ihnen Stärken und wirkliche Schwächen, gib ihnen Ziele, eine Motivation, sorge für innere Konflikte. Schreibe darüber, wer sie sind, woher sie kommen, welche Geschichte sie haben, was für Träume sie begleiten, welche sie beendet haben und welche neu geboren wurden. Und natürlich die wichtigen Eckdaten: wo sind Deine Heldin und Dein Held geboren, was für ein Gewicht haben sie, wie groß sind sie, was für Haar- und Augenfarben haben sie und so weiter und so fort.

Schaffe also alles, was Du wissen musst, um realistische und überzeugende Charaktere zu kreieren, die mich als Leserin so fesseln, dass ich gerne dabei bleibe.

2. Schaffe das gewisse Kribbeln

Wenn sich Deine beiden Hauptfiguren das erste Mal treffen, dann darf es gerne ein wenig knistern. Denn immerhin möchtest Du uns erklären, warum die Heldin und der Held zusammenkommen und die ganzen Widrigkeiten Deiner Geschichte gemeinsam durchstehen. Dafür muss es letztendlich einen guten Grund geben.

Überlege Dir genau, welche Eigenschaften, sowohl innere als auch äußere, bei der jeweils andere Figur dafür sorgt, dass sie sich ineinander verlieben. Bleibe dabei ruhig auf dem Boden der Realität. Ein absolut überirdisches Wesen, das in jeglicher Hinsicht so dermaßen perfekt ist, das ist doch für manche ein wenig zu extrem, dass sie dann sagen, Danke aber nein danke. Aber Du darfst ruhig ein wenig ausholen. Immerhin ist es hier Fiktion, also dürfen die Charaktere ein wenig perfekter sein. Aber nicht zu perfekt.

Auf YouTube gibt es ein Video, in denen Wonder Woman und die BlackWidow gemeinsam auftreten. Da Wonder Woman eine unsterbliche, superstarke Amazone ist, kann ich mich mit ihr nicht so dermaßen identifizieren, als mit der sterblichen und durchaus schwachen BlackWidow. Sollte sie eine Kugel treffen, könnte sie daran sterben. Wonder Woman ist so schnell mit ihren Reaktionen, dass sie diese abwehren kann. Die BlackWidow ist da Überzeugender. Zwar hat sie ihre Stärken und Besonderheiten. Zugleich aber auch ihre Schwächen. Und damit meine ich nicht nur, dass sie nicht kugelsicher ist.

Die Heldin hat es in einigen Dingen ein wenig leichter. Da sich die meisten Leserinnen mit ihr identifizieren, muss sie nicht perfekt sein. Ganz im Gegenteil hat sie ein paar Problemzonen, ist das sogar ideal. Denn seien wir mal ehrlich, welche Frau hat denn heutzutage denn keine Problemzonen? Sie gehören zum Alltag. Daher ist es für sie besser, wenn sie über eine Frau lesen dürfen, die ihnen ähnlicher ist. Also nicht perfekt.

Männer haben es hier nicht ganz so leicht. Denn die Leserinnen sehen in ihm nicht ein Identifikationsobjekt, sondern jemanden, mit dem sie gerne zusammen sein würden. Schon öfters habe ich von intensiven Liebesromanleserinnen gehört, dass sie sich beschweren, warum die realen Männer nicht so sind, wie die fiktiven Männer. Gerne kann man über das Bild des Mannes diskutieren und ob es sexistisch ist. Das möchte ich nur nicht an dieser Stelle tun, weil es schlichtweg den Rahmen des Beitrages sprengen würde.

Natürlich darf der Held ein wenig perfekter sein. Aber ich würde Dir sehr ans Herz legen, dass Du ihn trotzdem nicht zu einer Art Superman verkommen lässt. Denn solche Helden sind auf Dauer extrem langweilig. Und sicherlich möchtest Du, dass Deine Leserinnen sich in den Helden verlieben und nicht von ihm gelangweilt sein, oder?

Notiere Dir daher, was die Heldin an dem Helden attraktiv findet und andersherum. Welche Gestiken verwenden sie, um ihre Gefühle zu zeigen (auf die Unterlippe beißen, mit den Haaren spielen) und wie sie mit dem anderen flirten. Und beschreibe auch, wie heiß sie die jeweils andere Figur finden. Auch wenn sie es am Anfang vermutlich nicht zugeben würden. Dabei ist es noch nicht einmal zwingend notwendig, dass er tatsächlich heiß aussieht (also wie ein Pin Up Boy aussieht). Es reicht aus, wenn sie ihn heiß findet.

3. Konflikte und Hindernisse

Egal was für eine Geschichte Du schreibst, Du benötigst Konflikte und Hindernisse, welche Deine Figuren überwinden müssen, damit es ein beruhigendes Ende für sie gibt. Das ist ein Fakt. Denn niemand möchte einen Roman lesen, der von Anfang an perfekt für die Charaktere läuft. Diese Regelung gilt übrigens für alle Genres, also nicht nur speziell für Liebesromane.

Überlege Dir, welche Konflikte und Hindernisse Deine Figuren überwinden müssen. Sowohl die Persönlichen, als auch Äußere. Die inneren Konflikte und Hindernisse sind der Grund, warum Deine Figuren erst einmal nicht zusammenkommen. Irgendetwas ist da tief in ihrem Inneren, in ihrer Seele, dass verhindert, dass sie sagen, hei, komme her, ich liebe dich. Finde heraus, was es ist.

Aber es muss einen guten Grund geben, warum sie nicht einfach auseinandergehen. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht mit dem heißen Typen oder der Wahnsinns Frau zusammenkommen kann, warum sollte ich es mir also antun, in ihrer bzw. seiner Nähe zu bleiben? Das muss einen guten Grund haben, äußere Konflikte zählen dazu.

Schreibe Dir daher auf, welche Gründe es gibt, dass beide nicht voneinander weggehen können und wie Du immer die Spannung aufrecht halten kannst. Denn wenn irgendwann Deine Leserinnen und Leser merken, da ist keine Spannung mehr, dann läufst Du Gefahr, dass sie Deine Geschichte nicht mehr verfolgen wollen.

Ein Beispiel? Beide arbeiten an einem Projekt. Würden sie sich trennen, würde das Projekt den Bach runter gehen und sie wären am Ende pleite. Das ist durchaus eine starke Motivation, dass sie beieinanderbleiben.

4. Die persönlichen Hindernisse überwinden

Ich habe mal einen Roman gelesen, da waren die Hindernisse zwischen der Heldin und dem Helden so dermaßen groß, dass sie eigentlich nicht überwunden werden konnten. Die Autorin hatte es so dermaßen übertrieben, dass es einfach nicht mehr möglich war, realistisch glaubhaft zu machen, dass die beiden füreinander bestimmt waren.

Das schien sie dann selbst bemerkt zu haben. Denn die Lösung empfand ich dann eher peinlich, als wirklich überzeugend. Denn sie hat das riesige Hindernis einfach fallen gelassen und es war alles gut. Das war für mich die Entscheidung, danke aber nein danke. Die Autorin kommt mir nicht noch einmal in meinem Bücherregal.

Wenn Du also Hindernisse aufbaust, dann sollten sie zwar groß sein, aber eben nicht ZU groß. Denn wenn Du an dem Punkt angekommen bist, wo sie nun diese überwinden sollen und Du hast es übertrieben, kaufe ich Dir die große Liebe nicht ab. Hast Du es aber harmonisch gestaltet, dann bist Du nun an den Punkt gelangt, wo die Hindernisse überwunden werden können. Der äußere Konflikt ist überwunden, der Tag ist für alle gerettet, nun müssen Heldin und Held sich kriegen. Der letzte Punkt ist erreicht. Wenn das geschafft ist, dann darf ich als Leserin das Buch zufrieden zuklappen.

Überlege Dir also, wie die persönlichen Hindernisse überwunden werden können und was Deine Figuren sagen oder tun müssen, um das zu erreichen. Das kann ein Heiratsantrag sein, die Höhenangst überwinden oder was auch immer Deiner Heldin letztendlich zeigt, dass er der Richtige ist und die beiden füreinander bestimmt sind.

Konflikt und Lösung müssen zueinanderpassen. Das ist hier das Wichtigste. Wenn Dein Konflikt verlangt, dass die Figuren aktiv diesen lösen, dann reicht es nicht aus, wenn sie sich hinsetzen und reden. Und wenn Du noch schaffst, das wunderschön zu beschreiben, die Gefühle einfließen zu lassen, dann wird das eine schöne Schlussszene.

5. HEA – das Happily ever after

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben (und lieben) sie sich noch heute. Natürlich endet ein Liebesroman glücklich. Unsere Heldin muss nicht zwangsläufig den Helden bekommen. Es kann auch sein, dass sie für sich entscheidet, alleine zu leben und einen neuen Job anzunehmen. Aber sie muss auf alle Fälle mit ihrem Leben zufrieden sein. Dafür benötigt sie keinen Mann. Er ist aber das Sahnehäubchen in einem perfekten Leben. Frauen müssen keine Männer an ihrer Seite haben, um Ganz zu sein. Aber sie dürfen, das ist der Unterschied.

Kreiere also ein schönes Happy End für Deine Figuren und löse alle offenen Fragen auf. Nicht, dass am Ende noch eine Frage stehen bleibt und wir uns Fragen, was war denn da noch? Das macht kein Spaß. Ich schreibe aus Erfahrung.

In einem Liebesroman hatte die Autorin eine Frage in den Raum geworfen. Es ging darum, wie der Held an die Telefonnummer der Heldin gekommen ist. An sich eine unbedeutende Frage. Doch die Autorin hatte mehrere Kapitel darauf herumgeritten, dass ich es eben nun auch wissen wollte. Wie ist der Held an diese verdammte Telefonnummer gekommen. Und dann hat sie einfach diese Frage unter dem Tisch fallen lassen. Am Ende wusste weder die Heldin noch ich, wie der Held an die Nummer der Heldin gelangt ist. Und das frustriert mich. Es mag eine harmlose Sache sein, aber daran können sich einige regelrecht aufhängen.

Idealerweise schaffst Du nicht nur ein HEA für Deine Charaktere, indem sie am Ende glücklich sein dürfen. Schaff auch für Deine Leser*nnen ein HEA, indem Du keine Frage offen lässt und sie sich einfach gut fühlen. Den Roman habe ich vor etwa zwei Jahren gelesen. Und noch heute kreist diese Frage in meinem Kopf herum (obwohl die Geschichte selbst gut war).

Abschlussgedanken

Liebesromane können mit allen Beziehungsmöglichkeiten und Geschlechtern geschrieben werden. Hier findest Du einen möglichen Rahmen für Deine Geschichte. Deine Arbeit ist, diesen Rahmen mit einem wunderschönen Bild zu füllen, eben Deiner Geschichte. Dieses Bild malst Du natürlich nach Deinem Geschmack. Aber am Ende darf es gerne so faszinierend sein, dass ich davor stehen bleibe, um es mir ansehen zu wollen.

Daher, leg los, besorg Dir Deinen Rahmen und fang an zu malen.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

P.S. Erotik oder Sex kann zwar ein Teil der Geschichte sein, muss es aber nicht.