Glossar – Was kann da alles rein?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

für manche ist es ein Graus, andere sind da regelrecht süchtig hinterher. Ein Glossar kann gerade bei Fantasy- oder auch Science-Fiction-Geschichten durchaus ein Gewinn sein. Und ja, ich gestehe, ich mag sie total.

Kurze Vorgedanken

Zugegeben, da ich momentan eher Fantasyromane lese, kann ich sagen, dass da häufiger ein Glossar am Ende zu finden ist. Manchmal vom Verlag selbst eingefügt, können sie auch von der Autorin oder dem Autor stammen.

Sie sollen eine Orientierung für die fremde Welt bieten, in der wir uns hineinwagen. Und das kann manchmal durchaus eine gute Idee sein. Wobei es immer gilt, wenn man es richtig macht.

Daher habe ich mir heute Gedanken gemacht, wie ich ein Glossar aufbauen würde, was hineinkommt und welche Unterschiede es dabei geben kann. Wobei ich hier nicht zwischen den verschiedenen Genres unterscheiden werde. Letztendlich, ein Glossar ist ein Glossar.

Was verstehe ich unter einem Glossar?

Unter einem Glossar verstehe ich eine Ansammlung von Stichworten, die sich direkt auf die Welt konzentrieren und mir diese kurz und bündig erklären. In erster Linie soll mir das Glossar einen Hinweis geben, mit wem oder was ich es zu tun habe. Und gegebenenfalls auch eine Erinnerungshilfe sein.

Nehmen wir an, Du schreibst an einer längeren Reihe von zehn Romanen. Im ersten Band taucht ein Charakter auf, der im Zweiten verschwindet und erst im Siebten wieder auftaucht. Aufgrund der längeren Veröffentlichungsweise könnte es sein, dass ich mich schon gar nicht mehr an den Charakter erinnere und daher im Glossar nachschlage, mit wem ich es zu tun habe. Und dann erinnere ich mich, ach ja, das war die und der.

Weiterhin kann ein Glossar eine Hilfestellung für Wörter und deren Bedeutung sein. Gerade wenn Du eine Sprache erfindest, kannst Du das eine oder andere Wort benutzen und mir mit dem Glossar die Möglichkeit geben nachzuschlagen, was es bedeutet. Auch wenn Du es im Roman übersetzt hast, kann es sein, dass ich es hundert Seiten später wieder vergessen habe. Daher würde ich selbst es im Glossar nachschlagen und erinnere mich dann, was dieses Wort bedeutet.

Eine kleine Geschichte aus meiner Lesewelt:

Im August 2019 lese ich “Unstern” von Katrin Ils. Zu Beginn des Romans hat sie zwei Seiten als Glossar. Einige Wörter und ihre Gottheiten. Und ich muss gestehen, häufig blättere zum Glossar, weil ich mich noch einmal erinnern möchte, was das eine Wort bedeutet. Oder auch, wer diese Gottheit noch einmal war.

In erster Linie würde ich ein Glossar so aufbauen, dass es eine Orientierungshilfe ist und nicht ein Ersatz für die Geschichte. Das bringt es nicht. Daher würde ich auch sehr behutsam mit dem sein, was ich in dem Glossar alles aufnehme und welche Informationen ich preisgebe. Ansonsten würde ich selbst meinen eigenen Roman Spoilern. Und das würde keinen Sinn machen.

Der Inhalt

Welche Punkte kannst Du theoretisch in Deinem Glossar aufnehmen? Eigentlich alles, was Dir wichtig ist. Oder auch das, was Deine Testleser*innen für wichtig erachten. Wenn sie sagen, dass sie das eine oder andere Wort nicht verstanden haben oder es andauernd vergessen, wäre das durchaus ein Hinweis es ins Glossar aufzunehmen.

Personen

Gerade, wenn Du eine Reihe mit vielen Charakteren schreibst, wäre ein Personenregister durchaus hilfreich. Dann kann man immer nachvollziehen, wer die Person ist, mit der man es gerade zu tun hat. Zudem kannst Du auch die Rolle aufführen (zum Beispiel, Tochter oder Sohn von XY), zu welcher Familie sie oder er gehört und weitere wichtige Informationen.

Bei erfundenen Namen kannst Du zudem noch die Lautschrift aufführen, also wie man den Namen korrekt ausspricht. Zwar werden die Leute trotzdem eine eigene Art finden, wie man den Charakter anspricht, aber so bietest Du wenigstens eine Lösung an.

Du kannst auch den Lebensweg der Charaktere aufzeigen. So war es beim Rad der Zeit so, dass die Hauptfiguren am Anfang regelrecht minimalistisch aufgeführt wurden. Erst nach und nach wurden die Informationen umfangreicher, je mehr sie erlebt haben und je weiter die Reihe vorangegangen ist. Eventuell wäre das auch etwas für Dich.

Orte

Eventuell wäre es auch interessant eine Landkarte anzubieten. Aber wenn Du die Orte aufnimmst, dann würde ich erklären, wo sich dieser ungefähr befindet, welcher Charakter von dort kommt und was so besonders an diesem Ort ist.

Auch hier würde ich eher empfehlen, die Informationen wachsen zu lassen. Gerade dann, wenn der Ort noch gar nicht aufgetaucht ist, solltest Du Dir überlegen, den erst gar nicht aufzunehmen.

Gegenstände

Wenn es besondere Gegenstände in Deiner Geschichte gibt, gehören die durchaus ebenfalls in Deinem Glossar. Dazu zähle ich den Namen, wie man es ausspricht und welche Bedeutung es für Deine Geschichte hat. Zudem kannst Du auch noch den Unterschied zwischen magisch und nicht magisch machen, wenn es eine Rolle spielt.

Wobei ich selbst nicht unbedingt jeden Gegenstand aufführen würde, der in Deinem Roman erwähnt wird. Das könnte am Ende zu viel sein. Daher empfehle ich Dir, nur die wirklich Wichtigen zu nehmen. Alles andere kann, wenn es sein darf, eher mit einem Satz abgehandelt werden.

Worte

Also eine Art Duden für Deine Geschichte könnte man das bezeichnen. Da würde ich schon jedes Wort aufnehmen, welche Deine Charaktere sprechen. So können sie sich immer darauf beziehen, wenn Du es in Deinem Roman erwähnst. Und vielleicht möchten Deine Leser*innen auch Deine Sprache lernen. Wer weiß.

Sonstiges

Klar, alles, was noch wichtig für Deine Geschichte ist.

Aufbau

Wie Du Dein Glossar am Ende aufbaust, entscheidet Dein persönlicher Geschmack. So könntest Du jeden der oben genannten Punkte mit einer eigenen Unterkategorie erwähnen. Oder Du packst alles zusammen.

Wichtig finde ich, dass man eine Ordnung erkennen kann. Alles andere verwirrt nur. Und am Ende könnte es passieren, dass man sich so viel Mühe mit dem Glossar gemacht hat und niemand will es lesen. Das fände ich schade.

Überleg Dir, wie Du die Informationen am besten vermitteln kannst.

Dein persönliches Glossar

Wenn Du den Roman schreibst, würde ich Dir empfehlen, ein persönliches Glossar noch zu erstellen. Aus diesem kannst Du dann das Glossar für Deinen Roman herausfiltern. In Deinem persönlichen Glossar kannst Du so ausführlich sein, wie Du willst. Hier geht es darum, dass Du die Informationen hast, die Du brauchst, um Deinen Roman zu schreiben.

Du darfst also jedes noch so kleine Wort aufnehmen, was in Deiner Geschichte auftaucht. Da musst Du Dich gar nicht zurückhalten. Und wenn Du mit dem Roman fertig bist, schaust Du, was Du aus Deinem Glossar herausfiltern kannst, um dem Romanglossar zu schreiben.

Kleiner Tipp, niemals die Unterlagen wegwerfen oder löschen. Es könnte sein, dass Deine Fans noch mehr Infos um Deine Geschichten haben wollen. Da könntest Du auch Dein persönliches Glossar veröffentlichen.

Vorne oder hinten

Ganz ehrlich? Einmal hab ich einen Roman gelesen, da war vorne das Glossar. Und mir wurden Informationen geboten, bei denen ich dachte, cool, das wird ein toller Roman. Am Ende waren die Informationen interessanter als der Roman selbst. Denn das Glossar hat mich so heiß gemacht, dass ich am Ende nur noch enttäuscht wurde.

Bei Katrin Ils hingegen funktioniert es. Denn sie hat nur kurz und bündig die wichtigen Informationen erklärt. Und damit hatte es sich. Damit wurde ich nicht auf eine Geschichte heiß gemacht, die es nicht gibt.

Selbst würde ich selbst das Glossar immer am Ende des Romans packen. Dort gehört er für mich hin und niemals vorne. Keine Ahnung, warum manche das machen. Gilt übrigens auch für ein E-Book.

Aber es kommt natürlich auch auf Deinen persönlichen Geschmack an. Wenn Du Dein Glossar vorne einfügen möchtest, ist es in Ordnung. Doch dort kann ich Dir nur sehr ans Herz legen, dass nicht zu viele Informationen verraten werden. Viele lesen sich dort eher alles durch und da kann es schwierig werden, Deine Lesenden entsprechend abzuholen. Ist das Glossar hinten, dann werden sie es erst am Ende durchlesen.

Abschlussgedanken

Das war jetzt ein kurzer Einblick, wie ich selbst ein Glossar aufbauen würde. Letztendlich kommt es darauf an, ob Du eines schreiben möchtest und ob es sich lohnt. Bei einem kurzen Roman, der nur aus einem Band besteht, mag es überflüssig sein. Bedeutet aber natürlich nicht, dass es sich nicht trotzdem lohnt. Besonders dann, wenn Du sehr viele Fremdwörter verwendest.

Bei einem längeren Roman oder einer Reihe mag es sich eher lohnen. Wenn dort sehr viele Fremdbegriffe vorkommen. Wenn nicht, ist das hier dann eher Zeitverschwendung. Also eine Standardlösung gibt es hier definitiv nicht.

Schreib also erst einmal Deinen Roman und Deinen persönlichem Glossar und schau dann, ob und was Du übernehmen möchtest. Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Aufrufe: 35