Historische Fantasy

Historische Fantasy

Hei, hallo und herzlich willkommen,

viele, sehr viele Fantasybücher orientieren sich an das europäische Mittelalter. Daher erleben wir viele Zusammenhänge und Geschehnisse, die eher dort zu finden, als in den Kulturen des alten Ägyptens oder in China.

Daher denken viele, so wie es sich in einem Fantasyroman alles abspielt, müsste es auch im Mittelalter gewesen sein.

An dieser Stelle sei erwähnt, ich liebe die Geschichte, bin aber keine Expertin auf diesem Gebiet. Von daher spiegeln sich hier die Gedanken einer Hobbyhistorikerin wieder.

Was verstehe ich unter historischer Fantasy?

Unter historische Fantasy verstehe ich, dass eine real historische Umgebung genommen wird und diese mit Fantasyelementen bereichert wurde. Mit anderen Worten, hier muss durchaus intensiv recherchiert werden. In meinen Augen durchaus auf dem Niveau für einen historischen Roman.

Die Elemente der Recherche müssen dann harmonisch mit den Elementen der Fantasy verbunden werden. Ein Beispiel dafür sind die “Drachenreiter seiner Majestät” von Naomi Novik.

Das kann durchaus funktionieren. Man kann aber auch in einer reinen Fantasywelt historische Fakten aus unserer Welt einbinden. Das machen sehr viele Autor*innen. Daher muss ich sicherlich kein Beispiel nennen.

Das war aber im Mittelalter so!

Was mich aber manchmal irritiert, sind Aussagen wie, dass es damals nun einmal so war. Die Fantasy würde ein Abbild des Mittelalters zeigen. Und damit haben wir uns nun einmal abzufinden.

Das Problem ist, wir wissen nicht wirklich alles über das Mittelalter. Teilweise wissen wir noch nicht einmal, was vor einhundert Jahren genau geschehen ist. Wie sollen wir mit absoluter Sicherheit sagen, was vor 1.000 Jahren geschehen ist?

Zumal hier gerne das Mittelalter als eine Zeitzone gesehen wird. Doch es gibt das frühe Mittelalter, das Hochmittelalter und das Spätmittelalter. Zudem gibt es das Mittelalter nicht nur in Europa. So hab ich gelesen, dass historische Quellen auch in Indien, China und Japan eine Zeit als Mittelalter definieren.

Die verschiedenen Phasen kommen auch davon, dass sich das Wissen und die Weltsichten entsprechend geändert hat. So dass eine Einteilung überhaupt möglich ist.

Und die meisten Autor*innen sagen uns ja nicht, auf welche Zeitebene sie sich konzentrieren, wenn sie ihre Fantasygeschichte mit historischen Elementen schmücken. Da dürfte sicherlich keine saubere Antwort bei einigen kommen.

Zudem ist nicht alles gesichert, was sich damals wirklich gewesen ist. Immerhin gab es diese eine Wikingerin, mit unbestimmten Geschlecht, aber vermutlich nicht Cis-Männlich, die gebührend begraben wurde. Zudem scheint es überhaupt mehr kämpfende Wikingerinnen gegeben zu haben, als wir es uns vorstellen können.

Zudem stellen wir uns das Mittelalter als ziemlich weiß vor (von der Hautfarbe der Menschen aus gesehen). Das sieht Medieaval PoC jedoch anders und kann dies gut beweisen.

Wie können wir uns also überhaupt über etwas sicher sein?

Es gab keine Drachen, Elben und Orks

Ja, ich gestehe, ich fand die Geschichtsteile in denen die Drachen auchtauchten immer total spannend. Die Elben hingegen haben mich genervt. Gerade, wenn unser Elbenlehrer mich beim gähnen erwischt hatte. Und Orks? Ja Orks sind ein Thema für sich.

Okay, Spaß beiseite. Zumindest in meinem Geschichtsunterricht tauchten nie Geschichten über reale Drachen oder Elben auf. Noch nicht einmal in einem mythologischen Kontext. Von daher finde ich den Satz “So war es damals halt” noch einmal befremdlich.

Wenn es damals keine Drachen, Elben und sonstiges gab, warum kann man dann nicht die Fantasygeschichten entsprechend abändern? Warum kann man nicht eine Frau als Königin ernennen und sie mit einem Schwert kämpfen lassen? Unabhängig der Tatsache, dass es fechtende Frauen auch in unserer Geschichte gab.

Gerade dann, wenn sich die Geschichte in einer nicht realen Umgebung spielt, können wir tun und lassen was wir wollen. Es ist halt eine reine Fantasygeschichte. Natürlich darf sie sich gerne von realen historischen Umgebungen inspirieren lassen. Gleichzeitig darf sie sich aber auch davon abheben.

Befinden wir uns in einer real historischen Umgebung, kann ich diesen Satz bedingt verstehen. Eine Autorin für historische Liebesromane sagte mal, dass es in vielen historischen Abschnitten eben diese schwarzen Flecken gibt. Diese kann man dann ausfüllen. Es ist halt alles noch nicht wirklich gesichert.

Warum sollte man also mögliche Fakten, die eventuell nicht wirklich gesichert sind, als Grundlage benutzen? Warum sollte ich aber auch Fakten, die gesichert sind, zwangsläufig in einem reinen Fantasyroman als Grundlage benutzen?

Es gibt andere Möglichkeiten. Und die stehen Dir allesamt zur Verfügung. Du musst sie nur nutzen. Damit bleiben uns vielleicht die verschiedenen Ismen erspart, die man in vielen Geschichten leider lesen muss.

Eine mögliche Bearbeitung

Natürlich kannst Du gerne eine historische Zeit als Grundlage benutzen. Dafür kann die Geschichte da sein. Und letztendlich, das ist ein Teil der Fantasy.

Recherchiere gerne über diese Zeit und was Dir daran gefällt und was Du für Deinen Roman verwenden möchtest. Meine Empfehlung, setze Dir Grenzen. Denn über jede historische Epoche kann man ohne Weiteres Jahrzehnte recherchieren. Und Du möchtest sicherlich irgendwann Deinen Roman abschließen.

Dann überlege Dir genau, was Du übernehmen möchtest und was rausfliegen soll bzw. durch aktuellere Ansichten ersetzt werden könnte. Ein banales Beispiel: Im europäischen Mittelalter hatte die Kirche eine hohe Machtposition. Vielleicht möchtest Du das in Deinem Roman erst gar nicht erwähnen. Oder durch etwas anderes ersetzen.

Dann füge das alles zu Deiner Welt zusammen. Und schreibe dazu Deine Geschichte.

Abschlussgedanken

In einem Fantasyroman darfst Du so gut wie alles, was legal ist und passt. Warum sollte ich mich als Autorin dann davon einschränken lassen, weil etwas Mal gewesen sein könnte. Solange ich selbst keine historischen Romane oder historische Fantasy schreibe, kann ich alles entsprechend abändern.

Von daher, lass Dich von niemanden einschränken.

Viel Spaß dabei.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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