[Toxischer Plot] Mobbing als romantischer Aufhänger

Hei, hallo und herzlich willkommen,

zugegeben, einer meiner Lieblingsmethoden, um zu prokrastinieren ist es, die 1-Stern-Rezensionen auf einem gewissen Portal zu lesen. Denn häufig kann ich mich darüber gut amüsieren. Doch dort finden sich auch sehr gut und ausführliche Rezensionen, die viel über ein Buch aussagen können. Und einer dieser Rezensionen hat mich zu diesem Beitrag inspiriert.

Kurze Vorgedanken

In Liebesromanen zwei Menschen zueinander zu führen, damit sie sich verlieben und dann eine spannende Story entsteht, kann durchaus schwierig sein. Immerhin muss man sich ja als Autor*in überlegen, wie das geht und vor allem, dass es nicht sofort klappt. Die Spannung soll ja bis zum Schluss bleiben, kommen sie zusammen oder nicht.

Aber es gibt Wege, wie zwei Menschen zueinanderfinden sollen, bei denen ich, gelinde gesagt, nur den Kopf schütteln kann. Bei einen der Rezensionen, die ich durchgelesen habe, wurde tatsächlich Mobbing als Weg gewählt.

Daher möchte ich heute darüber schreiben, warum ich das, gelinde gesagt, nicht lustig oder gar romantisch finde.

Noch eines vorneweg, bei diesem Beitrag möchte ich nicht gegen die*den Autor*in bashen. Daher werde ich weder den Namen der schreibenden Person noch den Titel des Buches nennen. Es handelt sich hierbei um einen Beitrag, der sich um das Thema dreht, in der Hoffnung, dass sich das nicht verbreitet.

Und es sei noch erwähnt, es handelt sich hierbei nicht um einen psychologischen Beitrag. Solltest Du Hilfe benötigen, dann klicke HIER und HIER (für Österreich) und ruf die entsprechenden Nummern an. Und ja, ich werde in diesem Beitrag auch einige psychologische Themen ansprechen, das als Triggerwarnung.

Allgemeines zum Thema

Bevor wir uns dem Thema für eine Geschichte widmen, möchte ich erst einmal Mobbing kurz betrachten. Also, was ist das, wer mobbt, wer wird gemobbt und welche Konsequenzen kann es am Ende geben.

Was ist jetzt eigentlich Mobbing?

Mobbing bedeutet, grob beschrieben, dass eine Person von einer oder mehreren anderen Personen (also einer Gruppe) zumeist psychisch, aber auch physisch beleidigt, angegangen, verletzt oder gedemütigt wird.

Selten handelt es sich dabei um eine einmalige Aktion. Das kann manchmal über Jahre und noch länger hinweg gehen. Dabei kann es sein, dass die Täter*innen sich regelrecht auf ein Opfer fokussieren und es mobben, bis sich die Wege trennen. Oder sie langweilen sich und suchen sich dann ein neues Opfer.

Die Bandbreite des Mobbings ist extrem weit. Von subtilen Bemerkungen, bis hin zu Lästereien, sogenannten Scherzen (die für das Opfer nie lustig sind) und sogar physische Gewalt. Das Opfer kann tatsächlich verprügelt werden.

In Serien, Filmen und meistens Young Adult Geschichten ist Mobbing als negative Erfahrung durchaus ein Thema. Daher denke ich, dass Du Dir davon durchaus ein Bild machen kannst, wenn Du nicht selbst mal ein Mobbingopfer geworden bist.

Wer mobbt eigentlich?

Es gibt noch nicht ausreichende Studien, die das Thema Mobbing erschöpfend analysiert haben. Daher kann man (und erst recht ich) keine zufriedenstellende Antwort geben.

Die Vermutung geht dahin, dass die mobbenden Personen eher Selbstzweifel an sich und der eigenen Person haben. Im privaten Bereich vielleicht nichts zu sagen haben und sich daher einer Gruppe anschließen. Dort fühlen sie sich stark und sicher. Und dementsprechend kommen sie so zur Macht, die sie sonst vielleicht nicht haben.

Wer wird gemobbt?

In einen dieser Studien wird erklärt, dass Mobbingopfer schüchtern, zurückhaltend und sich eher in die Opferstellung begeben. Kritiker*innen dieser Aussage meinen jedoch, dass das nicht die Auslöser für das Mobbing sind, sondern eher das Ergebnis.

Und aus persönlichen Erfahrungen kann ich den kritischen Stimmen nur zustimmen. Mobbingopfer können die sein, die neu auf eine Schule oder Arbeitstelle kommen. Sie können sich mal gewehrt haben, weil sie unfair behandelt wurden. Oder sie machen ihre Arbeit besser als die anderen. Sie können sportlich oder auch unsportlich sein. Vielleicht sind sie nicht vermögend genug oder haben mehr Geld als die anderen aus der Klasse.

Für die mobbende Person gibt es natürlich irgendeinen Grund, warum sie*er sich genau diese Person ausgesucht hat. Aus der objektiven Sicht würde ich sagen, egal was man macht, in den Augen der mobbenden Personen macht man es sowieso falsch.

Welche Konsequenzen kann Mobbing haben?

Vor einiger Zeit twitterte eine Person, dass sie mit Mitte zwanzig immer noch verunsichert ist, wenn andere hinter ihrem Rücken lachen. Damit wollte sie ausdrücken, dass sie zwar aus der Schule raus ist, aber sie immer noch unter dem Mobbing leidet.

Daraufhin erwiderte ich, dass ich mit Ende dreißig ebenfalls diese Verunsicherung verspüre. Eine andere Person erklärte, dass es ihr*ihm mit sechzig ebenso ergeht.

Kurz geschrieben, Mobbing kann nicht nur den Tag versauen, in einigen Leben sogar das ganze Leben. Die Persönlichkeit kann sich verändern, man wird ängstlicher, traut sich nicht mehr viel zu (wenn überhaupt), hat Versagensängste, verliert die Stelle im Beruf und igelt sich ein. In ganz schlimmen Fällen sehen Mobbingopfer keinen Ausweg und beenden sogar ihr Leben.

Das ist bei Weitem nicht alles, aber ich denke, Du kannst Dir ein Bild machen. Mobbing ist also nicht lustig oder sonstwie.

Mobbing in der Literatur

Da Mobbing durchaus ein Thema für viele junge Menschen ist (aber nicht nur), ist es auch häufig ein wiederkehrendes Thema in den Young Adult Geschichten. Meistens kommt unsere Heldin neu an eine Schule und wird gemobbt.

Bisher wurde das aber eher negativ betrachtet. Also, dass Mobbing schlecht ist (was es ja auch ist). Nun gibt es tatsächlich zumindest einen Roman, der Mobbing romantisiert. Daher möchte ich beide Elemente aufführen und erklären, warum ich das für keine gute Idee halte.

Mobbing als romantische Annäherung

Als Liebesromanautorin ist es wichtig, dass ich mir Gedanken mache, wie mein Paar zusammenfindet. Wie treffen sie sich, wie finden sie zueinander und wo ist der Konflikt, damit das Happy End nicht sofort da ist. Dazu gehört durchaus ein wenig Kreativität.

Wenn Du als Liebesromanautor*in Dich dafür entscheidest, dass eine Gruppe auf den Love Interest verbal oder gar physisch einschlägt, was für eine romantische Basis hat dann die Liebe? Ehrlich gesagt, ich verstehe das nicht.

Auf Twitter fragte mal jemand nach, ob Mobbingopfer sich mit den Täter*innen unterhalten würden, um nach deren Gründen zu fragen. Und auch, ob sie deren Entschuldigung annehmen würden.

Nicht alle, aber sehr viele meinten, dass sie den Täter*innen nicht die Genugtuung einer reinen Seele gewähren möchten. Das bedeutet, dass die Täter*innen nach diesem Gespräch sich besser fühlen würden. Immerhin haben sie ihre Situation erklärt und entschuldigt. Damit ist ja normalerweise für sie die Sache erledigt.

Die Opfer hingegen bleiben mit ihren Erinnerungen, ihren Ängsten und ihrem Leid zurück. Häufig kann solch eine Entschuldigung sogar alte Wunden aufreißen, sodass alles wieder hochkommt. Und dann müssen sie erneut mit sich ins Reine kommen.

Auch ich gehöre dazu, dass ich meine Mobber*innen nie wieder sehen will. Geschweige denn, dass ich mit denen eine Freundschaft oder gar eine Beziehung aufbauen möchte. Da würden mit Sicherheit ebenfalls all die Wunden auftauchen, die ich bisher erfolgreich verdrängen konnte.

Natürlich, es gibt Ausnahmen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die gemobbte Person und die mobbende Gruppe weiterhin etwas miteinander zu tun haben wollen, schätze ich als eher gering ein.

Daher frage ich mich, wie man solch eine Geschichte als romantisch verkaufen kann? In meinen Augen ist es nicht romantisch gemobbt zu werden. Und wenn sich daraus eine Beziehung entwickelt, für mich hat es einen eher negativen Beigeschmack. Und zwar, dass sich die gemobbte Person noch nicht aus ihrer Opferhaltung befreit hat.

Wie kann man es anders schreiben?

In meinen Augen gehört Mobbing dahin, wo es wirklich hingehört: in die Tonne. Und das als romantische Geschichtsunterstützung, als auch in der realen Welt.

Doch noch ist Mobbing ein reales Thema. Und ja, ich finde es durchaus wichtig, es vernünftig zu thematisieren. Sollte also Dein Love Interest ein Mobbingopfer sein, dann ist das per se nicht schlimm. Es kommt dann auf die Umsetzung.

Befindet sich die andere Hälfte des Paares (ich gehe jetzt von einer monogamen Beziehung aus) in der Gruppe der Mobbenden, sehe ich das als schwierig an.

Bevor Du anfängst daran zu schreiben, bitte ich Dich, frag Dich selbst, warum genau das sein muss. Warum muss eine der Charaktere aus der Gruppe der Mobbenden stammen? Gibt es nicht eine andere Möglichkeit?

In der Geschichte “Fessel mich” von der Autorin Norah Wolff geht es auch um Mobbing. Doch die Auflösung für den Love Interest wurde hier um einiges besser gewählt.

An dieser Stelle möchte ich nicht zu sehr Spoilern. Aber ich kann Dir das Buch empfehlen. Gerade, weil es auch die Konsequenzen des Mobbings zeigt, die Jahre später bei einem der Charaktere immer noch aktuell sind.

Natürlich kann einer der beiden Charaktere ein Mobbingopfer sein. Aber der andere Teil könnte eine neutrale Person sein. Vielleicht unterstützt sie*er das Mobbingopfer. Oder weiß selbst nicht, wie sie*er darauf reagieren soll. Alternativ hat sie*er nichts damit zu tun und kommt erst später dazu.

Meine Bitte an dieser Stelle: Wenn Du unbedingt Mobbing als romantischen Aufhänger benutzen möchtest, bitte hinterfrage das. Warum muss das genauso sein? Und kann man es nicht anders schreiben? Danke schon einmal.

Dem Opfer die Schuld geben

Nein!

Nein!

Nein! Nein! Nein!!!

Es gibt Dinge, mit denen ich selbst nicht klar komme. Das sogenannte Victim Blaming gehört eindeutig dazu.

Unter Victim Blaming versteht man, dass man dem Opfer einer Straftat die Schuld daran gibt, eben Opfer dieser Straftat geworden zu sein. Zum Beispiel, warum ist Person X bei so später Stunde noch rausgegangen. Wäre sie oder er zu Hause geblieben, wäre Person X nicht Opfer dieser Tat geworden. Dass der Täter bzw. die Täterin die Tat begangen hat, wird dadurch relativiert und manchmal sogar entschuldigt.

In dem besagten Fall wurde dem Opfer des Mobbings die Schuld zugeschoben. Sprich, die Person sei ja Schuld, dass sie*er gemobbt wurde.

Um es noch einmal ganz deutlich zu schreiben, ein Opfer hat erst einmal keine Schuld. Wenn es der Meinung ist, ohne Fallschirm aus einem Flugzeug in 10 km Höhe zu springen, dann ist das was anderes (um mal eines dieser schlechten Beispiele zu nehmen). Aber ansonsten ist ein Opfer (oder auch Überlebende, je nach persönlicher Präferenz) nie Schuld daran, in eine entsprechende Situation gelandet zu sein. Das gilt eben auch fürs Mobbing.

Warum das so geschrieben wurde oder wird, will sich mir nicht ganz erschließen. Vielleicht eine Art Erpessung, damit sie*er in die Beziehung einwilligt? So im Sinne von, Du hast doch selbst Schuld, dass Du gemobbt wurde, jetzt küsse mich.

Wie kann man es anders schreiben?

Aus diesem Grund, ich würde dieses Thema niemals so aufgreifen. Wenn die besagte Person das über sich selbst sagt, dann kann das leider auf realen Emotionen basieren. Denn Überlebende können das tatsächlich über sich sagen, wenn sie dieses oder jenes (nicht) getan hätten, wären sie nicht in die Situation gelandet. Weiterhin gilt dies auch für die Täter*innen, damit erklären sie ihre Unschuld. Andere sind Schuld, aber nicht sie.

Wenn Du das so beschreibst, dann gehört das zum Charakter. Aber in meinen Augen sollte das niemals die Prämisse einer Geschichte sein: Das (Mobbing-)Opfer hat Schuld.

Daher meine klare Empfehlung: Als Charaktereigenschaft kann das gehen, aber nicht als Geschichtsprämisse. Und wenn ich mir noch was wünschen darf, dann wäre es schön, wenn Dein Charakter erkennt, dass sie*er eben nicht Schuld daran ist.

Abschlussgedanken

Mobbing kann durchaus ein heikles Thema sein. Daher empfehle ich, bevor Du darüber schreibst, erst einmal zu recherchieren. Und gegebenenfalls mit gemobbten Personen als Sensitive Readers zusammen zu arbeiten.

Niemand sagt, dass Du nicht über Mobbing schreiben darfst oder sollst. Mein Wunsch ist es, dass Du damit kritischer umgehst. Denn Mobbing ist keine lustige Angelegenheit. Erst recht nicht für die gemobbte Person. Und für die Meisten ist es zudem ein Schlag ins Gesicht, wenn das noch romantisiert wird.

Daher noch einmal meine Bitte, wenn Du das verwenden möchtest, hinterfrage Deine Motivation. Und dann gehe kritisch an die Sache heran.

Danke dafür.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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Sexismus: Schöne Frauen – Starke Männer

Hei, hallo und herzlich willkommen,

bei Romanen und besonders in Filmen ist dieses Bild zu oft zu sehen. Frauen sind in irgendeiner Art und Weise hübsch. Und selbst wenn sie nicht hübsch sind, sind sie hübsch.

Und Männer bringen die Muskeln mit. Alternativ beherrschen sie irgendwelche Kampftechniken oder was auch immer gerade gefordert wird.

Kurze Vorgedanken

Sagt Dir der Film “Mortal Engines – Krieg der Städte” (Roman von Philip Reeve) etwas? Die Geschichte werde ich nicht Spoilern, sondern nur die Heldin erwähnen.

Und zwar hat sie ein sehr vernarbtes Gesicht. So schlimm, dass sie ein Tuch übers Gesicht trägt. In diesem englischsprachigen Beitrag hat man ihr “wahres” Gesicht abgebildet, wie er im Roman vorkommt.

ACHTUNG: Der Link ist nichts für sensible Personen – Link zum Beitrag.

Das zeigt, dass selbst eine Frau mit einem entstellten Gesicht immer noch hübsch sein muss. Oder Wonder Woman (ich rede nicht vom Film selbst, sondern nur vom Körper der Schauspielerin). Man sollte meinen, dass eine Kriegerin, die etliche Jahre des Trainings hinter sich hat, doch ein paar Muskeln mehr hat. Hier leider eine Fehlanzeige.

Dann schauen wir uns das doch mal ein wenig genauer an.

Der Inhalt

Ursprünglich fiel mir dieses Klischee oft bei Robert Jordans „Das Rad der Zeit“ auf. Aber auch bei anderen Romanen oder eben Filmen und Serien. Und sehr häufig läuft es gleich ab.

Häufig werden die Figuren mit einfachsten Mitteln beschrieben. Die Frau ist atemberaubend schön und häufig zugleich dumm. Und der Mann hat so viele Muskeln, dass er schon fast gar nicht mehr laufen kann. Mit der Intelligenz sieht es bei ihm häufig besser aus, aber es kommt darauf an.

Aber überhaupt werden hübsche Menschen als hohl bzw. als dumm dargestellt. Als würde es sich automatisch ausschließen, dass schöne Menschen auch einen normalen IQ haben könnten. Gerade dann, wenn sie noch blond sind. Dabei gibt es eine Studie, die erklärt, dass Blondinen nicht dümmer sind, als Frauen mit anderen Haarfarben (auch wenn man diese Studie durchaus mit Vorsicht genießen sollte).

Aber überhaupt müssen Frauen hübsch sein. Dabei schweben den meisten Autor*innen immer noch die berühmten Maße 90*60*90 vor. Sogenannte Plus Size Models tauchen erst in den letzten Jahren auf. Wobei ich gestehen muss, dass einige dieser Plus Size Models nicht einmal annähernd diese Bezeichnung verdienen. Und in Filmen oder Bücher dürfen sie eher selten dick sein. Falls doch, dann versuchen sie verzweifelt abzunehmen.

Selbst wenn sie dick ist, ist sie immer noch hübsch (was auch immer am Ende unter dieser Definition fällt). Normal aussehende Menschen (also Menschen, die man nicht mit Models verwechseln könnte) findet man selten in Roman und noch weniger in Filmen.

Bei Männern hingegen sieht das ein wenig anders aus. Selbst wenn sie einen Waschbärbauch haben, sind sie immer noch süß. Zudem dürfen sie häufig nicht den gesellschaftlichen Normen entsprechen.

Jedoch dürfen sie einiges auch nicht sein. Zu dick dürfen sie nicht sein, keine Halbglatze (eine ganze ist wieder herum in Ordnung) oder auch zu klein. In Komödien geht das noch durch. Dort kriegen sie sogar die superscharfe Braut. Aber in anderen Genres ist das ein No-Go.

Was mir beim schauen von Musikvideos mit Ausschnitten aus Computerspielen aufgefallen ist, ist der – sagen wir mal – ungewöhnliche Kleidungsstil. Frauen haben prinzipiell kaum etwas an. Aber ihre Schuhe bzw. Stiefel haben sehr hohe Absätze. Selbst im tiefsten Winter darf frau sehr, sehr wenig Kleidung anhaben (Achtung: Ironie).

Das Problem

Als ich mal vor Jahren ein Jugendbuch schreiben wollte, durfte meine Heldin auf keinen Fall hübsch sein. Intelligent ja, aber aufs Verrecken durfte sie nicht schön sein. Warum eigentlich nicht? Weil Schönheit und Intelligenz sich zwischenzeitlich in unserer Gesellschaft ausschließen.

Oder zumindest in den meisten Büchern.

Es kann nicht sein, dass jemand schön ist und dann auch noch was im Kopf hat. Damit wären diese Leute ja doppelt belohnt. Natürlich, ja, es gibt auch Leute, die wirklich schön sind und selbst eine Stulle mehr Intelligenz hat als sie. Das will ich nicht unter dem Tisch fallen lassen. Aber es gibt auch schöne Menschen, die eben auch was im Kopf haben.

Menschen werden hier in Rollen gedrängt, die viele nicht erfüllen können oder wollen. Sicherlich kennst Du die Bezeichnung Mannsweib. Das sind Frauen, die nicht dem weiblichen Schönheitsideal entsprechen. Sie irritieren, verstören einige sogar, wenn sie anders aussehen, als man es selbst gewohnt ist. Und leider ist es tatsächlich so, dass einige Menschen dann aggressiv werden. Entweder verbal, seltener auch körperlich.

Anstatt das Individuum zu feiern, werden diese ausgeschlossen, weil sie in keine Schablone passen. Und selbst wenn man sich immer und immer wieder sagt, dass jeder Mensch anders aussehen darf, fällt es genauso oft schwer, dass zu verinnerlichen. Gerade dann, wenn man selbst nicht der aktuell anerkannten Schablone entspricht.

Warum wird das geschrieben?

Vermutlich, weil es zwischenzeitlich einfach ein gängiges Klischee ist. Wir haben uns so dermaßen gewöhnt, dass die unscheinbare Maus eine Intelligenzbestie ist und nur darauf wartet, ihr Talent zu zeigen. Und die Schönheitskönigin oder der Frauenschwarm siegen vielleicht in der Schlacht, aber den Krieg verlieren sie. Eben, weil ihre Intelligenz zu wünschen übrig lässt. Aber nur so kann man sich ja ihrer Gemeinheit erwehren, weil sie die Schablone repräsentieren.

Ich könnte mir auch denken, dass viele gar nicht mehr darüber nachdenken. Wir schalten den Fernseher ein und sehen, wie schöne Menschen dumme Dinge tun, und sehen uns einfach in unseren Vorurteilen bestätigt. Und wenn sie mal was Intelligentes tun, nun, dann hatten sie mal Glück gehabt. Aber sobald sie wieder was Dummes tun, ist die vorherige Tat wieder vergessen.

Bei den meisten dürfte es wohl aber auch sein, dass es einfacher ist. Zwischenzeitlich entspricht es dem Klischee, wie die Menschen auszusehen zu haben. Wenn nicht, dann irritiert es uns. Einfach nur deswegen, weil wir es nicht gewohnt sind.

Das zeigt die Diskussion um “Mortal Engine” (siehe den Anfang). Selbst wenn es eine gute Vorlage gibt, wird diese abgewandelt, damit wir nicht geschockt sind.

Und da wir es nicht gewohnt sind, mit anderen Menschen zu arbeiten bzw. sie zu sehen, wollen wir sie nicht sehen. Zumindest viele von uns. Daraus entwickelt sich dann die Überzeugung, dass wir als Publikum solche Menschen nicht sehen wollen. Daher wird weiter der Druck erhöht und so weiter.

Wie Du es anders schreiben könntest

Du könntest Dir überlegen, keinen Wert auf das Äußere zu legen, sondern die Figuren einfach so beschreiben, wie sie sind. Hier ist natürlich Charakterarbeit notwendig. Es wäre durchaus eine Überlegung wert, dass Du die erste Fassung schreibst, ohne dabei die Figuren zu beschreiben. Und erst in der zweiten Fassung dies hinzufügst. Sofern Du es möchtest. Denn es gibt auch Romane, wo dieser Teil schlichtweg weggelassen wird.

Im ersten Schritt kümmerst Du Dich nur um den Charakter. Und erst im zweiten Schritt um das Optische. Im Internet kannst Du Dich dann inspirieren lassen, wie unterschiedlich die Menschen aussehen können. Oder auch bei historischen Personen. Schau Dir die Bilder an und dann erschaffe Deine eigenen Charaktere.

Abschlussgedanken

Es ist bei den meisten so, dass wir sehr visuelle Menschen sind. Das bedeutet, dass wir ziemlich viel mit den Augen aufnehmen und dann das verarbeiten. Und wenn wir immer ein paar Typen von Menschen sehen, empfinden wir sie als schön. Dagegen andere Menschen als hässlich.

Mir ist bewusst, dass die Änderung des Bildes dauern wird. Aber wenn wir nicht damit anfangen, kommen wir am Ende nie an.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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Klischees in Liebesromanen

 

Hei, hallo und herzlich willkommen,

Klischees waren am Anfang ihrer Entwicklung eine neue und innovative Idee. Vorher gab es diese Idee noch nicht und jemand hat sich da etwas überlegt und zum ersten Mal in einer Geschichte eingeführt. Das fanden andere Autor*innen ebenfalls toll und verwendeten die Ideen für ihre eigenen Geschichten. Und nach und nach hat sich diese einst so tolle Idee regelrecht abgenutzt, sodass man sie nicht mehr lesen mag.

Kurze Vorgedanken

Sicherlich hast Du es schon mal gehört oder es sogar selbst gesagt, das etwas klischeehaft sei oder das ist ein totales Klischee. Wenn man ein Thema zu oft benutzt und dabei noch nicht einmal Varianten verwendet, dann kann aus einer tollen Idee eben ein Klischee werden (ist aber kein Muss).

Doch manchmal verwenden wir Ideen und ahnen noch nicht einmal, dass es ein Klischee sein könnte. Daher habe ich einige aus dem romantischen Bereich zusammengesucht, damit Du diese Klischees kennst. Wobei ich ganz klar sagen muss, diese Liste ist nicht erschöpfend oder abschließend oder Sonstiges. Es ist ein Anfang. Sobald ich weitere Klischees finde (gerne kannst Du mich auch auf welche hinweisen), wird diese Liste erweitert.

Es bedeutet übrigens nicht, dass Du die Klischees nicht verwenden kannst. Du kannst sie und vielleicht solltest Du das eine oder andere sogar verwenden. Aber eben mit anderen Varianten und Möglichkeiten. Mach gerne aus einem Klischee etwas komplett Neues. Deine neue und eigene Innovation eben.

Der perfekte Typ und das Mauerblümchen

Er ist heiß, total beliebt und unglaublich sexy. Wenn man es so will, benötigt er für sein Aussehen sogar schon einen Waffenschein. Zudem ist er noch von anderen, sehr heißen Frauen umgeben. Theoretisch könnte er mindestens sieben an einem Finger haben. Und sie mag vielleicht hübsch aussehen, aber ist total unsicher und fühlt sich nicht wohl in ihrer Haut.

Trotzdem verliebt er sich genau in sie und sie werden ein Paar. Zudem leben sie noch gemeinsam bis an ihr Lebensende.

Natürlich wünschen wir uns alle, dass der eine Mann oder die eine Frau über unseren Weg läuft und uns so erkennt, wie wir wirklich sind. Und klar, es kann auch genau das passieren. Doch die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass der heiße Typ mit dem heißen Auto und der heißen Villa und den ganzen heißen Frauen eben die nicht so ganz heiße Mauerblume übersieht. Vielleicht sogar ein Leben lang.

Wenn er sich in sie verliebt, dann lass es aus einem guten Grund sein. Wie kann sie ihn auf sich aufmerksam machen (ohne sich anzubiedern), damit er sich in sie verlieben kann? Es kann sein, dass sie erst einmal notgedrungen zusammenarbeiten müssen. Dadurch lernt er sie kennen und sieht hinter ihre Fassade. Und andersherum ist es genauso. Denn auch Mauerblümchen können Vorurteile haben.

Der perfekte Typ

Er sieht gut aus, hat die Muskeln an den richtigen Stellen und das berühmte Zahnpastalächeln. Zudem die angesagten Klamotten. Weiterhin die perfekte Karriere und die schicke Frisur. Ein tolles Auto, die Freunde, die zu ihm halten, eine Traumwohnung in bester Lage und was auch immer er noch braucht.

Perfektion ist zwar für viele erstrebenswert, aber zumindest für uns Menschen nicht umsetzbar. Wir haben nun einmal irgendwelche Schwächen. Sei es eben nicht die perfekte Karriere oder den perfekten Charakter. Es könnte auch mit der Wohnung nicht stimmen oder unser sexy Kerl hat einen kleinen Waschbärbauch.

Seien wir ehrlich zu den Männern, warum sollten sie auch perfekt sein? Sie sind Menschen, keine Götter. Und selbst die Götter haben ihre Schwächen.

Such daher nach der Schwäche in Deinem Charakter und zeig diese mir als Leserin. Dann wird Dein perfekter Typ ein tatsächlicher Mensch.

Kleine Anmerkung: Von diesem Klischee sind tatsächlich fast ausschließlich nur Männer betroffen. Von Frauen erwarten die Liebesromanleser*innen, dass sie nicht perfekt sind. Da hast Du mehr Freiheiten.

Sexy Mollige

Natürlich gibt es mollige Frauen, die ich selbst total sexy finde. Genauso, wie es schlanke Frauen gibt, die ich nicht attraktiv finde. Das ist total natürlich. Nur nicht in Liebesromanen. Dort findest Du erst einmal überhaupt sehr selten mollige Frauen. Das sehe ich schon einmal als Manko an.

Aber wenn es mollige Frauen gibt, dann haben wir das gleiche Problem, wie bei den schlanken Frauen. Sie sehen einfach zu gut aus. Jedes Pfund sitzt an der richtigen Stelle, sodass das Gesamtbild stimmig ist. Dabei ist es bei keinem Menschen garantiert so, dass der Körper perfekt ist. Die eine Frau hat eine Falte zu viel und ein Mann hat vielleicht eine Narbe.

Es gibt mollige Frauen, deren Körper nicht harmonisch aussehen. Und trotzdem hatten sie eine erotische Ausstrahlung, die ich bei anderen Frauen vermisst habe. Daher wäre es schon schön, wenn auch mollige Frauen nicht zwangsläufig perfekt aussehen müssen. (1)

Der Plot verläuft im Sande

Vor einiger Zeit habe ich gelesen, dass ein Liebesroman niemals den Liebesplot als Hauptplot haben soll. Es braucht einen Hauptplot (wie immer der aussehen mag) und als Subplot eben die Liebesgeschichte. Bei vielen Geschichten muss ich sagen, es wäre besser gewesen, wenn man sich mehr auf einen anderen Hauptplot konzentriert hätte.

Manchmal passiert es, dass ein Liebesroman vom Plot her sehr stark anfängt und man richtig Spaß hat, der Geschichte weiter zu folgen. Und dann passiert es, der Hauptplot wird von dem Liebesplot brutal zur Seite gestoßen und übernimmt das Ruder. Am Ende kommen wir irgendwo wieder zum Hauptplot zurück, aber der wird dann in ein oder zwei Seiten abgehandelt und das war es auch schon.

Und ja, von diesen Büchern habe ich schon einige gelesen.

Der Romanceplot sollte nebenbei verlaufen und nicht den Hauptplot vertreiben. Oder Du konzentrierst Dich eben nur auf den Romanceplot. Aber wenn Du Dich auf eine Geschichte konzentrierst und nebenbei eine Liebesgeschichte laufen lassen möchtest, dann sollte sie halt nur die zweite Geige spielen.

Aber es macht in meinen Augen keine gute Figur, wenn zuerst mit einem Krimi angefangen wird, dann kommt nur der Liebesteil und am Ende wird der Mörder ganz nebenbei gefunden. Das ist nicht sonderlich überzeugend.

Liebe auf dem ersten Blick

Sie trifft ihn oder er trifft sie und schon ist es um beide geschehen. Dabei wissen die beiden nichts, aber auch rein gar nichts übereinander und doch wissen sie, dass die bzw. der andere ihre große, wahre und unendliche Liebe ist. Von mir aus auch Seelengefährten. Und sie wissen, dass sie in den letzten Leben ebenfalls zusammengehörten.

Natürlich kann es Liebe auf dem ersten Blick geben. Aber manchmal wirkt das in den Liebesromanen mehr als nur konstruiert. In einem Roman hat man nicht immer die Zeit, eine langsame Beziehung aufzubauen, die in manchen Fällen sogar Jahre braucht, um zu einer Liebesbeziehung zu werden. Aber im Grunde genommen wäre es doch schön, ein wenig länger die Liebe sich aufbaut und nicht innerhalb eines Satzes da ist. Überleg Dir daher, ob Du der Liebe in Deinem Roman nicht ein wenig Zeit geben möchtest.

Vor einiger Zeit habe ich „Ein stachliger Gefährte“ von Piper Vaughn und Kenzie Cade gelesen. Dort geht es auch um diese ganze Seelenverbindung und Gefährtennummer. Und doch wurde hier das Klischee ausgehebelt und die beiden Helden (es ist eine Gay Romance) tanzen seit gut zwei Jahren umeinander herum. Das gefällt mir mal richtig gut.

Das emotionale Wrack und die Seelengefährt*innen

Jeder zweite Typ, der in den Romanen auftaucht, ist ein Wrack und muss geheilt werden. Dabei hat er so viele seelische Verletzungen, dass das schon gar nicht mehr statistisch aufgehen kann. Sie hingegen hat so eine gesunde Seele, dass man meinen könnte, dass unsere Heldin gerade frisch aus dem Ei geschlüpft ist. Und natürlich schafft nur seine Seelengefährtin, ihn zu heilen und alles vergessen zu lassen. Sie treffen sich und schon wird seine Seele nach und nach geheilt.

Diese Superheilung findet auch innerhalb weniger Wochen oder gar Tage statt, wo eine psychotherapeutische Behandlung vielleicht Jahre benötigte.

Im Grunde genommen wird ihr die Aufgabe einer Psychotherapeutin aufgebürdet. Und das ist durchaus eine nicht zu unterschätzende Angelegenheit. Aus diesem Grund kann man das als ziemlich unfair bezeichnen. Zur Abwechslung wäre es auch mal nett, wenn er mal kein Wrack ist. Oder er sucht sich professionelle Hilfe. Alternativ hat sie eine entsprechende Ausbildung.

Nur das Äußere zählt

Er hat mehr Muskeln als Bauch, sie mehr Titten und Arsch als Haar. Häufig basiert die Liebe zwischen der Heldin und dem Helden lediglich darüber, wie heiß die oder der Andere aussieht. Das schlimmste ist dann noch, dass sie das immer und immer und immer wieder erwähnen. Er sieht so heiß aus, sie ist eine scharfe Schnitte. Und so weiter.

Dass ein Mensch auch einen Charakter hat, scheinen manche Autor*innen noch nicht mitbekommen zu haben. Oder sie vergessen es, während des Schreibens. Aber das ist ja völlig egal. Denn sie sind füreinander bestimmt. Sie gehören zusammen, sie lieben sich. Da ist alles andere völlig egal.

Vom Charakter her könnten die beiden vielleicht arrogant sein, selbstsüchtig oder egozentrisch. Doch das ist egal, Hauptsache sie sind schön.

Daher wäre es schön, wenn Du zeigst, dass Deine Figuren auch einen Charakter haben, bei dem es sich lohnt, sich in diese Person zu verlieben. Denn Schönheit allein reicht auf Dauer nicht aus, um eine dauerhafte Beziehung zu führen. Immerhin altern sie auch eines Tages. Und dann kommt es darauf an, was für eine charakterliche Beziehung sie tatsächlich führen. Das Innenleben ist das, was auf Dauer zählt.

Ich kenne dich nicht, schlaf mit mir

Nichts gegen einen gepflegten One-Night-Stand. Davon gibt es, meiner Meinung nach, noch nicht genügend in den Romanen. Besonders nicht für die weiblichen Charaktere. Jedoch wird das in Liebesromanen doch ein wenig übertrieben. Man sieht sich, findet die andere Person heiß und dann, keine vierundzwanzig Stunden später, landen sie gemeinsam im Bett. Wenn das Mal reicht, ich hatte schon Romane gelesen, da ging es noch schneller.

Natürlich wird sich danach auch noch die ewige Liebe geschworen. Als ob man nicht einfach auch mal Spaß haben darf. Denn dafür ist Sex auch da.

Manchmal und immer häufiger vermisse ich das Knistern zwischen den beiden und das hinauszögern. Klar, wenn ich einen erotischen Liebesroman lese, will ich auch, dass die Charaktere (egal in welcher Konstellation) ins Bett gehen. Doch immer wieder werden die beiden ins Bett gescheucht, wo ich mich frage, wirklich? Jetzt schon? Echt jetzt?

In den oben erwähnten Roman finde ich das Gewünschte knistern. Es knisterte ordentlich und die Charaktere haben bis zu 50 Prozent nicht miteinander geschlafen. Das ist logisch und passt.

Natürlich dürfen und sollen Deine Charaktere ins Bett. Aber muss das sofort sein, bevor sie sich kennen?

Wo ist der Plot geblieben?

In der Tat habe ich einige Romane gelesen, die kaum bis gar keinen Plot hatten. Von, sagen wir mal, zehn Kapiteln waren zwei Kapitel mit einem Plot versehen, der Rest war nur Sex (da wurde noch nicht einmal ein Plot übernommen, wie ich es oben schon beschrieben habe, denn wo kein Plot ist, kann auch nichts übernommen werden).

Es mag und es gibt Leute, die gerne so etwas lesen. Aber aus meiner Sicht kann ich nur sagen, auf Dauer ist das tatsächlich ermüdend. Wenn der komplette Roman sich nur darum dreht, wie die Charaktere sich heiß finden, miteinander ins Bett gehen, sich nicht haben wollen, miteinander ins Bett gehen, sich streiten und mal wieder miteinander ins Bett gehen, das ist mir zu wenig.

Sex darf und soll auch gerne in einen Liebesroman rein. Genauso darf und soll noch mehr ein halbwegs vernünftiger Plot in der Geschichte vorkommen. Das muss jetzt nicht die ausgefeilteste Geschichte der Welt sein. Aber es wäre schön, wenn es überhaupt was gäbe, worüber wir nachdenken könnten.

Sie braucht keinen Mann, kriegt aber einen – egal wie

Es gibt Geschichten, da ist die Frau ihre eigene Heldin und braucht keinen Kerl. Toll, perfekt, warum nicht. Doch dann kommt ein Mann daher, nennen wir ihn unseren Helden, den sie nicht immer nett behandelt. Immerhin braucht sie keinen Mann, um glücklich zu sein oder um gerettet zu werden.

Es kann dann passieren, dass sie ihn sogar mies behandelt, warum auch immer. Vielleicht, um ihre Unabhängigkeit damit zu beweisen? Oder um zu sehen, wie er sich abmüht, sie zu bekommen? Was ihn eigentlich auch wie einen Deppen dastehen lässt, wenn er sich mies behandeln lässt und dann trotzdem der Frau, nennen wir sie Heldin, hinterher rennt.

Wenn sie sich am Ende kriegen, was trotz der Aussage, sie braucht keinen Kerl, um glücklich zu sein, durchaus passieren kann, dann kann sie ihn die ganze Zeit auch einfach nett behandeln. Klar, sie dürfen sich in die Haare kriegen. Aber auf eine respektvolle Art und Weise.

Dann sieht es auch schöner aus, wenn die beiden zusammenkommen.

Die Dreiecksbeziehung

Unsere Heldin trifft auf Held A. Der ist ja so heiß und so süß und so sexy. Und natürlich kann sie sich vorstellen, mit ihm eine Beziehung anzufangen, ihn zu heiraten und auch Sex zu haben. Immerhin will sie ja mit ihm Kinder haben.

Aber Moment mal, da kommt ja Held B vorbei. Der ist auch heiß und so süß und so sexy.

Klar, Dreiecksbeziehungen können eine ordentliche Portion Spannung in eine Geschichte bringen. Denn am Ende erwartet unsere Gesellschaft, welche die monogame Beziehung hochhält, dass sie sich entscheidet. Zumal sie es ja nicht ertragen kann, beide quasi hinzuhalten und sich nicht entscheiden zu können. Denn beide sind ja, Du weißt schon.

Noch schlimmer ist es, wenn man eigentlich schon weiß, für wen sie sich entscheidet und das alles hinausgezögert wird. Denn sie verbringt die meiste Zeit eben mit Held A und dementsprechend wissen wir schon, er ist der Glückliche. Held B bekommt entweder eine andere Frau an die Seite, akzeptiert es, dass er der Verlierer ist, oder opfert sich für unser Paar.

Dreiecksbeziehungen sind zwischenzeitlich sehr ausgelutscht. Da darf gerne was Neues her. Wie wäre es, wenn sie mit beiden Helden ungefähr die gleiche Zeit verbringt und die Beziehung in etwa gleich intensiv ist. Da wäre die Entscheidung eine wirkliche Herausforderung. Oder es gibt kein Held B. Sondern sie muss sich tatsächlich mal um einen Typen bemühen.

Alternativ wäre es auch möglich, dass sie beide Herren kriegt. Eine Polyandre Beziehung wäre tatsächlich was Neues (2).

Sex heilt jedes Fehlverhalten

Er lügt sie an, benimmt sich mies und hat sonst noch irgendein negatives Verhalten an den Tag gelegt (tatsächlich gibt es dazu Bücher). Aber hei, der Sex ist so geil, dass sie ihm das alles verzeihen kann. Häufig gibt es kein klärendes Gespräch dazu. Und wenn, dann ist es eher halbherzig.

Nach einem Streit ist Sex natürlich schön. Aber das sollte nicht als Entschuldigung für ein Fehlverhalten dienen. Wenn sich jemand aus der Beziehung mies verhalten hat, dann ist das erst einmal so in Ordnung. Nun müssen beide das irgendwie klären. Egal wie. Und notfalls muss die Person, welche sich nicht schön benommen hat, auf der Couch schlafen.

Wenn dann die Sache geklärt ist, dann dürfen sie ausgiebig Sex haben. Es spricht nichts dagegen.

Übergriffiges Verhalten

Sie hat eine Meinung. Und es kann sogar sein, dass sie studiert hat, um sich diese Meinung bilden zu können. Oder eben entsprechende Lebenserfahrungen gesammelt hat. Egal wie, sie hat eine Meinung.

Problem, es interessiert ihn überhaupt nicht.

Er will seine Meinung, seine Ansichten und was auch immer durchbringen. Notfalls geht er über ihre Seele und ihre Selbstbestimmung. Egal was, nur seine Meinung zählt. Und wehe, sie wagt es, sich dagegen aufzulehnen. Entweder er entzieht ihr seine Liebe. Schlimmer noch, er könnte dann körperlich übergriffig werden.

Egal wie, übergriffiges Verhalten, sei es mit Worten oder mit Taten, ist alles andere als sexy. Schau mal auf Twitter, was kritische Menschen zu solchen Themen sagen. Es werden immer mehr, die sich davon nicht mehr angesprochen fühlen (einige fühlten sich noch nie davon angesprochen). Respektiere, dass Deine Charaktere unterschiedliche Ansichten haben. Und schön wäre es, wenn es auch Deine Charaktere tun. Daraus kann sich schönes Konfliktpotenzial ergeben. Noch mehr, als wenn er der Bestimmer ist.

Stalking

Sie kann kein Schritt machen, ohne das er es weiß. Er liegt zu Hause, ist in der Bibliothek oder auf der Arbeit, sie weiß Bescheid.

Im realen Leben sind stalkende Menschen beängstigend. Bestenfalls werden diese Menschen aufgehalten, schlimmstenfalls können sie sogar soweit gehen, dass sie die Person, die sie verfolgen, sogar töten.

Was bitte schön ist daran so romantisch?

Wenn mich jemand stalken würde, ich würde alles tun, damit das aufhört. Und ganz bestimmt mich nicht in diese Person verlieben. Denn, wenn sie oder er etwas von mir möchte, gibt es andere Wege, um dies mitzuteilen.

Es kann natürlich passieren, dass Personen immer wieder dort auftauchen, wo man selbst ist. Unsere Heldin könnte an einen Ort gehen und dort ist schon unser Held. Nicht, weil er auf sie gewartet hat, sondern weil er dort etwas zu erledigen muss. Als Beispiel. Und ja, in einem Roman darf das öfters vorkommen. Eben alls rein zufällig.

Aber echtes Stalking, das ist in meinen Augen nicht sexy. Daher sollte man darüber, meiner Meinung nach, nicht romantisierend schreiben.

Die Frau muss immer mit dem Kerl zusammenkommen

Das mag sich vielleicht für einen Liebesroman ein wenig seltsam anhören, aber tatsächlich stört es durchaus viele Leser*innen. Gerade in Büchern, wo Gruppen auftauchen. Meistens sind es zwei Frauen und drei Männer (es gibt immer ein Männerüberschuss). Und beide Frauen werden verkuppelt, aber ein Mann darf sehr wohl Single bleiben.

Und wenn eine Frau einen Mann abweist, dann ist er meistens ein Nebencharakter. Da tut es uns nicht sonderlich weh, wenn sie sagt, danke, aber nein danke. Denn er ist uns sowieso nicht wirklich ans Herz gewachsen.

Bei einem Einzelroman wird es natürlich schwierig sein zu verkaufen, dass sie keinen Mann möchte. Brauchen tut sie keinen, darüber sind wir uns sicherlich einig. Aber es geht um die Frage, möchte sie denn einen Mann in ihrem Leben haben? Bei einer Serie oder in bestimmten Genres könntest Du tatsächlich ein “Nein” als Antwort geben.

Sie muss nicht mit einer Frau zusammenkommen, sondern bleibt tatsächlich Single.

Oder wenn sie ein Teil einer Gruppe ist, dann muss sie nicht zwangsläufig mit jemanden aus der Gruppe zusammenkommen, nur damit sie nicht allein zurückbleibt. Es ist völlig in Ordnung, wenn sie (erst einmal) weiter Single bleibt. Besser, als sie in eine Beziehung zu zwingen, Hauptsache sie bleibt als Frau nicht allein.

Abschlussgedanken

Unter dem Hashtag #Buchbingo findest Du auf Twitter sehr viele Beispiele, was es für Klischees es noch so geben kann. Und dabei sind einige noch sehr Miese dabei. Für diesen Beitrag hab ich auf Twitter selbst nach Klischees gefragt und einige Antworten sind hier eingeflossen. Ein Update steht diesem Beitrag definitiv noch bevor.

Ansonsten kannst Du Dir mal überlegen, wie diese ganzen Klischees aussehen könnten, wenn man aus ihnen etwas komplett Neues macht. Vermutlich wirst Du damit nicht allen Leser*innen einen Gefallen tun. Aber ich denke, es werden immer mehr, die das langweilig finden und was Neues suchen.

Und wieso nicht ihnen das bieten? Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

 

(1) Zum Thema Selbstbild und Mollige habe ich noch einen Beitrag zu Verfügung, den ich zu gegebenem Zeitpunkt veröffentlichen werde. Daher gehe ich hier auf das Selbstbild von Mollige nicht weiter ein.

(2) Was das ist, werde ich in einem gesonderten Beitrag erläutern.

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Wenn die Charaktere zu Völkerstereotypen werden

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vor einigen Jahren lief eine Reportage über Filme, welche die Ureinwohner Amerikas zeigten (allgemein auch als Indianer bezeichnet). Dabei blieb mir eine Szene aus einem Film im Kopf hängen, leider nur nicht der Titel des Films.

Es ging dabei um einen Ureinwohner, der ein Soldat war und sich betrank. Dann lief er durch die Straßen, eben betrunken und benahm sich nicht stolz und wild, wie das Klischee eigentlich von ihm erwartet hätte. In dem Interview mit dem Schauspieler meinte er dazu, dass er sogar dankbar war, dass er sich so in dem Film benehmen durften.

Kurze Vorgedanken

Russen trinken. Italiener sind Machos. Amerikaner sind dumm. Engländer sind höflich. Japanerinnen quieken beim Sex.

Jedes Volk wird mit irgendwelchen Klischees und Stereotypen in Verbindung gebracht. Denken wir an ein Volk, an eine Gruppe von Menschen, sei sie religiös oder politisch, fallen uns sofort unendlich viele Stereotypen zu denen ein. Einige von denen mögen wahr sein, andere hingegen nicht.

Manche Stereotypen sind sehr offensichtlich (die des edlen Wilden zum Beispiel), andere hingegen kommen eher unterschwellig. So zum Beispiel, dass alle Asiat*innen in irgendeiner Kampfkunst bewandert sind. Dabei stellt sich schon die Frage, was man eigentlich unter Asien versteht. Immerhin gehört Russland oder auch Indien ebenfalls zu Asien.

Der Inhalt

Wie oben schon angefangen zu schreiben, kann es schnell passieren, dass man in Stereotypen verfällt, beschreibt man irgendein Volk auf der Erde zu dem man selbst nicht gehört. Diese Bilder haben sich in unsere Köpfe regelrecht festgefressen, dass es vielen schwerfällt, aus diesen auszubrechen und etwas anderes zu schreiben.

Glaubst Du nicht?

Dann mach doch mal mit mir folgendes Experiment. Schnapp Dir einen Zettel und schreib die Punkte auf, an die Du denkst, wenn Du das Wort „Indianer“ liest.

Wenn Du jetzt sehr selbstkritisch warst, dann könnten dort Worte stehen, die abseits der Klischees sind. Aber wenn Du das kleine Experiment ohne Selbstkritik durchgeführt hast, könnten auf Deinem Zettel unter anderem folgende Worte stehen:

  • Federschmuck
  • edler Wilde,
  • wilder Barbar (der nur hinter dem Skalp der Weißen her ist)
  • Verträgt kein Feuerwasser
  • ist friedlich
  • kennt kein Besitz
  • lebt im Einklang mit der Natur

Und so weiter. Das bedeutet nicht automatisch, dass Du rassistisch bist. Es bedeutet nur, dass diese Stereotypen immer noch aktuell sind und es uns häufig schwerfällt über diese hinwegzukommen. Denn man gibt uns im Fernsehen oder auch teilweise in Romanen kein anderes Bild von den Ureinwohnern.

Und wenn doch, fällt es uns schwer, mit diesem Bild klarzukommen, weil die Stereotypen so stark sind, dass wir eher neigen, zu diesen zurückzukehren.

Ich erwähne deswegen die Indianer, weil sich hier – meiner Meinung nach – die härtesten Stereotypen halten. Und sie sind häufig auch sehr offensichtlich. Spätestens dann, wenn ein Ureinwohner mit einem Traumfänger arbeitet, können wir schon ahnen, dass hier ein Stereotyp zum Tragen kommt. Denn dieser stammt ursprünglich von Ojibwe-Kultur und wurde erst in den 1960er und 1970er von anderen Stämmen übernommen. Jedoch wird immer gerne getan, als hätten alle Stämme etwas mit diesem Gegenstand zu tun, was nun einmal nicht stimmt.

Aber auch andere Kulturen haben ihre Stereotypen. Und diese sind nicht immer so schön offensichtlich wie die oben Aufgeführten. Wenn wir es mit Asiat*innen zu tun haben, können wir nur darauf warten, dass sie in einer Serie oder in einem Film anfangen ihre asiatischen Kampfkünste zu zeigen. Wie oben schon erwähnt, ist allein die Bezeichnung Asiat*in schon problematisch. Denn immerhin ist Asien ein recht großer Kontinent. Zu diesem gehört eben nun einmal nicht nur China oder Japan. Sondern auch Russland oder Iran. Allein die Bezeichnung Asiat*in impliziert aber bei vielen das Bild von Chines*innen oder Japaner*innen.

Es mag sein und ist wohl auch teilweise so, dass viele Ostasiat*innen wissen, wie man sich verteidigt. Darüber will ich nicht diskutieren. Aber scheinbar beherrschen alle eine geheime Kampfkunst, die sie den Gegner*innen überlegen machen.

Sind sie aber auf der falschen Seite, dann ist der Held oder die Heldin durchaus in der Lage, unsere*n Asiat*in zu besiegen. Besonders dann, wenn sie oder er eine weiße Hautfarbe hat.

Das Problem

Das große Problem dürfte wohl schon klar sein. Wenn wir andauernd die gleichen Stereotypen vorgesetzt bekommen, dann verfestigt sich dieses Bild und wir sind nicht mehr in der Lage darüber hinaus zu denken.

Immer wenn wir jemanden sehen, deren oder dessen kultureller Hintergrund eine wichtige Rolle spielt, rattert unser Gehirn die Stereotypen und Klischees ab. Wenn diese Vorurteile erfüllt werden, dann fühlen wir uns gut. Denn unser System A (Schnelles Denken, Langsames Denken von Daniel Kahnemann) muss nicht überwunden werden, damit System B anfangen muss zu arbeiten.

Das bedeutet also, wenn ein Klischee erfüllt wird, muss unser Gehirn nicht nachdenken. Er sieht sich bestätigt, dass die Vorurteile, die wir gegenüber einer Gruppe von Menschen haben wahr sind. Doch sobald ein Klischee nicht bestätigt wird, will System A (auch das faule Gehirn genannt) unbedingt, dass seine Vorurteile doch bestätigt werden, komme was da wolle. Daher reden wir uns häufig aus, dass es eben mal eine Ausnahme war. System B (das fleißige Gehirn nach Kahnemann also) kommt erst dann zum Einsatz, wenn wir es dazu zwingen. Wir müssen also die Situation hinterfragen und überlegen, warum ein Mitglied einer Gruppe nicht das Klischee erfüllt. Dann müssen wir weitergehen. Handelt es sich bei einer Eigenschaft um ein Klischee und trifft dies auf alle Mitglieder dieser Gruppe zu? Das ist schwer umzusetzen. Aber am Ende lohnt es sich definitiv.

Und dadurch verfestigen sich die Bilder, die von diesen Gruppen von Menschen haben. Danke liebes System A.

Jetzt wirst Du vielleicht sagen, die aufgeführten Beispiele sind ja nicht so schlimm, wo ist das Problem? Das Problem ist ganz klar, dass es auch negative Stereotypen gibt, die sich dadurch verfestigen. Du kannst das oben angeführte Experiment mal mit einer*m Afroamerikaner*in durchführen. Was für Wörter landen auf Deinem Blatt? Ich befürchte, diese sind nicht immer ganz nett, oder?

In einer Musikdoku wurde erklärt, dass die Gangmentalität, die wir von vielen männlichen Afroamerikaner*innen kennen, zuerst aus dem Fernseher stammen. Die Realität sah dagegen zu dieser Zeit eher harmlos aus. In Serien oder Filmen wurde diese sogenannte Realität drastisch dargestellt. Und dann übernahm die tatsächliche Realität der Gegenwart die fiktive Realität aus dem Fernseher. Und wurde schlimmer, als man es damals sich vorstellen konnte.

Diese Bilder bleiben in unserem Kopf, weil wir nicht immer selbstkritisch genug sind, um das alles zu hinterfragen. Ich gestehe, bei mir ist das auch so. Wenn ich mir eine Serie oder einen Film ansehe, dann lasse ich mich berieseln. Und dann hinterfrage ich nicht immer alles, was ich sehe. Daher haben diese Bilder einen ungemein starken Einfluss auf uns. Ein weiteres Problem ist auch, dass wir nicht immer das nötige Hintergrundwissen haben. Wenn ich eine Serie oder ein Film sehe, dann erfahre ich erst im Nachhinein, dass eine Darstellung nicht immer geschickt gewählt wurde. Das muss ich aber erst herausfinden und über weitere Quellen recherchieren. Einige machen es, andere hingegen nicht.

Zudem ist es auch ein Zeichen einer gewissen Faulheit. Denn wir sehen einfach nur Stereotypen und keine richtigen Charaktere. Denn Stereotypen sind nur Ansammlungen von Punkten und zeugen nicht davon, dass sich der Autor oder die Autorin wirklich mit diesem Charakter auseinandergesetzt hat. Wenn wir also mit einem Stereotyp zu tun haben, dann ist es natürlich eine sichere Sache. Wir müssen nicht nachdenken und wissen, wie sie oder er reagieren wird. Aber seien wir mal ehrlich, genau das ist doch auch zugleich langweilig.

Hier wird schlichtweg der einfache Weg gegangen und der heißt, packen wir ein paar Stereotypen zusammen und das war es auch schon. Es mag leichter sein, mit Stereotypen zu arbeiten. Aber es ist nicht befriedigend. Zumindest nicht für Deine Leser*innen.

Warum wird das geschrieben?

Wie schon geschrieben, es handelt sich hierbei um den einfachen Weg, um Charaktere zu erschaffen. Anstatt sich zu überlegen, wie der Charakter sein könnte und wie der kulturelle Hintergrund ihn oder sie noch runder macht, wird hier ein wenig gezimmert und das war es auch schon. Wenn überhaupt.

Damit werden gerade Minderheiten in eine Ecke gestellt, aus der sie nicht herauskommen. Die weißen Charaktere dürfen alles sein, was auch immer sie sein wollen. Dagegen haben die Minderheiten eine bestimmte Rolle zu spielen. Und die ist ihnen gegenüber sowohl als Minderheit als auch als Charakter / Mensch nicht fair.

Denn gerade Minderheiten werden anhand dieser Stereotypen immer gemessen. Wenn sie diese erfüllen, dann heißt es, na typisch, der oder die ist halt so, weil eben der kulturelle Hintergrund so und so ist. Wenn aber mal außerhalb der Box geschrieben wird, dann sind wir erst einmal irritiert. Dann heißt es, dass die Geschichte sogar unrealistisch wäre. Weil eben unser System A nicht befriedigt wurde.

In manchen mag sich auch ein gewisser Widerstand regen, weil wir es nicht gewohnt sind, dass die Charaktere der Minderheiten anders reagieren, als wir es letztendlich wollen. Das ist völlig in Ordnung. Aber dann sollten wir offen sein für die neue Erfahrung, die uns dieses Erlebnis schenkt.

Denn so lernen wir etwas über die Menschen und auch über uns. Denn dort, wo wir irritiert sind, haben wir es aller Wahrscheinlichkeit mit einem Stereotyp zu tun. Und da heißt es, genauer hinsehen. Hier versteckt sich Potenzial.

Wie Du es anders schreiben könntest

Wenn Du über Minderheiten schreiben möchtest und nicht weißt, welche Stereotypen zu dieser Gruppe gehören, bedeutet das eins: Recherche, Recherche und noch mehr Recherche. Es ist völlig in Ordnung, wenn Du nicht weißt, welche Elemente aus Deinem Charakter ein Stereotyp macht. Aber es gibt das Internet und Du kannst es jederzeit benutzen, um das alles herauszufinden. Und natürlich gibt es auch die Möglichkeit, dass Du mit Menschen aus den verschiedenen Ländern und Gruppen sprichst. Dank des Internets ist es möglich. Du kannst Kontakte aufbauen und Fragen, ob eine Idee ein Klischee sein könnte oder nicht. Und solange Du höflich und respektvoll bist, wirst Du sehr wahrscheinlich auch eine entsprechende Antwort bekommen.

Vor einiger Zeit hab ich mal auf einer englischsprachigen Seite gelesen, dass Menschen mit afrikanischen Wurzeln angeblich nicht schwimmen können. Da hatte aber wer eine Geschichte darüber geschrieben, ohne das zu wissen. Dann hatte man ihn darauf aufmerksam gemacht und er war überrascht. Also hatte er recherchiert und überlegt, wie er das besser machen könnte.

Daher recherchiere vorher, was es für Elemente gibt, die Du eventuell umschiffen könntest, und notiere Dir alles. Und rede mit anderen Menschen, die vielleicht mehr Ahnung haben könnten als Du. Das ist nicht peinlich oder zeigt von Schwäche. Es gibt immer jemanden, die oder der von etwas mehr Wissen hat. Dafür könntest Du der Person auf einer anderen Ebene helfen.

Weiter gilt immer und immer wieder, schreib Charaktere, keine Klischees, keine Stereotypen. Schau Dir den Hintergrund Deines Charakters an und frag Dich, was könnte dies für Deine Figur bedeuten? Häufig ist die Geschichte so voller Potenzial, dass man daraus schon fast ein Regenbogen von einem Charakter machen könnte (in Bezug auf die Vielfalt). Doch wenn man sich dann nur auf dem Stereotyp konzentriert, macht man das schlichtweg alles kaputt.

Natürlich haben kulturelle Wurzeln durchaus einen gewissen Einfluss. Aber jeder Mensch kann sich entscheiden, wie sie oder er das eigene Leben führen möchte. Und da kommst Du als Autor*in ins Spiel. Lass Deinem Charakter diese Entscheidung und erschaffe ein Individuum, fernab des Stereotyps.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Du immer schön das Gegenteil von dem schreibst, was das Stereotyp verlangt. Ostasiat*innen sind gut in asiatischen Kampfkünsten (wie Kung-Fu oder Judo oder was auch immer)? Dann streich das und lass sie eine andere Kampfsportart machen. Wie wäre es mit Kickboxen oder ein exzellenter Umgang mit Schusswaffen? Oder noch banaler, lass sie oder ihn doch einfach mal weglaufen, weil sie oder er gar nichts beherrscht. Das wäre definitiv auch mal etwas anderes.

Mit Boxen oder Schusswaffen könnte Dein ostasiatischer Charakter immer noch gefährlich und tödlich sein, aber sie oder er verlässt die Sphären des Stereotyps. Und es wäre definitiv mal was ganz anderes. Und wenn sie*r keine Kampfkunst beherrscht, könnte an der Stelle etwas anderes treten. Wissen oder eine gewisse Hinterhältigkeit. Eben etwas, was Deine Geschichte braucht und Deine Charaktere einmalig werden lässt.

Abschlussgedanken

Wenn man ein wenig aufpasst, ist man leicht in der Lage, Stereotypen, die sich so gut wie immer auf die Minderheiten in einer Geschichte beziehen, zu umgehen. Natürlich, klar, es ist einfacher, wenn man mit Klischees und Stereotypen arbeitet. Sie sind bekannt und auch vertraut. Und unendlich langweilig. Deine Charaktere ähneln den Kleidern oder Anzügen in einem Klamottenladen. Sie sehen alle gleich aus. Der einzige Unterschied ist lediglich die Größe.

Daher versuch einfach mal, dem Stereotyp zu durchbrechen und schau, was es Dir am Ende bringt. Es werden sicherlich einige Leser*innen erst einmal irritiert sein. Aber wenn am Ende ein interessanter Charakter herauskommt, dann werden sie Dir das sicherlich verzeihen. Und ich bin mir sicher, dass sich das auf Dauer lohnt.

Dabei wünsche ich Dir Erfolg und noch mehr Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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