Plot: Der 7-Akter

Hei, hallo und herzlich willkommen,

nachdem wir uns den 3-Akter und den 5-Akter angesehen haben, schauen wir uns heute den 7-Akter auch das 7-Punkte System an.

Kurze Vorgedanken

Diese Methode geht auf den Autor Dan Wells zurück. Zwar hat er diese Methode nicht erfunden, aber er hat sie verfeinert und aufbereitet. Seine Inspirationsquelle ist der „Star Trek Narrator Guide„.

Auf YouTube findest Du einige Videos zu einem Vortrag von ihm (die ich hier verlinkt habe, dass Urheberrecht liegt bei der einstellenden Person und beim Autor). Es ist eine weitere Methode, mit der Du eine Geschichte planen und plotten kannst.

Entweder Du nimmst die Informationen, die Du mit dem 3-Akter und dem 5-Akter Dir erarbeitet hast, und arbeitest hier noch tiefer und intensiver daran. Oder Du arbeitest nur mit dieser Methode. Wie so oft, die Entscheidung liegt an Dir.

Aufbauübersicht

Erst einmal möchte ich Dir die Punkte vorstellen, auf denen die 7-Punkte-Struktur beruht.

  1. Der Aufhänger (Hook) – Hier stellst Du Deine Heldin oder Deinen Helden vor, die Welt in die sie sich befinden, dass Setting, was auch immer wichtig ist.
  2. Erste Wendung (Plot Turn 1) – Hier geschieht DAS Ereignis, welche Deine Figuren dazu zwingt zu reagieren. Die Welt verändert sich und Spannung wird aufgebaut.
  3. Erster Kniff (Pinch 1) – Die Situation verschlechtert sich, etwas geht schief und dadurch wird Deine Heldin oder Dein Held gezwungen, etwas zu unternehmen.
  4. Mittelpunkt (Midpoint) – Deine Heldin oder Dein Held wird aktiv und beginnt etwas an der Situation zu ändern.
  5. Zweiter Kniff (Pinch 2) – Es geht wieder etwas schief, wodurch sich die Situation noch einmal verschlechtert. Dadurch steigt der Druck auf Deine Heldin oder Dein Held und erst einmal erscheint die Situation aussichtslos.
  6. Zweite Wendung (Plot Turn 2) – Deine Heldin oder Dein Held findet eine überraschende Möglichkeit, dass sie oder er doch etwas unternehmen kann, und kann die Situation noch in letzter Sekunde herumdrehen.
  7. Auflösung (Resolution) – Deine Heldin oder Dein Held siegt über das Problem.

Bevor Du beginnst

Du könntest jetzt theoretisch schon anfangen zu plotten. Immerhin kennst Du jetzt die Übersicht. Doch wenn Du direkt nach der Methode von Wells arbeiten möchtest, solltest Du Dir noch einige Dinge überlegen.

  • Um was geht es in Deiner Geschichte?
  • Was ist Deine Kernaussage, die Du gerne vermitteln möchtest?
  • Was ist der Grund, warum Du gerade diese Geschichte und keine andere schreiben willst?
  • Wer sind Deine Charaktere?
  • Was ist das Setting?
  • Kannst Du Dein Hauptkonflikt benennen?

Wenn Du all diese Punkte benennen kannst, dann bist Du bereit für den nächsten Schritt. Sagst Du Dir aber, dass Du eher grob alles beschreiben kannst, dann wäre jetzt Zeit noch einmal darüber nachzudenken und diese Punkte Dir zu erarbeiten.

Denn mit je mehr Wissen Du ans Plotten herangehst, desto besser kannst Du Dir alles erarbeiten. Daher empfehle ich Dir, nutz die Zeit und arbeite noch einmal an den oben aufgeführten Punkten. Danach kannst Du sofort weitermachen.

Eine weitere Besonderheit an der Methode von Wells ist sein Beginn. Normalerweise fangen wir alle bei Akt 1 an. Also ganz am Anfang. Wells hingegen beginnt am Ende seiner Geschichte. Er ist der Meinung, dass Du die wichtigen Punkte Deiner Geschichte eher herausfinden und erarbeiten kannst, wenn Du weißt, wohin die Reise überhaupt geht.

Das bedeutet, wenn Du weißt, wo Deine Heldin oder Dein Held endet, kannst Du sehen, wo er angefangen hat. Wells selbst wählt als Beispiel Harry Potter. Am Ende der kompletten Geschichte ist er ein mächtiger Zauberer, der es geschafft hat Lord Voldermort zu besiegen. Wenn Du das auf Deinem Blatt Papier siehst, dann kannst Du Dir überlegen, wo solch eine Geschichte anfangen könnte. In diesem Fall als Waisenkind, der bei ungeliebten Verwandten unter der Treppe lebt und keine Freundschaften hat. Das perfekte Beispiel, oder?

Die 7 Punkte detailliert erklärt

Auch wenn Dan Wells empfiehlt, mit dem 7. Punkt anzufangen, also der Auflösung, bleibe ich, aus Übersichtsgründen, bei der klassischen Reihenfolge. Wenn Du Dich dann an die Bearbeitung Deines Plots machst, kannst Du dann den siebten Punkt als erstes nehmen und die restlichen danach abarbeiten.

1 Der Aufhänger – Hook

Hier sind wir beim genauen Gegenteil zur der Auflösung unter Punkt 7. Denn hier beginnt die Reise Deiner Heldin oder Deines Helden. Wir befinden uns also in seiner Alltagswelt. Das bedeutet, Du kannst diesen Teil dafür benutzen, um uns zu zeigen, wo wir sind, mit wem wir es zu tun haben, wie die Stimmung ist, das Setting, sowie das Genre.

Diese Punkte kennst Du auch aus den anderen Plotbeschreibungen. Wichtig ist vielleicht noch zu erwähnen, dass der Beginn der Reise ganz woanders anfängt, als sie dann am Ende endet.

Das bedeutet nicht unbedingt, dass Deine Heldin oder Dein Held nicht an den gleichen Ort zurückkehren kann. Sondern die Figur muss sich innerlich so weit geändert haben, dass sie als eine völlig andere Figur zurückkehrt.

Weiterhin kannst Du hier auch wichtige Nebenfiguren einführen, die für die Geschichte besonders wichtig sind oder werden. Jedoch ist es durchaus gut, wenn Du Deinen Hauptfiguren genügend Platz lässt, damit Du ihre Charakterentwicklung zeigst. Mit wem haben wir es hier zu tun, wo fängt ihre Reise an, wie sind sie und was für ein mögliches Potenzial haben wir hier?

Weiter kannst Du hier ein Konflikt, ein Geheimnis oder ein Problem aufbauen, was dann in der Geschichte und eventuell in der kompletten Reihe sich dann durchzieht.

2 Erste Wendung (Plot Turn 1)

Ein unerwartetes Ereignis tritt ein und dadurch verändert sich die Welt unserer Heldin oder unseres Helden unwiederbringlich (selbst wenn sie oder er den Ruf ablehnen würde, es hat sich etwas geändert). Dadurch wird die Geschichte in eine neue Richtung gelenkt und die Handlung kommt dadurch so richtig in Gang.

Gleichzeitig lernen wir neue Figuren und erste Geheimnisse werden gelüftet. Es dürfen neue Geheimnisse dann durchaus dazu kommen.

3 Erster Kniff – Pinch 1

Du kannst Dir merken, dass Pinches Stellen sind, an denen besonders viel Druck auf Deine Heldin bzw. Helden ausgeübt wird. Zumindest sollte es so sein.

Hier muss sie oder er handeln, ansonsten kann der weitere Verlauf der Geschichte eher katastrophale Wendungen annehmen. Daher ist für Dich als Autorin oder Autor der ideale Platz für eine erste große Katastrophe in Deiner Geschichte. Achte aber dabei, dass es noch möglich sein sollte, die Situation erneut zu verschlechtern. Es bringt also nichts, hier die größtmögliche Katastrophe einzubauen und beim nächsten Pinch eine Katastrophe zu erwähnen, die nur halb so stark oder einfach unrealistisch stark ist.

Diesen Pinch kannst Du auch nutzen, um Deine Antagonistin oder Deinen Antagonisten vorzustellen. Dabei muss sie oder er nicht gleich als Person eingeführt wird. Es kann auch nur der Name fallen oder die Auswirkungen des Handelns dieser Figur.

4 Mittelpunkt (Midpoint)

Wir sind nun in der Mitte Deiner Geschichte. Hier haben wir es mit der Verbindung bzw. dem Übergang von der Anfangssituation zur Endsituation zu tun. Bisher hatte Deine Heldin oder Dein Held nur reagiert, wenn etwas auf sie oder ihn hinabfiel. Durch den Druck aus Punkt 3 ist sie bzw. er dazu gebracht worden, nicht mehr nur zu reagieren. Es ist Zeit, endlich aktiv zu werden und zu agieren.

Sie oder er ändert damit das eigene Verhalten und hat damit einen wichtigen Entwicklungsschritt getan. Deine Heldin oder Dein Held beginnt das Ziel klar zu sehen. Und von nun an wird darauf hingearbeitet, um es zu erreichen.

5 Zweiter Kniff – Pinch 2

Wie geschrieben, Pinches eignen sich immer, um den Druck zu erhöhen. Hier kannst Du diesen so weit erhöhen, dass die Situation sich so dermaßen verschlimmert, dass es erst einmal so wirkt, als gäbe es keinen Ausweg mehr.

Bei der entsprechenden Geschichte könntest Du hier die Gefährtinnen oder Gefährten Deiner Hauptfigur sterben lassen. Oder sie zumindest so dermaßen behindern, dass Deine Heldin oder Dein Held sich allein dem eigenen Schicksal am Ende stellen muss. Sie oder er muss sich allein dem Problem stellen. Trotz allem kann hier das Gefühl stehen, als würden die Gegenspieler allesamt gewinnen.

Hier ist Deine Heldin oder Dein Held am absoluten Tiefpunkt. Sie oder er muss das Gefühl haben, alles zu verlieren. Und egal wie sehr sich Deine Figur anstrengt, die anderen werden gewinnen und alles wird in eine Katastrophe enden. Zumindest vom Gefühl her.

6 Zweite Wendung – Plot Turn 2

Hier bekommt Deine Heldin oder Dein Held einen wichtigen Hinweis auf den Schlüssel, um die ganze Katastrophe abzuwenden und zu einer, aus der Sicht Deiner Figur, erfolgreiche Lösung zu kommen.

In einem Drama gibt dieser Punkt noch einmal den entscheidenden Schubs in das eher bittere Ende.

Je nachdem in was für ein Genre Du schreibst, kann es hier dann noch einmal kitschig werden. Es können die großen Gefühle hier auftauchen, Überraschungsmomente, Informationen, mit denen niemand gerechnet hat, Enthüllungen, was auch immer für Deine Geschichte notwendig und typisch für Dein Genre ist.

7 Auflösung – Resolution

Hier wird alles gelöst, wobei sich die Lösung nach dem Genre richtet, in dem Du schreibst. So könnten in einem Drama alle am Ende sterben. In einem Liebesroman hingegen findet sich das Paar und so weiter.

Meistens wird jedoch die Antagonistin oder der Antagonist besiegt und bestraft. Alternativ kann sie oder er zum Guten bekehrt werden.

Doch wichtiger ist, Deine Heldin oder Dein Held hat eine wichtige Entwicklung durchgemacht. Am Anfang war sie oder er auf einer gewissen Stufe und nun wurde dieser Punkt verlassen und wir finden am Ende eine veränderte Figur vor. Sie kann mutiger oder auch stärker geworden sein. Hat Freundschaften geschlossen oder sonst wie ein Platz im Leben gefunden.

Mehrere Plots damit plotten

Vielleicht hast Du schon mal gehört, dass eine Geschichte mehrere Plots beinhalten kann. Dazu gehört die Geschichte selbst. Dann die Charakterentwicklung und vielleicht noch eine kleine Liebesgeschichte.

Das bedeutet, dass Du erst einmal die komplette Geschichte anhand der oben aufgeführten Liste durcharbeitest (wenn Du nach Dan Wells arbeitest, dann fängst Du mit Punkt 7 an und gehst dann weiter zu Punkt 1). Dabei lässt Du die Charakterentwicklung und die kleine Liebesgeschichte knallhart links liegen.

Als Nächstes machst Du das Gleiche noch einmal mit der Charakterentwicklung Deiner wichtigen Figuren. Wenn Du drei Figuren hast, die eine Entwicklung hinter sich bringen, bedeutet das für Dich, diesen Teil drei Mal durchzuarbeiten.

Und als Letztes erarbeitest Du Dir die kleine Liebesgeschichte, die für Deine Geschichte wichtig ist. Auf diese Art und Weise hast Du alles erst einmal übersichtlich einzeln aufgelistet. Am Ende kannst Du entweder alles zusammentragen, oder weiterhin getrennt halten.

Vor Jahren habe ich die Empfehlung bekommen, dass man sowieso von allen Figuren immer die komplette Geschichte plotten sollte. Dabei ist es völlig egal, ob sie an bestimmten Stellen auftauchen.

Nehmen wir an, Deine Antagonistin oder Dein Antagonist taucht als Person erst gegen Ende der Geschichte auf. Das kann durchaus vorkommen und in einigen Krimis ist das durchaus der Fall. Das bedeutet aber nicht, dass Du nicht wissen solltest, was sie oder er die ganze Zeit macht.

Denn auch im Hintergrund können die Figuren Einfluss auf die Geschichte haben. Gerade die Antagonistinnen und Antagonisten können ihre Ränkespiele schmieden. Und wenn Du weißt, wo sie aktuell sind, kannst Du auch deren Einfluss auf Deine Geschichte besser abschätzen.

Meine Arbeit mit diesem System

Bisher habe ich noch sehr wenig mit dieser Methode gearbeitet. Aber während ich diesen Beitrag geschrieben habe, bekam ich schon so viele Ideen für meine Geschichte, an der ich schon so lange schreibe, dass ich mich ransetzen werde, um damit zu plotten. Ein Versuch ist es auf alle Fälle Wert.

Auch hier werde ich sicherlich mit dem Tarot arbeiten und schauen, was mir die Karten alles verraten. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dadurch einige interessante Informationen erhalten werde.

Abschlussgedanken

Von einigen habe ich schon gelesen, dass viele gerne die Methode benutzen. Wobei wohl im Internet diverse Abwandlungen davon existieren. Wundere Dich daher bitte nicht, wenn Du danach selbst suchst und eine andere Version findest. Das ist normal. Was gut ist, wird adaptiert und findet eine persönliche Einfärbung.

Aber lass Dich ruhig auf diese Methode ein und sieh, was sie Dir bringt. Ich bin mir sicher, die eine oder andere Überraschung dürfte sicherlich dabei sein.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Hits: 22

Plot: Der 5-Akter

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vielleicht sagst Du Dir, dass der 3-Akter nett ist. Aber sie ist Dir nicht detailliert genug. Natürlich kannst Du mehr Details in den 3-Akter einbauen. Andererseits könntest Du auch eine andere Form des Plottens verwenden. Eben den 5-Akter. Schauen wir uns diesen heute genauer an.

Der 5 Akter

Kurze Vorgedanken

Man kann durchaus die 5-Akt-Struktur als ein Teil der 3-Akt-Struktur sehen. Das bedeutet, wenn Du möchtest, kannst Du erst einmal mit der 3-Akt-Struktur anfangen und mit der 5-Akt-Struktur weitermachen. Oder Du behandelst diese Struktur als eigenständiges Plotmittel und steigst an dieser Stelle ein.

Wie Du Dich entscheidest, liegt letztendlich an Dir. Aber damit Du weißt, was die 5-Akt-Struktur überhaupt ist, stelle ich sie Dir hier einmal vor.

frau schreibseele im 5 Akter

Die Prämisse – Akt 1

Hierbei geht es um die Vorgeschichte Deines Romans. Wobei man mit dem Wort Vorgeschichte durchaus vorsichtig sein darf, finde ich zumindest. Denn Vorgeschichte bedeutet natürlich nicht, dass Du hier die komplette Vorgeschichte Deiner Figuren erzählen musst. Also von der Geburt bis zum Zeitpunkt, an der die Geschichte beginnt. Es geht eher um die wichtigen Figuren innerhalb Deines Romans und deren Anfang in Deiner Geschichte.

Das bedeutet, dass Du hier die wichtigsten Figuren vorstellen kannst, die Stimmung, den Ort, die Stimme der Geschichte, das Genre und alles, was für Dich und Deine Geschichte wichtig ist.

Was Du in der 3-Akt-Struktur fast den kompletten ersten Akt zur Verfügung hast, ist bei der 5-Akt-Struktur dieser Part nur ein Teil vom ersten Akt. Man kann keine genaue Seitenzahl benennen, wie viel Du für diesen Teil benutzen sollst. Denn es liegt eindeutig auch daran, wie lang letztendlich Dein Roman werden soll.

Wenn Dein Roman so um die 300 Seiten lang wird, dann kann man sagen, dass dieser Teil so um die zwanzig Seiten lang sein darf. Aber je länger Dein Roman wird, desto länger kannst Du das letztendlich schreiben. Denn Du wirst aller Wahrscheinlichkeit dann auch mehr Figuren einführen wollen, mit denen wir es dann im Laufe der Geschichte zu tun bekommen.

Plot Point 1 – Akt 1

Während der Prämisse lernen wir Deine Figuren in ihrer normalen Welt kennen. Beim Plot Point 1 ist es nun wichtig, dass Du Deine Heldin oder Deinen Helden aus der normalen Welt, in der sie sich befinden, wirfst und damit die Geschichte zum laufen kommt.

Es muss also etwas passieren, dass die Figuren quasi aufweckt werden und es sich zeigt, ab hier beginnt die Geschichte. Wir haben es hier mit dem Wendepunkt der Geschichte zu tun. Deine Figur geht also durch die erste Tür einer Geschichte und Du entscheidest, ob sie sich danach, nachdem die Figur durchgegangen ist, diese sich fest verschließt oder Du sie noch durch eine weitere Tür gehen lassen musst.

Mein Tipp: Spätestens bei einer zweiten Tür sollte Schluss sein. Ansonsten würde das bedeuten, dass Dein Charakter immer wieder die Möglichkeit überlegt, doch wieder zurückzukehren, was theoretisch möglich wäre. Und auf Dauer würde das vermutlich Deine Leser*innen ermüden. Das halte ich persönlich nicht für eine gute Idee.

Die Türen stehen übrigens für die Möglichkeit, wie geschrieben, dass Deine Figuren noch einmal zurückkehren können. In ihr normales Leben. Lässt Du diese Möglichkeit einmal zu, ist das in Ordnung. Ein zweites Mal hingegen wirkt, als könne sich die Figur und Du als Autorin oder als Autor nicht entscheiden. Soll die Geschichte nun losgehen oder nicht?

Diese beiden Türen kannst Du dann auch in diesem Teil gerne einbauen. Überlege Dir aber gleichzeitig einen Auslöser, damit die Geschichte wirklich zum Laufen kommt. Und dieser Auslöser bleibt dann bis zum Ende des ersten Aktes dann bestehen. Ist er dann erledigt, befinden wir uns im zweiten Akt.

Midpoint – Akt 2

Wir befinden uns ungefähr in der Mitte des Romans. Deine Leserinnen und Leser kennen nun Deine Figuren, ihre Welt und wie sie in den Schlamassel geraten sind, in die sie sich jetzt hoffentlich befinden. Das bedeutet, es muss etwas Neues kommen, da es ansonsten zu langweilig wird.

Es wäre ansonsten so, als würde alles einfach vor sich hinplätschern und es passiert immer wieder das Gleiche. Das will vermutlich niemand lesen. Und ich kann mir vorstellen, Du willst das noch nicht einmal schreiben. Hier muss etwas komplett anderes geschehen, als wir es bisher hatten.

Dazu könntest Du jemanden sterben lassen, einer aus den Reihen Deiner Hauptfigur ist auf einmal ein Verräter oder eine Verräterin. Es könnte aber auch sein, dass eine überraschende Nachricht kommt, eine Entführung, egal was. Das Wichtigste hierbei ist, dass Deine Figur aus dem aktuellen Trott herausgerissen wird (selbst wenn dieser abenteuerlich sein darf) und sich nun überlegen muss, wie es jetzt weitergehen soll.

Ich bezeichne es als ein paar ordentliche Stolpersteine, die Deine Heldin oder Dein Held daran hindern soll, ans Ziel zu gelangen. Dabei muss es nicht nur ein Stolperstein im äußeren Bereich sein. Sondern Du kannst auch so zuschlagen, dass Deine Figur emotional verletzt wird.

Hauptsache, Du machst es Deiner Figur nicht so leicht.

Plot Point 2 – Akt 2

Ab hier bereitest Du dann Deine Geschichte auf das große Finale vor, also Akt 3. Bisher kann es sein, dass Deine Heldin oder Dein Held zwischen aktiver und passiver Handlung hin- und hergewechselt ist. Man hat sie oder ihn also eher herum geschubst und nur gelegentlich wurde Deine Figur aktiv.

An dieser Stelle wird Deine Figur zum Handeln gedrängt und muss sich anstrengen, um dafür zu sorgen, dass alles gut ausgeht. Zumindest für Deine Figur soll es letztendlich gut ausgehen.

Also, egal was bisher mit Deiner Figur passiert ist. Jetzt ist es Zeit, dass sie die Spielregeln bestimmt. Kennst Du die Filme, wo auf einmal, der zumeist männliche Held, Sachen zusammensucht, um in die sprichwörtliche Schlacht zu ziehen? Das kann man hier durchaus vergleichen.

Deine Figur ist sich bewusst, es müssen Entscheidungen getroffen werden. Und es gibt niemanden, die oder der das für Deine Figur übernehmen kann, wie noch am Anfang Deiner Geschichte. Im ersten Akt kann jemand oder etwas Deine Figur unterstützen, in die Reise drängen oder auch die wichtigen Gegenstände geben, die sie oder er braucht. Nun heißt es, kein mächtiger Zauberer, keine allmächtige Hexe, keine Eltern, niemand hilft Deiner Figur. An dieser Stelle ist sie oder er gezwungen, selbst zu entscheiden. Und genau das wollen wir Leserinnen und Leser.

Ich möchte, dass die Heldin oder der Held selbst aktiv wird und Entscheidungen trifft. Alles andere wäre ein Verrat. Sowohl an mich als Leserin als auch an der Figur. Denn sie hat es verdient, dass sie eine ordentliche Geschichtswendung bekommt und aktiv werden darf.

Climax – Akt 3

Hier geht es natürlich darum, dass die Pläne Deiner Heldin oder Deines Helden in die Tat umgesetzt werden. Ob sie oder er siegt oder verliert, das kommt auf Deine Geschichte an. Aber hier ist es Zeit, dass eine Entscheidung getroffen und umgesetzt wird.

Und vor allem ist es wichtig, dass Du uns eine Lösung präsentierst, irgendeine. Ob das ursprüngliche Problem gelöst wurde, oder sich diese in Luft aufgelöst hat und ein anderes Problem an deren Stelle getreten ist. Dass alles ist fast egal. Hauptsache, Du kommst zu einem Schluss.

Wobei es zwei Arten von Enden für eine Geschichte gibt. Diese richten sich jedoch nach der Art des Buches. Bei einem Einzeltitel ist es wichtig, dass alle roten Fäden zum Schluss zusammengetragen werden und eine fertige Lösung präsentiert wird. Das bedeutet nicht, dass Du nicht ein offenes Ende haben darfst. Für mich bedeutet es eher, dass die Geschichte so beendet wird, dass wir einen Schluss haben, mit dem es sich leben lässt.

Bei einem Mehrteiler (der Klassiker ist ja immer noch die Trilogie) ist es so, dass häufig das Ende nicht nur ein positiver Effekt hat. Es darf auch ein Hauch von Negativität mit sich bringen. Immerhin darf ein drohender Schatten noch existieren, damit Deine Leserinnen und Leser sich fragen, wie es im nächsten Teil weiter geht.

Eine zeichnerische Übersicht

Im Folgenden siehst Du die Punkte in einer Übersicht, damit Du grob erahnen kannst, wo sich welcher der oben aufgeführten Punkte befindet.

5 Akter – Zeichnerische Übersicht

Damit kannst Du sicherlich erkennen, wo die Steigung erfolgt und wie weit Du gehen kannst, darfst, oder auch solltest.

Meine Arbeit mit der 5-Akt Struktur

Auch hier nutze ich gerne das Tarot, um mir einen tieferen Einblick in die Szene durch die Karten zu ermöglichen. Hierbei habe ich jedoch die Bedeutung der Karten der ersten Methode, also die der 3-Akt-Struktur weiterhin im Kopf.

Das bedeutet Folgendes: Wenn ich eine Karte ziehe, dann deute ich nicht rein aufgrund der Karte selbst die entsprechende Position. Sondern ich suche auch den Zusammenhang aus den Karten, die ich zuvor für die andere Struktur gezogen habe. Daher ist es für mich immer sehr wichtig, alle Karten aufzuschreiben, die ich für eine Legung ziehe.

Das gilt übrigens auch für das Deck, das ich dafür benutzt habe. Denn nur so kann ich immer wieder darauf zurückgreifen und die individuellen Symbole dafür noch einmal deuten. Ein anderes Deck hat häufig andere Symbole und für eine Geschichte damit eine andere Aussage.

Es mag eine Einbildung sein, aber wenn ich die Karten ziehe, dann habe ich das Gefühl, dass die Aussagen aus dem 3-Akter noch einmal bestätigt und intensiviert werden. Es ist eher selten, dass ich eine Karte ziehe, die komplett was anderes aussagt, als was ich mir zuvor erarbeitet habe. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht schon mal dazu gekommen ist.

In solchen Fällen überlege ich mir, warum genau ich eine andere Aussage erhalten habe. Es kann durchaus vorkommen, dass ich weiter an den Figuren gearbeitet habe, oder auch andere Ideen bekam, sodass sich die Energie der Geschichte geändert hat. Und das schlägt sich dann auch in der Bedeutung wieder.

Daher kann ich nur empfehlen, dafür offen zu sein, was die Karten Dir sagen. Denn es hat durchaus seine Bedeutung. Und natürlich notiere Dir bitte alles, was Du in diesem Zusammenhang gezogen und gedeutet hast. Es lohnt sich auf alle Fälle.

Abschlussgedanken

Mit der 5-Akt-Methode geht es, meiner Meinung nach, um einiges tiefer, als die 3-Akt-Methode. Denn hier findest Du mehr „Fragen“, die Du beantworten kannst, um die Geschichte zu finden.

Meine Methode ist, nachdem ich die grobe Richtung gefunden habe, die ich mit der 3-Akt-Struktur mir erarbeite, geht es dann tiefer. Das bedeutet für mich, dass ich danach mich an den 5-Akter setze und die Details noch mehr ausarbeite.

Das macht in der Tat mehr Arbeit, als wenn man sich für eine Methode entscheidet. Daher ist das, meiner Meinung nach, eher für längere Geschichten oder ganze Reihen durchaus eher geeignet, als für kurze Geschichten. Aber das ist dann wieder eine persönliche Ansichtssache.

Solltest Du aber diesen Teil benutzen, dann bekommst Du einen weitaus detaillierteren Plot. Daher kann ich Dir nur empfehlen, diese Plotmethode auszuprobieren.

Dabei wünsche ich Dir eine tolle Geschichte.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

Hits: 25