Erotik vs. Pornografie

Hei, hallo und herzlich willkommen,

es heißt, ein guter Liebesroman kommt nicht ohne eine gewisse Prise Erotik nicht aus. Das gilt natürlich nicht für alle Liebesromane, aber sicherlich für sehr viele. Jedoch wirken einige Romane so, als wollten sie keine erotischen Romane sein, sondern reine Pornographie. Und keine Sorge, trotz des eindeutigen Titels, muss ich hier keine FSK-Warnung aussprechen.

Kurze Vorgedanken

Mehrheitlich halten sich die Autorinnen und Autoren, die einen Liebesroman schreiben, an die Regel, ein guter Liebesroman braucht eine Prise Erotik. Zumindest von denen, die ich gelesen habe. Denn natürlich kann, darf und soll ein Liebesroman auch ohne Erotik und Sex auskommen. Das ist auch immer eine individuelle und persönliche Entscheidung. Und natürlich ist es auch eine Entscheidung im entsprechenden Genre. Einige verlangen Erotik, andere hingegen nicht. Da würde es sogar stören, wenn unsere Charaktere sogar ins Bett hüpfen würden.

Zu diesem Thema gab es ein Workshop auf der letzten LoveLetter Convention 2016. Damals entschied ich mich, zu diesem Thema einen Beitrag zu schreiben. Dieser bildet nun die Grundlage für diesen Beitrag. Zugleich wurde er noch ein wenig aktualisiert, aufgrund der Erfahrungen, die ich seitdem gemacht habe. Und das Wissen, was ich sammeln durfte.

Erotik – Eine (mögliche) Definition

Wer das Wort Erotik hört, denkt natürlich an das Eine. Zwei Menschen treffen sich und letztendlich landen sie, natürlich, im Bett (oder wo auch immer) und haben Sex. Bei einigen Romanen reicht es aus, wenn sie ihr Paar einmal ganz kurz ins Bett schicken (oder wo auch immer sie miteinander Sex haben können). Jedoch soll es bei einigen Verlagen vertraglich geregelt sein, dass bei einer gewissen Seitenanzahl um die drei erotische Szenen geben muss. Und bei einigen Romanen würde ich das, vom Gefühl her, sogar bestätigen. Denn ich konnte tatsächlich ungefähr sagen, wann die nächste Sexszene auftauchen würde. Womit ich dann auch fast immer recht hatte.

Aber man kann durchaus sagen, ein erotischer Roman ist ein Roman, der erotische Szenen enthält. Und dadurch haben diese Romane durchaus ein gewisses Niveau. Nicht immer, aber häufig.

Denn ein erotischer Roman erzählt eine Geschichte und die Sexszenen Sorgen nur für die letzte Würze. Das bedeutet also, die Charaktere (egal, in welcher Konstellation die Geschichte geschrieben wird) bekommen Lust aufeinander und dies tragen sie eben nicht nur auf einer geistigen Ebene aus, sondern halt auch körperlich. Und dies wird unterschiedlich deutlich gezeigt (also man angedeutet und mal direkt beschrieben).

Eine Geschichte mit Erotik

Idealerweise würzt die Erotik eine gute bis sehr gute Geschichte. Dabei ist es egal, ob es sich hierbei um einen Liebesroman oder um eine Fantasygeschichte oder einen Krimi handelt. Zwischenzeitlich werden die Genres so dermaßen miteinander gemischt, dass theoretisch überall die Erotik auftauchen kann.

Und wenn sie gut eingesetzt wird, dann ist es wie ein gutes Gewürz in einem Rezept. Es kann dem Rezept die letzte Note geben, um aus einem guten Mittagessen ein Genuss zu machen. Doch Vorsicht. Fügst Du zu viel von dem Gewürz in die Speisen, versaut es die Geschichte am Ende.

Es fängt alles mit den Charakteren an

Charakterarbeit ist bei einem guten Erotikroman das wohl Wichtigste. Denn in solchen Geschichten sollst Du zwei (oder auch mehr) Charaktere ins Bett schicken und nicht Figuren, die nur dafür erschaffen wurden, um am Ende Sex zu haben (siehe für mehr im unteren Teil mit der Pornografie).

Natürlich werden die Charaktere durchaus in die Richtung bearbeitet, damit sie am Ende wirklich miteinander Sex haben. Wenn Du eine Figur hast, die überhaupt kein Interesse an Sex und schöner Erotik hat, wirst Du sie schwerlich mit jemand ins Bett kriegen. Daher kann man sehr wohl sagen, dass die Erotik durchaus die Grundlage für Deine Charaktere ist. Sie werden also so erschaffen, dass sie am Ende ins Bett kommen. Aber man darf gerne das Gefühl haben, dass sie hier durchaus einen freien Willen haben.

Trotz allem ist es wichtig, dass Du Stärke und Schwäche, Ziele, Motivationen und auch Hindernisse für Deine Charaktere erschaffst. Die Erotik ist also nur ein Teil des kompletten Pakets. Aber natürlich darfst Du Dir hier auch überlegen, welche Techniken (Sexpositionen) Deine Charaktere in der Geschichte ausprobieren und ihnen Spaß macht.

Erotik als Ausrede … für eine schlechte Geschichte

Bedauerlicherweise halten sich nicht viele an meinen Wunsch, dass die Erotik ein durchaus wichtiger Teil der Figur ist, aber eben nur bei einem Teil bleibt. Denn zu oft musste ich Romane lesen, die scheinbar nur aus erotischen Szenen bestehen (und nein, ich bin alles andere als prüde, schön wäre es, dann hätte ich wenigstens selbst eine Ausrede).

Wenn Du einen schlechten Roman geschrieben hast, dann mag das ärgerlich sein, aber denk daran, es handelt sich um die erste Fassung. Und die erste Fassung darf immer schlecht sein. Daher ist es Deine Aufgabe, aus der schlechten ersten Fassung eine gute zweite Fassung zu machen. Doch das schaffst Du nicht, indem Du mit aller Gewalt eine erotische Szene nach der anderen in die Geschichte stopfst.

Doch genau das machen viele Autorinnen und Autoren. Aus irgendwelchen Gründen schreiben sie einen Roman, der nicht viel hergibt. Und dann versuchen sie, den schwachen Plot damit zu retten, dass sie die Heldin und den Helden immer und immer und immer wieder ins Bett schicken. Die Geschichte ist verloren. Meine Empfehlung ist ganz klar, konzentriere Dich das nächste Mal auf Deinen Plot. Dann wird aus der Idee was Gutes. Ab und an werden solche Geschichten gelesen, das stimmt, aber nicht immer wieder.

Insert Sex Scene here

Vor Jahren habe ich versucht, eine Reihe zu lesen, die von der Idee her sehr gut klang. Und ich habe mich auch damals in die Covers verliebt und war richtig hibbelig, als ich auf die deutsche Veröffentlichung gewartet habe. Doch dann habe ich mir die Leseprobe durchgelesen und war schon damals richtig enttäuscht gewesen. Aber das hat mich trotzdem nicht abgehalten, mir Band 1 zu kaufen. Und als Band 2 und 3 günstig zu erwerben war, habe ich die mir auch noch geholt.

Großer Fehler!

Über die schwache Geschichte selbst möchte ich hier nicht schreiben, da es nicht zum Thema gehört. Mir war klar, dass irgendwann eine Sexszene geben muss. Aber als es dann so weit war, wirkte es wirklich wie erzwungen. Und dann auch nur eine Seite lang.

Es war, wie ich weiter oben schon beschrieb, dass drei Sexszenen eingeführt werden mussten. Und das tat die Autorin dann nach einer gewissen Anzahl von Seiten. Lieblos und teilweise auch total sinnlos.

Abschlussgedanken

Natürlich ist es eine Kunst gute Erotik zu schreiben. Wenn Du aber das wirklich schreiben möchtest, dann wirst Du sicherlich einen Weg finden, um aus dem Akt etwas ganz Feines zu erschaffen.

Vorgedanken zum Thema Pornografie

Bei dem Workshop, auf der Love Letter Convention, war man sich, mehr oder weniger, einig: Pornografie ist pfui bäh.

Was jetzt nun wirklich Erotik und was letztendlich Pornografie ist, das ist absolut Geschmackssache. Und die folgende Definition ist meine persönliche, was eben mein Geschmack ist. Das bitte ich zu berücksichtigen. Aber ich denke durchaus, dass ich da mit den meisten sicherlich konform gehe.

Was ist denn nun Pornografie?

Ich bezeichne Pornografie als eine reine Ansammlung von Sexszenen, die versucht dazwischen noch so etwas wie eine Geschichte mit Charakteren zu haben. Doch zumeist ist diese Geschichte so dermaßen konstruiert, dass es schon eher peinlich wirkt, als dass man wirklich Lust hat, dieser zu folgen.

Wenn es so etwas wie eine Charakterarbeit gibt, dann ist sie eher sehr minimal, man könnte schon fast sagen, klischeehaft. Und am Ende ist es sowieso wichtiger, dass die beiden Figuren so schnell wie möglich sich die Kleider vom Leib reißen, um ins Bett zu landen (sofern sie da überhaupt hinkommen), als ein tiefsinniges Gespräch zu führen.

Es geht hier halt um den Sex

Du musst nicht antworten, aber ich denke mal, Du hast mindestens einmal in Deinem Leben zumindest in einem Porno reingesehen. Daher wirst Du ja sicherlich ahnen, dass Pornos eher dazu da sind, die Person (meistens den Mann) körperlich zu stimulieren und nicht den Geist. Und was letztendlich im Film klappt, wurde dann in die Geschichte übernommen.

Wenn Du also einen pornografischen Roman schreiben willst, dann kannst Du es ruhig tun, doch achte dabei, dass die Sexszenen unterschiedlich aufgebaut und allesamt interessant sein dürfen. Denn es gibt nichts langweiligeres, wenn jede Sexszene sich ähnelt. Die Geschichte selbst darf dabei nicht komplett fehlen, aber kann eher im Hintergrund bleiben. Nur rechne damit, dass es dann in einer entsprechenden Schublade landet.

Rotes Tuch Pornografie

Im Workshop auf der LLC 2016 wurden drei Autorinnen gefragt, ob sie sich als Erotik- oder als Pornoautorinnen sehen würden. Die Antwort war ganz klar, sie sehen sich als Erotikautorinnen. Man konnte schon die Antwort schmecken, dass Porno eher einen sehr negativen Beigeschmack hat. Und niemand möchte mit dieser Bezeichnung in Verbindung gebracht werden.

Denn Porno ist eben noch immer pfui bäh. Ich vermute durchaus, weil es eben die Pornoindustrie gibt, die nicht immer den besten Ruf hat. Und zudem wird ja meistens nur eine bestimmte Region angesprochen und nicht den Geist. Da aber viele Erotikautor*innen aber vielmehr ihre Leser*innen auch geistig beanspruchen wollen, ist es für einige eine Beleidigung, wenn man sie als Pornoautorin bezeichnet.

Ist Erotik nicht Pornografie?

Wenn man sich einige Rezensionen durchliest, dann empfinden viele Leserinnen und Leser Erotik als Pornografie. Und das aus Prinzip. Das ist eben das, was ich in der Einleitung erwähnte. Das persönliche Gefühl spiele hier eine sehr wichtige Rolle. Daher kann es sein, dass Dein Gefühl sich nicht mit dem Gefühl Deiner Leser*innen decken muss. Du sagst ganz klar, ich schreibe Erotik. Eine Deiner Leserinnen sagt, Nein, Du schreibst Porno. Und das Schlimme ist, ihr beide habt recht.

Meine Empfehlung hier ist auch ganz klar, diskutiere nicht. Du kannst argumentieren, warum Du selbst eine Geschichte als erotisch bezeichnest. Aber respektiere in diesem Fall die Gefühle anderer und akzeptiere sie. Damit lässt es sich durchaus gut leben.

Ich selbst sage für mich ganz klar, es gibt doch einen gewaltigen Unterschied zwischen beiden Genres. Eben, wenn Du schon einmal einen Porno gesehen hast, dann wirst Du sicherlich mitbekommen haben, dass die Geschichte selbst eher kurz gehalten ist und es dann zur Sache geht. Bei einem Erotikroman geht es eher darum, dass die Charaktere sich näherkommen, sich beschnuppern und dann erst ins Bett gehen. Zumindest im Idealfall.

Gibt es gute Pornos?

Ehrlich gesagt, das kann ich gar nicht beantworten. Laut dem Workshop gibt es einige. Aber leider habe ich die Namen nicht verstanden, die eine Teilnehmerin eingeworfen hat und es gab keine Möglichkeiten der Nachfrage. Aber es gibt immer eine Perle in jedem Genre, wo man sich denkt, wow, danke, dass ich diese Geschichte finden durfte. Und das gilt sicherlich auch für den Bereich Porno.

Frauen sollen aber weniger auf solche Geschichten (und damit auch Filme) ansprechen, als Männer. Daher lesen sie diese Art von Romanen oder Kurzgeschichten auch eher weniger. Aber das bedeutet nicht, dass sie nicht ab und an doch mal eine pornografische Geschichte lesen. Doch es ist wohl eher so, dass Männer die Hauptkonsumenten dieser Richtung sein sollen (dazu gibt es angeblich auch einige Studien, aber das würde jetzt wohl doch zu weit führen).

Es liegt natürlich an Dir, wofür Du Dich am Ende entscheidest. Willst Du überhaupt Sex in Deiner Geschichte verwenden? Und wenn ja, wie viel Prozent sollen sie ausmachen? Ob es dann am Ende sogar ein Porno wird, das ist dann noch einmal eine persönliche Entscheidung und/oder auch eine Geschmacksfrage.

Wenn Du Dich aber mit den Gedanken näher beschäftigen willst, dann ist es durchaus interessant zu lesen, was andere bereits geschrieben haben und wie weit Du gehen willst.

Abschlussgedanken

Meine Empfehlung ist ganz klar, lies ruhig erotische Geschichten, aber auch pornografische. So erkennst Du den Unterschied für Dich und weißt genau, was Du am Ende tatsächlich schreiben möchtest. Wie viel Erotik letztendlich in Deiner fertigen Geschichte landen wird, das entscheidest Du (oder Du und Dein Verlag) und die Geschichte bzw. Deine Charaktere. Wenn Du, gefühlt, gegen ihre Charakterisierung handelst, dann merkt man das. Und in meinen Augen hast Du dann ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Aber das schauen wir uns noch einmal in aller Ruhe in den kommenden Wochen an.

Bis dahin, alles Liebe

Deine frau schreibseele