Exposé und Leseprobe

Exposé und Leseprobe

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn es etwas gibt, wovor viele Autor:innen regelrechte Angst haben, dann dürfte es wohl das Exposé sein – neben dem Klappentext. Daher schauen wir uns doch das Thema genauer an.

Kurze Vorgedanken

Zugegeben, ich bin vermutlich nicht die beste Quelle, um zu erklären, wie man ein Exposé schreibt. In erster Linie auch deswegen, weil ich meine Werke eher im Selfpublishing veröffentlichen möchte. Da ist so etwas nicht notwendig.

Doch zur Beitragsreihe rund um den Verlag ist ein Exposé ein entsprechendes Muss. Daher habe ich recherchiert und diesen Beitrag entsprechend aufgebaut. Aber Achtung, hierbei handelt es sich nicht um die Grundlagen für einen garantierten Vertrag. So etwas kann Dir niemand garantieren.

Und wenn doch, ich würde zumindest meine Zweifel haben.

Was ein Exposé (nicht) ist

Man kann ein Exposé als eine Art Inhaltsangabe eines literarischen Werkes beschreiben. Hierbei sollen die Grundidee und der grobe Handlungsverlauf vorgestellt werden. Das bedeutet, dass nicht jeder rote Faden aufgenommen wird, sondern der Hauptverlauf. Dabei werden keine Dialoge oder sonstige Einzelheiten aufgeführt. Im Exposé skizzierst Du die Hauptfiguren und*oder gibst die thematische Grundlinie Deines Romans wieder.

In einem Exposé wird also die Ideen des Romans, die Handlung und die wichtigen Figuren beschrieben (Haupt- wie wichtige Nebenfiguren, der Rest fällt unter dem Tisch). Weiterhin sollte man dort Informationen zur Zielgruppe einfügen, damit Dein zukünftiger Verlag, Deinen Roman einordnen kann.

Du kannst gerne jederzeit ein Exposé schreiben, zum Beispiel, um zu sehen, ob Deine Geschichte in sich stimmig ist. Häufig ist es so, dass sich Fehler bemerkbar machen, wenn man die Geschichte nacherzählt. Aber ansonsten ist das Exposé wichtig, wenn Du Dein Werk bei einem Verlag vorstellen möchtest.

Mit Hilfe des Exposés kann die Lektorin oder der Lektor feststellen, ob die Idee überzeugend ist und sich verkaufen lässt. Und die Wahrscheinlichkeit, dass Du bei einem Verlag unterkommst, ohne ein Exposé zu schreiben, kannst Du als eher gering einschätzen. In meinen Internetjahren habe ich von nur einer Autorin gehört, die das geschafft hat. Sie hatte danach ein Sachbuch veröffentlicht.

Dein Exposépaket dürfte aus drei bis vier Elementen bestehen:

  • Das Anschreiben
  • Das Exposé
  • Eine Leseprobe
  • Autor:innenvita mit bisherigen Veröffentlichungen
    (sowohl Verlags- als auch Selfpublishingtitel, Titel im DKZV würde ich selbst verschweigen, genauso wie Titel unter einem Pseudonym, die Du am liebsten niemals mehr erwähnen möchtest).

Wir schreiben ein Exposé

Glücklicherweise gibt es keine fixen Regeln, wie Dein Exposé auszusehen hat. Daher hast Du einige Freiheiten. Aber Du solltest vor dem Schreiben die Verlagsseite aufrufen. Manche legen auf bestimmte Daten im Exposé Wert. Diese solltest Du dann unbedingt aufführen. Einige Verlage machen es sich zur Regel, wer die Regeln nicht lesen kann, fliegt sofort raus. Riskiere das nicht unnötig.

Ansonsten gibt es ein paar Eckdaten, an die Du Dich orientieren kannst. Dann fällt das Schreiben (hoffentlich) nicht ganz so schwer.

Deine Kontaktdaten (E-Mail, Adresse, Telefon, Mobilnummer). Beim Namen bleibst Du am besten bei dem, der in Deinem Ausweis und am Ende im Vertrag steht. Man kann also sagen, es geht hier um die möglichen Vertragsdaten. Diese solltest Du ruhig auf jeder Seite vermerken. Dafür eignet sich die Fußzeile besonders gut. Sollte dem Lektorat Deine Unterlagen aus der Hand fallen, können sie Dich immer noch kontaktieren. Denn sie finden immer Deine Daten.

Der (Arbeits-) Titel Deines Romans oder Sachbuches. Dies kann durchaus die Grundlage für den Titel sein, mit dem am Ende Dein Roman veröffentlicht wird. Aber es kann passieren, dass der Verlag Deinem Baby einen anderen Titel gibt. Rechne am besten mit beiden.

Dein Pseudonym, den Du nutzen möchtest. Ansonsten Dein Autor:innenname.

Das Genre, in dem Dein Roman einzuordnen ist. Achtung, bei Verlagen kann es sein, dass ein Genremix nicht immer gut ankommt. Gerade bei Publikumsverlagen kann das eher hinderlich für eine Zusage sein. Prüf die Genres auf der Verlagsseite und denk nach, wo genau Dein Roman reinpassen könnte. So verhinderst Du, dass sie Deinen Roman absagen, obwohl er passen könnte. Aber auch, dass Du mit dem richtigen Verlag zusammenkommst. Damit machst Du es Deiner zukünftigen Lektorin einfacher einzuordnen, ob überhaupt der Roman zum Verlag passt. Oder auch, ob sie dafür zuständig ist. Gerade bei größeren Verlagen hat sich das Lektorat spezialisiert. Von daher ist es gut, wenn Du da genauer bist.

Der Umfang, also wie viele Normseiten hat Dein Buch oder wie viele sollen es werden. Alternativ oder ergänzend kannst Du die Wortzahl noch schreiben. Solltest Du einen Mehrteiler planen, ist das auch der gute Platz, um das zu erwähnen. Manche Verlage wollen unbedingt Mehrteiler haben. Und wenn sie sehen, dass Du Dich damit beschäftigt hast, kann das vorteilhaft sein. Sollte Dein Wunschverlag keinen Mehrteiler wünschen, kann es sein, dass sie entweder mit Dir verhandeln, es bei einem Teil zu belassen oder lehnen Dich ab. Erwähnen würde ich es aber auf alle Fälle.

Die von Dir angestrebte Zielgruppe. Dabei darfst Du so genau wie möglich sein. Wenn Du einen Liebesroman geschrieben hast, ist nicht automatische jede lesende Person in Deiner Zielgruppe, die Liebesromane lesen. Es gibt Liebesromanlesende, die nur Paranormal Romance lesen. Andere lesen nur historische Liebesromane und so weiter. Daher ist es wichtig, Dich mit Deiner möglichen Zielgruppe auseinanderzusetzen und diese zu bestimmen. Das Ergebnis kommt dann in Dein Exposé.

Bei literarischen Werke kommt noch die Erzählstimme bzw. die Atmosphäre des Romans hinzu. Ist es eher fröhlich oder düster, oder wie auch immer.

Aus welcher Perspektive wurde der Roman geschrieben. Also Ich-Erzähler:in, dritte Person, wechseln die Perspektiven.

Zusammenfassung: Fasse Deinen Roman in maximal drei Sätze zusammen. Je Kürzer und knackiger, desto besser.

Dann geht es zur Inhaltsangabe. Die soll ungefähr eine Normseiten lang sein, also zwischen 1.500 bis 1.800 Zeichen.

Dann die Hauptfiguren und ihre Entwicklung. Gegebenenfalls auch die wichtigsten Nebenfiguren. Die zumindest erwähnen.

Abstrakt und Inhaltsangabe

Das Abstrakt ist die sehr kurze Inhaltsangabe, die maximal drei Sätze lang sein darf. Das bedeutet, Du fasst Deinen ganzen Roman, ja, auch wenn er 1.000 Seiten umfässt, in maximal drei Sätze zusammen. Je weniger, desto besser.

Es geht hier um die Quintessenz, um den wahren Kern Deiner Geschichte. Das erfordert ein wenig Übung. Du kannst Deine Lieblingsromane oder Filme als Übungsgrundlage nutzen. Oder Dir eine Fernsehzeitschrift besorgen. Häufig wird der 20 Uhr 15 Film mit solch einem Abstrakt zusammengefasst. Davon kannst Du eine Menge lernen.

Inhaltsangabe

Wenn Du alles andere geschafft hat, kommt die Mammutaufgabe, die Zusammenfassung Deines Romans auf maximal eine Normseite (die oben erwähnten 1.500 bis 1.800 Zeichen, also circa 250 Wörter, die Leerzeichen zählen übrigens mit).

Halte Dich einfach an Aufbau “Anfang – Mitte – Schluss”. Du kannst kurz zusammenfassen, was am Anfang geschehen ist, dann der spannende Mittelteil und eben der Schluss. Was ist der rote Faden, wem sollen wir folgen und wie geht es aus?

Wichtig ist, dass Du die Lösung Deines Romans verrätst. Häufig hab ich Diskussionen gelesen, dass viele dies nicht verraten wollen. Denn das Lektorat und der Verlag sollen sich doch bitte mit dem Roman beschäftigen. Daher wäre es doch gut, wenn man eben nicht erzählt, wie man den Konflikt auflöst.

Du solltest dabei folgendes bedenken: Das Lektorat gehört nicht zu den normal Lesenden, die am Ende Geld für Dein Buch ausgeben, um ein paar Stunden gut unterhalten zu werden. Sie müssen knallharte Entscheidungen treffen. Das bedeutet, dass sie wissen müssen, ob Du es schaffst, den Hauptkonflikt Deines Romans zu lösen. Und auch, ob Du den Roman so endest, wie sie es möchten (zum Beispiel wollen einige Liebesromanverlage kein Sad Ending haben).

Am Ende wird der Verlag einige hundert, wenn nicht sogar tausende Euros in Dich und Deinen Roman investieren. Daher müssen sie einfach wissen, ob es sich überhaupt lohnt. Daher müssen sie auch wissen, wie die Geschichte ausgeht.

Natürlich kannst Du das Ende verschweigen, daraus einen Cliffhänger machen, das Lektorat zappeln lassen. Du kannst damit auch auf einen möglichen Vertrag verzichten.

Hauptfiguren und ihre Entwicklung

Die Held:innen und eventuell die*der Antagonist:in sollten mindestens in Deinem Paket auftauchen. Dabei kannst Du so vorgehen, dass Du ganz kurz ihre Biographie skizzierst. Wo ist Deine Figur geboren, wer sind die Eltern, was hat sie geprägt. Wichtig ist dabei, dass Du die Elemente erwähnst, die den Charakter zu der Figur gemacht hat, die wir im Roman dann am Ende kennenlernen dürfen.

Wenn Deine Figur zum Beispiel relativ früh die Eltern verloren hat, wird das etwas mit ihr*ihm machen. Erwähne, was es sein könnte. Und dann schreibst Du die Entwicklung Deiner Figur auf. Wie ist sie am Anfang, in der Mitte und am Ende des Romans.

Dein Exposé sollte nicht mehr als zwei bis drei Seiten haben. Wenn es einfach nicht geht, dass die Beschreibungen der Charaktere zu lang werden, kann es notfalls auch gut sein, diese in eine separate Datei zu packen. Wichtiger ist es einen guten Eindruck beim Lektorat zu machen.

Die Leseprobe

Die meisten Verlage wollen, dass Du eine Leseprobe mit sendest. Dann können sie in Farbe sehen, was Du geschrieben hast. Hier zeigt sich, was Du kannst und was Du verfasst hast. Denn bei einem Exposé kann man Dir noch helfen. Dein Manuskript ist jedoch Dein Manuskript.

Welcher Teil und welcher Umfang

Darüber musst Du Dir keine Gedanken machen. Normalerweise steht in den Vorgaben genau, wie viele Normseiten Du mitsenden sollst. Und zumeist handelt es sich dabei um den Anfang des Romans. Also zum Beispiel die ersten 20 oder auch 30 Normseiten Deiner Geschichte.

Bisher habe ich nur ein einziges Mal gelesen, dass ein Verlag die Entscheidung den Autor:innen überließ, welche dreißig Seiten sie schicken dürfen. Solltest Du über so etwas stoßen, nutze die Möglichkeit und schicke die spannendsten dreißig Seiten in Deinem Roman. Also die Seiten, welche die Lektorin am Ende aus den Socken haut.

Ein Lektorat vor dem Lektorat?

Vielleicht wirst Du Dich fragen, mit welchen Mitteln, Du die Aufmerksamkeit des Lektorats Deines Wunschverlages am ehesten locken kannst.

In erster Linie natürlich mit dem besten Roman, den Du aktuell schreiben kannst. Das ist klar. Aber das bedeutet nicht, dass Du den nicht noch besser überarbeiten kannst. Und wenn nicht selbst, dann mit Hilfe von anderen Leuten.

Theoretisch kannst Du natürlich ein Lektorat für diese Seiten buchen. Das kostet auf alle Fälle Geld. Aber damit können sich Deine Chancen erhöhen, dass Dein Roman die Aufmerksamkeit der richtigen Personen weckt.

Jetzt könntest Du vermuten, dass man sich damit ins eigene Bein schießt. Immerhin würdest Du ja nur diese Leseprobe überarbeiten. Und nicht den Rest. Sollte der Verlag danach fragen, sei ehrlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass es viele machen, dürfte sehr hoch sein. Egal ob mit einem professionellen Lektorat oder mit sehr strengen Betaleser:innen.

Absenden

Wenn Du alles beisammen hast, lass jemanden noch einmal abschließend drüber lesen. Vielleicht hast Du eine Satzkonstellation, die etwas wirr klingt. Oder man könnte etwas noch knackiger beschreiben.

Setz Dir aber ein Limit. Es dürfen nur maximal ein oder zwei Personen noch ein letztes Mal drüber schauen. Dann musst Du es absenden. Warum? Manchmal verstecken wir uns hinter dem Ganzen überarbeiten und überschreiben, dass wir es am Ende gar nicht fertig machen. Daher setz Dir selbst eine Deadline und schick es dann ab.

Abschlussgedanken

Wie oben bereits erwähnt, es gibt keine Garantie, dass Du mit dieser Anleitung einen Verlagsvertrag kriegst. Aber wenn Du Dich mit dem Thema intensiv auseinandersetzt, ist die Wahrscheinlichkeit größer. Du musst Dich gegen die Konkurrenz durchsetzen. Und das geht in erster Linie damit, dass Du das beste Exposé schreibst, was nur geht.

Wenn Dein Wunschverlag zehn gute Romane bekommt, kann es sich über das Exposé entscheiden, wer am Ende genommen wird. Willst Du zu einem Verlag, solltest Du hier viel Energie investieren.

Dabei wünsche ich Dir viel Kraft und noch mehr Erfolg.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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Dein richtiger Verlag

Dein richtiger Verlag

Hei, hallo und herzlich willkommen,

um eines vorneweg klar zu stellen, es gibt schlichtweg nicht DEN richtigen Verlag. Es gibt nur DEINEN richtigen Verlag. Also ein Verlag, mit dem Du glücklich bist, auch wenn die Reichweite fehlen mag. Denn alle Beteiligten begegnen sich auf Augenhöhe und mit Respekt.

Kurze Vorgedanken

Während Du schreibst oder während Du Deinen Roman überarbeitest, wirst Du wahrscheinlich Dich auf die Suche machen. Nach Deinem perfekten Verlag. Einem Verlag, bei dem Du Dich hoffentlich wohlfühlst und der den wahren Kern Deines Babys erkennt.

Dabei gibt es ein paar einfache Dinge, an die ich mich halten würde, wenn ich nach einem Verlag suche. Und dies wurde durchaus von vielen anderen bestätigt.

Die Grundlagen

Es gibt einige Dinge, mit denen Du Dich beschäftigen solltest, wenn Du Dich mit der Verlagssuche auseinandersetzt. Schauen wir uns die wichtigsten Punkte an.

Lern lesen!

Als Kinder haben wir das lesen und schreiben gelernt. Und irgendwann auch das gewisse Leseverständnis. Und viele Autor:innen schreiben sich auf die Fahnen, dass sie sehr gut lesen und schreiben können. Doch sobald es um die Verlagssuche geht, versagt diese Lesefähigkeit und das Leseverständnis fast automatisch.

Vor einiger Zeit hatte eine Lektorin eine Ausschreibung auf Twitter veröffentlicht. Ihr Verlag suchte eine bestimmte Art von Literatur. Es war klar beschrieben, welche Inhalte die Geschichte haben soll. Irgendwann erklärte die die Lektorin, was sie alles bekommen hatte. Vieles, nur nicht das, was sie eigentlich wollte.

Und solche Geschichten kenne ich schon seit über zehn Jahren. Aber das möchte ich an einem konkreten Beispiel noch einmal erklären.

Nehmen wir an, dass Du eine epische Science-Fiction Geschichte geschrieben. Nun suchst Du einen Verlag und findest einen. Doch dieser Verlag möchte ausschließlich moderne Frauenromane veröffentlichen. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieer Verlag Deinen epischen Science-Fiction Roman veröffentlichen wird?

Leider werden viele Autor:innen es trotzdem versuchen und eine Bewerbung an solche Verlage senden. Gerade, wenn ein Verlag neu gegründet wurde oder wenn dieser Verlag klar sagt, dass sie Manuskripte annehmen.

Daher meine Empfehlung, lern wieder lesen. Wenn ein Verlag nur Fantasy veröffentlicht, wird dieser schlichtweg niemals einen Science-Fiction Roman veröffentlichen. Erspar Dir die Zeit und Energie für eine Bewerbung für diesen Verlag. Er wird ihn einfach nicht veröffentlichen.

Suche daher lieber nach Verlagen, die Deinen Genres veröffentlichen. Du ersparst Dir die Enttäuschungen. Und dem Verlag eine unnötige Absage.

Lerne die Bedingungen zu lesen

Nehmen wir an, Du hast ein paar richtige Verlage gefunden, welche theoretisch Deinen epischen Science-Fiction Roman veröffentlichen könnten. Dann kommen wir zum zweiten Schritt.

Jeder Verlag hat meistens individuelle Bedingungen, mit denen Du Dein Manuskript einsenden solltest. Häufig heißt es, schicke ein Exposé und eine Leseprobe. Es kann aber auch sein, dass Du mehr senden sollst. Oder es reicht ihnen nur ein Exposé.

Was auch immer Du mitsenden sollst, sende genau das mit. Nicht mehr und nicht weniger. Dieser Verlag weiß schon, was sie haben wollen, um eine Entscheidung zu treffen. Da bleibt Dir und mir nichts anderes übrig, als denen zu vertrauen.

Wenn sie also die ersten dreißig Normseiten Deines Romans haben wollen, dann wandle Deine Datei in eine Normseite um. Und dann sende dem Verlag die ersten dreißig Seiten zu. Nicht die letzten, nicht irgendwelche Seiten aus dem Mittelteil oder so viel Text auf der elektronischen Seite, wie es nur möglich ist.

Eine kleine Warnung an dieser Stelle: Manche Verlage könnten sich entscheiden, genau deswegen Dir eine Absage zu erteilen. Also, wenn Du Dich nicht an die Bedingungen hältst.

Lerne mit Absagen umzugehen

Natürlich wünschen wir Autor:innen uns, dass unser Wunschverlag sofort zusagt und unser Genie erkennt. Das würde unsere sensible Autor:innenseele total streicheln und uns ein Gefühl von Zufriedenheit geben.

Die Realität ist aber, dass Du als zukünftige:r Verlagsautor:in wohl die eine oder andere Absage erhalten wirst. Am besten stellst Du Dich jetzt schon damit auseinander, damit Du nicht in ein tiefes Loch fällst, wenn es dann wirklich passiert.

Es kann mehrere Gründe geben, warum Du eine Absage bekommen haben könntest. Schauen wir uns ein paar Möglichkeiten an.

Doch das falsche Genre. Science-Fiction ist nicht immer gleich Science-Fiction. Daher ist es immer wichtig, sich genau mit den Bedingungen und mit dem Verlag vorher auseinanderzusetzen.

Und nein, ein Verlag muss sich nicht mit Deinem Manuskript auseinandersetzen. Selbst wenn aus dem tatsächlich eines Tages ein Bestseller werden könnte. Wenn es nicht ins Gebiet dieses Verlages passt, passt es einfach nicht.

Ein Verlag für lesbische Beziehungen wird nun einmal keinen Liebesroman mit einem Hetenpärchen veröffentlichen. Da kann Dein Roman noch so genial sein. Vergiss es einfach.

Du hast Dich nicht an die Bedingungen gehalten. Das, was ich oben schon mal angedeutet habe. Wenn ein Verlag sagt, dass Du ein Exposé und eine Leseprobe einsenden solltest, dann will der Verlag das auch sehen. Dann schickst Du nicht das komplette Manuskript ein oder was auch immer da noch versendet werden könnte.

Wenn Du Dich für eine Stelle bewirbst, dann weißt Du, dass Du ein Anschreiben, einen Lebenslauf und bestimmte Zeugnisse schickst. Dann übersendest Du nicht Deinen Roman oder Kinderbilder mit. Das interessiert schlichtweg niemanden. Von daher, warum sollte ein Verlag das akzeptieren?

Das Buch passte einfach nicht ins Programm. Selbst wenn Du alles berücksichtigt hast, kann der Verlag trotzdem sagen, dass die Geschichte nicht passt. Vielleicht, weil es kein Einzelband ist, sondern eine Reihe. Oder weil etwas fehlt. Es kann immer einen Grund geben, warum ein Verlag sagt, danke aber nein danke.

Oder das Buch ist schlecht. Ja, das gibt es. Du und ich schreiben gerne. Und wir halten natürlich unsere Geschichte für grandios. Aber das muss nicht bedeuten, dass die Geschichte wirklich grandios ist. Es kann sein, dass Du flache Dialoge eingebaut hast, toxische Troops, welche der Verlag nicht unterstützen möchte oder was auch immer.

Lerne nicht unverschämt zu sein

Die oben erwähnte Lektorin hatte einige Dinge anonymisiert veröffentlicht, da schlackerten mir wirklich die Ohren. Aber auch schon früher hab ich Geschichten gehört, bei denen ich mir dachte, wie dreist manche Menschen doch sind.

Leider sind Autor:innen nicht immer so freundlich, wie sich die Autor:innenbubble das manchmal wünscht. Sie können richtig eklig werden. Sowohl in der Wortwahl, als auch in den Handlungen.

So erfuhr ich aus einigen Beiträgen, dass Autor:innen sich äußerst beleidigend äußerten, wenn man ihre vermeintliche Genialität nicht erkannte. Einige fragen noch höflich nach, warum sie eine Absage bekommen haben. Andere hingegen haben sehr tief in die Mülltonne gegriffen, nur um dort ein paar miese Beleidigungen zu suchen und den Verlagen um die Ohren zu hauen.

Eine Geschichte bleibt mir bis heute noch im Kopf hängen. Ein:e Verleger:in erzählte mal, dass diese Person ein Päkchen bekam. Und in diesem Päkchen war eine tote Ratte zu finden. Damit hatte jemand die Meinung zu der Absage auf eine respektlose Art kund getan (arme Ratte, arme:r Verleger:in).

Egal wie sehr Du Dich verletzt fühlst, weil Du die Absage bekommen hast, halt Dich zurück. Eventuell kannst Du noch höflich nachfragen, warum Du eine Absage bekommen hast. Rechne aber nicht damit, eine Antwort zu bekommen. Denn ein Verlag hat viel zu tun. Sie können einfach nicht auf alle solcher Anfragen reagieren.

Aber halte Dich mit Beleidigungen oder solche ekelerregenden Racheaktionen zurück. Damit tust Du niemanden einen Gefallen. Schlimmstenfalls kannst Du Dir damit selbst ein Bein stellen.

Rechne damit, dass die Verlage sich untereinander schlimmstenfalls austauschen. Zum Beispiel auf Buchmessen. Und vermutlich werden einige dann darüber erzählen, was sie für Erfahrungen gesammelt haben. Wäre natürlich nicht schön, wenn Dein Name dabei fällt.

Auf der Suche nach dem Verlag

Nun weißt Du, wie Du (nicht) nach einem Verlag suchen solltest. Nun schauen wir uns an, welche Schritte ich gehen würde. Gilt übrigens auch für Agenturen.

Erstelle eine Datei

Zuerst würde ich eine Datei erstellen, bevor ich auch nur ein einziges Exposé versendet habe. Denn ich kenne mein Chaoskopf und weiß, dass es bei mir besser wäre, wenn ich es so in Ordnung bringe.

Unter anderem würde ich aufschreiben, wann ich mich, bei wem mit was beworben habe. Und natürlich auch, welche Reaktionen ich wann erhalten habe. So verhindere ich, dass ich mich schlimmstenfalls zwei Mal beim gleichen Verlag bewerben würde.

Im Nachhinein wünschte ich mir, dass ich es auch damals gemacht habe, als ich mich für eine Ausbildung beworben hatte. Da herrschte wildes Chaos bei mir. Jetzt würde ich es eben anders machen.

Ein Exposé schreiben

Das Exposé scheint für die Meisten ja der Endgegner zu sein. Bisher hab ich mich selbst noch nicht damit auseinandergesetzt. Aber mit dem Exposé solltest Du Dich intensiv auseinandersetzen. Das ist Deine Visitenkarte, damit bewirbst Du Dich in erster Linie beim Verlag. Steck ganz viel Energie genau hier herein.

Zu diesem Thema gibt es aber noch ein eigenes Thema.

Die Leseprobe vorbereiten

Du solltest nicht immer die gleiche Leseprobe mitsenden. Denn es kann sich von Verlag zu Verlag unterscheiden. Hier gilt wieder, lies die Bedingungen.

Finde den richtigen Verlag

Schau Dir Deine Lieblingsbücher an und überprüfe, wo diese erschienen sind. Notiere Dir die Verlage erst einmal in Deine Datei. Es geht erst einmal um das sammeln von Namen.

Du kannst auch andere Autor:innen fragen, welche Verlage sie für Dein Thema kennen. Suche im Internet, suche beim kleinen a, auf der Seite der Autorenwelt, auf den verschiedenen Social Media Kanälen.

Sobald Du ein paar Namen hast, kannst Du anfangen zu recherchieren. Suchen die überhaupt nach Manuskripten? Wenn ja, geht es weiter. Wenn nein, dann behalte den Namen ruhig in Deiner Datei. Einmal, weil sich die Ansichten eines Verlages immer wieder ändern kann. Aber auch, damit Du nicht immer wieder über diesen Namen stolperst und neu anfangen musst. Damit ersparst Du Dir Recherchezeit.

Dann überprüfe, was sie wollen. Notiere Dir alles in Deiner Datei. Wollen sie ein Exposé, wollen sie eine Leseprobe, wollen sie eine Beschreibung von Dir, was auch immer. Natürlich auch die Kontaktdaten, die sind immer wichtig. Sowie Ansprechpartner:innen.

Wenn Du das alles hast, trägst Du Deine Sachen zusammen, organisierst Dir eine ordentliche Portion Mut und schickst die E-Mail ab (häufig sind es E-Mails, die heutzutage verlangt werden).

Und dann heißt es, warten!

Die Zusage ist da

Irgendwann kann es dann soweit sein, Du bekommst eine Zusage. Dazu schon einmal an dieser Stelle: Herzlichen Glückwunsch dazu!

Doch wie solltest Du hier reagieren?

Schau Dir genau den Vertrag an

Schau Dir genau den Vertrag an. Was steht drinnen, welche Rechte gibst Du ab, was bekommst Du dafür? Du kannst durchaus nachfragen, ob man an dem Vertrag etwas ändern kann. Noch hast Du nicht unterschrieben. Und wenn etwas zu Deinen Ungunsten dort steht, ändere es. Oder unterschreibe nicht.

Informiere Dich notfalls auch im Netz, was andere zu den Klauseln sagen, die Dir Bauchschmerzen bereiten. Zwar dürfen sie keine rechtliche Beratung geben, aber manche haben Erfahrungen damit und können Dir Tipps geben. Und denk daran, es ist nichts Schlimmes dabei, wenn Du Dir juristischen Rat holst. Das ist völlig legitim. Da sollte auch Dein zukünftiger Verlag nichts dagegen haben. Wenn doch, noch hast Du nicht unterschrieben.

Im Nachhinein verändert sich einiges zum negativen

Manchmal hat man einfach kein Glück mit einem Verlag. Abrechnungen werden zu spät oder gar nicht zugestellt. An Abmachungen hält sich der Verlag nicht. Oder es gibt andere Probleme.

Es kann tatsächlich sein, dass gerade Du Pech hast. Versuche erst einmal Kontakt mit Deinem Verlag aufzunehmen und zu klären, was passiert ist. Bei konsequenter Weigerung oder bei konsequenter Nichtbehebung der Probleme solltest Du recherchieren, ob Du die Einzige mit den Problemen bist oder noch jemand da was hat.

Du solltest keine Angst haben, unangenehm zu werden. Immerhin hast Du Rechte, welche Dir vertraglich zugesichert wurden (Hinweis: Verträge werden in Friedenszeiten geschlossen, um in Kriegszeiten zu gelten).

Warum also solltest Du nicht darauf bestehen, dass Deine Rechte gewahrt und diese Dir gewährt werden? Bestenfalls könnt ihr die Sache friedlich regeln. Denk daran, am anderen Ende der virtuellen Leitung sitzen Menschen. Beleidigungen oder Drohungen in der ersten Mail nützen niemanden. Aber wenn sich nichts ändert, auch hier ist juristischer Rat vielleicht teuer, aber wichtig.

Abschlussgedanken

Natürlich darfst und kannst Du immer vom Besten ausgehen. Du findest den perfekten Verlag für Dich, der auch zufällig ist. Sei so gut und zeige immer Respekt. Dann wirst Du auch Respekt ernten, im Idealfall. Wenn nicht, ziehe Deine Konsequenzen und gehe weiter. Dort bist Du eben nicht gut aufgehoben.

Solltest Du Dich fragen, warum ich nichts zum Thema Druckkostenzuschussverlag geschrieben habe, dann ist die Antwort einfach, der Beitrag kommt noch. Ich denke, dass das Thema so wichtig ist, dass es einen eigenen Beitrag verdient.

Auf alle Fälle wünsche ich Dir viel Erfolg bei der Verlagssuche.

Alles Liebe

Deine frau schreibseele

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